Fragen an die Hebamme: Mehr Milch durch Malzbier?

von Anja

Als Stillberaterin IBCLC bin ich so etwas wie die Stillfeuerwehr. In der Regel werde ich nicht angerufen, wenn sich Schwierigkeiten anbahnen, sondern wenn das Stillproblem längst da ist.

Ein häufiges Thema ist eine möglicherweise unzureichende Milchbildung. Manchmal ist diese nur gefühlt vorhanden, wenn zum Beispiel das Kind während eines Wachstumsschubes ständig nach der Brust verlangt. Oder wenn sich ein paar Wochen nach der Geburt die Stillbrust wie „Flasche leer“ anfühlt. Dabei ist das ganz normal und auch gut. Denn schließlich macht es die Stillzeit auf lange Sicht angenehmer und komfortabler, wenn sich die Brust nicht dauerhaft prall und gespannt anfühlt. Genug Milch ist meist trotzdem noch da. Aber die große Verunsicherung halt auch sehr oft.

Aber in diesem Artikel geht es um die tatsächliche unzureichende Milchmenge. Oft zeigt sich dies in einer zu geringen Zunahme des Kindes, meist verbunden mit zu geringen Ausscheidungen. Gedeihstörungen können aber auch vorkommen, wenn genug Muttermilch vorhanden ist. Zum Beispiel, wenn ein Baby zu schwach oder krank zum Stillen ist. Oder das Baby, das nicht adäquat an der Brust trinken kann, weil seine Mutter viel zu große Milchmengen produziert, die es gar nicht bewältigen kann.

Nach der Ursache schauen

Ein anderer Faktor für eine unzureichende Gewichtszunahme kann aber auch darin liegen, dass eine Mutter nicht genug Milch produziert. Tipps, wie dieses Problem zu beheben sei, kursieren viele. Die meisten beziehen sich darauf, dass die Mutter etwas bestimmtes essen oder trinken soll und so zu mehr Muttermilch kommt. Und darum stehen die Malzbierflaschen am Wochenbett. Es wird kannenweise Stilltee getrunken und mit viel „guter Sahne“ gekocht. Für die meisten dieser Tipps gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Aber ein gewisser Placeboeffekt ist sicherlich nicht zu unterschätzen. Über tatsächlich milchmengensteigernde Mittel hatte ich an dieser Stelle bereits geschrieben.

Doch was zwischen all den Stillsäften und Milchbildungskugeln ganz vergessen wird, ist nach der Ursache zu schauen. Denn wenn ein Baby einfach viel zu selten angelegt wird, wird auch nicht der Stilltee für eine adäquate Steigerung der Milchmenge sorgen. Es gibt hormonelle Gründe, die sich ebenfalls nicht von Malzbier beeindrucken lassen.

Da wären zum einen verschiedene Gründe von mütterlicher Seite. Zum Beispiel kann sich ein sehr hoher Blutverlust unter der Geburt negativ auf die Milchbildung auswirken. Auch Plazentareste in der Gebärmutter können sich hormonell negativ auswirken. Eine Erkrankung der Schilddrüse kann ebenso Auswirkungen haben wie eine frühere Brustoperation. Eine exzessive Flüssigkeitsaufnahme macht auch Probleme bei der Milchbildung. Paradoxerweise denke viele Frauen, dass es gerade besonders hilfreich ist, wenn sie ganz viel trinken. Es ist also immer wichtig, eine Anamnese zu machen, um mögliche Ursachen zu entdecken und behandeln.

Schnelle Hilfe bei unzureichender Milchbildung

Probleme beim Kind, die sich negativ auf die Milchbildung auswirken könnten, müssen ebenso erfragt und untersucht werden. Manchmal ist es „nur“ ein zu seltenes oder zu kurzes Anlegen, was die Milchproduktion nicht ausreichend ankurbeln lässt. Es kann aber zum Beispiel auch ein Saugproblem durch ein verkürztes Zungenbändchen vorliegen. Die möglichen Ursachen sind vielfältig und sollen hier an dieser Stelle auch gar nicht vollständig aufgeführt werden.

Wichtig ist, dass Mütter mit einer unzureichenden Milchbildung bzw. einem nicht gut gedeihenden Baby schnelle und kompetente Hilfe bekommen statt überlieferter Hausmittelchen. Da die Ursachen so vielschichtig sein können, helfen auch nicht unbedingt die Erfahrungen und Tipps der besten Freundin weiter. Mittlerweile ist zudem ein regelrechter Markt entstanden, der allerlei Produkte für stillende Mütter bereit hält. Mal ist es ein Traubensaft, der als „Stillsaft“ verkauft wird, mal eine spezielle Teemischung, die suggerieren soll, dass der Konsum mehr Milch fördert. Ob als Tee, Müsli oder in Kapselform – diese Produkte werden keine wirklichen Probleme beheben, wenn diese nicht parallel „an der Wurzel“ angefasst werden.

Es gibt aber viele sinnvolle Behandlungsstrategien, um eine unzureichende Milchbildung zu beheben. Und auch mögliche andere Wege sollten gut begleitet werden. Malzbier darf also gerne getrunken werden, wenn eine stillende Mutter zusätzlich auch die Unterstützung bekommt, die sie in dieser Situation braucht.

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11 Kommentare

Anika 2. Januar 2019 - 10:34

Schade ich such und such aber die Themen werden immer nur mit Kindern behandelt die schon selbst angelegt werden können. Ich hab nen Frühchen welches noch in der Klinik mit Sonde ernährt wird und bei mir die Milchmenge gerade stark abwärts geht. Ich Pumpe ab mit einer Verschriebenen Leihpumpe und das tut mittlerweile schon weh weil ich dachte, ist wie beim stillen leg häufiger an in meinem Fall Pump häufiger ab. Bringt nur nichts die Menge wird weniger und weniger. Ich guck schon Video von dem Knribs knuddel mit der 4jährigen Tochter, hilft Milcheinschuß wird ausgelöst aber die Milchmenge wird weniger und weniger (Zusammengerechnet). Jetzt began ich mit Malzbier weil ich mich zum essen und trinken zwingen muss. Angeblich kommt der Hunger in den ersten Wochen zurück… der kleine wird am 5.1 ein Monat alt. Aber der Hunger oder Durst ist noch irgendwo. Und jedes mal wenn er dann ersatz bekommt in der Klinik übergibt er sich wie ein Weltmeister. Stress ich weiß, ich mach schon nichts mehr und bis zu dem Moment wo es abwärtsging hab ich mir auch keinen gemacht. Frühchenmütter ich wünschte wir würden mal beachtung finden. Ist übrigens mein 6 Kind also an unerfahren liegt es eigentlich nicht.

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Britta 15. Oktober 2015 - 19:22

Oh, das liest sich komisch: 30g abgenommen statt 150g zuzunehmen

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Britta 15. Oktober 2015 - 19:21

Ich trinke seit sieben Tagen Ca. 4 Tassen Stilltee, Stillsaft, Malzbier und Carokaffee … Außer Stilltee (Weleda und dieses saludingens) schmeckt mir davon nix. Dazu gibt’s 9 Bockshornkleekapseln (alle meine Körperausdünstungen riechen nach Curry bzw halt Bockshornklee …)
Das alles, weil mein fast vier Wochen alter zweiter Sohn statt 150g pro Woche nur 30g abgenommen hatte. Also hab ich das komplette letzte Wochenende alle zwei Stunden (außer teils nachts) gepumpt- nix. Links immer maximal 25ml, rechts maximal 10ml. Jetzt bekommt der kleine mehrmals täglich HA Pre Milch, die er nie auftrinkt. Hat aber immerhin zugenommen.

Bei meinem ersten Sohn hat es vor fast sieben Jahren auch schon nicht gereicht, trotzdem hab ich ihn bis zum vierten Monat ein bisschen gestillt.
Der kleine Kerl jetzt nimmt aber nicht mal nen Schnuller, liebt es (bzw verlangt sogar wutbürgerlich vehement) an der Brust zu sein- er schläft daran ein, beruhigt sich damit, trinkt, „schmust“ schon fast oder schimpft sie an.
Als ich alle zwei Stunden abpumpen musste, hat ihm das gar nicht gefallen- sein Vater ist ständig mit ihm um den Block, weil wir ihn sonst nicht beruhigen konnten- ohne Brust.

Alle unsere milchfördernden Maßnahmen fruchten also bislang nicht und ich dachte, je mehr ich ihn anlege, desto mehr produziert mein Körper (an Milchdrüsen mangelt es mir scheinbar nicht ). Aber dem ist nicht so.

Sollte ich es dabei belassen? Dem Kind den Schnuller angewöhnen? Meine Frauenärztin anrufen und nach Medizin verlangen? Meine Hebamme sagt, wir hätten alles ausgeschöpft an Möglichkeiten…An einer rapiden Gewichtsabnahme kann’s nicht liegen- nach den 10kg direkt nach der Geburt sitze ich auf den restlichen 14kg (sehr gemütlich) rum…Verkrampft bin ich mit dem Thema auch nich- anfangs hab ich zwei Tage in Tränen gebadet, jetzt will ich nur, dass es dem Kleinen gut geht.

Fällt dir noch was ein?

Liebe Grüße!

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Anja 15. Oktober 2015 - 20:46

Liebe Britta,

wurden solche Sachen wie Plazentarest, nicht gut eingestellte Schilddrüsenwerte etc. schon ausgeschlossen?
Zum Zufüttern würde ich in einer solchen Situation das direkte Zufüttern an der Brust empfehlen z.B. mit einem Brusternährungsset oder in der Schlauch mit Spritze-Selbstbauvariante.
Medikamentös könnte man noch das Medikament Domperidon versuchen, was Dir aber Deine Frauenärztin verordnen müsste.
Den Schnuller würde ich in der akuten Situation noch weglassen. Falls sich abzeichnet, dass Ihr wieder einen Mittelweg zwischen Stillen und Zuführen geht, kann man dann schauen, wo der Schnuller am besten eingesetzt werden kann. Generell ist es gut, wenn Dein Sohn viel an der Brust ist. Da er jetzt etwas besser zunimmt, kann sich die Situation auch noch mal ändern. Ich erlebe es oft, dass noch nicht so optimal gedeihende Kinder dauerhaft an der Brust sind und sich auch nur schwer „ablegen“ lassen. Bei guter Zunahme ändert sich das dann auch wieder. Trink und iss bitte, was Dir schmeckt und gut tut:) Alles Gute für Euch, Anja

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Britta 16. Oktober 2015 - 08:30

Ich danke dir! Werde mir gleich einen Termin bei der Frauenärztin noch vor dem regulären Nachsorgetermin Anfang November holen und diese beiden Möglichkeiten checken lassen…

Wir haben uns für den Medela-Calma Sauger vorerst entschieden- der scheint es ihm nicht „zu leicht“ zu machen mit dem Fläschchen.

Den Schnuller haben wir fürs erste weggepackt. Was du über Silikon, Kautschuk und Co in Kindermündern geschrieben hast, das sehe ich ähnlich…

Ich bin gespannt, wie es sich entwickelt mit der Milch.
Danke für deine Antwort (und den tollen Blog, Facebook und Instagram )

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Britta 16. Oktober 2015 - 15:44

P.S.: war heute zum Gespräch bei der Ärztin (untersucht wurd nix- das wäre ja seeehr unwahrscheinlich mit dem Plazentarest und der Schilddrüse!), von dem Medikament hatte weder sie, noch ihre Kolleginnen , noch meine Hebamme gehört…
Allerdings hatte ich sie eben auf der Mailbox, sie hat sich noch mal schlau gemacht und ich könne mir (Montag dann) das Rezept abholen und es eine Woche lang nehmen. Yeah! Das klingt besser als das vorherige „nehmen Sie es nicht sooo schwer- ändern Frauen geht es ähnlich. Nicht umsonst gibt es schon immer den Beruf der Ammen…“

Also Danke für den Tipp- wir werden es ausprobieren und vielleicht klappt es und in Köln wissen ein paar mehr Frauen ein Mittel gegen zuwenig Milch….

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Anja 18. Oktober 2015 - 20:24

Wie gut, dass sich Deine Frauenärztin noch mal informiert hat. Probieren kann man das auf jeden Fall. Ich finde es immer traurig, wenn Frauen hinterher dann erfahren, dass man noch diese oder jenes hätte ausprobieren können. Die Schilddrüsenwerte kann auch Dein Hausarzt bestimmen.
Ich drück Dir auf jeden Fall die Daumen.

Liebe Grüße, Anja

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Anja 15. Oktober 2015 - 14:22

Malzbier zur Kalorienzufuhr (enthält viel Zucker) kann sicherlich sinnvoll sein, wobei es auch da gesündere hochkalorische Trinkalternativen gäbe z.B. angereicherte Smoothies. Aber eine hohe Zuckerzufuhr macht keine Muttermilch, auch wenn Glukose oder Maltose schnell ins Blut gehen.
Und die zu rasche Gewichtsabnahme kenne ich auch gut- beruflich als auch persönlich. Und mit Baby fehlt leider viel zu oft die Zeit dagegen anzuessen;) Die Milchmenge reduziert sich erst bei eklatantem Untergewicht, aber die Mütter fühlen sich halt sehr unwohl, wenn sie so rasch viel Gewicht verlieren.
Der Körper ist immer bestrebt, gut fürs Kind zu sorgen…

Liebe Grüße, Anja

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Larissa//No Robots Magazine 15. Oktober 2015 - 09:07

Mir wurde (von Hebammen!) auch Malzbier empfohlen, obwohl ich bis auf die üblichen Anfangsschwierigkeiten nie Probleme hatte und mein Kind wirklich nicht zu leicht ist. Ich mag Malzbier ganz gerne, also war es nicht so das Problem. Aber was ich mich immer frage: Wie lange würde es überhaupt brauchen, bis sich die Milch bildet? Ich meine, ich trinke das Malzbier nicht unbedingt zum Frühstück sondern eher abends. Dann hätte ich doch nachts eine pralle Brust, wenn sich dann mehr Milch bilden würde, oder? Oder: Wenn ich jetzt einen Kaffee trinke, wann ist das Koffein dann in der Milch?

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Sophie 15. Oktober 2015 - 08:40

Malzbier hat mir vor allem geholfen, während der ersten Wochen mit Baby mein Gewicht halbwegs zu halten. Ich habe während der Stillzeit einfach wahnsinnig schnell und zu viel abgenommen und flüssige Kalorien helfen da wirklich prima. Ist vielleicht ein eher seltenes Problem, aber die Mütter, die es betrifft, belastet es oft sehr, vor allem weil man auch ständig gefragt wird „Bist du denn gesund? Kannst du so überhaupt für dein Baby sorgen?“. Genug Milch hatte ich jedenfalls immer, keine Ahnung, ob’s am Malzbier lag. 😉

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Larissa//No Robots Magazine 15. Oktober 2015 - 09:09

Das kenne ich auch. Ich bin ein Mensch, der sehr leicht abnimmt. Nach der Geburt habe ich mich gefühlt wie ein Skelett. Mit Baby komme ich auch nicht immer dazu, so viel zu essen, wie ich Hunger hätte. Nach meiner Erfahrung ist zu viel Gewichtsverlust nach der Geburt genauso ein Thema wie „Wie werde ich die Babypfunde wieder los?“.

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