Schwangerschaftsdauer, ET, Geburtstermin

Wie lange dauert eine Schwangerschaft?

von Anja

Die einfache Antwort auf die Frage nach der Dauer einer Schwangerschaft wäre wohl: 280 Tage oder 40 Wochen. Aber so einfach ist das eben nicht. Und wenn man es ganz genau betrachtet, würde auch nicht einmal diese Angabe stimmen. Denn sie zählt die Schwangerschaftstage ab dem ersten Tag der letzten Regel. Und schwanger ist man ja erst dann, wenn die Konzeption, auch Empfängnis genannt, stattgefunden hat. Also dann, wenn die Eizelle nach dem Eisprung das befruchtende Spermium empfangen hat.

Nun weiß in der Regel niemand präzise, wann dies der Fall ist. Ein gutes Körpergefühl oder ein Ovulationstest können diesen Zeitpunkt allerdings etwas konkreter benennen. Das Einsetzen der Regelblutung ist aber ein sichtbares Zeichen für den Beginn des neuen Zyklus, so dass man diesen Tag sozusagen als Startpunkt der Schwangerschaft nimmt. Auch dann, wenn die eigentliche Befruchtung erst ungefähr zwei Wochen später stattfindet.

Wiederum zehn bis vierzehn Tage später lässt sich dann meist mittels eines Blut- oder Urintests das Hormon HCG nachweisen, das während einer Schwangerschaft vom Körper produziert wird. Zu diesem Zeitpunkt ist dann die Schwangerschaft eigentlich erst zwei Wochen alt, aber gerechnet vom ersten Tag der letzten Regelblutung aus eben schon vier Wochen. Anhand dieser Angabe errechnet sich dann auch der Geburtstermin, der einfach 40 Wochen nach dem Beginn der Regelblutung datiert wird.

Einleitung wegen Terminüberschreitung

Mit dem wirklichen Geburtstermin hat dieser Termin aber meist wenig zu tun. Denn nur rund vier Prozent aller Kinder kommen auch an diesem Tag zur Welt. Die restlichen 96 Prozent kommen also zu einem ganz anderen Zeitpunkt. Der größte Teil wird drei Wochen vor und zwei Wochen nach dem errechneten Termin (ET) geboren. Ungefähr neun Prozent erblicken als Frühgeborene vor diesem Zeitraum das Licht der Welt. Später als zwei Wochen nach dem Termin wird nur ungefähr ein Prozent aller Kinder geboren.

Das hängt sicherlich damit zusammen, dass in der Regel spätestens vierzehn Tage nach dem ET die Geburt eingeleitet wird, meist eher bereits nach zehn Tagen. Manche Kliniken empfehlen auch schon eine Einleitung nach sieben oder noch weniger Tagen. Ob dieses Vorgehen immer sinnvoll ist, lässt sich nicht genau sagen. Die Datenlage ist unklar – und das schon für Fachpersonal. Für Eltern ist es noch schwieriger, in diesem Kontext der uneindeutigen Datenlage eine Entscheidung zu treffen.

Die Hebammenprofessorin Christiane Schwarz hat sich mit den vorliegenden wissenschaftlichen Daten zum Thema „Einleitung wegen Terminüberschreitung“ ausführlich beschäftigt. Aber auch sie kann abschließend keine allgemein gültige Empfehlung geben. Trotzdem ist ihr Buch „Wie spät ist zu spät?“ sicherlich empfehlenswert für eine gemeinsame Entscheidungsfindung zwischen der schwangeren Frau und dem Fachpersonal. Aber es zeigt eben auch das Dilemma auf, dass wir einfach nicht wissen, wie lange eine Schwangerschaft individuell dauern wird.

Geht es bald los?

Jedes Kind hat seine eigene Reifungszeit im Bauch. Eine Bandbreite von drei Wochen vor und zwei Wochen nach dem ET liegt im Bereich des Normalen. Das sind also 35 Tage, an denen das Baby ganz regulär kommen könnte. Es können auch 35 Tage sein, an denen sich die Schwangere gestresst fragt, ob das Kind nun endlich kommt. Gerade wenn zuvor irgendwelche oft unbedacht geäußerten Vermutungen kommen. Da sagt die Nachbarin, dass das Kind ja bei dem großen Bauch bald kommen müsse. Der Gynäkologe mutmaßt aufgrund des weichen und schon etwas verkürzten Gebärmutterhalses, dass es bald los geht. Da tastet die Hebamme den Kopf schon recht tief und fest im Becken als Hinweis auf die bald anstehende Geburt.

Wenn diese Beobachtungen oder Befunde nicht weiter erläutert werden, bleibt bei der Schwangeren schnell das Gefühl zurück, dass das Baby doch jetzt endlich kommen müsste. Und die Ungeduld wächst und wächst. Affirmationen funktionieren, deshalb kann man sich im positiven Sinne, damit ja auch auf die Geburt vorbereiten. Im negativen Sinne tun sie das aber auch. Wenn die Schwangere ständig hört, dass der Bauch ja schon so groß sei, wünscht sie sich die Geburt sicherlich schneller herbei. Hinzu kommt, dass die letzten Schwangerschaftswochen ja tatsächlich beschwerlicher werden, so dass viele Schwangere auch schon den Geburtsbeginn herbeisehnen. Das hilft auch, um dann bei der Geburt loslassen zu können. Aber eben dann, wenn es so weit ist.

Kontrollverlust und Geduld

Kinderkriegen bedeutet immer auch ein Stück weit Kontrollverlust. Das beginnt mit der Schwangerschaft und setzt sich mit der Geburt fort. Wir können vieles, von dem was geschieht, nicht kontrollieren. Aber wir können gestalten, wie wir damit umgehen. Die Schwangerschaft bereitet schon darauf vor, sich auf das Baby und sein eigenes Tempo einzulassen. Auf diese Unplanbarkeit, die das Leben mit Kindern nun mal mit sich bringt. Auf das Begleiten von Entwicklungsschritten nach der Geburt, aber auch jetzt schon im Bauch. Und auf diese schier endlose Geduld, die wir als Eltern oft mitbringen müssen im Familienalltag.

Das Warten auf das Baby im Bauch bereitet darauf vor. Da sein, auch wenn es anstrengend ist. Körperlich erschöpft sein. Daran erinnert werden, gut für sich zu sorgen. Sich vielleicht jetzt schon abzugrenzen von Menschen, die einem nicht gut tun. Pläne von heute auf morgen über Bord zu werfen, weil plötzlich alles ganz anders kommt. Auch wenn wir tasten, messen und mittels Ultraschall in den Bauch hineinschauen können, wissen wir so vieles nicht. Zum Beispiel nicht, wie lange genau die Schwangerschaft für dieses Kind eben sein wird, auch wenn uns der errechnete Termin das ein bisschen vorgaukelt.

Nicht nur die Schwangere selbst, auch das Umfeld darf sich gerne auf diese Ungewissheit, die ja auch einen Zauber birgt, ein bisschen mehr einlassen. So ist es sicherlich sinnvoller, eine schwangere Frau zu fragen, wie es ihr geht anstatt wann das Baby kommt. Denn wie lange die Schwangerschaft dauert, weiß schließlich niemand präzise.

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2 Kommentare

Petra 25. August 2018 - 00:05

Alle meine 3 Kinder sind 19 bzw. 17 Tage nach errechnetem Geburtstermin zur Welt gekommen. Vollkommen gesund, nicht „überreif“, z. T. noch mit Käseschmiere. Zum Glück hatte ich geduldige und erfahrene Hebammen sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Klinik und entspannte Ärzte. Das war super und ist mittlerweile nicht mehr selbstverständlich bzw. schon die Ausnahme. Meine Hebamme meinte schon beim 1. Kind: „Sie tragen einfach länger.“ Meine Schwangerschaften dauern anscheinend gut 42 Wochen. Schade, dass die Datenlage hier so schwierig ist, da häufig früher eingeleitet wird. Vielleicht gibt es noch viel mehr Frauen, deren Schwangerschaften von Natur aus einfach länger dauern als 40 Wochen.

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Angela 18. August 2018 - 20:24

Mich hätte es überhaupt nicht gestresst, dass beide Kinder 8 bzw. 14 Tage über ET waren. Auch die Fragen der anderen waren mir egal. Wenn ich nicht ständig im Hinterkopf gehabt hätte, dass aus der geplanten Hausgeburt vielleicht nichts wird, weil ich zum Einleiten geschickt werde… Überhaupt hatte ich auch bei den „harmlosen“ „Anstups-Versuchen“ einfach irgenwie kein gutes Gefühl – ich war so überzeugt davon, dass das Baby schon kommen würde, wenn es bereit dazu ist! Und beide hatten schließlich keinerlei Übertragungszeichen – anscheinend gehöre ich einfach zu denen, die länger tragen… Aber das erkläre mal den involvierten Personen!

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