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Wie aus Christoph Belli wurde

von Anja

Die Hebamme Antonia ist Mutter von vier Kindern. Als ihr vierjähriger Sohn Christoph vor einigen Monaten sagte: „Mami, ich bin nicht mehr der Christoph. Ich bin ein Mädchen und ich heiße Belli!“, da veränderte sich vieles in ihrem Familienleben. Antonia schreibt bei uns als Gastautorin über die Herausforderungen der Transidentität und über das Loslassen von Bildern vom eigenen Kind. Und über das Lieben und Annehmen von Kindern, so wie sie sind.

Mehr Hintergrundinformatioen zum Thema gibt es in diesem Interview mit Dr. Erik Schneider. Der Psychiater und Psychotherapeut berät, referiert und schreibt zum Thema und ist in der Schulberatung von Trans-Kinder-Netz e.V (Trakine) tätig.

Es ist jetzt dreieinhalb Monate her, dass Belli zu uns gekommen ist. Das kam so.

Wir haben abends Gäste erwartet, also habe ich die beiden großen Mädels gebeten, sich ihre Dirndl anzuziehen und den beiden kleinen Buben ihre Lederhosen rausgelegt. Da hat sich Christoph, zu dem Zeitpunkt vier Jahre und drei Monate alt, bitterlich, herzzerreißend weinend auf den Boden gelegt und gewimmert: „Ich zieh die Lederhose nicht an, ich zieh die nie wieder an! Ich will auch ein Dirndl anziehen!“

Ich hab‘ kurz probiert, ihn dazu zu überreden, dann einfach in Jeans zu gehen. Aber es war gleich klar, dass das auch keine Lösung wird. Also bin ich in unser Kammerl gegangen und hab‘ ein altes Dirndl der großen Schwester rausgezogen. Christoph hat es angezogen und war sofort völlig verändert.

„Mami, ich bin nicht mehr der Christoph. Ich bin ein Mädchen und ich heiße Belli!“

Wäre die ganze Geschichte ein Film, so hätte man in diesem Moment kitschige Geigenmusik gehört und es hätte pinken Glitzer geregnet. Christoph ist dann auch den ganzen Abend total selig gewesen, im Dirndl durch den Raum geschwebt und später direkt damit ins Bett gegangen.

In der nächsten Früh saß ich auf der Fensterbank in der Küche und habe, noch recht verschlafen, meinen ersten Kaffee getrunken. Da kam Christoph zu mir, hat sich neben mich gesetzt und gesagt: „Mami, ich bin nicht mehr der Christoph. Ich bin ein Mädchen und ich heiße Belli!“ Wumms. Mir war in der ersten Sekunde sofort klar, dass das kein Spiel ist, sondern ganz tief aus dem Inneren kommt und völlig ernst gemeint ist. Ich habe irgendwie sowas gesagt, wie: „Schön, dass du da bist Belli.“ Alles klar, sie ist abgedampft und ich habe staunend meinen Kaffee fertig getrunken.

Das war an einem Samstag im Februar. Am Sonntagabend war Belli immer noch „da“, von Christoph keine Spur. Wir alle, also die Eltern und die drei Geschwister haben uns das ganze Wochenende Mühe gegeben, Belli statt Christoph zu sagen und wurden auch konsequent verbessert. An diesen Sonntagabend saß ich mit meinem Mann zusammen und wir haben uns angeschaut und waren uns einig: Wir nehmen und lieben unser Kind, so wie es ist. Wenn es eine Phase ist, geht es von allein vorbei. Wenn es keine Phase sein sollte, ist es umso wichtiger, dass wir von Anfang an voll und ganz hinter unserem Kind stehen und den Weg mit ihm gehen.

Jetzt sehe ich das etwas anders

Ich hatte gerade ein paar Wochen zuvor einen Artikel in der Zeitschrift „Chrismon“ gelesen über James, einen Transjungen mit Pfarrerseltern – und war deswegen zufällig sensibilisiert. Es hat mir sehr geholfen, zu wissen, dass Transidentität nichts ist, was es nur bei Erwachsenen gibt. Ich hatte mich ehrlich gesagt vorher noch nie näher mit dem Thema beschäftigt. Im Nachhinein erscheint es mir nicht als Zufall, dass dieser berührende Artikel so kurz vorher erschienen und mich tief ergriffen hat. Rückblickend fallen mir viele kleine Details auf, dass Belli schon eine ganz Zeit lang da war, bevor sie so richtig sichtbar wurde. Obwohl ich Christoph immer als typisch bubenhaft wahrgenommen habe – oder vielleicht wahrnehmen wollte?!

Immer schon wurden Kleider der großen Schwestern ausgeliehen oder mit ihnen gemeinsam als Ferienspaß die Nägel lackiert. Lila war lange die Lieblingsfarbe, der Penis wurde vorm Spiegel versteckt, um zu spielen, dass dort stattdessen eine Scheide wäre. Ich habe es immer darauf geschoben, dass Belli zwei ältere Schwestern hat. Es war mir total einleuchtend, dass diese nachgeahmt werden. Jetzt sehe ich das etwas anders, bemerke aber auch, wie viel elterliche Interpretation ist. Mir fällt auf, dass ich es besonders bubenhaft fand, wenn Christoph mit meinem Mann aufs Feld fahren wollte oder ewig an Baustellen geguckt hat. Dabei machen das die beiden großen Schwestern genauso gerne…

Leicht wird der Trans-Weg eher nicht

So begann Mitte Februar unser Weg als Familie mit einem Trans*Kind. Auch wenn wir – ganz ehrlich – immer noch ein bisschen hoffen, dass es doch nur eine Phase ist und Christoph irgendwann zurück kommt. Nicht, weil wir unser Kind nicht annehmen können oder wollen. Sondern weil wir unseren Kindern einen Lebensweg voller Leichtigkeit wünschen. Und leicht wird der Trans-Weg eher nicht. Aber da wir im Hier und Jetzt leben und nicht in der Zukunft, sind wir also aufgebrochen, um eine neue Welt kennenzulernen, die uns bis dahin nicht gerade geläufig war.

Für uns Eltern war es zunächst durchaus schwierig, uns von Christoph zu verabschieden. Oder besser gesagt, unser Bild von ihm loszulassen und gegen Belli einzutauschen. Denn das Kind ist ja noch genau das gleiche. Wir sind ziemlich schnell auf Trakine gestoßen und haben dort viel Hilfe und Unterstützung bekommen. Vor allem aber die Gewissheit: Wir sind nicht allein! Unser Kind ist auch nicht unnormal, wenn überhaupt, dann nur außergewöhnlich und besonders! Besonders mutig und stark nämlich 😊

Die älteste Schwester (8) hat einen Transjungen in der Klasse. Sie war daher mit dem Thema schon ein bisschen vertraut und hat Belli sehr schnell annehmen können. Trotzdem hat sie ein paar Mal abends geweint und mir gesagt, wie sehr sie Christoph vermisst, obwohl sie Belli genauso lieb hat. Die zweitälteste Schwester (6) hat sich da deutlich schwerer getan. Sie hat zwar sofort ihren Kleiderschrank durchsucht, um Kleidung für Belli bereit zu legen. Aber sie hat lange gebraucht, um sich an den neuen Namen zu gewöhnen. Und noch länger, um „sie“ statt „er“ zu sagen. Manchmal schreit sie im Streit noch „Du wirst nie ein echtes Mädchen sein“… Unser jüngster Sohn (2,5) hat vom ersten Tag an Belli gesagt, als wäre es das Normalste der Welt.

Viel Offenheit und Unterstützung erfahren

Im Familien- und Freundeskreis wurde Belli zum Glück von (fast) allen ziemlich schnell akzeptiert und wir werden toll unterstützt. Etwas anders war es im Kindergarten. Die Erzieherinnen haben sich sofort bereit erklärt, sich mit dem Thema zu befassen und sich professionelle Hilfe zu holen. Aber sie haben es abgelehnt, den Namen Belli zu übernehmen. Sie hatten dazu Ratschläge von verschiedenen Institutionen eingeholt, die klar sagten, auf keinen Fall den neuen Namen verwenden, sonst habe ja Christoph gar keine Chance, wiederzukommen. 

Für Belli war das extrem schwierig. Sie sagte Dinge wie: „Wenn die weiter Christoph zu mir sagen, verstehen die doch NIE, dass ich ein Mädchen bin.“ Sie fragte mich oft, warum die Erzieherinnen nicht einfach Belli sagen können. Es war schwierig, darauf eine Antwort zu finden, die mein Kind nicht noch mehr verunsichert hätte. Inzwischen, drei Monate und viele Gespräche und Tränen später, haben sie sich bereit erklärt, Belli auch so zu nennen. 

Wir haben viel Offenheit und Unterstützung und Interesse an unserem Kind erfahren in den letzten Monaten. Unterstützung auch von Menschen, von denen wir es nicht unbedingt erwartet hätten. Zum Beispiel hat eine Mutter aus einer anderen Kindergarten Gruppe Belli einen tollen Anstecker mit ihrem neuen Namen drauf geschenkt. Der prangt jetzt deutlich sichtbar auf ihrem Rucksack. Oder ein Bekannter, der bei einem Markt in unserem Dorf in voller Lautstärke nach Belli gerufen hat.

Ablehnung, Angst, Vorwürfe und Unsicherheiten aushalten

Aber wir haben auch viel Ablehnung, Angst, Vorwürfe und Unsicherheiten aushalten müssen. Meine beste Freundin, die uns nicht besuchen wollte, weil sie nicht wollte, dass ihre Kinder mit „diesem Thema“ in Berührung kommen, sondern weiter ihre behütete Kindheit leben sollen. Die Cousine, die Belli als Blumenkind wieder ausgeladen hat. Die vielen Menschen, die über Belli und uns lächeln und uns nicht ernst nehmen. Leute, die uns vorwerfen, Belli in die Trans-Rolle zu drängen. Die vielen, gut gemeinten aber extrem nervigen, Vorschläge, wie wir Belli das Bub-Sein wieder schmackhaft machen sollen.

Da ist noch viel zu tun und mit der Veröffentlichung dieses Artikels möchte ich einen kleinen Beitrag leisten, dass das Wissen um die Thematik Transidentität wachsen kann. Die Angst im Umgang damit schwinden soll schwinden. Es hilft hoffentlich dabei, dass langsam aber sicher Transidentität – bei Erwachsenen und Kindern – als das wahrgenommen wird, was es ist: eine Besonderheit, eine Abweichung von der Norm. Aber definitiv nix Unnormales oder Krankhaftes! Es gab Transidentität immer schon und in allen Kulturen. Die Zahl steigt auch nicht, sondern es wird nur sichtbarer. Und das ist gut so!

Mehr Links zum Thema:

Hintergrund: www.divers.land | Hintergrund: www.novitas-bkk.de/kinderseeleinnot/transidentitaet | Film: „Ich bin Sophia“ | Film: „Mädchenseele

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26 Kommentare

Sonja 31. März 2021 - 06:15

Danke für alle, die hier ihre Erfahrungen teilen. Es berührt mich sehr…Mit jedem Satz spürt man eure Liebe. Marion, deine Texte berühren mich tief, sie zeigen welch ein tiefes Band du und Lynn habt. Sie wird nun stark ihren Weg gehen… Wie schön du euren Weg beschrieben hast, danke dafür.

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Johanna Arnold 19. Juni 2020 - 01:50

Eine berührende Geschichte. Und Eltern, die wirklich nur das Wohl ihres Kindes sehen. Als ich von meiner Mutter in Frauensachen (mehrmals) erwischt wurde, war das damals 1984 ein Schock für uns beide, weil es da einfach noch nicht bekannt war, was es heißt transsexuell zu sein. Erst einige Zeit später kam meine Mutter auf mich zu und fragte mich, ob ich lieber eine Frau sein wollte. Sie würde mit mir aush Fachärzte aufsuchen. Aber ich schämte mich ao, was mir letztlich eine jahrzehntelange Laidenszeit einbrachte. Was ich damit sagen will ist, daß Eltern, denen ihre Kinder wirklich am Herzen liegen, auch solche steinigen Wege gegen alle Widerstände gehen. Daher meinen allergrößten Respekt vor allen Eltern, denen ihr Kind, egal wie es ist, wichtiger als alle gesellschaftlichen Konventionen ist.

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Julia 18. April 2020 - 11:39

Puh, wenn ich mir vorstelle, dass ich damals in den späten 60ern meiner Mutter gesagt hätte: „Ich bin jetzt ein Mädchen und heisse Julia“. Ja, die Idee hatte ich. Ja, gewollte habe ich das. Ja, ich bin mir sicher, meine Mutter hätte mich damals in die Klappsmühle geschickt oder schlimmeres. Also habe ich nichts gesagt, mich für krank gehalten und fest vorgenommen, dieses Geheimniss mit ins Grab zu nehmen. Also damit zu leben, dass ich als Mann leben werden muss. Das tat ich.. bis es nicht mehr ging, weil es inzwischen das Internet gab und ich erfuhr, dass ich gar nicht wirklich krank bin und schon gar nicht die einzige, mit diesem „Problem“ . Und dass mehr und mehr Menschen ihr wahres Ich leben und das auch können. Leider war ich schon 47 Jahre alt, als ich endlich meine Weg ging. Und es war gut so. Und es ist seither eine Ruhe in mir. Glücklicherweise scheint man mir meine „Jahrzehntelange Testosteronvergiftung“ nicht mehr anzusehen. Unbeschwert.
Alles Gute für Belli. 🙂 – Ich beneide sie etwas.

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Julia 16. April 2020 - 21:25

Eine kleine Amazone ist eure Belli, so jung und schon so bereit für ihre Überzeugung zu kämpfen. Sie wird es sicherlich nicht immer leicht haben aber dafür hat sie eine Familie die immer hinter ihr steht. ❤️

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Marion 19. Dezember 2019 - 06:15

Und wie immer…lese und informiere ich mich. Und da bin ich. Moin! Gerade gestern Abend hat mein fast 14 jähriger Junge mir gesagt, das er ab heute Janell genannt werden möchte, das er Brüste möchte, und ob er seine Haare nun einfach wachsen lassen soll, oder ob er es „langschneiden“ lassen soll. Einfach so. Von heute auf morgen-alles anders. Er hat sich mit 12 als schwul geoutet, aber ich ahnte, dass das noch nicht alles war. Irgendwie.
Meine Oma, 89 J. und leicht dement, sagte vor einigen Wochen vor versammelter Verwandschaft: Du siehst aus wie ein Mädchen. Bumms.
Sein Blick – jo. In dem Moment fühlte ich, irgendwas passiert hier gerade, aber ich hätte nicht sagen können WAS.
Was fühle ich? Verlust. Mein kleiner Junge ist „gestorben“. Angst. Vor dem harten Weg. Wut. Himmel nochmal, immer wieder was neues mit dem Kind (). Freude. Ich bekomme ein Mädchen, weibliche Verstärkung im manchmal harten Männerhaushalt. Ruhe. Nun haben wir die Krux, und können was tun, denn das irgendwas nicht stimmt, habe ich durchaus gemerkt. Ekel. Ich mag den Namen nicht, den sie sich ausgesucht hat (albern, ich weiß). Vielleicht können wir darüber nochmal reden, ich befürchte aber nicht. Respekt. Respekt. Respekt. Sie geht ihren Weg, voll geil.
Und wieder einmal werde ich mich drehen, die neuen Dinge anpacken, weitergehen, an meine Grenzen stoßen, hinnehmen, kämpfen, loslassen…und hoffentlich eine gute Mutter sein.

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Marion 4. Januar 2020 - 14:37

Nach all dem Hin und Her, dem Hinterfragen (Bist Du Dir ganz ganz sicher? GANZ SICHER?), dem Gefühlschaos…
Einen Namen haben wir immer noch nicht. Irgendwie schleichen wir um uns herum, der Papa kommt nicht gut klar damit, aber er bemüht sich. Für mich ist es ein Spagat, ich möchte beiden gerecht sein.
Gestern habe ich sie mir liebevoll vorgeknöpft..ihr gesagt, das wir jetzt mal Butter bei die Fische tun müssen. Shoppen gehen. Uns ausprobieren. Wie wir so funktionieren, als Mutter/Tochter Gespann.
Und wir waren shoppen. Zögerlich waren wir beide. Und gleichzeitig entspannt. Und auch ein wenig angespannt. Schaffen wir das? Schaffe ich es, meinen Jungen in Mädchensachen zu sehen? Wie wird es sich anfühlen? Schafft sie es, in die Frauenabteilung zu gehen? Aus der Kabine zu kommen?
Ein Hoch auf die Verkäuferin…eine ganz wundervolle Frau, die sofort alles geschnallt hat und sie ermuntert hat. Komm doch mal raus aus der Kabine und stell dich etwas vom Spiegel weg.
Und da steht sie, mein kleines Mädchen. Sie ist wunderschön!!!
Sie hat einen guten, dezenten Geschmack.
Sportlich, nicht übertrieben. Kein Glitzer, kein rosa.
Abends dann ein bischen Hautpflege, Mitesser entfernt, Pickel geöffnet, Peeling, Creme. Die Haare anders gekämmt.
Ihre Augen glänzen so.
Machen wir uns nichts vor..sie ist ein unglaublich hübsches Ding. Das war sie schon als Junge, jeder hat es mir gesagt. Wildfremde Menschen sprachen mich neulich auf mein wunderschönes Kind an, beim Einkaufen. Eine Naturschönheit. Sie wird nie Makeup brauchen, Wimpern bis zum Himmel, Naturblonde, dicke Haare. Ihre Oma (die Mama vom Papa) ist auch so eine Naturschönheit.
Ich liebe mein Mädchen, mein Kind. Aber ich verliebe mich gerade neu.

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Marion 6. Januar 2020 - 19:52

Wir haben einen Namen!
Aus Miro wird Lynn. ♡
Heute habe ich ihren Therapeuten kontaktiert. In 2 Wochen haben wir Eltern ein Gespräch mit ihm. Evtl wird er die Therapie übernehmen, ich würde das sehr begrüßen, da er uns kennt. Die letzte Therapie ist erst seit 8 Monaten beendet, es wird problematisch, das bei der KK durchzusetzen.

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Marion 25. Juni 2020 - 09:35

Ein halbes Jahr ist vergangen.
Papa hat sich dran gewöhnt, und ich..ich hab neulich mal schimpfen müssen, und lauthals „mein liebes Frollein“ in den Raum geschmissen. Ich bin anscheinend durch damit.^^
Jede Menge Termine hatten wir schon, auch ablehnende, aber mittlerweile läuft die Maschinerie. Ich denke, Mitte Juli wird sie endlich die GnRH Analoga bekommen.
Dann wird hoffentlich einiges einfacher für sie, denn die voranschreitende Pubertät macht ihrer Psyche sehr zu schaffen.
Alles im allem ist die Stimmung aber positiv.

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Marion 30. Juni 2020 - 20:55

Ich hab ein glückliches Kind hier. Denn heute hat sie bereits die GnRH-Analoga bekommen. Seelig hat sie sichvin ihr Zimmer zurückgezogen und in feierlicher Zeremonie die Kapsel eingeworfen.
Wir haben einen tollen Endokrinologen gefunden, leider 150 km entfernt, aber so ist es halt. Der erste war leider nicht so doll, er war eher ablehnend, deshalb haben wir gewechselt.
Es muss ein sehr gutes Gespräch zwischen den beiden gelaufen sein, sie war so verdammt gut drauf danach.
Er hat auch für mich einige warme, ratsame, fürsorgliche Worte gefunden, so das auch ich mit einem mehr als positiven Gefühl da raus bin.
Happy day!

Claudia 11. Juli 2019 - 11:18

Es freut mich für Belli, dass ihr als ihre Familie so offen damit umgehen könnt. Ich wünsche euch vor allem Leute und euch, die es als „normal“ und unkomliziert ansehen, dass eben nicht immer alles seinen geraden, einfachen und „normalen“ Weg gehen muss. Das Leben ist dazu da, um sich damit auseinander zu setzen und nicht dazu, dass es einem als einfach auf dem Silbertablett serviert wird. Ich hoffe, dass euer Umfeld das immer verstehen wird und Bellis Weg mitgeht mit allem was noch kommen mag ♥️

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Lena 10. Juli 2019 - 22:32

Wow, danke für die Aufklärungsarbeit. Ich hatte mit dem Thema noch nie Berührungspunkte und wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass ja natürlich auch schon Kinder es genau wissen. Ich hoffe Belli bekommt viel Unterstützung im Leben

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Maike 9. Juli 2019 - 23:49

Danke für diesen tollen Artikel. Ichchabe den Film „Ich bin Sophia“ gesehen und bin seitdem für das Thema sensibilisiert, auch wenn meine Mädels relativ klischeehafte Mädchen sind. Toll, dass Ihr Euren Weg gefunden habt. Der Name Belli ist so toll! Euch und Ihr alles Gute!!!

Antworten
Tinka 9. Juli 2019 - 23:47

Sehr bewegend geschrieben! Und ich finde es toll, dass deine Belli von deiner ersten Reaktion an den Rückhalt und vor allem die Selbstverständlichkeit bekommt, den/die sie braucht!
Ich hab bisher zwei Schüler in meinen Klassen gehabt, die zuerst als Schülerinnen dort saßen. Ich habe erlebt, wie aus zurückhaltenden und immer irgendwie unglücklich wirkenden Mädels zwei tolle, entspannte und glückliche junge Männer geworden sind.
Natürlich ist der Weg nicht einfach und ihr werdet immer mal wieder Hürden meistern müssen, aber so stehen Belli die Türen für ein glückliches Leben offen, das sie vielleicht als Junge nicht führen könnte.
Ich wünsche euch die Kraft und die Liebe, gemeinsam den Weg zu gehen, den Belli sich wünscht!

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Antonia 9. Juli 2019 - 21:28

Hallo!
Ich bin die Mutter von Belli und ich möchte hier vor allem auf Katharinas und Mimis Kommentare antworten.
Ganz sicher drängen wir unser Kind nicht in die weibliche Rolle oder die Transidentität. Und ganz sicher geht das, was unser Kind fühlt über das hinaus, was ihr beschreibt: ein ausprobieren, austesten und sich in anderen Rollen ausleben.
Das tut jedes Kind, ganz genau. Manche mehr, manche weniger. Ich selbst habe auch gefühlte Ewigkeiten ein Bub sein wollen. Wie meine Brüder. Habe nur Hosen getragen, bin Skateboard gefahren, hab gerauft und geflucht. Aber zu keinem Zeitpunkt hab ich in Frage gestellt, dass ich ein Mädchen war. Oder das Gefühl gehabt ein Bub zu sein. Ich wäre gern einer gewesen, ja. Weil ich Jungs cooler fand, weil ich fand dass sie viele Vorteile haben und weil ich Puppenspielen langweilig fand. Das kennen wahrscheinlich die meisten Eltern auch von ihren Kindern. Das kenne ich auch von meinen anderen Kindern.

Belli fühlt aber anders. Sie fühlt nicht, dass sie ein Mädchen sein möchte. Sie fühlt, dass sie ein Mädchen IST. Der Namenswechsel, vor allem der im Kindergarten, war für sie deshalb auch so überlebensnotwendig: Wenn man ausschaut wie ein Bub und die anderen Kinder einen als Bub kennen und wahrnehmen, dann reicht es eben nicht, in Mädchenkleidern zu kommen und Haarspängchen zu tragen. Dann ist man nur der Bub im Kleidchen. Für Belli war ganz klar der Name ganz wichtig, um wirklich als Mädchen wahrgenommen zu werden.

Und Mimi, nein ich glaube nicht, dass Du Belli verstanden hast. Ich stimme Dir insofern zu, als das Gender-Konzept bei ihr nicht passt, aber der Rest Deines Kommentares lässt mich vermuten, dass Du nicht wirklich wahrgenommen hast, dass genau das, was du schreibst das Problem ist: Das Dirndl entscheidet nicht über Bub oder Mädchen. Die Seele, die Selbstwahrnehmung entscheidet über das Geschlecht bzw die Geschlechtsidentität. Die scheinbar übertriebene Inszenierung vieler Transidenter hängt eher damit zusammen, dass sie auf jeden Fall richtig wahrgenommen werden wollen und deshalb setzen sie durch zB viel rosa und Glitzer, Schminke etc Akzente um auf den ersten Blick klarzustellen, was sie sind. In Bellis Fall: Ein Mädchen!

Katharina, zu behaupten, dass ich mein Kind in die Transrolle drängen würde, grenzt an Beleidigung. Kein Mensch mit gesundem Menschenverstand würde seinem Kind diesen Weg aufdrängen. Mein Kind kann die Folgen nicht absehen, das stimmt, ich hingegen kann sie zumindest erahnen und das reicht, um sich definitiv einen leichteren Lebensweg für sein Kind zu wünschen.
Denn der Trans-Weg ist hart. Aber wenn es denn so sein soll, wenn die Zeit zeigt, dass Belli Belli bleibt und dass Christoph nicht wieder kommt, dann gehe ich, gehen wir als Familie, selbstverständlich den Weg mit, ohne den Weg zurück zu verschließen.
Im Übrigen pathologisieren wir auch nix, Transidentität ist keine Pathologie.

Die Links habe ich mir nicht angesehen. Ich habe mich in den letzten Monaten genug mit allen Seiten des Themas beschäftigt, kenne wirklich alle Blickweisen darauf und bin mir sicher, dass unser Weg der richtige ist.

Allen anderen danke ich für die Mut machenden und freundlichen Kommentare 🙂

Liebe Grüße, Antonia

Antworten
Alexandra Boisen 9. Juli 2019 - 22:52

Hallo Antonia,

ich wünsche Euch allen, alles Gute auf Eurem Wege, Belli zu unterstützen auf ihrem Wege. 🙂

Liebe Grüße Alexa (Transgender)

Antworten
die Sammlerin 9. Juli 2019 - 18:41

Danke fürs Teilen. In meinem Freundeskreis gibt es ein Kind, das Mädchen geboren wurde und doch ein Junge ist. Er ist 12 und hat im Familienkreis seinen neuen Namen angenommen. Die Mutter steht voll hinter ihrem Kind, der Vater tut sich schwer damit. Und meine Tochter ? Dann habe ich eben einen besten Freund, ansonsten ändert sich nichts, wir haben immer noch dieselben Interessen.

Antworten
Mimi 9. Juli 2019 - 17:21

Danke danke danke. Genau das. Das Kind entwickelt keine neue Geschlechtsidentität, sondern es begreift das Konzept Gender und spürt, dass das nicht zu ihm oder ihr passt. Verständlicherweise. Mit Dirndl oder nicht hat das nichts zu tun, ein Mädchen wird nicht durch lange Haare zum Mädchen. Ich kann Belli sehr verstehen und hoffe, dass ersie nicht in ein schwarz-weiß Konzept gepresst wird, in dem ersie sich nicht falsch fühlen muss, sondern einfach richtig als männliches Kind mit seinen ganz eigenen Ideen, Interessen, Charakter und vielleicht auch weiterhin mit dem selbstgewählten Namen.

Antworten
Mimi 9. Juli 2019 - 17:22

Das war auf den Kommentar davor bezogen – Katharina. So wichtig!

Antworten
Nehle 9. Juli 2019 - 21:26

Danke für diesen wundervollen Artikel. Genauso sollte mit diesem sensiblen Thema umgegangen werden. Denn ob Phase oder nicht, es ist wichtig, dass die Bedürfnisse ernst genommen werden. Dass Menschen euch meiden, weil sie nicht wollen, dass ihr Kinder damit konfrontiert werden, ist so engstirnig. Gerade Kinder zeigen da oft eine enorme Offenheit und haben wenig Probleme damit, die Probleme haben meist die Eltern. Ich wünsche euch alles Gute, lasst euch nie entmutigen, euer Kind wird es euch danken.

Antworten
Lisa 10. Juli 2019 - 12:06

Toller Artikel! Ich glaube ich hätte nicht so schnell schalten können und Belli gleich richtig begrüßen können. Und das obwohl mein Junge durchaus im Kleid und mit langen Haaren durch die Gegend hüpft.
Ich wünsche euch als Familie und Belli alles Gute, wohin der Weg auch gehen mag.

Antworten
Katharina 9. Juli 2019 - 15:39

Ich würde keinem Jungen verbieten Kleider oder andere vermeintl. gegengeschlechtliche Dinge zu tragen oder auszuprobieren, finde aber, dass das ganz normal ist für Kinder. Mein Jungs haben alle Phasen gehabt, wo sie Kleider trugen oder Nagellack wollten. Warum kann man das Kindern nicht zugestehen, ohne sie gleich zu pathologisieren?
Ich hatte als Kind auch Phasen, in denen ich lieber ein Junge gewesen wäre und mich mit „Max“ ansprechen lies. Das hatte aber nichts damit zu tun, das sich wirklich ein Junge sein wollte, sondern, ich wollte die Attribute und vermeintlichen Vorteile, die Junges in unserer Gesellschaft gegenüber Mädchen haben.
Es ist ein unglaublicher Backlash im Gange. Statt zu akzeptieren, dass Kinder sich ausprobieren, werden sie in etwas hineingedrängt, dessen Folgen sie gar nicht absehen können.
Vielleicht sollten sich die Eltern mal mit den Erfahrunsberichten von mittlerweile erwachsenen Transsexuellen beschäftigen, deren Transistion im Kindesalter begann. Es ist fürchterlich, was den Kindern zum Teil angetan wurde!

https://lonelyts.blog/2019/07/03/dear-parent-of-transgender-child/?fbclid=IwAR070vix3QsUYnnr1M77kkaMCxB94RbYlWrxcz8bQhshK-HDZj3etBRkmcI

Antworten
Mareike L. 9. Juli 2019 - 15:15

Unsere Leonie wurde auch im Körper eines Jungen geboren. Heute ist sie 4,5 Jahre alt und lebt seit zwei Jahren als Mädchen. Wir lieben und respektieren sie so wie sie ist.
Alles Gute für Belli, ich wünsche ihr auf ihrem Weg Toleranz und Liebe.

Antworten
Andreas Hoerzig 9. Juli 2019 - 13:03

Danke, unser Großer (oder unsere Große) ist 6 und will Emma sein, Meejungfrau, hat lange Haare, schminkt sich seit Jahren mit Begeisterung, hat lackierte Nägel, will Kleider,… Uns gehte es genauso, wir nehmen unser Kind wie es ist, haben aber gleichzeitig Angst vor der Schwere des Weges.

Antworten
Sandra 9. Juli 2019 - 12:45

Dieser Text geht so ans Herz. Und der Name Belli ist richtig schön! Ich wünsche ihr, dass die Welt mehr und mehr mit dem Herzen sieht und nicht in Kategorien und aus falschen Ängsten heraus. Bei uns wäre Belli herzlich willkommen.

Antworten
Anni 9. Juli 2019 - 12:43

Ich finde das ganz toll, dass ihr den Dingen einfach so ihren Lauf lasst und ich wünsche euch ganz viel Kraft und Mut aber auch Spaß und Freude auf eurem Weg! Und ich wünsche Belli, dass sie in eine Welt reinwächst, wo sie kein Trans-Junge/Mädchen ist, sondern einfach nur ein Mädchen sein kann.

Antworten
Anne 9. Juli 2019 - 11:47

Ein ganz toller Artikel!! Die Geschichte hat mich berührt, die Beschreibungen lassen ins Thema sachlich einfühlen.Ich wünsche Belli und Ihrer Familie alles Liebe! Übrigens auch sehr angenehm zu lesen. Und das ist gut so!

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