Wie realistisch ist die Geburtsvorbereitung?

von Anja

Eltern, die eine so ganz anders als geplant verlaufene Geburt erlebt haben, sagen oft hinterher: „Das hätte man uns mal jemand im Geburtsvorbereitungskurs sagen sollen.“ Ja, manchmal denke ich das auch, wenn ich von so manchem, invasiven Eingriff höre. Zum Beispiel vom unter der Geburt angewandten Kristeller-Handgriff, den die Frauen oft hinterher mit Sätzen wie „Und die Ärztin ist auf meinen Bauch gesprungen und hat das Kind von oben heraus geschoben“ beschreiben. Auch der Einsatz von Wehenmitteln oder anderen Medikamenten kommt doch recht häufig vor.

Natürlich spreche ich als Hebamme in der Geburtsvorbereitung auch von anders verlaufenden Geburten, von operativen Eingriffen und auch vom Kaiserschnitt. Ich erkläre, zeige Bilder und beantworte Fragen. Doch sind Eltern damit auf alles vorbereitet, was kommen könnte? Nein, ich glaube nicht. Und was wiederum macht es mit dem Vertrauen in die eigene Gebärfähigkeit, wenn sämtliche Komplikationen bis ins letzte Detail besprochen werden? Derweil verlaufen nur noch weniger als zehn Prozent aller Geburten überhaupt komplett ohne Interventionen in Form von medizinischen Eingriffen ab.

Zu spät für andere Optionen

Im Kurs erzähle ich, wie die Hebamme unter der Geburt die Frau begleitet. Doch gleichzeitig weiß ich, dass niemand weiß, ob eine Hebamme dafür überhaupt ausreichend Zeit haben wird. Da komme ich mir bisweilen fast ein bisschen wie Gesundheitsminister Gröhe vor, der auch immer noch erzählt, wie gut die Geburtshilfe in Deutschland doch sei, während Kreißsäle notorisch unterbesetzt sind und eine Geburtsklinik nach der anderen schließt.

Natürlich erzähle ich auch von Beleghebammen oder der Option, in einem Geburtshaus oder zu Hause mit einer Hebamme zu gebären. Aber wenn die Paare im Wochenendkurs sitzen, sind es meist nur noch wenige Wochen bis zum errechneten Geburtstermin. Es ist in aller Regel völlig utopisch, an diesem Zeitpunkt noch eine freie Hebamme für eine 1:1-Betreuung zu bekommen. Selbst sich noch in einer anderen Klinik anzumelden, ist meist nicht mehr möglich. Also kann man nur das Beste aus den noch verbliebenen Optionen machen.

Worauf soll die Geburtsvorbereitung also vorbereiten? Auf die normale Geburt, wie es sie kaum noch gibt? Darauf, dass Eltern zumindest wissen, was alles auf sie zukommen kann und sie es nicht erst untern Wehen das erste Mal davon hören? Gute Hoffnung vermitteln, die aber möglicherweise fernab der Realität ist? Aufzeigen, was gehen könnte, in der Realität aber kaum noch geht?

Recht auf einen guten Anfang

Jedes Elternpaar in einem Kurs bringt seine eigene Geschichte mit. So wird man niemandem in einem 14-stündigen Geburstvorbereitungskurs das Vertrauen in den eigenen Körper und die Gebärfähigkeit zurückgeben können, wenn schon viele Untersuchungen und Äußerungen in der Schwangerschaft Eltern extrem verunsichert haben. Es ist auch ein eher schwieriger Zeitpunkt, das bisher Erlebte nun so in Frage zu stellen. Innerlich denke ich oft: „Warum ist diese Mutter an so vielen Stellen grundlos verunsichert worden?“ Die Erwartungen an Geburtsvorbereitungskurse sehen so unterschiedlich aus, wie die Menschen, die sie besuchen. Es bleibt also nicht aus, dass auch manche Eltern enttäuscht aus dieser Veranstaltung gehen. Die einen werden sagen, dass es ihnen zu unrealistisch und vielleicht sogar zu esoterisch war. Die anderen werden sich an zu ausführlichen Beschreibungen von eher unangenehmen Aspekten stören, die ihnen vielleicht sogar Angst gemacht haben.

Es ist eigentlich nicht machbar, zehn Paare, also zwanzig verschiedene Menschen, in einem Kurs auf ein so persönliches und individuelles Ereignis wie die Geburt vorzubereiten. Viele Fragen oder Sorgen besprechen Eltern zum Glück meistens noch mal im Einzelgespräch mit ihrer Hebamme. Trotzdem halte ich Geburtsvorbereitungskurse generell für sinnvoll. Viele Punkte können zwar einfach nur angestoßen werden, aber führen vielleicht dazu, dass Eltern sich bewusst machen, dass sie das Recht auf einen guten und gut begleiteten Anfang haben. Dass sie die Hauptakteure in diesem Geschehen sind und ihre Selbstbestimmung nicht auf der Strecke bleiben darf. Auch und gerade dann, wenn die Geburt dann letztlich ganz anders als erwartet verläuft.

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21 Kommentare

Selina 16. Januar 2019 - 09:30

Mein Mann meinte nach der Geburt, dass er extrem froh war, über den Ablauf der Geburt bescheid zu wissen. Sonst wäre er verzweifelt, als ich – in der Übergangsphase (?) – gesagt hab: „Und ich kann nicht mal sagen, dass ich nach Hause will, weil ich schon Zuhause bin!“

Ich fand es sehr wichtig zu erfahren, dass man in den Wehenpausen keine Schmerzen hat. Und dass man sich von Pause zu Pause hanteln kann.

Auf alle Eventualitäten kann man ohnehin nicht einstellen und ich verstehe dein Dilemma. Dennoch halte ich es für wichtig Frauen und Paare für die Geburt zu empowern, zu stärken, ihnen Mut zu machen…

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Alina 21. Juni 2018 - 09:55

Danke für diesen Beitrag!
Für mich war am wichtigsten die Erkenntnis, dass ich für meine Geburt selbst verantwortlich bin und das wurde in keinem der zwei Geburtsvorbereitungskursen uns so beigebracht. Eher dass Hebamme die Geburt leitet und mir sagen wird was zu tun ist. Und das finde ich hoch gefährlich, denn die Hebamme spürt nichts von dem was ich spüre und kann somit nicht wissen was ich in diesem Moment brauche. Und sie hat nicht immer Zeit.
Ich habe bei der ersten und zweiten Schwangerschaft einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht und fand sie als Frontalvorträge wichtig, Aber nicht ausreichend. Ich würde mir wünschen, dass Frauen weitere vertiefende Vorbereitung empfohlen wird, z.b. Mentaltraining. Ich habe mich für die zweite Geburt mit hypnobirthing, für die dritte mit Positive birth vorbereitet. Positive birth war genial!

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Jessica 20. Juni 2018 - 08:35

Ich finde es tatsächlich wichtig, Die Frauen primär In ihrer Gebärfähigkeit zu stärken, aber auch auf das Geschehen im KH einzugehen. Welche Interventionen gibt es und wann sind sie notwendig und ich würde auch darauf hinweisen, dass Kliniken im Zweifelsfall für sich selbst handeln und nicht für die Frauen. Es kann sich nur was ändern, wenn das Offensichtliche ausgesprochen wird und nicht jede vor sich hin schweigt und denkt, Es läge an ihr selbst, wenn etwas schlecht lief! Es sind die Umstände!

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Steffi 29. April 2018 - 20:51

Ich denke selbst wenn dann die Geburt ein wenig anders abläuft als gewünscht, ist es wichtig einen Kurs besucht zu haben.
In diesem sollte jedoch nicht verschwiegen werden, dass es auch Probleme geben kann. Man sollte allerdings darauf achten dies nicht zu überdramatisieren um den werdenen Mamas keine Angst zu machen. Denn genau die ist es ja, die die Geburt erschwert.

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Nicole 4. Dezember 2017 - 18:40

Ich finde dass es einen eklatanten Mangel an wirklich gutem Wissen über die wirklichen Vorgänge bei einer Geburt gibt. Bei so gut wie jeder Erstgebärenden. Nach 2 Geburten und erst um Laufe meiner weiteren thematisch verbundenen ehrenamtlichen Arbeit und ganz viel Recherche zum Thema weiss ich heute etwas mehr über die wunderbaren Zusammenhänge und Wunder, die der weibliche Körper bei der Geburt nutzt und in Gang setzt.

Ich glaube persönlich, dass die intensive Kenntnis dieser Abläufe vielen Frauen ganz viel Vertrauen in ihren Körper geben würde. Wissen ist Macht. Und je mehr ich weiss, desto weniger laufe ich Gefahr Macht an andere abzugeben. Denn ist ja der eigentliche Punkt, warum sich so viele Frauen bei der Geburt wahrhaft vergewaltigt fühlen. Nicht weil Interventionen vielleicht nötig geworden sind, sondern weil andere Personen das Geschehen und den eigenen Körper bestimmt haben.

Ich habe zwei gute Vorbereitungskurse besucht. Die orientieren sich aber meist eher an den vordergründigen Abläufen. Die kleinen feinen sind aber viel wichtiger. Da machen viele Dinge plötzlich Sinn und das sichere Wissen könnte viele Frauen mit mehr Selbstbewusstsein und Kraft im Kreissaal ausrüsten.

Und es nützt auch aus meinen Augen nichts, die Augen vor dem Zustand der derzeitig gängigen Geburtshilfe zu schließen. Um sich wehren zu können, muss man vorbereitet sein. Und es wäre wünschenswert so viele Frauen und Kinder und Männer vor Übergriffen und Verletzungen aller Art zu schützen. Wie nötig das ist, zeigt #rosrev! Leider hat die geborgene physiologische Geburt heute eher seltenheitswert.

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Adelina Horn 7. Oktober 2017 - 23:37

Hallo,

ich habe die Hebammensprechstunde von Ingeborg Stadelmann gelesen und dann auch die schönen Tipps befolgt und zusätzlich geburtsvorbereitende Akupunktur gemacht. Meine Eröffnungsphase war sehr schnell geschafft und nach dem Einsetzen der ersten Wehen war mein Babylein in schnellen 2 Stunden :-O auf der Welt. Ich weiß nicht, inwiefern die gute Vorbereitung da wirklich solche Wunder vollbracht hat, aber ich kann es mir nciht anders erklären, da ja doch viele viele Frauen länger brauchen. Ein paar meiner Erfahrungen versuche ich auch anderen Frauen in meinem Blog weiterzugeben. So zum Beispiel den Umgang mit Leinsamen, der hier in den Kommentaren ja auch schon Thema war: http://www.mein-baby-und-ich.de/leinsamen-geburtsvorbereitung/ Ich denke man kann nicht’s verkehrt machen, wenn man es einfach ausprobiert.

Viele Grüße aus dem verregneten Leipzig,
Adelina

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Susa 22. April 2016 - 21:22

Nach zwei sehr unterschiedlichen und unterschiedlich schmerzvollen Geburtserfahrungen glaube ich, nichts hätte mich je darauf vorbeiten können.
Ich bin eine Hebamme im Herzen, verschlinge alles, was ich über Schwangerschaft und Geburt in die Hände bekomme und weiß vermutlich mehr darüber, als über meinen eigentlichen Beruf. Theoretisch war ich mehr als vorbereitet.
Und doch war ich heftig überfordert, als mein erster Sohn durch Sauglocke und Kristellerhilfe geboren wurde. Zumindest über die Saugglocke wurde im Kurs zuvor gesprochen. Dass ich es als so gewaltätig und übergriffig empfinden würde, konnte mir aber natürlich keiner vorher sagen.
Und auch nicht, dass ich mich beim zweiten Kind auf eine sekundäre Sectio einstellen müsse, obwohl ich bereits einen richtigen Brocken vaginal entbunden hatte. Ich habe das Thema Kaiserschnitt in beiden Schwangerschaften völlig ausgeblendet und stattdessen viel zu viel über selbstbestimmte Geburten gelesen. Im Nachhinein denke ich, ich hätte mich der Realität stellen müssen, statt in die glückliche Welt der im Wasser Entbindenden zu flüchten. Aber was kann realistischer sein, als eine natürliche Geburt?
Ich denke, ein Geburtsnachbereitungskurs, so etwas hätte mir geholfen. Das hätte ich wirklich gebraucht.

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Carina 27. April 2016 - 21:32

Hallo Susa,

Vielleicht wäre Hypnobirth etwas, zumindest was sie auch ihren zukünftigen Müttern empfehlen können.
Natürlich bewahrt es sie nicht vor diversen Eingriffen oder Übergriffen, aber sie lernen damit mit gewissen Situationen/ Ängsten umzugehen.

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Lena Rentzing 17. April 2016 - 08:09

Ich habe vor beiden „Geburten “ einen Kurs mitgemacht und beide male viel gelernt. Beim ersten wars ein Kaiserschnitt wg. Beckenendlage, dank meiner Hebamme war ich darauf vorbereitet!(wurde im kurs genau besprochen ) Beim 2. Eine natürliche wunderbare Geburt. Auch hier war ich gut vorbereitet. Ich wusste wann ich ins Krankenhaus muss, wann eine PDA sinn macht und wie man mit wehen umgeht. Ich wusste über Einleitung und Medikamente Bescheid und kannte deren Nachteile.

Da ich wg. SS-Diabetes am Geburtstermin eingeleitet wurde war ich 3 Wochen vor Termin sehr aktiv, trank tee, aß leinsamen, und löste so auch irgendwann Wehen aus. Ich hatte im „Geburtsplan“ stehen das ich über alles vorher informiert und gefragt werden will, das ich sonst für alles offen bin und pro PDA bin. Und es war ganz super alles! Durch mein Selbstbestimmtes auftreten fühlte ich wie die Hebamme dort mitmachte, mein Mann war auch gut informiert und nervte mich mit seinem Halbwissen *lach* ohne Kurs wäre das alles nicht so gelaufen, ich bin meiner Hebamme unendlich dankbar! !!!

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mia 12. April 2016 - 21:58

Ich finde den Begriff selbstbestimmte Geburt total schwierig- weil ich unter selbstbestimmt verstehe, dass ich den Weg bestimmen kann. Aber so ist es doch nicht! Schon auf den Zeitpunkt des Geburtsbeginn habe ich kaum Einfluss und auf den Verlauf auch nur begrenzt, selbst wenn es interventionsfrei läuft- es ist ja auch noch ein Kind und Geburtshelfer beteiligt! Außerdem finde ich, dass ich zwar eine Ahnung von meinem Körper habe, aber Fachleute sich definitiv besser mit der Gesundheit des ungeborenen Kindes auskennen und deshalb auch bestimmen dürfen und müssen! !!
Mein Geburtsvorbereitungskurs vor dem ersten Kind war okay. ..mir persönlich zu esoterisch, aber ich hab wichtige Informationen mitgenommen. ZB. dass Übelkeit und Erbrechen die Öffnung des Muttermundes begleiten können, so waren die Symptome für mich etwas Positives.

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Katja 12. April 2016 - 21:20

Ich hätte mir einen realistischeren Geburtsvorbereitungskurs gewünscht. Kaiserschnitt, Kristeller-Handgriff und ähnliches waren überhaupt kein Thema. Was hilft es einem aber, wenn man dann im Krankenhaus unter der Geburt doch damit konfrontiert wird. Wissen und Vorbereitung auch auf Komplikationen hilft, sich darauf im Notfall auch psychisch einzustellen. Der Schock, wenn es nicht die perfekte Geburt wird, ist sonst nur umso größer.

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Stellamarie13 12. April 2016 - 20:42

Ich würde es gut finden, wenn noch einiges mehr angesprochen wird. Der Handgriff wurde bei angewandt, natürlich ohne Vorwarnung und gehört habe ich auch vorher noch nicht davon. Ich hatte einen hohen Blasensprung ohne Wehen und das war für mich der worst case. Dass es das gibt, wusste ich auch nicht. Ich wusste nur, wenn die Fruchtblase springt, kommen irgendwann wehen. Und wir waren schon super vorbereitet, hatten einen paar Kurs über sieben Wochen im geburtshaus

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Dagi 12. April 2016 - 20:14

Ich hab fürs erste Kind einen halben Kurs besucht.
Mir hatte damals die passende Stimmung im Kurs gefehlt, alle anderen kamen aus einer ganz anderen Welt als ich. Das hat dann einfach nicht so gepasst. Und ich hatte Horrorvorstellungen von dem Partnerabend… 😉

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Maike 12. April 2016 - 20:02

Wir haben einen Paar-Wochenend-Kurs gemacht und der war richtig gut! Auch mein Mann, von dem ich dachte er würde es als eine Art Pflichtveranstaltung betrachten, war total begeistert. Zwei recht verschiedene Hebammen (die eine sehr ruhig, bedacht, esoterisch – die andere laut, ein „Anpacker-Typ“) haben diesen Kurs gegeben, in den Räumlichkeiten eines babyfreundlichen Krankenhauses. Wir wurden allgemein über den technischen Ablauf aufgeklärt, also wie das Kind den Geburtskanal passiert, dass der Muttermund aufgehen muss, dass die Fruchtblase irgendwann aufgeht, dass man unter den Wehen evtl. Durchfall/Erbrechen/Appetitlosigkeit erleidet usw. Dann gab es Übungen, wie man mit Wehen umgehen kann. Natürlich ist das sehr weit weg, wenn man noch nie ein Kind bekommen hat und ja nicht einmal weiß, wie sich eine Wehe wohl anfühlt und wie man darauf reagiert. So wurde es mit viel Humor gestaltet und einige Partnerübungen durchgeführt. Die Hebammen haben uns alle aufgescheucht und durch den Raum gehen lassen, jeder sollte die gedachten Wehen laut veratmen und tönen. Nach anfänglicher Zurückhaltung der Kurs-Teilnehmer haben sie es aber irgendwie geschafft, dass alle mitmachen (auch die Männer) und viel Spaß bei diesem Sport hatten. Davon war auch immer wieder die Rede, dass wir durch den Kreißsaal turnen sollen, dass Bewegung und Positionswechsel in der Regel gut tun. Zum Schluss gab es noch eine sehr offene Fragerunde und die Aufgabe, an den Partner einen Wunschzettel für die Geburt zu schreiben. Es wurde auch eine Kreißsaal-Besichtigung gemacht bei der die Sprossenwand und der Gebärhocker „praktisch“ demonstiert wurden. Natürlich wurden wir auch über mögliche Komplikationen und einen Kaiserschnitt aufgeklärt, am Meisten hängen geblieben ist jedoch das gemeinsame Atmen und Turnen. Schlussendlich haben wir auch in diesem Krankenhaus entbunden und ich war froh, als die Hebamme zum Schluss von mir verlangte den Druck zu veratmen, ich musste Pause machen. Sie atmete vor und ich erinnerte mich an den Kurs, das war sehr wertvoll für mich. Ohne dieses Vorwissen (was ich nicht geübt habe) hätte ich sie wohl nicht verstanden. Auch, dass ich unter der Geburt sehr laut wurde, habe ich mich nur in Erinnerung an den Kurs getraut. Man will ja schließlich – Selbstbestimmung hin oder her – seinen Mann nicht erschrecken oder gar verjagen. 😉

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Maike 12. April 2016 - 20:08

Was mir noch einfällt: Es gab auch organisatorische Informationen, die wir gut gebrauchen konnten. Man darf im Kreißsaal anrufen und mit einer Hebamme sprechen. Wo geparkt werden soll (Sonder-Parkplätze für werdende Eltern), welche Tür man dann nimmt (die Notaufnahme) und was dann (wahrscheinlich) als erstes mit einem gemacht wird (Aufnahme, Papiere, Gespräch, Untersuchung), wenn man im Kreißsaal angekommen ist, dass wir ein andere Krankenhaus aufsuchen sollen, wenn sich eine Frühgeburt ankündigt. Das Wissen über all diese Dinge hat schon gut vorbereitet und vor allem sehr sicher gemacht und zuversichtlich/positiv gestimmt.

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Johanna 12. April 2016 - 18:24

Ich finde es schon wichtig darüber zu sprechen, dass es unangenehm und schmerzhaft sein kann, dass man furchtbare Angst haben kann, dass man sich hilflos fühlen kann. Das gibt es ja auch alles bei „normalen“ Geburten (wenn auch wahrscheinlich weniger extrem) und es wäre unaufrichtig, das auszuklammern. Für mich war das Schwangeren-Yoga sehr wertvoll, da wir dort konkret geübt haben, mit unangenehmen Gefühlen umzugehen. Und jede für sich überlegt hat, was ihr in dieser Situation helfen kann. Ich hatte eine weitgehend normale Geburt, aber ich vermute dass dieses Wissen auch in Notfällen hilft: weniger, wie der „Ablauf“ ist, als, wie man selbst das durchstehen kann, was da auf einen zu kommt.

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Kiwimama 12. April 2016 - 11:35

Sehr, sehr schwieriges Thema. Ich weiß noch, dass ich im Geburtsvorbereitungskurs bei sämtlichen Komplikationen, die – von den anderen werdenden Eltern – angeschnitten wurden, ziemlich weggehört habe. Ich wollte mich gar nicht erst verunsichern lassen, denn ich ging mit einer ziemlich positiven und freudigen Einstellung an die Geburt heran. Beim Thema Kaiserschnitt hab ich gar nicht mehr wirklich zugehört.
Leider entwickelte sich die Geburt dann doch irgendwie anders als gedacht. Es musste irgendwann tatsächlich ein Kaiserschnitt gemacht werden und die Ärztin sagte mir anschließend, dass ich einen überstehenden Knochen im Becken hätte und es deshalb nicht voran ging. Die Chance auf eine natürliche Geburt beim nächsten Mal sei 50/50. Was ich von dieser Aussage halten soll, weiß ich bis heute nicht.
Ich glaube, was man in einem solchen Kurs im Endeffekt nur leisten kann ist, ein grundsätzliches Verständnis für die Vorgänge bei einer Geburt aufzubauen und ein offenes Ohr für Fragen und Ängste zu haben. Man will ja niemanden verunsichern. Alles andere ist so furchtbar individuell, dass man schlecht auf alles eingehen kann.

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Myriam 12. April 2016 - 10:07

Ich hatte wohl eine ziemlich schöne Geburt im Geburtshaus mit meiner Hebamme ohne irgendwelche Eingriffe und trotzdem würde ich nicht sagen, dass mich der Vorbereitungskurs da super drauf vorbereitet hat. Damit will ich nicht sagen, dass ich den Kurs schlecht fand, ich denke nur, dass jeder Körper und jede Erfahrung anders ist, weshalb man da schlecht in einer größeren Gruppe pauschalisieren kann. Ich habe z.B. in der Eröffnungsphase die ganze Zeit darauf gewartet, dass der Schmerz vom oberen Bauch nach unten wandert, wie uns das erzählt wurde. Das war aber nicht der Fall, bei mir haben sich die Wehen die ganze Zeit einfach wie sehr starke Regelschmerzen angefühlt…
Dennoch würde ich jeder Erstgebärenden raten einen Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen, allein für den psychischen Aspekt. Natürlich kann es immer anders kommen, aber man fühlt sich zumindest irgendwie vorbereitet und hat weniger Angst vor der Geburt. Deswegen kann ich es mir auch schwer vorstellen, wenn dort alle möglichen Komplikationen vorgestellt werden würden. Ich glaube, mich hätte das nur nervöser gemacht.

Die Hebamme von meinem Geburtsvorbereitungskurs hat übrigens die Geschichte der Geburt ihrer ersten Tochter in der DDR (ein großer Raum, Mann durfe nicht mit, Einlauf, zum Liegen gezwungen,…) erzählt, um aufzuzeigen, dass die Situation mittlerweile doch um einiges besser ist.

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Sari 12. April 2016 - 09:22

Ich weiß noch, beim 1. Kind habe ich keinen Kurs besucht. Ich wollte irgendwie nicht und kann auch gar nicht erklären warum das so war. Bei der zweiten Schwangerschaft habe ich mich dann doch für einen angemeldet, in der Hoffnung dieses Mal besser vorbereitet zu sein, da die erste Geburt doch einem Trauma glich und ich mir nun erhoffte Methoden und Mittel kennen zu lernen besser damit umzugehen. Letztendlich verlief auch die zweite Geburt eher unerwartet. Zwar deutlich schneller und an sich auch prima, das danach war nur nicht so toll…

So oder so. Ich habe noch gut im Ohr, wie die Hebamme damals beim Kurs im privaten Gespräch zu mir sagte, dass ich dann bitte nach Möglichkeit nicht von der ersten Geburt erzählen solle, damit die anderen Erstlingsmütter nicht unnötig Angst bekämen. Also schwieg ich ^^

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Anna 12. April 2016 - 09:02

Genau mein Thema gerade. Ich mache jetzt erstmalige Pause von Geburtsvorbereitungskursen. Ich weiß gar nicht mehr so recht was ich erzählen soll…
Im Prinzip rede ich viel über Selbstbestimmung, Selbstvertrauen und impfe die Leute, jede Entscheidung seitens des Klinikpersonals zu hinterfragen, so dass sie sich wenigstens nicht völlig ausgeliefert fühlen müssen.
Und ich „spiele“ die Geburt nach, ganz anschaulich mit Stöhnen, Schreien, Schimpfen, Becken rollen..
Danach sind m.E. wenigstens die Männer adäquat vorbereitet;-)

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Cici 12. April 2016 - 09:52

Mir geht es auch so. Meine Kurs Pause dauert nun schon 5 Jahre an. Das Wissen was wirklich förderlich ist für die Geburt ist und der Realität in den Kliniken wurden irgendwann unerträglich für mich. Wie soll man da gut vorbereiten? Dazu kam immer wieder das Auffangen von traumatisierten Frauen im Wochenbett. Alternativ biete ich nun Geburtsvorbereitende Massagen als Einzeltermin an, die wenn sie angenommen werden meist positive Rückmeldungen ergeben. Allerdings als Privatleistung :-/

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