Wochenbett, Vater, Daddy

Die siebte Woche Wochenbett: Unter Leuten

von Christian

In der siebten Woche des Wochenbetts holt uns der Alltag weiter ein, allerdings durchaus positiv betrachtet. Wir wagen uns am sonnigen Montagmorgen das erste Mal gemeinsam beruflich heraus, um auf die re:publica zu gehen. Dort wollen wir uns mittags zu einem schönen Meeting mit einem ebenso langjährigen wie netten Kooperationspartner treffen, um einige Sachen für das laufende Jahr zu besprechen. Anja bugsiert die Kleine im Tragetuch sicher über die Konferenz, der Kinderwagen dient perfekt als mobiler Wickelplatz und Transportbasis. Mit einem kleinen Baby, das noch mit stillen, schlafen, tragen sehr happy ist, ist das alles gut machbar. Für größere Kinder ist die re:publica aber eher nichts – auch wenn der kleine, allerdings nicht sehr einladende Spielbereich dies vielleicht suggerieren soll.

Einen Kaffee hätten wir auch besser zu Hause trinken sollen, weil es nirgends Kaffee mit Soja- oder anderer pflanzlicher Milch zu kaufen gibt – eigentlich unfassbar im Jahr 2017 im hippen Berlin auf einer äußerlich so hippen Interwebkonferenz. Lediglich am Stand des Bundesministeriums für Arbeit gab es gleich Soja- und Mandelmilch. Aber kaufen durfte sie niemand, sondern jeder sollte bitte twittern oder per Facebook etwas sinnfreies teilen, um einen Becher geschenkt zu bekommen, um dann einen Kaffee in eben jenen geschenkt bekommen zu können. Puh. Nun, ich wollte nicht für geschätzte 3,86 Euro Gegenwert Freunde und Follower mit einer staatlichen Werbebotschaft nerven. Kaufen durfte ich aber auch nicht. Und spenden auch nicht. Natürlich ein absolutes Luxusproblem, trotzdem hoffnungslos… Da das Baby die Nächte aber weiterhin eher ruhig verbringt, von ein paar Schmatz- und Glucksgeräuschen mal abgesehen, ist der Kaffeebedarf der Eltern aber auch gar nicht so hoch. Irgendwie hatte ich uns bei den anderen Kindern müder in Erinnerung. Vielleicht kommt das aber auch noch.

Am Dienstag wollten wir eigentlich zu Hause bleiben, sind dann aber nochmal los zur re:publica und haben den Tag mit Herr und Frau Mierau, dem Runzelfüßchen und ihrem netten Mann und noch ein paar anderen Internetmenschen verbracht. Ich habe sogar einige nette Videospielbranchenfreunde getroffen, leider keinen Vortrag geschafft und trotzdem gute Vibes von der re:publica mitgenommen. Irgendwie wohl auch, weil wir auch ein paar gute Leserinnen und Lesern getroffen haben. Die Kleine hat den Tag mal wieder komplett verpennt, dafür dann aber abends etwas nachgeholt. Man merkt es fast immer: Wenn das äußere Umfeld neu und unbekannt ist, neigen Babys dazu, sich dort abzukapseln und dafür abends den angesammelten Input zu verarbeiten. Aber mit Tragen und etwas auf dem wippenden Hocker schuckeln beruhigt sich unser Babymädchen verlässlich und schnell.

Beim Zahnarzt eingeschlafen

Der Mittwoch beginnt für Anja mit einer entspannenden Wochenbettmassage, die sie sich aktuell einmal wöchentlich gönnt. Danach ist sie immer wunderbar gelöst, was heute leider durch die folgende Zahnreinigung etwas negiert wurde. Suboptimale Terminplanung, muss man dann abhaken. Ich bin in der Praxis auf dem bequemen Sofa im Wartezimmer mit der Kleinen im Tuch ein bisschen eingeschlafen, weil Anja die letzte Patientin vor der Mittagspause war und daher niemand sonst dort wartete. Die beiden netten Mitarbeiterinnen, die derweil das Aquarium reinigten, nahmen den schlafenden Vater mit Humor. Nachmittags hatte der Kleine noch einen Freund zu Besuch, die beiden haben fröhliches Chaos verursacht und im Zimmer lustige Dinge veranstaltet. Unser Baby scheint den Nachmittagstrubel hier noch aus der Schwangerschaft gewohnt zu sein. Je lauter die Geschwister, desto entspannter scheint es für sie zu sein.

Am Donnerstag liegt morgens das Kösel-Verlagsprogramm für den Herbst im Briefkasten. Und dort drin steht unser erstes gemeinsames Buch mit dem schönen Titel Von guten Eltern … und glücklichen Paaren: Die Kinderjahre entspannt gemeinsam bewältigen – ich freu mich und bin ein bisschen stolz, dass wir das Projekt gemeinsam gestemmt haben. Für Anja ist es ja schon das dritte Buch – beziehungsweise sogar das vierte, denn ebenfalls im Oktober erscheint Breifrei! Das Veggie-Kochbuch. Für mich ist es Ratgeberbuch-Premiere, wir freuen uns aber beide sehr. Jenseits davon ist der Donnerstag erstmalig ein kompletter Arbeitstag für Anja, aber eher einer von der entspannteren Sorte. Zusammen mit unserer Freundin Susanne plant Anja an einem Projekt für die nächsten Monate. Ganz familienfreundlich sind die beteiligten Partner dafür extra nach Berlin angereist, so dass die Babys einfach dabei sein können. Ich schuckele das Babymädchen am Vormittag bei Susanne im Tragetuch durch die Wohnung und mache nebenbei einen Kaffeeschnellkochkurs mit Caspar, der sich an diesem Tag um seinen kleinen Sohn kümmert. So klappt das ganz gut mit der Vereinbarkeit und Anja beteuert mehrfach, dass es nicht zu anstrengend war. Auch das Babymädchen wirkt entspannt. Nachmittags sind wir noch bei Nintendo eingeladen. Ich schnappe mir das Söhnchen und seine große Schwester und wir zocken im Privatkino des Soho House auf der großen Leinwand gemeinsam eine Runde Mario Kart 8 Deluxe und erhaschen einen ersten Blick auf den neuen New Nintendo 2DS XL. Dennoch müssen wir schnell machen, denn eine Tochter muss noch aus dem tiefsten Pankow eingesammelt werden und zuhause wartet Anja mit dem Babymädchen. Aber Flexibilität verlangt das Wochenbett uns allen ab. Und genau dafür ist diese Zeit ja auch da – um als Familie mal wieder neue Strukturen zu finden – mit nun einem kleinen Menschen mehr dabei.

Geschwister „üben“ fleißig anlächeln

Am Freitag wollte ich ursprünglich alleine kurz auf die Blogfamilia, um ein paar Leute zu treffen, aber dann ist Anja spontan doch mitgekommen. Wir haben ein paar schöne Gespräche geführt und waren etwas später zuhause als geplant. Die Kleine hat den Tag wieder im Tragetuch und mit Stillen verbracht. Am Nachmittag wollen wir eigentlich für ein Picknick ins Grüne fahren. Doch dann sind wir nicht so richtig losgekommen und ein paar andere Dinge liefen zuhause auch noch auf. Also wurde das Picknick kurzerhand auf den Wohnzimmerteppich verlegt – das war für Kinder und Eltern auch völlig okay.

Samstags haben wir vormittags einige dringende Erledigungen erfolgreich abgehakt (endlich Sommersandalen für die Große gekauft!). Zuhause backt sie „zum Dank“ noch einen Apfelsaftkuchen und der Nachmittag wir entspannt mit lieben Menschen und einem riesigen Topf veganer Bolognese und guten Gesprächen verbracht. Wenn der BVB jetzt noch gewonnen hätte… Unsere Babytochter fühlt sich wohl auf den Armen unseres Besuchs und ihr Lächeln wird auch täglich mehr. Die Geschwister „üben“ das auch fleißig mit ihr und berichten uns von jedem einzelnen Mal, wenn sie von ihrer Babyschwester angelächelt werden. Hach…

Am Sonntag sind vormittags die Großeltern aus Westdeutschland gelandet, um endlich auch ihr fünftes Enkelchen zu begrüßen. Es ist toll zu sehen, wie sehr sie sich für und mit uns freuen über das neue Familienmitglied. Wir genießen das schöne Wetter, essen Eis und der Kleine düst mit seinem Go-Kart über den Spielplatz. Die mittlere Tochter hat den Tag auf dem Geburtstag ihrer Freundin verbracht, für den sie aufs Land zum Reiten gefahren ist. Wir holen sie nachmittags bei ihrer Freundin ab und auch sie rennt erstmal ihrem Opa in die Arme. Wir holen uns abends Pizza und dann verabschieden sich die Großeltern nach einer Vorleserunde in ihr Appartement, während wir die große Bettgehzeremonie starten und uns auf die neue Woche freuen. Im Rückblick klingt die Woche sehr vollgepackt, aber angefühlt hat sich alles sehr gut. Ich bremse Anja dennoch ein bisschen aus, denn Hebammen sagen ja, das Wochenbett dauert sechs bis acht Wochen. Und sie ist ja Hebamme, da „muss“ sie dann mal auf mich hören…

Wer mehr von unserem Wochenbett lesen will:

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6 Kommentare

Vera 14. September 2017 - 14:00

Hallo Christian,

Du erwähnst hier im Artikel eine Wochenbettmassage. Eine Freundin von mir hat gerade ein Kind bekommen, und ich würde ihr gern einen Gutschein schenken. Kannst Du oder Anja jemanden empfehlen?

Herzlichen Dank!
Vera

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Anja 14. September 2017 - 18:53

Liebe Vera,

hier war Sandya aus der Praxis Mamunette (Winsstraße in Prenzlauer Berg da. Unbedingt zu empfehlen 🙂

Liebe Grüße, Anja und Christian

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Katharina 16. Mai 2017 - 19:30

Wow, ein Buch von euch beiden – Klasse!
Ich habe es mit gleich auf die Merkliste gesetzt 🙂

Ich bin gespannt, was ihr dazu berichtet und halte es für ein sehr sehr wichtiges Thema.
Glückliche Paare/Eltern sind eine ultrawichtig für das Familienleben und für eine glückliche Kindheit.

Liebe Grüße
Katharina

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Pja 15. Mai 2017 - 21:14

Ein schönes Wochen- Tagebuch!!! Darf ich fragen, ob ihr vegan lebt und falls ja, wie das mit Kindern klappt?
LG Pia

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Franziska 15. Mai 2017 - 10:51

Ich mag euren Blog sehr gern und freue mich, ihn dank Geborgen wachsen entdeckt zu haben, besonders seit der Geburt meines zweiten Sohnes und der aktuell 6. Woche Wochenbett. Es ist irgendwie schön zu wissen, das andere aktuell ähnliche Erfahrungen machen und es fühlt sich alles “im Fluss” an. Danke dafür. 🙂

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Christian 15. Mai 2017 - 10:58

Liebe Franziska, Danke für das Lob und schön, dass es bei euch alles im Fluss ist. Unbedingt genießen! 🙂

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