Durchschlafen, Babyschlaf

Zum Glück schläft mein Baby nicht durch

von Anja

Ich hatte wohl etwas vergessen, wie schnell man mit diversen Schlafweisheiten konfrontiert wird, wenn man gerade ein Baby bekommen hat. So kam bereits drei Wochen nach der Geburt zum ersten Mal die Frage danach, ob unser Baby denn durchschlafen würde. Aus tiefstem Herzen antwortete ich: „Zum Glück nicht. Sie meldet sich auch nachts schön regelmäßig.“

Denn nicht nur als Mutter, sondern auch aus Sicht der Hebamme, würde es mir doch eher Sorgen bereiten, wenn unser Kind jetzt schon viele Stunden am Stück „durchschlafen“ würde. Denn gerade die ganz Kleinen brauchen die häufigen Mahlzeiten – unter anderem zum Beispiel dafür, um ihren Blutzuckerspiegel stabil zu halten.

Auch für eine gute Gewichtszunahme sind viele kleine Mahlzeiten rund um die Uhr sinnvoll, weshalb oft empfohlen wird, sehr schläfrige Kinder durchaus schlicht zu wecken. Das nächtliche Stillen ist eine sinnvolle Angelegenheit, denn anfangs braucht die Brust regelmäßige Stimulation, um gut in die Milchbildung zu kommen. Später fühlen sich längere Stillpausen für die Mutter meist unangenehm an oder können sogar zum Milchstau führen. Es ist also für Mutter und Kind in den meisten Fällen angenehmer, wenn beide nicht die ganze Nacht „durchschlafen“.

„Nichtdurchschlafen“ macht auf Dauer müde

Aber ganz unabhängig von der Nahrungsaufnahme will sich ein Baby auch immer rückversichern, dass es sicher und geborgen und nicht irgendwo allein zurückgelassen ist. Auch als Mutter habe ich immer wieder das Bedürfnis, mich zu versichern, dass es meinem Baby gut geht. Zu fühlen, dass es warm genug ist. Zu lauschen, wie es atmet. Und seine Bewegungen zu spüren, die mir zeigen, dass es nun stillen möchte. In den ersten Nächten mit unserem Babymädchen habe ich sogar eine kleine Lampe angelassen, einfach um sie zu sehen. Und um im Blick zu haben, dass alles in Ordnung ist mit diesem kleinen gerade geborenen Menschlein.

Als unser Kind noch im Bauch war, hat es sich darin nachts auch viel bewegt. Gerade in den doch etwas aufregenden drei Wochen nach dem vorzeitigen Blasensprung war ich immer froh und dankbar, ihre Bewegungen zu spüren und zu wissen, dass es ihr gut geht. Oft denke ich an diese Zeit zurück, wenn sie jetzt hier stillend und glucksend nachts an meiner Seite liegt. Auf meiner anderen Seite liegt ganz ruhig atmend der Vierjährige, der unbeeindruckt von sämtlichen nächtlichen Babygeräuschen die ganze Nacht hindurch einfach schläft. Mit ihm habe ich – wie auch mit unseren ersten beiden Kindern – ebenfalls viele schlaflosere Nächte verbracht, in denen wir uns beide gegenseitig immer wieder rückversichert haben, dass alles in Ordnung ist.

Das „Nichtdurchschlafen“ macht auf Dauer müde, keine Frage. Ohne Mittagsschläfchen am Tag kann die Laune da schnell mal in den Keller gehen. Mütter müssen an dieser Stelle gut auf sich aufpassen. Aber es ist für mich persönlich trotzdem gut, dass mein Baby nicht durchschläft – und es auch eine ganze Weile lang noch nicht tun wird.

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22 Kommentare

Christina 3. Oktober 2018 - 09:19

Wieder ein toller Artikel. Deine Artikel rühren mich immer wieder zu Tränen. Sind wohl noch nen paar Hormone im Spiel.
Unser kleiner hat am Anfang durchgeschlafen Tag und Nacht und ich kann nur sagen nicht schön und du hast absolut recht.
Wir müssten ihn den ersten Monat immer zum trinken wecken mit wach wickeln weil er sonst gar nicht wach zubekommen war. Er ist hat am anfang auch schlecht zugenommen und hatte Schwierigkeiten mit dem halten der Körpertemperatur so das er so dick eingepackt war wie für nen Spaziergang.
Die schlimmste Nacht war zwei Wochen nach der Geburt als wir alles versucht haben und er überhaupt nicht wach wurde da ist uns Angst und bange geworden. Wir haben es dann irgendwie doch geschafft. Aber ich will gar nicht wissen was wäre wenn wir uns darüber gefreut das er so schön schläft und ihn schlafen hätten lassen.

Mittlerweile lässt er mich schon lange nicht durchschlafen und meistens genieße ich die Zeit auch. Hart is es eigentlich nur wenn man selbst krank ist oder er wirklich ständig kommt.

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Hannah 3. Juni 2018 - 15:31

Die Antwort „Zum Glück nicht“ suggeriert aber auch, dass mit durchschlafenden Babys grundsätzlich etwas nicht stimmt. Mein kerngesundes Baby hat von Beginn an ohne bewusstes aktives Einwirken einen Tag-Nacht-Rhythmus gehabt. Auf Anraten der Hebamme habe ich es zunächst nachts regelmäßig geweckt, damit es trinken kann. Mit sechseinhalb Wochen und nach konstanter guter Gewichtszunahme wecke ich nicht mehr und mein Baby schläft meist durch. Und wenn es sich doch nachts meldet, dann bekommt es alles, was es möchte (stillen, frische Windel, kuscheln) und schläft rasch wieder ein. Und das ist ok so, denn offenbar entspricht es dem Wesen und der gesunden Entwicklung meines Babys sich genau so zu verhalten.
In einem Kommentar wurde erwähnt, dass es besorgniserregend sei, wenn das Baby „wie weggetreten und schwer erweckbar ewig schläft“, aber das ein Baby scheinbar durchschläft heißt doch nicht, dass es sich im Schlaf nicht bewegt, schwer zu wecken oder eventuell auch zeitweise ruhig und zufrieden aber wach in seinem Bett liegt.
Es sind Artikel wie dieser, die die Angst frischgebackener Eltern schüren, dass etwas mit ihrem Baby nicht stimmt, nur weil es sich anders als die Norm verhält. Versucht doch wenigstens Euch für andere Eltern zu freuen, wenn sie nicht unter Schlafmangel leiden, statt immer das Haar in der Suppe zu suchen.

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Anja 3. Juni 2018 - 15:58

Liebe Hannah,

danke für Deinen Kommentar. Der besagt eigentlich das gleiche, wie von mir geschrieben. Denn Du hast ja auch in den ersten Wochen auf Anraten Deiner Hebamme Dein Baby geweckt. Zum Zeitpunkt dieses Artikels war unser Baby noch ein Neugeborenes und da hätte ich ein Durchschlafen in der Tat eher bedenklich gefunden, da tatsächlich in diesem Alter die Stabililisierung des Blutzuckerspiegels, die Anregung der Milchbildung und auch der Bilirubin- Abbau mit der Stillhäufigkeit zusammenhängen. Und lange Pausen können sich da- sowohl in der Nacht als auch am Tage- ungünstig auswirken. Als Hebamme ist es mir tatsächlich lieber, dass Eltern darüber informiert sind, dass bei längeren Stillpausen genau hingeschaut werden muss, als das etwas versäumt wird. Und da es natürlich auch Ausnahmen gibt, steht da ja: Es ist also für Mutter und Kind in den MEISTEN Fällen angenehmer, wenn beide nicht die ganze Nacht „durchschlafen“.
Das hat also nichts mit Angst machen zu tun, sondern ist vielleicht gerade auch in Zeiten, wo jede zweite Familie ohne Hebamme da steht, für manche Eltern eine ganz hilfreiche Information.
Der Grund, weshalb wir als Hebammen anfangs doch meist ein Wecken bei lange schlafenden Kindern empfehlen, ist also auf keinen Fall, dass wir den Eltern keinen Schlaf gönnen würden;)

Liebe Grüße, Anja

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Frauke 5. August 2017 - 22:01

Sehr schöner Beitrag. Ja das ist der Standardspruch den man aus sämtlichen Richtungen hört … schläft sie/ er denn schon durch?
phu…ich konnte diesen Spruch schon nicht mehr hören. Besonders wenn die Tochter in den ersten zwei Jahren nicht ein einziges mal durch geschlafen hat….Aber zum Glück haben auch wir irgendwann eine Lösung gefunden ohne schreien lassen.

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Mia 29. Juli 2017 - 10:59

Nachdem mir das Gerücht um den Blutzuckerspiegel der Kleinen auch mehrfach von überbesorgten Eltern über den Weg gelaufen ist, habe ich mal bei Hebammen und Kinderärzten nachgehakt! Wirklich viel ist da nicht dran! Solange die Lütten gut zunehmen und auch sonst fidel sind, spricht buckets dagegen, dass sie auch am Anfang schon mehr als 4 Stunden schlafen!

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KriMaEm 15. Juni 2017 - 14:13

Tja, unser Kleiner ist jetzt ne Woche alt… solange sein Bruder im Familienbett mitschläft und vor sich herschnorchelt, schläft er „durch“, denn meine liebe Stillschwester sagte mir mal : wenn Babys 4Stunden am Stück schlafen, spricht man vom durchschlafen. ….

Aber selbst wenn er sich stündlich meldet, habe ich kein Problem damit… das tut er, sobald sein großer Bruder in seinem eigenen Bett schläft…

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Juliane 2. Mai 2017 - 21:38

Ich habe auf diese blöde Frage gerne mit „Natürlich schläft er durch, von einer Mahlzeit bis zur nächsten!“ geantwortet 🙂 Finde die Idee auch sehr gut, die Frage einfach an den so blöd Fragenden zurück zu richten…

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Sabine 1. Mai 2017 - 12:30

Bei meinem ersten Schatz hat es gerade mal 2 Wochen gedauert bis die Ratschläge vom durchschlafen angefangen haben. Mein zweiter Schatz wurde gar nicht munter zum stillen. Da hab ich dann gesagt er schläft durch aber er trinkt alle 3-4 Stunden in der Nacht… das fanden die wenigsten lustig
Jetzt beim dritten Schatz hat es 3 Monate gedauert bis ich das erste Mal gefragt wurde ob er durchschläft. Da meinte ich nur; nein aber soll er ja noch gar nicht.
Bin froh dass mein Mann da auch gleich denkt wie ich. Haben sich ein Familienbett weil die 2 größeren auch immer wieder zu uns kommen. Da schütteln auch die meisten den Kopf…

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Kim 1. Mai 2017 - 11:31

Ich war ein bisschen geschockt, als meine Oma mir erzählte, dass das früher halt „einfach so ging“ mit dem Durchschlafen, und als ich dann nachfragte, erzählte sie, dass ihre Kinder während der Woche, die sie nach Geburt jeweils im Krankenhaus waren, nachts eben nicht bei ihr waren, sondern in diesen Kinderzimmern, die es damals gab. (Ich hab bisher noch keine Klinik gesehen, in der es das noch gibt.)
Und wenn die Kinder dann nachts schrien, wurden sie schreien gelassen, die Mutter bekam ja nichts davon mit, und wenn sie dann mit ihrem Kind nach Hause ging, war das Kind schon darauf konditioniert, sich nachts nicht mehr zu mucksen.
Mit blieb da echt die Spucke weg…
Sowieso sind Eltern/Großeltern immer etwas verschnupft, wenn ich anfange, von bedürfnisorientierter Babypflege zu reden und die psychischen Folgen zu schildern, die von Methoden der schwarzen Pädagogik ausgelöst werden können – weil sie es eben so gemacht haben und meine Worte als Vorwurf verstehen, während ich mich nur rechtfertige gegen die Vorwürfe ihrerseits, ich würde das Kind verwöhnen/verweichlichen. Ein Dilemma…

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Julia 30. April 2017 - 00:40

Mein kleiner Mann robbt mit seinen acht Monaten auch noch nachts zu mir rüber um zu tanken. Liebe und Milch bekommt er solange er möchte… Bei meinem großen (3,5) wars mit 9 Monaten ganz spontan vorbei. Noch genieße ich unsere nächtliche Extrakuschelzeit, auch wenn ich manchmal Tags müde bin.
Einfach mal Zurückfragen, ob die/der Fragesteller, nachts aufs Klo muss.
Eigentlich ist doch der Nachtschlaf was privates oder bei ich Babys nicht ?

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Nadine 29. April 2017 - 22:35

Die Gegenfrage, ob die andere Person denn selbst durchschlafe, ist auch eine gute Idee. Denn dann kommt ganz oft die Antwort, dass sie auch selbst nachts mal aufwacht. Meist haben sich dadurch irgendwie nettere Gespräche ergeben, als man zuerst bei der Frage denkt.
Und gerade die ersten Wochen ist man doch noch so verzaubert. Ich fand das Nichtdurchschlafen für mich viel anstrengender vom 4 bis 7 Monaten. Da waren einfach die Reservern leer und die Anfangsaufregung weg, und ich konnte nicht im Liegen stillen, also saß ich nachts alle 3 Stunden eine halbe Stunde bis Stunde wach da. Ab dem 7ten Monat wurde dann nachts weniger gestillt, und irgendwann ging es auch im Liegen. Seitdem schlaf ich einfach weiter.

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Lea 28. April 2017 - 21:55

Mein Sohn ist 13Monate und schläft seit der Geburt durch! wahrscheinlich glaubt mir kein Mensch, aber ehrlich.. bin so dankbar so ein luxus Baby zu haben und geniesse es total!

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Tanjs 2. Mai 2017 - 08:04

Ich habe auch ein Luxus Baby. Unsere Tochter schläft seit der Geburt nachts 5 Stunden und mit 2 Monate schläft sie nun durch.

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Yolanda 16. September 2020 - 07:48

Danke für diese Info. Mein Kind ist im 6.Monat und ich immer müder. Das ist ein Lichtblick für mich, dass es wieder besser wird. Liebe Grüße

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Liane_pusteblume 3. Mai 2017 - 21:21

Habt ihr den Artikel und seine Bedeutung herausgelesen? Ich hätte große Angst gehabt, wenn mein Baby wie weggetreten und schwer erweckbar ewig schläft. Kleine Babies „sollen“ ja gar nicht so tief und lange schlafen.

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Dreifachmami 28. April 2017 - 21:22

Auch ich sage einfach nur „Danke!“ für diesen Artikel.
Ich wurde bereits 9 Tage nach der Geburt unseres 3. Kindes gefragt, ob es denn schon durchschlafe! (Und das von einer Mutter, die selbst zwei kleine Kinder hat.)
Ich kann über solche Fragen nur den Kopf schütteln und werde demnächst auch antworten: „Zum Glück nicht!“ 🙂

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Anne 28. April 2017 - 20:10

Ich lese euren Blog gerade so gern – unser zweiter ist vor zweieinhalb Wochen auf die Welt gekommen und lese im Wochenbett euer Wochenbett :). Und ich freue mich jedes Mal, wenn unser kleiner nachts das erste mal wach wird – er gönnt mir meist am Anfang der Nacht vier bis sechs Stunden Schlaf am Stück. Vier Stunden gehen, sechs Stunden bringen meine Brüste gefühlt zum Platzen und ich muss erst ausstreichen, bevor ich stillen kann… die ersten Nächte waren bei uns auch mit Licht 😉

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Anka 28. April 2017 - 14:53

Dankeschön! Das kann ich nur so unterschreiben!

Was für eine doofe Frage…
Ich habe aber wirklich den Eindruck, besonders ältere Menschen fragen komische Sachen.

Wobei ich schon gern hätte, dass auch Kind 2 so mit einem Jahr halbwegs durchschläft, und auch ungefähr mit 2 trocken ist. Mal gucken…

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Antje 28. April 2017 - 14:25

Schön geschrieben und so ist es ja auch! 🙂 Ich frage mich allerdings schon, wie man bei einem wenige Wochen alten Baby auf die Idee kommt zu fragen, ob es schon durchschläft… Würde mir gar nicht einfallen.
Meine Tochter schläft mit 2 1/2 bisher nur selten eine Nacht durch. Fast jede Nacht muss ich oder mein Mann mindestens einmal zu ihr rüber, weil sie weint. Manchmal reicht nur zudecken und kurz streicheln, manchmal sitze ich eine Weile neben ihr, bis sie wieder eingeschlafen ist und manchmal kommt sie einfach gleich in unser Bett. Wenn sie die Nähe und Rückversicherung braucht, dann ist das eben so. So langsam hoffe ich zwar, dass sich das gibt, da wir uns im Juli auf Baby Nummer 3 freuen, aber wenn nicht, ist es ja auch nicht zu ändern.
Ich wünsche weiterhin ausreichend Zeit für das tägliche Mittagsschläfchen. 🙂 Liebe Grüße

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Marie-Christin 28. April 2017 - 13:19

Danke mal wieder liebe Anja! Ich bin damals durch den „Die ewige Schlaflüge“ Post auf euren Blog gestoßen und war so erleichtert. Da war meine erste Tochter nämlich „schon“ 7 Monate alt und weit entfernt vom Durschlafen. Ich fands ok, aber gefühlt der Rest der Welt nicht.
Ich habe irgendwann auch nur noch als Antwort „Nee, aber sie ist gesund und uns geht es gut“ auf die Durchschlaffrage gegeben. Nach dem 2. Geburtstag wird die Frage dann ja gerne durch „Und ist sie schon trocken“ abgelöst.

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Katrin 28. April 2017 - 13:16

Mich nervt in diesem Zusammenhang ja auch immer sehr dieses „ach, ist sie schön brav“ wenn Leute das schlafende Kind sehen. Als ob schlafen / wach sein /Bauchweh /was auch immer in dem Alter was mit brav sein zu tun hätte…

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Andrin 28. April 2017 - 11:57

„Nein, zum Glück nicht“ – das ist eine schöne und entspannte Sicht auf diese außergewöhnliche Zeit. <3
Unser Sohn ist inzwischen 13 Monate alt und wird nachts auch immer noch wach. Von anderen hörte ich schon, dass sei nicht normal, was mich anfangs verunsicherte. Ich dachte, ich müsse etwas "unternehmen". Inzwischen nehme ich es so, wie es ist. Denn das ist für uns alle entspannter. Außerdem genieße ich dieses nächtliche Ankuscheln zum Wiedereinschlafen sehr. 🙂
Alles Liebe für euch!

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