Mehr als einmal habe ich gehört, dass man das als Hebamme mit dem Kinderkriegen ja alles selbst kann und vermutlich doch gar keine Hebamme brauche. Nun: Als Hebamme, die Mutter wird, kann ich das genauso gut wie jede andere Frau, die schwanger ist. Denn schließlich bekommt in allen Fällen immer die Frau das Kind – und nicht die Hebamme. Wir begleiten und unterstützen höchstens als Hebammen und fangen vielleicht noch das Baby auf. Die Geburt schafft die Frau alleine, ohne ihre Bereitschaft und Hingabe dazu geht es nicht. Also sind es eigentlich gleiche Bedingungen für alle und trotzdem geht man als Hebamme wahrscheinlich noch ein bisschen anders durch eine Schwangerschaft und in eine Geburt hinein. Man hat sicherlich konkretere Bilder vor Augen, wie alles sein könnte oder auch davon, was einem so alles Sorgen bereitet. Darum ist es in der Regel auch für Hebammen gut, in dieser Zeit eine gute fachliche und empathische Begleitung an ihrer Seite zu haben.

All jenes, was man selbst als Hebamme gesehen und erlebt hat, nimmt man auch immer ein bisschen mit in die eigene Geburt hinein. Das können positive aber auch beängstigende Erfahrungen sein. Denn die professionelle Distanz funktioniert meist nur solange, bis es einen nicht unmittelbar selbst betrifft. Und dann ist auch die erfahrenste Hebamme, einfach „nur Mutter“, mit allem was dazu gehört. Und oft fühlt sich nach einer eigenen Geburt auch die Hebammenarbeit anders an. Vielleicht hat man noch mehr Verständnis für die Nöte junger Eltern. Vielleicht stellt der Arbeitsalltag zunächst eine extrem hohe Belastung da, zum Beispiel dann, wenn man selbst eine schwere Geburt hatte oder sogar sein Kind verloren hat. Was Frauen an Vielfalt in der Schwangerschaft und unter der Geburt erleben, das betrifft auch Hebammen in der gesamten Bandbreite, wenn sie selbst Mutter werden. Das vorhandene Fachwissen kann durchaus helfen oder einem im Weg stehen.

Davon, wie Hebammen ihre eigenen Geburten erleben, handelt unsere neue Serie Wenn Hebammen Kinder kriegen…, die nächste Woche startet. Dann erzählen Hebamme an dieser Stelle ihre eigenen Geburtsgeschichten und davon, wie sie selbst das Mutterwerden erlebt haben.

Kolleginnen, die Interesse haben, an dieser Stelle von ihrer Geburt zu berichten, können mich gerne unter info@vonguteneltern.de für weitere Informationen kontaktieren.

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Kommentare

3 Antworten zu „Wenn Hebammen Kinder kriegen…“

  1. I
    Ines

    Ok Dann entschuldige bitte meine Voreiligkeit!
    Trotzdem ein „HOORAAAAY“ für euch & meinen Lieblingsblog den ich endlich wieder lesen kann. Euch ein entspanntes WOende.

  2. I
    Ines

    Hier steht ja noch gar nix! Gar nix!
    „Als Hebamme die Mutter wird…“
    Hab das nur ich gelesen oder wissen das schon alle und ich habs Dank 8wöchiger Internet-Abstinenz nicht mitgekommen oder überinterpretiere ich?
    Habs jetzt mehrfach gelesen und laut meinem Mann vorgelesen – wir kommen beide zum gleichen Schluß! Hooraaaaaay für euch! Toll, toll, toll!

    1. A
      Anja

      Liebe Ines, nee Du hast nix verpasst in den acht Wochen, zumindest nicht, dass ich wüsste ;)Der Satz war mehr so allgemeingültig geschrieben, für alle Hebammen, die Mutter werden oder Mutter geworden sind.

      Liebe Grüße, Anja

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