Babyliebe, Babyfuss

Die sechste Woche Wochenbett: Freunde und Freude

von Christian

Nachdem sich letzte Woche der aus Versehen eingehandelte Milchstau ankündigte, hat uns genau der am Montag noch etwas ausgebremst. Zum Glück geht es Anja aber deutlich besser, wie wir auch unserer Hebamme versichern, die doch etwas besorgt den letzten Wochenbericht zwischen den Zeilen las und gleich nachfragte. Ich habe einen Vatertag voller Haushalt, Kinderorganisation und Wäsche hingelegt und mich dann abends über meine rausgefallene Zahnfüllung geärgert. Das braucht niemand, schon gar nicht jetzt. Also noch schnell einen Termin mit dem Anrufbeantworter der Zahnärztin vereinbart.

Dienstags räumt Anja vormittags etwas Schreibtischarbeit aus dem Weg, als freiberuflich tätiger Mensch ist ja trotz Wochenbett nie ganz Freizeit und Ruhe. Ich genieße derweil die Elternzeit, habe meinen Job verdrängt und trage die Kleine im Wechsel auf den Armen oder im Tragetuch durch die Wohnung und räume auf. Die Nacht war entspannt, kein Schnupfen stört mehr das stillende Baby. Die Kleine ist nachts mit Stillen und Weiterschlafen glücklich, auch Anja findet die Nächte angenehm und fühlt sich recht fit morgens. Nachmittags kommen Herr und Frau Mierau mit ihren drei Kindern zu Besuch, wir holen neun Pizzen zum Abendessen und quatschen uns vor lauter Kinderkulisse in den Abend.

Mittwochs versuche ich mal wieder erfolglos, während des Zweistundenzeitfensters Kontakt mit der Elterngeldstelle im Amt aufzunehmen. Leider ist dort entweder dauerbesetzt oder es nimmt niemand ab, so dass ich in Versuchswoche drei entnervt aufgebe und einfach die Dokumente ohne Rücksprache hinschicke. In der Hoffnung, dass schon alles passt. Anja genießt am frühen Nachmittag ihre Wochenbettmassage, die sie von ihrer Co-Autorin und Freundin Loretta geschenkt bekommen hat. Da es ein Hausbesuch ist, müssen wir dafür nirgendwo hin – wie entspannend. Die Babytochter verschläft die einstündige Massage bei mir im Tragetuch. Nachmittags steht ein Elterngespräch in der Schule der Mädchen an, das Anja und ich gemeinsam mit Baby und kleinem Sohn absolvieren. Ein Mädchen müssen wir noch vom Sport abholen, in der kurzen Wartepause auf dem Spielplatz kriegt das Söhnchen einen Nervous Breakdown wegen der Schaukel-Schlange und dass wir losmüssen, kurz bevor er dran ist. Ich kann ja verstehen, dass man nicht zweihundert Schaukeln aufstellt, aber zwei für gefühlt 300 potenzielle Schaukler ist irgendwie zu wenig. Aber ich mag Spielplätze ohnehin nicht besonders. Abends hat dann das Baby erstmals eine kurze Schreiphase und muss den Tag verdauen, beruhigt sich aber mit rumtragen schnell. Und hier ist ja auch viel los ganzen Tag. Insgesamt ist die Kleine bisher aber sehr entspannt – selbst im größten Trubel.

Der Samstag startet mit schlechter Laune

Am Donnerstag sind wir vormittags gemeinsam mit Baby im Café, danach arbeitet Anja etwas und ich versuche, noch ein paar Anträge bei Krankenkasse & Co. abzuarbeiten. Nachmittags dann der Besuch bei der Zahnärztin, die mir offenbart, dass ein Teil des Zahns abgebrochen ist. Sie fragt nach Unfällen, ich zucke nur hilflos mit den Schultern und freue mich am Ende darüber, dass ich kein Inlay brauche und die Behandlung nicht einen Wochenendurlaub kostet. Anja schläft abends wie jeden Abend auf dem Sofa ein – das ist der nachgeholte Mittagsschlaf. Auch gut, Hauptsache jeder bekommt genug Schlaf. Ich spiele ein bisschen Zelda und gehe zeitig ebenso müde ins Bett.

Am Freitag kommt eine liebe Freundin zu Besuch, die wir seit der Geburt nur immer zwischen Tür und Angel mal kurz gesehen haben. Anja kriegt noch einen weiteren tollen Massagegutschein und auch alle Kinder ein schönes Geschenk anlässlich der Geburt unseres Babyy. Die vier Kinder der befreundeten Familie, auch wie bei uns drei Töchter und ein Sohn, sind fast genauso so alt wie unsere vier und spielen alle gerne miteinander. Wir zelebrieren deshalb mal wieder Kindertausch. Das entzerrt immer sehr den aktuell doch spürbaren Nachmittagsstress. Die große Tochter backt noch einen Kuchen, während wir geschafft auf der Couch versacken.

Der Samstag startet mit schlechter Laune bei Anja, weil ihr auffällt, dass sie einen lange ausgemachten Termin beim Bürgeramt vergessen hat, der eigentlich am Freitag angesetzt war. Wir brauchen einen Pass fürs Baby, weil Anja bald beruflich für einen Tag inklusive des Babys wegfliegen muss. Den Termin hatten wir vor drei Monaten gemacht, leider ist er vom Apple-Kalender verschluckt worden. Wir streiten uns und meckern uns an, die Kinder finden uns deshalb ziemlich blöd. Immerhin führt das zur Erkenntnis, dass es doof ist, einen Termin verdaddelt zu haben, aber noch dümmer ist, sich deshalb anzumaulen. Also wieder vertragen und zusammen frühstücken und die Familienzeit genießen. Aber hey, auch Streit und schlechte Laune gehören zum Wochenbett und überhaupt zum Familienleben, ebenso wie große Glücksmomente und unsere täglich große Dankbarkeit für vier großartige Kinder. Mittags kommt ein alter Freund zu Besuch, der mit uns quatscht und den Kuchen der Großen verspeist. Nebenbei fahre ich noch Kinder zu Verabredungen oder hole sie ab, mache dann noch ein schnelles Risotto zum Abendessen für Freund und Familie. Wir reden lange, machen spät ein schnelles Bettgehritual mit dem Kleinen. Die Mittlere schläft bei einer guten Freundin, die Große kriegt noch spontanen Übernachtungsbesuch. Wir hatten bestimmt, dass bis Anfang Mai bei uns keine Übernachtungen mehr steigen – war ja klar, dass sie den Termin auf Check hat. Die Mädels bleiben länger wach als wir und erzählen sich noch kichernd Geschichten im Dunkeln, als ich nach Mitternacht ins Bett gehe.

Sonntags frühstücken wir alle gemeinsam in Ruhe mit frischen Brötchen. Mittags fahren wir kurz die Mieraus besuchen und die Tochter wieder abholen – schon komisch, Anja war das letzte Mal kurz nach dem Blasensprung hier. Verrückt, dass wir jetzt mit Baby im Arm hier sind. Nachmittags kommt einer meiner besten Freunde und Pate der Erstgeborenen zu Besuch zum Babybegrüßen. Wir reden lange, trinken viel Kaffee und die Kleine schläft bei ihm auf dem Arm ein, als er sie eigentlich nur kurz mal halten soll, damit ich aufs Klo kann, bevor ich sie nach dem Stillen ins Tragetuch nehmen wollte. Sie schläft aber stoisch weiter bei ihm auf dem Arm, so unterhalten wir uns einfach weiter und Anja und ich haben so ganz aus Versehen mal eine knappe Stunde kein Baby auf dem Arm. Schon komisch, dass Babys wohl auch instinktiv erkennen, wem ihre Eltern vertrauen. Nachmittags scheuchen wir uns und die Kids noch eine Runde über den Spielplatz, holen Eis und genießen das Frühlingswetter. Abends koche ich noch eine schnelle Kartoffel-Brokkoli-Möhrensuppe und widme mich meinem Erzfeind, der Wäsche. Während ich diese Zeilen hier schreibe, dreht die dritte Maschine heute ihre Runden. Es ist kurz nach Zehn, Anja schläft wie jeden Abend mit unserem Baby auf der Brust auf dem Sofa. Bei dem Anblick vergesse ich die piepsende Maschine, schaue die beiden an und realisiere mal wieder, dass Glück so einfach ist.

Wer mehr von unserem Wochenbett lesen will:

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12 Kommentare

Susanna 12. Mai 2017 - 12:04

Lieber Christian,
Ich lese sehr gerne deine Wochenbett Texte. Bei dem Trubel sieht mein Chaos mit einem Kind immer ganz entspannt aus. Was ich aber sehr gut kenne sind die Wäscheberge. Aber mal ne Frage. Genauso anstrengend finde ich das Einkaufen und die Essensplanung. Hier fehlt immer eine entscheidende Zutat. Und spontan nach Bedarf einkaufen wie früher klappt nicht mehr.
Liebe Grüße

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Johanna 9. Mai 2017 - 11:26

In Berlin muss man fürs Schaukeln anstehen! Krass 😉 Hier sind so viele Spielplätze dass das sicher nicht notwendig ist, aber wenn die Schaukel besetzt ist versuche ich meist eher was anderes mit dem Kind zu machen. Weil gerade wenn Kinder auf der Schaukel sind und wissen, da wartet noch jemand, dann schaukeln die eeeeeeeewiiiig. So ein attraktives Spielgerät muss man für sich nutzen so lange es geht! (Ich will aber auf keinen Fall damit sagen das wäre ein Trick, der euch den Nervenzusammenbruch erspart hätte. Wenn ein Kind einen Zusammenbruch haben muss, findet es schon seinen Aufhänger. Auch das gehört dazu).

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Mrs.Elternabenteuer 8. Mai 2017 - 20:02

Hallo,
Interessant mal in einen anderen “ganz normalen” Alltag reinzulesen 🙂 danke! ich habe mal eine Frage, die jetzt nicht ganz passt, aber:
Wie alt sind denn eure Kinder und ab wann sind diese jeweils in die Kita gegangen?
Vielen Dank für eine Antwort

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Anja 8. Mai 2017 - 20:32

Sie sind 11,9,4 und jetzt sechs Wochen. In unsere Kita, ein kleiner familiärer Kinderladen sind sie so rund um den zweiten Geburtstag gegangen. Die Erste etwas später, die Geschwister etwas früher, weil sie es “eingefordert”haben, weil sie beim Bringen und Abholen auch immer dort bleiben wollten:)
Wie macht Ihr es mit Kita?

Liebe Grüße, Anja

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Mrs.Elternabenteuer 8. Mai 2017 - 21:50

Ich denke auch so um den 2. Geburtstag….Nur die Entscheidung welche ist echt nicht einfach…Sind ja grade in usa und das Angebot ist recht groß, man kann es sich also tatsächlich aussuchen 🙂
Die Wunsch-Kita wäre eine Montessori, allerdings 10 Minuten Autofahrt….Da muss ist eine in 10 Minuten Fußweg zu erreichen, aber die ist halt eine “normale”. Und normal heißt hier leider mit Zahlen und Buchstaben lernen…Und ich möchte das Kind sein so lange wie möglich bewahren….

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Christina 8. Mai 2017 - 09:03

Kleiner Tipp zum Termin im Bürgeramt: wenn man telefonisch einen Termin unter der 115 vereinbart, kriegt man auch problemlos in ein paar Tagen einen (auch wenn online für Monate alles ausgebucht ist). Klappt zumindest fürs Amt in der Frankfurter Allee wunderbar. Vielleicht hilft euch das ja 🙂
Schönen Gruß und weiterhin eine schöne und entspannte Familienzeit!

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Anja 8. Mai 2017 - 16:04

Danke, liebe Christina. Frankfurter Allee wäre auch nicht weit von hier.

Liebe Grüße, Anja

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Veronika 8. Mai 2017 - 09:03

Lieber Christian,
um Eure Waschmaschine mit anderen Augen zu sehen, hilft vielleicht ein Perspektivenwechsel:

Hier in der Schweiz ist es (noch) üblich, dass man einen gemeinsamen Waschraum mit Waschmaschine und Trockner hat und sich diesen mit den Nachbarn teilen muss. In den Wohnungen gibt es gar keinen Anschluss für die Waschmaschine. Das bedeutet, dass man oft nur 1 Waschtag pro Woche hat oder sich im Vorhinein in einen Plan für ein Zeitfenster von 2-4 Stunden eintragen muss. (Mein Mann hat sogar mal in einem Haus gewohnt, wo er offiziell nur 1 Waschtag in 30 Tagen hatte! Da haben aber alle einfach gewaschen, wenn frei war. Stell Dir das mal vor – da kannst Du mit der Familienwäsche zigmal am Tag runterrennen und schauen, ob die Maschine frei ist und dann ebenfalls wieder hoch damit in die Wohnung….)

Also ich habe mich bei unserem Umzug von Berlin in die Schweiz fast unter Tränen von unserem Privileg-Maschinchen getrennt und beneide deswegen alle, die eine eigene Waschmaschine haben und nach Herzenslust jederzeit waschen können. *seufz*

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Anja 8. Mai 2017 - 18:27

Liebe Veronika,

oh jee, das klingt eigentlich fast nicht machbar mit geteilter Waschküche oder sogar nur einem Waschtag in der Woche.
Wir werden jetzt wohl bei jeder Waschmaschine an an Dich denken;)

Liebe Grüße,

Anja und Christian

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Angela 9. Mai 2017 - 19:02

Jetzt erinnere ich mich auch wieder, dass das in Schweden ebenfalls so üblich ist wie in der Schweiz. Als Studentin war mir das eher egal, aber als Familie stelle ich mir das durchaus aufreibend vor… Bei uns fällt aufgrund von quasi-windelfrei phasenweise auch recht viel Wäsche an, und ganz oft denke ich mir dann, dass das Wäschewaschen noch vor gar nicht allzu langer Zeit (meine (Ur-)Großeltern-Generation, denke ich) auch ein ganz ein anderes Projekt war. Da hat man sich bestimmt oft zwei Mal überlegt, ob man das Stück nicht nochmal so verwenden kann… Da bin ich dann richtig dankbar für die piepsende Waschmaschine 😉 Was natürlich nichts an den Wäschebergen an sich ändert…
Ansonsten: Kaum zu glauben, dass euer Wochenbett jetzt auch schon wieder fast vorbei ist. Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr es noch so richtig genießen könnt!

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Christine 8. Mai 2017 - 08:54

Darf ich fragen wo ihr die Wochenbettmassage hattet? Ich bin noch auf der Suche nach einem Geschenk für eine schwangere Freundin und das hört sich super an.

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Anja 8. Mai 2017 - 18:30

Liebe Christine,

die Massage ist von Mamunette, hier in Prenzlauer Berg: http://www.mamunette.de/submenu_indische_wochenbettmassage.html

Im Praxisradius macht die Inhaberin auch Hausbesuche, was natürlich für uns jetzt besonders angenehm war. Aber in der Praxis selbst ist es auch sehr schön:)
Auf jeden Fall ein super Geschenk im Wochenbett.

Liebe Grüße, Anja

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