Schon lange, bevor es den Begriff Baby-led weaning gab, waren manche Babys an Breiangeboten ziemlich uninteressiert. Und ihre Mütter stillten sie weiterhin nach Bedarf so wie bisher. Irgendwann wurde das Essen selbst interessanter als das Spielen damit. Und die Kinder haben mehr und mehr davon gegessen. Und weiterhin viel gestillt. An manchen Tagen aber auch spürbar weniger. Und an anderen (Krank-)Tagen dann wieder ausschließlich.
Mal essen diese Babys große, mal winzig kleine Mengen. Sie trinken gelegentlich Wasser dazu, mal wird es nur auf den Tisch gekippt. Aber auch das ist kein Problem, da das Baby ja weiterhin über das Stillen sowohl genug Nährstoffe als auch Flüssigkeit bekam.
Manche Babys mögen Fingerfood und Brei. Was manche nicht mögen: wenn dieser Brei gefüttert wird. Aber das ist auch nicht nötig, weil viele Babys es mit ihren Händen und auch teilweise mit dem Löffel gut selbst schaffte, das Ganze in den Mund zu befördern.
Baby-led Weaning ist eher ein ursprünglicher Weg
Klassische Breipläne geben vor, wann Eltern den ersten, zweiten oder dritten Brei einführen. Die Kinder geben so etwas eher selten vor. Und exakt das ist Baby-led weaning. Ein Beikostweg, der sich nach den „Plänen“ des Babys richtet.
2008 hat die Hebamme und Stillberaterin Gil Rapley dem Ganzen dann einen offiziellen Rahmen und Namen gegeben, als sie ihr Buch Baby-led Weaning: Helping Your Bay Love Good Food veröffentlichte. Darin ist dieser an den Bedürfnissen des Babys orientierte Beikostweg beschrieben. Erst im Jahr 2013 erschien dann die deutsche Übersetzung Baby-led Weaning – Das Grundlagenbuch: Der stressfreie Beikostweg.
Völlig neu war das Thema aber nicht. Ganz im Gegenteil entspricht das Vorgehen des Baby-led weaning eher einem ursprünglichen Weg, wie Kinder an das Essen am jeweiligen Familientisch heran geführt wurden. Die Breifütterung hat eine wesentlich kürzere Historie. Sie ist auch eng verknüpft ist mit dem Rückgang der Stillquoten in den 1960er und 1970er Jahren und dem damals empfohlenen „Stillen und Füttern nach Plan“.
Viel verwechselt und einiges falsch verstanden
Mit „to wean“ wird im Englischen der Abstillprozess beschrieben, also der „Entwöhnungsprozess“ von der reinen Milchnahrung. Das ganze ist deshalb natürlich auch für mit Pre-Nahrung gefütterte Kinder ein guter Weg. Denn auch hier ist das Füttern nach Bedarf die Empfehlung. Dem schließt sich ganz logisch die „Beikosteinführung nach Bedarf“ an. Trotzdem wurde Baby-led weaning medial zum Trendthema. Und natürlich gab es deshalb die entsprechenden Skepsis gegenüber dem vermeintlich neuen Trend. Dabei existierten schon immer reichlich Babys, die ihr „Entwöhnungstempo“ selbst vorgegeben haben. Und Eltern, die sich darauf eingelassen haben.
Denn gerade dann, wenn ein Baby gar nicht einem vorgegebenen Schema folgen möchte, ließe sich eine Entwöhnung nur durch Ablenkung oder letztlich gegen den Willen des Kindes durchsetzen. Und das fühlt sich hoffentlich für Eltern so falsch an, dass sie dies intuitiv nicht tun. Oft bleibt aber eine emotionale Belastung zurück, weil sich die Eltern fragen, ob sie wohl etwas falsch machen, wenn ihr Kind nicht „nach Plan“ isst. Deshalb war es gut, dass dieses Thema zum Trend wurde. Doch natürlich wird schnell viel verwechselt und einiges falsch verstanden.
Baby-led weaning wird zum Beispiel immer wieder damit gleich gesetzt, dass statt Brei einfach die gleichen Zutaten in Fingerfood-Form gegeben werden. Also statt 190 Gramm Karotte-Kartoffel-Irgendwas-Brei bekommt das Baby dann vier Stück gekochte Möhre, zwei Kartoffeln und… nein, genau das ist nicht Baby-led weaning. Schon gar nicht, wenn damit die Erwartung verknüpft ist, dass das Kind anschließend bitte weniger stillt und somit eine Mahlzeit durch Beikost „ersetzt“ wäre.
Baby-led weaning berücksichtigt die Individualität jedes Kindes
Vor allem bedeutet Baby-led weaning, auf die Zeichen und Bedürfnisse des Kindes zu achten. Seine Entwicklung und sein wirkliches (also nicht nur dem Löffel hinterherschauen…) Interesse zeigen seine „Beikostreife“ an. Genauso wird es deutlich machen, was es probieren möchte, was es mag, was nicht und natürlich auch Hunger und Sättigung zeigen. Auch sein Bedürfnis, weiterhin gestillt zu werden, wird es so wie schon in den Monaten zuvor sichtbar anzeigen.
Aufgabe der Eltern ist es, die Zeichen ihres Kindes zu sehen, zu deuten und feinfühlig zu beantworten. Und natürlich ein gesundes Nahrungsangebot zu machen. Das geht am einfachsten, indem die Eltern selbst ausgewogen und gesund am Familientisch essen. Wie auch beim Laufen wird das Baby ins seinem ganz eigenen Tempo den jeweiligen Entwicklungsschritt machen. Ess- und Abstilltempo haben eine große Bandbreite. Genau wie einige Kinder eher früh oder eher spät laufen, hat auch das Entwöhnungstempo von der reinen Milchzeit zum Familientisch eine eigene innere Uhr.
Eltern sollten die Entwicklungsschritte ihrer Kinder nicht aufhalten, aber eben auch nicht zu versuchen, sie zu „beschleunigen“. Baby-led weaning, die Baby-geleitete Entwöhnung, berücksichtigt die Individualität jedes einzelnen Kindes.
Schreibe einen Kommentar