Babybad, Baden, Babybath

Das Baby baden – mehr als nur waschen

von Anja

Die Zeiten, in denen ein Baby noch im Kreißsaal gebadet wurde – gerne auch mit ordentlich Badeschaum – sind vorbei. Längst weiß man, dass dieses frühe Baden das Bonding ungünstig beeinträchtigt. Auch das „Wegwaschen“ des typischen Babygeruchs ist nicht sinnvoll. Der Bindungsaufbau geschieht natürlich auch über die Nase. Und ein Baby sollte eben nach Baby riechen – und nicht nach Seife.

Die Käseschmiere (Vernix caseosa) darf gerne die empfindliche Babyhaut auch nach der Geburt noch etwas weiter unterstützen. Sie besteht aus Talgdrüsensekret, Fettsäuren und Epidermiszellen. Die Käseschmiere schützt die Haut des Babys bereits im Fruchtwasser im Bauch der Mutter vor dem Austrocknen. Bei zu früh geborenen Kindern ist die Vernix oft noch als dickere Schicht zu sehen. Bei reif (um den Termin herum) geborenen Kindern hingegen ist es oft eine dünne, kaum sichtbare Vernix-Schicht, die die Haut überzieht. Im Bereich der Achseln und Leisten ist häufig noch etwas mehr Käseschmiere zu finden. 

Der ph-Wert der Babyhaut ist nach der Geburt erst einmal neutral und bietet damit wenig Schutz. Erst nach der Besiedelung mit den physiologischen Hautkeimen pegelt sich der Haut-ph-Wert im sauren Bereich (Säureschutzmantel der Haut) ein. Dies dauert einige Tage, in denen die Käseschmiere meist vollständig von alleine einzieht. Nur wenn Vernix-Reste wesentlich länger in Hautfalten bleiben und etwas „zu müffeln“ anfangen, kann man sie sanft mit etwas Öl entfernen.

Fünf mal dünner als Erwachsenenhaut

Trotzdem bleibt die Babyhaut weiterhin wesentlich empfindlicher, weil sie fünf mal dünner als Erwachsenenhaut und anders aufgebaut ist. Auf äußerliche Einflüsse reagiert sie also entsprechend sensibler. Dementsprechend sollte bei der Körperpflege zurückhaltend vorgegangen werden. Das bezieht sich allerdings nicht auf das Wickeln. Da Stuhl und Urin die zarte Haut im Windelbereich reizen, sollte hier immer entsprechend zeitnah gewickelt werden. Und viel Luft sollte natürlich auch immer wieder an den Windelpo. Eltern, die ihr Baby abhalten (Windelfrei) beobachten wesentlich weniger Reizungen und Entzündungen im Windelbereich bei ihren Babys. 

Wickeln und windelfrei lassen sich im Babyalltag ebenso gut kombinieren wie Tragetuch und Kinderwagen. Eltern müssen sich auch hier weder in die eine noch in die andere Richtung festlegen, sondern schauen einfach am besten, was für ihren Babyalltag passt. In Bezug auf Pflegeprodukte ist gerade beim Baby immer weniger mehr. Ein hochwertiges pflanzliches Öl und für den Fall der Fälle eine kleine Tube Wundschutzcreme – mehr braucht es in der Regel in den ersten Monaten nicht. Bei gereizten Hautpartien kann auch Muttermilch zur Linderung eingesetzt werden.

Weil für die meisten von uns das tägliche Duschen zum Alltag gehört, stellen sich auch viele Eltern die Frage, wie oft das Baby denn nun baden muss. Auch dafür gilt das Weniger-ist-mehr-Prinzip. Einmal die Woche ist völlig ausreichend. Dazwischen bei Bedarf mit einem kleinen weichen Waschlappen und warmen Wasser die Haut situativ reinigen.

Klares Wasser ist ausreichend

Während sich eine Woche ohne Duschen oder Baden bei Erwachsenen meist deutlich olfaktorisch bemerkbar macht, ist das beim Baby kein Problem. Die Schweißdrüsen sind noch nicht entwickelt. Generell wird intensiverer Körpergeruch bei Kindern erst mit der Pubertät ein Thema. Natürlich können Babys auch mal kleine Käsefüßchen haben, aber in der Regel riecht die Babyhaut einfach gut. Das Waschen und Baden kann dabei einfach mit klarem Wasser durchgeführt werden.

Bei trockenerer Babyhaut kann ein wenig hochwertiges und mildes Pflanzenöl (z.B. Mandel- oder Calendulaöl) ins Wasser gegeben werden. Aber Eltern sollten berücksichtigen, dass das ölige Wasser glitschiger wird und das Baby entsprechend gut beim Baden festhalten. Für ein Baby-Cleopatra-Bad kann dem Wasser neben dem Öl auch noch etwas Muttermilch hinzugegeben werden.

All das passt für die normale, vielleicht stellenweise etwas trockene Babyhaut. Sollten deutlich sichtbare Auffälligkeiten (etwa Ausschläge, Rötungen, Entzündungen, Juckreiz) auftreten, ist es ratsam, mit der Hebamme bzw. dem Kinderarzt abzusprechen, welche Unterstützung oder Behandlung der Babyhaut in diesen besonderen Fällen angebracht ist.

Der passende Zeitpunkt

Für das erste Bad des Babys empfehlen die meisten Hebammen den Zeitpunkt, wenn der Nabelschnurrest abgefallen ist. Dies ist meist nach fünf bis neun Tagen der Fall. Generell ist es aber auch möglich zu baden, wenn der Nabelschnurrest noch am Nabelgrund vorhanden ist. Das Timing hängt auch vom Befinden der Mutter ab. Sie möchte sicherlich gerne das erste Bad ihres Babys begleiten. Wenn bei körperlichen Beschwerden mehr Bettruhe angebracht ist, sollten Eltern einfach noch ein bisschen warten.

Auch in Bezug auf die Tageszeit gibt es keinen besten Zeitpunkt. Man muss einfach ausprobieren, was zum individuellen Tagesablauf und zur Mentalität des Babys passt. Aus hautpflegerischer Sicht ist wie schon gesagt, ein wöchentliches Bad völlig ausreichend. Ist ein Baby sehr badefreudig oder dabei gut entspannt, kann auch durchaus häufiger gebadet werden, wenn die Haut es gut verträgt. Und umgedreht gibt es Babys, die das Baden – oft auch nur phasenweise – nicht so gerne mögen. Dann nimmt man den Stress für alle Beteiligten raus, indem in der Zeit einfach bei Bedarf gewaschen statt gebadet wird.

Lange vorbei sind die Zeiten der Empfehlung strenger, täglicher Pflegeroutinen. Auch bei der Körperpflege sind die jeweiligen Bedürfnisse und das Befinden des Babys relevant. Und wenn einem Baby das Baden gefällt, das sagt nichts darüber aus, ob es später mal eine „Wasserratte“ wird oder nicht.

Das erste Bad, die wichtigsten Tipps

Nun noch einige Tipps, wie ihr das erste Bad angenehm und stressfrei für das Baby und euch vorbereiten und gestalten könnt:

  • Bereitet den Raum vor, indem ihr ihn gerade in der kälteren Jahreszeit vorwärmt. Denn Temperaturunterschiede sind gerade für Neugeborene noch eine große Herausforderung, da sie die eigene Körpertemperatur umfassend selbst regulieren können. Babys kühlen schneller aus. Und über den vergleichsweise großen Kopf geht auch im warmen Badewasser viel Wärme verloren. Damit das Aus- und Anziehen sowie das Abtrocknen ganz in Ruhe geschehen können, ist natürlich auch ein vorgewärmter Wickelplatz von Vorteil. Im Winter kann man auch Handtuch und Kleidung auf der Heizung anwärmen.
  • Ob Badewanne, Badeeimer oder einfach das Waschbecken zum Baden genutzt werden, ist egal. Wichtiger ist, dass der oder die Badende bequem steht und das Baby gut und entspannt halten kann. In einem Badeeimer halten die Elternhände nur das Köpfchen oberhalb der Schultern. In der Wanne ruhen Babykopf und Schultern auf der Unterseite des elterlichen Unterarms, während Finger und Daumen den Babyarm in der Achselhöhe umfassen. Zum ins Wasser gleiten lassen, ist die andere Hand unter dem Po des Babys. So hat man das Baby gut „im Griff“, auch wenn es aktiver im Wasser ist. Ein ausgiebiges Waschen oder Umdrehen im Wasser ist nicht erforderlich. Stärkere Verschmutzungen wie Stuhlreste noch zuvor auf dem Wickeltisch entfernen.
  • Damit auch die Phase nach dem Baden entspannt abläuft, sollten Eltern vorab alles bereit legen, was sie benötigen. Um lange Wege durch die Wohnung zu vermeiden, einfach im Wickelzimmer direkt baden oder einen Wickelplatz to go im Bad einrichten.
  • Die Wassertemperatur für das Babybad sollte bei ca. 37 Grad liegen. Das ist wesentlich kühler, als die von den meisten Erwachsenen bevorzugte Badetemperatur. Aber die empfindliche Babyhaut reagiert auf Hitze entsprechend sensibler. Kühler sollte es aber auch nicht sein, so dass man die Wassertemperatur erst kurz vor dem Bad final überprüft.
  • Das Baden erinnert zwar viele Babys an das schwerelose Gefühl im Fruchtwasser. Dennoch sind manche Kinder erst einmal gestresst und unruhig, weil im Wasser die vertraute Begrenzung fehlt. Eine Badeeimer gibt durch seine höhere und schmale Form ein bisschen das beengte Gebärmuttergefühl zurück. Aber auch in der Wanne oder im Waschbecken kann dem Kind eine Begrenzung angeboten werden. Zum einen kann man es so ins Wasser gleiten lassen, dass die Füßchen als Begrenzung den Rand von der Wanne oder des Waschbeckens spüren. Ein Mulltuch, das im Wasser auf den Körper des Babys gelegt wird, liefert ebenfalls eine schöne Begrenzung. Oft sieht man richtig, wie sich die Kinder dadurch entspannen. Vermutlich lindert dies ein bisschen auch das zeitweilige „Gebärmutterheimweh“.
  • Wie bei allen Körperpflegeaktivitäten sollte dem Baby immer erzählt werden, was gerade passiert. Die Worte begleiten das, was das Baby gerade erlebt und spürt. Gerade in noch neuen und ungewohnten Situationen ist es sinnvoll, alles mit genug Zeit und Ruhe langsam auszuführen.
  • Eine Badezeit von etwa fünf Minuten ist für ein Neugeborenes völlig ausreichend. Auch das Herausnehmen und Abtrocknen sollten Eltern wieder verbal begleiten. Beim Abtrocknen ist gut darauf zu achten, dass die Hautfalten unter dem Kinn, den Achseln und in den Leisten wieder schön trocken werden. Besser als ein dickes Frotteehandtuch hier eine gut die Feuchtigkeit aufsaugende Mullwindel verwenden.
  • Vor dem Baden sollte ein Baby natürlich immer ausreichend satt sein. Das Hungerbedürfnis geht immer vor. Oft weckt das Baden erneut ein Stillbedürfnis. Dann hat das natürlich Prioriät. Das ins warme Handtuch eingekuschelte Baby wird zunächst gestillt, bevor es danach ganz abgetrocknet und schließlich angezogen wird. Auch nicht gestillte Babys möchten vielleicht erst einmal noch ein wenig zur Beruhigung saugen. Dazu sollte ihnen natürlich auch die Möglichkeit am Fläschchen oder Beruhigungssauger gegeben werden. Auch beim Baden richten sich die ganz konkreten Abläufe nach den Bedürfnissen des Kindes. Darum sollte man trotz der eigentlichen kurzen Badedauer von nur wenigen Minuten genug Zeit für eine Badesession einplanen.

Passend zum Thema

4 Kommentare

Kerstin 17. August 2020 - 22:38

Hallo, danke für diesen tollen (und ausführlichen!) Artikel. Da bleiben wirklich keine Fragen offen. Dass man Muttermilch ins Wasser geben soll, habe ich nun schon oft gehört und gelesen. Aber warum? Was hat das für einen Nutzen? Das würde mich wirklich interessieren.

Grüße
Kerstin

Antworten
Anja 18. August 2020 - 07:53

Liebe Kerstin,

die Muttermilch hat eine Vielzahl von Inhaltsstoffen, die sich auch auf der Haut positiv auswirken. Lactose bindet Feuchtigkeit, Lipide wirken ausgleichend auf die Fettproduktion der Haut ein. In einem Milch-Öl Bad dient die Muttermilch auch als Emulgator, welcher hilft die Pflegestoffe aus dem Öl aufzunehmen. Bei gereizter Haut wirken bestimmte Stoffe in der Muttermilch entzündungshemmend und auch juckreizstillend, so dass sie auch außerhalb des Badens bei kleineren Hauterscheinungen zur Pflege eingesetzt werden kann.

Liebe Grüße,

Anja

Anja

Antworten
Kerstin 30. August 2020 - 20:32

Hallo Anja,
danke dir für diese Antwort! Jetzt weiß ich Bescheid. 🙂

Viele liebe Grüße
Kersrin

Antworten
kizibi 17. August 2020 - 00:38

Wow, danke für die vielen wertvollen Tipps!
Liebe Grüße,
kizibi

Antworten

Kommentieren