Clusterfeeding, Lagerfeuerstillen, Stillen

Fragen an die Hebamme: Was ist Clusterfeeding?

von Anja

Auch im Kontext Stillen gibt es immer wieder Begriffe, über die man stolpert, aber vielleicht gar nicht so genau weiß, was eigentlich damit gemeint ist. So fragen mich immer wieder Mütter, was denn „dieses Clusterfeeding“ bedeutet. Denn aus dem Englischen übersetzt heißt „to cluster“ unter anderem anhäufen oder ansammeln. Sammelt das Baby also Milch? Und wenn ja, wo und wie?

Tatsächlich wird der Begriff in Bezug auf das Stillen dazu verwendet, das meist abendliche häufige Stillen in kurzen Abständen zu beschreiben. Dieses Verhalten tritt vor allem bei noch kleinen Babys in den ersten Wochen auf. Zum einen ist zu diesem Zeitpunkt der Magen noch recht winzig. So können nur kleinere Milchmengen aufgenommen werden. Da die Muttermilch sehr gut verdaulich ist, meldet sich das Baby aber schon nach kurzer Zeit erneut. Auch der Umstand, dass das Stillen und Verdauen für kleine Babys sehr anstrengend ist, bedingt, dass sie dabei einschlafen und sich aber dann entsprechend häufiger melden.

Dieses Stillverhalten wird übrigens auch als Lagerfeuerstillen bezeichnet. Die meisten Mütter sitzen bei diesem abendlichen Stillmarathon wahrscheinlich nicht mehr am Feuer. Aber es empfiehlt sich trotzdem, es sich dabei schön gemütlich zu machen. Auch Essen und Trinken für sich selbst sollte in greifbarer Nähe sein. So kann die Stillende ebenfalls entspannt essen, während das Baby sein ganz eigenes Mehrgangmenü genießt. Immer wieder wird das Baby beim Stillen einschlafen, um kurz darauf wieder mit einem erneuten Stillbedürfnis aufzuwachen. Auch für die Mutter ist es sinnvoll, in diesen Momenten zu entspannen und vielleicht auch etwas zu dösen. Günstig ist es darum auch, wenn bequem im Liegen gestillt werden kann.

Zufüttern kann kontraproduktiv sein

Oft sind Mütter verunsichert und sorgen sich, ob ihre Milchmenge auch ausreicht, wenn sich ihr Baby in so kurzen Abständen meldet. Und sich eigentlich gar nicht so richtig entfernt von der Brust ablegen lässt. Doch dieses Stillverhalten ist ganz normal. Es sorgt dafür, dass sich die Laktation gut einspielt. Durch das häufige Saugen wird bei der Mutter nämlich reichlich das Hormon Prolaktin ausgeschüttet, das für die Milchbildung zuständig ist. Da das Hormon verzögert wirkt, wird somit bereits die Milchbildung für den folgenden Tag gesichert.

Oft folgt dem abendlichen Stillmarathon dann eine längere Schlafphase von bis zu fünf Stunden. Das Clusterfeeding ist also ein ganz normales Verhalten. Es wirkt sich positiv auf die Milchproduktion aus. Würde an dieser Stelle zugefüttert werden, könnte das sogar negative Auswirkungen auf eine ausreichende Milchbildung haben.

Wenn tatsächlich Bedenken bezüglich einer nicht ausreichenden Milchmenge vorhanden sind oder die Gewichtsentwicklung sowie die Ausscheidungen auf mögliche Probleme hinweisen, sollte man fachlichen Rat einholen. Mit der Hebamme oder Stillberaterin kann gemeinsam geschaut werden, welche Maßnahmen zur Milchmengensteigerung sinnvoll sind. Auch bei einem tatsächlichen Zufütterungsbedarf sollte immer individuell geschaut werden, womit und auf welchem Wege dies geschieht. Jede Zufütterung kann Auswirkungen auf das Stillen haben.

Muttermilch und Nähe tanken

Auch der Einsatz eines Beruhigungssaugers sollte gerade in den ersten Wochen wohl überlegt werden. Dieser kann zur Reduzierung der Milchmenge beitragen kann. Beim Saugen wird das Hormon Cholecystokinin ausgeschüttet, was beim Baby das Gefühl von Sättigung und Schläfrigkeit bewirkt. Dies geschieht auch beim Saugen an einem Schnuller. Nur bekommt es dabei keine Kalorien. Das Baby hat sich dann über seinen eigentlichen Hunger „hinweggeschnullert“. Das kann ungünstige Auswirkungen auf die Gewichtsentwicklung haben.

Das abendliche Dauerstillen hat also seinen Sinn und hilft dabei, die Milchmenge entsprechend dem Bedarf des Kindes zu steigern und anzupassen. Und neben der Sicherung der Milchbildung tankt das kleine Baby zusätzlich noch Nähe. Diese hilft ihm, die vielen neuen Tageseindrücke und Reize zu verarbeiten.

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13 Kommentare

Tiny 8. Juli 2020 - 22:47

Danke für Deinen Artikel!

Und – bitte liebe Mamas lasst Euren Babies Zeit.
Meine zweite Tochter ist nun 14 Monate alt und morgens, abends und nachts wird immer noch viel gestillt. Mittlerweile benutzt sie sogar ein Wort für die Milch: Meme 🙂
Ich hatte von Anfang an „geclustert“ bzw. sie. Ohne zu wissen, dass es dafür einen Begriff gibt. Da ich noch eine zwei Jahre ältere Tochter habe, war das nicht immer einfach, aber es wurden einfach ganz oft Stillpausen gemacht – also Pausen zum Stillen und keine Pausen vom Stillen. Wir waren viel draußen und meine Große genoss die Zeit mit mir alleine, wenn die Kleine schlief. Ich hatte aber auch Besuch manchmal – und dann lag ich stillend auf dem Sofa und redete dabei. Am Anfang schlief ich abends immer früh ein. Mein Mann kümmerte sich dann um alles.
Wenn ich bei meiner Schwägerin war und meine „Große“ mit ihrer Cousine spielte konnte ich mich einfach hinsetzen und „nichts“ tun – außer stillen und genießen.
Meine kleine Tochter braucht meine Nähe und die Milch und das Saugen und alles.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal so lange stillen werde.
Natürlich hatte ich auch den Satz gehört: Du hast sicher nicht genug Milch.
Aber meine Hebamme gab mir Kraft und Rückhalt – ebenso wie mein Mann.

🙂

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Bettina 10. Mai 2019 - 10:17

Hallo. Meine Tochter ist nun 2 Wochen alt. Seit 5 Tagen bekommen wir nachts kein Auge mehr zu. Sie trinkt ab 23 Uhr bis 5 Uhr morgens. Und wenn man sie zwischendurch weglegt, da sie beim trinken eingeschlafen ist, geht das ganze wieder von vorne los. Ist unruhig, quenglig und immer hungrig. Tagsüber schläft sie dann ganz entspannt, brav ihre 4-5 Stunden.
Sie hatte ein Startgewicht von 2900g und ist nun seit gestern bei 3300g.
Ist dieses das clusterfeeding?! Kann man das zeitlich iwie verschieben, dass man damit vllt schon um 19-20 Uhr beginnen kann? Dass man wenigstens bisschen was von der Nacht hat?!
Und wie lange bzw Wochen geht das noch so?!
LG

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Sonya 3. Februar 2019 - 18:32

Hallo. Meine kleine ist gerade mal 4 Tage jung und möchte Tag und Nacht alle 10 min an die Brust. Dann lass ich sie 30 min ran, dann schläft sie für 10 min ein und dann will sie wieder an die Brust. Ist das normal dass so kleine Babys den ganzen Tag clustern ?? Ich möchte ungern dass sie sich daran gewöhnt da ich noch ein 2jähriges Kind habe und sie natürlich auch Aufmerksamkeit benötigt.
Danke für die Rückmeldung.

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Anja 7. Februar 2019 - 15:49

Liebe Sonya,

herzlichen Glückwunsch zur Geburt Deines Babys. Leider kann ich ohne Dich, Dein Baby und Eure Geschichte/ Anamnese zu kennen, Deine Frage pauschal nicht beantworten. Dazu müsste ich auch den Gewichtsverlauf und die Ausscheidung Deines Kindes beurteilen. Wahrscheinlich ist das Stillverhalten bzw. das hohe Saugbedürfbis Deines Kindes im normalen Rahmen, aber aus der Ferne lässt sich das nicht konkret sagen.
Hast Du denn eine Wochenbetthebamne?

Liebe Grüße, Anja

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Natalie Waldinger 6. September 2018 - 18:32

hallo
mein kleiner ist jetzt 4 wochen alt und wiegt 4kg.
seit ca 3-4 tagen schläft er kaum noch und macht auch die nacht zum tag.
trinken tut er ca jede stunde nacht alle zwei stunden.
ist das normal oder muss ich mir sorgen machen?

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Anja Constance Gaca 12. September 2018 - 13:26

Liebe Natalie,

leider kann ich Dir auf diesem Wege keine adäquate Stillberatung anbieten ohne Dich, Dein Baby und Eure Anamnese zu kennen 🙁 Eine vermehrte Unruhe in diesem Alter ist normal, aber in Bezug auf das Stillen und Deine damit verbundenen Sorgen, kontaktiere bitte unbedingt Deine Wochenbetthebamme bzw. eine Stillberaterin, die Euch individuell beraten kann.

Alles Gute für Euch und liebe Grüße,

Anja

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Lisa 22. Juni 2018 - 19:47

Mein kleiner Mann ist inzwischen knapp 7 Monate, benutzt keinen Schnuller und Cluster ab 19.30 Uhr ca jeden abend in den Schlaf. An weg legen bzw aufstehen ist leider überhaupt nicht zu denken. Und so zieht es sich bis morgens 7 Uhr, bis wir dann aufstehen. Ist das auch noch normal?

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Anja 26. Juni 2018 - 12:03

Liebe Lisa,

das Stillen ist für Dein Kind auch die Brücke in den Schlaf, die ihm Sicherheit und Entspannung gibt. Gerade in dem Alter passiert ja so viel, was verarbeitet werden muss, siehe auch : https://www.vonguteneltern.de/halbjahreskrise-im-ersten-babyjahr/
Wenn er nachts aufwacht (was Babys in dem Alter häufiger tun, auch häufiger als noch ein paar Monate zuvor) sucht er wieder nach dieser Brücke, um weiterzuschlafen. Daher das häufige Stillbedürfnis. Wenn das für Dich okay ist, könnt Ihr das einfach so weitermachen. Wichtig ist natürlich, dass Du in so anstrengenden Zeiten auch gut auf Dich und Deine Bedürfnisse achtest.

Liebe Grüße, Anja

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Natalie 17. Februar 2018 - 17:32

Hallo,
meine Tochter ist jetzt 5 Wochen alt. Ich habe das Gefühl, dass sie momentan immer zu verschiedenen Tageszeit Clusterfeeding benötigt. kann das sein? Danke und beste Grüße Natalie

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Veronika 13. Januar 2018 - 20:22

Ich habe dazu eine Frage: was ist mit Clusterfeeding frühmorgens? Meine Tochter ist mittlerweile 15 Monate, aber schläft ab 5 Uhr morgens fast nur noch an der Brust, döst ein wacht auf, trinkt, schläft wieder ein. Sie liegt dabei in meinem Arm (Familienbett, sehr praktisch) und ich döse/schlafe auch weiter, sodass es okay ist. Aber ich habe mich schon oft gefragt, ob das auch als clusterfeeding gilt und warum das bei ihr frühmorgens auftritt… liebe Grüße, Veronika (www.bodschadablog.de)

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Anja 16. Januar 2018 - 14:45

Liebe Veronika,

in dem Alter ist es wahrscheinlich diese Mischung aus Hunger und Spielbereitschaft. Es meldet sich wahrscheinlich mit Hunger um 5 Uhr. Durch das Saugen entspannt sich Dein Kind immer wieder, wird schläfrig und schläft wieder sein. Clusterfeeding mit dem Ziel die Milchbildung anzuregen ist das eher nicht. Aber so kann man auch mit Frühaufstehern das Aufstehen noch ein bisschen gemütlich herauszögern. Ich kenne das zum Teil auch von meinen Kindern:)

Liebe Grüße, Anja

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Effi 11. Januar 2018 - 20:47

Meine Kleine ist 7 Monate und clustert pünktlich ab 19:00 Uhr immer noch so wie in den ersten Wochen. Wirklich schlafen tut sie dann erst zwischen 21:00 und 22:00 Uhr. Anfangs empfand ich es als sehr Nerven aufreibend. Nuckeln, eindösen, plötzliches Hochschrecken, weinen, strampeln wieder nuckeln….Auch weil das Stillen tagsüber ebenfalls in sehr kurzen Abständen erfolgte. Doch als ich dann erfuhr, dass es ganz normal ist und seinen Sinn hat, konnte ich entspannter damit umgehen. Mittlerweile ist sie viel ruhiger dabei geworden und wir zelebrieren es als Einschlafritual. Das Beste daran ist die darauf folgende längere Schlafphase!

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Tanya 11. Januar 2018 - 10:51

Kenn ich, hab ich nun beim dritten auch ganz entspannt genossen. Wusste aber nicht, dass das allgemein so ist und dass es dafür sogar einen Begriff gibt.
Hätte ich das mal früher gewusst, dann hätte ich das als „normaler“ empfunden…
Übrigens ist meine keine schon fast fünf Monate und an manchen Abenden hat sie noch ein sechs Gänge Menü…

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