Meine Schwangerschaft: der neunte Monat

von Anja

Der neunte Monat also – für viele Menschen ist dies gedanklich ja schon der letzte Schwangerschaftsmonat, aber wenn man von 280 Tagen ausgeht, sind es eben zehn (Mond-)Monate, die so eine Schwangerschaft ungefähr dauert. Deshalb fühlten sich die Tage von der 33. bis zur 36. Schwangerschaftswoche auch für mich noch nicht wirklich nach Endspurt an. Zu viel ist noch zu erledigen in dieser Zeit – und auch Baby und Bauch wollen noch wachsen.

Auch die Geburtslage stimmt noch nicht so ganz. Bei unserem zweiten Ultraschall – dieses Mal in der 33. Schwangerschaftswoche – liegt das Kind quer im Bauch. Natürlich hat es noch Platz und gerade bei Mehrgebärenden kommt diese Lage häufig vor. Trotzdem merke ich mit jeder Woche, die vergeht, dass es mich doch etwas entspannen würde, wenn unser Baby mit dem Kopf nach unten rutschen würde. Oder wenigstens mit dem Po, denn eine Beckenendlage ist ja auch eine Längslage und damit für eine spontane Geburt geeignet.

Und da unsere erste Tochter ja auf diesem Wege zur Welt kam, würde ich auch ohne größere Sorge in eine weitere Beckenendlagengeburt hineingehen. Aber quer ist irgendwie doof. Und so mache ich doch schon mal die eine oder andere Kopfüber-Turnübung, um unser Baby zu motivieren, sich doch etwas optimaler einzustellen. Aber auch in der 35. Schwangerschaftswoche bevorzugt es noch weiterhin seine quere Position im Bauch.

Sprengstoffabstrich am Bauch vor Abflug

Und so fliege ich auch nach Stuttgart, um von dort aus zum Hebammenfachtag von Weleda in Schwäbisch Gmünd zu fahren, wo ich einen Vortrag halten werde. Sicherheitshalber habe ich einen Schrieb von meiner Hebamme dabei, der bestätigt, dass ich noch fliegen darf. Aber am Flughafen interessiert sich keiner für dieses Papier. Absurderweise wird aber auf dem Hinflug ein Sprengstoffabstrich gemacht von meinem MacBook und von meinem Bauch.

Im Nachhinein finde ich das ganz schön absurd, auch wenn das Flughafenpersonal wirklich durchgehend sehr freundlich war und ich sogar vorgelassen wurde beim Sicherheitscheck. Dafür durfte ich dann in Stuttgart in der S-Bahn 45 Minuten lang stehen, weil scheinbar niemand seinen Sitzplatz für eine Schwangere hergeben wollte. Fragen wollte ich aber auch nicht, weil ich dachte, wenn dann jemand Nein sagt, fange ich mitten in der Bahn an zu heulen. Da der Flug schon mit ordentlich Verspätung in Berlin gestartet war, waren meine Nerven nicht mehr die besten an diesem Tag.

Die nächsten drei Tage bei Weleda in Schwäbisch Gmünd entspannten mich aber wieder etwas und es war wirklich schön, so viele nette Kolleginnen zu treffen. Besonders eine, die ich gefühlt schon ewig über Facebook kenne, aber noch nie persönlich getroffen hatte. Und es fühlte sich nicht eine Sekunde fremd oder komisch an, als wir uns in diesen Tagen uns endlich mal „in echt“ trafen.

Alles frei und beweglich

Diese Reise und dieser Vortrag waren mein letzter vor der Geburt. Die nächsten Vortragsreisen werde ich dann schon mit Baby und Christian unterwegs sein. Denn tatsächlich habe ich schon einige Anfragen, die zum Teil bereits vor der Schwangerschaft kamen. Aber zeitlich passt das alles gut, so dass wir genug Zeit haben werden, uns als sechsköpfige Familie erst einmal einzuleben.

Zum Osteopathen ging es auch in diesem Monat – in der Hoffnung, er könne noch was ausrichten, um bessere Bedingungen für die Drehung des Kindes in Längslage zu schaffen. Aber letztlich war alles frei und beweglich und es waren keine Blockaden vorhanden, die ein Problem sein könnten. Lediglich mein Zwerchfell war etwas verspannt, weil mich ein oller Husten erwischt hatte.

In der 36. Schwangerschaftswoche machte ich auch meinen letzten Hausbesuch. Das fühlte sich schon irgendwie ein bisschen komisch an, auch wenn ich ja theoretisch jederzeit wieder einsteigen kann. Aber ich rechne nicht damit, dass ich mich mit vier Kindern so langweilen werde, dass das ganz schnell nach der Geburt der Fall sein wird. Meist habe ich ungefähr ein halbes Jahr pausiert und dann nach und nach wieder mit etwas Hebammenarbeit begonnen.

Überall macht sich Babyzauber breit

Pünktlich zum Hebammenarbeitsende erwischt mich dann doch noch ein grippaler Infekt und ich muss sogar ein paar Tage im Bett liegen, weil ich mich wirklich ganz schön geschafft fühle. Und das, nachdem der ganze Herbst und der Winter komplett gesund für mich verlaufen waren. Mich nervt dieser Zustand des „nur Rumliegens“ enorm. Christian übernimmt alles mit Kindern, Haushalt und arbeitet natürlich auch noch – und ich sehe das als ersten Probelauf für unser Wochenbett und die Wochen danach.

Dank des Ausruhens geht es mir nach ein paar Tagen auch schon wieder deutlich besser. Nur abgenommen habe ich ordentlich. Statt 13 sind es nur noch 11 Kilo mehr als vor der Schwangerschaft. Ein paar Reserven für die Stillzeit sind ja nicht verkehrt. Der Appetit kommt zwar langsam wieder, aber das Aufnahmevermögen meines Magens wird immer kleiner mit dem wachsenden Bauch. Also heißt es: viele kleine Mahlzeiten.

Ein weiterer sehr schöner Grund für mehr Druck in Richtung Magen ist die Tatsache, dass sich unser Baby dann doch in der 36. Schwangerschaftswoche mit dem Köpfchen nach unten gedreht hat. Anfänglich traue ich mich kaum, mich zu bewegen, damit es sich ja nicht wieder zurückdreht. Aber es scheint wohl verstanden zu haben, dass dies die bessere Lage ist und so auch mehr Platz da ist als querliegend.

Babysachen sind mittlerweile gewaschen

Meine Hebammen sehe ich auch zur Vorsorge und zur Besprechung bezüglich der Geburt. Es fühlt sich für Christian und mich sehr stimmig an, dass uns diese beiden Kolleginnen begleiten werden. Wir fühlen uns beide sehr wohl und gut aufgehoben bei ihnen. So langsam geht es also doch Richtung Endspurt. Die letzten Arbeiten an den Büchern stehen an und noch der eine oder andere Fachartikel will abgearbeitet werden. Aber die Liste mit Aufgaben wird täglich kürzer und auch hier zu Hause kommt das große Auf- und Umräumen der letzen Wochen so langsam zum Ende.

Die Babysachen sind mittlerweile auch gewaschen und überall macht sich schon hier und da ein bisschen Babyzauber breit. Noch genieße ich aber das kleine, große sich nach wie vor fleißig bewegende Kind in meinem Bauch und habe keine Eile, dass die Schwangerschaft „endlich vorbei sein soll“. Aber so ging es mir auch bei den anderen Kindern. Alles wird ein bisschen langsamer und entschleunigter, aber gleichzeitig liegt dieser Zeit auch immer ein ganz besonderer Zauber des Wartens inne.

Wer mehr von dieser Schwangerschaft lesen will:
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2 Kommentare

Alu 15. März 2017 - 09:35

Ihr Beiden, grossartig macht ihr das. Ich hoffe die Kinder helfen auch immer mal wieder mit und ihr findet noch ein wenig Paarzeit. Alles Liebe für die letzten Wochen. Alu

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Miriam 15. März 2017 - 08:57

Liebe Anja! Es ist schön, den Verlauf und die Entwicklung deiner Schwangerschaft mitverfolgen zu können, danke! Wir müssten ungefähr gleich weit sein: bei mir ist der 8.4. der errechnete -oder erratene- Termin… 🙂 Ich wünsche dir, dass du die letzten Wochen weiterhin gesund und so entschleunigt genießen und Kraft tanken kannst und der Zauber dieser besonderen Zeit anhält. Alles Liebe!

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