Wenn niemand mehr Hebamme werden will…

von Anja

Schon seit einigen Jahren verdichtet sich das Angebot an Fortbildungen, Kursen und Workshops, die Menschen für die Arbeit mit Schwangeren und Eltern ausbilden sollen. Ob Schwangerenbegleiterin, Geburtscoach oder Wochenbettunterstützerin – die meisten dieser Angebote sind darauf ausgerichtet, junge Familien vor und nach der Geburt eines Kindes zu unterstützen. Der Markt ist mittlerweile groß, die Nachfrage ist da. Gerade heutzutage, wo es nicht mehr selbstverständlich ist, eine Hebamme für die Betreuung vor, bei oder auch „nur“ nach der Geburt zu bekommen.

Gleichzeitig sinkt die Anzahl der Bewerberinnen an den Hebammenschulen beständig. Auch die Verweildauer der examinierten Hebammen im Beruf scheint immer kürzer zu werden. Trotzdem haben offenkundig viele Frauen – und einige wenige Männer – den Wunsch, Familien in dieser ganz besonderen Lebensphase zu begleiten. Doch Hebamme werden möchte keiner mehr.

Natürlich wissen die meisten, dass sich die Arbeitssituation stetig verschlechtert hat bzw. die Vergütung nicht zu den eklatant gestiegenen Berufsausgaben passt. Allerdings glaube ich, dass man auch als Schwangerenbegleiterin oder Familienberaterin nicht allzu großartig verdienen wird. Deshalb habe ich mich schon oft gefragt, was Frauen letztlich davon abhält, einen unmittelbar für diese Lebensphase ausbildenden Beruf zu erlernen. Natürlich ist der Weg wesentlich länger als einen Wochenendkurs zu belegen. Aber viele besuchen auch nicht nur eine Fort- oder Weiterbildung zu diesem Themenbereich.

Familien nach der Geburt ohne Hebammenhilfe – und dann?

Ist es vielleicht letztlich die Angst vor der nicht gerade kleinen Verantwortung? Denn natürlich bin ich als Hebamme schnell sachlich haftbar, wenn sich Verläufe nicht wie erwünscht gestalten. Und das betrifft nicht nur die Geburtshilfe. Wer keine Hebamme ist, sondern „nur in diesem Bereich“ arbeitet, muss sich weder besonders kostenintensiv versichern noch kann wirklich belangt werden, wenn ein Schadensfall entsteht, weil falsch beraten oder etwas übersehen wurde. Als Hebamme nimmt man seine Fälle gerne mal mit ins Bett und überlegt auch noch nach Feierabend, ob auch wirklich an alles gedacht wurde. Das macht den Beruf sicherlich auch außerhalb seiner Dienstzeiten bisweilen recht anstrengend.

Erst vor einigen Tagen habe ich eine Hebammenfortbildung besucht, bei der es auch um Notfälle im Wochenbett ging. Natürlich treten diese Ausnahmesituationen vergleichsweise selten auf, was aber sicherlich auch daran liegt, dass bei guter Hebammenbetreuung die Frühwarnsymptome erkannt und Mutter oder Kind rechtzeitig behandelt werden. Doch was passiert, wenn Familien nach der Geburt keine Hebammenhilfe mehr bekommen? Ich habe jetzt bereits immer wieder mal mit Kindern in der Stillberatung zu tun, bei denen eine Gedeihstörung einfach nicht erkannt wurde. Der Grund dafür: Es war in den ersten Tagen oder Wochen keine Hebamme bei der Familie. Einfach weil die Familie keine Hebammen für die Wochenbettbetreuung mehr gefunden hatte.

Wir brauchen nicht nur schöne Kurse

Trotzdem werden Mütter mit ihren Babys immer früher aus der Klinik entlassen, weil das für die Krankenhäuser finanziell attraktiver ist. Aber erkennen wirklich alle Eltern die Anzeichen für eine Neugeborenengelbsucht oder für Störungen der Rückbildung bei der Mutter selbst? Zum Glück haben die Eltern oft ein ganz gutes Gespür für Probleme und suchen dann einen Arzt oder die Klinik auf, was aber gerade im Wochenbett ein erheblicher Stressfaktor ist. Und manchmal ist es auch nicht der Fall, weil es den Eltern selbst nicht gut geht oder sie einfach nicht wissen, welches Verhalten für ein Neugeborenes normal ist und welches nicht. Darum und auch aus anderen Gründen ist eine fachliche Begleitung in dieser Lebensphase sinnvoll – und die meisten Familien wissen eine solche Begleitung auch sehr zu schätzen.

Nun stellt sich die Frage: Werden die vielen neuen Unterstützungsangebote, die durch die immer weniger werdenden Hebammen entstehende Versorgungslücke füllen können? Nein, eher nicht, weil dafür die Grundkenntnisse der Hebammenausbildung fehlen. Und was nützt die optimalste Vorbereitung auf die Geburt, wenn in den Kreißsäalen nicht mehr genug Hebammen arbeiten, um Frauen überhaupt zu begleiten? Wir brauchen nämlich nicht nur schöne Kurse, sondern vor allem auch unter der Geburt eine entsprechend an den Bedürfnissen der Frauen orientierte Begleitung.

Keine Hebammen mehr, dafür höheres Gesundheitsrisiko

In den nächsten Jahren werden viele ältere Kolleginnen in den Ruhestand gehen und das Problem des Hebammenmangels wird sich weiter verschärfen. Fortbildungen und Wochenendseminare für Quereinsteiger in den oben genannten Weiterbildungen werden das Problem nicht lösen. Ohnehin sind all diese Angebote stets eine private Selbstzahlerleistung. Damit sind sie nur für einen ausreichend wohlhabenden Anteil der Familien zugänglich.

Wer gerne in diesem Bereich arbeiten möchte, sollte vielleicht doch noch mal darüber nachdenken, ob nicht die Hebammenausbildung der richtige Weg ist. Die Ausbildung bzw. das Hebammenstudium sind kein Zuckerschlecken. Auch die Bedingungen hinterher sind oftmals alles andere als optimal. Aber trotz allem halte ich den Hebammenberuf nach wie vor für einen der schönsten Berufe im Gesundheitsbereich. Wenn aber niemand mehr Hebamme werden will, haben wir bald Bedingungen, wie sie in anderen Ländern längst üblich sind. Einhergehend mit höheren gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind,

Die ganzen Zusatzangebote können sicherlich so manchen Aspekt der Hebammenarbeit gut ergänzen, aber diese eben keinesfalls ersetzen. Darum denke ich oft, dass es doch schade ist, wenn so engagierte Frauen dann nicht in einem Beruf landen, in dem sie so unmittelbar viel für eine gute Versorgung und Begleitung von Eltern und Kindern tun könnten – ob vor, bei oder nach der Geburt. Vielleicht denkt also die eine oder andere da draußen doch noch mal darüber nach, ob Hebamme vielleicht nicht doch ein ganz passender Beruf für sie wäre.

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21 Kommentare

frustriert much? 29. Juli 2021 - 11:31

Naja, solange man lieber frische Schulabgängerinnen ausbildet, weil die im Gapyear Zeit hatten (finanziert durch die Eltern) ellenlange Praktika in Kreißsälen und/oder auf Geburtstationen zu machen, als erwachsene Frauen, die mitten im Berufsleben aus den unterschiedlichsten Gründen eben nicht mal 4/6/8/12 Wochen für Praktika erübrigen können, so lange muss man eben damit rechnen, dass Abbrecherquoten hoch sind und viele nicht lange im Job bleiben. Wer sich mit 30/35/40 für den Schritt entscheidet, aus dem Berufsleben heraus, mit 15/20 Jahren Arbeitserfahrung in den unterschiedlichsten Bereichen, aus dem Familienleben mit Kindern heraus… der bringt vielleicht weniger noch zu leistende Arbeitsjahre mit (aber machen wir uns nichts vor, wir arbeiten eh alle bis mindestens 70), aber vielleicht eine andere Herangehensweise an den Schritt ins (neue) Berufsleben.

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Dagmar 24. September 2018 - 11:55

Das zu lesen macht mich sehr traurig. Ich wollte selbst mal Hebamme werden. Damals war ich bereits Mutter eines Sohnes und bewarb mich an mehreren Schulen. Es war völlig normal, dass sich bis zu 1000 Frauen um ein paar Plätze bewarben. Hebamme werden war sehr begehrt. Einen Platz zu bekommen war nicht so einfach.
Ich hatte es tatsächlich geschafft und hatte eine Zusage. 2 Tage später erfuhr ich, dass ich wieder schwanger bin.
Auf meine Nachfrage erfuhr ich, dass ich keine Elternzeit als Auszubildende nehmen durfte. Hebammenausbildung mit einem Neugeborenen – das war für mich unvorstellbar. Ich sagte schweren Herzens ab.
Doch mein Herz schlägt immer noch für den Hebammenberuf, auch wenn mein Leben dann andere Wege genommen hat.
Liebe Grüße Dagmar

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Chantal Montenero 15. November 2017 - 15:13

Liebe Anja,

hier, ich möchte Hebamme werden. Ich bin Chantal, 23 Jahre jung und seit der Hausgeburt meiner kleinen Schwester vor 14 Jahren möchte ich Hebamme werde. Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung im kaufmännischen Bereich, eine Fachhochschulreife Wirtschaft und bin gerade dabei mein Studium der Wirtschaftspädagogik abzubrechen. Ja.. ich bin vom Weg abgekommen aber ich denke dass das alles seinen Sinn hatte dass ich jetzt viel reifer bin und weiß was ich will. Eigentliche würde ich ungern eine Ausbildung zur Hebamme im Krankenhaus/einer Hebammenschule machen. Ich würde gerne von den Erfahrungen der Frauen lernen, eine freie Hebamme begleiten, Frauen die sich auf mich einlassen würden bei ihrer Schwangerschaft/bei der Geburt dabeisein und von Urvölkern lernen. Ich möchte nicht unbedingt eine in Deutschland zertifizierte Hebamme sein. Ich würde mir lieber im Ausland etwas aufbauen und die Frauen in verschiedenen Bereichen wie Ernährung, Meditation, Entspannung etc. beraten und begleiten. Da ich aber noch am Anfang bin würde ich mich gerne Austauschen. Meine E-Mail: [email protected]. Ich freue mich sehr über jede Anregung von jeder Frau/Hebamme/Mutter/Vater…etc. hier. Da ich momentan viel Zeit habe würde ich mich auch sehr darüber freuen wenn sich jemand mit mir persönlich treffen würde. Herzliche Grüße Chantal

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Merle 10. Juli 2017 - 14:09

Liebe Anja, auch ich habe seit der Geburt meines ersten Kindes den stetig wachsenden Wunsch Hebamme zu werden! Mittlerweile habe ich zwei kleine Kinder (1 und 3) und der Wunsch nimmt immer mehr Form an (auch beeinflusst durch deine Artikel :)). Ich selbst bin 31 und habe Biologie studiert. In die Wissenschaft zu gehen kommt für mich nicht in Frage-so möchte ich lieber direkt mit Menschen arbeiten und diesen unglaublichen Beruf erlernen. Da ich eventuell spontan noch einen Ausbildungsplatz bekomme werde ich aber gerade doch sehr wehleidig, wenn ich hier meinen Tag mit den Kids verbringe und sie so unbeschwert zu Hause betreuen kann. Ich hoffe sehr, dass wir es als Familie schaffen mich durch die Ausbildung ‘zu bringen’. Ich bin aber sicher, spätestens wenn ich die harte Ausbildung abgeschlossen habe, wird der Traum Wirklichkeit =)
Alles Liebe auch für Dich und Deine Familie <3, Merle

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Laura 7. Juni 2017 - 11:01

Hallo alle zusammen,
ich bin Ende zwanzig und habe letztes Jahr meine Tochter zur Welt gebracht. Ich hatte eine Vorsorge-Hebamme, eine Beleghebamme und eine Hebamme fürs Wochenbett.
Die eigene Schwangerschaft, Geburt und erste Zeit mit meinem Kind hat mir viel abverlangt und ich war immer wieder so glücklich darüber zu wissen, dass es Hebammen gibt. Ich hatte dadurch immer das Gefühl nicht ganz allein mit meiner Situation zu sein. Ich wusste, da draußen gibt es Frauen (oder Männer), die mich verstehen, die verstehen, dass das Kinderkriegen viel mehr ist, als Fortpflanzung oder medizinischer Prozess. Mich hat die Gewalt der Werbung erschrocken, die Schwangere und Mütter direkt anspricht und zum Kauf von sinnlosen Artikeln zwingen will und die Magazine, die allesamt schnelle Ratschläge geben. Ich empfand diese Fülle an Informationen als Gift für mich und sehnte mich so sehr nach einem Weg nur für mich und mein Kind. Und ich sehnte mich so sehr nach einer Begleitung während dieser Zeit, die mich ernst nimmt, mich manchmal auffängt.
In Hebammen hatte ich daher von Anfang an großes Vertrauen gesetzt. Sie sind und bleiben für mich unersetzlich!!!
Dieser Beruf muss bleiben. Hausgeburten müssen möglich sein.
Ich habe selbst in einer großen Klinik entbunden und habe mich hinterher gefragt, warum ich mich dafür entschieden habe. Es gab keinen medizinisch notwendigen Grund! –
Ich hatte Angst.
Und das, obwohl die Schwangerschaft “medizinisch perfekt” verlief, ganz ohne Komplikationen.
Und dann fragte ich mich, wo diese Angst herkam und wusste genau: ich war unglaublich verunsichert durch die zahlreichen Vorsorgeuntersuchungen, die Frauenärztin, die diese Untersuchungen immer für wichtig hielt und durch die vielen Ratgeber, Gratismagazine und -broschüren, die mir schon zu Beginn der Schwangerschaft in der Arztpraxis in die Hände gedrückt wurden.
Ich bin heute der Überzeugung, dass gerade jetzt zu Zeiten des Kapitalismus, heute wo aus allem Profit gemacht wird, wo keine Rücksicht mehr auf den Menschen und seine körperlichen, wie seelischen Grenzen genommen wird und die Bedürftigen am heißesten beworben werden zu kaufen und Geld anzulegen, und sowieso nur noch Geld zu zählen scheint und wir uns immer mehr von uns selbst entfremden,
genau jetzt und hier ein Beruf, wie der der Hebamme, unglaublich wertvoll ist.
Und deshalb will ich diesen Beruf erlernen.
Doch wieder habe ich Angst, dass mir dieser Beruf finanziell nicht reichen könnte und mir in dieser Hinsicht zu viel abverlangt. Das finde ich so traurig. Doch mein Herz hält dagegen.
Liebe Anja, wie schaffst du das mit Beruf und Familie? Musst du als Hebamme viel nebenher anderes machen, um über die Runden zu kommen?
Ich habe schon einen Beruf erlernt. Ich bin Schauspielerin. Jetzt möchte ich den Beruf der Hebamme erlernen und bin schon auf der Suche nach einer guten Ausbildung. So gerne würde ich nun diesen neuen Weg einschlagen und ihn gehen, ohne Umwege zu machen, ohne mich später unter anderen Jobs aufteilen zu müssen, um über die Runden zu kommen… ich wüsste gerne, wie das möglich ist. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass das irgendwie möglich ist.
Vielen Dank für diesen tollen Blog und diese interessanten Kommentare!!
Seid herzlich gegrüßt! L.J.

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Gabi 4. Dezember 2019 - 11:21

Liebe Laura, ich bin neugierig: hast du deinen Traum erfüllt, bist du den Weg der Hebamme gegangen?

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Elisabeth Schneider-Kessler Heilpraktikerin,Geburtshelferin 6. Mai 2017 - 03:00

Eine gut ausgebildete Geburtsmedizinerin verfügt traditionell über alle notwendigen Kompetenzen einer komplikationsfreien Entbindung- dies war und ist eine hochqualifizierte m e d i z i n i s c h e Tätigkeit, mit höchster Verantwortung für Mutter und Kind.
Merkwürdigerweise haben einige Geburtshelferinnen ab Mitte der 80er Jahre ihre Praxen als “Hebammenläden” benannt , eine eher fragwürdige Bezeichnung für eine solche Einrichtung .Dies haben unsere beruflichen Instanzen und Verbände anscheinend stillschweigend geduldet , eine Ärzte- oder Anwaltskammer hätte dies in ihren Reihen wohl kaum zugelassen…Das noch heute nachwirkende Resultat der damaligen Experimente – keine gute Empfehlung.. Finanzieller und gesellschaftlicher Abstieg verbunden mit einem mittlerweile spürbaren “Imageverlust” -eine fatale Konsequenz solcher Experimente Der Anfang vom Ende ? Die derzeitige Entwicklung ließ mich dieses lange schon befürchten-so wie mir ergeht es auch anderen Kolleginnen, die dies ähnlich empfinden. Nach den uns bestimmt neben zahlreichen weiteren Berufsgruppen längst zuzubilligenden ” akademischern Würden” zu rufen -” Geburts- und Familienwissenschaftlerin”-als unverzichtbarer Frauenberuf im Dienste aller Mütter, deren Familien gleichermaßen als helfende Institution bis zum Schulalter wenn nötig- mit den Kinderärzten und Jugendämtern gemeinsam- – wären diesem “Absturz” ins nahezu Bededeutungslose – zuletzt dank der irrsinnigen” Haftpflichtbeiträge”- bestimmt zuvorgekommen .Alle diesbezüglichen Bestrebungen in den 90ern bereits, wurden von der damaligen Politik konsequent abgeschmettert .Namhafte Verbände versuchten über Jahre hinweg etwas zu erreichen diesbezüglich- keine Chance. Warum ? Zeitgleich erfand man stattdessen zahlreiche “alte Berufe” neu .Modernisierte neue Bezeichnungen inbegriffen. Promtionsmöglichkeit – einige Kolleginnen promovierten im Ausland,der Wunsch war bei vielen vorhanden, es gabe Forschungsprojekte, hochgelobt unter “Hebammen forschen” langjährig gepriesen. Professorinnen -immerhin einige seltene Ausnahmen innerhalb unserer so altehrwürdigen Zunft, Kompliment ..Geburtswissenschaftler(in-nen) – weshalb nicht?
An unseren großen Universitätskliniken wie Heidelberg, Mainz, Marburg, München z.B., – vormals einzige Stätten hervorragender (“Hebammen”-Ausbildung- lehrte man uns mit den Medizinstudenten im Wechsel in selbigen Hörsälen einschließlich derselben Professoren, Dozenten , Pharmaklogen und leitenden Lehrhebammen, – sowie der “Kreissaaldirektorin” eine ” Hebamme” in Führungsposition mit ca. 10 Angestellten ,u. ca. 20 studierenden künftigen Kolleginnen. Von diesen persönlich hervorragend angeleitet und ausgebildet, stets überprüft, bis zum Examen mindestens 50 Geburten unter Aufsicht der Direktorin selbständig durchgeführt!. Nahezu die Hälfte der Absolventinnen eines solchen Lehr- und Studiengangs erreichten nicht das erhoffte Ziel. Die Anforderungen, seelisch, körperlich, intellektuell, manchmal sehr schwer, wie jedes Studium mit Praxisabschnitten. Ein staatliches anerkanntes Examen bestehen,” mit separat zu erteilendem Anerkennungszeugnis der Gesundheitsbehörden, zwecks selbständiger Praxisausübung.. Einige wurden gleich nach bestandenem Examen von der Klinik eingestellt, auch dies ein glücklicher Umstand.
Mein Diplom ,samt Silberbrosche (die goldene wäre vor 1 Jahr fällig gewesen…) werde ich wohl demnächst in Karlsruhe abgeben.
1500 Kinder zur Welt gebracht bis 1974 , im gynäkol. Operationssaal assistiert.16 Jahre selbständig im Bereich Geburtsvorbereitung, Nachsorge zahlreiche Hausbesuche nach der Entbindung, ab 1984-2002 . Veröffentlichungen, Vorträge , Elternkurse, Stillgruppenleitung in Eigeninitiative. Lange Jahre gekämpft, gehofft, geschrieben ,diskutiert, für Mütter ,Väter, Kinder, solange bis man irgendwann die Nervenkraft für diese anstrengenden Aufgaben neben eigener Familie doch nicht mehr aufbringen mochte.Dank und Anerkennung der betreuten Mütter bleiben unvergessen .Mit Hochachtung für die vielen Kolleginnen, denen an dieser Stelle weiterhin Kraft , Zuversicht und Durchhaltevermögen zu wünschen bliebe..
Die eigentlich Leidtragenden- junge, unerfahrene , ängstliche Mütter und deren Kinder- von “angelernten Laien” -betreut,- ein katastrophaler Rückschritt .Allein wer die theoretische und praktische Schwangeren – und Geburtshilfe langjährig professionell leiten gelernt hat, kann im Zweifelsfalle höchst professionell und kompetent betreuen , agieren und situativ beherrschen.
Darf unseren Familien dieses Grundrecht genommen werden?
.Geburtsvorbereitung, Vorsorge, Stillkompetenz, medizinische Wochenbettbetreuung – das alles wird sukzessive wegfallen-wer sich auskennt wie wir, weiß was das bedeutet.. -Die Macht dahinter, die das schon lange so geplant haben muß, darf sich schon heute die Hände reiben.

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Constanze 13. März 2017 - 11:47

Doch, ich will Hebamme werden! Ich bin wie meine Vorschreiberin Anja Mitte (oder naja, nach Mitte 😉 ) 30, habe einen interessanten Job in der Wissenschaft und möchte doch lieber Hebamme sein. Aber ich habe Sorge, dass es die außerklinische Option irgendwann nicht mehr gibt und dass ich meine Familie damit nicht ernähren kann. Das Herz sagt eindeutig ja! Der Verstand fragt sich, ob es auch mit Blick auf meine eigene Familie nicht zu egoistisch und fordernd ist.

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Anja 5. März 2017 - 20:46

Ich bin Mitte 30, habe 3 kleine Kinder, und nach Jahren in auch interessanten Wirtschaftsjobs die Ausbildung begonnen. Immer, wenn ich bei “der Sache” bin, ist es wunderbar und richtig.

Erschreckend ist allerdings, wie oft mit Schülern umgegangen wird und wie schlecht die Arbeitsbedingungen sind, von Rücksichtvauf Familien schweigen wir mal ganz. Da muss man das Ergebnis schon wirklich wollen – ich komme aus der außerklinischen Welt und will auch wieder zu dieser Betreuungsqualität zurück.

Aber der Weg über ein paar gepflegte Wochenendseminare ist sicher leichter und nicht mit Hebammenausbildung/-studium zu vergleichen.

Viele Grüße, Anja

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Koko 21. November 2017 - 12:18

Hallo Anja, du sprichst mir aus der Seele…auch ich bin ebenfalls Mitte 30 habe mit einem Kind von 2 Jahren die Ausbildung begonnen (war vorher nach meinen Studium im Gesundheitsmanagement tätig), ich habe mich das erste Jahr durchgekämpft…meine Familie oft unendlich vermisst, wenn man als Schüler wieder tagelang Dienste am Stück absolvieren musste…ich bin nun in Elternzeit mit meinem zweiten kleinen Wurm – d.h. ich habe die Ausbildung unterbrochen…gerne möchte ich sie abschließen…wenn ich bloß wüsste wie ich das mit zwei kleinen Kindern schaffen soll?
In der aktuellen Zeit (es wird bereits Werbung für die Ausbildung gemacht!!!!!) der Akademisierung des Berufs, der vielen Veränderungen, des fehlenden Hebammennachwuches, verstehe ich nicht, warum es uns Müttern so schwer gemacht wird…Krankenschwester, Altenpflegerin all diese Berufe kann man in Teilzeit erlernen – WARUM NICHT DEN BERUF DER HEBAMME? Es gibt entsprechende Gesetze und sicher auch Möglichgkeiten – wenn man es denn wollen würde…ich möchte alles dransetzen und bis in die letzte Instanz kämpfen, ob es hier nicht doch einen Weg gibt. Wie weit bist du? Hast du die Ausbildung fortgesetzt?
Gibt es da draußen eine Hebammenschülerin, die es geschafft hat die Ausbildung in Teilzeit durchzusetzten? Vielleicht ein Pilotprojekt? Ich bin über jede Information dankbar!
Viele Grüße Koko

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reige 26. Februar 2017 - 12:42

Mir geht es ebenso wie manch anderer Kommentatorin hier. Schon über 30 und mit zwei kleine Kindern frage ich mich, ob eine Hebammenausbildung schaffbar ist. Eigentlich wollte ich auch raus aus dem Schichtdienst, aber das Herz schreit gerade so laut nach dem Wunsch Hebamme zu werden.
Aber bekommt man überhaupt einen Ausbildungsplatz? Es gibt bestimmt zahlreiche jüngere Bewerberinnen… hach.

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Roswitha Elisabeth Bahmann 25. Februar 2017 - 13:14

Meine Annalisa ,
das hast Du ALLES gut auf den Punkt gebracht.Ich muß sooft an Dich denken auch daran , welchen verantwortlichen Beruf Du hast.
Bei der Schneiderei kann man Fehler durch neuen Stoffkauf abfangen,aber dagegen Du ?! Ihr habt es mit Menschen und deren Leben zu tun.
Für Dich wünsche ich Dir viel Weisheit und sensiebles Handeln und richtige Entscheidungen , um mit dem neuen LEBEN des Kindes und der Mutter immer das rauszufinden , was wichtig ist.
Zumal jede Geburt ETWAS INDIVIDUELLES ist.
Alle Liebe und guten Wünsche zu Deiner verantwortungsvollen Aufgabe sendet Dir Deine Oma Roswitha

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Clarissa 25. Februar 2017 - 12:16

Ich frage mich, ob es eventuell auch vom Ansehen und Bild des Berufs abhängt. Ich wohne in England, habe hier mein Kind bekommen, mich aber vorher auch viel durch deutsche Seiten gelesen. Was bei mir ankam, war unter anderem eine Konkurrenz zwischen Ärzten und Hebammen in der Vorsorge (ich habe von Ärzten gelesen, die es ablehnen, Ultraschalluntersuchungen zu machen, wenn die Schwangere alle sonstigen Untersuchungen bei der Hebamme machen lässt), während man hier nur Hebammen und speziell ausgebildete Ultraschall-Damen trifft. Hierzulande dürfen Hebammen auch in Krankenhäusern Geburten allein betreuen. Ich habe oft gelesen, dass zur Pressphase hin in Deutschland ein Arzt dazu geholt werden muss. Wenn das stimmt, wie soll ich als unerfahrene Person Vertrauen in einen Berufsstand haben, dem quasi abgesprochen wird, das allein zu tun, wofür sie ausgebildet wurden? Es wäre auch kein Anreiz, diesen Beruf zu wählen.
Und hier ist Hebamme kein reiner Ausbildungsberuf: man lernt drei Jahre, davon die Hälfte der Zeit an der Uni, die andere Hälfte praktisch. In einer Zeit, wo Leute studieren, einfach weil sie es mit Abi ja dürfen, kommt bei vielen Leuten alles, was mit Uni zu tun hat, besser rüber als pure Ausbildung.

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Nadine 25. Februar 2017 - 11:53

Oh, wow Anja! Der Artikel fällt direkt in mein Herz…ich bin jetzt 37, habe 3 Kinder von beinahe 1 bis 7…interessiere mich seit fast Kindertagen für Hebammenarbeit und Co. …habe allerdings dann was völlig anderes gelernt (Krankenkassenbetriebswirtin)…und habe mich jetzt 2018 an der Familienlotsinn-Schule angemeldet…weil ich die Not um mich rum sehe, sehr viel um Rat gefragt werde und so fundierter helfen kann und Frauen eine Zauberzeit möglich machen kann…wenn die Hevamme fast keine Zeut hat… Die Schwierigkeit ist mir völlig klar, die Abgrenzung auch….jetzt gibt es nächstes Jahr auch im örtlichen Klinikum die Möglichkeit zur Hebammenausbildung….meine Hausgeburtshebamme unserer drei Kinder meinte, dies sei mit Familie wohl nicht zu machen…deshalb wird es eben wohl eine andere Richtung…nicht medizinisch, sondern eher Beistand. Ganz liebe Grüße, du hast mich wieder sehr ins grübeln gebracht…Danke! PS…klar, du hast schon so recht.

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Hannelore 24. Februar 2017 - 22:21

Das entspricht gerade meinem Alltag. In der 17. Woche schwanger kämpfe ich mich gerade durch websiten und suche nach einer Hebamme für meine 3. Hausgeburt. Was ich finde sind Beikost-Info-Abende, diverse Bewegungs oder andere Luxus-Angebote. Wenn ich nicht in ein Krankenhaus möchte, bedeutet das Alleingeburt? Glauben Hebammen, ihre Arbeit sei so unwichtig und ersetzbar? Ich nicht! Ich trage den Namen meiner Hebamme, weil meine Mama so dankbar war, dass diese mir mein Leben gerettet hat.
Ich würde auch 500€ Rufbereitschaftspauschale zahlen, wenn das bedeutet, dass ich eine Geburt habe, wie ich sie möchte und brauche. Eine Chance bekomme ich scheinbar nicht und ich verabschiede mich gerade unter Tränen davon.

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Ira 24. Februar 2017 - 21:16

Ich bin 32 Jahre alt und überlege mir immer wieder die Hebammenausbildung zu machen. Nur bin ich zu alt für den Anfang? Oder kriege ich keinen Platz, weil ich selbst schon zwei Kinder habe, die noch sehr klein sind? Danke für den Artikel. Ich bin auf die weiteren Kommentare sehr gespannt.

Antworten
Birgit Dreyer 24. Februar 2017 - 22:12

Ich finde deine Voraussetztung perfekt um Hebamme zu werden.Trau dich.

Antworten
Momosmama 24. Februar 2017 - 14:17

Liebe Anja,
mich spricht der Artikel schon an, denn ich bin eine von denen, die es wagen:-) ich bin 42 Jahre alt und beginne in diesem Sommer die Ausbildung. Es ist allerdings gar nicht so leicht , einen Ausbildungsplatz zu bekommen, ich bin räumlich gebunden, da wird die Auswahl an Schulen recht klein. Unser Sohn ist 10 Jahre alt und wird immer selbstständiger, ohne die Unterstützung meines Mannes und der Schwiegereltern ginge es trotzdem nicht. Im letzten Herbst habe ich im Urlaub ein Praktikum im Kreißsaal gemacht und seit zwei Jahren arbeite ich in Teilzeit in einer Hebammenpraxis ( Schreibtisch-und Telefondienst), ich denke, ich weiß, was mich erwartet, trotzdem schlafe ich seit Wochen schlecht vor Aufregung und ein wenig Angst vor einer eigenen Courage habe ich auch. ABER, die Freude überwiegt. Liebe Grüße, Anja

Antworten
Antonia 24. Februar 2017 - 13:52

Liebe Anja, vielen Dank für Deinen Beitrag. Du hast mal wieder so Recht. Da ich eine von “diesen Frauen” 😉 bin – ich bin selbstständige Stillberaterin – möchte ich Deine Frage beantworten. Warum nur Stillberaterin? Warum nicht Hebamme? Ich habe vor dem Abitur sehr lange darüber nachgedacht und mich dann doch dagegen entschieden. Tatsächlich aus Angst vor der finanziellen Unsicherheit. Stattdessen habe ich BLW studiert und Karriere in der freien Wirtschaft gemacht. Auch spannend, verantwortungsvoll und herausfordernd, aber es hat mich weder glücklich gemacht noch war es familienfreundlich. Daher habe ich mich nach der Geburt meines Sohnes neu orientiert. Wieder stand die Frage im Raum – Hebamme? Doch diesmal hielten mich weder die schlechte Bezahlung, die hohe Belastung noch die große Verantwortung ab. Die Ausbildung passt einfach nicht in unser Leben. Vollzeit im Schichtdienst funktioniert nicht mit einem Kleinkind, Kinderwunsch und einem Mann, der aus beruflichen Gründen nur am Wochenende bei uns ist. Daher also “nur” Stillberaterin. So kann ich meinen Sohn mittags aus dem Kindergarten holen, weitere Kinder bekommen und komme dem Traum wenigstens ein klitzekleines Stück näher. Und ich hoffe ganz fest, dass Deutschland immer noch Hebammen braucht, wenn all meine Kinder “aus dem gröbsten raus sind”. Denn dann mache ich die Ausbildung doch noch!

Liebe Grüße,
Antonia

Antworten
Vera 24. Februar 2017 - 11:09

Ein toller Beitrag. Auch ich fühle mich da sehr angesprochen. Grade jetzt, wo ich sehe, wie einige meiner Freundinnen verzweifelt nach Hebammen suchen.
Bei mir ist es weder das Geld noch die Risiken/ Versicherungen die mich abhalten.
Ich habe zwei (noch kleine) Kinder und einen Partner, der zu sehr in seinem eigenen Beruf festhängt. Und für halbtags ist das wohl der falsche Job. Aber Vielleicht später. Wenn die Kinder größer sind.

Antworten
Katharina 24. Februar 2017 - 10:20

Liebe Anja,
mich sprichst du mit deinem Post wirklich an. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir weiterhin viele Hebammen brauchen, die Familien unterstützen und frühzeitig helfen können, wenn Hilfe benötigt wird. Ich bin auch der Überzeugung, dass Hebamme wohl einer sehr schöner Beruf ist und habe schon manchmal überlegt, ob ich, wenn ich nochmal einen anderen Beruf erlernen würde, dieser das richtige für mich wäre. Ich glaube schon, dass ich das gut könnte und mir diese Arbeit auch liegen würde. Was mich abhält sind nicht die Versicherung, nicht die Bezahlung (ich weiß garnicht was eine Hebamme im Durchschnitt verdient, aber wie bei allen Berufen im Sozialen und Gesundheitlichen Bereich wird natürlich auch hier gerne gespart), für mich ist es der medizinische Bereich, den dieser Beruf beinhaltet und der mich abschreckt/abhält.
Noch ist es nicht so weit, dass es für mich ernsthaft in Frage kommt eine Ausbildung zu machen, das lässt auch meine Familiensituaion nicht zu, aber vielleicht entwickelt es sich im Laufe der Zeit noch dazu……

LG Katharina

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