Drei Stillkinder, Stillwege

Drei Kinder, drei Stillgeschichten

von Anja

Dies ist der 25. Beitrag in unserer Reihe „Stillen ist bunt“ (alle weiteren findet ihr gesammelt hier), in dem Ulrike aus Österreich ihre Stillgeschichten erzählt. Die 42-jährige Biologin ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie erzählt über ihre drei unterschiedlichen Stillerfahrungen und Beikostwege mit dennoch vielen Parallelen.

Was hast du vor deiner Schwangerschaft über das Stillen gedacht bzw. welche Erfahrungen mit dem Thema gemacht? Wie hast du dich vor der Geburt über das Thema informiert? Gab es Wünsche und Vorstellungen in Bezug auf die vor euch liegende Stillzeit?
Beim ersten Kind, meinem Sohn, bin ich sehr relaxed an die Sache herangegangen und es hat funktioniert, wobei ich am Anfang auch Schmerzen hatte. Darauf komme ich noch zurück. Als Stilldauer waren sechs Monate empfohlen im Jahr 2006, es wurden dann 20 Monate.

Beim zweiten Kind, nahm die Kleine nach dem Kaiserschnitt (sekundär) nicht richtig zu und ich habe durch Panik, es drohte Zufüttern, und falsche Beratung die eine Seite abgestillt. Die Seite habe ich dann über Pumpen und Brusternährungsset sowie sehr gute Internetstillberatung wieder reaktiviert. Durch meinen Sohn wusste ich, ich kann stillen. Trotzdem war das Wochenbett angespannt und nicht so schön. Die Stilldauer betrug am Ende 36 Monate.

Nach der schlechten Erfahrung bei der Geburt und im Wochenbett von meiner ersten Tochter habe ich mir für die dritte Geburt ein ruhigeres Krankenhaus gesucht. Es war relativ schnell klar, dass es zum dritten Mal eine Sectio wird (Gewebe zu dünn um die Narbe). Im Krankenhaus lief es viel besser, auch wenn meine zweite Tochter erstmal ebenfalls zögerlich zugenommen hat. Und besonders eine Seite hat wieder sehr weh getan.

Für die Anfangszeit vier Wochen Urlaub genommen

Für zu Hause hatte ich Hebammenbetreuung. Die Hebamme war auch gleich einen Tag nach Entlassung bei uns zu Hause. Das Anlegen sah gut aus, aber die kleine Madame war immer noch sehr müde. Die Hebamme hat dann festgestellt, dass die kleine einen Mundsoor hat, den wir sofort behandelt haben. Das hatten alle meine Kinder als Neugeborene, weil es während des Kaiserschnitts eine Einmalgabe Antibiotika gibt. Deswegen hatte ich auch schon das Mundgel da. Und schon beim nächsten Mal Stillen hat es deutlich weniger weh getan und ab dann hat sie gut zugenommen und war nicht mehr so müde.

Mein Mann hatte sich für die Anfangszeit vier Wochen Urlaub genommen und wir sind deutlich schöner und ruhiger durch dieses Wochenbett gekommen. Davon profitiere ich heute noch.

Wie verlief der Stillstart und wie ging es dir und Deinem Baby dabei? Welchen Einfluss hatte die Geburt auf eure ersten Stillmomente?
Leider war es jedes Mal ein Kaiserschnitt. Einmal wegen Beckenendlage, einmal sekundär nach vorzeitigem Blasensprung und Wehen, die nicht richtig in Gang kamen, dann eingeleitet und wieder OP. Und beim dritten Kind hatte ich den besten Befund, es lag fest im Becken und hat dann selber Wehen ausgelöst und ihren Geburtstag bestimmt.

Das dritte Wochenbett war das schönste

Der erste und dritte Kaiserschnitt liefen am besten. Angelegt jeweils eine Stunde nach der Geburt. Milcheinschuss am dritten Tag. Sie wussten alle drei, was zu tun ist, wobei die beiden Mädels etwas müder waren und ich bei Nummer drei auch geweckt habe, bis sie ihr Geburtsgewicht wieder hatte.

Wie lief das Stillen im Wochenbett? Hattest du in dieser Zeit Unterstützung?
Das dritte Wochenbett war das schönste. Für uns war wichtig, in Ruhe zu fünft anzukommen, erstmal keinen Besuch zu haben bis auf die Hebamme, die drei Mal kam, uns sehr gut unterstützt hat und mich immer wegen Gewichtszunahme beruhigt hat.

Wer war bei Fragen oder Problemen in der Stillzeit für Dich da? Wer oder was hat Dir besonders gut bei etwaigen Schwierigkeiten geholfen?
Bei den Stillproblemen beim zweiten Kind fehlte mir leider eine gute Hebamme. Auch die Stillberatung im Krankenhaus hat nichts gebracht, ich könnte ja auch mit einer Brust stillen. So weit war ich zu dem Zeitpunkt auch schon. Da hat mich ein Stillforum mit sehr guter Beratung gerettet und mich beim Stillen mit Brusternährungsset begleitet, bis die Seite wieder ausreichend Milch gebildet hat.

Innigste in der Stillzeit ist die Nähe

Wie verlief der Beikostbeginn? Welche Erwartungen gab es? Und wie hat sich das Stillen in dieser Zeit verändert?
1. Kind: Nach sechs Monaten, wobei ich dachte, jetzt stillt er sich ganz schnell ab, war aber nicht so und hat gut so gepasst. Er hat sich da an keinen Plan gehalten, mal gegessen, mal nicht, aber immer gestillt. 2. Kind: Nach sechs Monaten, Baby-led weaning, sehr geruhsamer Beikostbeginn, kein Ersetzen von Mahlzeiten, sondern weiter normal gestillt. 3. Kind: Nach fünf Monaten, Baby-led weaning und teilweise Obstmus selbstgemacht, weil sie es mag. Auch hier wieder kein Ersetzen von Mahlzeiten.

Wie verlief der Abstillprozess bzw. welche Wünsche oder Vorstellungen hast du in Bezug auf diese Zeit?
Abstillen verlief beim ersten Kind ohne Konflikt mit 20 Monaten. Mein zweites Kind wurde wegen eines Krankenhausaufenthalts bei mir abgestillt, wobei wir vorher schon dabei waren. Das dritte ist acht Monate alt, das hat noch Zeit.

Was war oder ist das Schönste für dich am Stillen?
Das Innigste in der Stillzeit ist die Nähe. Das Schönste ist das Einschlafstillen.

Was war am schwersten oder belastendsten für dich in der Stillzeit?
Das Schwerste bei den Mädels die Gewichtszunahme am Anfang. Entspannend finde ich es immer ab Beikostbeginn, weil ich mich zeitlich nicht mehr so gebunden fühle. Ist ein bisschen eine Kopfsache.

Was würdest du in einer weiteren Stillzeit anders machen? Was ist deine wichtigste Erkenntnis in Bezug auf das Stillen, die du anderen Müttern weitergeben würdest?
Es lohnt sich durchzuhalten. Es braucht ein bisschen Übung. Stillen darf nicht auf Dauer weh tun. Und eine Hebamme, die im Wochenbett nach Hause kommt, ist Gold wert. Ein stillfreundliches Krankenhaus ist auch wichtig. Mundsoor macht das Stillen viel schwieriger und ist wirklich leicht zu behandeln. Es ist super, wenn auch der Vater vom Stillen überzeugt ist. Was würde ich anders machen? Das ist mein letztes Kind. Es ist dieses Mal ziemlich ideal gelaufen.

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