Tragen, Babytrage, Trageliebe

Einfach so abgetragen?

von Anja

Den gut zweistündigen Mittagsschlaf verbringt unsere Kleinste meist in der Babytrage. Das hat sich bewährt, weil sie dort in wenigen Minuten eingeschlafen ist. Und auch wir sind so selbst etwas flexibler. Um zum Beispiel noch mal schnell etwas einkaufen zu gehen. Oder um irgendwo eine Kleinigkeit Mittag essen zu gehen.

Wenn ich sie im Bett stillend in den Schlaf begleite, ist zudem die Gefahr immer recht groß, selbst einzuschlafen. Nach häufig unterbrochenen Nächten ist das manchmal tatsächlich eine gute Idee. Aber in der Regel nutze ich diese Mittagschlafszeit aktuell auch gerne zum Arbeiten.

Das in und durch den Mittagsschlaf tragen hat sich jedenfalls für uns bewährt. Auch bei Christian schläft sie so ein und macht ihr Mittagsschläfen. Es ist für uns beide schön, nach wie vor diesen kleinen Lieblingsmenschen so nah bei uns zu haben. Auch diese Zeit wird – wie schon bei drei Kindern zuvor – irgendwann vorbei sein. Schneller, als man denkt.

Trageangebote wurden lautstark abgelehnt

Die müde fast Zweijährige hüpft also mittags gern in die Trage und kommt dort entweder stillend oder einfach nur angekuschelt schnell zur Ruhe. Vor ein paar Tagen aber beantwortete sie meine Aufforderung, auf meinen Arm und von dort in die Trage zu kommen, mit einem vehementen “Nein”. Aber Nein ist hier ein von ihr ohnehin häufig genutztes Wort für alles und jeden. Deshalb dachte ich mir zunächst nichts dabei. Doch als ich sie auf den Arm nahm und einbinden wollte, bekräftigte sie nachdrücklich ihr Nein.

Das Spielchen wiederholte sich mehrfach und es war schnell klar, dass es heute wohl keinen tragenden Mittagsschlaf geben würde. Auch Christians Trageangebote wurden lautstark abgelehnt. Traurig sagte ich zu ihm: „Ich glaube, sie hat sich abgetragen.“ Wahrscheinlich gibt es dieses Wort in diesem Kontext gar nicht. Aber das Gefühl war ähnlich wie jenes, das aufkommt, wenn man vermutet, dass sich das Kind abgestillt hat. Wenn man wehmütig überlegt, ob das gestern oder vorgestern nicht vielleicht das letzte Stillen war. Und sich kleine Vorwürfe macht, dass man in dem Moment nicht aufmerksamer war und ihn noch mal mit allen Sinnen genossen hat. Oder vielleicht auch ein letztes Stillbild gemacht hat.

So ging es mir also gerade mit diesem Kind, was so absolut nicht mehr in die Trage wollte. Klar, würden wir sie auch noch sicherlich eine lange Zeit auf dem Arm oder den Schultern tragen, aber das ist schon irgendwie eine andere Form des Tragens. Auch den restlichen Tag lang wollte die Kleinste nicht mehr in die Trage. Auch nicht auf dem Rücken. Und sogar der Sling wurde abgelehnt. Ich war mir fast sicher, dass unsere Tragezeit nun vorbei sei. Das Kind hat sich abgetragen, so wie es sich wahrscheinlich nächste Woche abstillen wird. Und übermorgen auszieht.

„Tragestreik“ plötzlich vorbei

Am nächsten Tag war der „Tragestreik“ vorbei und das Töchterchen verschlief ihre mittäglichen zwei Stunden wieder eng an mich gebunden. Mir hat das noch mal deutlich gemacht, dass wir bei so vielen Dingen – die oft wunderschön und anstrengend gleichzeitig sind – einfach nicht wissen, wann es das letzte Mal sein wird. Ob Stillen, Tragen, Einschlafbegleitung oder das stundenlange Vorlesen.

Irgendwann wachsen uns die Kinder über den Kopf und wir können sie – zumindest körperlich – nicht mehr auf den Arm nehmen. Und auch vieles andere fällt einfach weg. Bei unseren größeren Kindern fragen wir uns oft, wann genau jeweils dieser Punkt da war. Wir wissen es nicht und das ist wohl auch gut so.

Ich hoffe jedenfalls, dass sich auch bei der jüngsten Tochter manches nicht einfach von heute auf morgen vorbei ist, sondern sich einfach so ausschleichen wird. Das macht diese „so schnell groß werden“-Momente für uns Eltern doch ein bisschen leichter…

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5 Kommentare

Maria 29. November 2018 - 16:49

Ein schöner Artikel. Meine Tochter ist 7 Monate alt und hoffentlich noch lange nicht abgetragen. Allerdings schläft sie schon seit ca. 3 Monaten nicht mehr so gut in der Trage wie am Anfang. Sie fängt nach einer Zeit an sich durchzudrücken und zu weinen. Am besten schläft sie gerade im abgehängten Kinderwagen, aber auch da klappt es nicht immer. Tragen fände ich viel praktischer und schöner. Gibt es einen Trick dass die Kleinen in der Trage/Tuch zur Ruhe kommen? Einschlafstillen in der Trage funktioniert manchmal aber auch nicht immer. Abhalten habe ich auch schon probiert.
Einen gemeinsamen Mittagsschlaf können wir leider auch nicht machen, da sie mich dann als eine Art Riesenspielzeug betrachtet und einfach keine Ruhe findet.
Nachts klappen Familienbett und Einschlafstillen zum Glück super. Ich wäre sehr dankbar für einen Tipp. Mir wurde auch eine Federwiege für schlechtes Wetter empfohlen, aber ich frage mich ob das mit 7 Monaten noch eine gute Idee ist.
Liebe Grüße

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Anja 30. November 2018 - 09:52

Liebe Maria,

mit sich weiter entwickelnden motorischen Möglichkeiten, mögen manche Kinder “die Enge” beim Tragen nicht mehr so gerne. Meist ist das phasenweise und verändert sich auch wieder. Gerade rund um den “Halbjahresgeburtstag” ist aber generell das Thema Schlafen- am Tag und in der Nacht- oft etwas schwierig. Das Baby “muss” so viel entdecken, dass es ihm schwer fällt runterzukommen.
Als Eltern bleibt da eigentlich nur, immer wieder auszuprobieren, was gerade gut funktioniert.
Gerade das erste Babyjahr ist je sehr geprägt von Phasen. Das, was gerade gut “funktioniert” ändert sich nach kurzer Zeit schon wieder.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Aber das, was Du gerade machst- verschiedene Optionen darunter auch das Tragen immer wieder anzubieten und auszuprobieren, ist der beste Weg herauszufinden, was Dein Baby gerade braucht.

Alles Gute für diese durchaus anstrengenden und etwas chaotischen Zeiten 🙂

Liebe Grüße, Anja

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Josefa 17. September 2018 - 09:35

Unser kleinster Kerl (ebenfalls von vier Kindern) ist nun 14 Monate alt und macht seit ein paar Wochen sehr gerne seinen Mittagsschlaf im Bett. Aber manchmal, da will er einfach bei uns einschlafen und dann kuschelt er sich ins Trageteil und schläft dort. Schritt für Schritt entscheidet er, was er möchte und wir können ihm diese Freiheit geben. Das finde ich richtig toll!
Ich mag euren Blog richtig gerne – vielen Dank für die vielen schönen Denkanstöße!

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Kathrin aka Kniggibaby ;-) 16. September 2018 - 20:46

Ich kann dieses Gefühl gerade total gut nachvollziehen. Seit gestern möchte unsere Tochter (6 Wochen älter als eure) nicht mehr, dass wir warten, bis sie eingeschlafen ist. Sie hat immer wieder ein neues Thema zum Quatschen gefunden und sich regelrecht gegen das Kuscheln gewehrt. Ich also: “Soll ich rausgehen? Möchtest du alleine einschlafen?” Zweimal heftiges Nicken… Ich hab ihr gespiegelt, dass sie möchte, dass ich jetzt rausgehe und ihr ganz lieb eine gute Nacht gewünscht. Ich bin felsenfest davon ausgegangen, dass sofort ein: “Mamaaa!” kommt. Beim nächsten Blick auf die Uhr waren über zehn Minuten um. Da hat sie schon fest geschlafen. Heute dasselbe nur, dass ich darauf vorbereitet war… So nervig es manchmal ist, wenn es mal wieder ewig dauert bis sie schläft..ich vermisse es jetzt schon und hoffe fast ein bisschen, dass sie bald wieder in den Schlaf kuscheln will…

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Saphira 15. September 2018 - 10:02

Unser „Baby“ hat auch immer in der Trage Mittagsschlaf gekuschelt bis das Mittagschläfchen mit 1 3/4 in die Kita verlegt wurde…. dort ist sie einfach eingeschlafen, ohne stillen, ohne Trage. Ich konnte die Zeit auch sehr genießen 🙂
Allerliebste Grüße vom Dorf

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