Die Kündigung der Hebammen hat begonnen

von Anja

Während es scheinbar etwas ruhiger rund um die Hebammen wird – zumindest sind sie nicht mehr täglich medial vertreten – habe ich so wie viele meiner Kolleginnen in dieser Woche meine Kündigung erhalten. Meine Berufshaftpflichtversicherung, die zum 01. Juli 2014 erst noch einmal um freundliche 20 Prozent (!) erhöht wird, endet laut diesem Schreiben definitiv zum 01. Juli 2015.

Dem Schreiben beigefügt ist eine Auflistung der noch verfügbaren und vom Berufsverband geprüften Versicherungsangebote. Mit dem vernichtenden Ergebnis, dass diese wenigen anderen Angebot alle nicht tragbar sind. Für die Geburtshilfe gibt es ohnehin nur einen einzigen weiteren Versicherer, dessen Prämie sich auf 6176 Euro pro Jahr beläuft – und das ohne Kündigungsschutz im Schadensfall. Aber selbst die wenigen Versicherungsangebote für die Hebammentätigkeit ohne Geburtshilfe erreichen Prämien von über 2000 Euro und das bei viel zu geringer Deckungssumme und ebenfalls fehlendem Kündigungsschutz im Schadensfall.

Viel zu oft berichtet die Presse immer noch, dass die ganze Misere ja „nur die wenigen“ geburtshilflich tätigen Kolleginnen betrifft. Das liest sich wie eine Verspottung, wenn man als Hebamme, die momentan nicht geburtshilflich arbeitet, gerade ebenfalls sein Kündigungsschreiben der Versicherung in den Händen hält.

Und weshalb es nur noch so wenige geburtshilflich arbeitende Hebammen gibt, hinterfragt scheinbar auch niemand? Es werden sehr wahrscheinlich bereits 2014 weitere Kolleginnen mit der Geburtshilfe aufhören. Damit wird diese immer wieder als angeblich einzig betroffene Gruppe weiter schrumpfen, bis es vielleicht tatsächlich nur noch ein „Problem einer Handvoll Hebammen“ ist. Dass auch die angestellten Geburtshelferinnen in der Klinik sehr häufig nicht ausreichend durch den Arbeitgeber abgesichert sind, wird bei der ganzen Debatte nur selten oder ganz am Rande erwähnt. Die zusätzlich dafür erforderliche Versicherungsoption fällt ab 01. Juli 2015 genauso weg, wie die für die Begleitung vor und nach der Geburt notwendige Absicherung.

Kein Nischenproblem

Das alles ist also definitiv kein Nischenproblem der zwei Prozent Eltern, die sich für eine außerklinische Geburt entscheiden. Wir Hebammen haben die Kündigung bekommen, die soviel mehr ist als die schlichte Auflösung eines banalen Versicherungsverhältnisses. Es ist eine Kündigung für unseren Berufsstand. Es ist eine Kündigung der Rechte von Eltern, sich den Geburtsort des Kindes frei aussuchen zu dürfen und in der Familiengründungsphase umfassend und sicher begleitet zu werden.

Und nein, das alles liegt nicht in ferner Zukunft, in der ja noch viel passieren kann. Die Mütter, die im Juli 2015 ihre Kinder zur Welt bringen, werden bereits im Oktober 2014 schwanger sein. Das heißt, es muss spätestens in fünf oder sechs Monaten eine Lösung gefunden sein. Sonst kann diesen Müttern bereits keine Hebammenbetreuung mehr bei und nach der Geburt zugesagt werden. Aber selbst Frauen, die noch im Mai 2015 ein Kind bekommen, werden keine vollständige Wochenbettbetreuung und keine Beratung in der Stillzeit mehr erhalten können.

Es ist sicher schön, wenn die gute Lobbyarbeit für die Hebammen von allen Seiten wahrgenommen und gewürdigt wird. Aber erfolgreich ist diese erst, wenn sich daraus auch eine tragbare Lösung für das Hebammendilemma gefunden hat. Deshalb darf es nicht ruhiger werden und ich hoffe, dass es das morgen auf der geplanten Demo hier in Berlin auch nicht wird. Die Kündigung jedenfalls liegt den Hebammen nun auf dem Tisch – der Countdown für das endgültige Aus der bisherigen Hebammenarbeit läuft…

Und ich hoffe, dass nicht nur die Eltern und alle Hebammenunterstützer, sondern auch die Hebammen selbst unter diesen Umständen noch weiter durchhalten. Sonst gibt es im nächsten Sommer vielleicht sowieso keine Hebammen mehr, die man noch versichern muss…

Demonstration am Samstag, 12. April 2014 um 15 Uhr vor dem Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin

Mehr Infos: Deutscher Hebammenverband | Hebammenunterstützung | Hebammen für Deutschland

Aktuelles Update zur Weiterversicherung ab Juli 2015

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40 Kommentare

Hildegard 31. Oktober 2014 - 00:44

Tja, den Gegenwind aus Politik und Ärzteschaft haben sich die Hebammen durch jahrelange Praxis in unwissenschaftlichem und nicht evidenzbasiertem Getue (Homöopathie, Impfgegnerei und sonstigem Hokuspokus) leider selbst eingehandelt.

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Kerstin Etzold 14. April 2014 - 13:48

Ich glaube leider, dass Reinhild recht hat, in den USA ist es ja auch schon lange so. Deshalb muss gestreikt werden. Wir Hebammen müssen langsam mal damit aufhören immer nur lieb zu sein.
Und Frauenärzte und Kinderärzte könnten sich auch schon immer mal daran gewöhnen, wie es würde, wenn jede Frau mit Milchstau oder jedes Baby mit Bauchweh oder abendlichem Frustschreien zu ihnen kommt.

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Reinhild Fritsch 13. April 2014 - 23:00

Ich finde es toll, wie viele Menschen in den vergangenen Jahren demonstriert und Petitionen unterschrieben haben. Viele sind in den letzten Monaten wach geworden.

Aber es reicht immer noch nicht, denn die Entscheidungsträger sind es, die uns alle nicht hören – nicht hören wollen.

Alle Fakten liegen vor , seit Jahren.
Weitere Fakten wurden hinzugefügt.
Und es reicht immer noch nicht.

Ich bin inzwischen der Ansicht, dass hier eine Absicht zu erkennen ist.

Wer hat 2010 die Petition der Hebammen in Irland mitbekommen?

Damals schon habe ich, im noch kleinen Kreis die These aufgestellt, dass :

ES ABSICHT IST DIE HEBAMMEN ABZUSCHAFFEN – E U R O P A W E I T.

Je länger die Nichtreaktion der Politik auf die Situation anhält, desto mehr verdichtet sich mein Verdacht der Absicht!!!

So schnell und aktiv Frau Merkel bei der Bankenrettung mit Milliarden zur Hand war, so still ist sie in Bezug auf die Hebammen,

denn SIE WIRD LÄNGST WISSEN,
dass Hebammen in Europa längst abgeschafft werden.

Agnes Gereb -Ungarn-
Becky Reed -Goßbritannien-
Anna Rockel-Loenhoff -Deutschland-

Diese drei stehen exemplarisch für dass, was allen europäischen Hebammen bald blüht, wenn sie nächstes Jahr immer noch glauben, in ihrem Beruf arbeiten zu können!!!

Die Versicherungsbranche ist nur Mittel zum Zweck,

sonst hätte Frau Merkel längst per EILVERORDNUNG
die größeren Versicherungen zwingen können, bezahlbare Berufshaftpflichtversicherungen für Hebammen dauerhaft anzubieten.

Denn Geburten sind von erheblichem gesellschaftlichen Interesse

J E D E R kann inzwischen wissen, dass Hebammen ohne Berufshaftpflicht illegal arbeiten würden.

Ja, ein Streik würde einigen Probleme bereiten, aber er wäre eine Möglichkeit noch mehr Menschen wach zu bekommen.

Wichtig wäre, dass insbesondere Politiker selbst davon betroffen wären.
Am eigenen Leib spürt es sich am besten!

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Jan-Hendrik 13. April 2014 - 01:03

Okay, die Situation ist beschissen. Konkret und für Männer/ Väter wie mich: Was kann ich tun? – Briefe an meine Bundestags-Abgeordneten? Und sonst?
Man kann – gerade als Mann – beim Thema Geburt oft wenig tun, aber es ist mit Sicherheit notwendig, dass auch die (werdenden) Väter Druck machen, damit sich etwas ändert.

Also, bitte, was können wir/ kann ich konkret tun?

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Michael 12. April 2014 - 12:52

Ja bei einem Streik sind die Mütter und Kinder die Leidtragenden.

Aber ein Steik hat Vorteile. 1. Ist er von begrenzter Zeitdauer.

Ein Streik würde jedem hier in Deutschland vor Augen führen was die Versicherungen unter Duldung der Politik für 2015 vorhaben. Er würde die ganzen Fragen ob man Hebammen überhaupt braucht und wen das jetzt eigentlich betrifft deutlich beantworten.

Die eigentliche Frage ist kann man es zulassen dass ab 2015 alle Mütter und Kinder wegen fehlender Hebammenbetreuung leiden nur damit jetzt einen begrenzenten Zeitraum Mütter und Kinder nicht leiden?
Es gibt hier nur die Wahl des kleineren Übels.

Oder glaubt irgend jemand dass es noch eine Lösung geben wird wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist? 2018 dann wenn alle Hebammen einen anderen Beruf haben, es keine Ausbildung mehr dazu gibt, dann wird das alles neu aufgesetzt?

Ein Steik, mit all dem Leid, den Schmerzen, den Schadensfällen, den Klagen, … und was noch so auf jede Mutter und jeden Vater zukommt wenn die Hebammen weg sind. Das würde allen deutlichst vor Augen führen was 2015 passieren wird. Dann werden auch die verstehen was ohne Hebammen bei den Geburten los sein wird die das Problem immer noch für ein Luxusproblem von ein paar unverantwortlichen Müttern halten die nicht in die Klinik wollen. Dann werden es auch die verstehen die noch kein Kind planen und denken das betrifft sie ja gar nicht.

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Einar Magnus 12. April 2014 - 10:29

Hallo zusammen,

Mir stellt sich folgende Frage und sicher gibt es dazu eine Antwort.

Wir haben 4 Kinder und zwei davon zu Hause entbunden. Es wurde in der Tat mit der Zeit schwerer, eine möglichst in der Nähe arbeitende Hebamme zu finden.

Wenn also das Problem die steigenden Prämien sind, die eine wirtschaftliche Weiterarbeit verhindern, wäre es dann möglich diesen Kostensatz an die Eltern weiterzureichen und wenn ja, wie viel würde dies dann bei einer betreuten Geburt ausmachen?

Ich meine, wir alle gewöhnen uns mehr oder weniger an steigende Preise. Wenn man also weiss, was für Kosten entstehen, dann kann man sich darauf einrichten.

Oder habe ich es falsch verstanden und es werden derartige Versicherungen gar nicht mehr angeboten?

Besten Dank für eine Antwort.

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Lutz Birke 12. April 2014 - 09:59

“Bei so einem Streick wären die Mütter und Babys die Leittragenden. Das fände ich gerade den falschen Ansatz.”

Wenn ich die Materie richtig verstehe, ist doch genau DAS die Situation, wenn sich die Betroffenen JETZT nicht wehren, richtig? Deiner Meinung nach sollen sie also jetzt noch die restlichen Monate “helfen” und dann nächstes Jahr selbst im Regen stehen?

Und ALLE die Schwangeren und Jungmütter, die DANN eine Hebamme bräuchten, haben auf Dauer die gleiche Situation wie die vom Streik betroffenden JETZT? Allerdings unumkehrbar, da dann alle Hebammen einfach WEG sind?
Komische Logik… 😉

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Isabel Damm 12. April 2014 - 08:49

ach…nur EINEN TAG STREIK würde schon reichen, um die SACHLAGE noch mal mehr zu verdeutlichen, WAS dann verloren ginge…

Ich war 12 Jahre freiberuflich, MUSSTE meine Praxis letztes Jahr schliessen und meine ALTEN HAsen fragen mich regelmässig, OB und WANN ich denn HOFFENTLICH wieder Vorsorgen, Geburten und Wochenbetten betreue…

tja und letzte Woche kam dann von Securon auch die Kündigung der Versicherung…

2015!!! AUS!!! SCHLUSS!!! ENDE!!!

WOLLEN WIR DAS???
WOLLT IHR DAS???

WER WILL DAS???

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Kerstin Etzold 12. April 2014 - 12:49

Wie recht du hast, liebe Isa! Wir arbeiten seit vorletztem Jahr ohne Geburtshilfe und auch unsere Frauen fragen! Grüße Kerstin

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Andreas 12. April 2014 - 06:22

Moin,

Mädels nur ein Streik hilft euch weiter, die Mütter , die jetzt gebähren sind gebrieft! 1 Woche sollte schon ausreichen um den Staat zu zeigen, das wir euch brauchen! Ich fand es gut und bei der Geburt unseres Kindes wär ohne Hebammen die Geburt definitiv anders verlaufen. Man kann die Erfahrungen nicht von der Hand weisen und auf der anderen Seite sehen Sie die Verhältnisse und können im Extremfall einschreiten! Vielleicht sollte der Staat die Versicherungen auffordern eine Art Pflichtversicherung zu einem bezahlbaren Preis den Versicherungsträgern aufzuzwingen! Und ich habe noch nicht gehört das eine Versicherung pleite gegangen ist, weil Sie im Schadensfall zuzahlen musste!

Wir brauchen die Mädels

und wenn Sie einen Arztstatus bekommen!

In Frankreich wär das ganze Land auf der Straße! Ruft zum Generalstreik auf in anderen Ländern funktioniert das auch! Nehmt euch die Presse als Werkzeug! Wir würden auch mit machen! Und bezieht das auch auf alle Eltern! Mehr Druck wäre sehr effektiv, glaube ich!

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Paul Winkler 12. April 2014 - 00:32

Wie wäre es denn wenn, wenn ihr nach” Dienst nach Vorschrift” Arbeiten würdet?

Antworten
Ute Kahmann 12. April 2014 - 00:09

Geredet und geschrieben worden ist sehr viel in den letzten Wochen, man kann es ja selber fast nicht mehr sehen oder hören , ist nur noch genervt von diesem ewigen Thema. Ich hätte nichts gegen einen 4 wöchigen Streik, um wirklich diesem unserem Thema Nachdruck zu verschaffen. Und mal Hand aufs Herz. Es wird niemand ganz alleine gelassen, wenn Schwangere, werdende und gewordene Eltern für 4 Wochen von Gynäkologen, Kinderärzten, Notdienste und sonstigem Krankenhauspersonal betreut werden würden.

Antworten
caro 11. April 2014 - 23:01

Geht auf die Straße und kämpft!!!!!!!

Die Schwangeren werden in dieser Zeit trotzdem ihre Hilfe bekommen und die bereits geborenen Kinder und ihre Eltern werden sich in dieser Zeit auch zu helfen wissen. Sie werden dafür Verständnis haben.

Und manche Kommentare sind einfach nur sinnlos! Sollen die kinderlosen Hebammen den Schwangeren in den Wehen sagen das es nicht weh tun wird wenn sich der kleine Körper durch den Geburtskanal zwängt, nur weil sie noch keine Kinder bekommen haben. Das kann sich doch jeder denken das dass weh tut auch ohne es schon selber erlebt zu haben.
Und eine freiberufliche Hebamme steht doch genauso unter Höchstleistung wie die die im drei Schichtsystem arbeitet. Oder geht die Freiberufliche einfach mal zum Spaß nicht ans Telefon wenn die Schwangere sie z.b. nachts braucht???? Sie machen alle den gleichen Job ob nun freiberuflich oder im Krankenhaus! Oder sehe ich das falsch?

Und extra Kurse besucht jeder freiwillig! Und manchen Leuten schadet sowas auch nicht.

Ich wäre traurig wenn ich beim zweiten Kind diese Betreuung durch meine Hebamme nicht mehr bekomme.

Also hoffe ich das einer der ältesten Frauenberufe weiterhin existieren kann und auch weiterhin den nötigen Respekt erhält.

Antworten
Gloria 12. April 2014 - 11:24

Sorry, aber jemand der noch keine Kinder bekommen hat, weiß nur in der Theorie wovon er spricht!

Und ja- es macht einen Unterschied ob ich freiberuflich oder angestellt arbeite.

Das hat nichts mit weniger Einsatz zu tun- aber die wenigsten Hebammen wollen im KH arbeiten!

Klar werden Kurse gebucht- ABER im Kh kostet der GV Kurs den Betrag x/ freie Hebammen schlagen da noch Raummieten etc drauf! Das ist mittlerweile gang und gebe und warum? Weil Ihnen sie Bezshlung für den Kurs durch die KK nicht reichen will!

So verdient man sich mal schnell die Miete für die Räume dazu und ist von diesen Betriebskosten schon mal befreit!

Das ist aber eine Kritik an Hebammen, die mit der Versicherungscausa an sich nichts zu tun hat- da gebe ich Dir Recht.

Antworten
Anja 12. April 2014 - 11:44

Liebe Gloria,

es hat tatsächlich wenig mit der Versicherungscausa zu tun, aber ich muss Dir da trotzdem widersprechen. Als ich noch in der Klinik angestellt war, konnte ich sogar dort die Räume für Kurse kostenfrei nutzen. Auch die Anmeldung lief über die Klinik. Als Freiberufler muss ich Miete bezahlen, die ich definitiv NICHT auf die Eltern umwälzen darf. Für Kurse, die von der GKV erstattet werden, darf es KEINE Zuzahlung geben. Das wäre schön, wenn das ginge und wahrscheinlich wären auch Eltern bereit, dies zu tun. Es ist aber schlicht und einfach NICHt erlaubt. Schwarze Schafe gibt es sicherlich immer. Ich kenne aber niemand hier im Umkreis, der eine Zuzahlung für Rückbildung oder Geburtsvorbereitung nimmt. Ich habe mir neulich mal den Verdienst des letzten gegebenen Rückbildungskurses durchgerechnet. Da der Stundenlohn noch unter dem für Hausbesuche liegt, werde ich wohl absehbar keine Rückbildungskurse mehr anbieten. Sowohl Klinik als auch die Freiberuflichkeit haben ihre Schattenseiten. Dienstende hat man als freiberufliche Hebamme allerdings fast nie. Ich hatte heute den ersten Anruf um 8 Uhr morgens… Ein freies Wochenende in der Klinik war ein freies Wochenende (auch wenn man doch häufig spontan einspringen) muss. Was ich aber sagen will: ob Klinik oder freiberuflich oder beides- die Arbeitsbedingungen sind für alle Bereiche zunehmend schlechter. Es geht um ALLE Hebammen!!! Liebe Grüße, Anja

Antworten
Kerstin Etzold 12. April 2014 - 12:54

Ich kann Anja nur zustimmen! Und zu dem dir wohl sehr wichtigen Hebammen-müssen-eigene-Kinder-haben-Thema: ich kenne viele Hebammen ohne Kinder, die die Frauen sehr einfühlsam betreuen! Es kommt ja nicht drauf an, mit zu leiden, sondern der Frau beizustehen. Und wie gesagt, ich habe 3 Kinder, aber ich fand die Geburten nicht so schlimm schmerzhaft – da bin ich wahrscheinlich auch ungeeignet…

Antworten
Gloria 11. April 2014 - 21:56

Bei allem Lob und Respekt für Hebammen und Ihren Beruf, muss man auch mal die Kirche im Dorf lassen.

Viele Hebammen machen eine tollen Job.

Einige weniger enagiert.

Es ist schon seltsam , wenn Hebammen, die keine Kinder geboren haben, vom Geburtsschmerz berichten oder den Veränderunge in Partnerschaften.

Zudem ist Hebamme ein Ausbildungsberuf und die angeblich schlechte Bezahlung stimmt so nicht. Die meisten Hebammen verdienen nicht schlecht und dss vor allem durch etliche Zusatfeatures, die sie den schwangeren Frauen anpreisen.

Warum gibt es überhaupt freie Hebammen?

Keine Lust auf Schichtdienst?

– oder , weil man als angestellte Hebamme keine Extrakurse geben darf, die in die eigene Taschenfliessen?

Hausgeburten sollen natürlich erhalten bleiben- keine Frage.

Doch diese Glorifizierung eines Berufsstandes nervt mich langsam echt an.

Antworten
Kerstin Etzold 11. April 2014 - 23:19

Liebe Gloria, warum reden Ärzte über Krankheiten, die sie nicht haben, warum rauchen sie, obwohl sie wissen, dass es krank macht? Warum also müssen Hebammen zwangsläufig Kinder haben? (Ich habe übrigens 3.) Ich habe 13 Jahre als freiberufliche Hebamme mit Haus- und Beleggeburten gearbeitet und ich weiß nicht, wie oft ich nachts zu Geburten gerufen wurde und nicht nach 8 Stunden Feierabend hatte, und mein Beweggrund war, die Frauen bei einer selbstbestimmten Geburt zu begleiten und sie nicht zu verlassen. Ich weiß nicht, ob ich da keine Lust auf Schichtdienst hatte. .Viele Hebammen arbeiten sicher auch freiberuflich ohne Geburtshilfe, um Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen… Und natürlich dürfen angestellte Hebammen auch Extrakurse anbieten, sie müssen sich dafür nur auch extra versichern und ihren Verdienst extra versteuern, also mit in die eigene Tasche streichen ist nichts. Und ich zahle jeden Monat meine Krankenversicherung (komplett, ohne Arbeitgeberanteil), meine Rentenversicherung (komplett, ohne Arbeitgeberanteil), meine Haftpflichtversicherung

Antworten
Kerstin Etzold 11. April 2014 - 23:29

Liebe Gloria, warum reden Ärzte über Krankheiten, die sie nicht haben, warum rauchen sie, obwohl sie wissen, dass es krank macht? Warum also müssen Hebammen zwangsläufig Kinder haben? (Ich habe übrigens 3.) Ich habe 13 Jahre als freiberufliche Hebamme mit Haus- und Beleggeburten gearbeitet und ich weiß nicht, wie oft ich nachts zu Geburten gerufen wurde und nicht nach 8 Stunden Feierabend hatte, und mein Beweggrund war, die Frauen bei einer selbstbestimmten Geburt zu begleiten und sie nicht zu verlassen. Ich weiß nicht, ob ich da keine Lust auf Schichtdienst hatte. .Viele Hebammen arbeiten sicher auch freiberuflich ohne Geburtshilfe, um Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen… Und natürlich dürfen angestellte Hebammen auch Extrakurse anbieten, sie müssen sich dafür nur auch extra versichern und ihren Verdienst extra versteuern, also mit in die eigene Tasche streichen ist nichts. Und ich zahle jeden Monat meine Krankenversicherung (komplett, ohne Arbeitgeberanteil), meine Rentenversicherung (komplett, ohne Arbeitgeberanteil), meine Haftpflichtversicherung und meine Steuervorauszahlung, da bleibt von dem tollen Verdienst nicht allzuviel übrig, also lass du mal die Kirche im Dorf, von Glorifizierung kann nicht die Rede sein!

Antworten
Sandra 11. April 2014 - 17:59

Hej Hej,

schon komisch wenn es um den Streik der Hebammen geht, heisst es lasst nicht die Mütter und Inder leiden…..wieviel aber müssen diese ertragen wenn die Realität im nächsten Jahr tatsächlich zuschlägt…sind dann auch die Hebammen an der Unterversorgung schuld.
Deutschland konnte schon immer gut jammern, das einzige was Deutschland nicht mehr kann ist aufstehen und NEIN sagen “Nein jetzt reicht es ” überall geht das nur nicht Deutschland.
Der Streik würde nur ankündigen was 2015 für Schwanger, Risikoschwanger sowie Mütter und Kinder zu erwarten ist . Wenn ihr euch nicht wehrt dann verhaltet ihr euch verantwortungslos gegenüber jeder Schwangeren und jedem ungeborenen Kind.

Antworten
Maria 11. April 2014 - 21:24

Danke dafür!

Antworten
Manuela 11. April 2014 - 16:16

Wir im Saarland haben eine Mahnwache am 07.05 Ab 18 Uhr …. Rathaus Saarbrücken…..ihr seid alle herzlich eingeladen:-)

Antworten
antjeS 11. April 2014 - 15:57

Ich finde nicht die Hebammen sollten streiken, die sollen sich mal um die frisch entbundenen bzw. In den wehen liegenden Frauen kümmern !
Streiken müssen ALLE anderen gesunden Frauen in Deutschland.
Das wär mal was!

Antworten
plexar 11. April 2014 - 15:17

so wichtig das thema ist, doch ein streik von 4 wochen kann auch ganz klar ein leid verursachen…..ist das tatsächlich der sache zuträglich? ich denke nicht.
“es tut mir leid mein sohn, dass du dein leben lang unter den folgen einer semioptimalen geburt leidest…..doch es wurde halt gestreikt…….sieh dich als kolleteralschaden, oder als beispiel für schlechte geburtsbegleitung….das verstehst du doch, oder?

wie ich eingangs erwähnte, halte ich das thema für sauwichtig. doch man muss nutzen/leid abwägen und das sollte niemals auf dem rücken schutzbefohlener geschehen.

Antworten
Sonja 12. April 2014 - 10:42

Wenn die Hebammen nicht mehr sind, wird es sicherlich mehr Kollateralschaden geben ?!

Antworten
Frische Brise 11. April 2014 - 14:21

Ich bin ja eine Optimistin durch und durch, aber so langsam fällt mir das bei diesem Thema echt schwer.

Großer Mist!!!

Antworten
Maria 11. April 2014 - 12:16

Ich betone auch nochmal die dringende Notwendigkeit eines Streiks. Fünf Tage reichen ja schon, vielleicht auch drei. Und ich bin mir sicher dass die meisten Frauen das mittragen würden.

Antworten
Don Suggstio 11. April 2014 - 11:48

Wenn werdende Eltern es fordern den “Geburtsort des Kindes frei aussuchen zu dürfen”, wäre es doch für diese ein Leichtes die Haftung zu übernehmen. Das Risiko auf die Eltern übertragen, die letztendlich auf einen zeitnahen Zugriff auf intensiv-medizinische Betreuung verzichten (denn die hat niemand daheim) finde ich eine tragbare und faire Idee.

Ich denke dann wären auch die Versicherungen bereit, das verbleibende Aufgabenfeld zu günstigen und tragbaren Sätzen abzudecken.

Wieso wird dies nie diskutiert?

Antworten
Anja 11. April 2014 - 12:00

Die freie Wahl des Geburtsortes heißt eben NICHT nur Hausgeburt oder Krankenhaus!!! Die Option der Beleghebamme im Krankenhaus fällt ebenso dadurch weg, wie viele kleinere geburtshilfliche Einrichtungen schließen werden. Das heißt für viele Mütter: sehr weit entfernte Weg in die nächste Uniklinik- unter Wehen…Die Zahl der NICHT begleiteten Hausgeburten wird wahrscheinlich dadurch ansteigen.Die meisten Schadensfälle finden übrigens in der Klinik und nicht zu Hause oder im Geburtshaus statt. Zudem wird die vermeintliche “Sicherheit” in der Klinik weiter sinken, wenn immer weniger Hebammen immer mehr Geburten betreuen. Viele Kolleginnen sind auch in der Klinik nur unzureichend über den Arbeitgeber versichert und müssen sich zusätzlich absichern. Und auch für die Betreuung vor und nach der Geburt fehlt die adäquate Versicherungsmöglichkeit ab Sommer 2015. Auch die “Abschaffung von Geburtshaus-und Hausgeburten” würde das nicht ändern.

Antworten
Don Suggstio 11. April 2014 - 12:18

Anja, du hast meinen Beitrag nicht aufmerksam gelesen. Es geht mir weder um die Abschaffung von Geburtshaus-und Hausgeburten. Jedes Modell hat seine Berechtigung. Wenn jemand sich jedoch bewusst entscheidet, so kann er doch das Risiko persönlich übernehmen? Sprich, er unterzeichnet der Hebamme einen Haftungsauschluss.

Wenn ja “Die meisten Schadensfälle” […] ” in der Klinik und nicht zu Hause oder im Geburtshaus statt” finden. sehe ich mich in meinem Vorschlag bestärkt. Die entschiedene Frage ist wieso, das Risiko bei der Hebamme allein liegen sollte.

Bei vielen Dingen im Leben ist es so, dass man die “freie Wahl” hat, man muss jedoch immer die Konsequenzen auch selber Tragen. Wieso sollte es bei der Geburt denn anders sein?

Antworten
Anja 11. April 2014 - 12:29

Selbst wenn Eltern das unterschreiben würden, dann blieben immer noch die Klagen der Sozialversicherungsträger:
“Neben Schmerzensgeld und Pflegekosten gibt es seit 1995 Urteile aus höheren Gerichtsinstanzen, die den Sozialversicherungsträgern Schadenersatzansprüche zusprechen. Die zugesprochenen Summen sind seitdem kontinuierlich gestiegen, da immer weitreichendere Versorgungsansprüche geltend gemacht werden. Fälle mit geburtshilflichem Zusammenhang gehören zu den teuersten Haftpflichtfällen überhaupt. Neben Schmerzensgeld, Pflege- und Behandlungskosten, wird vom anzunehmenden Verdienstausfall des Kindes über die Betreuung durch ein Elternteil das Leben zweier Menschen abgesichert.”
(Quelle:http://www.hebammenfuerdeutschland.de/regressansprueche) Es bliebe weiterhin das Problem der Schadensfälle in der Klinik.Die Grundfrage bleibt wahrscheinlich: “Ist die Geburt versicherbar?”- an welchem Geburtsort auch immer…

Antworten
Don Suggstio 11. April 2014 - 12:59

Die Sozialversicherungsträger würden Kosten dann ggf. nach einem Haftungsausschluss direkt bei den Eltern geltend machen. Soweit mein Verständnis zur Rechtsprechung in Deutschland. Wobei man das Thema “Schmerzensgeld” ausgrenzen kann, da man dieses ja nicht bei sich selber Einklagen würde.

Hierbei muss man jedoch klar festhalten – JA, die Geburt ist versicherbar. Risiken werden von unseren bestehenden Sozialsystem abgefangen.

Die entscheidende Frage ist, wann erfolgt eine Zahlung der Haftpflichtversicherung? Bzw. wann werden von den Sozialversicherungsträger Kosten eingeklagt?

– Bei einem >>Verschulden<<

Wenn es bei einer Geburt zu Komplikationen kommt, die nicht auf ein Fehlverhalten zurück zuführen sind, gibt es auch keine Ansprüche an die Haftpflichtversicherung. Hier greift sofort das Sozialsystem in Deutschland und die Kosten werden nicht bei den Eltern oder der Hebamme geltend gemacht.

Manuela 11. April 2014 - 16:14

Selbst wenn Eltern dies unterschreiben würden….was Unsinn ist … Hat die Hebamme dennoch keine Haftpflichtversicherung . Und lt. Berufsordnung für Hebammen und Entbindungspfleger dürfen wir nur mit GÜLTIGER Haftpflichtversicherung überhaupt arbeiten um Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen zu erhalten ! Also ….. THema verfehlt !!!

DS 11. April 2014 - 20:59

“Hebammen und Entbindungspfleger dürfen wir nur mit GÜLTIGER Haftpflichtversicherung überhaupt arbeiten um Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen zu erhalten”

Korrekt. Und wieso ist dies so? Weil man sich gegen mögliche Ansprüche schützen will. Sobald diese ausgeschlossen sind, gibt es hier Lösungen.

Ich denke es ist wichtig sich einfach von den alten Denkmustern zu lösen, dass alles so bleiben muss wie es vor 20 Jahren war. Die Welt dreht sich und man muss auch bereit sein, andere Ideen zu respektieren und vielleicht auch flexibel zu überlegen, was möglich ist um voran zukommen und weiter den Berufstand zu schützen. Wenn alle Meinungen mit “Thema verfehlt” gleich bewertet werfen, würden wir bestimmt auch noch denken, dass die Erde eine Scheibe ist 😉

azila 11. April 2014 - 22:57

Das tun die Eltern schon. Die zahlen 300 Euro die die Krankenkasse nicht übernimmt. Und das ist keine modische Entscheidung sondern eine Entscheidung zu Gunsten der Sicherheit von Mutter und Kind.

Antworten
Nina 11. April 2014 - 10:45

Weil Hebammen diejenigen sind die sich kümmern – um die ängstlichen Mütter, die kranken Babys, die überforderten Väter… das kann kein Arzt leisten!
Sie können nicht anders, sie wollen – sie müssen helfen!

Jede Mutter weiß wie viel sie leisten und deswegen sollten wir mitmachen und deutlich machen wie wichtig sie für uns sind!

Sie sind unsere Heldinnen.
Retter nach durchwachten Nächten, Tröster, Motivator und Freundin…

Jetzt können wir uns revanchieren.

Antworten
Giovanna Giorgio 11. April 2014 - 10:25

Hallo zusammen,
Ich verstehe es einfach nicht: warum kann man nich einfach 2-4 Wochen komplett streiken? Keine vorsorge, keine Kurse, keine Haus-und belgegeburten, kein Wochenbetten…,damit Frauenärzte, Kinderärzte, Versicherungen und was noch alles dazu gehört auf
Den Vorgeschmack kommen , dass wir unersetzlich sind ?! Tut mir dann wirklich leid für die Familien, aber so sieht dann nächstes Jahr die Realität vielleicht wirklich aus ?!

Antworten
Kerstin Baldzuhn 11. April 2014 - 11:48

Bei so einem Streick wären die Mütter und Babys die Leittragenden. Das fände ich gerade den falschen Ansatz.
Sicherlich MUSS Druck ausgeübt werden, aber nicht auf dem Rücken von denen die Hebammen wirklich dringend brauchen!

Antworten
Kerstin Etzold 11. April 2014 - 12:11

Ich fände einen Streik richtig, es müssen ja nicht 4Wochen sein. Aber es würde dann mal allen klar, wie die Realität ab nächstem Juli aussehen könnte!

Antworten
Anna 11. April 2014 - 13:55

Sehe ich genau so. Ein Streik würde ganz klar deutlich machen, was in einem Jahr los ist, wenn nichts passiert. Natürlich wären die betroffenen Familien in dem Moment die Leid tragenden. Doch ab Juli 2015 wäre dann ohnehin jede Familie davon betroffen…

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