Geburtsbericht, Hebamme, Geburt

Wenn Hebammen Kinder kriegen: Marit

von Anja

Marit betreut seit 2012 als freiberufliche Hebamme Frauen vor und nach der Geburt. Aktuell ist sie schwanger mit ihrem zweiten Kind und wieder in Elternzeit. Hier erzählt sie von der Geburt ihres ersten Kindes im Geburtshaus und der anschließenden Wochenbettzeit – die so ganz, ganz anders verlief als sie sich das vorgestellt hat. Auf Instagram ist Marit als reise_ins_leben zu finden.

Meine Schwangerschaft war unkompliziert und sehr schön. Ich hatte kaum Beschwerden, konnte meiner Arbeit als freiberufliche Hebamme ohne Probleme nachgehen und genoss die Zeit der Vorfreude und der Vorbereitung sehr. Die Vorsorge machte ich bis auf die drei Ultraschalluntersuchungen im Geburtshaus und wurde dort von einem Team aus vier Hebammen betreut, die ich abwechselnd sah. Zur Geburt sollten zwei der vier Hebammen aus dem Team anwesend sein.

Ab der 30. Schwangerschaftswoche begann ich, mich mit Hypnose auf die Geburt vorzubereiten, in der Hoffnung, mich so während der Geburt fallen lassen zu können und mich komplett auf die Geburt einzulassen. Am Morgen des 7. August 2016, einem Sonntag, bin ich mit unregelmäßigem Ziehen aufgewacht. Auch am Tag davor hatte ich nachts leichte unregelmäßige Übungswehen, die den Tag über aber wieder verschwanden. An diesem Morgen wusste ich aber sofort: heute ist es anders. Ich freute mich, denn ich hatte mir gewünscht, ausgeschlafen und voller Kraft in die Geburt gehen zu dürfen und so sah ich dem Tag aufgeregt und entspannt entgegen.

Mein Mann und ich frühstückten in Ruhe, zwischendurch hatte ich immer wieder leichte Kontraktionen, die mich nicht wirklich beeinträchtigten. Ab und an kam eine etwas stärkere Kontraktion, nach der ich auf Toilette musste, um meinen Darm zu entleeren. Nach dem Frühstück saß ich eine Weile im Wohnzimmer am Fenster und strickte an der Babydecke weiter. Zwischendurch hielt ich immer wieder kurz inne, atmete, freute mich, sprach innerlich mit dem Baby. Die Kontraktionen kamen etwa alle fünf bis zehn Minuten und wurden langsam intensiver. Es gab immer wieder heftigere Wehen, nach denen ich weiterhin auf die Toilette musste.

Von Wehen überrollt

Mein Mann ließ mich in Ruhe, war aber immer in der Nähe, falls ich ihn brauchen sollte. Kurz vor dem Mittagessen saß ich auf dem Bett, sah mir meine Geburtsaffirmationen an und hörte meinen Hypnose-Geburtsvorbereitungstrack. Das tat mir gut und gab mir Kraft. Der Mittag kam und es gab einen bunten Salat, ich hatte Hunger und aß mit großem Appetit.

Kurz darauf, gegen 13 Uhr, wurden die Kontraktionen schlagartig anders. Die Wehen kamen deutlich häufiger, ich musste mich auf die Atmung konzentrieren und begann in der Wohnung umher zu laufen. Ab und an musste ich auch schon eine Wehe vertönen. Damit hatte ich nicht wirklich gerechnet, die plötzliche Intensität überraschte mich und forderte meine ganze Konzentration. Mein Mann schlug vor, doch mal unter die Dusche zu gehen, da ich im Wasser gut entspannen kann. Da ich gut alleine zurecht kam, bat ich ihn, mich alleine zu lassen. Entspannen konnte ich allerdings nicht unter der Dusche, denn die Kontraktionen wurden noch intensiver und ich konnte mich nur noch an die Wand lehnen und mich von Wehe zu Wehe atmen und tönen.

Plötzlich wurde mir übel, ich wankte zur Toilette, wo ich mich mehrfach übergeben musste. In dem Moment wollte ich einfach nur sterben. Ich war nackt und nass, lag auf den kalten Kacheln, wurde von Wehen überrollt und kam mit allem überhaupt nicht mehr nach. Mein Mann redete mir gut zu, wollte im Geburtshaus anrufen – doch ich antwortete nur: „Den Weg ins Geburtshaus schaffe ich nicht, wir fahren ins Krankenhaus. Ich will eine PDA, nein, ich will eine Sectio!“

30 Minuten kamen mir vor wie eine Ewigkeit

Er rief dann natürlich doch im Geburtshaus an und als mich die diensthabende Hebamme hörte, meinte sie, wir sollen uns bitte sofort auf den Weg machen. Der Anruf war gegen 15 Uhr. Bis ich mich allerdings aufraffen konnte, mir etwas anzuziehen und einfach nur ein Bein zu heben um in die Hose zu schlüpfen, verging eine Ewigkeit. Mein Mann bereitete derweil alles vor, trug Verpflegung und Geburtskoffer ins Auto und fuhr das Auto vor die Haustür. Unten im Hof angekommen, wurde ich von der Hitze und Helligkeit des wunderschönen Augusttages überwältigt und war froh über die Klimaanlage im Auto.

Das Sitzen war unglaublich unangenehm und ich hielt die komplette Fahrt über die Augen geschlossen. Die Welt außen war mir zu viel, davon wollte ich nichts mitbekommen. Während der 45-minütigen Fahrt hörten wir eine Atemanleitung, mit der ich mich die letzten Wochen täglich vorbereitet hatte. Ich wurde wieder ruhiger und fokussierter. Auch die Entscheidung, jetzt schon ins Geburtshaus zu fahren, obwohl ich erst seit drei Stunden regelmäßige Kontraktionen hatte, erleichterte mich und ließ mich besser entspannen.

Gegen 17 Uhr kamen wir im Geburtshaus an und wurden von der Hebamme N., die mich in der Schwangerschaft am häufigsten betreut hatte, liebevoll empfangen. Das Procedere im Geburtshaus sah ein Aufnahme-CTG vor, auf das ich eigentlich überhaupt keine Lust hatte, weil ich Umherlaufen wollte. Leider wurden die Herztöne aufrecht nicht gut abgeleitet und ich musste mich hinlegen. Die 30 Minuten kamen mir vor wie eine Ewigkeit. Danach tastete die Hebamme nach dem Muttermund: „Portio verstrichen, sakral, zwei Zentimeter“. Ich musste schlucken. Mit zwei Zentimetern Aufnahmebefund hatte ich nie und nimmer gerechnet. Wie sollte ich die nächsten Stunden durchstehen?!

Zwischen den Wehen war ich im Nichts

Ich wurde etwas mutlos. Allerdings blieb keine Zeit, um nachzudenken und die Angst arbeiten zu lassen. Die Kontraktionen nahmen wieder an Fahrt auf und ich lehnte mich übers Bett. Stehen, hängen, aber bitte nicht liegen! Ich atmete und wehte, hing am Seil, über dem Wickeltisch, saß zwischendrin auch mal auf dem Ball und entleerte mich ein letztes Mal in der Toilette. Ich habe nicht mehr gedacht, ich habe nur noch geatmet und getönt. Die Hebamme zog sich ins Nebenzimmer zurück. Wir waren allein. Das war gut und ich habe eigentlich niemanden gebraucht. Mein Mann war zwar da, aber im Hintergrund.

Kein Streicheln, kein Umarmen, zur Musik wiegen, Geburtskette tragen oder Geburtsaffirmationen aufsagen. All das, was mir im Vorfeld so unglaublich wichtig war, war zu dem Zeitpunkt völlig belanglos. Aber ich glaube fest, diese Vorbereitung haben bewirkt, dass ich mich komplett habe fallen lassen können. Ich fühlte mich wie im Sturm gepeitschten Ozean, wurde von Wellen überrollt und um weiterhin oben zu schwimmen, habe ich geatmet. Nur geatmet. Zwischen den Wehen war ich im Nichts. Alles war schwarz und ich habe nur entspannt.

Irgendwann kam die Hebamme mit dem Vorschlag, mal die Wanne auszuprobieren. Das Wasser tat sofort gut, obwohl es nichts an Spannung oder Intensität nahm. Ich kniete in der Wanne und legte in den Pausen meinen Kopf auf die Arme. So verging Zeit, es wurde dunkel und der Abend kam. Eine Wehe kam, atmen, Konzentration, die Wehe ging, Schwärze. Die nächste Wehe kam und ich atmete mich von einer Wehe zur nächsten.

Irgendwas stimmte nicht

Um 22.38 Uhr platzte die Fruchtblase mit einem hörbaren Plopp und sofort hatte ich einen nicht veratembaren Pressdrang. Mein Körper schob mein Baby von selbst nach unten und ich habe nichts dagegen machen können. Die Hebamme versuchte, den Muttermund zu tasten, da sie nicht wusste, ob er sich schon vollständig geöffnet hatte. Und machte sich dann daran, zur Geburt zu richten und die zweite Hebamme zur Geburt zu rufen.

Die Wehen kamen jetzt zwar etwas seltener, waren aber lang und mein ganzer Körper arbeitete daran, mein Baby durch mich hindurch und aus mir heraus zu schieben. Die Spannung war zum Zerreißen. Die Hebamme versuchte, mich aus der Wanne zu bewegen, aber weder wollte noch konnte ich aus der Wanne steigen. Als das Köpfchen stand, änderte ich auf ihr Bestreben hin die Position vom Vierfüßler zum Sitzen und atmete das Köpfchen aus mir heraus. Danach sofortige Erleichterung! Keine Spannung mehr.

Ich hielt das Köpfchen in meinen Händen und wusste sofort, irgendwas stimmt nicht. Wir warteten auf die nächste Wehe, die sich bestimmt fünf Minuten Zeit ließ und ich nahm um kurz nach 22 Uhr mein Kind – einen wunderschönen kleinen Jungen – in Empfang. So eine Erleichterung! Ich hatte es geschafft! Wir hatten es geschafft, denn die Herztöne waren die ganze Zeit über gut gewesen. Nur jetzt wollte es mit der Atmung nicht so recht klappen.

Ab dem Zeitpunkt war ich mehr funktionierende Hebamme

War das Wasser zu kalt gewesen? Mein Baby hustete und knorkste und bemühte sich, Schleim und Fruchtwasser loszuwerden, was nicht klappte. Und so wurde es noch in der Wanne abgesaugt. Wir stiegen aus der Wanne und legten uns ins Bett, wo wir warm und gut eingepackt wurden. Mein wunderbares Baby lag auf meiner Brust, aber es atmete weiterhin viel zu schnell mit und hatte Einziehungen. Mir war klar, die Hebammen würden den Notarzt rufen.

Ab dem Zeitpunkt war ich mehr funktionierende Hebamme als eine Frau, die gerade ihr erstes Kind geboren hatte und im Oxytocinrausch sein sollte. Kurze Zeit später war der Geburtsraum voller Menschen, mein Kind wurde mir vom Kindernotarzt, der sich nicht vorstellte, einfach aus den Armen genommen. Zum Glück war ich so geistesgegenwärtig meinem Mann zu sagen, er solle mit zum Wickeltisch gehen, um die Untersuchung zu verfolgen. Währenddessen lag ich nackt im Bett in einem Raum voll fremder Männer. Ich konnte kaum etwas sehen, da ich meine Brille nicht trug und niemand daran dachte, sie mir zu geben.

Einige Minuten später fiel dann die Entscheidung, in die Kinderklinik zu fahren, da sich die Atmung weiterhin nicht stabilisierte. Ich kann mich an diese Minuten nur noch ganz schlecht und schwammig erinnern. Man hielt mir mein Baby zum Verabschieden in goldene Folie verpackt hin und dann war es weg. Und der Raum war leer.

Mehr Herzschmerz als jemals zuvor in meinem Leben

Die Hebammen versuchten ihr bestes, dass ich ebenfalls in der Klinik auf der Wochenstation aufgenommen wurde, aber vergeblich. Die erste Nacht, die ersten Stunden auf der Welt, da war mein Baby, das eben noch so innig mit mir verbunden war, auf der Intensivstation. Bevor wir nach Hause durften, musste erstmal ich versorgt werden. Die Plazenta war noch nicht geboren – das passierte ganz unspektakulär und leicht in der tiefen Hocken. Danach wurde mein Dammriss genäht. Danach fuhren wir zu meiner Mutter, die näher an der Klinik wohnte, als wir.

Ich blieb dort und verbrachte meine erste Nacht als Mutter alleine, mit mehr Herzschmerz als jemals zuvor in meinem Leben. Mein Mann fuhr direkt weiter in die Klinik und blieb die Nacht über bei unserem Sohn. Am nächsten Tag fuhren mein Mann und ich in die Klinik und waren heilfroh, dass er von der Intensivstation auf die normale Säuglingsstation verlegt worden war. Dort legte ich ihn auch das erste Mal an. Es begann ein typischer Klinikalltag mit Anlegen, Abpumpen und Zufüttern. Da Benjamin eine Solltrinkmenge angeordnet bekam, tat ich mein bestes, diesem Ziel täglich näher zu kommen, denn den Rest bekam er per Infusion zugeführt.

Seine komplette erste Lebenswoche war Benjamin in der Klinik. Er hatte eine angeborene Lungenentzündung und wurde mit zwei verschiedenen Antibiotika über die Vene behandelt. Zum Glück hatte sich die Atmung zügig stabilisiert und eine Unterstützung war nie nötig gewesen. Um es kurz zu machen: Unsere Situation war zum Glück nicht dramatisch und Benjamin ging es den Umständen entsprechend gut, aber ich habe die Situation als traumatisch empfunden. Keine Privatsphäre, keine Ruhe, zum Teil paternalistisches Personal, das sich aufgespielt hat.

Riesiges Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug

Am dritten Tag hatte ich zusätzlich zum Milcheinschuss einen Lochialstau. Ich konnte mich nicht zurückziehen, auch wenn ich inzwischen als Begleitperson aufgenommen war. Mein Zimmer teilte ich mit drei anderen Frauen. Wir lagen in Stockbetten auf maximal fünf Quadratmetern. Die Nächte waren geprägt von einer jungen Mutter, die die ganze Zeit telefonierte und Personal, das immer wieder die Tür aufriss, um eine Mutter zu ihrem Kind zu rufen. Ich hatte mir mein Frühwochenbett anders vorgestellt.

Als wir dann nach einer Woche endlich zu Hause waren, hatte ich ein riesiges Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug. Ich wollte so wenig wie möglich Kontakt zur Außenwelt. Leider war aber auch das restliche Wochenbett eher von Komplikationen als von idyllischer Abgeschiedenheit geprägt. Nacheinander hatte ich das Raynaud-Syndrom, Milchgangsoor und über den Zeitraum von einigen Monaten viele viele Milchstaus. Inzwischen ist Benjamin zwei Jahre alt und ein wunderbarer kleiner Junge, ohne den ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen kann.

Die Zeit hat die Trauer über die ersten Wochen gelindert. Wir hatten eine schöne und innige Stillzeit bis lange in meine jetzige Schwangerschaft hinein. Die Geburt meines zweiten Kindes steht in wenigen Wochen an und ich merke, wie sehr es mich stärkt, schon einmal eine kraftvolle Geburt erlebt zu haben. Auch wenn ich lange Zeit gebraucht habe, die Geburt von den anschließenden Ereignissen zu trennen.

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7 Kommentare

Lena 5. November 2018 - 09:49

Hallo liebe Kommentatorinnen,
jetzt muss ich mal ein bisschen fürs Krankenhauspersonal in die Bresche springen:
Ich arbeite auf einer Neointensivstation und bin selber eine von den Neugeborenenärzten, die anderen die Babys wegnehmen und unrealistische Mindesttrinkmengen verordnet. Jedes Mal tut es mir wahnsinnig Leid das zu tun, ich bin immer richtig traurig darüber, aber:
– (fast) jeder hat die Möglichkeit in einem Perinatalzentrum zu entbinden, ich verurteile andere Geburtsorte überhaupt nicht, aber das Risiko, dass das Kind verlegt wird, ist da und der Fall tritt recht häufig ein
– wir versuchen immer die Mütter mit aufzunehmen, aber oft ist unsere Wochenbettstation voll und oft möchte auch die Entbindungsklinik die entsprechende Mutter nicht entlassen/verlegen
– wir setzen diese Mindesttrinkmengen an, um keine/weniger Infusion zu benötigen und die Kinder möglichst schnell wieder zu entlassen (sehe ich auch kritisch, führt aber oft zu schnellerer Entlassung)
– ich verstehe, dass sich das sehr schlimm anfühlt. Ich habe selber eine ähnliche Situation 2 Wochen nach der Geburt erlebt, aber: wirklich schlimm sind Frühchen in der 23./24./25. Woche mit schweren Hirnblutungen und künstlichem Darmausgang, schweren Infektionen, Beatmung, Nierenversagen, Reife Kinder mit schweren Fehlbildungen oder starkem Sauerstoffmangel unter der Geburt (siehe Blog 22Monate). Solche Dinge sehen wir jeden Tag. Und wenn dann ein Kind mit einer leichten Infektion daneben liegt, dann ist das einfach nicht schlimm für uns, weshalb wir manchmal das Leid dieser Mütter übersehen.
-wir haben einen riesigen Personalmangel: neben mehreren Frühchen mit 24./25./26. Wochen, vielen größeren Frühchen und im Schnitt einem schwerstkranken Kind, einigen Anpassungsstörungen, machen wir schnell noch 8 U2’ s und machen die Erstversorgung von ein paar Kaiserschnittkindern. Achja Hüftsonos bei allen Beckenendlagenkindern und Zwillingen kommen noch hinzu. Und jede Menge Pickel zum begutachten, Blutentnahmen usw. das alles macht am Wochenende ein Arzt alleine (jeder ist jedes 2. Wochenende Samstag und Sonntag jeweils 12,5 Stunden dran, Zeit für die eigenen Kinder bleibt nicht…). Da kann man nicht auf jede Befindlichkeit eingehen.

Ich arbeite super gerne und würde nie etwas anderes machen wollen. Wir haben aber einen sehr anstrengenden, oft emotional belastenden und familienunfreundlichen Job und die meisten von uns geben ihr allerbestes (auch wenn sie 3x für eine Blutentnahme stechen müssen). Ich versuche immer freundlich zu bleiben, was mir meistens auch gelingt. Ich würde mir aber wünschen, dass nicht ständig auf dem Krankenhauspersonal herum gehackt wird. Wir sind da, wir geben unser bestes, auch nachts und an Weihnachten, aber wir sind nur Menschen!
Viele Grüße und nur das beste für die nächste Geburt, liebe Marit!
Lena

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B. 2. Januar 2019 - 23:07

Liebe Lena, danke für deinen Kommentar. Ich hatte ähnliche Gedanken beim Lesen, nachdem ich vor knapp sieben Monaten mein Kind in der 26. Woche per Sectio zur Welt bringen musste und es seitdem immer noch auf der Intensivstation ist. Wir haben sehr viele Traumata erlebt, sind aber unendlich froh, dass es euch gibt und wissen, was ihr leistet! Liebe Marit, dir drücke ich sehr die Daumen für deine zweite Geburt und Wochenbett!

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Lini 30. Oktober 2018 - 06:33

„Einige Minuten später fiel dann die Entscheidung, in die Kinderklinik zu fahren, da sich die Atmung weiterhin nicht stabilisierte. Ich kann mich an diese Minuten nur noch ganz schlecht und schwammig erinnern. Man hielt mir mein Baby zum Verabschieden in goldene Folie verpackt hin und dann war es weg. Und der Raum war leer.“
Ich habe eine Deja Vu. Diese Zeilen haben sich bei mir genauso abgespielt.
Wir sind seitdem beim Traumaspezialisten.
Habt ihr euch da auch Hilfe geholt? Ich wünsche euch ganz viel Kraft!

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Kristina S. 29. Oktober 2018 - 20:55

Ich finde es ist einfach nur traurig, dass es keinen Weg gibt, eine Mutter nach einer Geburtshausgeburt mit auf die Wochenstation aufzunehmen. Dabei sind doch die ersten Stunden so wichtig.
Ich habe im Krankenhaus ohne Kinderstation entbunden, unser Sohn wurde aufgrund einer Lippen-Kiefer-Spalte in die Kinderklinik der Uni verlegt. Mich hat man nicht auf die dortige Wochenstation verlegt. Ich bin auch völlig erledigt nach 23 Stunden Geburt und einem emotionalen Ausnahmzustand nach Hause gegangen.
Es folgten monatelanges pumpstillen und ein dauerschreiendes Baby.
Vielleicht wäre uns einiges davon erspart geblieben, wenn das Gesundheitssystem in solchen Fällen etwas flexibler wäre.

Ich wünsche dir eine tolle zweite Geburt!

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Veronika 29. Oktober 2018 - 20:54

Vielen Dank für diesen Bericht. Meine Geschichte war ganz ähnlich. Die Geburt verlief im Krankenhaus meiner Wahl unproblematisch. Zur Austreibungsphase musste ich leider aus der Wanne, da das mobile CTG nicht funktioniert hat. Aus unerklärlicher Ursache kam mit dem Kopf ein großer Schwall Blut, das meine Tochter schon im Geburtskanal geschluckt und eventuell zum Teil auch aspiriert hatte. Die Atmung war jedenfalls beeinflußt, die Sauerstoffsättigung schlecht, so dass wir nach nur einem viel zu kurzen Moment getrennt wurden. Aufgrund blöder Umstände konnte ich mich dann nicht mal mehr verraten, bevor meine Tochter in ein anderes Krankenhaus mit Kinderstation verlegt wurde. Ich habe sie erst 13 Stunden nach der Geburt wieder gesehen, der Rest des 5-tägigen Aufenthaltes entspricht ziemlich deiner Beschreibung. Ich habe lange gebraucht, um diese Erfahrung annehmen zu können und trauere dem verpasstem Bonding und Frühwochenbett noch immer nach. Wenn andere Mütter vom schönsten Augenblick ihres Lebens berichten, ist es besonders schwer. Aber es tut gut, zu wissen, dass ich mit dieser Erfahrung nicht allein bin.

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Simone 29. Oktober 2018 - 20:34

Ich muss gestehen, mir wird ganz anders wenn ich mich in Situationen hineinversetzen in der mir das Baby nach der Geburt genommen. Ja, ich kann absolut nachvollziehen, dass Frauen aus diesem Erlebnis traumatisiert hervorhergehen.
Ich würde mir wünschen, dass sich das Personal gerade für diese Frauen menschlicher zeigt, wahrscheinlich würde das oft generell nicht schaden. Mehr Menschlichkeit und Verständis, Rücksicht…vom Notarzt bis zur Hebamme auf der Station.
Danke für diesen Bericht!

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Katharina 29. Oktober 2018 - 20:07

Liebe Marit, ich kann Dich so gut verstehen! Unsere Geschichten ähneln sich sehr. Auch ich habe im Geburtshaus entbunden und dort vor 6 Monaten unsere Tochter zur Welt gebracht – leider mit einer Neugeboreneninfektion. Auch sie wurde nach 20 Minuten vom Notarzt abgeholt und in eine Kinderklinik auf die Intensivstation gebracht. Wenn man es nicht erlebt hat, kann man es wahrscheinlich nur im Ansatz nachfühlen -obwohl man natürlich dankbar ist, dass dem Kind geholfen wird, es gerettet wird, fühlt es sich für das Mutterherz an, als hätte einem ein Raubtier das Baby entrissen! Nach 2 Tagen konnten wir endlich ins Eltern-Kind-Zimmer und mussten dort eine Woche bleiben. Es war alles wie bei Euch, ein furchtbarer Milcheinschuss mit Fieber, fast Versiegen des Wochenflusses und der Kampf um’s Stillen. Dann natürlich das kranke, verkabelte Kind, um das man sich solche Sorgen macht und das man als Erst-Mama sich kaum traut zu berühren. Und das man unter diesen erschwerten Bedingungen ganz anders kennenlernen muss, als man sich erhofft hatte. Ich habe wahrscheinlich noch nie so viel in meinem Leben geweint und war oft verzweifelt. Aber ich würde das unterschreiben, was Du sagst: Mir hat die Erfahrung einer selbstbestimmten Geburt im Geburtshaus in dieser schwierigen Zeit und danach sehr, sehr viel Kraft gegeben, sonst hätte ich diese schreckliche Phase und das traumatische Erlebnis wahrscheinlich nicht so gut überstanden und verarbeitet. Heute geht es uns sehr gut und meine Tochter ist eine aufgeweckte, witzige kleine Person, die ich immer noch stille und auch weiterhin stillen werde. Mich würde interessieren, ob Du Dich für die zweite Geburt auch wieder für das Geburtshaus entschieden hast. Ich wünsche Dir von Herzen alles Liebe und Gute für die Geburt und die Zukunft mit Deiner Familie!

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