CTG, Hausgeburt, Monitoring

Meine Schwangerschaft: der zehnte Monat

von Anja

Dieser letzte Monat der Schwangerschaft verläuft so ganz anders als gedacht. Eine aufregende und sehr besondere Zeit liegt hinter uns. Eine Zeit, die wir auch nach der Geburt noch ein bisschen verarbeiten mussten. Aber nochmal ein bisschen zurückgespult…

Noch etwas erschöpft von der Erkältung verbunden mit einer ollen Husterei, mit der ich in der 36. und 37. Schwangerschaftswoche flach gelegen habe, geht es am Wochenende endlich mal wieder raus, um die ersten Berliner Frühlingssonnenstrahlen zu genießen. Wir machen einen langsamen Spaziergang durch den Kiez. Trinken Kaffee und essen Eis in der Sonne, auch wenn ich beides wegen des Schnupfens noch nicht so richtig schmecke. Schön ist es trotzdem. Als wir am späten Nachmittag wieder zu Hause sind, spüre ich plötzlich, wie mir Flüssigkeit die Beine hinunter läuft.

Da ich von den ersten beiden Geburten weiß, wie sich ein vorzeitiger Blasensprung anfühlt, bin ich mir recht sicher, dass es sich um Fruchtwasser handeln muss. Denn Inkontinenz war zum Glück kein Thema in allen Schwangerschaften. In meiner Hebammentasche befinden sich Teststreifen für den ph-Wert, der bei Fruchtwasser in einem bestimmten Bereich liegt. Und dieser ph-Test zeigt nun ein „leicht positives“ Ergebnis an. Nicht ganz eindeutig, aber eben auch nicht so, dass ein Blasensprung ausgeschlossen ist.

Überhaupt noch nicht geburtsbereit

Also rufe ich unsere Hebamme an, die vorbei kommt und noch mal einen anderen Test auf Fruchtwasser durchführt. Doch auch hier zeigt sich kein eindeutig positives oder negatives Ergebnis. Also erst mal abwarten. Es läuft nach wie vor ein bisschen, aber so ganz einordnen kann ich es nicht bzw. hoffe noch, dass es kein Blasensprung ist. Diese Wahrnehmung ändert sich um Mitternacht, als ein größerer Schwall Fruchtwasser abgeht und nun auch der ph-Test ganz eindeutig ausfällt. Wow, sollte jetzt wirklich etwa schon bald unser Baby kommen?

Ich fühlt mich so überhaupt noch nicht geburtsbereit! Trotzdem packe ich sicherheitshalber eine Kliniktasche und Christian installiert die neue Babyschale im Auto, die bisher noch verpackt im Schlafzimmer stand. Ich gehe davon aus, dass wohl bald Wehen einsetzen werden. So kenne ich es von den ersten Geburten, die auch mit einem Blasensprung begannen. Allerdings war ich da auch in der 40. bzw. 42. Schwangerschaftswoche. Auch die Freunde, die uns bei der Kinderbetreuung während der Geburt unterstützen wollen, sind mittlerweile informiert. Und mit uns zusammen ein bisschen aufgeregt. Einer weilt sogar noch in London statt in Berlin.

Am nächsten Vormittag treffen wir eine unserer beiden Hebammen in der Klinik. Neben der Hausgeburtshilfe sind die beiden auch als Beleghebamme in einer großen Level-1-Klinik tätig. Darüber bin ich gerade mehr als froh, weil ich so sicher sein kann, dass ich von ihnen bei der Geburt begleitet werde – ganz egal, wo und wann diese stattfindet. Was für ein Luxus, denke ich mir, während ich das hektische Treiben nebst vollen Wartezimmern im Kreißsaal unmittelbar mitbekomme.

Entgegen des ärztlichen Rats keine Einleitung

Es wird ein CTG geschrieben und Blut abgenommen. Die diensthabende Ärztin macht einen Ultraschall. Trotzdem es nach wie vor läuft, ist weiter genug Fruchtwasser da, denn dieses wird ja auch kontinuierlich nachgebildet. Beim Schall in der Beckenregion schauen wir kurz weg, denn wir möchten uns weiterhin überraschen lassen. Unser Baby wird nach den beim Ultraschall ermitteln Werten auf rund drei Kilogramm geschätzt. Das ist für diese Woche zwar ein ganz gutes Gewicht, trotzdem denke ich daran, wie zart dieses Baby sein würde im Vergleich zu seinen Geschwistern, wenn es jetzt zur Welt käme.

Das in aller Regel üblich Prozedere nach einem vorzeitigen Blasensprung ist, dass die Geburt nach 24 Stunden eingeleitet wird. Dies ist vor allem deshalb so, weil die offene Fruchtblase ein potenzielles Infektionsrisiko darstellt, wenn Keime nach oben in die Gebärmutter zum Baby aufsteigen. Ich kenne die Einleiterei aus Klinikzeiten, nicht selten endet diese ganz schön frustran, der Fachbegriff für vergeblich. Das heißt, dass nicht selten über mehrere Tage ein Medikament zur Einleitung verabreicht wird, was dann mehr oder weniger effektiv ist. Vor allem gibt es Probleme, wenn der Körper noch nicht geburtsbereit ist, was er häufig so weit vor dem Termin oft noch nicht ist. Für die Frauen ist die Einleitung nicht selten körperlich, aber auch emotional sehr erschöpfend.

Da bei mir alles gut aussieht, entscheiden wir uns in Absprache mit unseren Hebammen gegen dieses Vorgehen und wollen zunächst abwarten. Auch die Ärztin kann unsere Entscheidung gut nachvollziehen, muss mich aber natürlich der Form halber unterschreiben lassen, dass ich mich entgegen des ärztlichen Rats gegen eine Einleitung zum jetzigen Zeitpunkt entscheide. Um das Infektionsrisiko zu reduzieren, nehme ich prophylaktisch ein Antibiotikum ein und wir werden meine Blutwerte auf mögliche Anzeichen einer Infektion sowie die Herztöne unseres Babys mittels CTG täglich kontrollieren. Außerdem messe ich bei mir die Temperatur und achte natürlich auch sonst weiter darauf, wie es meinem Baby geht und wie das Fruchtwasser aussieht, was immer wieder läuft. Mit diesem Plan kann unser Baby hoffentlich noch ein paar Tage im Bauch weiter wachsen. So lautet jedenfalls vorerst der Plan.

Das Warten beginnt

Das Abwarten, manchmal auch über viele Wochen, wird bei einem Blasensprung in sehr frühen Schwangerschaftswochen öfter so gehandhabt. Ganz einfach deshalb, weil jeder Tag des Babys im Bauch der Mutter wertvoll ist. Wichtig ist dann vor allem auch, dass möglichst nicht vaginal untersucht wird, weil genau diese Untersuchung das Infektionsrisiko erhöhen kann. Zum Glück hatte ich bisher noch keine einzige vaginale Untersuchung in dieser Schwangerschaft. Meine Hebamme sagt noch halb scherzend: „Wir untersuchen dich auch nicht, bevor der Muttermund vollständig ist.“

Und tatsächlich wird später die erste vaginale Untersuchung erst bei einer Muttermundsweite von acht Zentimetern unter der Geburt gemacht. Wir fahren nach den Untersuchungen und Belehrungen wieder nach Hause und ich denke, dass das „häusliche Keimspektrum“ im Gegensatz zur Klinikflora ganz gut für unseren Plan des Abwartens sein wird. Das heißt natürlich auch, dass öffentliche Toiletten und so einige andere Dinge wie Wannenbäder ab jetzt für mich tabu sind. Und so beginnen die Tage des Wartens.

Einmal am Tag treffen wir uns zur Blutentnahme und zum CTG mit einer der beiden Beleghebammen in der Klinik oder sie kommen zu uns nach Hause. Das transportable CTG-Gerät unserer Hebamme ist temporär bei uns eingezogen, so dass ich auch vom Sofa aus den Herztönen unseres Babys lauschen kann. Das Fruchtwasser läuft weiter, vor allem nachts. Im Liegen dichtet das Köpfchen des Babys etwas weniger ab. So renne ich pro Nacht meist mindestens drei Mal auf die Toilette. Eine gute Vorbereitung auf die sicher auch etwas schlafloseren Babynächte. Unser Kind in meinem Bauch bewegt sich nach wie vor reichlich, die Blutwerte sind prima und auch das CTG erreicht immer die volle Punktzahl.

Wehenmäßig tut sich nichts

Eine Kollegin und Freundin, die früher in einer anthroposophischen Geburtsklinik gearbeitet hat, kennt ebenfalls ein abwartenderes Vorgehen nach Blasensprung aus ihren Kreißsaal-Zeiten. Sie empfiehlt mir deshalb noch Spülungen mit verdünnter Calendula-Essenz, die eine desinfizierende Wirkung hat. Auch die Datenlage bei Cochrane bestätigt mir wie auf Bestellung noch mal ganz aktuell, dass das Abwarten in unserer Situation der passende Weg ist.

Sollte irgendeiner der ermittelten Werte auffällig werden oder wir bzw. unsere Hebammen ein schlechtes Gefühl haben, ist eine Einleitung weiter eine mögliche Option. Aber alles bleibt gut und unauffällig und eine weitere Woche mit Baby im Bauch ist vergangen. Meine Erkältungssymptome sind mittlerweile auch komplett abgeklungen und ich bin froh, mein Baby richtig riechen zu können, wenn es jetzt zur Welt kommen sollte. Auch habe ich wieder etwas zugenommen und fühle mich viel fitter, als noch vor ein paar Tagen.

Wehenmäßig tut sich aber trotzdem immer noch rein gar nichts. Also weiterhin abwarten, weil es keinen Grund gibt, das Ganze jetzt zu beschleunigen. In diesen Tagen entwickelt sich eine gewisse Routine aus Fahrten in den Kreißsaal in einem anderen Stadtteil, Blutentnahmen und CTG-Kontrollen. Immer wieder erleben wir in der Klinik auch überfüllte Geburtsräume, die so gar nicht zur Anzahl der diensthabenden Hebammen passen. Wie oft sind wir in diesen Tagen dankbar für unsere individuelle 1:1-Betreuung durch unser Hebammenteam. Auch wenn die angestellten Kolleginnen vor Ort immer freundlich und geduldig agieren, weiß ich und sieht man doch, dass es an manchen Tagen einfach zu viel Arbeit für zu wenige Hebammen ist.

Baby und Bauch wachsen

Christian hat mit dem Blasensprung seinen Urlaub für die Zeit rund um und direkt nach der Geburt genommen – in der Erwartung, danach wie geplant erst einmal in Elternzeit zu gehen. Als das Baby eine Woche später immer noch nicht da ist, muss er wieder arbeiten. Aber die Kontrolltermine lassen sich zum Glück zeitlich einbauen bzw. arbeitet er die verpasste Zeit dann einfach am Abend nach. Es ist für mich und ihn wichtig, dabei zu sein, wenn wir unsere Hebammen treffen und von Tag zu Tag neu entscheiden, wie wir weitermachen.

Das „normale Leben“ geht derweil auch weiter. Die Kinder haben sich irgendwann an das Warten gewöhnt, nachdem wir ja alle dachten, dass das Baby ein paar Tage nach dem Blasensprung kommen wird. Selbst der Kindergeburtstag der jüngeren Tochter wird noch wie geplant gefeiert – zum Glück ohne großen Aufwand für uns Eltern im MACHmit!-Museum, so dass Christian das allein bewerkstelligen kann. Denn auch wenn ich noch keine Wehen habe, ist das Rückzugsbedürfnis deutlich größer in dieser besonderen Zeit. Nach wie vor wissen nur sehr wenige Menschen Bescheid über die Situation – einfach um den Nachfragestress für uns zu reduzieren.

Eine der eingeweihten Personen ist die Fotografin Leni Moretti, der wir wegen des Blasensprungs einen angedachten Termin für ein Babybauch-Fotoshooting absagen mussten. Als unser Baby dann doch auf sich warten lässt, vereinbaren wir spontan noch einen Termin und machen wunderschöne Fotos im Park. Jedes Mal, wenn ich sie ansehe, denke ich, irgendwie verrückt, dass wir da ja durch den Blasensprung doch schon fast ein bisschen unter der Geburt waren. Große Unternehmungen meinerseits gibt es in dieser Zeit aber nicht mehr – auch weil ich ja keine anderen oder gar öffentliche Toiletten benutzen möchte, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Die täglichen Blutabnahmen sorgen übrigens dafür, dass sich meine einstige Nadelphobie komplett legt.

Tage der leichten Verzweifelung

Und so vergeht eine weitere Woche und dann noch eine. Mittlerweile habe ich öfter mal kleine Wehen und das Gefühl, es könnte irgendwann mal in Richtung Geburt gehen. Auch eine kleine Zeichnungsblutung und der Abgang des Schleimpropfes weisen darauf hin, dass sich doch ein bisschen was tut. Es gibt aber auch Tage, an denen ich leicht verzweifelt denke, dass unser Baby sich jetzt scheinbar noch ewig Zeit lässt. Unsere Hebammen bieten mir auch immer wieder an, anders zu entscheiden, wenn mir die Warterei zu viel wird. Doch der Gedanke an eine Einleitung ist mir nach wie vor einfach unbehaglicher. Außerdem kann es sich ja bald nur noch um Tage handeln, wenn ich jetzt nicht noch ewig über den ET gehen sollte.

In den letzten Tagen vor der Geburt bin ich mir übrigens immer sicherer, dass wir ein Mädchen erwarten. Ich spreche sie sogar schon hier und da mit ihrem ausgesuchten Namen an. Ich wüsste mittlerweile so gerne, ob mein Gefühl stimmt und wir nun tatsächlich eine Tochter bekommen. Der Bauch und unser Baby darin sind in den letzten Wochen noch mal spür- und sichtbar gewachsen. Wie gut, dass wir dem Kind noch diese Zeit im Bauch geben konnten und es somit nicht nur mit doch eher zarten drei Kilo auf die Welt kommen wird.

In der 40. Schwangerschaftswoche steigt einer der ermittelten Blutwerte – der Entzündungswert CRP – ganz leicht an, liegt aber immer noch im normalen Rahmen. Trotzdem sehen wir es mit unseren Hebammen als Anlass darüber nachzudenken, ob wir meinem mittlerweile doch recht geburtsbereiten Körper nicht einen kleinen Anschubser geben wollen. Ich habe nichts dagegen, es am nächsten Tag doch mal mit einem Wehencocktail bestehend aus Mandelmus, Aprikosensaft und einer geringen Menge Rhizinusöl zu probieren. Es ist mittlerweile nicht mehr das Gefühl da, damit das Kind aus dem Bauch zu „schubsen“, sondern einfach nur einen Anstupser in Richtung Geburt zu geben.

Da der nächste Tag ein Sonntag ist, kaufen wir am Samstag alles für den Wehencocktail ein. Und scheinbar hat bereits das Einkaufen der Zutaten eine anregende Wirkung, denn in der Nacht habe ich – wenn auch noch sehr vereinzelt – die ersten kräftigeren Wehen. Es sind Wehen, die ich sogar bereits ein bisschen veratmen muss. Wie es dann tatsächlich weitergeht, erzähle ich hier im Geburtsbericht.

Wer mehr von dieser Schwangerschaft lesen will:
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25 Kommentare

Eva 20. September 2020 - 17:14

Danke für diesen Blogeintrag, ohne diesen wäre mein Kleiner sicherlich per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen. Hatte bei 38+4 einen Blasensprung ohne Wehen. Nach 1,5 Tagen im Krankenhaus unter Antibiose und stetiger Kontrolle (2-3xtgl) der Entzündungswerte wurde ich massiv zum Kaiserschnitt gedrängt durch den Oberarzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die zweite Einleitung bekommen und mini Wehen. CTG und Entzündungswerte waren immer top. Musste um eine dritte Portion Einleitung regelrecht betteln. Durch die habe ich dann auch leichte Wehen bekommen, der Oberarzt setzte trotzdem eine Deadline von 6Stunden bis zu der mein Sohn dasein sollte, sonst würde er einen Kaiserschnitt machen. Daraufhin habe ich verzweifelt nach anderen Erfahrungsberichten gesucht und bin auf diesen Artikel gestoßen. Der hat mir die Kraft gegeben mir eine zweite Meinung einzuholen. Nach mehreren Telefonaten mit einer zweiten Geburtsklinik in der Nähe, habe ich mich dann selbst entlassen und habe das Krankenhaus gewechselt. Dort kam mein Sohn weitere 1,5Tage später natürlich auf die Welt. Leider unter massiver Wehenförderung durch oxydauertropf und mit PDA und auch dadurch bedingten Komplikationen, aber wir hatten trotzdem beide ein Gefühl der natürlichen Geburt.
Rückblickend finde ich es schade dass ich nicht schon früher diese Artikel gelesen hatte, dann hätte ich die Einleitung abgelehnt, weil weder mein Körper noch mein Sohn geburtsbereit waren und ich mir so vielleicht die Komplikationen (Plazenta löste sich nicht, dadurch Notop und 1,8l Blutverlust) ersparen hätte können. Am Ende zählt ja aber nur dass wir beide es gesund überstanden haben
Danke für den Bericht!

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Frieda 28. Mai 2018 - 11:01

Danke für den Artikel! Ich wurde soeben darauf hingewiesen. Ich hatte bei 35+5 einen Blasensprung. Wir haben die Einleitung abgelehnt, 4 Tage stationär geblieben und jetzt werde ich ambulant überwacht. Ich bin jetzt bei 37+0. Wir wälzen andauernd die Frage wann welche Entscheidung die richtige ist. Deine Erfahrung hilft sehr. Danke dafür! Das schwierige sind wirklich die Ärzte, die das teilweise unterschiedlich handhaben. Die Hebammen sind alle sehr entspannt und bestärken uns in der Entscheidung abzuwarten. Mal sehen wie es weiter geht.

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Anja 28. Mai 2018 - 11:44

Liebe Friederike,

danke für Deinen Kommentar. Da denke ich gleich wieder an unsere aufregende Wartezeit nach dem Blasensprung zurück. Wie gut, dass auch Dir Raum für individuelle Entscheidungen gegeben wird. Wir haben tatsächlich von Tag zu Tag die Lage neu beurteilt und abgewogen. Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute für die restliche Wartezeit und die Geburt. Und ich würde mich sehr freuen, von Dir zu hören, wenn Dein Baby geboren ist:)

Herzliche Grüße,

Anja

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Heidi 1. Mai 2017 - 19:27

Danke für den Bericht! Ich hoffe er hilft anderen Schwangeren in ähnlicher Situation. Mich erinnert er sehr an die Geburt unseres Dritten vor 6 Jahren (mittlerweile ist auch noch ein viertes Kind dazugekommen 🙂 ). Ich hatte auch in der 37. SSW einen vorzeitigen Blasensprung. Nach kurzer Rückversicherung durch unsere wunderbare Hausgeburtshebamme entschieden wir uns auch erstmal fürs Warten. ich verbrachte eine ruhige Nacht zu Hause und ließ am nächsten Tag auch in der Klinik Blutwerte checken und CTG machen. Dort erlebte ich ebenfalls ein ziemliches Chaos auf der Geburtsstation – zu viele Geburten für tolle und engagierte, aber leider zu wenige Hebammen. Nachdem der Oberarzt uns dann auch noch mehr als unfreundlich behandelte (wegen der Entscheidung, wieder nach Hause zu gehen) , musste ich mich auf eigenes Risiko entlassen um daheim endlich wieder in Ruhe warten zu können.

Ich verbrachte dann nochmal eine ruhige Nacht zu Hause und entschied mich in Absprache mit unserer Hebamme am nächsten Tag für den Wehencocktail. Der verstärkte am Nachmittag dann auch die Wehen sehr und gegen MItternacht kam dann schließlich ganz entspannt unser drittes Kind zuhause zur Welt. Er hatte auch nur ca. 3 kg und war im Vergleich zu den anderen der zarteste, aber es ging ihm bestens und es war eine wunderbare Geburt. Ich bin mehr als froh und dankbar, meinem Gefühl, unserer Hebamme und dem Kind vertraut zu haben.

Alles Gute euch und weiterhin ein wunderbares Wochenbett!

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Anna 28. April 2017 - 14:31

Wow, Anja! Wie cool, dass Du gewartet hast. Es war mir nicht bewusst, dass die neuesten Empfehlungen das Abwarten nach vorzeitigen Blasensprung befürworten. Finde ich grossartig.
Schade, dass so viele Frauen, Hebammen und Gynäkologen eingeschlossen nichts darüber wissen.
Aber geht eben wahrscheinlich auch nur mit intensiver Betreuung, die die meisten Frauen eben leider nicht haben.
Euch alles Gute!
Liebe Grüße, Anna

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Susanne 20. April 2017 - 20:03

Danke für diesen schönen Text, Anja!
Wie gerne wäre ich bei den Geburten meiner beiden Kinder so selbstbestimmt und sicher gewesen, wie Du es beschreibst. Wie gelassen und geerdet Du darin klingst. Davon habe ich immer geträumt und irgendwie hatte ich mir das auch zugetraut. Am Ende habe ich mich doch schnell verunsichern lassen und nach Überschreitung der Termine meine innere Stimme fast komplett verloren.
Ehrlich gesagt dachte ich bis eben auch noch, dass ein vorzeitiger Blasensprung immer eine Indikation zum Einleiten ist. Wieso weiß man als Schwangere und Gebärende so wenig darüber, wie viele hundert Möglichkeiten es geben kann? Das ist so schade, das macht so vieles kaputt. Ist die Geburt doch ein so wichtiger und unvergesslicher Moment im Leben einer Frau….
Ich war absolut interessiert, belesen, mit einem wunderbaren Frauenarzt gut betreut und doch muss ich im Nachhinein gestehen, ich habe mich beide Male nicht so verhalten, wie ich es mir gewünscht hatte.
Sollte sich mein Wunsch nach einem dritten Kind erfüllen, werde ich versuchen, überaus gut für mich zu sorgen- mit einer Beleghebamme, die mich sowohl in der Schwangerschaft, als auch im Wochenbett betreut oder einer Doula, die das in angespannten Hebammenzeiten übernimmt. Das ist zwar nicht das Gleiche, wie selbst gut für sich sorgen zu können und doch ist es ein Schritt in die Richtung Deiner Erzählung… so wie ich es mir auch gewünscht hätte.
Alles Gute Euch, unbekannterweise!

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Michaela 20. April 2017 - 00:29

Herzlichen Dank für den Artikel, und für die vielen anderen wunderbaren Artikel die ich hier schon gelesen habe!!!
Ein Abschnitt hat bei mir einen wunden Punkt getroffen:
„Wichtig ist dann vor allem auch, dass möglichst nicht vaginal untersucht wird, weil genau diese Untersuchung das Infektionsrisiko erhöhen kann. Zum Glück hatte ich bisher noch keine einzige vaginale Untersuchung in dieser Schwangerschaft. Meine Hebamme sagt noch halb scherzend: „Wir untersuchen dich auch nicht, bevor der Muttermund vollständig ist.“
Dass eine Schwangerschaft ohne vaginale Untersuchung bis zur Geburt eine mögliche Alternative ist, war mir leider nicht bewusst als es für mich relevant war, jetzt kann ich mich im Nachhinein nur fragen – was hätte anders laufen können (obwohl es bei mir nicht um einen vorzeitigen Blasensprung ging).
Mein großes Kind wurde aufgrund einer Infektion, Fruchtblasenprolaps und beginnender Plazentalösung per Notsectio bei 25+0 entbunden. Unschwanger neige ich nicht zu Infektionen. Beim kleinen Kind war ich dann natürlich übervorsichtig – und hatte trotzdem ab der 18. Woche zahlreiche Infektionen und zahlreiche (gefühlt UNERTRÄGLICH VIELE) vaginale Untersuchungen: 18. Wo – Infektion, verkürzter Gebärmutterhals, Antibiose. 24. Wo – Infektion, Fruchtblasenprolaps, Antibiose, Notcerclage. 29. – 30. Wo – verschiedene Infektionen, Blutung, Wehen, letztlich Notsectio wegen schlechtem CTG.
Nach den Geburten lief alles besser als vorausgesagt, beide sind völlig gesund, trotzdem liegt mir das Thema noch im Magen.
Liebe Grüße und noch ein schönes weiteres Wochenbett

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Ira 19. April 2017 - 20:04

Wie abenteuerlich. Wieso hast du gedacht, dass dein Baby „wohl niemals kommt“? Weil es einfach zu lange gedauert hat? Oder gab es Sorgen wegen ihrer Gesundheit? Dieser Satz fand ich echt traurig.

Antworten
Anja 19. April 2017 - 20:14

Liebe Ira,

der Satz ist gar nicht traurig gemeint, sondern ehern so in die Richtung “ Dann bleib ich wohl einfach ewig schwanger“, was sich ja auch manchmal einstellt, wenn man weit über den Termin geht. Natürlich weiss man, dass das Baby sich irgendwann auf den Weg machen wird, aber wenn es so lange ruhig bleibt, kann man sich phasenweise nicht mehr vorstellen, dass es jemals losgehen wird 🙂 Also alles gut.
Liebe Grüße, Anja

PS: Habs jetzt noch mal angepasst, so dass vielleicht klarer ist, wie ich das meine:)

Antworten
VioCocoba 19. April 2017 - 20:26

Hey Ira,
so ist das, glaub ich, nicht gemeint. Ich hatte auch diesen Gedanken „Der kommt wohl nie raus!“ bei meiner ersten Schwangerschaft. Ich wusste, dass das Unsinn ist, aber wenn man sich darauf einstellt, dass die Geburt jederzeit beginnen könnte und dann tut sich tage- und wochenlang nichts, dann hat man halt so irrationale Gedanken. Diese volle Spannung und Fokussierung auf einen möglichen Geburtsbeginn lässt sich nicht ewig aufrecht erhalten und durch den Gedanken „Na dann bleibst du halt da drin“ kann man das Ganze wieder etwas loslassen, würde ich sagen.
Liebe Grüße,
VioCocoba

Antworten
Anja 19. April 2017 - 20:42

Liebe VioCocoba,

genau so:)

Liebe Grüße, Anja

Antworten
wolldrache 19. April 2017 - 19:36

Liebe Anja,
vielen Dank für diesen Bericht.
Bei mir hat sich im Nachhinein ein „Ach, deshalb?!“-Gefühl eingestellt.

Bei meinem ersten Kind war ich in der 39+x Woche super erkältet, so dass ich damals gar nicht sicher war, ob das Fruchtwasser war, oder ich durch die Husterei nachts Urin verloren habe. Das war so nachts um drei. Da weiter nichts geschah, habe ich mich wieder schlafen gelegt, und morgens nochmal „kontrolliert“, aber nichts Ungewöhnliches feststellen können. Gegen 11 kam es mir dann doch so vor, als sei da Fruchtwasser dabei, und wir begaben uns ins Krankenhaus,
wo dann tatsächlich (durch vaginale Untersuchung) ein Blasenriss festgestellt wurde und die Geburt eingeleitet wurde.

Und nun die Erkenntnis: Ja, offensichtlich war ich auch noch nicht geburtsbereit. Wehen wollten und wollten sich nicht einstellen, und als es abends gegen 19 Uhr endlich mit Wehen losging, dauerte es doch bis früh um 4 … .

Im Nachhinein wäre mehr Wissen wohl gut gewesen, und wir evtl. zu einer anderen Entscheidung gekommen.
andererseits wurden bei meinem Sohn nach der Geburt erhöhte Entzündungswerte festgestellt, so dass er erst einmal 5 Tage eine Infusion erhielt (was widerum mangels Durst/Hunger zu Stillproblemen führte).

Die Erkältung hielt sich übrigens noch Tage nach der Geburt.
Aber gut zu wissen: Selbst bei starkem Husten und Hustenanfällen gibt’s Lutschtabletten, die man als Frisch-Stillende Mutter nehmen kann!

Alles gute Euch 6!

Antworten
Maria 19. April 2017 - 18:56

Als ich bei 40+5 war hatte ich auch einen Blasensprung aber keine Wehen. Meine Hebamme hat dann mit Massageöl, Globuli, Dampfbädern versucht diese anzuregen. Leider ohne Erfolg. Nach 18h musste ich in die Klinik zwecks Antibiose. Und am Morgen sollte eingeleitet werden. Meine kleine Maus hat sich dann aber doch nach 23h ohne Wehen entschieden das sie doch kommen will. Und 6h Später war Sie da. Das CTG war unter der Geburt auch Top. Eine Einleitung hätte ich aber auch nicht gewollt. Bin auf deinen Geburtsbericht gespannt 🙂 Lg Maria

Antworten
Susanne 19. April 2017 - 14:39

Schön, dass am Ende alles so geklappt hat! Zumal sich schon beim Lesen etwas Aufregung und Anspannung bei mir eingestellt hat 😉 Ich finde es sehr aufschlussreich und ermutigend zu lesen, dass man es auch so machen kann bzw. nicht immer automatisch so machen muss, wie das KH es sagt. Ich hatte bei jeder meiner drei Geburten eine Einleitung (einmal nach vorzeitigem BS, zweimal wg Schwangerschaftsdiabetes). Das war in dem Moment immer ok für mich, aber wie du schreibst, körperlich und auf jeden Fall emotional anstrengend war es! Besonders bei der zweiten Geburt, als drei Tage hintereinander eingeleitet wurde, bis meine Tochter in der dritten Nacht endlich kam.
Alles Gute weiterhin für eure Familie!
PS: Schade, dass ich euren Blog erst nach der Geburt unseres dritten Kindes gefunden habe 🙂 Aber wer weiß….

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Mother Birth 19. April 2017 - 14:33

Liebe Anja,

ich möchte dir ganz herzlich danken für diesen so wichtigen und informativen Artikel, der Alternativen zur obligatorischen Einleitung nach vorzeitigen Blasensprung und unzureichenden Wehen bzw. keiner Wehuntätigkeit aufzeigt. Und vor allem dass man nicht nur Stunden warten kann, sondern Tage und Wochen mit der entsprechenden Überwachung. Viele Frauen wissen von dieser Möglichkeit nicht und werden ehrlich gesagt auch nicht darüber aufgeklärt.
Mich beruhigt der Artikel sehr, da ich weiß, dass ich ein Wahl habe. Das war mir vorher so nicht wirklich bewusst.
Danke, danke, danke von Herzen <3
Bitte mach weiter so und kläre die Frauen über ihre Wahlmöglichkeiten auf!

Liebe Grüße und weiterhin ein wunderbares Wochenbett
Mother Birth

Antworten
Katja 19. April 2017 - 13:12

Liest sich gut. Ich bin mit Nr 4 zum ET 48 Std nach Blasensprung ins Krankenhaus das war ein Feiertag (Donnerstag früh) und außer Antibiotika hat das KH bis Sonntag Nacht als er dann spontan kam, nichts weiter gemacht. So einfach kann das auch im Krankenhaus sein

Antworten
Anja 19. April 2017 - 13:36

Liebe Katja,

wie schön, dass Ihr auch nicht in den Einleitungsstress geraten seid. Es ist schon kurios, wie unterschiedlich es auch innerhalb von verschiedenen Kliniken gehandhabt wird. Es gibt halt einfach kein Schema F, das für alle passt.
Gerade Geburtshilfe braucht eigentlich immer individuelle Entscheidungen, weil kein Verlauf wie der andere ist…

Liebe Grüße, Anja

Antworten
Stefanie 19. April 2017 - 21:33

Nicht nur in unterschiedlichen Kliniken, auch im gleichen KH bei unterschiedlichen Ärzten kann es so gehen. Bei mir lief es ähnlich, wie bei Katja und bei einer Freundin genau ein Monat später wurde nach 12 Stunden eingeleitet…

Antworten
Sandra 19. April 2017 - 13:08

Der Artikel ist ein super Start für mich in meinen persönlichen 10. Schwangerschaftsmonat! Was mich etwas irritiert ist, dass im Artikel rund 3 kg nur als „ganz gutes Gewicht“ bezeichnet werden und (zumindest lese ich das so raus) suggeriert wird, dass das eigentlich (viel) zu wenig ist. Meine Erstgeborene kam in 41+1 mit 3250g (so gesehen auch „rund 3kg“) auf die Welt, ein Gewicht, das ich bisher als sehr normal/durchschnittlich empfunden habe.

Antworten
Anja 19. April 2017 - 13:21

Liebe Sandra,

das bezieht sich nur ganz individuell auf die Gewichte „meiner Kinder“. Die beiden letzten hatten jeweils 4100 und 4300 Gramm. In Bezug darauf kamen mir drei Kilogramm einfach recht wenig vor 🙂
Die Bandbreite um den ET herum ist ja wirklich breit- manche wiegen 2700 Gramm und andere fast das Doppelte. Der Durchschnitt liegt glaube ich sogar bei 3300 Gramm- also alles gut und „normal“ bei Dir:)

Liebe Grüße, Anja

Antworten
Frische Brise 19. April 2017 - 12:58

Eine spannende Zeit liegt hinter Euch!

Wie schön, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt und eine gute Betreuung dafür hattet. Diese Möglichkeit haben wahrscheinlich nur sehr wenige Schwangere.

Antworten
Laurie 19. April 2017 - 12:13

Schön, einfach nur schön! ❤️

Antworten
Sophie (Kinder haben ...und glücklich leben!) 19. April 2017 - 12:02

Ganz schön spannend, wie deine letzten Schwangerschaft geendet ist. Und so toll, dass ihr abwarten konntet und am Ende alles ganz natürlich ablaufen konnte! Ich habe noch eine Wissensdurst-Frage an dich: Wie habt ihr das denn genau mit dem Antibiotikum gehändelt? Sofort nach Blasensprung und dann wie lange? Und weißt du, wie hoch die Risiken eingeschätzt werden, wenn man keine Antibiotika-Prophylaxe macht?

Antworten
Anja 19. April 2017 - 12:29

Liebe Sophie,
in den Leitlinien (die aber derzeit überarbeitet werden), wird die Antibiose nach 18 Stunden empfohlen: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-029_S1_Empfehlungen_zum_Vorgehen_beim_vorzeitigen_Blasensprung_06-2006_06-2011_01.pdf
Es gibt verschiedene Varianten. Einmalige Gaben über die Vene oder auch oral über einen längeren Zeitraum, so wie wir es gemacht haben.
Ganz eindeutig ist der Effekt der prophylaktischen Antibiose auch nicht geklärt. Die Datenlage dazu auch eher unzureichend:
http://www.cochrane.org/de/CD001807/antibiotika-fuer-frauen-die-nahe-am-geburtstermin-einen-blasensprung-ohne-wehentaetigkeit-haben

Es ist also auch hier ein individuelles Abwägen, wie man es handhabt. Da ich ja vor bzw. zum Zeitpunkt des BS auch immer noch etwas mit einem Erkältungsinfekt zu tun hatte, war die Antibiotika- Gabe für mich stimmig.

Liebe Grüße, Anja

Antworten
Franka 19. April 2017 - 10:38

So schön zu lesen, wie du und dein ganzes Dorf auf deinen Körper hören. ❤️
Alles Liebe!

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