Drittkind, Happy, Kindheit

Du glückliches Drittkind

von Anja

Ich weiß und sehe täglich, wie sehr du deine beiden großen Schwestern liebst und bewunderst. Aber wahrscheinlich wirst du erst in sehr vielen Jahren verstehen, was sie alles für dich tun und schon getan haben, lange bevor es dich gab. Denn diese beiden Mädchen haben uns zu den mittlerweile ganz guten und relativ entspannten Eltern gemacht, die dich heute auf deinem Weg begleiten. Es sind die, die dich einfach machen lassen. Die sich bei deinen täglichen kleinen und großen Gefühlsausbrüchen nicht ängstlich fragen, was das zu bedeuten hat.

Sie lassen dich überall drauf klettern. Sie freuen sich mit dir über deinen Stolz darauf, ohne dich gleich mit gebrochenem Bein in der Notaufnahme zu sehen. Es sind die beiden, die dich mal mehr und mal weniger essen lassen, ohne zu befürchten, dass es nicht ausreichend für dich ist. Die, die dich gestern Abend auch auf auf dem Boden haben essen lassen, weil du unbedingt ein Hund sein wolltest – ohne gleich um den Verfall sämtlicher Tischmanieren zu fürchten.

Die Eltern, die es einfach genießen, dass du nachts in ihrem Bett liegst und sich nicht fragen, sondern eher davor fürchten, dass auch diese Zeit eines Tages vorbei ist. Die, die auch mal deine Mütze vergessen, obwohl es vielleicht schon etwas kühler ist und feststellen, dass du trotzdem genauso gesund bleibst, wie deine wahrscheinlich eher viel zu oft viel zu warm angezogenen Schwestern.

Kleine und große Kinderwelten

Vor allem deiner großen Schwester verdankst du viel von unserer Gelassenheit, da wir wohl all unsere Elternängste an ihr „abgearbeitet“ haben. Ich hoffe ja insgeheim immer, dass die Exklusivzeit, die sie dafür mit uns als einziges Kind hatte, das irgendwie wieder etwas ausgeglichen hat. Während ich mir oft Gedanken machte, ob unser erstes Kind auch genug altersgerechten Input oder auch womöglich zu viel davon bekommt, bist du einfach immer irgendwie dabei, bei allem was hier so passiert.

Und als du heute im Auto begeistert „Nommal“ (noch mal) gekräht hast, habe ich die Drei-???-Kids-CD, die da irgendwie in Dauerschleife läuft, einfach noch mal angemacht. Einen kurzen Moment dachte ich darüber nach, dass Detektivgeschichten vielleicht nicht ganz so passend für Zweijährige sind. Aber dein hocherfreutes Gesicht sagte sowieso etwas anderes.

Und so darfst und erlebst du viele Dinge, die ich beim ersten Kind wohl sehr in Frage gestellt hätte. Bügelperlen und Playmobilteilchen hätte ich wahrscheinlich als lebensgefährlich eingestuft und dich nicht allein im Kinderzimmer gelassen. Doch du entdeckst schon lange mit großer Freude die Welten deiner Schwestern. Und sie begleiten dich auch gerne in deine Kleinkindwelt. Sie bauen die größten Türme mit dir, um sie dann von deinem Lachen und Schreien begleitet umwerfen zu lassen.

Die Kinder einfach mal genießen

Und wir? Wir sitzen manchmal fast ein bisschen wie Statisten daneben. Wir schauen dir und deinen Schwestern zu und genießen es einfach. Das mit dem „Kinder einfach mal genießen“ klappt nämlich bei jedem Kind besser. Vielleicht weil wir wissen, wie schnell die Zeit vergeht. Schon zweite Kinder werden viel schneller groß als erste Kinder. Aber ab dem dritten Kind scheint die Zeit zu rasen.

Deshalb ist auch der „Druck“, endlich mal wieder als Paar was ohne Kind zu machen, längst nicht mehr so hoch wie beim ersten Kind. Denn im besten Fall haben wir noch ziemlich viele Jahre zu zweit vor uns, in denen du und deine Schwestern uns nicht mehr in dieser Intensität brauchen werden. Und uns nicht mal mehr nur noch als Statisten daneben sitzen haben wollt. Ich bin recht sicher, dass auch Schulzeiten und wahrscheinlich sogar die Pubertät mit dir um einiges entspannter ablaufen wird.

Denn irgendwie müssen wohl primär die Großen sich an uns Eltern abarbeiten und uns zu den Eltern machen, die wir irgendwie auch gerne schon beim ersten Kind gewesen wären. Doch bis auf die bisweilen fehlende Gelassenheit und manchmal zu große Überängstlichkeit haben wir jetzt für unser Gefühl auch nicht zu viel falsch gemacht. Wir waren halt Anfänger. Und aller Anfang ist schwer…

Ein Schritt mehr zu elterlicher Gelassenheit

Doch auch deine „kleine große“ Schwester hat uns noch viel Neues gelehrt. Zum Beispiel, dass genug Liebe für zwei und mehr Kinder da ist. Aber manchmal nicht genug Schlaf und Energie, um den hohen Ansprüchen, die man sich beim ersten Kind gesetzt hat, auch beim zweiten gerecht zu werden. Dem zweiten Kind hat es zwar weder an Liebe, Muttermilch noch an Kuscheleinheiten gemangelt. Aber gebadet wurde sicher seltener. Und geschlafen wurde meist irgendwann unterwegs im Tragetuch – einfach weil der Alltag mit zwei Kindern ganz andere Bedingungen vorgibt. Schlimm ist aber auch das nicht: wieder ein Schritt mehr zu elterlicher Gelassenheit.

Den Umgang mit den unvermeidbaren Geschwisterstreitereien lassen uns deine beiden großen Schwestern auch immer wieder üben. Wir haben aus einer zu großen Harmoniesehnsucht heraus ein bisschen gebraucht, um zu verstehen, dass Konflikte gerade unter Geschwistern unvermeidbar sind. Und dass es in vielen Fällen die bessere Option ist, es die Kinder das selbst klären zu lassen. Zumindest dann, wenn es altersgemäß möglich ist. Ich bin ziemlich sicher, dass wir mit dir in diesen Situationen nicht so viele oft sinnlose Diskussionen führen werden. Sondern einfach da sind, wenn ihr Geschwister wirklich unsere Hilfe dabei braucht. „Die Kinder einfach mal machen lassen“ haben wir also auch von deinen beiden Schwestern gelernt.

Überhaupt glaube ich ja tief daran, dass wir als Eltern von euch Kindern viel mehr lernen dürfen als ihr von uns. Also, liebstes Söhnchen, du hast es somit fast mit Profis zu tun, die trotzdem weiterhin immer viele Fehler machen werden. Alles andere wäre auch langweilig. Ich hoffe, du genießt deinen geborgenen Platz hier in unserer Mitte – genauso sehr, wie wir dich genießen. Und trotz des ganzen Selbstlobs heute freue ich mich schon auf alles, was wir von dir in Zukunft noch lernen werden.

Deine Mama

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23 Kommentare

Freitagsfutter No. 2: Links fürs Wochenende | a lovely journey 27. März 2018 - 09:21

[…] Von guten Eltern über „Du glückliches Drittkind„ […]

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Marie 13. Dezember 2016 - 22:26

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Schmona 26. April 2015 - 14:42

wunderschön und so wahr!!!

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Das Dritte Kind -reloaded- - Seite 4 22. April 2015 - 22:28

[…] […]

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Katja 22. April 2015 - 19:25

Das ist mir so aus dem Herzen geschrieben! Auch ich hab einen Zweijährigen, der zwei große Schwestern hat. Er schläft im Familienbett, auch wir vergessen Mützen und sind so viel entspannter! Die Zeit vergeht viel zu schnell! So sind wir gerne mal Statisten, schauen zu und genießen es, Eltern von drei wunderbaren Kindern zu sein!

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Diana Roth 6. Januar 2015 - 13:25

Dankeschön. Das trifft es genau. Toll geschrieben. Die Zeit scheint wirklich zu rasen beim dritten, deswegen geniese ich auch jeden Moment auch wenn zwischendurch noch so anstrengend ist.
Danke dir für die schönen Worte.

Frau Roth

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Putte 11. November 2014 - 14:17

Ich glaube ich habe Dich heute Morgen in der Straßenbahn Richtung Pankow gesehen-hab sicher immer blöd geguckt weil ich überlegt hab ob Du es bist oder nicht!Gleich als Anlass genommen hier mal wieder zu lesen und muss nun weinen wie ein Schlosshund!-Danke für den schönen Text,er spricht mir so aus der Seele mit unserem dritten Kind und seinen Geschwistern <3

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VON GUTEN ELTERN 11. November 2014 - 14:21

Ich war es heute morgen nicht- da wundert sich jetzt jemand anders;) Aber wie schön, dass es der Anstoß zum hier Vorbeilesen war. Und vielleicht dann bis bald mal in der Tram:)

Liebe Grüße,

Anja

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Putte 11. November 2014 - 14:16

Ich glaube ich habe Dich heute Morgen in der Straßenbahn Richtung Pankow gesehen

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Fabia 11. November 2014 - 13:02

Du sprichst mir aus der Seele! Vielen Dank für deinen tollen Artikel. Wir haben gerade unser viertes Kind bekommen. Mal sehen, wie das jetzt wird…

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ina 9. November 2014 - 08:46

Das ist echt toll geschrieben, kann ich für unsere drei kinder so unterschreiben! Gerade krabbelt Mini den beiden Großen uns Kinderzimmer hinterher und wir springen nicht auf, weil sie vob der Treppe fallen könnte sondern genießen unser Frühstück …

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Steffi 8. November 2014 - 15:57

Ich wünsche mir ein drittes Kind.
Und ich danke Dir für Deine Zeilen.
Alles Liebe,
Steffi

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Ori 7. November 2014 - 12:11

Hach, ich wünsche mir im moment sososososooooo sehr ein drittkind! der mann leider (noch) nicht 😉
auch wenn man beim zweitkind ja schon sehr viel gelassener wird, beim dritten isses sicher noch mal ne schippe mehr 🙂

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JuliHerz 6. November 2014 - 21:52

1000 Dank dür diese tollen Zeilen … Bei uns ist es die kleine Schwester, die es 2 wunderbaren großartigen liebevollen großen Brüdern zu „verdanken“ hat. Mein 3tes Kind hat mich vollkommen gemacht! Eine vollkommene Mama von 3 zauberhaften Kindern!

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Julia 6. November 2014 - 13:14

Richtig schön! Vielen Dank Dir!

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geologenkinder 6. November 2014 - 12:43

Ja, sehr schön geschrieben.
Und beim 5.Kind wird´s noch etwas entspannter, das kann aber auch daran liegen das die anderen dann schon langsam groß werden / sind. 🙂

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nana 6. November 2014 - 10:30

Danke genau so passiert es jeden Tag bei uns Zuhause mit zwei tollen großen Schwestern und dem kleinen Bruder der es in vollen Zügen genießt;-) und wir die Eltern ebenso:-D

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kiddo.the.kid 6. November 2014 - 10:25

Danke, der Text hat mich sehr berührt. Jetzt finde ich es umso schader, dass das Kiddo „allein“ bleibt. Es muss sich also leider mit amateurhaften Eltern abfinden – naja, wir geben unser Bestes, das wird hoffentlich reichen 🙂

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Anja 6. November 2014 - 10:47

Liebe „Kiddo-Mama“,

ich hatte erst überlegt, noch genau dazu etwas zu schreiben- aber da es als Brief an das Söhnchen gedacht war, habe ich das gelassen. Das Geschriebene heisst natürlich keinesfalls im Umkehrschluss, dass Einzelkinder ein hartes Schicksal unter diletantischen Eltern erleiden müssen;). Zumal es auch zahlreiche Eltern gibt, die schon bei Kind wesentlich cooler unterwegs sind, als wir das wohl waren. Der Text sollte wirklich nur unsere ganz persönliche Entwicklung darstellen. Und hier vor allem die positiven, schönen Seiten. Es gibt natürlich auch hier die Momente, wo ein Kind aufgrund der „vielen“ Geschwister zurück stecken muss und dann wahrscheinlich liebend gerne mit jedem Einzelkind tauschen würde. Uns haben die Erfahrungen mit jedem Kind sehr bereichert und tun es immer noch. Doch ich bin mir sicher, dass auch Eltern von ein, zwei oder viel mehr Kindern so empfinden. Man lernt ja schließlich nicht nur mit der Anzahl der Kinder dazu, sondern mit den Jahren, die man mit ihnen verbringen darf. Ich bin sehr sicher, dass auch Euer Kind die allerbesten Eltern haben wird, auch wenn es erst mit sechs die „Drei Fragezeichen“ hören darf 🙂 Liebe Grüße, Anja

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Hanno 6. November 2014 - 11:12

„Jetzt finde ich es umso schader, dass das Kiddo ‚allein‘ bleibt. Es muss sich also leider mit amateurhaften Eltern abfinden – naja, wir geben unser Bestes, das wird hoffentlich reichen :)“ – Das Wort Amateur ist verwand mit amare – lieben. Ein Amateur ist ein Liebhaber. Und solange ihr als Eltern vollkommen „amateurhaft“ für Euer Kind sorgt wird alles richtig werden… 🙂

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wolldrache 6. November 2014 - 13:28

TOP!

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Frische Brise 6. November 2014 - 10:10

So schön!

Und beim vierten Kind ist es noch schöner 😉

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Ira 6. November 2014 - 09:26

*hemmungsloslosflenn* Das hast du so schön geschrieben.

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