Die achte Woche Wochenbett: Angekommen

von Christian

Der Montagmorgen beginnt erbarmungslos früh, wie fast immer. Anja übernimmt die Stillnächte, dafür stehe ich morgens auf. Ein fairer Deal, um das mal deutlich zu schreiben. Dennoch ist es früh so um kurz vor Sieben. Die Brotdosen- und Frühstücks-Organisation läuft aber wie am Fließband, weil zum Glück auch nach dem Wochenende noch ausreichend potenzieller Inhalt im Obstregal liegt. Den Vormittag spazieren wir als Paar mit Baby mal alleine, mal mit den Großeltern durch den Kiez und genießen es, zum Kaffeetrinken und Mittagessen eingeladen zu werden. Selbst den Tageseinkauf nach dem Abholen des Kleinsten aus der Kita will der Opa bezahlen – manchmal fühlt es sich gut an, auch noch selbst ein bisschen Kind zu sein.

Anja und die Kleine gehen noch zu ihrem ersten Babymassagetermin, den sie beide genießen. Ich organisiere derweil den Haushalt und übe mich weiter als Chaosbegrenzer. Das Babymädchen kommt entspannt vom Babymassagekurs – aber entspannt ist sie bisher ja ohnehin und das Gebärmutterheimweh taucht nur selten mal für einige Minuten am Abend auf. Meist beruhigt sie sich dann bei mir im Tuch sogar noch etwas besser, weil sie bei Anja immer nicht weiß, ob sie jetzt noch mehr Muttermilch trinken oder doch lieber einfach schlafen will.

Am Dienstag geht es entspannt weiter, denn die Großeltern bringen Brötchen mit zum Frühstück, nachdem die Mädchen in die Schule sind. Ich koche Kaffee, wir essen eine Kleinigkeit und dann düsen sie auch schon mit der Bahn wieder zurück nach Hause. Schade, unsere Kinder und natürlich auch wir freuen sich immer sehr, Oma und Opa zu sehen – aber bald ist es ja wieder soweit. Die Zeit, bis die Mädchen aus der Schule kommen, verbringen wir heute mit Haushalt und Planungen fürs Blog und Wochen nach dem Wochenbett, das ja beim Schreiben dieses Beitrags „offiziell“ vorbei ist. Abends grüßt mich der tägliche Wäscheberg.

Die erste Reise steht an

Mittlerweile ertrage ich den stoisch wie ein griechischer Philosoph, stets darum bemüht, seinen Platz in dieser Unordnung zu erkennen, anzunehmen und durch Selbstbeherrschung das Los als Wäschebergbezwinger akzeptieren zu lernen. Jedenfalls nutze ich diese ruhige Zeit tatsächlich viel zum Nachdenken. Und bin trotzdem dankbar, dass Anja auch wieder mit dabei ist, da man beim Wegräumen der Sachen für sechs Personen mal schnell den Überblick verliert. Vor allem, wenn Lieblingsstücke weiter vererbt werden, komme ich manchmal nicht hinterher. Ganz wenige Kleidungsstücke werden bei uns immerhin sogar schon vom vierten Kind getragen. Gefühlt hatte diese Sachen aber gerade gestern noch die Erstgeborene an.

Mittwochs steht nur der Hebammenbesuch an, den Anja dieses Mal nach dem offiziellen Teil zum Austausch über berufspolitische Themen und spannende Zukunftsprojekte nutzt. Mal schauen, ich darf ja nichts sagen, aber das klang sehr cool. Den Rest des Tages machen wir dann mal „nichts“, außer den Alltag der großen Familie zu organisieren. An das letzte Mal Leerlauf kann ich mich gerade nicht so recht erinnern. Am ehesten habe ich diese Momente, wenn ich den Kleinsten abends ins Bett bringe oder jenseits von 23 Uhr noch eine Folge Lieblingsserie in der Badewanne schaue. Ohne meine Portion Jimmy McGill ist die Woche aktuell jedenfalls nicht komplett. Das Babymädchen geht bisher gut auf unsere Elternbedürfnisse ein und hat nach 22 Uhr keine großen Ansprüche mehr außer schlafen und dabei ab und an etwas Muttermilch trinken. Ich kann mich an schlaflosere Nächte mit den anderen drei Kindern gut erinnern. Aber noch ist das erste Babyjahr ja lang. Und letztlich ist es ohnehin am besten, die Tage und Nächte so anzunehmen, wie sie gerade sind und ohne darauf zu spekulieren, was noch kommen könnte oder auch nicht.

Donnerstag ist Anja mit Entspannen dran, denn morgens kriegt sie eine selbst verordnete Wochenbettmassage per Hausbesuch. Ich habe derweil unklare Nackenschmerzen, deren Ursache ich aber erkenne, nachdem mir Anja erklärt, dass ich das Tragetuch an einer Stelle falsch gebunden habe. Hatte sie mir wohl schon die Woche über dreimal gesagt, hatte ich aber offenkundig erfolgreich ignoriert. Ich bin ja schließlich auch Vollprofi nach bereits drei sehr viel getragenen Kindern! Nach dem erneuten Erlernen der korrekten Technik (letztlich „nur“ ein kleiner Kniff) ist das Tragetuchtragen dann plötzlich fast geradezu entspannend. Trotzdem rede auch ich Anjas Masseurin gut zu, die überlegt, zur Wochenbettmassage für die Mutter noch eine halbstündige Nackenmassage für den Partner anzubieten. So ein Wochenbettmassagepaket für beide Eltern wäre eine großartige Idee.

Ganz schöne Herausforderung

Anschließend beginnt das große Packen für unsere erste kleine Reise zu sechst. Weleda hat uns an die Nordsee eingeladen, weil auf Sylt die neue Duschgelreihe für Kinder vorgestellt wird. Dazu und zur Sylt-Reise gibt es in den nächsten Tagen aber noch mal einen eigenen Beitrag. Wir hatten die Reise schon vor der Geburt zugesagt. Vor allem deshalb, weil Weleda alle Veranstaltungen und Kongresse immer großartig und wirklich familienfreundlich organisiert. Anja hat (davon einmal auch mit mir zusammen) ja im letzten Jahr mehrmals als Referentin auf den Weleda-Hebammenfachtagungen einen Vortrag gehalten. Und immer war alles durchdacht und liebevoll organisiert, dass auch ein Arbeitstrip letztlich zu einem schönen Familienausflug wurde.

Deshalb haben wir uns das – trotz Spätwochenbett – zugetraut. Nur das Packen übernimmt Weleda leider nicht und es ist schon eine ganz schöne Herausforderung, alles für sechs Leute in drei Koffern zu verstauen. Überraschend – weil wir es einfach terminlich verpeilt haben – kommt am Nachmittag noch die 19-jährige Tochter von unseren Freunden als Übernachtungsgast, da sie am nächsten Tag einen Termin in Berlin hat. Aber das ist kein Problem, den hier ist immer offenes Haus für liebe Freunde und deren Kinder. Auch unser Packchaos kennt sie aus eigener Erfahrung, weil sie selbst drei Geschwister hat.

Am frühen Abend fahren wir nun noch zur Nachuntersuchung zu Anjas Frauenärztin. Auch dieser Termin fiel uns etwas spontan auf, aber wir schafften es pünktlich. Wie gut, dass unser Übernachtungsgast bei den Kindern bleibt, so dass nur das Baby mitmusste. Die wirklich nette Ärztin beglückwünscht uns und hört sich auch etwas schmunzelnd unsere Geburtsgeschichte mit der langen Wartezeit nach dem Blasensprung an. So hatten wir uns das ja alle nicht vorgestellt. Aber alles gut, ebenso wie die Nachuntersuchung und eine halbe Stunde später sind wir schon wieder zu Hause. Das restliche Packen klappt dann auch ganz gut, vor allem auch, weil die großen Mädchen mithelfen, ihre Sachen zu packen. Für die Kinder gibt es schnelle Nudeln zum Abendessen. Wir bestellen uns später noch vegetarisches Sushi und quatschen noch ein bisschen mit unserem Gast- das Baby abwechselnd auf Anjas oder meinem Arm.

Schlafen, stillen, tragen

Freitag morgen geht es dann früh los – für Anja und das Babymädchen mit der Tram, während ich mit den größeren Kindern und dem Gepäck ein Taxi nehme. Das ist der unkomplizierteste Weg, weil sich Großraumtaxen in Berlin nicht wirklich verlässlich ordern lassen. Und wenn noch eine Babyschale dazu benötigt wird, ist es meist richtig kompliziert. Anja trifft in der Tram Familie Mierau, mit der es zusammen nach Sylt gehen wird. Eine fast sechsstündige Bahnfahrt mit vier Kindern ist immer eine Herausforderung, wobei es aber wesentlich leichter ist, das Baby als die großen Kinder bei Laune zu halten.

Schlafen, stillen, tragen und ein bisschen auf dem Sitz strampeln klappt sehr zuverlässig. Die großen Kindern haben da schon mehr Bedürfnisse, die sich nur so halbherzig erfüllen lassen. Also blöde Hefte aus dem Bahnhofszeitschriftenhandel und iPad statt im Zug rumklettern – leider haben wir kein Abteil oder Familienabteil – und Kekse für die gute Laune. Gemalt und gespielt wird natürlich auch, aber nach einigen Stunden ist dann einfach die Luft raus – auch bei den müden Eltern. Insgesamt verläuft die lange Bahnfahrt ohne größere Katastrophen, auch weil alle Eltern sich gegenseitig unterstützen, denn es sind noch mehr Blogger mit Kindern an Bord.

Trotzdem sind natürlich alle froh, nachmittags endlich auf der Insel angekommen zu sein. Und angekommen sind wir auch in unserem Alltag zu sechst. Unser Babymädchen ist so selbstverständlich immer mit dabei, als ob es nie anders gewesen wäre. Das recht ruhige Wochenbett hat uns allen genug Zeit gegeben, uns als Familie wieder ein bisschen neu zu sortieren. Es gibt nach wie vor kleinere und größere Herausforderungen, ganz so wie in jeder Familie. Aber insgesamt gilt: Alles läuft rund. Während ich mir vor gut elf Jahren niemals ein Leben als vierfacher Vater vorstellen konnte, könnte ich es mir heute nicht mehr anders vorstellen.

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1 Kommentar

Antje 23. Mai 2017 - 13:16

Das klingt so wunderbar geerdet! Schön, dass ihr als Familie das Wochenbett so ruhig und entspannt verbracht habt. Ich hoffe, dass mir das bald bei Kind Nummer 3 auch nur ein bisschen so gelingt. Da mein Mann beruflich in der Zeit immer zwei Wochen auf See und dann 2 Wochen zu Hause ist, kann ich leider nicht immer auf so viel Unterstützung hoffen.
Alles Gute weiterhin für euch! 🙂

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