Ziegelmehlsediment, Blut, Windel

Fragen an die Hebamme: Was ist Ziegelmehlsediment?

von Anja

Hebammen kennen den aufgeregten Anruf von Eltern in den ersten Wochenbetttagen gut: „Da ist Blut in der Windel meines Babys.“ Es ist sinnvoll, dass sie in einer solchen Situation nachfragen. Denn blutiger Urin oder blutiger Stuhlgang sind ein Symptom, das es abzuklären gilt. In dem Fall würde die Hebamme die Eltern an den Kinderarzt verweisen.

Oft ist das vermeintliche Blut aber zum Glück nicht wirklich Blut, sondern eine harmlose optische Besonderheit des Urins in den ersten Lebenstagen. Die nichtblutigen rötlichen oder orangefarbenen Ausscheidungen in der Windel nennt man auch „Ziegelmehlsediment“ (Sedimentum lateritium). Ihre Farbe erinnert nämlich an den rötlichen Staub von Ziegeln.

Das Ziegelmehlsediment besteht aus Harnsäure-Kristallen aus der Niere, die mit dem Urin ausgeschieden werden. Der Harnfarbstoff Uroerythrin entsteht beim Abbau von Hämoglobin, dem Farbstoff der roten Blutkörperchen. Dieser bedingt die typische rötliche Färbung der Harnkristalle.

Nach der Geburt werden beim Baby vermehrt rote Blutkörperchen abgebaut. Diese werden jetzt in geringerer Menge als in der Schwangerschaft für den Sauerstofftransport benötigt. Das Abbauprodukt der roten Blutkörperchen (Erythrorzyten) ist das Bilirubin. Es wird in der Leber so umgewandelt, dass es wasserlöslich wird. So kann es über den Stuhlgang ausgeschieden werden. 

Hyperbilirubinämie

Wenn die kindliche Leber noch etwas unreif oder mit dieser Aufgabe überfordert ist, kann es zu einer verstärkten Neugeborenengelbsucht (Hyperbilirubinämie) kommen. Die Haut des Kindes und die Augen (Skleren) erscheinen dann gelblich. Es kann zudem zu weiteren Symptomen wie verstärkter Müdigkeit oder einer Trinkschwäche kommen. Es muss dann der Bilirubinwert im Blut bestimmt werden, um unter Umständen weitere Therapiemaßnahmen (Fototherapie) einzuleiten.

Häufiges und ausgiebiges Stillen ist darum gerade schon in den ersten Lebensstunden und Lebenstagen so wichtig. Es verringert die Wahrscheinlichkeit für eine verstärkte Neugeborenengelbsucht. Kolostrum wirkt abführend. So fördert frühzeitiges Stillen die Darmentleerung und damit die Ausscheidung des umgewandelten Bilirubins aus dem Darm

Da das Ziegelmehlsediment also auch mit dem Abbau der roten Blutkörperchen nach der Geburt in Verbindung steht, lässt es sich bei einer verstärkten Neugeborenengelbsucht häufiger bzw. in größeren Mengen beobachten.

Rötliche Verfärbungen oder Blut in der Windel?

Normalerweise ist Babyurin hellgelb und geruchsneutral. Sieht er dunkler (konzentriert) aus oder riecht auffällig, sollte immer abgeklärt werden, ob eine Infektion oder auch eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme durch zu seltenes oder kurzes Stillen bzw. Füttern von Pre-Nahrung vorliegt. Am ersten Lebenstag scheidet ein Neugeborenes in der Regel innerhalb der ersten acht Lebensstunden Urin aus. Auch der erste Stuhlgang wird in diesem Zeitraum ausgeschieden.

Ein Neugeborenes scheidet ab dem dritten Lebenstag zwischen 100 bis 300 Milliliter Urin in 24 Stunden aus, verteilt auf zehn bis 20 Entleerungen. Bei Babys, die abgehalten werden, lassen sich diese häufigen Entleerungen in den ersten Monaten oft zeitgleich mit oder kurz nach den Stillmahlzeiten beobachten.

Ein gut gedeihendes Baby hat durchschnittlich sechs bis acht nasse Stoffwindeln bzw. fünf bis sechs schwere Einwegwindeln. Durch die in Wegwerfwindeln enthaltenen Absorber ist es für Eltern bisweilen schwer fühlbar, ob die Windel nass ist. Einige Modelle haben deshalb einen Indikatorstreifen, der bei Nässe die Farbe verändert. Ansonsten kann die Windel auch mit einer Briefwaage gewogen und das Gewicht mit einer trockenen Einwegwindel verglichen werden.

Ausscheidungen des Babys

All dies ist aber nur notwendig, wenn Anlass zur Sorge besteht, weil das Baby sich vielleicht zu selten zum Stillen meldet oder die Gewichtsentwicklung stagniert oder unzureichend ist. Hierbei ist vor allem die parallele fachliche Unterstützung wichtig, um etwa ein durch voreiliges Zufüttern bedingtes unbeabsichtigtes Abstillen zu vermeiden.

Rötlich-braune Flecken in der Windel können bei Mädchen auch als Ursache eine genitale Blutung haben, die bedingt durch den Abfall der mütterlichen Hormone nach der Geburt auftritt. Auch größere Schleimabsonderungen können in diesem Zusammenhang auftreten. Diese in den ersten drei bis sechs Lebenstagen auftretende, menstruationsähnliche Abbruchblutung ist nicht behandlungsbedürftig. 

Rötliche oder blutig erscheinende Auffälligkeiten im Urin bzw. in der Windel des Babys jenseits der ersten Wochenbetttage sind immer abklärungsbedürftig. Sie könnten unter anderem ein Hinweis auf eine zu geringe Muttermilchaufnahme, eine Infektion oder auch ein Problem im Darm sein.

Im Rahmen der „guten alten häuslichen“ Wochenbettbetreuung wird die Hebamme auch täglich die Ausscheidungen des Babys und mögliche Besonderheiten erfragen. Windeln mit auffälligem Inhalt sollten also am besten bis zum nächsten Hausbesuch aufgehoben werden. Anhand von Beschreibungen und selbst anhand von Fotos lässt sich oft nicht so gut sagen, welche Auffälligkeiten im normalen Rahmen liegen und welche im weiteren Verlauf ärztlich abgeklärt werden sollten. In den meisten Fällen können wir aber beruhigend sagen, dass die „seltsamen rötlichen Flecken“ in der Windel kein Anlass zur Sorge sind.

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