Stillbeikost

Beikost drei mal anders

von Anja

Dies ist der 47. Beitrag in unserer Reihe „Stillen ist bunt“ (alle weiteren findet ihr gesammelt hier), in dem Katrin ihre persönliche Stillgeschichte teilt. Die 37-jährige Fremdsprachenassistentin wohnt in Hanau bei Frankfurt. Sie arbeitet aktuell als Tagesmutter, ist verheiratet und hat drei Kinder. Zum Zeitpunkt des Stillinterviews war ihre Tochter sechs, ihr Sohn drei und der Kleinste 20 Monate alt. Ihre größte Leidenschaften ist die Musik und das Singen. Wer mag, kann Katrin bei Instagram folgen.

Hier erzählt sie von ihren Stillerfahrungen und drei ganz unterschiedlichen Beikostwegen.

Was hast du vor deiner Schwangerschaft über das Stillen gedacht bzw. welche Erfahrungen mit dem Thema gemacht?
Ich habe mir darüber recht wenig Gedanken gemacht. Ich habe auch einfach nur gedacht, dass es klappen wird und wusste nur, dass ich es unbedingt möchte. Ansonsten hatte ich keine Erfahrung damit. Hab‘ nur mal Freundinnen stillen gesehen.

Wie hast du dich vor der Geburt über das Thema informiert? Gab es Wünsche und Vorstellungen in Bezug auf die vor euch liegende Stillzeit?
Recht wenig. Mein einziger Wunsch war, dass ich wollte, dass es funktioniert.

Ermutigung durch die Hebamme

Wie verlief der Stillstart und wie ging es dir und deinem Baby dabei? Welchen Einfluss hatte die Geburt auf eure ersten Stillmomente?
Der Start verlief bei meinem ersten Kind zwar insofern gut, dass sie sofort an die Brust ging und super trank, ich aber sehr wunde und blutende Brustwarzen bekam. Bei meinem zweiten Kind klappte sofort alles wunderbar und ich hatte keine Probleme. Genauso beim dritten Kind. Ich hatte drei natürliche und völlig problemlose Geburten. Das hat sicherlich eine Rolle gespielt dabei, dass alle drei Kinder sofort an die Brust konnten und auch gingen.

Wie lief das Stillen im Wochenbett? Hattest du in dieser Zeit Unterstützung?
Ich hatte bei allen drei Kindern die gleiche Hebamme, die mich unterstützt hat. Besonders beim ersten Kind, wo die ersten acht Wochen wirklich sehr schmerzhaft waren.

Wer war bei Fragen oder Problemen in der Stillzeit für dich da? Wer oder was hat dir besonders gut bei etwaigen Schwierigkeiten geholfen?
Meine Hebamme hat mir auch sehr spät abends Fragen beantwortet und mir hilfreiche Tips gegeben. Außerdem hat sie mich ermutigt weiterzumachen und mir versichert, das es sich lohnen wird. Sie hatte recht.

Wie verlief der Beikostbeginn? Welche Erwartungen gab es? Und wie hat sich das Stillen in dieser Zeit verändert?
Meine Tochter bekam mit fünf Monaten den ersten Brei. Beim ersten Kind lässt man sich noch verrückt machen. Aber sie hat ihn auch sofort gegessen, als hätte sie nur darauf gewartet. Dann wollte sie auch tagsüber nicht mehr viel an die Brust. Mit sieben Monaten dann nur noch nachts. Mein zweites Kind wollte keinen Brei. Da hab ich mich mit Baby-led weaning beschäftigt gesetzt und fand es toll. Er wollte immer lieber was in der Hand haben.

Beikost am Familientisch

Ich habe ihn fast sieben Monate voll gestillt und dann ging er nach und nach an den Familientisch. Mit achteinhalb Monaten wollte er gar nicht mehr an die Brust. Ich hatte mir eine Stillberaterin geholt, weil ich so traurig war darüber. Aber es hat alles nichts geholfen. Er wollte einfach nicht mehr, nachdem er mich gebissen hatte und ich laut aufgeschrien habe.

Mein nun 20 Monate alter Sohn interessierte sich mit fünf Monaten sehr dafür, was wir essen. Also habe ich ihm etwas Brei gegeben. Er fand es ganz gut, aber vier bis fünf Löffel reichten ihm. Dann wollte er an die Brust. Mit etwa acht Monaten wurde mein Milchspendereflex nicht mehr richtig ausgelöst und ich hatte sofort Angst, dass es auch ein so frühes Ende nimmt wie bei meinem anderen Sohn in dem Alter. Auch hier stand mir meine Hebamme sehr ermutigend zur Seite. Sie sagte, ich solle es immer wieder probieren oder mal mit der Pumpe schauen, ob es damit geht. Es ging und nach drei Tagen war alles wieder normal.

Vermutlich lag es daran, dass ich etwas kränklich war. Er hat bis zum neunten Monat überwiegend gestillt und wenig gegessen. Dann plötzlich fing er an, am Familientisch mitzuessen und wurde nur noch morgens, zum einschlafen und nachts gestillt. Morgens und nachts fiel mit ca. zwölf Monaten weg. Als er 15 Monate alt war, wollte er von jetzt auf gleich nicht mehr an die Brust. Ich finde das immer erstmal schwer zu akzeptieren, weil eine sehr innige Zeit vorbei geht. Ich habe es zum einschlafen immer mal wieder versucht. Aber er hatte sich entschieden. Und dann war es für mich okay.

Gerne noch länger gestillt

Wie verlief der Abstillprozess bzw. welche Wünsche oder Vorstellungen hast du in Bezug auf diese Zeit?
Das war bisher kein Problem. Es ging einmal mehr von mir aus, weil ich mich habe beeinflussen lassen. Aber meine Tochter hatte auch kein Problem damit. Beim zweiten Mal ging es ausschließlich von meinem Sohn aus. Ich hätte so gerne noch länger gestillt. Deshalb war ich sehr glücklich, dass mein Kleinster wenigstens bis zum 15. Monat stillen wollte. Mit der Milch hatte ich nie Probleme. Das hat sich immer von alleine sehr schnell geregelt.

Was war oder ist das Schönste für Dich am Stillen?
Dass man den Hunger, Durst und das Nähebedürfnis des Kindes sofort stillen kann. Außerdem ist es so praktisch. Diese Nähe und die Blicke und Berührungen dabei sind für mich das allerschönste.

Was war am schwersten oder belastendsten für dich in der Stillzeit?
Eigentlich nur die ersten acht Wochen mit meinem ersten Kind. Wegen der sehr schmerzenden Brustwarzen. Und das mein mittlerer Sohn so früh nicht mehr gestillt werden wollte. Ich war emotional noch nicht soweit. Alles andere war wunderschön.

Was würdest du in einer weiteren Stillzeit anders machen? Was ist deine wichtigste Erkenntnis in Bezug auf das Stillen, die du anderen Müttern weitergeben würdest?
Die wichtigste Erkenntnis war, dass man es so machen sollte wie man es für richtig hält. Und sich dabei nicht von der Gesellschaft beeinflussen lassen darf. Das habe ich bei Kind zwei und drei auch so gemacht, ganz anders als beim ersten Mal. Den anderen Mamas würde ich das auch sagen: Vertraut euch und eurem Kind. Ihr geht den für euch richtigen Weg. Scheut euch auch nicht, euch professionelle Hilfe zu holen, wenn es mal schwierig ist. Wenn ihr noch stillen wollt, gibt es tolle Menschen (Stillberaterinnen, Hebammen) die euch unterstützen können. Sucht euch jemanden, der zu euch passt und euch bei eurem Weg unterstützt!

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