Elternsein, steiniger, Weg

Wie das Elternsein wirklich ist

von Anja

Vor dem ersten Kind haben die meisten Menschen zwar eine Vorstellung davon, wie das Leben mit Kindern so sein könnte. Wie es wirklich sein wird, weiß aber letztlich keiner so richtig. Und vor allem kann es auch einem auch niemand vorab wirklich erklären. Klar, vieles vereint uns als Eltern. Und bestimmte Situationen und Emotionen kennen die meisten von uns. Und doch ist und läuft es in jeder Familie anders.

Und so sehr man der zum ersten Mal schwangeren Freundin gerne sagen möchte, dass ihre Vorstellungen zumindest teilweise wahrscheinlich doch eher unrealistisch sind, so unsinnig ist es wohl, genau dies zu tun. Die meisten von uns hatten Pläne vorab, die dann doch nicht so ganz zur Realität passten. Letztlich wissen es aber auch Eltern nicht unbedingt besser, nur weil sie bereits Kinder haben. Denn was sagt das Leben mit meinen Kindern über das Leben mit Deinen Kindern aus? Stimmt, absolut gar nichts. Genauso wenig lässt sich Beziehung X mit Beziehung Y vergleichen.

Und trotzdem sind wir auf der Suche nach dem gemeinsamen Nenner. Es tut so gut, wenn andere Mütter auch gerade schlaflose Nächte haben und man zusammen ein bisschen darüber jammern kann. Es fühlt sich alles leichter an, wenn man die kleinkindlichen Ausbrüche in der beginnenden Autonomiephase ehrlich mit der Freundin besprechen kann. Und gemeinsam über absurde Situationen lachen kann. In diesen Momenten fühlt man sich gesehen und verstanden. Denn nicht nur unsere Kinder brauchen genau dieses Gefühl, damit es ihnen gut geht.

Zwischen Wochenbett und Weltreise

Auch uns Eltern tut es gut zu hören, dass wir es irgendwie gut machen und es trotzdem bisweilen recht anstrengend ist. Und manchmal ist es auch gar nicht so anstrengend, denn Kinder sind zum einen sehr unterschiedlich und das von Geburt an. Zum anderen sind die Umstände drumherum mal mehr und mal weniger günstig. Geburten verlaufen ganz unterschiedlich ab und jeder Frau geht es anders im Wochenbett. Manche Mütter werden in dieser Zeit von der eigenen Mutter liebevoll bekocht, verwöhnt und um den Haushalt wird sich auch noch gekümmert. Andere Mütter bekommen einen Milchstau, weil der Besuch der Eltern oder Schwiegereltern so anstrengend ist.

Manche Väter gehen direkt nach der Geburt wieder arbeiten, weil sie vielleicht gerade einen neuen Job angefangen haben. Andere können mehrere Monate Elternzeit nehmen. Manche Familien reisen durch die Welt in dieser Zeit. Andere versuchen einfach nur im Alltag mit ihrem Baby mit besonders hohen Bedürfnissen zurecht zu kommen. Und auch jenseits der Babyzeit sind die auf uns Eltern zukommenden Herausforderungen so unterschiedlich wie es Menschen und Lebensumstände nun mal generell sind. Wie ist es also wirklich, dieses Elternsein? Und was erzählt man denn nun der schwangeren Freundin vorab? Oder sagt man lieber gar nichts? Aber was, wenn sie nun ganz konkret fragt?

Wahrscheinlich würde ich diese Antworten geben:

  • Elternwerden ist wohl die größte Veränderung im Leben. Es ändert alles: uns, unsere Beziehung und unseren Alltag. Gib Dir und Deinem Partner Zeit dafür. Alle Emotionen zwischen größtem Glück und tiefer Enttäuschung gehören mit zu diesem Prozess. Lass das zu.
  • Elternsein macht einen verletztlicher und angreifbarer. Besonders in den ersten Monaten kann Kritik einem sehr zusetzen. Achte auf Dich und umgebe Dich mit Menschen, die Dir gut tun. Überhöre und überlies großzügig verletzende Kommentare – das Problem dieser Menschen, die so unsensibel mit Dir umgehen, liegt nicht bei Dir.
  • Vergleiche Dich nicht mit anderen. Du erlebst ohnehin immer nur einen Ausschnitt aus deren Leben. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen, das sieht man nur nicht immer. Lass Dich vielleicht inspirieren von guten Ideen, die auch für Deinen Familienalltag passen könnten. Aber lass Dich nicht unter Druck setzen.
  • Vergleiche Dein Kind nicht mit anderen Kindern. Dein Gefühl, dass Du das beste, niedlichste und wunderbarste Kind der Welt hast, ist genau richtig – egal wie viel es schläft, weint, isst oder auch nicht. Dein Kind ist ein eigenständiger kleiner Mensch mit seinem ganz eigenen Entwicklungstempo – und damit nicht vergleichbar mit anderen Babys.
  • Umgebe Dich mit Menschen, von denen Du Dich verstanden fühlst. Eltern brauchen andere Eltern, um gut durch diese teilweise wirklich chaotischen Zeiten zu kommen. Gute Freunde – mit und ohne Kinder – sind wichtig, auch wenn die Zeit für gemeinsame Treffen erst einmal weniger wird. Freunde, die Du im Bademantel in die unaufgeräumte Wohnung lassen kannst und die auch mit Lieferessen zum Abendbrot happy sind, sind gute Freunde.
  • Das erste Kind bringt die größte Umstellung mit sich, weshalb Eltern diese Zeit auch ganz besonders fordert. Lass Dich also bloß nicht von Deiner Freundin mit den drei Kindern verunsichern, die scheinbar alles mit links schafft.

Ach ja, wenn jemand zu Dir sagt „Ein Kind ist kein Kind“, dann hat dieser Jemand bestimmt nur vergessen, wie groß diese erste Umstellung beim ersten Kind damals war…

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3 Kommentare

Svenja 1. Juni 2018 - 22:10

Danke

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Julia 24. Mai 2018 - 10:52

Wie gern hätte ich den Text vor dem ersten Kind gelesen… 🙂 Und wie sehr habe ich all diese „Ein Kind ist kein Kind“-Kommentare gehasst, bis Kind 2 kam. Sonnige Grüße!

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Susanne 1. Mai 2018 - 22:41

„die auch mit Lieferessen zum Abendbrot happy sind, sind gute Freunde.“ <3

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