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Geburtsvorbereitung – auch für Partner und andere Begleiter

von Anja

Idealerweise wird jede Geburt in Deutschland von einer Hebamme begleitet und zwar in dem Umfang, in dem es die Gebärende wünscht. Für viele Frauen, aber auch für die Hebammen, ist eine kontinuierliche Begleitung exakt dieses Ideal. Das bedeutet nicht, dass die Hebamme von der ersten bis zur letzten Wehe ununterbrochen neben der Frau sitzt. Aber es bedeutet, dass diese Hebamme da ist. Und zwar recht unmittelbar und so lange, wie es für diese Frau unter der Geburt passend ist.

Wenn Hebammen gleichzeitig drei oder mehr Frauen unter der Geburt begleiten und gerne auch noch mit diversen anderen Aufgaben betraut sind, ist dies nicht möglich. So sehr auch von Hebammenseite der Wunsch nach einer 1:1-Betreuung existiert, das ist schlicht in vielen Fällen nicht möglich. Denn eine Hebamme kann an der Seite einer Frau sein, aber nicht gleichzeitig an zwei, drei oder mehr Stellen.

Diese Überlastung der Hebammen im Kreißsaal führt ganz automatisch häufiger zu Situationen, in denen sich Frauen unter der Geburt „allein gelassen“ fühlen. Und das auch, wenn via CTG die Herztöne des Babys auf einen Monitor übertragen werden, der außerhalb des Gebärzimmers für das Kreißsaalpersonal sichtbar ist. Geburtsbegleitung ist wesentlich mehr als das CTG zu bewerten, den Geburtsfortschritt zu beurteilen oder bei Bedarf erforderliche Interventionen vorzuschlagen oder einzuleiten. Es ist das Dasein und sehen und spüren, was die jeweilige Frau in dieser Situation braucht. Es kann die Anleitung zum Veratmen der Wehen sein. Oder eine Massage, ein Vorschlag zum Positionswechsel, manchmal einfach nur ein mutmachendes Wort. Manche Frauen brauchen auch nichts davon, dann ist stilles Dasein die beste Begleitung. 

Aufklärung und Beruhigung

In Zeiten, in denen die kontinuierliche Hebammenbetreuung nicht selbstverständlich ist, spielen andere Geburtsbegleiter eine wichtige Rolle. Die Frage ist, wer diese Rolle übernehmen soll. Der werdende Vater, der Partner oder die Partnerin der Frau sind emotional häufig sehr nah an der Situation dran. Ihre eigenen Emotionen unterstützen dann nicht unbedingt den Geburtsverlauf. Hebammenaufgabe ist es auch immer wieder, den Partner, die Partnerin oder eine andere vertraute Begleitperson zu beruhigen, damit im Kreißsaal Vertrauen und Sicherheit statt Sorgen und Angst im Vordergrund stehen.

Gerade bei einer ersten Geburt kommen so viele unbekannte Aspekte auf die werdenden Eltern zu – beide brauchen immer wieder Aufklärung und Beruhigung. Und es ist durchaus auch möglich (und völlig in Ordnung), dass sich ein Partner nicht zutraut, diesen Weg auf allen Etappen mitzugehen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich das einzugestehen. Ganz im Gegenteil ist so im Vorfeld eine andere Planung möglich.

Vielleicht kommt eine gute Freundin, die eigene Schwester oder ein anderer vertrauter Mensch mit zur Geburt. Doch natürlich ist auch diese Begleitperson nicht davor gefeiht, von den Ereignissen und Emotionen überrannt zu werden. Eine gute Option ist die emotionale Begleitung durch eine Doula. Diese ist mit den Abläufen von Geburten vertraut und kann sowohl die Gebärende als auch ihre Begleitung emotional unterstützen. Doch Doulas sind nicht überall verfügbar. Und die Kosten müssen selbst getragen werden.

Kontinuierliche Geburtsbegleitung

Dies ist also auch nur eine Option für manche Frauen. Die Begleitung durch eine Beleghebamme sichert in der Regel auch die kontinuierliche Geburtsbegleitung. Aber realistisch hat man kaum noch eine Chance, eine Beleghebamme zu finden, wenn man sich jenseits der 5. SSW auf die Suche begibt. Und in manchen Regionen ist dieses Angebot einfach gar nicht erst in den umliegenden Kliniken verfügbar. Die Situation in Bezug auf Hausgeburten und Geburtshausgeburten sieht ähnlich schwierig aus. Es ist also wahrscheinlich, dass die jeweilige Begleitperson, die mit zur Geburt kommt, eine mehr oder weniger unterstützende Rolle bei der Geburt einnehmen wird. Es ist darum sicherlich sinnvoll, wenn auch sie auf die Geburt vorbereitet ist.

 Wichtige Tipps für mögliche Geburtsbegleiter:

  • Informiere dich über den realistischen Ablauf einer Geburt – vor allem, wenn du selbst bisher keine Erfahrungen damit hast. Am besten besucht ihr einen gemeinsamen Geburtsvorbereitungskurs. Nutzt diesen geschützten Raum, um mögliche Fragen zu klären oder Bedenken zu besprechen. Geburt ist für alle eine ganz besondere Situation und es gibt keine dummen Fragen. Informationen und Wissen geben Sicherheit. Unsicherheit kreiert Angst – und die gehört nicht in den Geburtsraum. Gebärende sind sehr empfänglich für die Emotionen um sie herum. Geburtsvorbereitungskurse stärken idealerweise das Vertrauen der Schwangeren in ihren Körper. Und auch das Vertrauen der Begleiter in die Kraft und Gebärfähigkeit der werdenden Mutter.
  • Sorge gut für dich. Das fängt bei der eigenen kleinen „Begleiter-Kliniktasche“ an. Nimm dir bequeme Kleidung mit, in der du dich gut bewegen kannst. Packe Essen, Getränke und Snacks ein, die dir Energie geben. Auch ein Buch oder etwas anderes zur Beschäftigung ist sinnvoll für Phasen, in denen die Gebärende nichts von dir braucht außer dein Dasein. Ja, auch das Smartphone sorgt für Ablenkung in Wartephasen, allerdings sorgt es wesentlich mehr als ein Buch oder Strickzeug dafür, dass du gedanklich aus dem Geburtsprozess aussteigst. Aus Hebammensicht darf das Smartphone im Kreißsaal gerne in der Tasche bleiben. So ruhen sich Partner auch eher selbst noch mal etwas aus, wenn bei langen Geburten immer wieder physiologische Phasen des Stillstandes eintreten.
  • Gehe nicht mit falschem Aktionismus in die Geburt. Die im Vorbereitungskurs gezeigten Massagen, Positionen oder Atemtechniken sollen lediglich Anregungen bieten und die Bandbreite dessen abbilden, was Frauen unter der Geburt intuitiv machen. Was dann konkret in welcher Geburtsphase gut tut, wird letztlich nur die Praxis selbst zeigen. Aufmerksam bleiben und fragen sind der beste Weg, nicht zu viel und nicht zu wenig zu tun. Wichtig ist vor allem, maximal flexibel zu bleiben und auch kurze schroffe Reaktionen der Gebärenden nicht persönlich zu nehmen. 
  • Kenne und erkenne deine Grenzen. Achte darauf, wie es dir geht und verhalte dich entsprechend. Das bedeutet, dass du rechtzeitig Bescheid sagst, wenn du mal „frische Luft“ schnappen musst. Oder nachfragst, wenn dir eine vielleicht erforderliche Intervention unklar ist oder sogar Angst macht. Eine zweite Begleitperson kann sinnvoll sein und auch etwas „Druck nehmen“, wenn du eine Pause brauchst. Oft ist hier ein Abwechseln sinnvoller als ein zu voller Kreißsaal. Erkundigt euch vorab nach den „Hausregeln“ der jeweiligen Geburtsklinik. Meist sind maximal zwei Begleitpersonen erlaubt. Dies sollte aber nicht dazu führen, dass diese nur miteinander „quatschen“, während die Gebärende schwer arbeitet. Die Atmosphäre im Gebärzimmer sollte sich immer nach den Bedürfnissen der werdenden Mutter richten. Besprecht vorab miteinander, was gut tun könnte. Aber nochmal auch hier: Bleibe unbedingt maximal flexibel im Geburtsverlauf und orientiere dich an den Wünschen der Gebärdenden.
  •  Egal, wie gut vorbereitet du in die Geburt gehst: Auch als Begleiter kannst du überwältigt werden von den Geschehnissen. Achte auch nach der Geburt darauf, wie es dir geht und was du brauchst. Das kann das Gespräch mit der Partnerin und oder der begleitenden Hebamme sein. In seltenen Fällen kann auch der Partner traumatisiert aus der Geburt hervorgehen und es braucht professionelle Unterstützung, das Erlebte zu verarbeiten. Nimm deine Gefühle und Gedanken ernst. Auch dein Befinden kann sich auf den Wochenbettverlauf, den Bindungsaufbaut zum Baby und natürlich auch auf die Paarbeziehung auswirken.

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