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Die zweite Woche Wochenbett: grunz, grunz… gluck, gluck…

von Christian

Wir haben die zweite Woche im Wochenbett genossen – und es war tatsächlich genau so: Wir haben sie fast durchgehend genossen. Ganz bewusst, ganz ruhig, ohne viele Missionen neben dem Alltag, der bisweilen schon stressig genug ist. Montag ging morgens die Schule wieder los – und mit ihr das frühe Aufstehen des Papas. Aktuell schlafen wir zu viert im Familienbett (v.l.n.r: Anja, Baby, Christian, Söhnchen). Das Bett ist mit 2,40 Meter locker breit genug für uns alle inklusive Kissenbarrieren, aber ich werde doch immer wieder mal mit wach. Das macht sich morgens durch etwas dunklere Augenringe bemerkbar, aber eine Joggingrunde im Regen strafft Gesicht und Nerven.

Dienstag steht das erste Verlassen der Wochenbetthöhle an: die „Reise“ zum Kinderarzt zur U2. In unserem Fall ist es tatsächlich eine rund 20-minütige Autofahrt nach Friedrichshain, wo „unser“ Kinderarzt seine Praxis hat. Dort gehen wir seit über einem Jahrzehnt hin, sind zum Glück fast nur zu den U-Untersuchungen dort und schätzen die entspannte und kompetente Atmosphäre. Die Kleine hat ihre erste Fahrt in der Babyschale gut gemeistert, Anja saß hinten neben ihr, dass Söhnchen hat den Kita-Tag „geschwänzt“, um sich einen Luftballon beim Kinderarzt einzukassieren. Die U2 der Kleinen verläuft schnell und ohne Auffälligkeiten, zufrieden düsen wir alle zurück nach Hause und halten unterwegs im Lieblingscafé für ein schnelles Mittagessen. Danach ausruhen und hoffen, dass der Ausflug die Nacht nicht zum Tag macht.

Das passierte zum Glück nicht, trotzdem lassen sich die Nächte am besten mit den Lauten „Grunz, grunz, gluck, gluck…“ beschreiben. Die Kleine säuft sich durch die Nacht. Das Dauerstillen führt dazu, dass sie am Wochenende bereits ihr Geburtsgewicht um ein halbes Kilo übertroffen hat. Kleine Raupe Nimmersatt. Am Mittwoch machen wir genau nichts, außer dass ich die beiden Mädchen bei einem Sponsorenlauf in der Schule bewundert habe (17 und 14 Runden á 400 Meter!) und wir später den Elternabend in der Schule geschwänzt haben, weil der natürlich mitten in der Bettgehzeit aller Kinder und Aktivphase der Kleinen liegt. Zum Glück ging es primär um die Klassenfahrt, da wissen wir mittlerweile recht gut Bescheid. Das Söhnchen ist nach einen Waldtagausflug platt wie eine letztes Jahr getrocknete Sonnenblume und schläft schnell ein. Leider nicht ohne kleinen Nervenzusammenbruch, weil der Praxisluftballon während eines Spiels platzt…

Spät und langsam

Donnerstag und Freitag liegen keine Termine in der Außenwelt an, also habe ich endlich mal den Kindergeldantrag aus dem Weg geschafft und das Töchterchen bei der Krankenkasse angemeldet. Organisatorisches bleibt gerne auf der Strecke im täglichen Kampf gegen Wäsche, Küchenchaos und generelle Unordnung in der Wohnung.

Samstag haben wir morgens langsam angefangen und spät gefrühstückt und dann den kühnen Plan gefasst, alle gemeinsam einen Spaziergang zu machen. Wir haben so gegen 12.15 Uhr mit den Vorbereitungen begonnen, die nebst erstmaligem Packen der Wickeltasche und mehrmaligen Stillen und Wickeln vor dem Loskommen auch das erste Ausrollen des neuen Kinderwagens und das Einpacken des Babys ins Tragetuch beeinhalteten. Losgekommen sind wir dann so um 13.40 Uhr. Nach einem entspannten Kaffee und einem kurzen Treffen mit einem lieben Freund sind wir dann noch “kurz” Einkaufen gegangen fürs Abendessen, was im Chaos mündete, weil alle Kinder irgendwas wollten, das Baby wach wurde und wir nur schnell nach Hause wollten.

Einkaufen mit vier Kindern im Wochenbett ist eine schlechte Idee. Normalerweise erledigen wir das eh am liebsten ganz ohne Kids. Das spart Zeit und Nerven. Den Frisörtermin am Nachmittag habe ich dann trotzdem schnell gemacht, denn die Haare wucherten schon wieder zügellos. Ich konnte entspannt gehen, weil der Freund noch mit zu Besuch kommt und ich weiß, dass sich auch die Geschwister gerne kümmern. Das Baby darf immer auf einem Arm sitzen oder einer Brust schlafen – und macht das auch. Als die Kleinste vormittags bei der Großen auf dem Bauch eingeschlafen ist, war ich ernstlich zu Tränen gerührt – so wunderbar zu sehen, dass es da offenbar ein tiefes Urvertrauen ineinander gibt.

Kleine Dinge retten manchmal den Alltag

Am Sonntag haben wir ohne Anja und Baby so einige Stunden auf dem sonnigen Spielplatz verbraucht mit lieben Freunden und Go-Karts, Fußball, Tischtennisplattenball und Eiscreme. Schön auch deshalb, weil mir morgens alle rauswollten, aber nach kurzer Zeit wieder umgekehrt sind, weil das Söhnchen blöd gestürzt war und unbedingt wieder nach Hause wollte. Nun, so ist das manchmal: Pläne und ihre Ausführung sind insbesondere im Wochenbett eine komplexe Sache. Abends haben wir auf dem Heimweg noch schnell die Tochter einer Freundin vom Spielplatz bei ihr Zuhause vorbeigebracht, weil die Eltern mit einem kränkelnden Geschwisterkind schon früher los waren. Und dort endlich einen neuen Luftballon bekommen. Diese kleinen Dinge retten manchmal den Alltag mehr als teure Geschenke.

Vor der kommenden Woche haben wir ein wenig Respekt. Es sind Osterferien und wir fahren nicht weg, weil das einfach noch zu früh ist für die Kleinste. Das Söhnchen kann noch in den Kinderladen gehen, die großen Mädchen haben allerdings schulfrei und tragen es mit Fassung, dass der Osterurlaub in diesem Jahr ausfällt. Aber wir merken schon, dass das natürlich etwas blöd ist, aber es lässt sich nicht verhindern. Das ist einer der Preise, den man “zahlt” mit mehreren Kindern: etwas zu machen, dass alle zum gleichen Zeitpunkt glücklich macht, wird immer schwieriger – und das fängt manchmal schon bei der Auswahl eines gemeinsamen Films für einen Familienfilmabend an. Aber letztlich findet sich immer eine Lösung, so dass es irgendwie doch für alle passt. Und dass gerade statt Osterreise das Ankommen der Babyschwester im Fokus steht, wird eben doch vor allem von den großen Schwestern auch verstanden. Als Hebammenkinder haben sie wohl oft genug mitbekommen, dass das Wochenbett eine ganz besondere Zeit ist. Eine Zeit, durch die wir alle ein bisschen entschleunigt und verzaubert von unserem Babymädchen gehen.

Wer mehr von unserem Wochenbett lesen will:

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4 Kommentare

Sonja 13. April 2017 - 11:48

Ich hoffe alle haben die erste Ferienwoche gut rumbekommen 😉 Frohe Ostern!

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Anja 11. April 2017 - 22:22

” etwas zu machen, dass alle zum gleichen Zeitpunkt glücklich macht, wird immer schwieriger ” – so wahr ! Das ist meiner Meinung nach einer der schwiergsten Punkte in einer Großfamilie.

Ich wünsche euch weiterhin ein zauberhaftes Wochenenbett und kuschelige Ferien.

P.S. Wir schicken in den Ferien oft ein Mittelkind zu den Großeltern. Das ist für alle schön und entlastet.

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KriMaEm 10. April 2017 - 19:31

Es liest sich, wie häufig, super.
Aber eins würde mich interessieren : ist es Absicht, oder Zufall, dass die Überschrift ein bisschen nah dem Refrain von Tante aus Marokko klingt? Jedesmal wenn ich gucke, ob ein neuer Artikel da ist, hab ich jetzt die Melodie im Kopf und lasse mir “Haushaltsstrophen” oder gerade aktuelle Situationsstrophen einfallen. ;’).

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Fleder 10. April 2017 - 17:34

Es ist so herzerwärmend, wenn ein neues Familienmitglied ganz selbstverständlich angenommen wird und sich alle darüber freuen – selbst wenn man es nur liest.

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