Muttersein, Mutter, Kuscheln

„Ich könnte das ja nicht“

von Anja

Ein Satz, der wohl den meisten Müttern irgendwann mal begegnet ist lautet: „Ich könnte das ja nicht.“ Manchmal wird er einem direkt gesagt. Oft aber auch eher allgemein, wenn andere Mütter zum Beispiel in Gruppen zusammen sind. Und ja, es klingt immer ein bisschen abwertend, dieses „Also, ich könnte das ja nicht“ als Kommentar.

Mal beziehen sich die Kommentare auf den Geburtsort, auf die Stilldauer oder den Zeitpunkt des Wiedereinstiegs in den alten Job. Und manchmal hinterlässt es eben auch ein bisschen Unsicherheit bei der Adressatin. Sie denkt sich unter Umständen, womöglich „keine gute“ Mutter zu sein. Einfach weil irgendwas zu früh, zu spät, zu kurz, zu lange oder am falschen Ort passiert.

Aber wenn man das Ganze mal vom Muttersein entkoppelt, gibt es doch etliche Dinge, die viele von uns nicht könnten. Aus ebenso vielen unterschiedlichen Gründen. Doch im Kontext Elternschaft schwingt bisweilen schnell etwas Wertendes mit. Und dann entsteht eher das Gefühl der Abwertung als der Wertschätzung. Während man sonst im Leben weniger abhängig ist von der Bestätigung anderer, ist es in der Phase des Elternwerdens doch bedeutsamer, dass wir positive Rückmeldungen für unser Tun bekommen. 

Positive Rückmeldung heißt in dem Fall oft schlicht und einfach, dass es andere genauso machen. Das gefühlte gegen den Strom schwimmen ist oft anstrengend und kann sehr einsam sein. Egal, ob man die Mutter mit dem Wunschkaiserschnitt oder die mit der Alleingeburt ist. Beides „könnte“ ich übrigens ganz persönlich nicht. Aber auch für meine eigenen Hausgeburtsentscheidungen habe ich mehr als einmal ein „Ich könnte das ja nicht“ gehört. Und dabei zumindest ein kleines Fünkchen Verunsicherung in mir aufblitzen sehen…

Man tut, was man könnte und kann

Es ja eigentlich sehr gesund, dass man eben das tut, was man könnte und kann. Also das, was mit den eigenen Vorstellungen und Werten vereinbar ist. Es ist das, was in die jeweilige Lebenssituation passt. Es entspricht immer den eigenen Bedürfnissen – und auch den Bedürfnissen meines Kindes. Denn ja, auch Baby ist nicht gleich Baby. Die Bandbreite der kindlichen Temperamente und Bedürfnisse ist ebenso groß wie bei den Müttern.

Und nur, weil ich etwas nicht so machen würde, heißt das mitnichten, dass es einer anderen Mutter oder einem anderen Kind damit schlechter geht. Ich spreche hier natürlich nicht von Verhaltensweisen, die einem Kind ganz offenkundig schaden. Leider wird gerade in diesen Kontexten dann übrigens oft zu wenig gesagt.

Das „Ich könnte das nicht“ bezieht sich häufig auf eher bedeutungslosere Dinge wie die Wahl zwischen Stoff- oder Einwegwindel, Brei oder Nicht-Brei oder eben auch im Kontext der Stilldauer. Und während die einen niemals nach drei Monaten selbstgewählt abstillen könnten, ist es für andere unvorstellbar, ein dreijähriges Kind zu stillen. Einfach weil sie es nicht könnten, aus diversen Gründen.

Im besten Fall können wir uns entscheiden. Ein „Ich möchte das nicht“ in Kombination mit „…und ich muss das nicht“ ist die beste Grundlage, um seinen eigenen Weg als Mutter zu gehen. Ganz egal, ob es um den Geburtsort oder den Beikostweg oder welchen Weg auch immer geht.

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6 Kommentare

Anny 12. September 2019 - 08:14

Ich sage den Satz eigentlich eher als Anerkennung, im Sinne von “Ich habe nicht die Fähigkeiten dazu, toll und beeindruckend, dass Du die hast”

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Sarah 2. September 2019 - 20:59

Es kann ja aber auch als Anerkennung gemeint sein

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Antje 28. August 2019 - 13:04

Diesen Satz habe ich schon öfters in Bezug auf meine Kinderzahl von anderen Müttern gehört. In diesen Fällen habe ich das eher als ein “Ich würde das nicht schaffen” verstanden und eher nicht als abwertenden Kommentar. Aber wie bei so vielen gesagten Dingen: Der Ton macht die Musik…

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Dresden Mutti 28. August 2019 - 12:53

Ich finde der Satz suggiert vor allem: “Du hast die Wahl” und daran hat man zu knabbern, wenn man ihn zu hören bekommt… Als Beispiel: Meine Kinder schliefen bis 2 1/2 Jahre etwa immer erst um 23 Uhr und dafür hörte ich oft den Satz “Ich könnte das nicht.” – aber ich konnte das ja auch nicht, ich musste und es war schlimm. Auch im Bekanntenkreis sieht man es immer wieder: Wenn die 12 Monate Elterngeld auslaufen, müssen auch die meisten Eltern wieder arbeiten. Ob sie können oder könnten, steht eher weniger zur Debatte. Sie müssen. Ebenso ist es, wenn das Kleinkind unermütlich nach der Brust verlangt und die Flasche verweigert… Du hast dich jetzt auf andere Beispiele bezogen; mir schlug es vor allem bei Fällen entgegen, bei denen gar keine Wahlmöglichkeit bestand. Da denke ich, kann man auf den Satz “Ich könnte das nicht” eigentlich nur antworten: “Doch, du könntest. Aber sei froh, dass du nicht musst.”

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Pippa 29. August 2019 - 13:52

Ging mir genauso mit meinem Neurodermitis-Kind. “Ich könnte das ja nicht…” hat mich da schon einige male aus der Haut fahren lassen.

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Mandarina Magna 29. August 2019 - 20:47

Ich verstehe zwar, was du meinst, aber ich stimme dir bei allen Beispielen nicht zu. Gerade beim Thema Stillen sind es sehr wohl die Eltern bzw. die Mutter, die da die Führung übernehmen könnte wenn sie will bzw wenn sie sich sicher ist, dass es der richtige Weg ist. Z.B. beim Abstillen. Da spreche ich aus eigener Erfahrung, glaub mir! Und es war nicht einfach. Ich dachte, ich muss einfach stilllen und es geht nicht anders. Nach einer guten Beratung hat sich das geändert. Ich habe Verantwortung dafür übernommen und es dann wirklich geschafft. Manchmal kann einem auch halt erst unklar sein, dass man es doch “kann” oder “darf”, wenn man es “will”. Normalerweise finde ich den Satz blöd (Man kann es schaffen, wenn man nur will) weil das einfach nicht richtig ist. Allerdings sehe ich in der Erziehung schon eine Tendenz, dass man den Kindern zusehr die Führung überlässt in der Angst, ihnen sonst zu schaden.

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