Meine Schwangerschaft: der zweite Monat

von Anja

Nachdem mir also der Test nach dem Test nach dem Test bestätigt hat, wirklich schwanger zu sein, kommen auch gleich im zweiten Monat, der von der 5. bis zur 8. Schwangerschaftswoche geht, erste typische Anzeichen dazu. Der Appetit auf gerade noch gerne gegessene Lebensmittel verschwindet. Statt dessen könnte ich den ganzen Tag Toast – immerhin die Vollkornvariante – mit Avocado und Tomate darauf essen.

Die Kinder wissen noch nichts von all dem, was da gerade in mir passiert. Und trotzdem sagt der Dreijährige in der 5. Schwangerschaftswoche plötzlich ganz unvermittelt: „Mama, ich habe ein Baby im Bauch. Und Du auch, Mama.“ Zufall oder kindliche Vorahnung? Ich weiß es nicht, aber freue mich, dass ich ja wirklich ein Baby im Bauch habe.

In der 6. Schwangerschaftswoche schlagen dann Übelkeit und eine bleierne Müdigkeit im Doppelpack zu. Ich schleppe mich durch den Tag und brauche für alles Ewigkeiten. Damit die Kinder nicht denken, ich wäre schwer krank oder so, beschließen wir, ihnen zu sagen, dass ein Geschwisterchen unterwegs ist. Dafür pinkele ich noch mal auf so einen digitalen Test, der dann das Wörtchen „schwanger“ anzeigt – denn zwei von drei Kindern können ja bereits lesen. Wir verpacken das ganze nett und machen ein Picknick im Wald, wo wir das kleine „Geschenk“ überreichen. Die Kinder packen aus und die kleine Tochter wundert sich über das Fieberthermometer. Wissend klärt die große Schwester auf: „Nein, das ist doch so ein elektrisches Ding, was gegen Mückenstiche hilft. Das habe ich in einer Zeitung von Mama gesehen.“ Erst dann lesen sie und verstehen, was wir ihnen eigentlich sagen wollten.

Die Freude ist riesig und ich habe fast ein wenig Sorge, dass wir es doch zu früh verraten haben. Aber genau wie die Kinder wollen wir auch von Anfang an guter Hoffnung sein. Der beste Zeitpunkt, es den Kindern zu sagen ist wohl, wenn es sich einfach richtig anfühlt. Auch als damals unser Kindchen in der 12. SSW wieder gegangen ist, wussten sie es schon ein paar Wochen, dass ich schwanger bin. Wir haben uns gemeinsam auf dieses Kind gefreut und genauso gemeinsam Abschied genommen und getrauert. Und ich möchte keinen Tag haben, an dem ich mich nicht auf eines meiner Kinder freuen würde, egal wie klein oder groß sie sind. Die Kinder sind auch ein bisschen froh zu hören, dass meine „schlechte Verfassung“ einen so schönen Hintergrund hat. Jetzt kann ich zu Hause also auch ganz offiziell kotzen und ständig einschlafen.

Wow, wir bekommen wirklich ein viertes Kind

An manchen Tagen habe ich mich echt um 11.15 Uhr für einen Mittagsschlaf hingelegt. Zum Glück hatte ich in der Zeit nicht so viele Hausbesuche und konnte mir diese auf Zeiten legen, in denen es mir nicht ganz so oll ging. Aber der Berg auf dem Schreibtisch wuchs und wuchs. Dabei standen für dieses Jahr noch acht Vorträge an, die auch vorbereitet sein wollen. Aber Müdigkeit und Übelkeit verlangsamten mich ordentlich. Aber so kannte ich das auch aus allen bisherigen Frühschwangerschaften.

Ein Tagebucheintrag aus der siebten Schwangerschaftswoche sagt einfach nur: „Müde, übel. Übel, müde. Und trotzdem glücklich.“ Das beschreibt diese Wochen wohl am besten. Zwischendurch kommt auch immer mal die für die erste Phase der Schwangerschaft typische Angst, dass doch irgendwas sein könnte. Und bei jedem WC-Gang schaue ich, ob auch ja keine Blutung da ist. Trotzdem überwiegt immer wieder die Zuversicht und die gute Hoffnung. Auch das gibt mir ein gutes Gefühl, weil sich die Schwangerschaft mit der Fehlgeburt von Anfang an irgendwie nicht so richtig gut anfühlte. Viele Frauen spüren ja, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Und ich glaube, genauso spüren wir, dass es unserem Baby gut geht.

Auch ein paar enge Freundinnen sind mittlerweile eingeweiht – und auch damit wird alles noch ein bisschen realer. Wow, wir bekommen wirklich ein viertes Kind. Die Kinder wollen immer wieder wissen, wie groß das „Sesamkörchen“ mittlerweile gewachsen ist und es ist auch immer wieder schön, in diesem Kontext mit ihnen über „ihre“ Schwangerschaften und Geburten zu sprechen. Es ist schon ein riesiges Wunder, dass diese drei kleinen großen Menschen auch einst so winzig waren.

Phase des Wohlbefindens darf beginnen

Ich übe auch schon mal fleißig für den zukünftigen Schlafmangel mit Baby und renne jede Nacht mindestens drei mal auf die Toilette. Da Christian davon jedes Mal wach wird, trennen wir uns in dieser Zeit nachts räumlich, denn er muss morgens früh aufstehen, wenn ich mit meiner übermüdeten Übelkeit nicht aus dem Bett komme. Und schon gar nicht den Kindern irgendwas Essbares zubereiten könnte, denn nahezu alles ist „sooo ekelig“. Selbst Wasser kann ich gerade nicht mehr trinken, dafür steht lauwarmer Fencheltee mit etwas Traubensaft gemischt recht hoch im Kurs. Und beim Essen gilt: Ich esse einfach das, was gerade geht. Beim Planen der Familienmahlzeiten bin ich in diesen Wochen komplett raus.

Gefühlt vergeht dieser zweite Monat extrem langsam, aber das liegt wohl auch an meiner insgesamt sehr verlangsamten Verfassung. Wenn die drei Kinder nicht hier rumspringen würden, am liebsten hätte ich mich wohl einfach in den ersten Monaten mit einer Kanne Fencheltee und Traubensaft aufs Sofa gelegt und wäre gar nicht mehr aufgestanden. Aber Kinder und Beruf sorgen doch immer wieder dafür, sich den Hormonen nicht völlig hinzugeben. Außerdem ist ja ein Ende dieser Phase in Sicht. Zumindest war bisher der Spuk immer nach zwölf bis vierzehn Schwangerschaftswochen vorbei – und die „Phase des Wohlbefindens“ darf beginnen.

Wer mehr von dieser Schwangerschaft lesen will:
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9 Kommentare

Irene 8. Januar 2017 - 16:51

So schön. Und alles Gute.

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Meine Wunschgeburt 13. Dezember 2016 - 12:14

Herzlichen Glückwunsch! Das sind ja tolle Neuigkeiten, die ich da lese. Alles Liebe für die Schwangerschaft und möge die Übelkeit rasch vorbei gehen. liebe Grüße Ute

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Sandra 12. Dezember 2016 - 17:08

Mein Sohn sagte auch vor 2 Tagen zu mir, er habe ein Baby im Bauch. Keine Ahnung, wie er darauf kommt. Habe heute positiv getestet… 🙂

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Frau B. von der Kinderbibliothek 12. Dezember 2016 - 15:44

Jetzt erst gelesen. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für die nächsten Wochen, Monate!

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swantje r 12. Dezember 2016 - 13:53

Ich habe mich ähnlich im Oktober gefühlt. Übelkeit, müde, Lustlos, Appetitlosigkeit, Hunger und gefroren habe ich wie sau. Das meiste war nach 4 Wochen dann besser. Habe gegen die Übelkeit (war eher Hunger Übelkeit, als spucken) die ganze Zeit Kilos von Tomaten gegessen. Sport hat mir auch sehr geholfen oder abgelenkt ( wenn man sich denn hinbewegt hat!) meine erste ss war so easy da war ich eigentlich nur zwei Wochen wie frisch verliebt. Jetzt mit einem zweijährigen zerrt es sehr. Das mit dem auf die Toilette gehen war auch so schlimm 3x Nachts und dann Tagsüber immer die Sorge. Es fühlt sich durch den Ausfluss auch immer so an als würde es eventuell bluten.

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Anna 12. Dezember 2016 - 10:30

Ich finde es toll, dass Du auch als “Profi” so ehrlich über die zeitweisen Unsicherheiten und Befindlichkeiten berichtest, die offenbar viele Frauen – trotz der hoffentlich überwiegenden Freude – gelegentlich überkommen. Das ganz normale, trotzdem für jeden einmalige Empfinden zu lesen finde ich sehr angenehm. Alles Gute für die weitere Zeit!

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2KindChaos 12. Dezember 2016 - 10:23

Oh wie schön, hab das jetzt erst mitbekommen 🙂 Ganz herzlichen Glückwunsch!! <3

Liebe Grüße, Frida

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GirlOnADragon 12. Dezember 2016 - 09:34

Ohja, ich glaube das kennen wir alle mehr oder weniger gut. Ich habe zwar nur ein Kind, welches leider noch nicht versteht was vor sich geht, aber diese Müdigkeit…. Und die Arbeit geht auch viel l angsamer voran. Zum Glück ist mir kaum übel. Aber auch ich weiß ja, dass es bald vorbei ist. noch 5-7 Wochen. Dürfte also etwa so weit sein wie du!? Dann wird alles besser… Nur Geduld! Ich wünsche dir alles alles Gute und wenn du magst, dann schau doch mal auf meinem Blog vorbei.

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Miriam 12. Dezember 2016 - 08:40

Oh wie gut ich das kenne! Ich war im Sommer in der gleichen Situation. 4. Schwangerschaft, 5. Kind (unsere 4. Tochter ist unser Pflegekind). Ich hab einfach nichts mehr geschafft… mittlerweile bin ich in der 35. Woche angekommen und staune, wie gut es mir geht. Ich habe ein Studium begonnen (da es so schwierig war, einen Platz zu bekommen und die Schwangerschaft eine große Überraschung war) unnd lerne gerade für die letzten Klausuren. Lass dich ermutigen, es wird besser!! Alles Gute!

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