Depression, Psychose, Hilfe, Erfahrungsbericht

Elterngespräche: Christina über ihre Wochenbettpsychose

von Anja

Von einer Wochenbettpsychose sind bis zu drei von tausend Frauen nach der Geburt betroffen. Eine davon ist Christina, die unsere Fragen zu diesem Thema beantwortet hat. Was eine Wochenbettpsychose überhaupt ist, kann hier nachgelesen werden. Christina ist 23 Jahre alt und von Beruf leidenschaftliche Hebamme (seit 2015). Seit fünf Jahren ist sie verheiratet und „Mutter eines wunderbaren Sohnes, der im August zwei Jahre alt wird“. Ihre Geburtsgeschichte ist hier zu lesen. Seit dem ersten Geburtstag ihres Sohnes arbeitet sie zwei Dienste im Monat (immer am Wochenende) im Kreißsaal. Sie ist nach eigener Aussage „sehr dankbar, dass mein Arbeitgeber mir so einen Vertrag ermöglicht hat, denn so kann ich im Job bleiben, etwas dazu verdienen und gleichzeitig meine vollen drei Jahre Elternzeit nehmen“.

Wochenbettdepressionen sind vielen Menschen als psychische Erkrankung nach der Geburt ein Begriff. Die Wochenbettpsychose bzw. Postpartale Psychose (PPP) ist weitaus weniger bekannt. Was wusstest Du vor Deiner eigenen Betroffenheit darüber? Hast Du in der Hebammenarbeit schon Erfahrungen damit gemacht?

Da ich ja Hebamme bin, müsste man eigentlich davon ausgehen, dass ich über die Wochenbettpsychose Bescheid wusste. Dem war aber nicht so. Ich hatte diese Erkrankung absolut nicht auf dem Schirm. Vielleicht lag es daran, dass Psychologie kein Prüfungsfach war in der Ausbildung und ich so den Stoff in der Prüfungszeit nicht wiederholt habe. Im Nachhinein fällt mir eine Unterrichtsstunde ein, in der unsere Lehrerin das Thema streifte. Da blieb mir besonders hängen, dass Erkrankte suizidgefährdet sind. Aber das wars.

In der Schwangerschaft verlief alles unauffällig

Vor der Geburt unseres Sohnes habe ich ein Jahr in der gleichen Klinik gearbeitet, in der ich Ausbildung gemacht habe. Ich war hauptsächlich auf der Wöchnerinnenstation eingesetzt. Da hatte ich kurz vor meinem eigenen Mutterschutz eine Patientin, die psychisch auffällig war. Eine Psychose wurde zwar ausgeschlossen, es war wohl eine akute Belastungsreaktion. Aber ich könnte mir vorstellen, dass sie im weiteren Wochenbett eine Psychose entwickelt hat.

Hast Du vor oder nach der Geburt Deines Kindes schon Sorgen oder Bedenken gehabt, dass Du vielleicht psychisch erkranken könntest oder kam es ganz unerwartet? Gab es begünstigende Risikofaktoren oder Belastungen in der Schwangerschaft?

Ich hatte vorher nie Bedenken, dass im Wochenbett irgendetwas in der Art passieren könnte. Ich wusste zwar, dass ich empfindlich war was Schlafentzug angeht, aber da rechnete ich eher mit Stimmungsschwankungen. Ich hatte volles Vertrauen in Gott und in meine eigenen Kräfte. In der Schwangerschaft verlief alles unauffällig. Ich war eine glückliche Schwangere mit wenigen Beschwerden und strahlte das auch aus. In meiner Familie gibt es auch keine psychischen Erkrankungen.

Wie ging es Dir in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt?

Wir hatten ja eine ambulante Geburt. So waren wir sieben Stunden nachdem unser kleiner Kaleb geboren war schon wieder zu Hause. Die ersten zwei Wochen waren ein Traum von Wochenbett. Wir bondeten ganz viel, mein Mann kümmerte sich um den Haushalt, meine Mama kochte uns Essen, nach und nach kamen alle Omas und Opas, Onkels und Tanten zu Besuch. Wir waren so stolz. Kaleb schlief nach dem Stillen seine zweieinhalb Stunden, nachts wie tagsüber. Wir waren in einer richtigen Familienhöhle.

„Fühlte mich unsagbar kraftlos“

Die nächsten drei Wochen waren anstrengend. Kaleb bekam Bauchschmerzen und ich drei Milchstaus hintereinander, ich hätte nie gedacht, dass man sich so krank fühlt bei einem Milchstau – das war echt schrecklich. Meine Brustwarzen waren wund und ich hatte Panik vorm Anlegen. Schließlich nahm ich dann doch ein Stillhütchen, damit wurden die Schmerzen besser.

Ich machte mir unheimliche Sorgen um meine Mama, die aus heiterem Himmel akut schwer nierenkrank geworden war. Niemand konnte mir medizinisch fundierte Aussagen weitergeben. Das war belastend. Die Sorge um meine Mutti, die Unruhe bei Kaleb, die Schmerzen beim Anlegen (oder beim einfachen Gedrücktwerden) und die Milchstaus sorgten dafür, dass ich kaum noch schlafen konnte. Ich fühlte mich unsagbar kraftlos. Ich hatte Kopfschmerzen. Schließlich entschloss ich mich, mit Kaleb aus dem Schlafzimmer ins Wohnzimmer zu ziehen. Dort konnte ich die Couch ausziehen und hatte mein eigenes kleines Reich.

Ich pumpte nachts die Milch ab, weil ich solche Schmerzen beim Anlegen hatte, und gab sie Kaleb mit der Flasche. Ich versuchte seine Bedürfnisse zu verstehen und seine Signale richtig zu deuten. Ich windelte ihn nachts nicht mehr (was für eine dumme Empfehlung nachts mindestens einmal windeln zu MÜSSEN). Ich nahm Baldrian, trank Beruhigungstee und sprühte mein Kopfkissen mit Lavendelspray ein.

Nach ein bis zwei Nächten schlief er sogar mal drei bis vier Stunden am Stück und ich konnte auch endlich wieder schlafen. Schließlich heilten meine Brustwarzen ab und ich konnte wieder normal stillen ohne Schmerzen. Meiner Mutti ging es auch besser. Und Kalebs Bauchschmerzen waren auch verschwunden.

Wann hast Du oder Dein Umfeld gemerkt, dass es Dir nicht gut geht? Wann haben sich die Symptome der Psychose bei dir gezeigt und welche waren es? Wie hast Du Dich gefühlt in dieser Zeit?

Die ersten Symptome, die weder ich noch mein Partner einer Psychose zugeordnet hätten, waren der Verlust von Schamgefühlen und Höflichkeit so etwa ein Monat nach der Geburt. Ich war in meiner Wohnung mit Still-BH unterwegs, als unsere Fotografin kam. Mein Mann musste mich auffordern, mir ein T-Shirt überzuziehen, alleine wäre ich weiter so rum gerannt.

Ich war also völlig überreizt

Ich rastete vollkommen aus, als mein Mann mit dem Küchenstuhl über die Fliesen ratzte, weil ich gerade Kaleb im Nebenraum schlafen gelegt hatte und die Tür offen stand, damit ich ihn hören konnte. Oder ich schrie meinen Mann an, weil er es nicht hinbekam, ein Mücke, von der er zehn Zentimeter entfernt war, tot zu schlagen, damit Kaleb und ich schlafen konnten. Ich war also völlig überreizt.

Zu dem Zeitpunkt hatten meine Eltern schon Bedenken und sprachen es auch konkret aus: Chrissi, pass auf dass du keine Wochenbettpsychose bekommst. Ich empfand das als totalen Quatsch und verbot ihnen, so etwas zu sagen. Im Nachhinein betrachtet ging die Psychose so richtig los, als ich anfing wieder gut zu schlafen. Ich hörte Radio und dachte, jedes einzelne Lied wäre für mich geschrieben, weil die Texte 1A in meine Situation passten. Ich tagträumte vom Himmel und Kaleb. Ich verweigerte es, duschen zu gehen oder meine Sachen zu wechseln, weil ich dachte es schadet meinem Kind, wenn es mich nicht riecht.

Ich notierte alle meine Gedanken auf Facebook, alles was ich in den Nächten im Wohnzimmer über Kaleb gelernt hatte. Und das zu Zeiten, zu denen niemand bei Facebook online war. Halt immer dann, wenn ich fütterte. Ich sah die Flugzeuge draußen und glaubte auf einmal, sie wären mit Überwachunsgeräten und Kameras ausgestattet und überwachten uns, spionierten uns aus. Plötzlich waren alle technischen Geräte in unserer Wohnung Überwachungsgeräte, die uns aushorchten.

Ich glaubte, eine Gruppe fremder Männer überwachte uns. Immer wenn ich etwas mit meinem Mann besprechen wollte, zog ich ihn ins Wohnzimmer und schloss die Tür, denn im Wohnzimmer gab es keine technischen Geräte. Schließlich glaubte ich, wir wären in der Endzeit und Jesus würde bald auf die Erde zurückkommen und ich sei seine Prophetin, die die Menschheit dafür sensibel machen soll. Und das möglichst geheim, sodass die Männer es nicht mitbekommen.

Fünfeinhalb Wochen nach der Geburt kam ich stationär in die Klinik

Unsere Wohnung sollte wie ein geheimes Versteck für Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen sein, die bei mir und dem Team, was entstehen sollte, Hilfe bekommen konnten. In der Nacht bevor ich in die Klinik kam, räumte ich die Wohnung so um, dass eine Gebärende hätte kommen können. Ich rechnete jederzeit mit ihr und schlief deswegen auch nicht. Ich packte meine Geburtstasche aus und legte alles bereit.

Ich muss sagen, mir ging es alles andere als schlecht, ich war euphorisch. Die Versorgung von Kaleb war Nebensache geworden. Ich wollte Gott so sehr gefallen und alles richtig machen, dass ich alles riskierte. Ich interpretierte in der Psychose alles, was in meiner Umgebung war oder gesagt wurde in meinen Plan hinein. Was ich nicht hatte: Halluzinationen oder Stimmen hören. Es waren alles meine eigenen Gedanken, die mir (angeblich) von Gott eingegeben waren. Und ich hatte niemals selbstzerstörerische Gedanken oder Anwandlungen.

Wann wurde die Diagnose gestellt? Welche Hilfe hast Du in dieser Situation erfahren? Wer und was hat Euch als Familie in der Akutphase unterstützt? Wurdest Du stationär behandelt? Welche Therapieoptionen wurden Dir empfohlen? Wie lange dauerte es, bis es Dir besser ging?

Fünfeinhalb Wochen nach der Geburt kam ich stationär in die Klinik. Meine Eltern hatten schon viel früher mit der zuständigen psychiatrischen Klinik in Arnsdorf telefoniert, aber die sagten ihnen, dass der Patient sein Einverständnis in die Behandlung geben muss. Und das hätte ich auf keinen Fall getan. Mein Mann brachte mich am 25. September 2016 in die Klinik, in der ich arbeitete. Das war die einzige Klinik, in die ich wollte. Er hatte in der Nacht schon mit meiner Kollegin telefoniert und das so abgesprochen.

Dort angekommen, organisierte die Oberärztin einen Platz in der Uniklinik gemeinsam mit Kaleb, allerdings in einem anderen Uniklinik-Haus. Dort wurde nach einem Aufnahmegespräch die Diagnose Wochenbettpsychose gestellt und ich blieb für zwei Tage auf der geschlossenen Psychatrie, wurde auf Zyprexa eingestellt, was aber keine Wirkung zeigte. Nach zwei Tagen wurde ich nach Arnsdorf verlegt, weil klar wurde, dass ich in meinem Zustand Kaleb nicht versorgen konnte.

Dann ging es wieder los

Von da an sorgte mein Mann alleine für unseren Kaleb und begann mit der Pre-Nahrung. Meine Eltern und Schwiegereltern unterstützten ihn, indem sie ihm Mut machten, zum Essen einluden und so weiter. Außerdem kam eine befreundete Hebamme vorbei, um ihm alles zu erklären, was die Ernährung mit Flasche betraf. Ich war für neun Tage auf der geschlossenen Psychiatrie, wurde mit Haldol und Zyprexa eingestellt. Nach einer Woche kam ich durch das Haldol langsam zu mir. Das war immer die schwierigste Zeit: zu realisieren, dass das alles nur Quatsch gewesen sein soll, was man gedacht hat. Zur wahren Realität zurückzufinden.

Danach folgten noch dreieinhalb Wochen offene Psychiatrie, in denen ich verschiedene Therapien hatte: Kunsttherapie, Keramiktherapie, Industrietherapie, Physiotherapie unter anderem auch mit Rückbildungsgymnastik. Man konnte auch Gespräche mit einem Psychologen führen, aber das habe ich während der gesamten Therapiezeit nur zwei Mal in Anspruch genommen.

Denn eigentlich hatte ich nichts zu besprechen, ich war nicht depressiv, ich liebte mein Kind, meine Partnerschaft war in Ordnung, kein Geburtstrauma, mein soziales Umfeld war auch in Ordnung. Dann wurde ich endlich entlassen: symptomfrei und überglücklich diese schwere Zeit geschafft zu haben. Eine Woche war ich zu Hause. Dann ging es wieder los. Die gleichen Symptome.

Ich kam wieder für zwei Wochen auf die geschlossene und danach noch neun Wochen auf die offene Station. Dann war es Mitte Januar und ich kam in die Tagesklinik. Das war eine gute Lösung, um langsam wieder in den Alltag zurückzufinden. Ende März wurde ich dann entlassen. Die beste Therapie während meines stationären Aufenthalts war die Zeit von um 16 Uhr bis 17.30 Uhr, in der mich mein Mann mit meinem Kind besuchte. Jeden Tag! (außer in der Akutphase, insgesamt vielleicht eine Woche nicht).

Die Krankheit bedeutete für Dich auch eine temporäre Trennung von Deinem Kind. Wie ging und geht es Dir damit? Wie war die Situation für Dein Baby und für Deinen Partner? Und wie weit wurde dieser Umstand therapeutisch begleitet bzw. wie sehr wurdest Du unterstützt, trotz der Belastung die Bindung zu Deinem Kind zu stärken?

Leider ist Arnsdorf keine Klinik, die über eine Mutter-Kind Station verfügt. Daher war klar, dass ich nicht dauerhaft mit meinem Kind zusammen sein kann. Am Anfang, als ich noch psychotisch war, habe ich gar nicht realisiert, was passierte. Erst nach ein bis zwei Tagen wurde mir bewusst, dass ich, solange die Therapie dauerte, Kaleb nicht dauerhaft bei mir haben konnte. Ich kümmerte mich auch gar nicht um meine Brust. Ich habe in der ganzen Zeit vielleicht zwei Mal abgepumpt. Aber meine Brust verkraftete das gut und die Milch ging von alleine zurück, ohne zu stauen.

Es war ein unsagbarer Schmerz in mir

Es war ein unsagbarer Schmerz in mir, den man kaum beschreiben kann. Ich trauerte um die verlorengegangene Zeit mit meinem Kind sehr und tue es heute noch. Mein Mann und Kaleb waren ein gutes Team. Er hat ein Jahr Elternzeit genommen. Ende Oktober schlief Kaleb bereits durch, erst acht Stunden am Stück und später auch zehn bis zwölf Stunden. Sie waren viel unterwegs bei den Eltern und eben jeden Nachmittag bei mir. Da konnte ich ihm die Nachmittagflasche selber geben, das bedeutete mir sehr viel.

Die Klinik drückte ein Auge zu, denn eigentlich waren Kinder auf der Station nicht erlaubt. Es war ein echtes Entgegenkommen und somit unterstützten sie die Bindung zu meinem Kind. Außerdem durfte ich alle zwei Wochen übers Wochenende nach Hause. Diese Zeit brauchten wir alle drei ganz sehr. Ich nahm mein Kind ins Tragetuch und wir gingen spazieren.

Wie ging der „Alltag“ nach der Akutphase der psychotischen Erkrankung weiter?

Als ich in der Tagesklinik war, hatte ich den Nachmittag und Abend mit meiner Familie. Oft gingen wir einfach nur spazieren und zu den Eltern. Oder wir kuschelten uns einfach als Paar in unser Bett und genossen die Zweisamkeit. Die war in den letzten Monaten mehr als zu kurz gekommen. Als ich dann entlassen wurde, wussten wir manchmal selber nicht, was wir mit der vielen Zeit anstellen sollten. Wir machten oft Ausflüge gemeinsam, bestellten Fotos für das Fotoalbum und bekleben dieses. Die Zeit von März bis Juli, in der mein Mann noch zu Hause war, war eine sehr intensive Zeit für uns. Wir mussten uns erstmal als Familie zusammenfinden. Und es war eine kleine Entschädigung für die viele Zeit, die uns genommen worden war.

Wie geht es Dir heute?

Mir geht es prima. Ich fühle mich wie die alte Christina. Aber es hat Zeit gebraucht. Bis Ende letzten Jahres habe ich regelmäßig geweint, einfach weil es mich traurig machte, so viel verpasst zu haben und es nicht wiederholen zu können. Warum ich? Seit ein paar Monaten habe ich mehr Frieden über die Situation bekommen. Ich genieße jede Minute mit meinem kleinen Spatz. Ich gehe alle vier Wochen zu meiner behandelten Oberärztin zum Gespräch. Außerdem bekomme ich da meine zwei Medikamente gespritzt. Ich habe mich für diese Variante entschieden, um mich durch ständiges Tabletten nehmen nicht krank zu fühlen.

Welche Konsequenzen hat das Erlebte für Dich für einen eventuell weiteren Kinderwunsch?

Wenn wir nochmal ein Kind bekommen, werde ich ganz sensibel für mich selbst sein. Ich werde darauf achten, genug Schlaf zu kommen. Mein Mann würde solange er Elternzeit hat, die Nachtschichten übernehmen und ich würde dann einfach einmal pro Nacht im Halbschlaf abpumpen. Das klingt vielleicht komisch, aber ich glaube, es kann funktionieren.

Mir ist es auf jeden Fall super wichtig, zu genügend Schlaf zu kommen, denn der Schlafentzug ist neben der hormonellen Situation einer Wöchnerin der größte Risikofaktor für eine Psychose. Außerdem werden wir versuchen, einen stationären Platz in einer Rehabilitationsklinik zu bekommen, wo ich dann die ersten Wochen nach der Geburt mit meinem Neugeborenen überwacht werden kann. Außerdem werde ich das Smartphone und die Social Medias meiden und das Versenden von süßen Fotos und Neuigkeiten meinem Partner überlassen.

Was würdest Du anderen betroffenen Frauen und ihren Familien als wichtigste Erkenntnis weitergeben?

Erkenntnis für betroffene Mamas: Hört auf das, was euch die wichtigsten Menschen in eurem Leben sagen. Lasst euch auf die Therapie ein und bleibt so lange stationär, wie eure Ärzte das euch empfehlen. Und die Erkenntnis für alle Mamas: Es kann Jede treffen. Ich hatte eine komplikationslose, wunderschöne Schwangerschaft und eine Traumgeburt, keine familiäre Vorbelastung und trotzdem hat es mich erwischt – obwohl ich Hebamme bin.

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2 Kommentare

Lira 14. August 2020 - 17:49

Hallo Christina,

DANKE für diesen Beitrag, er hat mich nämlich gerettet….

Ich habe diesen Artikel während meiner ersten Schwangerschaft gelesen. Ich hatte eine traumhafte Schwangerschaft und Geburt, aber ab dem 3. Tag nach der Entbindung gänzlich aufgehört zu schlafen. Ich war erst euphorisch, sah plötzlich Zeichen, Zusammenhänge, einen tieferen Sinn im Leben… Alles erklärte sich…Alles hing zusammen. Am 5. Tag dann die erste schwere Panikattacke, ich war der festen Überzeugung, dass ich gleich an Verhungerung sterben würde und liess meinen Mann zum 1. Mal im Krankenhaus anrufen. Dann finden schon die Halluzinationen an, ich sah schematische Babygesichter in meinem Kissen und an der Wand, die blinzelten. Gleichzeitig stieg unerträglich die Angst, sich nicht kümmern zu können, ich dachte auch, dass mein Mann sich auch nicht mehr kümmern könne. Nachts dann erneute Halluzinationen. In einem Moment der Klarheit habe ich mich an diesen Artikel erinnert, den Rettungswagen angerufen und gesagt, ich habe eine Schwangerschaftspsychose und Sie müssen mich sofort in die Psychiatrie bringen. Samt Kind und Mann wurden wir dorthin gebracht. Dank der schnellen Aufnahme in der Psychiatrie und die Einnahme von Psychopharmaka (stilltauglich) hat sich das dann nicht weiterentwickelt. Weil es kein einziges Mutter-Kind-Zimmer in der Stadt mehr gab, habe ich mich am selben Tag selbst entlassen – das war rückwirkend gesehen sehr riskant. Ich bekam aber schnell eine sehr gute ambulante Betreuung durch eine auf postpartale Störungen spezialisierte Psychiaterin. Eine Haushaltshilfe kam täglich nach Hause.

Die Psychiater meinten, dass es eine Frage von Stunden gewesen wäre, bis ich ganz in der Psychose gewesen wäre und dann wäre es eine ganz andere Nummer gewesen… Ich bin so dankbar über all die gute und schnelle Hilfe, die ich bekommen habe. Aber am wichtigsten war, dass ich so schnell den Alarm geschlagen habe und den Rettungswagen rief.

Hier noch einmal ein riesen DANK an dich und alle Frauen, die in der Öffentlichkeit über sowas sprechen… Ihr rettet Mütter und Mutter-Kind-Beziehungen. DANKE.

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Lira 14. August 2020 - 17:18

DANKE Christina für dieses Interview, es hat mich regelrecht GERETTET.
Ich habe diesen Artikel während meiner Schwangerschaft gelesen. Ich hatte eine Traumschwangerschaft und Traumgeburt. Am 3. Tag habe ich gänzlich aufgehört zu schlafen und wurde euphorisch bzw. manisch, dachte, ich erkenne einen tieferen Sinn im Leben, alles hatte Zusammenhänge, ich sah Zeichen usw. Am 4. Tag hatte ich die erste schwere Panikattake, ich war fest der Überzeugung, sofort an Verheungerung zu sterben und habe zum 1. Mal im Krankenhaus angerufen. Im Laufe des Tages kamen dann die ersten Halluzinationen. Nachts hatte ich dann weitere Halluzinationen, in einem Moment der Klarheit habe ich mich an DIESEN Artikel erinnert und den Rettungswagen gerufen. Ich kam mit Mann und Kind in die Psychiatrie.

Weil die Psychose so früh gestoppt wurde, hat sie sich auch nicht weiter entwickelt. Ich habe sofort professionelle Hilfe bekommen und Psychopharmaka (stilltauglich). Weil es keine Mutter-Kind-Zimmer gab, habe ich mich noch am selben Tag wieder entlassen – später meinte die auf postpartale Störungen spezialisierte Psychiaterin, das wäre sehr riskant gewesen. Aber ich habe dann gleich ambulant eine engmaschige Betreuung bekommen und eine Haushaltshilfe kam täglich nach Hause.

Ich bin so unendlich dankbar dafür, dass ich so schnelle Hilfen bekommen habe. Allerdings war der ausschlaggebende Punkt, dass ich auch den Rettungswagen gerufen hatte. Die Psychiater meinten, das es eine Frage von Stunden war, und ich wäre tief in der Psychose gewesen und dann wäre es eine ganz andere Geschichte gewesen….

DANKE an alle Frauen, die offen darüber sprechen! Ihr rettet so andere Mamas und Mama-Kind-Beziehungen…

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