Wo sind die Hebammen?

von Anja

Schon seit einigen Jahren habe ich das Gefühl, dass überall die Geburtsvorbereiterinnen, Doulas, Stillberaterinnen, Trageberaterinnen oder Wochenbettbegleiterinnen wie Pilze aus dem Boden schießen. Und eigentlich müsste man sich fragen, warum das Angebot und sicherlich auch der Bedarf in diesen Bereichen scheinbar so groß geworden ist. Denn viele dieser Arbeitsfelder entsprechen auch der originären Hebammentätigkeit wie zum Beispiel Geburtsvorbereitung, Stillberatung oder schlicht und einfach die Begleitung der gesamten Schwangerschaft, der Geburt sowie dem Wochenbett und der Stillzeit.

Doch schon längst gibt es nicht mehr genug Hebammen, die dieses Angebot abdecken – und auch ich sage jede Woche wesentlich mehr Frauen die Betreuung ab als zu. Ich versuche trotzdem immer, eine Kollegin zu empfehlen, aber für 2016 fällt mir schon jetzt niemand mehr ein, der noch Kapazitäten hätte. Und nicht wenige sind bereits für die ersten Monate des kommenden Jahres ausgebucht. Ich frage mich dann schon oft, ob die Frauen doch noch eine Hebamme finden oder sich am Ende alleine durchwurschteln. Natürlich ist es gerade darum sinnvoll, dass es andere Optionen wie zum Beispiel freiberuflich arbeitende Stillberaterinnen gibt – allerdings müssen diese von den Frauen selbst finanziert werden, was häufig dazu führt, dass sich erst Hilfe geholt wird, wenn das Kind sozusagen schon in den Brunnen gefallen ist.

Auch die Idee der Doula finde ich in unterbesetzten Kreißsäälen tatsächlich sinnvoll, denn leider gibt es viel zu wenige Beleghebammen, die den Frauen eine durchgehende 1:1-Betreuung unter der Geburt anbieten können. Und die selbst aufgeregte Freundin ist nun mal nicht immer die ideale Geburtsbegleitung neben dem Partner. Aber die Doula ersetzt nicht die Hebamme, die im Sinne der Frau die nicht selten in der Klinik stattfindende Interventionskaskade zu verhindern weiß. Denn dafür braucht es auch das medizinische Fachwisssen, um den Eltern zu eigenen und informierten Entscheidungen im Geburtsverlauf zu verhelfen.

Hebammenparadies Deutschland?

Dabei leben wir in Deutschland ja eigentlich in einem Hebammenparadies, denn die gesetzlichen und meist auch privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine ausführliche Betreuung durch Hebammen. Jede Frau hat Anspruch auf folgende Leistungen, (wenn sie denn eine Hebamme dafür findet):

  • Feststellung der Schwangerschaft und Durchführung der Schwangerenvorsorge sowie Blutentnahmen und CTG-Überwachung bei Bedarf
  • Beratung in der Schwangerschaft zu allen relevanten Fragen
  • Hilfeleistung bei Beschwerden in der Schwangerschaft sowie bei Wehen
  • Geburtsvorbereitungskurse, bei dem manche Krankenkassen auch mittlerweile die Partnergebühr erstatten
  • Geburtshilfe in der Klinik, im Geburtshaus oder bei einer Hausgeburt
  • zunehmend mehr Krankenkassen übernehmen auch dafür die Rufbereitschaftskosten
  • Betreuung im Wochenbett: bis zu 20 Hausbesuche in den ersten zehn Tagen und 16 weitere Besuche in den ersten zwölf Wochen
  • bis zu acht Beratungen bei Still-und Ernährungsfragen bis zum Ende der Stillzeit bzw. bei nicht gestillten Kindern bis zum Ende des neunten Lebensmonats
  • Rückbildungsgymnastikkurse

Dieser Anspruch auf Versorgung mit Hebammenhilfe ist sogar im Sozialgesetzbuch festgeschrieben. Aber was nützt das am Ende, wenn keine Hebammen da sind? Deshalb braucht es wahrscheinlich immer mehr andere Hilfsangebote in dieser besonderen aber auch sensiblen Zeit für junge Eltern. Aber um Eltern wirklich umfassend begleiten zu können, kann man als Hebamme nicht 20 Familien im Monat begleiten, zumal die errechneten Geburtstermine ja auch alles andere als präzise sund und damit das Arbeitspensum nicht planbar ist. Ebensowenig kann man den Verlauf der Geburt sowie das Befinden der Mutter danach vorhersehen. Auch Stillprobleme haben eine ganz eigene Dynamik und erfordern meist schnelle Hilfe. Also kann man nur so viele Frauen annehmen, wie man auch wirklich betreuen kann vor, nach oder auch bei der Geburt.

Und so empfehle auch ich der anfragenden, nicht selten verzweifelten Familie, die seit drei Tagen mit dem Baby ohne Hebamme und vielen Stillschwierigkeiten zu Hause sitzt, sich an die Stillberaterin zu wenden, mit der ich zusammenarbeite – in der Hoffnung, dass diese noch Zeit hat. Denn ich habe leider selbst keine Kapazitäten mehr und kenne keine Kollegin im Umkreis, die in den nächsten Tagen noch akut irgendwo schnell mal hinfahren könnte. Und ich hoffe, die Familie wendet sich an diese Stillberaterin mit ihren dringenden Problemen – auch wenn das Ganze selbst finanziert werden muss. Denn alle Eltern und Babys haben einen gut unterstützten Anfang verdient.

Doch gleichzeitig sollen sie zumindest die Privatrechnung bei der Krankenkasse einreichen, um den Bedarf aufzuzeigen. Genau wie man dort auch mal nachfragen sollte, wenn die Hebammensuche erfolglos verläuft. Denn die Eltern sind die zahlenden Mitglieder, um deren Versorgung es hier geht. Und es kann doch nicht sein, dass sie ein Leistungsangebot ihrer Krankenkasse ausgerechnet dann nicht nutzen können, wenn der Bedarf besteht. Es kommt mir darum fast ein bisschen ironisch vor, wenn ich immer wieder lese, wie Krankenkassen damit werben, dass sie Familien eine umfassende Betreuung ermöglichen. Die Themen Familiengründung und Babyzeit sind ja auch recht werbewirksam, weil sie allgemein doch eher positiv behaftet sind. Doch fairerweise müsste nicht nur im Kleingedruckten immer dabei stehen: „Diese Leistungen werden übernommen, wenn sie denn das Glück haben, noch eine Hebamme dafür zu finden.“ Genauso wie Zeitarbeitsfirmen mittlerweile bei uns Hebammen anrufen, damit man mal schnell in irgendwelchen unterbesetzen Kreißsäalen einspringt, melden sich auch immer öfter mal Mitarbeiter der Krankenkasse, die für ihre Mitglieder nach Hebammenbetreuung fragen. Natürlich ist das in der Regel auch hoffnungslos, aber immerhin kommt das Problem damit mal an die Stelle, an die sie auch mit hingehört. Darum kann ich allen erfolglos suchenden Eltern nur raten, das Problem auch an entsprechende Stelle weiterzugeben und sich nicht nur einfach irgendwie „durchzuwurschteln“.

Dieser Artikel wurde im Juli 2016 aktualisiert.

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24 Kommentare

A Bullerbü Life 2. Juli 2016 - 12:38

Es ist schon eine ganz besondere Form von Ironie, wenn Eltern, die noch gar kein Kind erwarten und ja naturgemäß auch gar nicht wissen, wann es denn soweit ist, schon verzweifelt nach einer Hebamme suchen, weil die Unterversorgung so dramatisch ist.

Ich werde nie verstehen, warum man dabei ist einen Beruf auszulöschen, der so sinnvoll ist, wie kaum ein anderer…

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Angela 1. Juli 2016 - 23:51

Ich finde es ja sehr spannend, dass in Österreich, wo es meines Wissens nicht grundsätzlich einen Hebammenmangel gibt, von der Kasse so viel weniger Leistungen bezahlt werden als in Deutschland (vgl. http://www.hebammen.at/eltern/kosten/)! Vielleicht ist das die Lösung des Hebammenmangels..? 🙁
Allerdings ist auch hier die Vergütung so tief angesetzt (http://www.hebammen.at/eltern/kosten/kassentarife/) und die Überprüfung durch die Kassen tlw. so unverschämt, dass, wie ich gerade erfahren habe, sehr viele freiberufliche Hebammen ihre Kassenverträge zurückgelegt haben. Die Insel der Seligen gibt’s wohl nirgends…

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Miriam 18. Oktober 2013 - 10:58

Wenn ich das so lese, dann erkenne ich den Berufsalltag meiner Mutter (=Hebamm in einem Geburtshaus) total wieder. Sie arbeitet auch mit einer Stillberaterin zusammen, ohne diese könnte sie das Pensum an Arbeit gar nicht alleine stemmen, sonst würde sie rund um die Uhr von Hausbesuch zu Hausbesuch düsen.
Es ist aber leider kein Wunder, dass es kaum noch Frauen gibt, die freiwillig diesen Beruf freiberuflich ausüben wollen, wenn man bedenkt, wie viel Idealismus man mitbringen muss, denn reich verdient man sich ja nicht und wenn man den Stundenlohn ausrechnet, dann verdient ne Spülhilfe in der Küche mehr und die hat Null Verantwortung, während eine Hebamme das Leben zweier Menschen zu verantworten hat uU.
Ich erstelle die Buchhaltung meiner Mutter und wenn ich sehe, was sie roundabout an einer Frau mit Rundumbetreuung vor, während und nach der Geburt so verdient (brutto wohlgemerkt) das ist echt so traurig.
Ich finde Deinen BLog so super und habe auch schon den Post über die Missstände im Kreißsaal auf unseren Facebookseiten gepostet. Ich finde die Aufklärungsarbeit so wichtig, viele Frauen wissen gar nicht, auf was sie sich einlassen, wenn sie zur Geburt in ihre ach so tolle Klinik mit Kinderklinik spatzieren, leider sind sie hinterher oft schlauer.
Leider sind gebärende Mütter in Deutschland nicht unbedingt die Zielgruppe der Polöitik.

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Olivia Brown 15. Oktober 2013 - 22:01

Ich liebe deinen Blog und die wenige Zeit, wenn unsere kleine friedlich schläft, lese ich gespannt deinen Blog. Deshalb auch nur kurz: wir hatten eine super Hausgeburt von siebeneinhalb Stunden. Es war alles entspannt und sie kam danach auch sehr oft. Ich bin so froh, dass sie warme Kompressen auf den Damm gedrückt hat, so dass ich nicht gerissen bin.
Sie war die zweite Hebamme, die ich kontaktiert habe und da sie erst vor einem Jahr selber ein Kind bekommen hatte, waren ihre Tipps sehr hilfreich und verständnisvoll. Vor allem war es auch beruhigend, da sie (Kathrin Scheler) auch Beleghebamme im Urban war und sofort ins Krankenhaus gegangen wäre, wenn etwas nicht gestimmt hätte.

Die Rufbereitschaft 450€! sollte die Kasse bezahlen. Man spart sich etwas, wenn man ins Krankenhaus geht und das finde ich nicht gerecht.

Als ich in der Badewanne lag und mein Freund im Wohnzimmer wartete, bis sich der Muttermund ganz öffnete, war ich beruhigt, als sie mich nur berührte. Auch, dass sie mich mal “alleine” ließ, war super. Mein Freund meinte zu ihr, ob sie nicht mal nach mir schauen soll und sie, nönö, sie meldet sich schon. Und ich war richtig froh auch mal Zeit für mich zu haben. Natürlich war ich dann froh, als sie wieder ins Bad kam.

Sie gab mir auch Globuli, auch wenn ich mir dachte, dass hilft jetzt eh nichts. Aber soll sie nur machen. War mir egal. Kann nicht schaden.

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Nova 30. September 2013 - 17:50

Bin gerade zufällig auf deinen Blog gestoßen und lese gerade chronologisch rückwärts 🙂
Interessant zu wissen, dass ich doch Anrecht auf Hebammenbetreuung nach den ersten 8 Wochen gehabt hätte. Ich habe aufgrund einer postpartalen Depression Stillprobleme gehabt und mein Gynäkologe der meinte, ich solle bei einer solchen Diagnose eh abstillen. Meine Hebamme wollte dann ohne ärztliche Verordnung nimmer kommen. Unsere Kinderärztin schrieb eine, meinte aber es ging eigtl auch ohne.
Letztlich hätte ich mir das Gerenne sparen können. Meine Hebamme sagte dauernd Termine an und meldet sich jetzt gar nimmer. Verordnung ging über 5x. Nach deiner Auflistung oben hätte ich ja noch mehr. Gekommen ist sie 2x. Jetzt stehe ich ohne Hilfe da. Anderseits hatte sie was Stillprobleme angeht auch nicht viel Ahnung. Mein zappeliges Baby solle ich halt fast an die Brust drücken.
Nun ja.
Also diese Hebamme ( übrigens aus einem Geburtshaus) macht ihrem Berufsstand keine Ehre 🙁

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KlingKlang 1. Juli 2016 - 14:05

Huhu, ich habe gerade davon gelesen, dass dein Baby manchmal rumzappelt – meine Kleene musste dann immer gaaanz dringend pinkeln (wollte aber mich nicht “beschmutzen”, sie wissen ja nicht, dass sie in die Windel machen sollen) und als ich anfing sie dann über das Waschbecken abzuhalten, klappte es auch mit dem Stillen besser – vielleicht nur ein kleiner Denkanstoß (auch mit 4 Monaten ist eine Zeit, wo das Stillen mal schwieriger werden kann, weil so viel anderes interessantes da ist – das wird auch besser :)). Zwang ist auf jedenfall der falsche Weg, da machst du alles richtig!

Liebe Grüße
KlingKlang

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Shiva 18. September 2013 - 23:45

Wenn ich das alles lese kann ich es gar nicht fassen wieviel Glück ich habe! Meine Hebamme hat mich bei meinem ersten Kind begleitet bis er fast ein Jahr alt war. Ich bin chronisch krank (Diabetes, Bluthochdruck) und hatte es manches Mal nicht einfach. Von der Fließbandarbeit im Krankenhaus und der Arbeitsweise mancher Ärzte bin ich entsetzt!
Zur Zeit bin ich mit meinem zweiten Kind schwanger und meine “alte” Hebi die mittlerweile nebenbei studiert, betreut mich wieder. Gerade heute war sie mal wieder 7,5 Stunden bei mir, das war auch damals keine Seltenheit. Ich möchte sehr gerne eine möglichst natürliche und selbstbestimmte Geburt erleben und gerade durch meine Krankheiten wird es mir nicht leicht gemacht. Zu oft will man mir pauschal Dinge aufdrücken die eigentlich gar nicht nötig sind. Meine Hebi ist der gute Geist an meiner Seite die mir hilft mich gegen pauschalisierte Entscheidungen durchzusetzen und die mir fachlich dabei zur Seite steht. Ich vertraue ihr volkommen, sie ist mein Rückrat und meine engste Vertraute wenns um meine Gesundheit und mein Baby geht zur Zeit. Sie hat mir geholfen viele Ärztefehler auszubügeln und unterstützt mich bei meiner Wunschschwangerschaft- und Geburt.
Ich weiß allerdings nicht wieviel von ihrem Engagement sie dabei wirklich abrechnen kann, ihr Einsatz geht wohl oft über das normale hinaus und ist durch gegenseitige große Sympathie begründet. Sie ist für mich echt ein Schatz!

Liebe Grüße Shiva

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Antonia 12. September 2013 - 21:17

Ich finde dieses ganze Thema echt traurig!

Würde es den Hebammen eigentlich helfen, wenn die Schwangere die Kosten für die Versicherung ganz oder zum Teil selber trägt? Ich glaube (bei manchen Anbietern) kann man die Versicherung für die aktive Geburtshilfe auch nur für kurze Zeiträume dazu buchen.

Das heißt, eine Hebamme die aus Kostengründe keine Geburtshilfe mehr leistet, könnte der Schwangeren doch anbieten, dass sie sie betreut, sofern sie die Kosten für die Versicherung auf die Schwangere umlegen kann. Oder?

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weib yvonne 13. September 2013 - 06:55

es gibt schon einige, die die versicherungspraemie von den frauen zahlen lassen.

da sind dann kosten von insgesamt 500 bis 800 euro(mit rufpauschale, die ja auch variiert) haeufig.
wo bei solchen summen noch freie wahl des geburtsortes gegeben ist, ist fuer mich fraglich.
ich koennte mir das nicht mal eben leisten(bei aktuell 5 kids bleibt einfach zu wenig uebrig).

im kranken haus wird alles bezahlt, …zig sehr oft nicht noetige untersuchungen bei aerzten werden auch gezahlt – aber die hebammenbetreute hausgeburt wird nur minimal unterstuetzt (und das auch nicht von allen kassen).

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Victoria 11. September 2013 - 10:29

Ich möchte nur mal anmerken, ich hatte bei meinen 3 Geburten 3 verschiedene Hebammen.

nur eine einzige wäre als “Stillberaterin” brauchbar gewesen die beiden anderen hatten beide keine Ahung (und das mit jeweils 20 Jahren Berufserfahrung)
Ich war 3 Jahre Foren-Moderatorin in einem Mutter-Kind Forum und es scheint so als wären meine beiden keine Ausnahmen gewesen.
Die Ausbildung von Hebammen in Wien enthält auch das Thema Stillen auch nur maginal bis gar nicht.

Von der Hebamme beim zweiten Kind hab ich zum Tragen jedes Ammenmärchen entgegengeschmettert bekommen das so kursiert.

Persönlich halte ich auch nicht viel von angewandten Praktiken um Wehen zu fördern, Dämme zu massieren, Heublumendampfbäder und Himbeerblättertee,… die erste empfahl mir sogar den Epi-No! – Schrecklich

Ich habe 3 Kinder mit den diensthabenden Stationshebammen im Krankenhaus ohne Hilfsmittel auf die Welt gebracht. Ohne Risse, oder sonstige Probleme. Hab beim ersten Kind 2 Stunden gebraucht beim 2. 1 Stunde und beim 3. drei Minuten.

Ich frage mich viel eher wie es sein kann das soooo viele Mütter das vertrauen in sich und ihren Körper verlieren dass sie schlussendlich so verkrapft in die Geburt hinen gehen und es mich ehrlich gesagt wundert das es noch normale Geburten gibt. Geburtsvorbereitungskurse (auch die bei den Hebammen ) machen den meisten leider mehr Ängste als sie nehmen.

Zum anderen die Kosten – oft sind die Beraterinnen wenn sie zu dir kommen genau so teuer wie die Hebammenordination zu der du hin muss. Kinderlose Hebammen und von denen gibts viele würd ich persönlich auch nicht der Kinder wegen um Rat fragen (Stichwort: Familienbegleiterin), vor allem da zwei meiner Hebammen immer wiederholten “Ich wiege und messe das Kind aber bin für sie da, den Rest macht der KiA” und ich darf auch anmerken das alle 3 einen ausgezeichneten Ruf genießen.

Persönlich würd ich aber nur eine meiner drei Hebammen wirklich guten Gewissens weiterempfehlen, und auch die kann nicht alle oben genannten neuen Berufsgruppen abdecken.

Doula kann ich nicht beurteilen, ich kenne keine.

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Almut 7. September 2013 - 22:08

Frage an Kathrin:
Wenn einige dieser Faktoren am Niedergang beteiligt sein sollen, warum existieren dann Ärzte?
Das ist definitiv nicht schlüssig.

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Kathrin 7. September 2013 - 17:31

Als Mütterpflegerin & Trageberaterin habe ich schon viele Szenarien erlebt – Frauen ohne Hebamme, die das selbst so gewählt hatten und wunderbar klar kamen, Frauen ohne Hebamme, mit denen ich ständig beim KiA oder Gyn stand, weil ich bei medizinischen Problemen mit entzündeten Dämmen etc. nur weiterleiten kann und auch keine Verantwortung für dauerhaft mangelnde Gewichtszunahmen beim Kind übernehmen kann…Hebammen, die zum Hausbesuch nicht mal die Schuhe ausziehen und ich sogar dann, wenn ich nur mit halbem Ohr dem Gespräch zwischen ihr und der Wöchnerin lausche, merke, dass für die wirklichen Fragen der Frau gar keine Zeit und kein Raum bleibt (ich kriege sie dann eine halbe Stunde später “ab” sozusagen)…super tolle Hebammen, die sich wirklich in Mutter und Kind einfühlen, mit denen ich dann Hand in Hand arbeiten kann,, weil ich in der Regel nicht nur 45 Minuten, sondern 4h da bin und daher bestimmte Dinge noch besser im Auge behalten und das dann weiterleiten kann….Ich denke, dass bestimmte Phänomene sicher mit dem Niedergang des Hebammenwesens zusammenhängen..manchmal denke ich, wer arbeitet eigentlich NICHT in der Elternberatung? Andererseit können Hebammen eben nicht alles leisten, so dass es gut ist, dass es auch andere Leute mit Spezialgebieten gibt…alles in allem besteht unendlich viel Beratungs- und Unterstützungsbedarf im praktischen, seelischen, psycho-sozialen, so erlebe ich es…..und gut, wenn jemand da ist, der den Frauen eine Hand reichen kann.

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Almut 6. September 2013 - 22:25

Hallo!

Es gäbe genügend Hebammen, wenn man ausgebildete Hebammen und Bedarf vergleicht. Nach der letzten Erhöhung der Haftpflicht haben aber alle Hebammen, die nicht willens waren, sich a) ausbeuten zu lassen oder b) auf Kosten des Mannes ihren Beruf auszuüben, ihren Beruf aufgegeben. Wenn man nun jährlich 200 Hebammen mehr ausbilden würde, die Bedingungen aber so schlecht bleiben, wird das nur die Anträge beim Arbeitsamt erhöhen. Unser Alltag ist geprägt von sehr wechselnden Arbeitsplätzen, viel Verantwortung, nie Feierabend, selten Urlaub, hoher Verantwortung, dauernder telefonischer Bereitschaft, Familienleben gleich null, Freundeskreis deutlich reduziert, am WE oder abends Schreibkram. Wir müssen alles, von der beruflichen Abrechnung und Dokumentation über die Krankenkasse, Rentenversicherung etc. selber managen. Der Beruf ist höchst anspruchsvoll und auch sehr erfüllend. Ich möchte nach wie vor nichts anderes machen. Aber ich verstehe die Kolleginnen, die mit festen Arbeitszeiten und gutem Gehalt lieber bei Aldi an der Kasse sitzen. Fazit: So, wie es jetzt läuft, geht es an die Versorgung der Familien. Besser gestellte können sich Doula etc. leisten, wenn keine Hebamme verfügbar ist. Die Hebamme ist aber das ausgebildete Allround-Talent! Wir sind Doula, Stillberaterin etc. in einer Person. Solange nicht die Krankenkassen massiven Druck von den Versicherten spüren, wird sich nichts ändern.

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Anna 6. September 2013 - 22:17

Anja, Du schreibst mir immer aus der Seele! Danke dafür!
Frage mich momentan auch, wie hoch eigentlich die Ziffer von Frauen ist die KEINE Wochenbetthebamme haben. Ich arbeite in HH und der Bedarf ist riesengroß! Einige Kolleginnen nehmen jetzt sogar eine Art Rufbereitschaftspauschale für die Wochenbettbetreuung. ( weiß gerade selber nicht, ob ich das okay oder nicht okay finde).
Über Beschäftigungsmangel kann man sich als freiberufliche Hebamme jedenfalls nicht beklagen und wenn man gründlich arbeitet kommt auch genug zum Leben bei rum( zumindest wenn man nur die Haftpflicht ohne Geburtshilfe zu Zahlen hat).
Krass finde ich die Entwicklung der Geburtshilfe, geradezu dramatisch! Von Wahlfreiheit des Geburtsortes kann man schon nicht mehr sprechen. Wenn überhaupt noch, dann in den großen Metropolen.
Ich denke, es würde sich viel verbessern, wenn endlich wieder mehr Hebammen ausgebildet würden, die Haftpflicht politisch gedeckelt werden würde und sich endlich mehr Gynäkologen dazu herablassen würden mit Hebammen zusammen zu arbeiten.
Darüber hinaus sind Doulas, Geburtsvorbereiteinnen und Stillberaterinnen wertvolle Kolleginnen, auf die ich als Hebamme als Ergänzung zu meiner Arbeit nicht mehr verzichten möchte.

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Rosalie 6. September 2013 - 18:24

Ich muss echt sagen, ich fand das Konzept sehr gut, bis es darum ging eine Hebamme zu finden. Nix für ungut, aber die meisten sind esoterisch angehaucht, kommen einem gleich mit Globuli und sonst noch Zeug. Ich habe echt lange gesucht beim ersten Kind, bis ich eine gefunden hatte, die nicht zuerst auf Homöopathie setzt. Ich mag das nämlich nicht. Berufsbedingt und generell.
Und als das Kind dann da war und sie kam und nicht erkannt hat, dass mein Kind eigentlich ins Krankenhaus gehört, da hab ich sie dann rausgeschmissen. Die Kleine hatte so schlimm Gelbsucht, dass ich mit einem leblosen Kind im Spital ankam als Notfall und wir eine Woche auf der Neointensiv waren. Die Hebamme meinte immerzu ‘sie ist zwar gelb, aber das geht wieder weg… Wenn sie so gelb sind, dann trinken die Kinder eben nicht so gut…’
Das war 3 Tage nach der Geburt. Ich muss auch gestehen, ich hab sie danach nicht sehr vermisst und auch nie groß das Bedürfnis nach Betreuung gehabt. Darum hab ich auch für’s zweite Kind gar nicht erst nach einer gesucht.
Dennoch find ich den Beruf superwichtig und würde mir wünschen, dass es viel mehr sehr gut ausgebildete Hebammen gibt. Der Job ist nämlich nicht einfach.
Am meisten haben mir auch die Beleghebammen in der Klinik zugesagt. Die waren echt gut drauf und sehr kompetent.

Antworten
Antje 5. September 2013 - 22:41

…das ist doch alles krass!
Wir sollen Kinder bekommen, weil in diesem Land wohl die Geburtenrate sinkt.
Aber so richtig interessieren tut es dann eigentlich doch niemanden, wie man sich so durchwurschtelt.
Und nun betrifft es sogar schon die Geburten unserer!
Ich selbst wollte eigentlich auch in ein Geburtshaus – um eine selbstbestimmte Geburt erleben zu dürfen. Hier gibt es nur keins. Alle dicht.
Hausgeburt. Kann ich mir mittlerweile auch gut vorstellen – aber die armen Hebammen können sich die Versicherungen nicht mehr leisten!!!
Also, was bleibt uns: Ab ins Krankenhaus.
Da ist nicht mehr viel mit Selbstbestimmung!
Einfach TRAURIG!

Antworten
Anna 5. September 2013 - 16:29

Hier ist eine Hebamme. Eine von denen, die auch regelmäßig Absagen am Telefon erteilt. Ich übe meinen Beruf sehr gerne und mit vollem Herzen aus. Doch nicht zu diesen Bedingungen, wie sie im “Hebammenparadies” Deutschland zur Zeit gegeben sind. Das was ich an Kräften aufwenden muss um meine Arbeit nach meinem Qualitätsanspruch ausüben zu können steht in keinem Verhältnis zur finanziellen Entlohnung derselbigen.

Auch ich sehe Familienberaterinnen die auf ihren Internetseiten ein quasi-Hebammnebetreuungsspektrum anbieten, Risiko, Hebammenhaftpflicht, “die Geburt” und Dokumentationsberge natürlich ausgenommen.

Die Geburtshilfe in den Kliniken verarmt zusehends zur Geburtsmedizin, die “seelischen Pflästerchen” für die traumatisierten Frauen verteilen Hebammen, Doulas, Familienbegleiterinnen… Traditionelle Hebammenhandwerkskunst ist grad nicht so im Trend.

Ich empfehle den Frauen Netzwerkbildung untereinander und träume davon, dass das Hebammenwissen wieder mehr zum Frauenwissen wird und wir alle uns gegenseitig beim Kinderkriegen und – haben unterstützen.

Antworten
Sarah -kleine Elfe 5. September 2013 - 13:58

Ich versuche auch schon seit Jahren einen Platz an einer Hebammenschule zu bekommen . Ich kann euch sagen , es mangelt nicht an Leuten die das machen wollen , sondern an Schulplätzen ! 1500 Bewerbungen auf 20 Schulplätze wurde mir beim Vorstellungsgespräch gesagt ,davon 150 zum Bewerbungsgespräch wovon ja nur 20 einen Platz bekommen !!! Ich hab schon Kinder und kann deswegen nicht super weit weg ziehen . Es kommen für mich nur 2 Schulen in Frage und die eine ist sogar 70 km weg was ich pendeln müsste aber anders gehts nicht. Eine der Schulen bildet nur alle 2 Jahre aus und die andere sogar erst alle 3 Jahre .

Da kann man sich nicht wundern warum so wenig Hebammen da sind. Dazu kommt noch die Geld-Mach-oder-einspar-politik der Kliniken . Immer weniger Hebammen werden eingestellt um Geld zu sparen , die Frauen sin da ja egal . DIe Haftpflicht ist auch mit ein Grund , warum viele es sich nicht mehr leisten können .

Traurig aber wahr .
Ich denke aber der Ausbau von neuen Schulen wär schonmal ein Anfang um Flächendeckend , mehr Hebammen aus zu bilden , denn die Nachfrage ist ja offensichtlich groß !

Wegen der schlechten Bedingungen in der AUsbildung, die Junge Mama angesprochen haben .. ich sags mal so ich hab 9 Monate Praktikum gemacht in einer Klinik … ich denk ich werd das durziehen wenn ich nen platz ergattern kann um es eben hinterher besser zu machen

Antworten
Sarah -kleine Elfe 5. September 2013 - 14:00

Übrigens hab ich Fachabi und bekomm trotzdem keinen Platz

Antworten
junge Mama 5. September 2013 - 12:59

Einen Ausbildungsplatz zu bekommen, ist fast wie ein Sechser im Lotto. Ich hatte das “Glück”, habe es aber nicht durchgezogen, weil mich die Realität mit gebären wie am Fließband, unmögliche Behandlung der Frauen wegen Stress, Zeitmangel und schlechter Bezahlung, sekundären Kaiserschnitten, die oft hätten verhindert werden können plus die schlechte Behandlung der Schülerinnen (Ungeduld, Neid und Eifersucht neben hoher Verantwortung)mich kaputt gemacht haben. Ich war nicht die einzige, die ihren jahrelangen Wunschberuf aufgegeben hat…
Es muss also grundsätzlich viel politisch verändert werden, damit mehr und gute Hebammen ausgebildet werden können. Leider geht der Trend genau in die falsche Richtung: die freiberuflichen können die Versicherungsgebühren für außerklinische und Beleg-Geburten nicht mehr stemmen, es gibt immer weniger Hebammen, weil es sich für manche schlichtweg nicht mehr lohnt und zu wenige nach kommen und Unterstützung erfährt dieser Beruf von kaum einer Seite (siehe die Protestmärsche). Ich kann nur hoffen, dass die Situation für die Hebammen irgendwann doch wieder besser wird. Und sie nicht gänzlich von der Bildfläche verschwinden…denn damit sterben auch die Hausgeburt/das Geburtshaus/hebammengeleitete Kreißsäle aus und die primäre Sectio wird die einzige bekannte Entbindungsform (natürlich sehr schwarz betrachtet, aber wollen wir das?). Deshalb: gut, dass es Doulas/Stillberaterinnen etc.gibt, der Bedarf ist da. Doch wie eine Stillberaterin einmal so schön schrieb:”ich wünschte, ich wäre arbeitslos”…

Antworten
Tati 5. September 2013 - 12:51

Ich bin hebammenpraktikantin und habe nun auch schon das zweite mal Bewerbungen an 4 schulen im Umkreis geschickt und Bewerbe mich auch für das Studium in Bochum.
Ich weiß auch schon aus eigener Erfahrung (ist halt wie gesagt schon das zweite mal) dass es nicht leicht ist einen Platz als hebammenschülerin zu bekommen, da es einfach zu wenig Plätze gibt.
Aber ich will nicht aufgeben, da ich es unbedingt machen will. Ich habe ergeiz und hoffe diesesmal wenigstens auf ein Vorstellungsgespräch.

Antworten
Janine 5. September 2013 - 12:07

Ich hoffe so sehr, dass ich meinen Traum wahr machen kann und 2017 meine Ausbildung zur Hebamme beginnen kann (nach einjährigem Praktikum). Trotz meiner drei Kinder und meinen fast 30 Jahren dann 😛
Ich denk positiv 🙂 Meine Hebamme steht hinter mir und unterstützt mich 😉

Antworten
Dagmar 5. September 2013 - 12:01

Falls ich nochmal ein Kind kriege, werde ich wohl auch die Dienste einer Doula in Anspruch nehmen. Leider hat das hiesige Geburtshaus schon lange dicht gemacht, Hebammen für Hausgeburten sind auch keine mehr weit und breit zu finden und das kleine eher familiäre Krankenhaus, welches auch Beleghebammen zuließ hat 3 Monate vor der Geburt meines ersten Kindes die Geburtsstation dicht gemacht. Somit blieb als einzigste Alternative das große Krankenhaus, wo keine Beleghebammen zugelassen sind. Dort hatte ich dann eine “tolle” Geburt an einem Tag wo 11 Geburten bei 3 Kreissäälen stattfanden. Wenn die Ärztin nicht Probleme gehabt hätte, mir einen Zugang zu legen, wäre ich auch noch in den Genuß von wehenverstärkenden Mitteln gekommen (wohl damit der Kreissaal schnell wieder frei wird) …

Antworten
Mary 5. September 2013 - 09:46

ich kenne den Grund ich, ob es da beschränkungen gibt, aber eine Freundin von mir, selber mutter von 2 kindern und nicht etwa mit abgebrochenem hauptschulabschluß, hat jahrelang versucht, hebamme zu werden und hat nie einen ausbildungsplatz bekommen. vielleicht muß einfach mehr ausgebildet werden.

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