Mekonium, Kindspech

Fragen an die Hebamme: Was ist Mekonium?

von Anja

Viele Eltern sind überrascht, wie anders doch der Stuhlgang eines Neugeborenen aussieht. Deshalb ist es sinnvoll zu wissen, was normal ist und was eventuell diagnostisch abgeklärt werden sollte. Der erste Stuhlgang, den ein Baby nach der Geburt absetzt, nennt man Mekonium. 

Manchmal wird das Mekonium auch schon unter der Geburt abgesetzt, was in der Regel als Signal für Stress des Babys interpretiert werden kann. Durch eine reduzierte Durchblutung des Magen-Darm-Traktes wird beim ungeborenen Baby nämlich die Darmperistaltik in Gang gesetzt. Das Baby scheidet daraufhin Mekonium aus, weshalb sich das Fruchtwasser grünlich bis bräunlich verfärbt. Auch die Konsistenz kann sich verändern und dickflüssiger werden.

Der Abgang von grünem Fruchtwasser ist ein Alarmsignal und zieht entsprechende Maßnahmen durch die Geburtshelfer nach sich. Das Befinden des Kindes und der Geburtsverlauf werden fortan mittels CTG oder Ultraschall noch intensiver überwacht. Vielleicht wird auch etwas Blut vom kindlichen Köpfchen abgenommen (Mikroblutgasuntersuchung/MBU oder Fetale Blutgasanalyse/FBA), um so die Sauerstoffversorgung des Kindes zu analysieren. Manchmal führt das Ergebnis nur zu einer etwas zur Beschleunigung oder raschen Beendigung der Geburt, etwa durch einen Kaiserschnitt. Bei grünem Fruchwasser liegt nicht immer eine akute Gefährdung vor, aber der Geburtsverlauf wird etwas genauer beobachtet, um entsprechend zügig handeln zu können.

„Kindspech“ lässt sich nur schwer entfernen

Mekonium kann auch bei einer Beckenendlagengeburt abgehen. Hier ist es eher kein Alarmsignal, wenn der Steiß bereits im Beckenausgang auf dem Beckenboden der Mutter steht. Dann kann nämlich der Druck durch die Wehen auf den Bauch des Babys dazu führen, dass frisches Mekonium austritt.

In den meisten Fällen scheidet ein Baby aber erst nach der Geburt erstmalig Stuhl aus. Durch bestimmte physiologische Prozesse werden die Darmperistaltik und die Produktion von Magensaft und Darmsekreten angeregt. Das führt dazu, dass das Baby innerhalb seiner ersten 24 Lebensstunden Stuhlgang hat. Kommt in dieser Zeit die Darmtätigkeit nicht in Gang, ist eine entsprechende Abklärung empfohlen. Es geht darum, hier keine möglichen Erkrankungen oder Besonderheiten (Anal- oder Rektumatresie) zu übersehen.

Das Mekonium besteht unter anderem aus Schleimhautgewebe, Fruchtwasser, eingedickter Galle und verschluckten Hautpartikeln sowie Härchen. Das gibt ihm die typische schwarz-grünliche Farbe und die klebrige Konsistenz. Es wird auch als „Kindspech“ bezeichnet und lässt sich anfangs ähnlich schwer entfernen wie klebriges Pech von den Händen. Mit Wasser allein lässt sich Mekonium nur schwer abwaschen. Ein paar Tropfen Öl (z.B. Mandelöl) sind sehr hilfreich bei der Reinigung des Babypos. 

Stillen unterstützt Ausscheidung von Mekonium

Die Ausscheidung des Mekoniums wird durch das Stillen optimal unterstützt. Viele häufige und kleine Stillmahlzeiten halten nicht nur den Blutzuckerspiegel des Babys stabil, sondern regen auch die Darmperistaltik entsprechend an. Die verdaute Muttermilch verändert Farbe und Aussehen des Mekoniums. Es wird heller, zunächst grünlicher und geht dann ins gelbliche bis ockerfarbene über. Die anfangs zähe eher pastenartige Konsistenz wechselt in einen immer breiigeren, aufgelockerteren Stuhl. Der Stuhlgang von ausschließlich gestillten Neugebornen erinnert in Farbe und Aussehen an Hüttenkäse, der mit Senf vermengt wurde. 

Das Mekonium wird in der Regel innerhalb der ersten drei Lebenstage des Babys vollständig ausgeschieden. Im so genannten Übergangsstuhl vermischen sich Mekonium und Muttermilchstuhl. Die rasche Mekoniumausscheidung und die Veränderung hin zum Muttermilchstuhl zeigt mit an, dass das Baby ausreichend gestillt wird.

Wenn ab dem vierten Tag noch kein reiner Muttermilchstuhl ausgeschieden wird, sollte genau auf das Stillmanagement (Häufigkeit und Effektivität des Anlegens) geschaut werden. Auch eine Neugeborenengelbsucht (Ikterus bzw. Hyperbilirubinämie) kann dazu führen, dass ein Baby eher müde und trinkunlustig ist. Doch gerade in dieser Situation ist häufiges Stillen und eine entsprechende Stuhlausscheidung wichtig, um das abgebaute Bilirubin auszuscheiden. Bei Stillproblemen in den ersten Tagen ist es sehr wichtig, dass Mütter zeitnahe Unterstützung bekommen.

Farbliche Abweichungen

Bei einem guten Stillverlauf in den ersten Tagen nimmt die Ausscheidungsfrequenz von Urin und Stuhl schnell zu. Etwa fünf schwere Wegwerfwindeln oder sechs bis acht nasse Stoffwindeln sind ebenso wie regelmäßiger Stuhlgang ein Anzeichen für gutes Gedeihen. Regelmäßig bedeutet in den ersten vier Wochen drei mal oder häufiger Stuhlgang am Tag. Oft wird auch bei jeder Stillmahlzeit die Stuhlausscheidung angeregt, das ist ganz normal. Später, nach vier bis sechs Wochen, sind beim Stillkind auch Stuhlpausen von bis zu zehn Tagen oder sogar noch länger normal. 

Ob ein Baby Muttermilch oder industriell hergestellte Säuglingsnahrung bekommt, macht sich bei der Ausscheidung bemerkbar. Mit Pre-Nahrung gefütterte Kinder haben meist seltener Stuhlgang. Sie sollten aber mindestens einmal täglich Stuhl absetzen. Der Stuhl von nicht gestillten Kindern ist geformter, von gummiartiger Konsistenz und eher grünlich- bräunlich. Er hat zudem einen aufdringlicheren Geruch. Stillstuhl ist breiig bis flüssig und hat eine senfgelbe Farbe. Der Muttermilchstuhl riecht eher unaufdringlich und joghurtartig, also leicht säuerlich.

Es gibt auch farbliche Abweichungen des Stuhlganges, die auf eine Unverträglichkeit, auf Stoffwechselprobleme oder eine Erkrankung hinweisen. So kann schwärzlich gefärbter Stuhl Blut enthalten, aber auch durch eine Eisengabe diese Farbe annehmen. Weißlicher, entfärbter Stuhl kann ein Hinweis auf ein Problem der Gallenfunktion sein.

Nahrung der Mutter kann Babys Stuhlgang verändern

Die Farbe des Stillstuhl kann sich auch durch die von der Mutter aufgenommene Nahrung verändern – etwa grünlich verfärben durch Spinat. Ein grünlich-schaumiger Stuhl könnte aber auch ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht bei der Muttermilchaufnahme hinweisen. Wenn Frauen sehr viel Muttermilch produzieren, kann sich das auf das Trinkverhalten des Kindes auswirken. Es trinkt dann eher kurz und erhält so weniger fettreiche Milch.

Der Fettgehalt der Muttermilch verändert sich nämlich innerhalb der Stillmahlzeit. Durch das wiederholte Auslösen des Milchspendereflexes werden Fettanteile (Lipidkügelchen) in die Muttermilch entleert. Bei kurzer Stilldauer mit dennoch hoher Muttermilchaufnahme entsteht ein Ungleichgewicht. Es kommt zu einer Laktose-Überladung, die zu dem oben beschriebenen Aussehen des Stuhlgangs führt. Mehr dazu lest ihr hier.

Farbveränderungen des Stuhls können also physiologische und pathologische Ursachen haben. Bei anhaltenden Auffälligkeiten ist es empfehlenswert, bei der Hebamme oder beim Kinderarzt nachzufragen. Das gilt auch, wenn die Mekoniumausscheidung verspätet einsetzt (später als nach 24 Stunden nach der Geburt) oder länger als üblich anhält (länger als ungefähr drei Tage).

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