Fragen an die Hebamme: Warum hat mein Baby eine geschwollene Brust?

Während Hebammen bei einer stillenden Mutter nach der Geburt damit rechnen, dass die Brust größer und fester wird, ist eine Schwellung des Brustdrüsengewebes bei einem Baby optisch oft erschreckend – auf jeden Fall für die Eltern. In beiden Fällen sind Hormone für die Schwellung verantwortlich.

Die Brustdrüsenschwellung beim Baby betrifft tatsächlich 60 bis 90 Prozent der Kinder. Sie wird verursacht durch mütterliche Hormone, vor allem Östrogene, die über die Plazenta (Mutterkuchen) zum Kind übergegangen sind. Nach und nach baut das Baby diese Hormone nach der Geburt ab. Da die kindliche Leber aber noch unreif ist, dauert dieser Abbauprozess.

Außerdem kommt es beim Baby nach der Geburt zu einer verstärkten Aktivität der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die vermehrt FSH (Folikel stimulierendes Hormon) und LH (Gelbkörperhormon) ausschüttet. Dies bewirkt eine pubertätsähnliche Hormonsituation. Und das kann dann eben zur Schwellung der Brustdrüsen führen bis hin zum Austritt einer Kolostrum- oder milchähnlichen Flüssigkeit (Hexenmilch).

Darüber hinaus können sich ebenfalls hormonell bedingt auch noch zunächst glasige und später milchige Schleimabsonderungen bis hin zu genitalen Blutungen in der ersten Lebenswoche zeigen. Dies ist tatsächlich eine Art Abbruchblutung aus dem Uterus (Gebärmutter) wie auch die Menstruation. Dieser Zustand ist nicht behandlungsbedürftig, aber die Rücksprache mit der Hebamme oder Kinderärztin ist für die meisten Eltern hier sehr beruhigend.

Hormone und Hexenmilch

Die Brustdrüsenschwellung bei Neugeborenen ist in der Regel in den ersten Lebenstagen zu beobachten und tritt bei Mädchen und Jungen gleichermaßen auf. Die Brust ist auf beiden Seiten verhärtet, angeschwollen auf Haselnussgröße und eventuell auch leicht gerötet. In seltenen Fällen kann die Brust auch bis auf Walnussgröße anschwellen. 

Da die Schwellung eine Berührungsempfindlichkeit mit sich bringen kann, ist hier zum einen Achtsamkeit bei der Körperpflege und beim Anziehen wichtig. Darüber hinaus kann die Brust auch mit Wattepads oder Heilwolle etwas gepolstert werden, damit der Kontakt bzw. die Reibung mit der Kleidung nicht unangenehm ist. Bei Flüssigkeitsaustritt ist es besonders wichtig, dass die Watteinlagen entsprechend hygienisch verwendet und regelmäßig gewechselt werden.

Auf keinen Fall darf versucht werden, die Hexenmilch auszumassieren oder auszudrücken. Dies kann das Gewebe verletzen, was zum Eindringen von Bakterien und entzündlichen Prozessen in der Brust führen könnte. Das Austreten der Flüssigkeit kann mehrere Wochen anhalten. Die Schwellung der Brustdrüsen kann sogar einige Monate lang tastbar bleiben.

Oder doch eine Mastitis Neonatorum?

Die hormonell bedingte beidseitige Brustdrüsenschwellung ist physiologisch und bedarf keiner Behandlung. Anders sieht es bei einer Brustentzündung bei einem Neugeborenen (Mastitis Neonatorum) aus, die allerdings äußerst selten vorkommt. Hier ist in der Regel nur eine Seite betroffen. Die Brust ist neben der starken Schwellung meist auch gerötet und bereitet dem Baby schon bei leichter Berührung Schmerzen.

Dieser Zustand sollte immer der Hebamme bzw. zeitnah in der kinderärztlichen Praxis vorgestellt werden. Eine Ultraschalluntersuchung kann die Mastitis bestätigen. Da hier meist Bakterien die entzündlichen Prozesse auslösen, kann eine antibiotische Behandlung erforderlich sein.

Unbehandelt kann es zu einem Abszess kommen, als dessen Folge Brustdrüsengewebe geschädigt werden kann. Dies ist dann erst in der Pubertät, wenn sich das Brustdrüsengewebe weiter entwickelt (Mammogenese) erkennbar. Eine entsprechende zeitnahe Behandlung ist bei der kindlichen Mastitis also wichtig. Darüber hinaus können leicht kühlende Umschläge die Beschwerden für das Baby etwas lindern.

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