Von guten Großeltern, Oma, Opa

Von guten Großeltern

von Anja

Liebe Großeltern,

meine allerherzlichsten Glückwünsche zu eurem Enkelkind.

Doch wir müssen reden, denn manchmal macht ihr es uns Hebammen schwer. Aber es geht hier gar nicht um uns, sondern um eure Kinder, die gerade selbst zum ersten Mal Eltern geworden sind. Und ihr zum ersten Mal Großeltern, was wahrscheinlich genauso aufregend ist. Nur dass ihr euch jetzt doppelt so viele Gedanken macht – um eure Kinder und um das Enkelkind, das gerade geboren wurde.

Die jungen Eltern machen sich auch viele Gedanken und versuchen, im Wirrwarr von Informationen, Expertentipps und guten Ratschlägen ihren eigenen Weg zu finden. Dabei versuchen wir Hebammen ihnen zu helfen und ihre eigene meist sehr richtige Intuition in Bezug auf das Elterndasein zu stärken. Während die gut gemeinten Tipps der anderen vielleicht noch halbwegs ignoriert werden können, wenn sie für die Eltern nicht passen – so haben eure Worte doch oft viel mehr Gewicht. Was ihr sagt oder empfehlt, nehmen sich eure Kinder zu Herzen. Und das auch, wenn sie selbst eigentlich ganz anderer Meinung sind.

Hormoneller Ausnahmezustand

Gerade Mütter im hormonellen Ausnahmezustand nach der Geburt sind extrem empfänglich für subtil geäußerte Kritik an ihrem Tun. Sie sind sehr verletzlich, wenn das Gefühl entsteht, dass sie „falsch“ mit ihrem Kind umgehen. Ich weiß, dass ihr das meist gar nicht so meint, wenn ihr fragt, wann das Kind denn endlich mal was „Richtiges“ zu essen bekommt oder in Frage stellt, ob es sinnvoll ist, dass Kind bei jedem „Pieps“ immer auf den Arm zu nehmen.

Einiges habt ihr genauso gemacht, vieles habt ihr anders gemacht. Jede Zeit hat ihre eigenen Wege und Empfehlungen. Aber gerade in der Zeit, in der eure Kinder geboren wurden, hat man es Eltern oft nicht leicht gemacht, auf ihr Bauchgefühl zu hören. So wurde etwa früher gerne behauptet, dass das Schreienlassen die Lungen stärkt und nur ein vierstündiger Still- oder Fütterrhythmus für ein gutes Gedeihen des Kindes sorgt. Schon so einige Großmütter haben mir erzählt, dass sich das alles oft falsch für sie anfühlte und sie es dann doch anders gemacht haben. Aber genau wie die Eltern heute wart auch ihr sicher oft sehr verunsichert und habt gehofft, durch die Ratschläge der Experten das Beste für euer Kind zu tun. Und das habt ihr sicher auch getan mit dem Wissen, was euch zu dem Zeitpunkt zur Verfügung stand.

Vieles ist heute anders

Viele Empfehlungen haben sich mittlerweile geändert. So wird statt striktem Fütterrhythmus ein Stillen nach Bedarf empfohlen. Die Babys sollen viel im Körperkontakt mit ihren Eltern sein, statt sie „nur satt und sauber“ in der Wiege abzulegen. Die Kinder sollen möglichst im Nahbereich der Mütter schlafen statt in einem extra Kinderzimmer. Und mit der Beikost wird auch gewartet, bis das Kind selbst mit agieren kann. Und es gibt noch viele, viele Dinge, die mittlerweile ganz anders sind, als ihr sie kennt.

Wenn ihr dann der dauerstillenden Tochter oder Schwiegertochter den frühen Schnullergebrauch empfehlt, macht ihr das sicher mit der guten Absicht, sie zu entlasten. Dass dies aber anfangs das Stillen empfindlich irritieren kann, ist vielleicht ganz neu für euch. Auch der wahrscheinlich nett gemeinte Ratschlag, dem Baby doch einfach die Flasche zu geben, wenn eine Mutter gerade ums Stillen kämpft, ist deshalb genauso unpassend wie die Äußerung, dass das Kind total verzogen wird, wenn es die Eltern bei jeder Gelegenheit auf den Arm nehmen. Ob das Tragetuch das Richtige für den kleinen Babyrücken ist… ja auch darüber macht ihr euch Gedanken, weil ihr diese Transportmethode wahrscheinlich gar nicht aus eigener Erfahrung kennt.

Das Beste fürs Kind

Auf ein interessiertes Nachfragen bekommt ihr sicher auch eine schlüssige Antwort von euren Kindern. Auch wir Hebammen klären gerne darüber auf, weshalb Dinge so empfohlen werden oder auch nicht. Entscheiden tun aber immer die Eltern, denn sie sind die Experten für ihr Kind. Wenn aber den „Anfänger-Eltern“ erzählt wird, dass sie die Dinge besser anders machen sollten oder sogar womöglich noch selbst Schuld daran sind, dass Situationen anstrengend werden oder sie sich erschöpft und müde fühlen, dann wird das meist als pure Kritik aufgefasst. Kritik an der gerade eingenommenen Elternrolle. Und das ist das Letzte, was Mütter und Väter im Wochenbett gebrauchen können, wenn sie gerade in ihr Elternsein hinein wachsen.

Oft sagen sie nichts dazu, aber manchmal ist die innere Aufregung darüber so groß, dass der Stress einen Milchstau verursacht oder die Tränen fließen, wenn sie uns Hebammen später von eurem Besuch erzählen. Denn genau wie ihr wollen sie das Beste für ihr Kind – und sie wollen es möglichst richtig machen. Und sie wollen hören, dass sie es richtig machen. Von uns Hebammen, aber vor allem von euch. Mütter blühen geradezu auf, wenn sie von der eigenen Mutter gesagt bekommen, dass sie ihre Sache wunderbar machen. Auch Söhne und Schwiegersöhne hören das gerne mal über ihren nicht einfachen Job als Wochenbettmanager.

Vertrauen und Loslassen

Eure Anfangszeit mit einem Baby – sie ist lange her. Die Natur sorgt dafür, dass wir als Eltern ganz schnell die anstrengenden Zeiten vergessen, wahrscheinlich damit wir doch mehr als ein Kind bekommen. Aber vielleicht erinnert ihr euch doch noch an eure ersten Wochen als unsichere Eltern zurück. Vielleicht erinnert ihr euch daran, was euch gut getan hat und was nicht. Und wie euch diese vielen „guten Tipps“ der anderen bisweilen genervt haben. Dass eure Kinder jetzt vieles anders machen, heißt übrigens absolut nicht, dass ihr „alles falsch“ gemacht habt. Ganz bestimmt nicht. Denn schließlich hat eure Begleitung eure Kinder auf ihrem Lebensweg zu den Menschen gemacht, die sie jetzt sind. Und es ist gut, wenn Kinder selbstbewusst Dinge anders machen und ihren eigenen Weg finden, ob generell im Leben oder eben als junge Eltern.

Eltern sein heißt ein Leben lang, den eigenen Kindern zu vertrauen und sie immer wieder loszulassen. Aber auch in jenen Momenten da zu sein, wenn sie einen wieder brauchen.

Ganz konkret brauchen junge Eltern im Wochenbett also ebenso wenig diverse gute Ratschläge wie zahlreiche Spieluhren oder den hundertsten Strampler für das Baby. Dafür mögen sie ein bisschen Hilfe im Haushalt, eine mit Liebe gekochte Wochenbettsuppe und immer wieder etwas Lob und Anerkennung für das, was sie tun. All das trägt zu einer entspannten Wochenbettzeit bei. Genauso wichtig ist es, das Bedürfnis der neuen kleinen Familie nach Rückzug immer wieder zu respektieren. Es sind schließlich Babyflitterwochen – und in die Flitterwochen nimmt man ja in der Regel auch nicht Eltern und Schwiegereltern mit.

Unangekündigter Überraschungsbesuch passt also nicht so gut ins Wochenbett. Wenn ihr unsicher seid, wie ihr die junge Familie unterstützen könnt – einfach ehrlich fragen. Das bietet sich übrigens auch bei Geschenken an. Fragt auch nach, wenn euch Dinge im Umgang mit dem Baby seltsam erscheinen. Ihr werdet in der Regel eine schlüssige Erklärung bekommen – von den Eltern oder von uns Hebammen. Lasst euch auf Neues ein, ob es die Spazierrunde mit dem Enkelchen im Tragetuch oder die Tatsache ist, dass ihr später Gemüsesticks fürs Enkelkind dünstet, die es selbst isst anstatt gefüttert zu werden.

Lasst euch einfach auf das ein, was eure Kinder für sinnvoll erachten. Die wissen schon, was sie tun. Sie sind ja schließlich auch von guten Eltern. Genießt eure Kinder und Enkelkinder!

Liebe Grüße von eurer Enkelkind-Hebamme.

PS: Und ja, ich treffe auch immer wieder Großeltern, die in der Wochenbettzeit ganz wunderbar einfach die Bedürfnisse der jungen Familien unterstützen und überhaupt keine ungebetenen Tipps verteilen. Weil ich nicht sicher bin, ob wir das auch so toll hinkriegen, drucke ich das hier Geschriebene schon mal in weiser Voraussicht meinen Kindern aus, damit sie uns das später in die Hand drücken können. Denn auch unsere Kinder werden bestimmt einige Dinge anders machen. Sollen sie auch…

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34 Kommentare

ᐅ Baby 11. Woche: So entwickelt sich dein Baby 7. Februar 2020 - 16:33

[…] Anja schreibt in einem Brief auf ihrem Blog vonguteneltern.de, was Großeltern im Umgang mit ihren Kindern und deren Enkeln wissen sollten. Vielleicht druckst du ihren Text auch einfach nur aus und überreichst ihn in einer stillen […]

Antworten
Anja Dorn 9. September 2019 - 21:55

Liebe Anja,

deine Worte sind wunderbar.

Ich bin Kursleiterin für Hypnobirthing und gebe meinen Teilnehmerinnen gern liebe Infos mit. Darf ich diesen tollen Brief in meine Mappe mit aufnehmen? Die Mappe gibt es als Info kostenfrei von mir dazu (also kein Werbemittel und auch kein Verkauf). 🙂 Gern würde ich deinen Artikel auch auf meiner Seite weiter empfehlen, wenn ich darf.

Herzlich liebe Grüße
Anja

Antworten
Anja 9. September 2019 - 22:42

Liebe Anja,

der Großeleltern-Brief wurde 2016 in der österr. Hebammenzeitung abgedruckt und 2017 im Hebammenforum, wo es ihn auch als Kopiervorlage für Kurse etc. gab (siehe https://www.vonguteneltern.de/wir-woanders-pressespiegel/ ).
Hier kannst Du ihn direkt downloaden: https://www.hebammenverband.de/hebammenforum/materialien-zum-herunterladen/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&g=0&t=1575924085&hash=64426cf0671857fa0add9b564b9b64231b90f93d&file=/fileadmin/user_upload/pdf/Hebammenforum/grosseltern3a.pdf

Liebe Grüße,

Anja

Antworten
Rocio Stamm 20. Dezember 2018 - 21:28

Schade gibts den Artikel nicht auf Spanisch damit ich es weiterreichen könnte. WIE WAR DIE WORTE.

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Mimi 16. November 2016 - 14:13

Super geschrieben!
Meine Schwiegereltern (mit denen wir im gleichen Haushalt leben) gehen zum Glück ganz toll mit unserer Tochter (10 Monate alt) um. Es gab und gibt zwar immer wieder die üblichen Tips, („Soll sie nicht mal in ihrem eigenen Bett schlafen?“) aber sie sind nie forsch oder drängend, da ich ein ziemlicher Klugscheißer bin und meine Schwiegermama weiß, dass ich meine „Methoden“ immer wissenschaftlich untermauern kann. 😉
Aber ich kann auch jedem nur den Tip geben: kontern, kontern, kontern! Und nicht müde werden. Wir sind die Sorgeberechtigten und müssen schließlich die Konsequenzen tragen.

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Enttäuscht 8. August 2016 - 20:29

Tja bei mir war es leider andersrum.
DIe Hebamme verlangte und kommandierte. Die Hebamme riet zu schreienlassen, Abstände ziehen, abstillen mit 3 Monaten etc.
Meine Mutter hat mich und meine Mutterfindung unterstützt! Sie hat mir den nötigen Freiraum gelassen mich als Mutter zu finden. Sie hat mich wirklich begleitet!
Es gibt auch schlechte Hebammen! Nur leider will keiner die Kritik hören! Weder Hebammenverband, Krankenkasse noch andere Mütter. Die Hebamme wird auf ein Podest gestellt und ist unanatastbar. Das finde ich furchtbar. Vor allem, wenn sie schlicht falsche oder veraltete Ansichten vertritt und/oder ihre Kompetenzen überschreitet. (Meine war obendrein gegen Impfen! Da rückte sie aber erst während der Wochenbettbetreuung mit raus! )

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Anja 8. August 2016 - 22:47

Wie schade, dass Du so schlechte Erfahrungen machen musstest und wie gut aber, dass Deine Mama Dich in dieser Zeit so gut unterstützen konnte. Wie in jedem Beruf gibt es auch bei den Hebammen welche, die ihre Arbeit nicht gut machen und leider auch veraltetes Wissen weitergeben. Darauf darf und sollte man auch aufmerksam machen bzw. auch der jeweiligen Kollegin diese Rückmeldung geben. Und die persönliche Einstellung einer Hebamme zum Impfen hat natürlich überhaupt nichts in der Betreuung verloren. Impfberatung ist eine Ärzten vorbehaltene Tätigkeit ist und Hebammen dürfen und können da ganz klar gar keine Empfehlungen aussprechen, sondern die Eltern nur auf Informations- und Beratungsmöglichkeiten zu den jeweiligen Vorsorgeuntersuchungen hinweisen bzw. macht das ohnehin in der Regel die Kinderarztpraxis. Ich hoffe, dass Dein Bild von der Hebammenarbeit durch diese schlechte Erfahrung trotzdem nicht komplett erschüttert wurde. Alles Gute für Dich und liebe Grüße, Anja

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Hiltrud Modest 19. Juni 2021 - 10:54

Danke für die offenen Worte,denen ich eben so offen widersprechen möchte.Ich bin 71 Jahre alt, habe 42 Jahre unterrichtet, habe drei Kinder großgezogen,habe jetzt sieben Enkelkinder. Ein grosses Geschenk. In meiner Jugend hat mich meine Mutter,Kinderärztin mit vier eigenen Kindern, mich oft einbezogen und mitgenommen zu Mütterberatungen und Impfterminen, wenn eine Schreibkraft ausgefallen war.Auch ich wollte mich von meiner Mutter unterscheiden,na klar! Aber es gab Gemeinsamkeiten:die grosse Freude am Weiterlernen ,insbesondere, wenn es dem Nachwuchs dienlich ist!Nein, Erfahrungen älterer Menschen muss niemand fürchten.Erfahrung ist ein sehr gutes Fundament zum Weiterlernen,nicht die pure Besserwisserei,ch halte das für altersrassistisch,damit entschiedenst abzulehnen.
Anlässlich der Geburten unserer Enkelkinder habe ich Beleg- und Nachsorgehebammen kennengelernt. Jede war anders, jede gab ihr Bestes.Darin sehe ich keinen Gegensatz zu Grosseltern. Zwei Konfliktlinien möchte ich ansprechen, weil ich sie für abträglich halte
für die jungen Familien.

1. ) Die Verteilung der Pflichten zwischen Beleghebamme und von der Klinik angestelltem Personal.
2.) Die abwehrende Haltung einiger Nachsorgehebammen nicht nur gegenüber Grosseltern (Zurückgrüssen dient der entspannten Atmosphäre, die wir in dieser sensiblen Situation alle brauchen),sondern auch gegenüber Kinderärzten, bishin zur Neonatologie von Deutschlands berühmtestenr Universitätsklinik .Wie ist es möglich, dass eine Hebamne junge Eltern dorthin schickt wegen Neugeborenenikterus,den weiteren Kontakt aber untersagt,da die Klinik den unterernährten Säugling mit Flaschennahrung versorgt hat. Die Neonatologen sind nicht verwandt,im berufstätigen Alter, hoch qualifiziert und doch auf genau dem Index ,auf dem sich die Grosseltern kollektiv befinden.

Und noch eines: Kranken – und Notarztwagen fahren manchmal von der Hebamme zur ärztlichen Behandlung, auf dem umgekehrten Weg gibt es kein Blaulicht!

Das alles können wir als Gesellschaft besser machen, gemeinsam, respektvoll, mit Erfahrung und Offenheit für neues Lernfutter und ganz viel Liebe zum Nachwuchs,die wir alle haben.

Antworten
Anja 19. Juni 2021 - 12:54

Liebe Frau Modest,

vielen Dank für Ihren Kommentar und ihre hier geteilten Erfahrungen. Sicherlich gehören Sie bei den Gedanken, die Sie sich machen, zu den unter P.S. genannten Großeltern. Ich schreibe hier vor allem über die immer wieder in 20 Jahren Hebammenarbeit gemachten Erfahrungen und die Erzählungen der Familien im Wochenbett. Natürlich inkludiert das niemals sämtliche Großeltern und alle erdenkbaren Situationen, sondern nur die recht häufig vorkommenden Fragen und möglichen Schwierigkeiten.
Aus ihren Worten entnehme ich, dass ihre Tochter/ Schwiegertochter oder ihr Sohn/ Schwiergersohn an einigen Stellen keine guten Erfahrungen mit der Hebammenbetreuung gemacht hat. Großeltern zu grüßen, ihnen ebenso zu gratulieren und auch Fragen zu beantworten, ist ja wohl selbstverständlich- sie sind ein wichtiger Teil der begleiteten Familie. Aber ja, das gibt es natürlich genauso, dass in diesem Kontext keine gute und professionelle Arbeit geleistet wird. Regulär arbeiten wir Hebammen natürlich mit Ärzt:innen, Kliniken und anderen Gesundheitsfachberufen interdisziplinär zusammen. Dies ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Arbeit, weil sich unser Aufgabenfeld im Bereich der Physiologie bewegt. Wenn Situationen auffällig oder gar pathologisch werden, müssen wir immer andere Berufsgruppen hinzuziehen. Und ich bin persönlich sehr dankbar, dass es Gynäkolog:innen, Kinderärzt:innen, Psycholog:innen und diverse andere wichtige und wertvolle heilkundliche und therapeutische Angebote gibt. Es ist immer unschön- vor allem für die Eltern (aber sicherlich auch für die mit betroffenen Großeltern), wenn es hier zu konfliktträchtigen Situationen kommt. Es geht- wie eben auch im Text geschrieben- um die Befindlichkeiten der frisch geborenen Familie- und nicht um die Meinung der anderen. Auch als Hebammen geben wir den Eltern nur Informationen (auf Grundlage der aktuell vorliegenden Evidenz- und ja, diese ändert sich auch immer wieder mal), mit denen Sie IHRE Entscheidung und IHREN Weg finden sollen. Natürlich dürfen und sollen dazu auch Erfahrungen von Familie und Freunden gehören. Die Frage ist aber immer, ob der Rat an dieser Stelle von den Eltern gerade gewünscht ist und vor allem, wie er weitergeben wird. Eine Erfahrung zu erzählen hat ja einen ganz anderen Charakter als jemandem zu sagen, dass er es aber besser so und so zu machen hat. Gerade in der emotional instabilen Wochenbettzeit hinterlassen oft schon kleine unbedacht dahin gesagte Worte größere Spuren bei den jungen Eltern. Dafür zu sensibilisieren war vor fünf Jahren die Idee dieses Textes. Ihrem letzten Satz kann ich nur zustimmen.

Danke für den Austausch und herzliche Grüße,

Anja Constance Gaca

Antworten
Hiltrud Modest 22. Juni 2021 - 23:24

Liebe Anja Constanze Gaca,
haben Sie herzlichen Dank für Ihre schnelle, sehr freundliche Antwort.
In der Sache habe ich leider nichts Gutes auf Lager:ein Enkelkind ,1.Kind der jungen Eltern wird in der 42. Woche nach Einleitung mit der Saugglocke geholt mit einem Geburtsgewicht von 3800g.Nach zwei Tagen folgt die Entlassung trotz starkem Gewichtsverlust.Am 4. Tag schickt die Nachsorgehebamne Mutter und Kind in die neonatologische Ambulanz zur Kontrolle des Bilirubinwertes.Die Neonatologie der Charite füttert sofort zu ,stellt einen trockenen Gaumen fest und verlangt ,das Kind in drei Tagen wieder vorzustellen. Der Neugeborenenikterus wird als geringfügig eingestuft und sei durch Ernährung und damit auch Ausscheidung zu steuern.Die Nachsorgehebamme , die die Vorstellung in der Neonatologie vorgeschlagen hatte, wehrt sich empoert gegen die Zufütterung und sie fordert,das alleinige Sagen zu haben,verbietet ohne Wenn und Aber die von der Neonatologie angeforderte Wiedervorstellung des Kindes .Das Kind sei von dort entlassen, dass sie wegen des Ikterus dorthin geschickt hatte, spielt keine Rolle mehr. Diese Beeinflussung junger, verunsicherter Eltern finde ich nur schlimm.
Was koennen wir tun .?
MfG H. Modest

Anja Constance Gaca 23. Juni 2021 - 08:44

Liebe Frau Modest,

oh jee, das hört sich wirklich sehr belastend an- vor allem für die verunsicherten Eltern. Beim Lesen stellen sich mir persönlich auch einige Fragen, sei es die frühe Entlassung trotz eines kritischen Gewichtsverlaufes, aber auch ob der sehr raschen Zufütterung (die durchaus eine den Stillverlauf sehr beeinflussende Intervention sein kann), aber dennoch dass das Baby von der Klinik wieder nach Hause geschickt wurde. Zum Zufüttern gehört natürlich immer auch die entsprechende Beratung mit Anamnese, Beurteilung von Ausscheidung und Gewichtsverlauf sowie Allgemeinzustand des Babys, Ursachenforschung bei Problemen, Steigerung der Milchmenge, Anleiten bei einer stillfreundlichen Zufütterungsmethode, emotionale Begleitung der Eltern etc.. Es gibt für das Zufüttern bestimmte Kriterien, an denen man sich gut orientieren kann- scheinbar wurden hier die Eltern von allen Seiten nicht so informiert, dass sie selbst Entscheidungen verstehen und mitgehen können, sondern jetzt genau zwischen den unterschiedlichen Ansichten stehen. Hier sollten die Eltern unbedingt noch mal das Gespräch mit der Hebamme suchen und nachfragen, was warum an welcher Stelle von ihr empfohlen wird. Meine Erfahrung ist, dass der Stress vor allem dadurch entsteht, wenn so widersprüchliche Erfahrungen/ Empfehlungen nicht einzuordnen sind.

Man sagt zwar, viele Köche verderben den Brei, aber evt. kann hier einfach auch noch mal eine dritte Meinung Orientierung geben. Es gibt im Bereich der Stillberatung die Qualifikation IBCLC- eine umfassenden Weiterbildung für medizinisches Fachpersonal (Ärztinnen, Hebammen und anderen Gesundheitsfachberufe), in der man sich auch alle 5 Jahre neu rezertifizieren muss, um sichrzustellen, dass nach der aktuellen Datenlage und Leitlinien beraten wird.
Eventuell wäre es hilfreich, noch mal jemand von außen drauf schauen zu lassen, wenn sich das mit Hebamme und Klinik nicht zufriedenstellend für die Eltern lösen und einordnen lässt.
Da sie von der Charite schreiben, ist wahrscheinlich Berlin der Lebensort der Eltern. Hier gibt es z.B. die Praxis von Katrin Bautsch (IBCLC) und der Gynäkologin Susanne Klinge (auch IBCLC), die eine sehr gute Stillberatung anbieten: http://www.stillen-lernen.de/leistungen_stillberatung.html

Falls Tempelhof örtlich nicht passt, können mir gerne sonst auch an [email protected] noch mal eine Mail schreiben. Eine Fernberatung ist natürlich nicht möglich (und auch nicht sinnvoll), aber ich vielleicht kann ich ihnen noch eine passende Ansprechpartnerin für die jungen Eltern nennen. Melden Sie sich gerne.

Herzliche Grüße,

Anja Constance Gaca

Antworten
Eva Dorothée 5. August 2015 - 17:41

Sehr schöner Text und soo notwendig. Es gibt so viele Eltern, die durch die Sprüche der Großeltern verunsichert werden. Ich hab auch mal was zu dem Thema geschrieben, was man ausdrucken und den Omas in die Hand drücken kann. Da wird genau erklärt, was heute warum anders gemacht wird als früher. Vielleicht für den einen oder anderen ganz hilfreich.

http://www.mamaclever.de/2015/04/womit-omas-nerven-und-was-man-ihnen-entgegnen-kann/

Liebe Grüße,
Eva Dorothée

Antworten
Gudrun Walbaum 1. März 2015 - 13:16

….und wenn es kaum noch Hebammen gibt, werden wir Omas noch mehr angestachelt „zu helfen“ und gaaaanz wichtige Tipps zu geben. Gibt es ein Buch oder Heft für zukünftige Zeiten, also wenn Hebammen noch rarer gesät sind? Dann könnten die jungen Eltern sich schriftliche Verstärkung holen….oder damit wedeln:guck mal, steht hier schwarz auf weiß!
Mir graut vor dieser Zeit! Erst wenn man mal eine Hebamme brauchte, wird bewusst wie lebensnotwendig sie sind. Alle anderen wissen Ja gar nicht wie wichtig und hilfreich……und omaschützend sie sind 🙂

Antworten
SarahBS1982 2. März 2015 - 01:19

Hallo Gudrun,

ja, es gibt sie, solche Bücher! Und ich würde sie am liebsten allen werdenden Mamis schenken!

In meinen Augen die wichtigsten zwei:

Sears, W: schlafen und wachen
Gonzalez, Dr. C.: in Liebe wachsen

Aber diese hier sind auch ganz, ganz wunderbar!

Gonzalez, Dr. C.: mein Kind will nicht essen (hier nicht vom Titel irritieren lassen!)
Imlau, Nora: Das Geheimnis zufriedener Babies
Kirkilionis, E: Ein Baby will getragen sein

Sind die lieben Kleinen dann etwas älter, empfehle ich:

Alle Werke von Jesper Juul und Herbert Renz-Polster

Immer lohnen sich außerdem:

Liedloff, J: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück
Kohn, A: Liebe und Eigenständigkeit

Das sind alles wunderbare Bücher, die Mütter darin bestärken, auf ihr Bauchgefühl zu hören und die mit alten Mythen rund um die „frühe Erziehung“ aufräumen. Sie erklären, warum Kinder so sind, wie sie sind – und warum das auch gut so ist!

LG
Sarah

Antworten
Gudrun Walbaum 2. März 2015 - 11:42

Liebe Sarah, vielen, vielen Dank!

Antworten
Sarah 1. März 2015 - 07:49

Ich hatte Glück und meine Tochter hat Großeltern, die wirklich lieb und vernünftig sind. Natürlich bekomme ich auch mal Tipps, aber grundsätzlich nie mit erhobenem Zeigefinger 😉 Das einzige nervige von meiner Schwiegermutter ist, das sie schon mehrmals meinte „Sie wird bestimmt nicht satt. Gibst du gar keine Tee? Sie hat bestimmt Koliken. Vielleicht reicht das Stillen nicht mehr. So war das bei mir auch. “ Obwohl ich sehr zufrieden mit dem Stillen insgesamt war und ein Baby eben ab und an Wochen hat, in denen es unzufrieden ist. Sie meinte das alles nicht böse, aber ich rege mich zu Hause dann immer fürchterlich auf 😉

Antworten
Rosi 23. September 2014 - 19:40

Ich finde aber auch dass man die Großeltern nicht ausschließen und zurückweisen sollte. Und auch Mütter meinen es mit ihren Töchtern nicht böse wenn sie gute Ratschläge weitergeben, immerhin haben sie zumindest 1 Kind gut aufgezogen und wenn ich zu meiner Mutter sage Mama, ich mache was ich für gut und richtig halte dann akzeptiert sie das auch! Und das gleiche gilt für meine Schwiegermutter (die kommen wie ich finde ohnehin immer zu kurz was ihre Enkel angeht)

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Nadine 2. Juni 2015 - 19:23

Das ist schön, wenn es bei euch so läuft. Andere Menschen haben aber auch andere Eltern. Siehe z.B der Kommentar vom 12.9. Da ist es dann wichtig und richtig, erst mal seine Bedürfnisse bzw die des Kindes in den Vordergrund zu stellen. Und wenn dann Grenzen partout ignoriert werden, hat man auch das Recht dazu sich dann einfach abzuschotten, wenn es das Gegenüber nicht anders will oder kapiert. Gekränkte Großeltern halte ich für das kleinere Übel. Nicht alle kommen mit Tipps um zu helfen, manche wollen sich dadurch auch einfach nur (ggf unbewusst) wichtig und gebraucht fühlen, alles andere bzw was das teilweise durchaus bedürftige Gegenüber wirklich braucht oder will, sind da gern mal Nebensache. Und für entwaige Komplexe der Eltern braucht man sich als Kind nun ganz gewiss nicht verantwortlich zu fühlen.

Antworten
AnnaMama 15. September 2014 - 11:35

Wieder genau getroffen!
Und oh ja, das kennen wir hier auch. Ich dachte, das hört dann irgendwann auch wieder auf….denkste. Ich würde am liebsten den Text gleich ausdrucken und an das liebe Schwiegermonster schicken, aber dann wäre hier die Hölle los. Obwohl…..

Sprüche wie „stillst Du immer noch?“oder „meine haben immer Kakao getrunken“ bei einem wenige Monate alten Kind, oder als das Kind Blasenentzündung hatte „kein Wunder, sie krabbelt ja bei Euch auf dem schmutzigen (!) Boden“ (1. kaum Schmutz, 2. wo soll sie denn sonst krabbeln?) jetzt mit 2 Jahren bei KiTa Start über in: „das arme Kind, Oh, Gott, da tut sie mir so leid“.
Auf den Hinweis, dass wir noch ein zweites Kind wollen „wollt Ihr Euch das wirklich noch antun, in Eurem Alter?“ (OK, 38 und 41, aber doch nicht zu alt oder?)

Und das sind noch die harmlosen Sprüche, ich könnte noch ewig auflisten. Aber da hilft wohl nur Ohren auf Durchzug stellen und vielleicht irgendwann doch explodieren und einmal laut klären, was Sache ist, aber so weit bin ich noch nicht.

Ich gehe wohl doch gleich mal zu meinem Drucker…..

Liebe Grüße und Danke!

Antworten
Frau Gurkenhals 14. September 2014 - 21:36

Danke Danke Danke! Wunderbar geschrieben und hundertprozentig zutreffend. Wird sofort ausgedruckt und für den 2. Krümel aufbewahrt, um es den Großeltern in die Hand zu drücken. Nur für den Fall dass sie beim ersten Mal nichts gelernt haben *lach*

Antworten
ohne Namen 13. September 2014 - 19:27

Sehr guter Brief!
Ich hatte damals natürlich auch die üblichen Ratschläge erhalten. Aber immer mit einer Frage dahinter: Wir haben früher xy gemacht. Macht man das heute auch noch so? Alles in einer entspannten Tonlage formuliert. So konnten mein Mann und ich dann auch ganz normal erklären, warum man das heute anders sieht. Höhepunkt für mich war nach ein paar Wochen das Kompliment meiner Schwiegermama, was für eine liebevolle Mama ich sei und dass sie ihr Kind damals auch gerne öfter rüber in ihr Bett geholt hätte, wenn sie heute so drüber nachdenke.
Auf was ich im Wochenbett mehr als genervt reagiert habe war, dass man mir mein Kind nicht sofort zurück gab, wenn es unruhig wurde. Sondern versucht wurde, zu schuckeln und zu trösten, während ich daneben stand. Das konnte ich ganz schlecht ertragen. Auch die nach fünf, sechs Monaten kommenden Kommentare wie „Geht doch mal wieder aus, wir nehmen sie gerne“ kamen bei mir gar nicht gut an. Ich bin vor meiner Tochter 15 Jahre lang ausgegangen, das vermisste ich noch nicht, und für mich fühlte es sich noch nicht richtig an, sie „alleine“ zu lassen.

Antworten
jule 13. September 2014 - 08:03

Danke, DANKE, DAAAANKE!!!!

*print*

Antworten
Rabenmütter sind übrigens fürsorgliche Mütter 12. September 2014 - 21:00

Vielen Dank für diesen gelungenen Beitrag!
Er drückt so vieles so richtig aus ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen! Das gelingt nicht jedem, schon gar nicht als unmittelbar beteiligten. Darum schweigen wir jungen Eltern so häufig unsere Meinung tot. Natürlich ist das eigentlich falsch, aber wer hat ganz ehrlich als junge, verunsicherte, mit Informationen überspülte Eltern die Energie für solche Auseinandersetzungen?

Ich habe vor über einem Jahr eine wunderbare Tochter per Notkaiserschnitt bekommen, nach dem es mir sehr schlecht ging. Nachdem es mir im Krankenhaus nicht gelang mein Kind selbst richtig versorgen zu können und sie mir daher zum wickeln etc abgenommen wurde, habe ich für die Bindung zwischen mir und meiner Tochter hart gekämpft (ich denke mit Erfolg). Leider wurden meine Bemühungen von meiner Schwiegermutter stetig untergraben.
Sie lief mir mit dem Kinderwagen davon, nahm mein Baby und versteckte sich irgendwo im Haus mit ihr, da sie nicht vertragen konnte dass meine Tochter immer wieder meinen Blickkontakt suchte, wollte mich drängen Milch abzupumpen damit sie meine Tochter füttern könnte, gab mein Kind wildfremden Leuten auf den Arm (verstand den Body mit dem Aufdruck “ich bin kein Wanderpokal“ nicht, den wir anfertigten), redet mir rein, egal was ich sage, streckt meine Tochter ihre Arme nach mir aus sagt sie “die Mama will dich jetzt nicht“ und verlässt das Zimmer, wenn ich sie bitte mir mein Kind zu geben weil ich sie stillen möchte heisst es “sie hatte erst vor drei Stunden! Die muss bis zu Hause aushalten“, stopft meinem Kind ungefragt Essen in den Mund, oder ihren gefüllten Kaffeelöffel….Hallo?
Ich habe mehrfach versucht meine Meinung und Gefühle über dieses Verhalten in Worte zu fassen um die Sorge über mein Kind zu behalten und sie mir nicht bei jedem Kontakt neu erkämpfen zu müssen. Ich weiß nicht ob es an meiner mangelnden sprachlichen Begabung liegt, aber sie begreift nicht dass mein Mann und ich als Eltern gemeinsam die Entscheidungen für unsere Tochter treffen. Niemand sonst. Wäre ich etwas labiler in meinen Auffassungen, würde ich sicherlich alles tun wie vor 30-40 Jahren.
Warum ich mir das antue? Tja, hat mein Kind nicht das Anrecht mit den Großeltern aufzuwachsen die sie hat?

Es ist so schwer auszuhalten wenn man und vor allem das eigene Kind so behandelt werden. Ich hoffe einige frische oder baldige Großeltern lesen den Beitrag und werden sich zurück halten.
Bei uns ist sicher Hopfen und Malz verloren 😉 aber ich hoffe für all die anderen fischen Eltern dort draußen auf verständnisvolle Großeltern.

Viele Grüße!

Antworten
Maria 28. Februar 2015 - 21:04

Bitte bitte, befreie dich daraus! Dir und deiner Tochter zuliebe!!! Was du beschreibst ist höchst übergriffig! In mir zieht sich alles zusammen, wenn ich deinen Text lese. Überleg dir mal, was es für deine Tochter bedeutet, wenn sie zu hören bekommt „Mama will dich jetzt nicht.“ Ich werd da gar nicht drüber fertig. Großeltern ja, aber nicht um jeden Preis und schon gar nicht auf Kosten deiner seelischen Gesundheit und der deiner Tochter. Ich bin fassungslos.

Antworten
Nadine 2. Juni 2015 - 18:46

Auch wenn Kinder natürlich grundsätzlich Kontakt zu den Großeltern haben sollten – das würde ich mir nicht gefallen lassen und bei Bedarf den Kontakt zumindest zeitweilig unterbinden oder auf sehr gelegentliche Besuche beschränken, wenn es anders nicht vermittelbar ist. Wenn auf Grenzüberschreitungen nie Konsequenzen folgen, braucht man sich über Ignoranz nicht zu wundern. Das Verhalten der Großmutter hat ja schon fast krankhafte Züge, zumal ihr die Bedürfnisse deiner Tochter eher zweitrangig zu sein scheinen. Ich kann mich da Maria nur anschließen. Wer deine Bedürfnisse bzw die deiner Tochter nicht respektieren kann oder will, dessen Bedürfnisse musst du ganz sicher nicht in den Vordergrund stellen.

Antworten
Putte 12. September 2014 - 20:53

Danke…lese immer leise mit aber nun muss ich mal
was schreiben und fühlte mich an die erste Zeit mit dem gesunden Zweitgeborenen erinnert..was hab ich mich geärgert- mein Herz verzieht sich immernoch. Schlaue Kommentare für das Kindeswohl ( „legst Du ihn etwa schon wieder an?“ „Wie lange willst du ihn denn noch tragen?“…nur eine kleine Auswahl) und zur Wohungsordnung machten mich sehr traurig und da konnte ich auch nur trotzig reagieren

Antworten
Räubertochter 12. September 2014 - 16:25

Danke!
Mir rollten gerade Tränen über die Wangen, als ich diesen äußerst gelungen Text las.
Ich wurde vor 5 Monaten Mama und muss(te) mir auch diverse Ratschläge anhören. Von „das Kind hat kalte Füße – kein Wunder, dass es Bauchweh hat“ bis „sie kann auch mal ein bisschen schreien – iss Du doch jetzt erstmal gemütlich zu Ende“ ist alles vertreten.
Man ist ständig in der Zwickmühle, weil man ja alles richtig machen will. Eigener Instinkt vs. Ratschläge aus dem Umfeld.
Mittlerweile werde ich aber immer entspannter und merke, dass Kind und ich am zufriedensten sind, wenn ich aus dem Bauch heraus handele. Auch wenn ich mein Mittagessen unterbrechen muss, damit ich das Kind stillen kann – aber das mache ich sehr gerne für meinen kleinen Spatz!

Antworten
Anna 12. September 2014 - 14:29

Wow. Danke für diesen Brief, du sprichst mir echt aus der Seele! Den könnte man ausdrucken und verteilen – ich glaube fast flächendeckend an alle Großeltern da draußen.
Die Geburt meines Kindes ist zwar schon über 2 Jahre her, aber allein beim Zurückdenken an diese (unsichere) Anfangszeit ärgern mich viele Großeltern-Äußerungen bis heute sehr.
Wir Mütter können uns nur vornehmen, es selbst mal einfühlsamer zu machen wenn unsere Babys Kinder kriegen 🙂

Antworten
Hawwedampknopp 12. September 2014 - 10:48

Unsere Eltern haben sich, vermutlich schweren Herzens jeden Kommentar verkniffen.

Wir haben relativ schnell beschlossen, ganz unseren Instinkten zu vertrauen. Das Kind hat den Rhythmus vorgegeben.

Heute nach 2 Jahren haben wir ein höfliches, freundliches und fast immer gut gelauntes Kleinkind. Er isst alles, er ist neugierig, und ab und an hat er seine ganz normalen Trotz und Zornphasen, die sich aber meist gut einfangen lassen.

Schreienlassen gabs bei uns nicht, genauso wie getrennte Schlafzimmer, obwohl wir durchaus den „Rat“ am Rande schon gehört hatten.

Einziger Kritikpunkt: wir würden ihn nicht warm genug anziehen…. Nunja, ich denke, wenn ein Kind schwitzt, ist es warm genug angezogen.

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Saskia 12. September 2014 - 10:15

„Und ja, ich treffe auch immer wieder Großeltern, die in der Wochenbettzeit ganz wunderbar die Bedürfnisse der jungen Familien unterstützen und überhaupt keine ungebetenen Tipps verteilen“ … genau! Meine Mutter gehört dazu. Hat hier den Haushalt geschmissen, alle Kinder und Ehemänner versorgt, alles wunderbar gemacht ohne sich einzumischen … und außerdem noch den hundertsten Strampler gekauft!

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Saskia 12. September 2014 - 10:08

… von meinen Eltern kamen nie zweifelhafte „Empfehlungen“ à la Schreienlassen&Co …. im Gegenteil: Meine Mutter hat mir schon immer viele Komplimente gemacht, wie schön sie den Umgang mit meinen Babies findet (Stillen, Familienbett etc.).

Und einmal hat meine Mutter sogar angefangen zu weinen, aus Enttäuschung und Schmerz. Sie nämlich hatte sich dem „Zeitgeist“ der 1970er, 1980er Jahre gebeugt, will heißen: Durch falsche ärztliche Beratung („Ihr Kind wird nicht satt, sie haben nicht ausreichend Milch, weil es öfter als alle drei Stunden trinken will …. also geben sie ihm mal eine Flasche ….“) wurde ihr das Stillen kaputt gemacht, was sie sehr bereut.

Zudem „gehörte“ sich damals ein eigenes Kinderzimmer von Geburt an – meine Mutter erinnert sich noch heute mit Grauen an das nervige Reagieren auf das Babyphone, kaltes Sitzen im Kinderzimmer … statt dass sie die Säuglinge gleich im Schlafzimmer untergebracht hätte.

Der einzige heute umstrittene Tipp, den meine Mutter standhaft vertritt, ist der „Grießbrei am Abend“, damit das Kind schön schläft … bei meiner älteren Kleinkind-Tochter habe ich ihr den Spaß allerdings gegönnt, was gibt es für ein Kind Schöneres, als einen Brei bei der geliebten Oma zu genießen und dann pappsatt ins Bett zu fallen?

Von meiner Schwiegerurgroßmutter allerdings kam bereits der „Schreien kräftigt die Lungen“-Tipp … außerdem seien die Kinder ja bereits jetzt „verwöhnt“ durch das viele Tragen …. tja. Mein Mann hat sich natürlich gleich verunsichern lassen („Sollten wir nicht doch …?“) … allerdings nicht nachhaltig.

In Uromas Bücherbeständen fand sich dann auch die Quelle ihres Wissens: Mütter-Ratgeber aus der ehemaligen Sowjetunion, stark orientiert an Johanna Haarer … grauenhaft. Barbarisch regelrecht.

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Fräulein Sonnenschein 12. September 2014 - 09:37

Das finde ich sehr schön geschrieben, möchte aber doch auch ein kleines „aber“ aus meiner gerade erlebten persönlichen Erfahrung dazugeben.

Auch ich befolgte brav die Stillen-nach-Bedarf-Methode und hoffte drauf, dass sich irgendwann dann einfach ein Rhythmus finden würde. Woche für Woche für Woche … und mein Baby schrie und schrie und nuckelte und trank und schrie. Von Schlaf am Tag oder irgendeiner Art von Rhythmus war nichts zu erkennen. Nach elf Wochen waren sowohl ich als auch mein mann absolut am Ende und wussten uns keinen Rat mehr.

Die frisch gebackenen Großeltern hatten durchaus mal die Idee nach einem festeren Rhythmus von außen geäußert, uns aber immer selbst machen lassen und mit helfenden Händen und Schultern zum Ausweinen zur Seite gestanden.

Und dann habe ich es einfach mal so versucht, wie es meine Mutter als Idee geäußert hat.
Ich habe mindestens drei Stunden zwischen den Stillmahlzeiten gelassen und das Baby einfach dazwischen auch mal hingelegt, statt sie mit schuckeln und umherlaufen einschläfern zu wollen (das hatte ja vorher nie geklappt).
Und siehe da: Die Kleine schlief zwischen den Mahlzeiten (auch wenn sie erst einmal einige Minuten schrie), war danach ausgeruht und glücklich. Sie hat den Rhythmus von selbst nicht gefunden und braucht unsere Hilfe. Insofern hat mir der Rat meiner Mutter weitergeholfen als jeder aktuelle Ratgeber.

Natürlich ist das meine ganz eigene Erfahrung und gilt nicht für jedes Kind. Aber doch wollte ich auch zeigen, dass es anders geht und die „alten“ Ansichten nicht unbedingt verkehrt sein müssen.

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Ines Chebli- Beyer 1. September 2018 - 08:31

Liebes Fräulein Sonnenschein, Sie sprechen mir aus der Seele. Ich muss jetzt doch einmal auch für die Großeltern in die Bresche springen. Leider ist es heute in vielen Bereichen so, dass die Ratschläge.
der „Alten“ als Einmischung und Bevormundung verstanden werden. Seit Generationen wurde der Erfahrungsschatz der Alten an die Jungen weitergegeben. Das ist im Tierreich so und bei den Menschen nicht anders. Sicherlich gibt es heute neue Erkenntnisse und Methoden. Aber sind sie wirklich alle besser als früher? Wir Kinder der 50er und 60er, die wir im Kinderwagen transportiert wurden anstatt im Tragetuch, aufs Töpfchen gesetzt wurden relativ früh, im eigenen Bettchen geschlafen haben und auch mal schreien mussten haben deswegen doch auch nicht alle Traumata und Ängste entwickelt.Meine Mutter war eine pragmatische und resolute Frau. Sie hat uns Kinder geliebt, umsorgt und ich fühlte mich geborgen. Es gab Regeln und Grenzen und eine Welt der Kinder und eine der Erwachsenen und das war gut so. Die Erwachsenen hatten das Sagen und meine Mutter hatte immer einen Tipp und guten Rat nach gesundem Menschenverstand parat und ich habe ihr vertraut. Sicherlich habe ich später auch meinen eigenen Weg gesucht, habe aber immer auch den Rat der Mutter angehört. Deswegen mein Tipp an alle jungen Eltern: Bezieht die „Alten“ mit ein. Hört, was sie zu sagen haben, probiert Neues aus und schöpft auch aus dem Erfahrungsschatz der Alten. Fragt sie doch einfach mal um Rat! Das tut den Großeltern gut und euch kann es nicht schaden. Lasst euch nicht verrückt machen von dem Satz:“Das macht man heute nicht mehr so“. So, wie man aus der Geschichte lernen kann, so kann man auch wieder lernen das Althergebrachte zu wertschätzen.

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Carolin 12. September 2014 - 09:21

Wunderbar!
Den Brief hätte ich vor zweieinhalb Jahren gebraucht. Ich selber konnte das alles nie so höflich und freundlich formulieren.

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