Ein bisschen schwanger gibt es nicht

von Anja

Vor einigen Wochen meldete sich eine Mutter bei mir, die ich vor einigen Jahren beim ersten Kind betreut hatte. Der Weg zum zweiten Kind war recht steinig. Darum habe sie sich erst jetzt in der 14. Schwangerschaftswoche bei mir melden wollen. Sie wollte sicher sein, dass mit dieser Schwangerschaft auch alles gut sein würde. Sie meldete sich also erst im zweiten Schwangerschaftsdrittel bei mir – in der sogenannten „Phase des Wohlbefindens“, wenn Körper und Seele sich meist bereits ganz gut an die Schwangerschaft gewöhnt haben…

Tatsächlich ist es hier in Berlin mittlerweile meist zu spät, sich erst dann eine Hebamme zu suchen. Was mich aber (immer wieder) wundert, warum sich die Mütter nicht in den ersten Schwangerschaftswochen bei uns melden. Nämlich dann, wenn man so ein bisschen zwischen Hoffen und Bangen lebt – gerade wenn es vielleicht schon glücklos verlaufene Schwangerschaften davor gab. Aber unabhängig von der Vorgeschichte werden die ersten dreizehn Schwangerschaftswochen nicht umsonst als „Phase der Anpassung“ bezeichnet. Der Körper hat eine gewaltige Umstellung zu bewerkstelligen, nicht selten verbunden mit Beschwerden wie massiver Übelkeit oder extremer Müdigkeit. Doch selbst Frauen, die ohne Probleme durch die ersten frühen Wochen gehen, fühlen sich vielleicht phasenweise auch immer wieder verunsichert.

Auch wenn man sich entschieden hat, noch nicht aller Welt von der Schwangerschaft zu erzählen, ist es ja trotzdem so, dass diese einen beschäftigt. Und das Tag für Tag. Werdende Mütter möchten ihre Sorgen und Hoffnungen meist auch gerne mitteilen, denn nicht umsonst boomen die vielen, häufig anonymen Schwangerschaftsforen. Dort wird bereits der Schwangerschaftsfrühtest als Handyfoto hochgeladen, weil die Frauen sich sorgen, ob der zweite Strich darauf auch wirklich rosa genug ist. Die regulären Vorsorgeuntersuchungen finden zu diesem Zeitpunkt alle vier Wochen statt. Die Befindlichkeiten in den Wochen dazwischen machen die Mütter also nicht selten mit ihrem Partner, der Babyforen-Community oder gar nur sich selbst aus.

Schwangere Frauen sind schwanger

Scheinbar wissen immer noch viele Frauen nicht, dass sie sich von Anfang an durch Hebammen begleiten lassen können. Nicht nur für die Schwangerenvorsorge, sondern jederzeit auch bei jeglichen Beschwerden und Fragen in der Schwangerschaft. Oft beginnt die Verunsicherung schon beim ersten Frauenarztbesuch, wenn sich Fruchthöhle und Embryo nicht so darstellen lassen, wie das genormte Tabellen erwarten lassen. Das kann auch manchmal einfach daran liegen, dass der Termin unklar ist. Aber Sorgen und Ängste treten da schnell auf.

Auch wenn wir als Hebamme nicht Einfluss auf den weiteren Verlauf der Schwangerschaft haben, so können wir doch die Mütter dabei begleiten, guter Hoffnung zu sein und zermürbende Wartezeiten vielleicht etwas positiv gestimmter durchzustehen. Oder wir sind einfach da, wenn die Tränen aus Angst oder Sorge fließen. Genauso freuen wir uns einfach mit, wenn Frauen dann von den ersten frühen Kindsbewegungen erzählen. Diese ersten Wochen verlangen den Schwangeren oft vor allem eins an: viel Geduld zu haben.

Auch erste Entscheidungen bezüglich der pränatalen Diagnostik müssen zum Beispiel bereits in den ersten Monaten getroffen werden. Eltern sind durch die Auswahl der diversen Optionen oft überfordert und haben gleichzeitig Angst, nicht die richtige für sich und ihr Kind zu wählen. Nach der ärztlichen Beratung dazu sind plötzlich doch noch eine Menge Fragen offen. Im Internet suchen verstärkt hier in der Regel die Verunsicherung und führt nicht unbedingt dazu, die eigene persönliche Entscheidung zu treffen. Auch da kann ein Gespräch mit der Hebamme noch mal Klarheit bringen.

Verunsicherung in den frühen Schwangerschaftswochen oft recht groß

Manchmal sind wir in der Frühschwangerschaft auch einfach nur die Ansprechpartnerin, mit der die werdende Mutter ihre Freude und ihre Gefühle zum Kind teilen kann – eben weil sie noch nicht die Familie und den ganzen Freundeskreis eingeweiht hat.

Schwangere Frauen sind schwanger. Es gibt nicht mehr oder weniger schwanger, auch wenn die äußerliche, körperliche Veränderung in der 30. Schwangerschaftswoche natürlich wesentlich offenkundiger ist als im zweiten Schwangerschaftsmonat. Die größten Entwicklungen finden aber tatsächlich in den ersten Wochen statt, auch wenn das von außen zunächst kaum sichtbar ist. Deshalb brauchen auch Frauen in dieser intensiven Zeit eine Unterstützung oder manchmal nur eine Bestätigung, dass alles gut so ist wie es ist.

Gerade bei Frauen, für die die Schwangerschaft nicht so spontan und schnell eingetreten ist wie erhofft, ist die Verunsicherung in den frühen Schwangerschaftswochen oft recht groß. Da geht es nicht nur um die Sorge, welche Käsesorten nun noch bedenkenlos gegessen werden dürfen. Das Vertrauen in den eigenen Körper muss erst einmal wieder ein bisschen zurückgewonnen werden. Auch da können Hebammen helfen.

In guten und in schlechten Zeiten

Als Hebamme sind wir Begleiterin in guten und in schlechten Zeiten. Das heißt, dass wir auch dann da sind, wenn die Schwangerschaft nicht wie erhofft verläuft. Hebammen begleiten auch Fehlgeburten – tatsächlich erfahren aber viele Frauen erst hinterher, dass es diese Möglichkeit gibt. Fast alle bestätigen aber, dass sie sich in dieser schweren Zeit mehr Unterstützung gewünscht hätten.

Es muss also niemand warten, bis die bisweilen als „kritischen ersten drei Monate“ betitelte Zeit der Frühschwangerschaft vorüber ist, bevor er sich eine Hebamme sucht. Zum Glück wusste ich das ja von Berufs wegen bereits bei der ersten Schwangerschaft. Als ich mit unserem ersten Kind schwanger war, wich die große Euphorie nach dem positiven Schwangerschaftstest plötzlich einer sehr realen Angst, als ich in der achten Schwangerschaftswoche Blutungen bekam.

Die Erfahrungen mit einer völlig empathielosen Ärztin in der Klinik und meiner mitfühlenden Ärztin in der Praxis waren von ganz unterschiedlicher Qualität. Die große Anspannung aber, die die ganze Situation in mir verursacht hatte, konnte ich erst mit Hilfe meiner Hebamme bewältigen. Und selbst in den unkomplizierten Frühschwangerschaften bei Kind zwei und drei war ich froh, meine feste Ansprechpartnerin für alle Sorgen und Nöte zu haben, die mir in der Anpassungsphase durchs bisweilen auch stark verunsicherte Hebammenhirn gingen.

Schwanger sind wir als Frauen von Anfang an – die Gedanken kreisen um das kleine Menschlein in unserem Bauch – in der 6. ebenso wie in der 36. Schwangerschaftswoche…

Dieser Beitrag wurde aktualisiert im November 2016.

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23 Kommentare

Lia 10. März 2019 - 07:33

Bei meiner FG im sommer 2017 hatte ich auch bereits eine hebamme und so konnte ich mich auch während des Wartens auf den natürlichen Abgang und die stille Geburt austauschen. Das war sehr hilfreich. Danach hatte ich noch mehrere ganz frühe Abgänge, wo ich aber natürlich noch keine Hebamme hatte. Das hätte ich mir dennoch gewünscht, da einen kontinuierlichen Ansprechpartner u haben.

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Lisa 29. Oktober 2018 - 12:24

Danke für den Beitrag. Ich wusste eigentlich schon, dass ich mich sehr früh in der Schwangerschaft bei einer Hebamme melden kann und habe dies auch getan, nämlich kurz nach dem positiven Test. Allerdings wollte diese mich nur aufnehmen, nachdem ich bei meiner Frauenärztin war. Ich musste sehr lange auf einen Termin warten und hatte dann kurz vor dem Termin eine Fehlgeburt, wahrscheinlich in der 8. Woche. Als ich mich anschließend wieder bei der Hebamme meldete, kam eine kurze Entschuldigung und ein Alles Gute zurück, aber kein weiteres Angebot. Kraft und Zeit, mir eine andere Hebamme zu suchen, hatte ich in dem Moment nicht und in mir kam das Gefühl auf, dass es für diese Hebamme vielleicht nicht lukrativ genug gewesen wäre, mich zu betreuen. Somit blieb mir „nur“ der Austausch mit Freundinnen und meiner Mama. Verarbeiten konnte ich das alles jedoch durch Stress im Beruf nicht wirklich und befinde mich nun, fast vier Monate später, inmitten einer Depression, für die ich nun Hilfe von ganz anderer Stelle in Anspruch nehmen muss. Ich frage mich, was passiert wäre, wenn ich von einer Hebamme betreut worden wäre.

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datmomolein 28. Oktober 2018 - 07:43

ich habe meine hebamme aus der ersten schwangerschaft weit weit vor meiner familie informiert, und sie war gerade in den ersten wochen die einzige, die meine stetige schwangerschaftsübelkeit nicht nur als lapalie sondern eben auch als etwas, dass wir zumindest in erträgliche masse therapieren können angesehen hat. mit regelmäßiger akkupunktur, vielfältigen tips und einfach unterstützung habe ich die 20wochen dauergekotze nicht nur überstanden, sondern kann sie rückblickend als nicht ganz so furchtbar einstufen. es war als hätte ich eine kämpferin auf meiner seite, als alle welt zu mir sagte „ach ist doch nicht so schlimm, da müssen so viele durch.“ aber es ist eben auch sehr zermürbend.

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Anna 17. März 2018 - 17:26

Ich musst diese Erfahrung jetzt auch erst machen. Habe mich in der 7 SSW bei der Hebamme gemeldet, die mich bei meiner Tochter vor 3 Jahren betreut hat. Sie hat mir die Betreuung zugesagt, ich sollte mich aber melden, wenn die Schwangerschaft weiter vorgeschritten ist. Jetzt hatte ich vor ein paar Tagen eine Fehlgeburt in der 8 Woche und stehe damit alleine da, bzw. habe auch ein bisschen das Gefühl, ich wäre ja noch gar nicht „richtig“ schwanger gewesen.

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Anja Constance Gaca 18. März 2018 - 14:33

Liebe Anna,

das tut mir sehr leid zu hören, dass Dein Baby wieder gegangen ist. Melde Dich bitte trotzdem bei Deiner Hebamme. Sie kann und wird Dich sicher auch bei und nach einer Fehlgeburt begleiten. Ich wünsche Dir Raum und Kraft zum Verarbeiten und liebe Menschen an Deiner Seite, die Dich dabei unterstützen.

Alles Liebe für Dich und herzliche Grüße,

Anja

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Anna 18. März 2018 - 17:51

Liebe Anja,
vielen Dank für Deine lieben Worte. Die Schwangerschaft hatte sich von Anfang an nicht richtig angefühlt, von daher hat das plötzliche Ende mich nicht total überrascht. Die Trauer ist aber trotz der Vorahnung sehr groß. Ich werde versuchen jemanden zu finden, mit dem ich bespreche kann, wie es jetzt weitergehen kann.

Liebe Grüße,

Anna

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Ira 15. November 2016 - 14:00

Ich habe eine Hebamme in der 12. SW angerufen. Sie teilte mir mit, dass wir uns in drei Monaten zum Kennenlernen treffen können und sonst beginnt ihre Arbeit erst nach der Geburt. Da ich mehrere Hebammen abtelefoniert habe und genauso viel Absagen (ich wohne an der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg, also für die meisten Hebammen zu weit) bekommen habe, bin ich bei dieser Hebamme geblieben. Sie hat mir empfohlen, einen Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen, falls ich während der Schwangerschaft Fragen habe.

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Sylvia 28. August 2016 - 19:03

Nach mehreren Fehlgeburten habe ich zu Beginn meiner letzten Schwangerschaft sofort in einer ansässigen Hebammenpraxis angerufen. Ich wünschte mir die Sicherheit, auch bei einem dummen Bauchgefühl jemanden einfach nur kurz um Rat fragen zu können. Mir wurde mitgeteilt, ich könne im Notfall ja zum Kreißsaal kommen. Ansonsten sollte ich mich doch nach der 12. SSW melden.
Zum Glück habe ich noch eine ganz tolle Hebamme gefunden, die mich dann so begleitet hat, wie ich es mir gewünscht habe. Leider hat sie ihren Job wegen der vermaledeiten finanziellen Lage erstmal aufgeben müssen….für sie ist Familie und Job bei den hohen Beiträgen leider nicht vereinbar

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Laura B. 11. Februar 2015 - 18:58

Ein sehr schöner und wichtiger Artikel. Ich muss sagen, dass ich bei meiner ersten Schwangerschaft auch erst in der 12. Woche mit der Hebammensuche angefangen habe. Es ist allerdings auch so, dass man von jeder Seite hört „warte erst die ersten 12 Wochen ab“ „ach noch so früh, warte lieber noch“ „ach das ist ja noch gar nicht richtig wahr“ „Naja noch x Wochen, dann ist die kritische Zeit vorbei“. Etwas, dass nicht unbedingt zur Entspannung beiträgt. Meine Wunschhebamme hatte auch noch ein Plätzchen frei als ich in der 12. Woche anrief. Sie fragte auch gleich, was ich mir wünschen würde und da alles gut war und ich so keine Probleme hatte, meldete ich mich erstmal zum Geburtsvorbereitungskurs an. Sie sagte, wenn ich sie brauche, kann ich mich jederzeit melden. Ich traf sie dann 3 Wochen später als wir im Krankenhaus waren und unser Kind verloren hatten. Sie war bestürzt und hat uns sofort ihre Hilfe angeboten. Ich selbst wäre nicht auf die Idee gekommen, dass Hebammen auch nach einer Fehlgeburt eine Nachsorge machen. Die Gespräche mit ihr haben meinem Mann und mir unglaublich geholfen. Viel mehr als jedes Forum, jedes Buch oder an was man sich alles klammert um zu verstehen. Sie war unbefangener als Freunde und Familie eben weil sie einen gesunden Abstand hatte. Sie hat uns bestärkt und gestärkt. Ich bin ihr unendlich dankbar dafür! Nun 5 Wochen später war ich wieder schwanger und sie war eine der ersten, die ich informiert habe. Ich werde abwechselnd mit dem Arzt die Vorsorge bei ihr machen. Ich kann mit ihr reden, wenn wieder die Angst übermächtig zu werden droht. Etwas, dass meine Ärztin zwar sehr gut versteht aber einfach nicht die Zeit hat um mir die Angst zu nehmen. Ich weiß nicht wie wir ohne Hebammen auskommen sollen. Jeder Sch*** wird subventioniert aber für das wichtigste haben wir keine starke Lobby.

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Anja 11. Februar 2015 - 22:45

Liebe Laura,

danke fürs Teilen Deiner Erfahrungen. Ich werde demnächst auch noch einmal etwas zum Thema „Glücklose Schwangerschaft“ schreiben, weil noch immer viel zu wenige Frauen wissen, dass wir sie auch dann begleiten können. Das gilt auch schon für Fehlgeburten in ganz frühen Schwangerschaftswochen. Vielen ist das aber gar nicht bekannt.
Darum danke für diesen wertvollen Kommentar hier.

Ich wünsche Euch von Herzen alles Gute.
Liebe Grüße, Anja

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Johanna 9. Mai 2014 - 14:35

Der Artikel erinnert mich an einen ähnlichen Appell im vermeintliche Klassiker „Die Hebammensprechstunde“ (am besten schon bei Kinderwunsch an die Hebamme wenden), welcher mich momentan (vermutlich auch hormonbedingt) ziemlich aggressiv macht. Hier die Begründung:
Ich befinde mich gerade im „verunsichernden“ zweiten Monat. Mir ist den ganzen Tag kotzübel und ich fühle mich wie krank (trotz absolutes Wunschkind etc…), aber es ist natürlich VIEL zu früh, um alle Freunde, Kollegen und Bekannte durchzutelefonieren, bzw. fühle ich mich auch nicht nach Smalltalk. Die Frauenärztin war seit Ostern im Urlaub. Da schien es mir doch eine gute Idee, mal bei verschiedenen Hebammen in Kiel anzurufen, viele – so dachte ich – können ja Akupunktur, Homöopathie etc. und damit auch bei Übelkeit helfen. Eigentlich wollte ich aber vor allem gerne mal mit einer einfühlsamen, kompetenten Person REDEN.
Nachdem ich 6 Hebammen angerufen hatte, habe ich aufgegeben. Die erste Frage nach dem Geburtstermin (den hatte ich vor gestern noch gar nicht sicher) und meine Antwort „weiß nicht, bin nach meiner Berechnung erst in der 7. Woche, vermutlich Mitte Dezember“ triggerte folgende Antworten: „ich sags Ihnen aber gleich, an Weihnachten arbeite ich nicht“, „aaaach sooo, dann melden Sie sich doch mal wieder ab der 12. Woche, wenn die kritische Phase rum ist“ und ähnliches. Zwei weitere haben leider GAR keine Kapazität momentan, andere sind jetzt erstmal 2 Wochen im Urlaub, bitte irgendwann Ende Mai wieder melden, ach ja und leider fahren sie auch nicht so weit (wohne in Kiel-Zentrum, die entspr. Hebamme aber nicht). Kurzum: es waren nicht alle so unverschämt, wie die erste, aber keine der Damen hat sich wirklich für mein MOMENTANES Problem interessiert. Daraus schließe ich, dass es gerade bei Hebammen eben doch ein „bisschen“ , bzw. ein „zu wenig“ schwanger gibt. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist, überhaupt jemanden zu finden, der einem in der 7. Woche zuhören will. Ich fühle mich wirklich sehr allein gelassen mit meiner Übelkeit und meiner „Verunsicherung“, und die Hebammen Kiels waren da (bisher) wirklich keine Hilfe.

Antworten
Anja 9. Mai 2014 - 21:31

Liebe Johanna,

das tut mir sehr leid zu hören, daß Deine Suche nach Hebammenhilfe bisher so negativ verlaufen ist. Bis auf den absolut mir nicht nachvollziehbaren Satz mit der 12.SSW, waren ja die anderen Begründungen tatsächlich, daß die Hebamme keine Kapazitäten hat bzw. nicht in Deinem Einzugsgebiet arbeitet. Ich habe mich auch nach jahrelanger Fahrerei, teilweise von Berlin bis nach Brandenburg, dafür entschieden, nur noch Frauen im Fahrradradius anzunehmen. Einfach weil ich so die Möglichkeit habe, mehr Mütter zu betreuen, anstatt viele Stunden im Auto zu sitzen.
Leider wird es auch immer schwieriger in den (für Hebammen mit Kindern schwierigen Zeiten wie den) Sommer-und Weihnachtsferien, Betreuungen anzunehmen. Warum? Weil ich einfach keine Vertretungskolleginnen mehr finde für meine Urlaubszeiten. Und da die Babys ja irgendwann +-zwei Wochen um den ET herum kommen, ist das Ganze schwer exakt planbar. Ohne Vertretung kann ich aber keine Betreuung annehmen, wenn ich in dieser Zeit zwischendurch irgendwann wegen Urlaub oder Fortbildungen o.ä. nicht da bin. Es ist längst Tatsache, daß es immer weniger freiberuflich arbeitende Hebammen-auch in der Vor-und Nachsorge- gibt bzw. viele das nur noch in Teilzeit ergänzend zur Kreißsaalarbeit oder anderen Jobs anbieten können. Somit finden Mütter keine Hebammen für die Betreuung und Kolleginnen niemand für Vertretungen… Ich würde Dir so gerne irgendetwas Positiveres schreiben, aber Deine Schilderung ist schon sehr beszeichnend für die momentane Lage- leider:( trotzdem hoffe ich, daß Du doch noch die für Dich richtige Unterstützung bekommst und zwar jetzt und nicht erst in ein paar Wochen. Alles Gute für Dich, Anja

Antworten
Johanna 10. Mai 2014 - 19:50

Danke, Anja. Ich weiß, wie es um die Hebammenlage momentan bestellt ist und habe da auch mit einer der angerufenen Hebammen, die zwar nett war, aber kurz vor ihrem Urlaub stand, drüber geredet. Es sind da einfach viele doofe Dinge zusammen gekommen – mit für mich ernüchterndem Resultat, nämlich vorerst keine Unterstützung. Mittlerweile sind ca. 2 Wochen vergangen, ich habe mich etwas beruhigt (Übelkeit leider noch nicht) und ich werde am Montag eine zweite Telefonrunde starten.

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Anglana 6. März 2014 - 22:52

Da ich auch beim künftigen zweiten Baby eine Hausgeburt plane, muss ich mich früh um eine Hebamme kümmern, die sind hier nicht zu Hauf anzutreffen. Leider.
Aber ich denk, dass viele Erstgebärene das alles auch gar nicht wissen. 🙁
Ich frag mich, ob du Anja auch in „meinem“ Forum unterwegs bist? ^^
Wir haben auch grad wieder einen zweiten Strich gesucht und gefunden auf einen Test. 😀

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Anja 7. März 2014 - 07:29

Hallo Anglana!

Das kann schon sein!

Ich lese Foren jetzt auch nur noch aus Spaß, wenn ich im Zug unterwegs bin oder so. Es ist ja ganz gute Unterhaltung, was da manchmal geschrieben wird… Ok manche Themen sind wirklich ernsthaft und brauchen wie gesagt mehr als ein Forum! Aber wenn sich schon wieder eine fragt, von wem sie schwanger sein könnte oder ob sie ihrem Baby mit McDonalds-Fraß schadet, naja…

Mich hat das Lesen eher dazu gebracht, mich mal richtig zu informieren.

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Saskia 6. März 2014 - 19:36

Es ist schön, wann eine so nahe „Meine Hebi und ich“ -Beziehung zwischen der Schwangeren und der Hebamme zustande kommt … … ich persönlich jedoch fand es etwas befremdlich, mit einer mir fremden Frau gleich so intim zu werden.

Ich hatte eine wirklich sehr nette Hebamme, die ich auch bereits wieder für den Sommer für die Geburt meines zweiten Kindes engagiert habe … sicher, sie hat nach der Geburt regelmäßig meinen Damm begutachtet, was ja auch äußerst intim ist, hat mir kompetent geholfen … aber ein so privates „Ich rufe Dich an und erzähle Dir meine Ängste und Nöte“-Verhältnis hatten wir nie. Und war von meiner Seite auch gar nicht gewünscht, für seelische Schieflagen und Zweifel habe ich meine Familie, meine Freunde, meine Mutter, die auch x Kinder großgezogen hat.

Irgendwann hatte ich mich sogar in einer emotionalen Angelegenheit an sie gewendet und sie war geduldig und nett, also sie ist wirklich eine tolle Frau, letztendlich aber blieb das Gefühl, einen sehr privaten Sachverhalt mit jemanden Fremdes besprochen zu haben …. auch wenn meine langjährige Freundin keine Hebamme ist, konnte sie mich doch irgendwie besser unterstützen (weil näher stehend).

….hmmm hinzu kam, dass ich von Anfang an wusste, was die Hebamme für einen Hausbesuch oder ein Telefongespräch abrechnen kann (hatte mich selber informiert) und sie benötigte zu uns einen recht langen Anfahrtsweg. Somit war für mich eine Hemmschwelle gegeben, die Frau wegen „jedem bisschen“ heranzurufen oder anzurufen, zumal da ich dachte, sie könnte jetzt mit ihrem Mann gerade gemütlich auf dem Sofa sitzen. Es ist traurig, aber hätte ich gewusst, dass es sich für sie auch finanziell lohnt, bei uns eine Stunde zu verbringen, dann hätte sie wohl tatsächlich mal eine Stunde bei uns zuhause verbracht … das ist tatsächlich traurig und noch ein Grund mehr, die Hebammenarbeit auch finanziell besser zu wertschätzen.

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wolldrache 7. März 2014 - 08:19

Das sehe ich ähnlich.
Also, vor allem, die Hemmschwelle, wegen jedem bisschen anzurufen, und in der Freizeit zu stören.
Meine Hebamme hat selbst drei noch recht kleine Kinder, und da dann nach 16 Uhr noch anzurufen? Das habe ich auch nicht gemacht.

Beim zweiten Kind war es dann ohnehin schon so, dass alle Hebammen extrem ausgelastet waren, so dass wir uns schnell darauf einigten, die Besuchsabstände zu vergrößern und früher abzubrechen, da alles gut lief.
Natürlich hätte ich sie jederzeit anrufen können, aber es war auch nicht nötig.
Als der kleine 6 Monate alt war, habe ich sie tatsächlich noch mal um Rat gefragt, allerdings wegen dem großen 2 1/2 jährigen Kind mit fürchterlich wundem Po.
Sie hat mir da auch geholfen, und ich hoffe, sie konnte es noch irgendwie über den Kleinen abrechen …

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JoVo 6. März 2014 - 13:48

Ganz sicher und ohne Zweifel hast du Recht. Eine Hebamme ist auch und besonders im ersten Drittel der Schwangerschaft wichtig und hilfreich.
Wenn du fragst, warum Frauen sich erst so spät melden, so denke ich, dass es unter Anderem daran liegt, dass Erstgebärende (ich weiß, du schreibst über eine Mutter, die bereits ein Kind geboren hat) anfangs mit der „Institution“ der Hebamme noch gar nicht vertraut sind. Bis dato glauben viele die 10-Minuten, die der Arzt einem schenkt, würden reichen, da sie Schwangerschaft und Geburt vor allem als etwas „medizinisches“ ansehen. Das Schwangerschaft und Geburt viel mehr sind als das und eine Hebamme genau dabei helfen kann, wird vielen, so glaube ich, erst später klar. … leider

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Anja 6. März 2014 - 12:35

Ich kenne diese Foren und die sind in solchen Fällen das Schlimmste! Anstatt gleich zur Hebamme, zum Arzt oder ins Krankenhaus zu fahren, werden selbst Blutungen am Wochenende erstmal im Internet diskutiert.

Oder man kommt überhaupt nicht weiter, weil es unterschiedliche Meinungen gibt (Salami ja/nein/in Maßen/nur abgepackt/…)

Und es werden auch immer die gleichen Fragen gestellt, die mit einer kurzen Nachfrage beim Arzt (nicht getraut oder so), im Gespräch mit der Hebamme oder mit google (sieht man bei 4+2 schon etwas im Ultraschall) geklärt werden könnten.

Da sieht man doch, wie groß der Bedarf an Betreuung und Begleitung ist!!!

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Sarah R. 5. März 2014 - 13:31

Ich muss auh ehrlich sagen, froh gewesen zu sein, dass ich von Anfang an eine super Hebamme hatte! Ohne sie wärenich (vorallem in der Zeit nach der Geburt) völlig hilflos gewesen! Ich konnte für jede Kleibigkeit zu ihr gehen! Wenn ich sie nicht gehabt hätte wäre ich wahrscheinlich ziemlich häufig im Krankenhaus bzw. beim Kinderarzt gewesen und die hätten mich als überängstlich abgestempelt und mich wahrscheinlich nach einer gewissen Zeit hat nicht mehr erst genommen! Für mich sind Hebammen grundsätzlich GAR NICHT wegzudenken!!! Ich hoffe dass die Politik ein Gesetz raus bringt das die Versicherungen zwingt Hebammen aufzunehmen!!! Ärzte sind doch auch versichert und bei denen steht das Risiko der Verklagung und Zahlung doch mindestens genauso hoch oder nicht?!

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Mimi 5. März 2014 - 12:31

@Lilith: Das liegt nur an Deinem Wohnort. Ich habe mich erst ab der 12ten SSW um eine Hebamme bemüht und konnte mir dann unter 8 zwei aussuchen.

Aber dadurch, dass immer mehr Hebammen den Beruf wechseln, muss man sich immer früher eine suchen.

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Lilith 5. März 2014 - 10:02

Dem Betrag stimme ich zu.
Nur wie beiläufig erwähnt, ist es im zweiten Trimester schwer noch eine Hebamme zu finden.
Ich hab damals -vor 3 Jahren – mich schon nach der ersten Untersuchung über die Hebammen im Ort schlau gemacht. Als man dann das schlagende Herzchen sah, hatte ich alle abtelefoniert. Entweder kein Platz oder nen meldet sich. Immer wieder rief ich an. Am Ende war es so, mein Arzt war für mich die hauptbezugsperson und meine Hebamme hab ich genau 6 Wochen vor der Geburt. Somit nahm ich an einem Termin nicht Teil und am letzten Termin war ich mit Baby da.

Das finde ich auf der anderen Seite gesehen auch nicht schön. Meine Schwester selbst, hat drei Kinder, bei der ersten Tochter versuchte sie auch eine hebmme von Beginn an zu bekommen. Nichts. Selbst Nachsorge ist ein Problem. Somit gab es beim 2. und 3. Kind nur eine Nachsorgehebamme.

Ich weiß, dass der Beruf nicht einfach ist, aber bei mir gibt es im Ort 10 Praxen mit min 4 Hebammen, dazu dann noch min 20 eingenständige Hebammen und man findet keine.

Für mich persönlich ist nu schon klar, es gibt nur eine zur Nachsorge und selbst da hat meine letzte nach 5 besuchen gesagt, dass ich alles Super allein schaff und kam nicht wieder. Also wird’s nur eine geben, solange narbelschnurr noch vorhanden ist und selbst da steht’s noch mit dicken Fragezeichen.

Ich hoffe dass es bei mir nur dran liegt, wo ich lebe. Und es ist woanders anders. Ich wäre froh gewesen. Eine Hebamme von Beginn an gehabt zu haben, aber leider war dem nicht so.

Antworten
Stephie 5. März 2014 - 09:06

Du sprichst mir aus der Hebammenseele, genau dieser Punkt: Schwanger ist Schwanger! Ist etwas, dass ich seit langem versuche zu vermitteln. Danke für dein Blog!

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