Die vierte Woche Wochenbett: Vorbilder und Elterngeld

von Christian

Die vierte Woche im Wochenbett ist rum – und da hier ausschließlich der Vater seine Gedanken teilt, schreibt hier auch “Der Mann, der die Wäsche hasst”. Immerzu piepst aggressiv die Höllenmaschine (ich habe noch immer nicht rausgefunden, wie man den verflixten Alarmton deaktivieren kann) und signalisiert, dass sie Zuwendung sucht. Immerhin piepst der Wäschetrockner nicht auch noch. Deshalb ist er wohl aber auch ständig noch voll.

Der Montag geht nach dem Oster-Ausflug aufs Land locker los. Nix machen ist angesagt, ist ja auch Feiertag. Wir machen zuhause Frühstück, nachmittags tauschen wir jeweils eines der Kinder mit Freunden, die gerade aus dem Urlaub zurück gekommen sind , um das Leben für alle beteiligten Familien zu entzerren. Klappt auch. Abends gibt es Bestellessen und es geht früh ins Bett.

Am Dienstag sind die Kids nochmal verabredet, das Söhnchen geht wieder in den Kinderladen und wir können nach den Osterferien endlich mal etwas durchatmen, vormittags ein Stündchen schlafen und in Ruhe das täglich wachsende Baby bestaunen. Schon erstaunlich, wie gelassen die Kleine den Trubel in unserer Familie mitmacht. Und wie energisch sie sich meldet und sich ihre Position „sichert“.

Tagsüber ärgert der Elterngeldantrag

Mittwochs haben die Mädchen noch schulfrei, weil ein Studientag an die Ferien angehängt wurde (natürlich um uns alle zu quälen, da sind wir sicher…). Vor mir liegt ein fast kompletter Tag „Arbeit“, weil ich einen beruflichen Termin wahrnehmen muss, den Anja eigentlich machen wollte und der schon zugesagt war vor der Geburt und dem Chaos des Blasensprungs – und wir dachten, dass dieser Termin am Ende des Wochenbetts liegen würde. Nun, das war nicht so, hat aber alles gut geklappt.

Nachmittags kommen Anjas Schwester und unser Neffe zu Besuch, worüber wir uns sehr freuen. Sie bleiben ein paar Tage, schlafen allerdings in der Wohnung eines guten Freundes direkt bei uns um die Ecke – sicherlich für alle Beteiligten die schlaueste Lösung. Denn im Wochenbett sollte Besuch sehr ausgesucht und möglichst ohne Stress für die Eltern stattfinden. Denn gefühlt steht man immer mit einem Bein am Abgrund einer Nacht ohne Schlaf. Und neue Gesichter stressen Babys auch gerne mal.

Am Donnerstag dann endlich der erste Schultag, was aber für mich wieder sehr frühes Aufstehen und Brotdosenproduktion bedeutet. Nachdem ich um kurz vor Neun den Kleinen noch fröhlich sein Unterwegs-Croissant kauend im Kinderladen abgeliefert habe, gönne ich mir eine Laufrunde im Park. Herrlich. Mittags schaut die Hebamme mal wieder rein. Ich freue mich sie zu sehen und erinnere mich das erste Mal ganz bewusst daran, wie sie zur Geburt zu uns kam als zweite der beiden Hebammen. Wie ruhig sie dazu kam. Sich erstmal einfach nur auf den Boden setzte und zuschaute, wie ihre Kollegin und ich Anja dabei begleiteten, die Wehen zu meistern. Ein so wunderbar ruhiges Verhalten, das auch mich als natürlich nervösen Vater unter der Geburt unterbewusst sehr beruhigte. Ich wünsche mir in diesem Moment, dass jede Familie eine solche Betreuung bekommen könnte. Wohlwissend, dass das aus unterschiedlichen Gründen nicht der Fall sein wird.

Tagsüber ärgert der Elterngeldantrag

Freitag dann mal wieder ein Tag ohne Programm. Wir treffen uns am Nachmittag mit Anjas Schwester, machen abends Pizza und gucken einen Familienfilm. Tagsüber ärgert der Elterngeldantrag, der ohne Bescheid zurückkommt – natürlich, weil irgendwas fehlt. Irgendwas fehlt da wohl immer. Gefühlt kenne ich niemanden, der im ersten Versuch durchkommt bzw. sofort sein Geld bekommen würde. Die meisten Freunde von mir warteten zwei, drei oder gar vier Monate. So sinnvoll Elterngeld an und für sich ist, ich frage mich echt, ob sich der Staat bewusst darüber ist, dass man sich in solchen Situationen das Elterngeld quasi im Vorfeld ersparen muss. Und was ist mit jenen, die keine großen finanziellen Rücklagen gebildet haben. Schon sehr doof für manche Familie.

Am Nachmittag folgt ein kurzer Spaziergang und es werden noch Geschenke für mehrere Kindergeburtstagseinladungen besorgt. Dann ärgern wir uns über die Krankenkasse, die immer noch keine Versicherungskarte fürs Töchterchen geschickt hat. Im Gegenzug will sie aber die Rufbereitschaftspauschale für die Hausgeburt nicht zurückzahlen, weil irgendein Belegzettelchen fehlt. Dabei werden von 650 Euro ohnehin nur 250 Euro übernommen – völlig egal, ohnehin war es für uns das wohl am besten investierte Geld überhaupt. Die Kosten für die osteopathische Behandlung am Ende der Schwangerschaft hat die Krankenkasse natürlich auch noch nicht zurückgezahlt. Alle Belege dafür sind lange eingereicht.

Am Samstag haben wir vormittags noch schnell mit der ganzen Familie einen von der Tochter am Vorabend gebackenen Apfelsaftkuchen verspeist, bevor Anjas Schwester wieder nach Hause gefahren ist. Wir waren danach kurz spazieren und Kaffeetrinken, haben aber im Kiez eine ganze Reihe Freunde und Bekannte getroffen, weshalb der Ausflug länger als geplant geriet. Den Rest des Tages haben wir dann verdaddelt, eine Tochter war in Brandenburg auf einem tollen Übernachtungsgeburtstag eingeladen, die andere und der Sohn haben mit uns den Tag den Tag sein lassen. Und mit ein bisschen medialer Unterstützung bekommen Eltern im Wochenbett auch hier und da eine kleine Auszeit. Die Kinder finden es auch nicht wirklich blöd, wenn sie mal eine Folge mehr der Lieblingsserie schauen können. Auch mal gut. Die kleine Babytochter schläft abwechselnd bei mir oder Anja auf dem Bauch oder im Tragetuch, wenn sie nicht gerade stillt.

Sonntag ist dann Aufräumtag. Und es wird mal wieder der große Wäschechaosgegenangriff gestartet. Der Rest geht auch erstaunlich locker von der Hand, wir räumen das erste Mal die Wochenbetthöhle ziemlich komplett auf, weil Montag die Putzfee kommt – was auch dringend nötig ist. Nachmittags kommt noch unsere liebste und älteste Freundin vom Land zu Besuch, um bei uns zu übernachten, weil sie einen Berlin-Termin hat. Wie gerne erinnere ich mich daran, wie sie uns vor fast zwölf Jahren in den Tagen nach der Geburt unserer ersten Tochter unterstützt und umsorgt hat. Damals hat sie neben vielen anderen guten Taten die etlichen Obstteller gemacht, die ich derzeit in diesen Wochen schnippele. Mone ist wohl sowas wie mein „Wochenbettvorbild“. Sie hat für uns alle so schöne und liebevoll ausgesuchte Geschenke mitgebracht – auch etwas für mich. Wir bestellen gemeinsam essen und reden den Abend noch recht lange. Das Töchterchen schläft immer wieder mal auf ihrem Arm ein – es ist schon toll, Freunde zu haben, denen man vorbehaltlos vertraut. Ein ganz und gar wunderbares Gefühl – das uns in die nächste Woche trägt.

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1 Kommentar

Katharina 24. April 2017 - 15:18

In euren Beiträgen merkt man jedes Mal wir bewusst euch der achtsame Umgang miteinander in dieser bedonderen Zeit ist. Vor allem, wie aufmerksam Christian ist.
So gerne hätte ich, das mein familiäres Umfeld und mein Mann diese Texte lesen und für unser nächstes Wochenbett verinnerlichen würden.
15 Monate nach dieser Zeit stehen für mich noch viele Situationen zwischen uns (außer meinem Mann, der hat sich meine wünsche für das nächste mal zu herzen genommen), für mich. Die anderen sind nur der Meinung ich wäre zu empfindlich gewesen. Bis heute habe ich kein Vertrauen in diese. Was ich sehr schade finde, da es auch und vor allem die oma’s betrifft.

Vielen Dank für eure Arbeit mit euren Texten. Ihr habt bestimmt nicht nur mir bestätigt, wie wichtig es ist auf das eigne Bauchgefühl zu hören und auch die Bedürfnisse aller zu achten und beachten.

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