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Fragen an die Hebamme: Was beugt wunden Brustwarzen vor?

von Anja

Wunde Brustwarzen (Mamillen) können schrecklich weh tun. Tatsächlich sind Schmerzen an den Brustwarzen einer der Hauptgründe, weshalb Mütter vorzeitig abstillen. Es ist also sinnvoll zu wissen, wie man wunden Brustwarzen möglichst vorbeugt. Das ist natürlich auch besser als darauf zu setzen, dass schon diese oder jene Creme bei der Heilung helfen wird. Die Heilung wunder Brustwarzen ist nämlich nicht immer ganz einfach. Aber darüber wird es noch einen weiteren Artikel in der Reihe Fragen an die Hebamme geben.

Über die Vorbereitung auf eine möglichst entspannte Stillzeit hatte ich an dieser Stelle bereits geschrieben. Irgendwelche Manipulationen an den Brustwarzen bereits in der Schwangerschaft sind nicht erforderlich. Sie können ganz im Gegenteil sogar schaden. Entscheidend für die Prävention wunder Brustwarzen ist vor allem das Stillmanagement in den ersten Tagen nach der Geburt. Bereits beim ersten Anlegen sollte darauf geachtet werden, dass dies so geschieht, dass keine Reizungen oder gar erste Verletzungen an den Mamillen auftreten. Die Brustwarzen können sich anfangs etwas empfindlich anfühlen, das ist durchaus normal. Schmerzen indes sind nicht normal. Sie sollten deshalb immer als Warnsignal betrachtet werden, dass etwas nicht ganz rund läuft.

Intuitives Stillen beugt wunden Brustwarzen vor

Beim ersten Anlegen ist es günstig, wenn dem Kind die Führung überlassen wird. Das Neugeborene sollte mit wenig Unterstützung – ganz nach dem Gefühl seiner Mama – selbst den Weg zur Brustwarze finden und dort schließlich andockt. Dies gelingt ihm am besten, wenn es nach der Geburt direkt auf dem Oberkörper seiner Mutter liegen darf. Der kleine nackte Körper sollte ganz viel Haut-zu-Haut-Kontakt haben.

Bei diesem sogenannten intuitiven Stillen werden alle dafür benötigten Reflexe des Neugeborenen optimal angeregt und genutzt. Das Baby findet mit seinen Suchbewegungen den Weg zur Brustwarze und beginnt dort zu saugen. Dabei sollte sein Mund weit geöffnet sein, so dass es viel Brustgewebe erfassen kann. Seine Lippen sind dabei nach außen gestülpt und sein Kinn berührt beim Stillen die Brust. Um richtig saugen zu können, muss das Baby die Zunge über die untere Zahnleiste schieben können. Dies kann zum Beispiel erschwert sein, wenn das Kind ein verkürztes Zungenbändchen hat. Beim Verdacht darauf ist es für die entsprechende Diagnostik sinnvoll, sich an eine erfahrene Hebamme, Stillberaterin oder an einen Kinderarzt zu wenden. Alle können eine möglicherweise notwendige Therapie besprechen.

Wenn das Kind gut angelegt ist, kann das Näschen sehr nah an der Brust liegen. Aber keine Sorge: Die Babynase ist so konzipiert, dass das Kind trotzdem gut Luft bekommt. Die Mutter muss also nicht das Brustgewebe mit den Fingern weghalten. Ganz im Gegenteil führt dies eher häufig dazu, dass das Kind nicht mehr gut angelegt ist.

Bei Schmerzen immer neu anlegen

Anfangs macht das Kind schnelle Sauggbewegungen, um den Milchspendereflex zu stimulieren. Anschließend wird das Saugmuster langsamer und rhythmischer. Die Mutter wird das regelmäßige Schlucken des Babys hören können. Wenn das Kind dabei schnalzende oder andere auffällige Geräusche machen sollte, kann das ein Hinweis sein, dass es nicht richtig angelegt ist. Dies ist auch der Fall, wenn die Bäckchen des Babys eingezogen sind, so als ob es an einem Strohhalm trinken würde. Wenn das Anlegen also auffällig aussieht oder sich anhört, sollte der Saugvorgang immer abgebrochen und das Baby neu angelegt werden. Das gilt ebenso für dabei auftretende Schmerzen.

Zum neu anlegen kann die Mutter mit ihrem kleinen Finger in den Mundwinkel des Babys gehen und das Vakuum lösen. Nun kann die Mamille schmerzfrei und ohne Widerstand aus dem Babymund gezogen werden. Wenn das Stillen angenehm und schmerzfrei ist, ist dies nicht erforderlich. Das Stillen sollte ohnehin möglichst vom Kind beendet werden. Wenn das Kind gut angelegt ist, werden die Brustwarzen nicht wund, egal wie häufig und lange es daran trinkt. Die Stilldauer steht also in keinem Zusammenhang mit dem Wundwerden, wenn die Brustwarze an der richtigen Stelle im Babymund ist und nicht durch eine falsche Lage darin unnötig gereizt wird.

Den Milchfluss anregen

Mit dem Beginn der reichlichen Milchbildung (Milcheinschuss oder initiale Brustdrüsenschwellung) sind bei vielen Frauen die Brüste stärker durchblutet, etwas schwerer und angeschwollen. Dadurch kann es passieren, dass das Kind die Brustwarze schwerer erfassen kann. Wenn das Kind in den Tagen zuvor schon häufige positive Saugerfahrungen an der Brust gemacht hat, wird es auch mit dieser Situation besser zurecht kommen. Und auch in diesen Momenten ist das häufige und korrekte Anlegen die beste Prävention vor wunden Mamillen.

Unterstützend sind auch alle Maßnahmen, die dabei helfen, den Milchspendereflex auszulösen. Das dafür erforderliche Hormon Oxytocin kann besonders gut fließen, wenn die Mutter sich wohl und entspannt fühlt. Deshalb sollte sich jede Stillposition auch immer für die Mutter bequem und angenehm anfühlen, egal ob sie im Liegen oder Sitzen stillt.

Auch durch Hautkontakt wie zum Beispiel bei einer leichten Massage wird das Fließen des Hormons angeregt. Eine Massage an der Brust sollte immer sanft sein und mehr einem Streicheln gleichen als tatsächlich handfeste Massagegriffe beinhalten. Manchen Frauen tut auch feuchte Wärme zum Anregen des Milchspendereflexes gut. Dafür kann man einen warmen feuchten Waschlappen auflegen oder die Brust sanft mit warmen Wasser abduschen.

Muttermilch und Luft zur Pflege der Brustwarzen

Zur Pflege der Brustwarzen braucht es keine besonderen Produkte. Es ist sinnvoll, die Brustwarzen nach dem Stillen nicht abzuwischen. Die Muttermilch daran sollten einfach trocknen, da sie wunderbare Pflegeeigenschaften hat. Wenn die Brustwarzen bereits etwas gereizt sind, kann auch das Auftragen einer Lanolin-Salbe sinnvoll sein. Vor allem aber muss geschaut werden, woher die Reizung kommt und verhindert werden, dass die Brustwarzen weiter wund werden.

Generell ist auf eine hygienische Handhabung an der Brust zu achten. Das bedeutet, dass man sich gut die Hände wäscht, Stilleinlagen regelmäßig wechselt und mit Salben entsprechend hygienisch umgeht. Desinfektionsmaßnahmen oder das Waschen der Brust vor jedem Stillen sind nicht erforderlich. Austrocknende Maßnahmen sollten verhindert werden, weshalb Empfehlungen wie das Föhnen der Brustwarzen mehr Schaden als Nutzen anrichten können.

Gerade in der Anfangszeit ist es gut, wenn immer wieder Luft an die Brustwarzen kommt. Stilleinlagen und BH sollten in den ersten Tagen also möglichst wenig getragen werden. Beide können die Blutzirkulation der Brustwarzen einschränken. Wenn das Brustgewebe gut durchblutet ist, ist es elastischer und somit besser vor dem Wundwerden geschützt. Wenn die Milch beim oder zwischen dem Stillen stark läuft, sind einfache Baumwollwindeln eine gute Alternative, in die auslaufende Muttermilch einfach hineinlaufen darf. Ein bisschen „feucht“ ist das Wochenbett ohnehin immer, wenn Muttermilch, Wochenfluss und auch ab und an die Tränen fließen. Das „Auslaufen“ der Muttermilch reguliert sich häufig in den ersten Wochen.

Unterstützung in besonderen Situationen

Die beste Prophylaxe vor wunden Brustwarzen bietet also eine gute Anlegetechnik und das Fördern des Milchflusses. Trotzdem gibt es manchmal darüber hinaus andere Ursachen, die schmerzende und wunde Brustwarzen verursachen können. Das sind etwa eine Pilzerkrankung an der Brust (Soor) oder ein Vasospasmus der Brustwarzen (Raynaud-Phänomen), der für schmerzhafte Gefäßkrämpfe in den kleinen Blutgefäßen der Brustwarze sorgt. Das schnelle Finden der Ursache und Einleiten der Therapie ist wichtig, damit wunde Brustwarzen die Stillzeit nicht vorzeitig und ungewollt beenden.

Auch wenn ein Baby zu früh oder krank geboren wird, brauchen Mutter und Kind besonders gute und umfassende Unterstützung, weil zum Beispiel aufgrund der Frühgeburtlichkeit noch nicht alle fürs Stillen erforderlichen Reflexe ausgebildet sind. Besondere Haltungen können hier zum Beispiel das Anlegen verbessern. Manchmal muss die Mutter vielleicht auch zunächst abpumpen. Damit es auch hierbei nicht zu wunden Mamillen kommt, muss der Pumpaufsatz zur Größe der Brustwarze passen. Zudem muss die Saugintensität so angepasst sein, dass die Mutter keine Schmerzen dabei hat.

Ursache für wunde Brustwarzen sind also weder ein zu häufiges noch ein zu langes Anlegen. Ein Baby darf und sollte immer nach Bedarf gestillt werden können. Und dafür ist es wichtig, dass seine Mutter keine Schmerzen beim Stillen hat bzw. sie schnelle Hilfe bekommt, wenn Beschwerden auftreten.

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8 Kommentare

katharina 12. Januar 2021 - 09:56

für mich das beste: silberhütchen bei baby zwei sofort mit in die klinik genommen und auf die brustwarzen gelegt, bis heute stille ich mein 1 jähriges kind und hatte nie wunde brustwarzen!!

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Helen 13. Januar 2020 - 18:50

ich habe erst jetzt, wo meine Tochter Zähne hat, wunde Brustwarzen, weil sie zubeißt! ☹️
was mache ich nun?

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Anja Constance Gaca 17. Januar 2020 - 10:26

Liebe Helen,

zu dem Thema gibt es hier auch einen Beitrag:

https://www.vonguteneltern.de/milchzahn-versus-mamille-beissen-in-der-stillzeit/

Vielleicht hilft Dir das etwas weiter.

Liebe Grüße, Anja

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Kathrin 13. Januar 2020 - 09:31

Beim ersten Kind hatte ich lange mit Wunden Brustwarzen zu kämpfen. Beim zweiten Kind bekam ich von meiner Wochenbett-Hebamme den Tipp, Milchauffangschalen (haben Firmen, die Milchpumpen herstellen im Angebot) zu nutzen, damit an den Brustwarzen nichts anliegt – kein BH und auch keine Stilleinlage. Das wirkte Wunder. Beim dritten Kind nahm ich die Schalen gleich mit in die Klinik und es war das unkomplizierteste Stillen, das ich mir vorstellen konnte.

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Linda 14. Juli 2019 - 21:02

Nach der Entbindung hatte ich nach einem Tag furchtbare Schmerzen beim Stillen und biss die Zähne zusammen. Ich erzählte der Obetschwester in der Klinik von meinen Beschwerden, bekam jedoch lediglich zu hören, „dass ich mich nicht so anstellen“ soll und „zuhause muss ich alleine klar kommen“. Eine andere Schwester gab mir auf mein Flehen hin mindestens fünf Probepackungen einer Lanolin-Salbe. Sie verschaffte Linderung und zum Glück verschwanden die Schmerzen nach einer Woche langsam wieder.
Ob es am falschen Anlegen oder einer Erkrankung lag, weiß ich nicht, vielleicht mussten sich auch erst die Brustwarzen an das Stillen gewöhnen. Seitens der Schwestern hätte ich mir jedoch mehr Unterstützung gewünscht.

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Helena 28. November 2018 - 22:43

Ich habe drei Kinder mit drei Kaiserschnitten zur Welt gebracht.
Obwohl ich bei den ersten beiden Geburten über 30 Stunden Wehen hatte, kam mein Milcheinschuss bei den ersten beiden Kindern erst etwa nach 2 – 3 Wochen. Mir wurde nach allen Geburten geraten die Kinder so häufig wie möglich und mindestens 20 min pro Mal anzulegen. Sie haben alle von Beginn an die Brust gut gefunden und stark gesaugt. Bei den ersten beiden Kindern waren meine Brustwarzen nach 3 Tagen komplett wund und hatten mehrere blutige Blasen. Das weitere Anlegen war sehr schmerzhaft und Stillhütchen passten auch keine über meine sehr schmerzempfindlichen blutigen Blasen. Ich habe dann schmerzverkrampft weitergestillt, da die Kinder ihren Teil ja sehr gut machten. Beim zweiten Kind wusste ich zumindest schon, dass ich das erste 13 Monate ohne weitere Komplikationen gestillt hatte.
Nach dem Kaiserschnitt des dritten Kindes rieten mir die Pflegefachfrauen, Stillberaterinnen und Hebammen im Spital erneut ich solle so oft wie möglich und mindestens 20 Minuten pro Mal stillen. Ich sagte dann aber, dass ich dies nicht tuen werde. Ich legte das Kind immer an, wenn es wollte und zwar so lange, bis ich Schmerzen spührte. Dann wechselte ich die Seite und liess ihm danach Pre-Milch geben, damit es satt war. Ich stiess auf sehr viel Wiederstand, es wurde mir vorgeworfen, dass ich nicht genügend lange Stillphasen hätte. Doch ich blieb bei meinem System und nahm zusätzlich Bockshornkleekapseln zu mir, weil ich durch eigene Recherche darauf gestossen war, dass diese die Milchbildung anregen können. Bis zum vierten Tag nach der Geburt wurde meinem Kind nur 3 Mal Pre-Milch gegeben und ich hatte zum ersten Mal schon innerhalb der ersten Woche genug Milch für mein Kind. Und ebenfalls zum ersten Mal keine wunden Brustwarzen. Beim nächsten Kind werde ich die ersten Tage erneut nur kurze Intervalle stillen, aber mir graust schon jetzt vor den Diskussionen mit dem Betreuungspersonal desswegen.

Sehr langer Rede kurzer Sinn: Ich würde von mir selber behaupten, dass meine Brustwarzen sehr empfindlich auf die mechanische Belastung des Stillbeginns nach mehrmonatiger Pause sind. Und dass es bei mir – und wie ich annehme auch bei einigen, ok vielleicht wenigen, anderen Frauen – durchaus darauf ankommt in wie lang dauernden Intervallen sie die ersten Tage stillen.

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Sandra 13. August 2017 - 17:22

Das Raynaud – Syndrom hatte ich leider beim ersten Kind auch. Mit dem Ergebnis, daß ich nach ca. 6 Wochen fast komplett abgestillt hatte (meine damalige Hebamme brachte nur diverse Tinkturen und Salben, meinte aber, daß doch eigentlich alles „ganz gut“ aussähe). Die Schmerzen waren unbeschreiblich.
Die Hebamme, die mich bei meinem zweiten Kind durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleitete, vermutete eine schlecht eingestellte Schilddrüse, schmiedete mit mir aber vorab einige Ideen, wo man ansetzen könnte (Magnesium, Homöopathie etc.pp).
Und tatsächlich hatte ich eine Unterfunktion, die in der zweiten Stillzeit dann aber gut eingestellt war – und das Stillen funktionierte von Anfang an problemlos und schmerzfrei (und laaaaaaange 😉
Ich kann also in diesem Zusammenhang einen kritischen Blick auf die Schilddrüsenwerte empfehlen. Und eben Schmerzen sofort ernst nehmen, auch wenn ein vermeindlicher Fachmann alles für Gut befindet. Es lohnt sich.

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Helen 12. August 2017 - 12:47

Das Raynaudsyndrom hat mich durch zwei jeweils fast einjährige Stillzeiten begleitet. Während bei der ersten meine Hebamme meinte “stell dich nicht so an“, hatte ich bei Runde Zwei zumindest einen Namen für die Schmerzen. Der Kinderarzt riet zum abstillen, die gyn hatte keine Ahnung, die hebamme zumindest eine adresse. Aber auch dort konnte mir nicht geholfen werden. Sehr schade, rückblickend umso mehr. Ich finde es daher klasse, dass du dieses Phänomen erwähnst. Hätte ich dieses wissen in meiner ersten stillzeit gekannt, hätte ich mich nicht so hilflos gefühlt.

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