Stillen, lernen, erlernen

Stillen lässt sich erlernen

von Anja

Dies ist der siebte Beitrag in unserer Reihe „Stillen ist bunt“ (alle weiteren findet ihr gesammelt hier), in dem Julia aus Braunschweig ihre Stillgeschichte erzählt. Die 31-Jährige stillt ihre dreieinhalb Monate alte Tochter Amalia. Sie ist frisch verheiratet und arbeitet als angestellte Redakteurin für die Westermann-Gruppe. Amalia ist ihr erstes Kind. “Insofern ist es für uns alles komplett neu und aufregend”, schreibt sie. Julia liebt Yoga, geht gerne schwimmen und joggen. “Ich brauche immer etwas zu tun. Deshalb habe ich jetzt in meiner Elternzeit eine Autorenschulung angefangen und hoffe, dass ich durch den Perspektivwechsel ein bisschen was dazu lerne.” Bei Instagram ist sie als Julia.und.Amalia unterwegs.

Julias Erinnerungen an den Beginn der Stillzeit sind noch sehr frisch, denn ihre kleine Tochter ist erst vier Monate alt. Der Stillstart nicht ganz einfach. Doch Stillen lässt sich erlernen, schreibt sie. Und tatsächlich braucht es oft etwas Zeit, bis sich das Stillen zwischen Mutter und Kind eingespielt hat. In dieser Zeit brauchen Mütter vor allem Bestärkung und nicht noch mehr Verunsicherung in dieser sensiblen Zeit kurz nach der Geburt. Oft braucht es also mehr Zuspruch als noch mehr Salben oder Desinfektionsmittel.

Stillen als schönste (Neben-)Sache der Welt

Was hast du vor deiner Schwangerschaft über das Stillen gedacht bzw. welche Erfahrungen mit dem Thema gemacht?
Ich selbst hatte keine Erfahrungen, für mich war es „Neuland“, was ich betreten hatte. Deshalb habe ich mich während meiner Schwangerschaft schlau gelesen und einen Stillkurs besucht, in dem man theoretisch und mit Puppe darauf vorbereitet wurde. Ich weiß, es klingt ganz schön kitschig, aber es hat wirklich geholfen!

Wie hast du dich vor der Geburt über das Thema informiert? Gab es Wünsche und Vorstellungen in Bezug auf die vor euch liegende Stillzeit?
Meine Mutter hatte keine positiven Erfahrungen mit dem Stillen bei mir als erste Tochter. Ich wurde bereits nach drei Monaten aus der Flasche ernährt, weil man ihr sagte, sie habe zu wenig Milch. Deshalb hatte ich schon ein bisschen Angst, vorbelastet zu sein. Das stellte sich jedoch als ein großer kleiner Irrtum heraus, denn anders als die Entbindung lässt sich Stillen gut erlernen. Natürlich ist es vor allem in den ersten Tagen schwierig und tut doch ganz schön weh. Aber der Schmerz geht vorbei und dann wird das Stillen zur schönsten (Neben-)Sache der Welt!

Wie verlief der Stillstart und wie ging es dir und Deinem Baby dabei? Welchen Einfluss hatte die Geburt auf eure ersten Stillmomente?
Unsere ersten Stillmomente waren so richtig neu, wobei die Verunsicherung nur auf meiner Seite zu finden war. Amalia wusste von Anfang an, was zu tun war. Die ersten Wochen war ich auch wirklich nicht so unverkrampft. Ich war vielmehr mit desinfizieren und einsalben beschäftigt. Denn es tat wirklich am Anfang vor allem unheimlich weh.

Ganz auf mich abgestimmte Stillberatung

Wie lief das Stillen im Wochenbett? Hattest du in dieser Zeit Unterstützung?
Es wurde mit der Zeit wirklich besser! Meine Hebamme war mir eine große Unterstützung. Und ich hatte unheimliches Glück in den ersten Tagen im Krankenhaus, eine ganz auf mich abgestimmte Stillberatung zu bekommen. Denn die Krankenschwester, die den Stillkurs gegeben hatte, war da und hat mich in den ersten 48 Stunden wirklich sehr gut unterstützt.

Wer war bei Fragen oder Problemen in der Stillzeit für Dich da? Wer oder was hat Dir besonders gut bei etwaigen Schwierigkeiten geholfen?
Ganz klar meine Hebamme.

Wie verlief der Beikostbeginn? Welche Erwartungen gab es? Und wie hat sich das Stillen in dieser Zeit verändert?
Die Beikost-Zugabe erwartet uns noch, ehrlich gesagt. Ich bin aber schon sehr gespannt, wie sich das Stillen dann einstellen wird. Der Kinderarzt deutete schon gewisse Entwicklungstendenzen an, aber wie die Theorie dann in der Praxis funktionieren wird, wird sich zeigen!

Beikost soll gewisse Stillphasen ersetzen

Wie verlief der Abstillprozess bzw. welche Wünsche oder Vorstellungen hast du in Bezug auf diese Zeit?
Ich wünsche mir, dass wir einen gemeinsamen Weg finden, bei dem die Kleine und auch ich glücklich werden und uns darauf einstimmen können, dass die Beikost gewisse Stillphasen ersetzen wird! Gleichzeitig kann ich mir aber auch gut vorstellen, dass wir die übrigen Stillphasen – vor allem die am Abend und in der Nacht – intensiver wahrnehmen werden.

Was war oder ist das Schönste für dich am Stillen?
Das deckt sich mit dem, was ich bereits gesagt habe: Intimität und Beziehung.

Was war am schwersten oder belastendsten für dich in der Stillzeit?
Der Übergang von der Erstmilch auf die normale Stillmilch.

Was würdest du in einer weiteren Stillzeit anders machen? Was ist deine wichtigste Erkenntnis in Bezug auf das Stillen, die du anderen Müttern weitergeben würdest?
Ich würde alles wieder genau so machen. Vielleicht nicht mehr kiloweise die Stillsalbe am Anfang auftragen – das war bestimmt ein bisschen übertrieben. Es lohnt sich, sich und dem Kind am Anfang Zeit und Geduld zu geben. Auch wenn es am Anfang viel Hingabe und gewissermaßen Aufopferung bedeutet, wird es im Verlauf der Zeit zur schönsten Nebensache der Welt.

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