Wenn Hebammen Kinder kriegen: Tanja (2. Geburt)

von Anja

Tanja ist seit über zehn Jahren Hebamme. Zusammen mit ihrer Mutter, die ebenfalls Hebamme ist, begleitet sie in eigener Praxis Frauen rund um die Geburt. Vor der Geburt ihres ersten Kindes hat sie auch Beleggeburten begleitet. Doch aufgrund der horrenden Haftpflichtkosten und der hohen Unplanbarkeit in der Geburtshilfe kann sie diese momentan nicht mehr anbieten. Tanja hat hier schon von der Geburt ihres ersten Kindes berichtet. Die Schwangerschaft mit ihrem zweiten Kind war von Anfang an von Komplikationen und vielen Sorgen deshalb gekennzeichnet. Es stand sogar ein geplanter Kaiserschnitt im Raum. Doch dann kam alles ganz anders und ihr zweiter Sohn wurde bei einer sehr schnellen Geburt in der 36+1 Schwangerschaftswoche spontan geboren.

Der Wunsch nach einem zweiten Kind kam recht schnell nach der Geburt. Vorher sah ich mich jahrelang als absolute Einzelkindmama, aber mit Schwangerschaft, Geburt und Mutterhormonen war ich ganz schnell auf dem Dampfer, dass ein Kind doch quasi kein Kind ist und DREI doch eine schöne Zahl ist!

Die Schwangerschaft sollte dieses Mal leider nicht so schön und unkompliziert wie beim ersten Kind werden. Ging es mir in der ersten Schwangerschaft weitestgehend supergut und war ich voller Elan und Tatendrang (ausgenommen die ersten zwölf Schwangerschaftswochen, da hätte ich schlafen können wie ein Murmeltier), so war ich dieses Mal oft müde und abgeschlagen und hatte häufig leichte Migräneattacken. Das Ganze mag bestimmt auch eine psychische Komponente gehabt haben. Ab NMT (erster Nicht-Menstruations-Tag, also der Tag der zu erwartenden Regel, die ja bei Schwangerschaft ausbleibt) bis zur 20. SSW hatte ich nämlich teils massive Blutungen, fast immer mehr als peridodenstark.

Wie oft dachte ich, ich hätte mein zweites kleines Wunder verloren… wie viele Tränen habe ich in dieser Zeit vergossen. Die Blutungen setzen fast wöchentlich ein, immer plötzlich und unvorhersehbar. Weder meine Gynäkologin, noch ich konnte einen Auslöser fest machen. Ich ging zur Toilette und plötzlich war ein Schwall Blut da. Das zog sich dann mit Schmierblutungen immer ein paar Tage und immer, wenn man dachte, jetzt sei es vorbei, setzte eine neue Blutung ein. Wie oft sind mein Mann und ich am Wochenende panisch ins Krankenhaus gefahren, um erlösende Entwarnung oder ernüchternde Wahrheit zu hören. Wie oft machte ich mich auf den Satz gefasst:„Leider schlägt da kein Herz mehr.“ In manchen Momenten bin ich schier wahnsinnig geworden.

Ein Schwangerschaftskrimi

Und dann war da aber auch noch mein Spatzmann Nr.1, mein kleiner Sonnenschein, ein liebes und fröhliches Kind, das vor Freude und Energie strotzt – und es brach mir das Herz, das seine Urvertraute, seine Mutter, ihn das erste Mal in seinem jungen Leben mit so viel und immer wieder kehrender Trauer konfrontierte. Natürlich versuchte ich mich in seiner Gegenwart zusammenzureißen, zu lachen und Späße zu machen, und oft gelang das auch, weil nichts einen so gut ablenken kann, wie das eigene Kind. Waren aber gerade neue Blutungen da, gelang es mir nicht bzw. nur äußerst unzureichend. Und wem, der selbst bereits Kinder hat, soll ich erzählen, dass man diesen kleinen Menschen einfach nichts vormachen kann. Sie sind die Einzigen, die uns ab dem Tag ihrer Entstehung in- und auswendig kennen werden.

Meine Gynäkologin schickte mich in der 16. Schwangerschaftswoche zur Feindiagnostik nach Düsseldorf, um abklären zu lassen, ob die Blutungen von einem Gefäß im Gebärmutterhals kamen und nur mich betrafen und damit die Plazenta – und auch das Kind – blutungsfrei waren. Aber der Termin, der Entwarnung bringen sollte, brachte auch neue Verunsicherung. Zwar wurde die Plazenta sicher als Blutungsherd ausgeschlossen, jedoch wurde bei der genauen Untersuchung des Mutterkuchens vermutet, dass sich der Nabelschnuransatz nicht regelrecht auf, sondern neben dem Mutterkuchen in der Eihaut befand. Dieser Befund betrifft ein Prozent aller Einlingsschwangerschaften. Ebenso wie die Plazentaanomalie, die die Ärztin zu sehen glaubte. Zwei Mal ein Prozent – und beide Fälle korrelieren nicht miteinander! Hätte ich in der Woche doch besser mal Lotto gespielt!!! Zur sicheren Diagnose sollte ich um die 20. Schwangerschaftswoche erneut nach Düsseldorf kommen.

Exkurs Insertio velamentosa: Hier liegt der Nabelschnuransatz nicht wie bei 99 Prozent auf der Plazenta lokalisiert, sondern endet auf der Eihaut. Die drei das Kind versorgenden Gefäße laufen frei über die Eihaut bis zur Plazenta. Bei einem erfolgenden Blasensprung besteht die Möglichkeit, das eines oder alle diese Gefäße reißen. Somit wäre zum einen die (Sauerstoff)-versorgung des Kindes unterbrochen und zudem führen die Gefäße auch kindliches Blut und es könnte somit zum Ausbluten des Ungeborenen kommen.

In der 22. Schwangerschaftswoche waren wir dann wieder dort. Ich war nun seit zwei Wochen blutungsfrei. Dafür hatte ich sechs Wochen Zeit gehabt, mir die wildesten Szenarien über die neuen Diagnosen auszudenken. In Düsseldorf kam dann die Bestätigung. Sicher eine “langstreckige Insertio velamentosa im Fundusbereich und eine irgendwie geartete Plazentaanomalie”…. so genau wollte sich da keiner festlegen. Es waren sich nur alle Ärzte einig, die in dieser Schwangerschaft bei mir einen Ultraschall machten – und das waren ein paar – dass “das Ding irgendwie komisch aussieht!” Ich dachte immer nur: So lange ich es nachher nur im Garten verbuddeln muss, darf es ruhig kurios aussehen.

Nun hatte ich meine Diagnose, die ich nicht wollte. Zudem empfahl Düsseldorf mehrfach und vehement (ich sprach immerhin mit drei Ärzten) eine primäre Sectio bei 37+0, also gerade nach Beendigung der Frühgeburtlichkeit (Anm. d. Red.: Kinder, die bis zur Schwangerschaftswoche 36+6 geboren werden, gelten als Frühgeborene). Gerade für eine Hebamme eine Empfehlung, die man nicht bekommen möchte. Das gilt insbesondere, weil man als Fachperson natürlich bestens über die Risiken der Sectio aufgeklärt ist und einem im Bezug auf die Insertio velamentosa niemand wirklich sagen kann, wie hoch das Risiko der Gefäßruptur ist. Auf jeden Fall niedrig, besonders, wenn wie bei mir keine Vasa praevia vorliegt (Anm. d. Red.: der Nabelschnuransatz befindet sich in den Eihäuten direkt oder sehr nahe am inneren Muttermund, beim Blasensprung können die Gefäße der Nabelschnur einreißen). Und: Ich wollte mein Kind nicht unvorbereitet und drei Wochen zu früh einfach in diese Welt schmeißen.

Auf Geburtsortsuche

So nahm ich von der Idee der Sectio erst einmal Abstand. Ein aktiver Geburtshelfer sollte mich eines Besseren belehren, was meinen Spontanwunsch anbegeht, da die nicht-geburtsaktiven Praxisgyns mir nichts von Geburtshilfe erzählen sollten.
Ich machte also einen Termin in einer größeren Klinik hier vor Ort aus. Ich wusste, dass Fälle wie meiner dort schon spontan geboren hatten und für diesen Sonderfall gab mir die Kinderklinik am Platz, die ich bei normal verlaufenden, gesunden Schwangerschaften eher überflüssig für die Wahl des Geburtsortes fand, eine gewisse Sicherheit. Die Oberärztin dort konnte mein Anliegen der Spontangeburt in Hinsicht auf die Vorteile für Kind und Mutter völlig nachvollziehen und konnte auch meinen bis dato noch etwas unsicheren Mann davon überzeugen. Wir verblieben dabei, das Kind engmaschig zu kontrollieren und um die Schwangerschaftswoche 37+0 vielleicht befundsabhängig einzuleiten.

Die Wochen gingen dahin, Ängste und Horrorszenarien kamen und gingen. Ich träumte häufig von blutigen Blasensprüngen, von dem Moment, in dem ich registrieren muss: alles ist zu spät, mein wunderschönes Kind hat keine Chance. Oft wachte ich nachts von derartigen Träumen auf, die Tränen liefen übers Gesicht und auch jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, ist mir dieses Gefühl der Angst und des allumfassenden Verlustes so nah, das ich weinen muss. Ich habe mich so oft mit dem Gedanken auseinander gesetzt, 40 Wochen schwanger zu sein und dann kein Kind mit nach Hause nehmen zu können. Ich bereitete nur das Nötigste vor. Großanschaffungen wie einen Geschwisterwagen traute ich mich gar nicht zu machen. Immer war da dieses fiese Stimmchen in meinem Kopf, das flüsterte: Wer weiß, ob du es überhaupt benötigst!

Sieben Zentimeter ganz ohne Schmerzen!?

Ab der 32. Schwangerschaftswoche begann sich, wie bei meinem ersten Sohn auch, der Gebärmutterhals zu verkürzen. Bereitete mir das vor der ersten Geburt noch Sorgen, freute ich mich dieses Mal sogar etwas über die allmähliche Vorbereitung, sollte Nr. 2 doch, um einen vorzeitigen Blasensprung zu Hause zu verhindern, frühzeitig (ab 37+0) eingeleitet werden. Je weiter die Schwangerschaft ging, je nervöser wurde ich einerseits, andererseits kam immer öfter der Gedanke auf, ob ich wirklich eine fest terminierte Einleitung will oder ob ich damit nicht vom Regen in die Traufe komme. Die Hoffnung war da, dass es vielleicht einfach von ganz alleine mit Wehen losgeht.

Dieser Tag sollte kommen und ich sollte bis fast zum Schluss nicht begreifen, dass mein Wunsch nach einer natürlich startenden Geburt in Erfüllung geht! Ich war den Tag vorher (36+0) bei meiner Gynäkologin zur Vorsorge. Der Gebärmutterhals war nun sehr verkürzt und der Muttermund gut zwei Zentimeter geöffnet. Ich dachte nur: schön, zumindest gute Grundvoraussetzungen für eine Einleitung nächste Woche. Wehen waren eh immer wieder auf dem CTG und mal waren sie stärker, mal leichter und insgesamt unregelmäßig.

Am Abend dann wurden die Wehen etwas stärker, aber immer noch zu ignorieren und unregelmäßig. Nichts, wegen dem ich wegen Abständen auf die Uhr geschaut hätte. Nachts wurde ich von der ein oder anderen Kontraktion wach, aber es war nichts Spektakuläres. Am nächsten Morgen fühlte ich mich irgendwie matt und zerschlagen, obwohl eigentlich nichts passiert war. Ich bat meinen Mann, sich um unseren Sohn zu kümmern, damit ich mich noch einmal hinlegen und etwas dösen konnte, hatte ich doch eigentlich schon die ganze Schwangerschaft nicht geschlafen. Nachmittags registrierte ich irgendwie erst, das die Wehen immer noch da waren und wollte in die Praxis, um ein CTG zu schreiben. Meine Mutter kam, um mit meinem Sohn spazieren zu gehen und einmal zu untersuchen (sie ist auch Hebamme).

Der Gebärmutterhals war mittlerweile komplett weg und der Muttermund bei gut vier Zentimetern. Meine Mutter meinte, es geht los, ich solle ins Krankenhaus. Ich dachte nur: Ach quatsch, hier tut nichts weh, das sind bestimmt nur Senkwehen und es hört irgendwann wieder auf. Ich fuhr und schrieb ein CTG. Vier Wehen in 30 Minuten, so wie sonst auch oft. Nichts Spektakuläres also… meinte ich. Ich fuhr nach Hause, meine Mutter kam vom Spaziergang und wollte sicherheitshalber noch einmal nachschauen. Der Muttermund war nun sieben Zentimeter. Irgendwie glaubte ich ihr nicht, weil ich es mir einfach nicht vorstellen konnte. Sieben Zentimeter – und das ganz ohne Schmerzen?!

Unser zweiter, wunderschöner Sohn

Ich packte die Kliniktasche zu Ende und machte Abendbrot fürs Söhnchen. Mein Mann verfrachtete alles ins Auto und meine Mutter richtete sich darauf ein, bei uns zu bleiben und sich ums Kind zu kümmern. Ich informierte meine Kollegin und Beleghebamme, dass wir auf dem Weg sind und wir wollten uns im Krankenhaus treffen. Sie war keine fünf Minuten nach uns da, untersuchte und der Muttermund war zehn Zentimeter. Ich konnte auch das nicht glauben, alles erschien mir so utopisch. Bis grade dachte ich doch noch, ich hätte Senkwehen!?

Alles wurde für die Geburt bereit gestellt. Dazu gehörte auch, dass doch das OP- und Anästhesieteam (wie vorher bei der Geburtsplanung besprochen) sich mit im Kreißsaal postierte und für den Fall der Blutungen bei Blasensprung für eine SOFORTIGE Sectio (Anm. d. Red.: einen Notkaiserschnitt) bereit hielt. Die geliebte Fruchtblase hatte tatsächlich bis zur Vollständigkeit gehalten. Nun sollte sie geöffnet werden. Alle warteten gespannt. Und gespannt und gespannt… der Arzt bekam die Blase nämlich mit dem Amnicot (Anm. d. Red.: Eröffnung der Fruchtblase mit einem Gummi-Latex-Fingerling mit integriertem Reißhäkchen) nicht auf. Meine Kollegin erledigte dies mit einem Pieks. Klares Fruchtwasser lief ab und ich konnte es gar nicht glauben. So viele Nächte hatte mich dieser Moment um den Verstand gebracht, so viele Tränen hatte er mich gekostet. Und nun war das Schreckgespenst gebannt.

Die Angst vor dem Blasensprung und die – von mir gewollte (ich wollte ja bei der Geburtsplanung auch die maximale mögliche Sicherheit, auch auf Kosten der Intimität, die so eine Geburt eigentlich braucht) – Unruhe im Kreißsaal durch das Postieren des ganzen OP-Personals hatten dafür gesorgt, das sich beim Muttermund wieder ein vorderer Saum gebildet hatte, auch die Wehenintensität hatte seit Blasensprung ordentlich zugenommen. Der Muttermundssaum musste jetzt erst wieder aufgehen, was aber auf den Knien binnen zwei bis drei Wehen geschehen war. Nun wurde der Druck immer stärker und ich merkte, wie der der Kopf immer tiefer ins Becken rutschte. Noch drückte es nach vorn, Richtung Symphyse, und ich wartete auf den klassischen Druck auf den Darm, der den unwillkürlichen Pressdrang mit sich bringt. Und während ich noch wartete musste ich auch schon anfangen zu schieben. Nachdem ich den Dreh beim Pressen raushatte, war der Kopf innerhalb von drei Wehen geboren und ganz plötzlich und unverhofft war unser zweiter, wunderschöner Sohn in diese Welt gerauscht. In der 36.+1 Schwangerschaftswoche brachte er trotzdem stolze 3400 Gramm auf 51 Zentimeter mit. Sein Bruder, der genau drei Wochen später kam, wog 3600 Gramm. Wahrscheinlich wäre ich zum Termin hin dann dieses Mal einfach explodiert!

Rückwirkend würde ich mir wünschen, ich hätte vorher gewusst, was ich jetzt weiß – nämlich: Das alles gut geht. Das hätte mir 36 Wochen Schwangerschaftskrimi erspart, meinem Baby eine Menge Adrenalin in Mutters Blut und meinem großen Sohn (gerade 20 Monate alt) die Erfahrung einer teilweise völlig aufgelösten Mutter, die sich gern adäquater um ihn gekümmert hätte! Aber gut, life is life (nana naanaanaa) und wer weiß, wofür diese Erfahrung gut war? Zumindest habe ich durch ausführliche Recherchen zum Thema Insertio velamentosa und Plazentaanomalien viel dazu gelernt, was ich beruflich einbinden kann. Wie heißt es? Nichts im Leben geschieht umsonst.

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9 Kommentare

Romy 25. Februar 2020 - 10:12

Liebe Tanja,
vielleicht liest du diese Nachricht gar nicht mehr, da die letzten Einträge ja schon lange Zeit zurück liegen. Ich probiere es trotzdem mal:
auch bei mir liegt eine Insertio vor, nicht praevia. Bisher hatte ich mir noch gar keine Gedanken gemacht (bin jetzt31+), da die Feindiagnostik auch nur meinte man soll nicht an der Nabelschnur ziehen. das klang einfach und ungefährlich. Da ich aber eine Hausgeburt plane und das meiner Gyn letztens erzählte, ist es nun doch komplizierter. Meine Gyn war schockiert, dass ich zu Hause entbinden will und bat mich inständig das nicht zu tun. Meine Hebamme allerdings meinte die Diagnose ist kein Offizielles Hindernis für eine Hausgeburt. Nun bin ich vollends verwirrt, auch wenn ich sehe was oben so alles empfohlen wurde und aufgefahren wurde. aus deiner ja recht positiven Erfahrung, was würdest du sagen: Klinik oder zu Hause? Ich will natürlich weder das Leben meines Kindes oder mir aufs Spiel setzen, aber vertraue auch meiner Hebamme, die ja auch eine gute Geburt möchte und kein Risiko eingehen. Und eine schöne Geburt zu Hause vs. geplanter Kaiserschnitt – da weiß ich auf jeden fall wo es mich hinzieht. Vielen Dank!

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Johanna 22. März 2021 - 08:03

Hallo Romy,
dein Kommentar liegt ja nun schon über ein Jahr zurück. Magst du vielleicht trotzdem erzählen, wie es bei dir weiterging?
Ich habe die Diagnose vor ein paar Wochen bei der Feinsonographie bekommen, bei mir ist die Insertio velamentosa nur 2cm lang und liegt im oberen Drittel der Gebärmutter. Die Pränatalärztin, meine Frauenärztin und meine Hebamme waren alle drei sehr entspannt damit und meinten, dass das nicht weiter von Bedeutung ist und deshalb auch kein Kaiserschnitt gemacht werden muss. Tja, nun war ich zur Geburtsanmeldung im KH und wurde gefragt, ob ich nicht einen Kaiserschnitt deswegen möchte. Das (+Google) hat mich wahnsinnig verunsichert. Vielleicht kannst du (oder jemand anderes) mir mit deinen Erfahrungen weiterhelfen?
Danke schon mal!

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Johanna 25. April 2021 - 08:48

Da auf diesen Blogbeitrag hier sicher einige verunsicherte werdende Eltern mit der Diagnose “Insertio velamentosa” stoßen (so wie auch ich vor einigen Monaten), möchte ich kurz berichten, wie es bei mir weiterging.
Da der deutlich größere Teil der Ärzt:innen mir nicht zwingend zu einem Kaiserschnitt geraten haben, habe ich eine Spontangeburt im Krankenhaus geplant. Ich hatte eine ganz wundervolle, überraschend schnelle und schmerzarme Geburt am Entbindungstermin. Während der Schwangerschaft habe ich es oft bedauert, von der Insertio velamentosa überhaupt zu wissen, weil das mit so viel Angst verbunden war. Am Ende war es aber total gut, das vorher zu wissen. Meine Plazenta hat sich nach der Geburt nicht richtig gelöst und da meine Hebamme und alle im Krankenhaus Bescheid wussten, hat auch niemand an der Nabelschnur gezogen, um der Plazenta auf die Sprünge zu helfen. Letzten Endes musste die Plazenta dann operativ entfernt werden, das hatte aber nichts mit der Insertio velamentosa zu tun. Die Plazenta hätte sich in meinem Fall auch nicht gelöst, wenn man an der Nabelschnur gezogen hätte, es wäre nur zu für mich bedrohlichen Blutungen gekommen. Ich bin sehr dankbar, dass alles so gut verlaufen ist.
Wer (so wie ich) diese Diagnose erhält und die ganzen Horrorgeschichten zur insertio velamentosa liest, sollte unbedingt das Gespräch mit Hebamme und Ärzt:innen suchen, sich ggf. eine zweite Meinung einholen und sich auch genau erklären und evtl. im Ultraschall zeigen lassen, wo bei einem selbst die Nabelschnur inseriert, wie lang die freilaufenden Gefäße sind, wo sie verlaufen usw. Auf dieser Grundlage beurteilen die Ärzt:innen, ob ein Kaiserschnitt indiziert ist oder nicht und oft ist er das nicht 😉
Alles Gute für alle, die genauso verunsichert sind, wie ich es war!

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Bianca 17. Dezember 2018 - 09:24

Liebe Tanja,

leider finde ich erst heute deinen Artikel, denn Ich habe mich so sehr in deinem Artikel wiedergefunden. Ich habe seit Beginn der Schwangerschaft durch eine IVF Blutungen gehabt und bin von Arzt zu Arzt geschickt worden. Es sind tausend Theorien auf dem Tisch gelandet wo das alles herkommt, aber nichts war so richtig sicher, bis die Blutungen in Woche 22 plötzlich aufgehört haben.
Leider haben wir aber aufgrund der vielen Feindiagnostiken (insgesamt schon 4 Stück bis jetzt 26. Woche) erfahren wir haben eine Insertio Velamentosa mit Vasa praevia nur ganz knapp neben dem Muttermund und eine Plazentaanomalie, bei der man sich nicht sicher ist was genau da schief gelaufen ist. Seit ich das weiß habe ich auch ständig Albträume davon, dass mein Kind stirbt, bei Geburt verblutet, nicht genug versorgt wird und und und. Ich habe mich bis vor zwei Wochen sogar geweigert irgendwas für mein Baby einzukaufen, weil ich so fest davon überzeugt war, meine Kleine wird das nicht überleben. Dann habe ich endlich meine Hebamme getroffen und dann sah die Welt anders aus. Sie hat mich beruhigt, gemeint dass man so viele dieser Diagnosen erst nach der Geburt feststellt und die meisten Kinder trotzdem lebend und gesund zur Welt kommen. Unser “Schicksal” ist es eben aus dem medizinischen Bereich zu kommen und durch die vielen Untersuchungen genauestens zu wissen was Sache ist.
Sie hat mir auch Häuser empfohlen, die solche Fälle natürlich entbinden, aber auch eine Neonatologie haben, wenn es hart auf hart kommt. Ich hatte mich innerlich schon mit einem Kaiserschnitt bei 37+0 abgefunden, der mir von 3 Ärzten empfohlen wurde.
Berichte wie deiner bestärken mich jetzt darin, dass es auch anders gehen kann und ich nicht zwangsweise damit leben muss, alles nur in ärztliche Hände abzugeben.
Mir wurde direkt nach positiven Schwanegrschaftstest von einem Arzt gesagt ich solle endlich aufhören vom Bauchgefühl zu reden, sowas gebe es nicht. Und leider habe ich das getan, hätte ich auf meinen Bauch gehört, hätten wir bei weitem nicht jeder Untersuchung zugestimmt und ich wäre vielleicht etwas entspannter durch die Zeit gegangen.
Viele Grüße
Bianca

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Melissa 14. Juni 2017 - 21:18

Hallo und danke für deinen Artikel!
Mein Sohn ist 1 Jahr und 5 Monate, seine Schwester ist in der 26. Woche und vor 4 Wochen kam die Diagnose “Velamentosa”.
Niemand in meinen Kreisen weiß was es ist oder kann sich meine Gefühle vorstellen.
Ich konzentriere mich viel auf meinen Sohn und wenn ich ehrlich bin… Ich hab mit ihr noch gar nicht geredet… warum auch? Wenn die Nabelschnur jetzt reißt, ist alles verloren…
Ich versuche meine Ängste auszublenden und nicht daran zu denken. Was anderes kann ich doch eh nicht tun.
Ich Versuche als “glückliche Schwangere” zu gelten. Glaubt es mein Umfeld, werde ich es auch glauben… oder???

Sind alle im Bett, bekomme ich Angst… in der 35. Woche wird voraussichtlich ein Kaiserschnitt gemacht. Bei meinem Sohn hatte ich einen nks (Präentklampsie), ich fühle mich nicht als Frau. Ich bin nicht in der Lage meine Kinder zu schützen und ihnen die Zeit der Entwicklung zu geben die sie brauchen.

Dein Artikel ist wunderschön und ein kleiner Funken hofft auch auf so ein Glück. Aber ich hatte es bis her nicht.
Bei meinem Sohn wurde 1 Woche eingeleitet und es hatte sich überhaupt nichts getan!

Ich gebe es nicht gerne zu… weil es mir vorgeworfen wird und ich mich dann total schlecht fühle!
Aber ich habe so große Angst um meine Tochter! Ich könnte nur noch heulen..!

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Tanja 14. Juni 2017 - 22:28

Liebe Melissa,
fühl dich erstmal ganz lieb umarmt. Ich kann dich so gut verstehen. Ich habe nachts regelmäßig von blutigen Blasensprüngen geträumt und das ich realisieren musste “Alles ist aus“. Ich bin wie betäubt durch diese Schwangerschaft gegangen, emotional. Ich konnte und wollte mich nicht recht auf meinen Sohn einlassen…zu groß war die Angst, dass er mir wieder genommen wird. Ab NMT bis zur 20.SSW hab ich regelmäßig stark geblutet, dann ab Woche 16 die Vermutung Velamentosa, ab Woche 20 die sichere Bestätigung! Ich hab nach der Geburt meine 36-wöchige Gefühlslage nochmal genau gespürt, als ich einfach nicht glauben konnte, ein gesundes Kind im Arm zu halten. Ich hatte so sehr mit allem anderen gerechnet und irgendwie schon “damit abgeschlossen“ (irgendwie dumm ausgedrückt).
Hast du schon eine Hebamme? Kann sie dich vielleicht entspannend akupunktieren? Mir hat das für ruhigeren Schlaf gut geholfen. Und versuch deine Tochter “anzunehmen“ und positiv zu denken. Ich musste stark an der Beziehung zu meinem Sohn nach der Geburt arbeiten, retrospektiv hätte ich mir gewünscht, ich hätte schon vorher was für unsere Basis getan. Aber ich verstehe dich, es fällt so schwer, man möchte sein Herz schützen und trotzdem würde man getroffen sein, denn solch eine starke Rüstung existiert für kein Mutterherz.
Wo sitzt deine Velamentosa denn? Oben im Fundusbereich oder unten vor dem Muttermund,?
Deine Vorgeschichte (nks, Präeklampsie, frustrane Einleitung) macht es leider komplizierter auf eine spontane Geburt hinzuarbeiten, besonders, weil du ja wohl auch nicht bis zum Termin gehen sollst. Such dir Rat, was möglich ist, bei mir hätte man auch bei einer geplanten Sectio bis 37+0 gewartet um die Frühgeburtlichkeit abzuwarten. Mir haben Alternativgespräche mit verschiedenen Ärzten sehr geholfen. Wende dich vertrauensvoll an deine Hebamme und lass dich von ihr beraten und sprich mit ihr über deine Ängste und Sorgen!
Ich sende dir liebe Grüße und drück dir all meine Daumen!!!
Bitte schreib doch vielleicht hier noch einmal, wie es weiter geht, ich würde mich freuen.
Ganz liebe Grüße, Tanja

Antworten
Melissa 14. Juni 2017 - 22:57

Danke für deine schnelle Antwort!
Es ist tröstet mich schon irgendwie zu lesen, dass es dir auch so schwer fiel. Das meine ich überhaupt nicht böse!
Ich weiß nicht wie man es in der Fachsprache sagt, aber Dire Nabelschnur und die Plazenta sind oben. Soll ja gut sein…
Ja, ich habe enne Hebamme. Sie hatte auch versucht mich zu beruhigen.. am Samstag hab ich wieder einen Termin.
Ich kann mir nicht vorstellen ein gesundes Kind zu bekommen…
Ich bin gerade in so einer schlimmen Emotionalenphase.. eigentlich kann ich es gut herunter schlucken.

Antworten
Ilona 24. August 2016 - 15:28

Hallo!
Es war gerad schön und aufmunternd Deinen Artikel zu lesen! Habe vor 3 Wochen in der Pränatalpraxis den Befund insertio velamentosa (nicht praevia) bekommen. Die Ärztin meinte ich soll mir keine Sorgen machen und nicht google. Das Baby bleibt weiterhin gut versorgt, man müsste nur bei der Geburt aufpassen, dass an der Nabelschnur nicht gezogen werden darf. Habe mir somit keine weiteren Gedanken gemacht. Heute hatte ich meinen normalen VorsorgeTermin bei meiner Frauenärztin, habe ihr von dem Befund erzählt und sie schien auch nicht besonders besorgt o.Ä. Und wie es so ist, habe ich heute doch gegoogelt und habe jetzt natürlich tierische Ängste, nachdem was ich alles im Internet gelesen habe. Ich würde soooo gerne natürlich entbinden, weil meine erste SS leider mit einem KS endete und ich seelisch und emotional lange damit kämpfen musste. Nun kommt aber die Sorge um das Kind…und ob ein geplanter KS nicht doch sicherer bei dem Befund wäre…Deine Geschichte macht aber wiederum Mut…:-(

Antworten
Tanja 14. Juni 2017 - 22:35

Hallo Ilona,
ich habe deinen Beitrag grade erst gelesen (fast ein Jahr später…).
Mich würde sehr interessieren, wie es bei dir weiter ging und ja, in solchen Situationen zu googlen ist pure Selbstgeißelung und bringt einem ehrlich gesagt NICHTS außer Angst. Eigentlich sehr schön, dass sowohl das Pränatalzentrum als auch drin FA so entspannt waren. Meine Gyn war auch völligst easy, nur die Feindiagnostiker bei mir nicht. 3 Ärzte redeten in.der 20.SSW auf mich ein, dass ich fahrlässig das Leben meines Kindes gefährde, rieten zur Sectio bei spätestens 37+0. Ich fragte damals schon, was das helfen würde, wenn er eher kommt. Geboren wurde er dann ja bei 36+1, selbstbestimmt durch ihn und fix mit stehender FB, die ganz zum Schluss eröffnet wurde. Eigentlich eine wundervolle Geburt, die noch schöner gewesen wäre, wäre ich nicht schon von 36 Wochen Panik mürbe gewesen…

Liebe Grüße, Tanja

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