Stillen kann weh tun – das Nichtstillen auch

von Anja

Gerne sagen wir Stillberaterinnen, dass sich die allermeisten Stillprobleme bei guter Unterstützung – möglichst von Anfang an – lösen lassen. Das ist auch so. Aber in dem Wörtchen „allermeisten“ steckt auch die Tatsache, dass es manchmal nicht gelingt, eine schmerzlose oder entspannte Stillsituation wieder herzustellen – ganz egal, welche Tricks, Techniken oder auch Medikamente zum Einsatz kommen.

Manchmal gelingt das Stillen einfach nicht. Und wenn sich Beschwerden über lange Zeit nicht bessern, alle Stillversuche frustriert verlaufen oder die Muttermilch nicht reicht, muss meist irgendwann eine Entscheidung getroffen werden. Eine Entscheidung, die alltagskompatibel ist. Denn oft ist es fast übermenschlich, was Mütter leisten in dem Wunsch, ihr Baby zu stillen. Es wird angelegt, gepumpt, alternativ zugefüttert. Da werden Hausmittelchen und Medikamente eingenommen. Das Stillen bestimmt den Tag. Und die Nacht. Es ist eine anstrengende Zeit. Für alle Beteiligten, vor allem für die Mutter.

Wie traurig und frustrierend ist es dann, wenn es am Ende doch nicht klappt – aus welchen Gründen auch immer? Die Ursache zu kennen, macht es manchmal etwas leichter. Aber der Schmerz über die verpasste schöne Stillzeit bleibt. Und dann kommen die, die sagen, dass das alles nicht so schlimm sei. Dass es ja gute Flaschennahrung gebe. Dass das Kind ja gut wächst und gedeiht. Dass sich Mutterliebe nicht an der Stilldauer oder am Stillen überhaupt messen lässt. Ja, das stimmt sicher alles irgendwie – aber es hilft nicht wirklich in dieser Situation.

Emotionen sind ganz normal und richtig

Das ist wie das „Hauptsache dem Kind geht es gut“-Argument, wenn aus der erträumten Spontangeburt in der Badewanne der Kaiserschnitt auf dem OP-Tisch wird. Diese Argumente können den Schmerz nicht einfach wegwischen, den diese Mutter verspürt. Ganz im Gegenteil. Zusätzlich wird sie ihre Gefühle in Frage stellen und sie deshalb wahrscheinlich für sich behalten. Stillen ist eine ganz besondere Zeit, die man mit seinem Kind verbringt. Jene Frauen, die so um das Stillen kämpfen, wissen das in der Regel ganz genau. Oder kennen es vielleicht sogar, weil sie davor schon ein Kind gestillt haben.

Und es tut weh oder macht vielleicht sogar wütend, all die anderen Mütter zu sehen, bei denen es scheinbar so einfach und mühelos funktioniert. All diese Emotionen sind ganz normal und richtig. Es heißt auch nicht, dass man deshalb alles andere oder gar sein Kind selbst nicht genießen und wertschätzen kann. Sondern eben nur, dass es an dieser einen Stelle weh tut. Doch es wird besser werden, wenn man die Traurigkeit darüber auch zulässt. Wenn man statt sich Schuldgefühle einzureden irgendwann sagen kann: „Ich habe an der Stelle alles getan, was ich konnte.“ Und vielleicht sogar stolz darauf ist, wie sehr man gekämpft hat, ganz egal wie es am Ende ausgegangen ist.

Niemand hat an dieser Stelle versagt oder etwas falsch gemacht

Auch Hebammen und Stillberaterinnen müssen immer wieder mal einsehen, dass das Stillen in manchen seltenen Fällen nicht gelingt. Trotz aller Maßnahmen, die doch sonst auch immer helfen. Und dann kann man auch als Hebamme einfach mit der Frau traurig darüber sein. Ihr Raum zum Reden geben, wenn sie möchte.

Niemand hat an dieser Stelle versagt oder etwas falsch gemacht. Das gilt auch und vor allem für Mütter, die erst später erfahren, welche Optionen und Unterstützungsmöglichkeiten sie noch hätten ausprobieren können. Zum individuellen Zeitpunkt wussten sie es aber nicht besser. Darum sind Schuldgefühle falsch an dieser Stelle. Abschiedsschmerz vom Stillen ist aber okay und richtig. Und den muss sich auch keine Mutter ausreden lassen.

Das gilt natürlich auch umgedreht, wenn eine Mutter merkt, dass es ihr nach dem Abstillen eigentlich viel besser geht und es für sie der passendere Weg ist. Das Leben hat an vielen Stellen einen anderen Plan, als wir ihn haben. Es darf etwas Zeit brauchen, den alten Plan loszulassen und sich auf etwas Neues einzulassen. Das ist ein ganz normaler Prozess, der nicht dadurch beschleunigt wird, in dem andere sagen, dass doch „alles nicht so schlimm“ sei. Wunde Brustwarzen oder eine Brustentzündung können sicherlich große Schmerzen verursachen. Aber auch das Nichtstillen kann manchmal einfach weh tun.

Passend zum Thema

40 Kommentare

Charlotte 5. Februar 2021 - 18:48

Anja, ich find das so toll, wieviel positive Energie, Verständnis und Wertschätzung aus deinen Artikeln spricht. Ein Segen für die Frauen, die von dir betreut werden.

Ich hab bei unserm ältesten so gekämpft, das war so bekloppt. Zu wenig Milch, Trinkschwäche keine Ahnung was da letztendlich war. Ich hab gestillt, abgepumpt,abgepumtes gefüttert, Pre zugefüttert, und dann ging alles wieder von vorne los. Es ging mir nicht gut damals, und unserem armen kleinen Baby wahrscheinlich auch nicht.
Vielleicht hätte es damals einen Unterschied gemacht, wenn mir jemand so liebevoll begegnet wäre.

Auch heute noch, nach zwei weiteren Kindern, bei denen es besser geklappt hat, kriege ich das große Speien wenn jemand stolz drauf ist, wenn sie überviel Milch hat, Sahne in der Brust hat oder Milch wie eine Kuh…das ist kein Verdienst, es ist ein Geschenk, das nicht jeder gegönnt ist.

Antworten
Julia 2. Februar 2021 - 12:50

Ach, das Stillen…
Ich hab vor der Geburt überhaupt keinen Gedanken daran verschwendet, war der Meinung, dass das das ganz easy klappen wird, auch wenn es zu Beginn sicher unangenehm sein würde. Meine Mutter hatte keine Probleme, bei meinen Freundinnen floss die Milch in Strömen … tja, hier nicht.
Die Geburt endete nach 48h Wehen mit maximal 2h Schlaf nachts in einer sekundären Sectio. Das Anlegen direkt im Anschluss klappte nicht so recht und ich bekam Stillhütchen. Ich legte meine Tochter in den folgenden Stunden und Tagen immer wieder an, wollte aber eigentlich nur eins — endlich schlafen. Ich war so müde, so erschöpft, ständig wollte jemand was von uns. Irgendwann zeichnete sich ab, dass der Milcheinschuss auf sich warten ließ, sie nahm mehr als 10% ab und danach begann man in der Klinik Druck zu machen. Ich wollte heim und schlafen, verdammte Axt, geplant war eigentlich eine ambulante Geburt. Sie bekam etwas Pre, ich wurde vorwurfsvoll darauf hingewiesen, dass ich aber doch mit Stillhütchen auch abpumpen müsse, ob ich das nicht wisse? Nein, hatte mir niemand gesagt. Am dritten Tag nach der Geburt hab ich geheult, geheult, geheult, ich fühlte mich im KH gefangen und wie eine Versagerin und ich war so unendlich müde. Meine KS-Naht tat weh, jeder Schritt war eine Qual. Irgendwann hat dann auch das Kind ständig geheult, vor Hunger. Mein Partner hat sie im Klinikzimmer auf und ab getragen, aber sie wollte auch nicht schlafen. Klar, wer schläft schon, wenn er Hunger hat?
Letztendlich gab es wie gesagt ein paar Schlucke Pre. Und dann kam für die Nachtschicht Schwester Ratchet. Ich hab mich noch nie so erniedrigt behandelt gefühlt wie in diesen Stunden, ich war immer noch so müde und sie maulte mich an, dass ich doch abpumpen sollte — wir mussten sie alle zwei Stunden rufen, weil sie uns Pre bringen musste. Am Ende hab ich die Kommunikation meinem Freund überlassen. Ich war fertig. Zum Glück hatte sie am nächsten Tag dann so weit zugenommen, dass wir nach Hause konnten. Natürlich mit dem Zusatz „Cave Gewicht“ im U-Heft. Gewicht würde ein Thema bleiben…
Daheim floss die Milch endlich und ich dachte, es würde endlich besser werden. Ich hab angelegt und angelegt und angelegt, aber sie nahm trotzdem nur stockend zu. Das Gefühl, als sie nach fünf Tagen ihre gesamte Zunahme in dieser Zeit als Haufen in die Windel setzte, war furchtbar. Und zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon zugefüttert, aber natürlich nur minimale Mengen. Sie hing Stunden an meiner Brust, davor und danach hab ich gepumpt (es kam fast nix) und mich dabei wie eine Kuh im Melkstand gefühlt. Und irgendwann wurde ich regelrecht aggressiv, wenn sie anfing, Hunger anzumelden. Ich wollte nicht mehr, konnte nicht mehr, der Gedanke, schon wieder stundenlang sinnlos mit ausgepackten Brüsten auf dem Sofa zu sitzen, war schrecklich. Gleichzeitig war da sofort das schlechte Gewissen: Du musst mehr tun! Stillberaterin?! Brusternährungsset?! Aber ich wollte nicht mehr. Meine Hebamme war zum Glück sehr entspannt und meinte, es muss für uns passen. Sie hat keinen zusätzlichen Druck aufgebaut.
Ja und nach drei Wochen war es das dann. Ich hab von einem Tag auf den anderen aufgehört, ich musste nicht mal langsam abstillen. Die Milch war weg, der Busen weich und winzig wie eh und je. Ich würde nie wieder stillen. Ich will ohnehin kein zweites Kind, aber wenn es doch passieren würde, gäbe es von Anfang an die Flasche. Die drei Wochen waren ein furchtbarer Psychotrip für mich und ich denke auch jetzt noch ganz oft daran.
Ich habe ganz oft ein schlechtes Gewissen, weil ich kein schlechtes Gewissen habe, dass mein Kind ein Flaschenkind ist und ich nicht mit allen Mitteln versucht hab, noch mehr Milch aus meiner Brust zu kriegen. Letzteres wurde mir von einer Kollegin vorgeworfen — sie hätte ihr Kind mit Pre und Brust ernährt, natürlich sei das anstrengend gewesen, aber man müsse eben durchhalten. Ich glaube eher, ich habe sehr wenig Drüsengewebe in der Brust, v.a. in der linken, da kam so gut wie nix raus. Stillen ist keine Frage des Wollens.
Vielleicht hilft dieser Beitrag jemandem, dem es ähnlich ergangen ist, der zwar nicht mehr daran knabbert, dass er nicht gestillt hat, aber daran, dass er es nicht länger versucht hat oder glaubt, es nur nicht genug gewollt zu haben, weil ihr das von seiner Umwelt so suggeriert wird.

Antworten
Melanie 14. Februar 2021 - 23:21

Liebe Julia,
Ich kann dir nur von Herzen danken, dass du deine Geschichte hier geteilt hast.
Ich sitze in meinem mittlerweile von mir verhassten „Stillsessel“ und weine… Zum ersten Mal seit Tagen vor Freude und nicht Verzweiflung.
Mir geht es exakt genauso wie dir. Ich sitze stundenlang da, stille mein Kind, das einfach nicht aus meiner Brust raus holt, nur um dann im Anschluss die Melkmaschine anzulegen…
Unterm Strich kommt einfach so gut wie nichts, mein Kind hat nur Hunger, schreit wütend meine Brust an und nach stundenlangen Bemühungen gebe ich ihm dann doch die Flasche.
Ich kämpfe seit Tagen mit mir und dem Gedanken, diese wundervolle Stillbezeichnung, die ich mir so lange ersehnt habe aufzugeben.
Ich muss doch noch mehr versuchen… Mehr tun… Rattert mein Gehirn, aber ich kann nicht mehr.

Antworten
Rebekka 14. Dezember 2020 - 21:46

Vielen Dank für diesen Artikel!

Meine Zwillinge sind jetzt 17 Wochen alt. Ich wollte unbedingt voll stillen. Sie kamen 4 Wochen zu früh und wir mussten 19 Tage im Kh bleiben wegen der Zunahme. Ich habe gefühlt ständig gestillt und sollte zwischendurch noch abpumpen und sie haben trotzdem nicht genug zugenommen. Am Schluss hatte ich fast einen Nervenzusammenbruch und habe nur noch geweint. Brustwarzen wund, Babys nicht satt und nur am weinen. Das Kh hat total auf stillen gesetzt und meinten immer das es sich super klappt. Aber das ich nicht genug Milch hatte und die Babys deshalb nicht zugenommen haben weil sie nicht satt wurden hat niemand gesagt. Und dann immer die Sprüche der Familie und meines Mannes „es ist doch nicht schlimm wenn du zufütterst, damit werden sie auch groß.“ Es war irgendwann einfach Zuviel für mich. Als wir endlich zu Hause waren habe ich immer weniger gestillt, weil die Mäuse einfach nicht gut zugenommen haben und nicht lange satt waren. Ich könnte immernoch weinen wenn ich daran denke. Ich fand es toll zu stillen (nachdem meine Brustwarzen nicht mehr wund waren) und ich fühle mich wie eine versagerin und denke immer wieder ich hätte mich mehr anstrengen müssen, mehr durchhalten und meinem Mann mehr sagen müssen das er einfach mal die Klappe halten soll und mich stillen lassen soll. Er sieht das vermutlich nicht so, aber er hat mich auch unter Druck gesetzt weil er das Thema stillen nicht verstanden hat.
Ich könnte jeder Frau mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen die wieder erzählt das das stillen ja super klappt/geklappt hat und sie nach gefühlten 3 Jahren immernoch stillt.
Ich bin einfach traurig und wütend.
Hoffentlich kann ich bald mit diesem Thema abschließen damit ich wieder mit mir und der Welt zufrieden bin.

Antworten
Jacqueline U. 1. November 2020 - 20:13

Vielen Dank für den Artikel. Es ist sehr aufbauend das mal so zu lesen.
Unsere Tochter hat leider seit ihrer Geburt eine Trinkschwäche (voran vermutlich die Herzrhythmusstörung und die zu frühe Geburt per Kaiserschnitt in Vollnarkose wohl nicht unschuldig sind). Hinzu kommt, dass ich selbst einen Hydrocephalus habe (weshalb die Geburt leider so sein musste) und schon die Schwangerschaft über keine wirklich wirksamen Medikamente gegen die Schmerzen nehmen konnte. Trotzdem wollte ich UNBEDINGT stillen und hab wirklich alles versucht. Immerhin war unsere Tochter zu klein, zu schwach und zu leicht da musste sie doch die Muttermilch bekomme(zumindest redete ich mir das ein) aus dem Pumpstillen wurde nach 3 Wochen dann reines abpumpen doch nach 8 Wochen und unzähligen versuchen zum „normalen“ stillen zu kommen und so einigen Entzündungen, war ich mit meiner Kraft einfach am Ende und habe abgestillt. Ich versuche mit immer zu sagen, dass 8 Wochen Muttermilch schon nicht schlecht sind (wenn man bedenkt, dass alle Ärzte meinten ich solle mir das nicht „antun“ und nicht weiter auf die Medikamente verzichten „nur“ um zu stillen ) aber dennoch fühle ich mich ab und an einfach schlecht denn ich habe mir und meiner Tochter so sehr eine schöne Stillzeit gewünscht. Aber unsere Tochter hat sich super entwickelt und von den 3 Wochen, welche sie zu früh kam, ist nix mehr zu merken. Dennoch braucht man manchmal etwas zum aufbauen und da kam der Artikel genau richtig. Vielen Dank dafür

Antworten
Julia 30. März 2020 - 22:15

Vielen Dank für die Worte. Ich konnte zwar fast 5 Monate voll stillen, mit viel Schmerzen und ständigen Entzündungen. Schlussendlich auch noch der Versuch einen Pilz mit Fluconazol zu bekämpfen. Das hat mich körperlich und psychisch völlig an den Rand gebracht. Dann wae es wichtig, dass ich gesund bleibe/werde für meinen Sohn. Nun habe ich vor 2 Wochen das letzte mal gestillt. Ihn hat es überhaupt nicht gestört. Aber ich weine innerlich. Alle sagen ich hab doch alles gegeben. Das bringt mir aber nichts. Denn trotzdem fühlt es sich schmerzhaft an und auch jetzt weine ich…. heimlich. Ich kann gar nicht sagen warum. Mein Sohn ist glücklich, isst sehr gern Brei und interessiert sich schon für unser Essen.

Antworten
Nadine Engelke 11. Dezember 2019 - 15:00

Vielen Dank für diesen Artikel!
Mein kleiner Sohn ist jetzt 2 Monate und diese Zeit war und ist ein auf und ab der Gefühle für mich. Noch kann ich mich nicht entschliesen abzustellen, weil ich denke es gibt vlt noch Mittel und Wege. Ich habe schon abgepumpt und zusätzlich zugefüttert und Prenahrung gegeben, bis ich den ganzen Tag gefühlt nichts anderes mehr gemacht habe und emotional auch am Ende war. Rt
Was kann ich noch versuchen? Ich fühle mich als Versagerin und kann es nicht mehr hören, dass es nicht so schlimm sei.

Antworten
Anja 14. Dezember 2019 - 15:59

Liebe Nadine,

bitte lass Dich auf Deinem Weg und bei Deinen Entscheidungen von einer Hebamme oder Stillberaterin begleiten. Vielleicht lässt sich ja eine Option finden, dass Teilstillen so in euren Alltag zu integrieren, dass die Kombination aus Stillen und Füttern nicht zur Belastung wird. Auch ein Brusternährungsset zum ergänzenden Zufüttern könnte eine Option sein.
Aber auch bei einer entgültigen Abstillentscheidung ist eine gute fachliche Begleitung für einen sanften Übergang sinnvoll.

Alles Gute für Dich und liebe Grüße,

Anja

Antworten
Missy12 11. November 2019 - 19:52

Sehr schön, dass ein Artikel zum Nichtstillen veröffentlicht wird! Es gibt auch andere Gründe, weswegen nicht gestillt werden kann. Eine Frühgeburt, die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder andere Fehlbildungen und Erkrankungen. Stillen bedeutet auch Normalität, die dann nicht möglich ist. Mir tat es sehr weh, von stillenden Müttern umgeben zu sein, während ich die unpraktischen Spezialsauger auspackte und die Milch anrührte. Aber darüber wird wenig geredet. Oft heißt es, na, Hauptsache das Kind wird satt. Doch darum geht es nicht nur.

Antworten
Midwife 11. November 2019 - 19:34

Danke für diesen Artikel. Ich finde mich darin an mehreren Stellen wieder und musste auch gleich weinen.
Ich bin selbst Hebamme und nach einer tollen Schwangerschaft lief alles ein wenig schief.
Ich habe trotz Blasensprung und tagelangem Einleiten keinerlei Wehen entwickelt und konnte es nicht fassen, dass ich aus diesem Grund einen Kaiserschnitt bekommen musste. Ich war so traurig und ich fühle mich dadurch auch traumatisiert. Dann habe ich kaum Milch produziert und habe nach 6 Wochen pumpen, anlegen mit BES, sämtlichen Maßnahmen die es gibt, ewigem Abspülen der Utensilien und Erschöpfung abgestillt. Das Nichtsillen können ist eigentlich noch schlimmer als der Kaiserschnitt. Jeden Tag muss man sich mehrmals damit auseinandersetzen, weil man das Baby ja füttern muss. Dann sieht man ständig die anderen stillenden Mütter und ich sitz da mit meiner Flasche. Ich bin sooo froh wenn die „Milchzeit“ mit meinem Baby endlich vorbei ist und die anderen auch nicht mehr stillen. Ich bin traurig vor allem auch weil ich so wenig Verständnis bekomme, sowohl für die Trauer über die nicht erlebte Spontangeburt als auch darüber dass ich nicht stillen konnte. „aber das wichtigste ist doch dass du und das Baby gesund seid“ „sie wächst doch auch mit der Flasche so gut und ist ganz gesund“ blablabla. Ich hätte mir einfach gewünscht, dass ich traurig sein darf und enttäuscht.

Antworten
Herzsprung 28. Februar 2018 - 10:38

Leider habe ich immer noch sehr damit zu kämpfen dass ich das Stillen so schnell aufgegeben habe. Ich hätte mich besser informieren sollen statt mich auf die Ratschläge von der Hebamme zu verlassen. Und ja, all die Kommentare die mir in dieser Situation wohl nur hätten helfen sollen, waren irgendwie einfach nur Fehl am Platz. Irgendwie fällt es mir sehr schwer loszulassen und dies zu verarbeiten. Obwohl meine Tochter schon 19 Monate alt ist, versetzt es mir immer noch einen Stich ins Herz wenn ich sehe wie es bei anderen so gut klappt. Ich fühle mich einfach nur als Versagerin.

Antworten
Tanja 2. Mai 2019 - 12:23

Nichtstillen kann unfassbar wehtun.. Ich habe sehr lange um das Stillen gekämpft. Bin täglich weinend vor Schmerz auf dem sofa gesessen und habe gehofft meine Tochter würde einfach mal 1 Stunde schlafen ohne wieder an meinen blutigen brustwarzen saugen zu wollen. Die Milch wurde immer weniger und ich musste zufüttern.. Ich habe mich über 6 Wochen lang gequält bis ich im Krankenhaus mit einem riesigen Abszess gelandet bin welcher operativ entfernt werden musste… Man kann sagen die Neugeborenenzeit war für mich/uns der reinste horror, und vielleicht sogar der grund warum wir kein 2 Kind wollen.. Ein Baby das sooo unglaublich viel schreit und das ich einfach mit meinem Körper allein nicht satt bekam.. Das für mich spannendste war das mir 3 verschiedene Hebammen bei denen ich hilfe suchte erklärten das schmerz dazugehört und das ich da durch muss wenn ich stillen will.. Eine Hebamme erzählte mir von ihren Stillschmerzen, sie habe ebenfalls vor schmerz geweint aber durchgehalten.. Für mich die Botschaft ich darf nicht aufgeben, das geht nicht.. So hab ich mich eben einfach immer weitergequält.. Im Nachhinein betrachtet hätte ich einfach eine Hebamme gebraucht die mir zuspricht das stillen aufzugeben und mich darin bestärkt dass ich auch eine gute Mutter bin wenn ich nicht stille und es einfach nicht klappt.. Ich halte seitdem nicht mehr viel von Stillberaterinnen und Hebammen zur Nachbetreuung.. Meine Tochter ist jetzt 8 Monate alt, ich kann schon besser mit der Situation umgehen doch immer wieder holt mich diese Geschichte ein und ich merke doch das ich mich als Versager fühle, halten doch so viele Frauen durch trotz schmerz und ich schaffte das eben nicht.. Ich hab nicht durchgehalten..

Antworten
Tina 13. Dezember 2017 - 08:37

Ich habe mich bewußt von Anfang an gegen das Stillen entschieden. Ich habe es überhaupt nicht versucht und direkt im Krankenhaus abgestillt. Ich trinke keinen Alkohol und rauche nicht und hatte auch sonst gar keinen Grund dazu, aber ich fühlte mich mit der Flasche von Anfang an wohler. Zwar kamen hier und da Fragen wieso und warum, aber die habe ich versucht auszuweichen, indem ich sagte, dass man doch das tun sollte womit man sich wohler fühlt sonst bringe es dem Baby doch auch nichts.
Nun habe ich bereits 3 Kinder. Alle gesund, alle ohne Allergien und ohne Übergewicht. Die Flaschenzeit war entspannt. Unsere Babys machten immer einen zufriedenen Eindruck. Und wir hatten alle viel Zeit mit den Babys zu kuscheln. Ich möchte hiermit nichts gegen das stillen sagen. Alle in meinen Freundes- und Familienkreis stillen auch. Aber ich fand es toll ohne und habe es nie bereut. Ich bin traurig, dass so ein Druck auf Frauen ausgeübt wird. Dieser Druck kommt auch leider meistens von anderen Frauen. Dabei müssten wir doch zusammen halten..

Antworten
Andrea 18. Juni 2019 - 09:55

Ich bin seit 5 Wochen Mutter einer Tochter und bei mir hat es leider mit dem Stillen auch nicht so gut geklappt. Meine Milch reicht nicht und ich muss zufüttern. Ich denke mir oft, dass ich zu schnell aufgegeben habe…
Es tut mir gut, diesen Artikel und die Kommentare zu lesen.. ich finde es gibt zu wenig Berichte darüber, dass es eben nicht bei jedem mit dem Stillen klappt und dass es auch ok ist… Danke für den Artikel!

Antworten
Marie 31. Mai 2017 - 22:47

Hallo,
Ich kann leider auch nicht stillen. Mein Kleiner ist jetzt fast 6 Monate alt. Ich hatte auch alles versucht, angefangen mit Mariendistelkapseln, Malzbier, hab Domperidon genommen, mit BES zugefüttert und abgepumpt. Nach 2 wochen konnte ich nachts wieder voll stillen, aber am Tage war meine Brust wie leer und Leo hatte ständig Hunger. Ich habe es auch leider nicht geschafft mehr als 3 mal am Tag abzupumpen. Nach 5 Wochen habe ich aufgegeben, weil ich nicht mehr konnte. Ich bin aber immer noch so traurig, denke manchmal vllt hab ich zu früh aufgegeben. Ich bin manchmal auch wütend auf die Schwestern im Krankenhaus und meine Hebamme, die meinten, dass ich Flasche geben muss, weil der Kleine so abgenommen hatte. Klar musste was unternommen werden, aber nachdem er ein paar mal die Flasche bekommen hat, hat er nicht mehr an der Brust richtig gesaugt, sie irgendwann auch abgelehnt. Ich wusste nicht, dass es sowas wie Saugverwirrung gibt. Es ist mein erstes Kind und ich mache mir Vorwürfe, dass ich mich in der Schwangerschaft nicht über das Stillen informiert habe. Ich dachte, dass es schon klappen wird.
Ich hätte so gerne gestillt und wünsche es mir eigentlich immer noch.

Antworten
Lina 5. Dezember 2019 - 17:12

Du spricht mir aus der Seele. Mein kleiner ist jetzt sechs Wochen alt und ich muss es jetzt einfach sein lassen. Keiner hat mir richtig erklärt wie das funktioniert. Am.meisten mache ich mir Vorwürfe, dass ich mich in der Schwangerschaft nicht mit dem stillen beschäftigt habe.

Antworten
marion 7. März 2017 - 12:45

Liebe anja,
ganz passt meine frage hier nicht dazu. Aber ich hab auf die schnelle nichts passenderes gefunden . Eine freundin von mir hat mir gestern von einem speziellen problem beim stillen erzählt, was ihr das leben momentan recht schwer macht. Ich würd ihr sehr gern weiterhelfen usnd hab mir gedacht vielleicht weisst du rat: sie spürt seit kurzer zeit intensive sexuelle erregung beim stillen ihrer zwei jährigen tochter. Ich denke es erklärt sich von selbst, dass das eine arg belastende situation ist für sie. Sie ist nicht schwanger und auch sonst fällt ihr kein grund für diese plötzlichen empfindungen ein. Sie sagt sie möchte wenn es irgendwie geht nicht abstillen aber so geht es für sie denk ich auch nicht ewig weiter. Weisst du wie frau damit umgehen kann. Hast du da erfahrungen oder einen tipp wo man nachlesen kann. Ich dank dir schon mal im vorhinein falls du did zeit findesr zu antworten und wünsch dir eine gute woche
liebe grüsse aus graz
marion

Antworten
Anja 7. März 2017 - 21:25

Liebe Marion,

das ist mir aus der Beratung nicht bekannt. Eventuell gibt es einen hormonellen Zusammenhang, vielleicht mal die Schilddrüse überprüfen lassen. Am besten wendet sich Deine Freundin an eine Stillberaterin vor Ort, um weitere Optionen zu besprechen.

Liebe Grüße, Anja

Antworten
marion 8. März 2017 - 07:46

Dank dir!

Antworten
Sarah 30. Januar 2017 - 17:53

Vielen lieben Dank für diesen tollen Artikel und auch ein großes Dankeschön an Alle,die hier kommentiert haben.
Ich hatte gerade wieder eine Heulattacke,weil ich nicht stillen kann.
Es hat bei der großen schon nicht geklappt und bei der zweiten leider auch nicht. Mit dem Milcheinschuss kam auch die Lymphflüssigkeit. Diese hat die Milchkanäle abgeklemmt.
Nachdem die endlich weg war,kam zwar noch etwas Milch,aber es hat bei weitem nicht gereicht. Ich habe so gekämpft. Von Stillberatung über Abpumpen,Bockshornkleesamen,Stillberatung und Brusternährungsset. Und das mit zwei Kindern.
Ich mache mir trotzdem immer wieder Vorwürfe,wenn ich das abpumpen aufgeben möchte,weil ich so ausgelaugt bin. Dann denke ich immer,dass mein Körper einfach zu nichts fähig ist.
Der Artikel hat mich wirklich gestärkt.
Ich danke euch allen.
Lg

Antworten
Christine 5. Mai 2017 - 11:57

Liebe Sarah
Dein Artikel hat mich wirklich aufgebaut. Ich hoffe Dir geht es inzwischen gut. Ich habe Anfang Januar mein 2. Kind geboren und konnte leider zum 2. Mal nicht Stillen. Das erste Kind, ein Junge war 18 Monate alt bei der Geburt und es war eine ziemlich stressige Zeit… Meinen Sohn konnte ich schon nicht stillen. Er war ein Frühchen und wollte meine Brust trotz aller Anstrengungen nicht nehmen. Es war damals fürchterlich für mich. Das Abpumpen hatte leider nicht den gleichen Effekt und ich hatte bald keine Milch mehr. Ich habe sehr lange gebraucht um das zu verarbeiten. Beim 2. Kind wollte ich es auf jeden Fall noch einmal probieren. Die Kleine kam am Termin und saugte direkt wunderbar. Ich war glücklich. Nach 4 Wochen stillte ich sie dann 30 bis 40 min . Sie war 10 Minuten zufrieden und fing dann an zu Schreien. Ich wollte nicht wahrhaben dass sie Hunger hatte doch irgendwann musste ich ihr etwas geben. Sie nahm 120ml auf einmal u d war zufrieden. Ich war traurig. Hebamme und Stillberaterin sagten mir ich müsse öfters anlegen. Jede Stunde 30min? Wie soll das gehen mit einem 18 Monate alten Jungen der schreit und auch versorgt werden will…? Irgendwann würde sie dann richtig hässig wenn ich die Brüste auspackte und schrie noch mehr…ich war fix und fertig uns musste mir eingestehen es geht nicht…da helfen einem auch die Kommentare wie Du hast ja alles versucht und Sei froh dass das Kind gesund ist nicht. Ich bin selber Ärztin und habe von so vielen Kollegen auch Kinderärzten bestätigt bekommen dass Flaschenmilch meinen Kindern nicht schadet und doch hatte ich das Gefühl versagt zu haben. Ein 2. Mal. Das kann niemand verstehen. Männer sehen das eh rationaler und andere Frauen die vielleicht noch selbst gestillt haben verstehen es eh nicht. Man fühlt sich so unglaublich schlecht. Ich bin froh, dass es andere Frauen wie Dich gibt denen es auch so ging denn man hat wirklich das Gefühl die einzige Frau auf der Welt zu sei die nicht stillen kann. Inzwischen geht es besser aber es kommt noch viel hoch v.a. wenn ich Freundinnen sehe sie stillen können.
Ich hoffe, Deinen Kindern geht es gut und ich danke Dir für den ehrlichen Bericht! So etwas baut auf!
Liebe Grüße
Christine

Antworten
Sabine 10. Januar 2017 - 13:08

Vielen Dank für diesen Artikel – Ich bin im Moment genau in der Situation. Meine Tochter kam vor 3 Wochen zur Welt, 3 Wochen vor dem Termin und durch eine Einleitung, da ich eine Präeklampsie entwickelt hatte. Von Beginn an hatten wir Probleme beim Stillen, auch wenn sich die Schwestern im Krankenhaus wirklich bemüht hatten. Aber meine Kleine war einfach zu schwach und zu müde, um richtig zu saugen, und bei mir dauerte der Milcheinschuss etwas länger weil ich doch viel Blut verloren hatte bei der Geburt. Als meine Tochter dann die erste Nacht vor Hunger durchgebrüllt hat und auch noch eine schwere Neugeborenengelbsucht entwickelte, und so immer schwächer saugte und immer stärker abmagerte, entschied ich mit den Schwestern, dass wir zufüttern. Ab dem Zeitpunkt pumpte ich ab, um meine Milchmenge zu steigern, und wenn nicht genug Muttermilch da war, bekam die Kleine noch Pre-Nahrung zusätzlich. Alles im Fläschchen, da sie bei jeder Zufütterung an der Brust einschlief und wieder nicht genug zu sich nahm. Die Entscheidung war richtig, denn ab da ging es bergauf. Meine Tochter nahm zu und die Gelbsucht besserte sich. Nur hat sie sich leider an das Fläschchen gewöhnt und akzeptiert die Brust auch jetzt noch schlecht. Momentan ist mein Alltag daher bestimmt von Abpumpen, Füttern, Fläschchen und Pumpzubehör waschen, und das Tag und Nacht. Auch heute bekommt sie noch 1-2 Pre-Fläschchen am Tag, wenn die Milch nicht reicht. Ich lege die Kleine zwischendurch ab und zu an, aber nach wie vor saugt sie sehr schlecht an der Brust. Meine Hebamme meint, sie hat gelernt dass es mit der Flasche leichter geht und wird wahrscheinlich nicht mehr zurück an die Brust. Nebenbei darf ich mir dann die Vorwürfe meiner Schwiegermutter anhören, warum ich nicht stille und warum wir zufüttern. Ich versuche auf Durchzug zu schalten, aber das ist nicht immer leicht… Ich hätte auch lieber voll gestillt und das ohne Pumpe und Fläschchen, aber die Gesundheit meiner Tochter ist mir wichtiger. Trotzdem macht es mich oft traurig und verkompliziert den Alltag ziemlich.

Antworten
Mona 3. August 2018 - 06:40

Ich hab deinen Beitrag gelesen und er ist mir gleich ans Herz gegangen weil meine Kleine auch von Anfang an zugefüttert werden musste, da sie mit nur zwei Kilo zur Welt kam. Ich hab dann über zwei Monate diesen Marathon mit alle drei Stunden abpumpen, Flasche geben, Flasche sterilisieren, nicht schlafen, keine Zeit um sich zu strecken, von den ganzen Besucherscharen welche zu Beginn einfallen wollen ganz zu schweigen. Dann, nach zweieinhalb Monaten hat es beim Anlegen plötzlich geklappt und sie hat an der Brust gesaugt, ich war so überrascht und perplex dass ich ihr zur Belohnung gleich die Flasche gegeben habe danach hab ich natürlich immer versucht sie an die Brust zu nehmen und das Ansetzen war so schwierig, es hat mich oft Stunden gekostet und sie wurde dabei natürlich hungrig, aber sie hatte viel Geduld. Ich glaube etwas vom Wichtigsten, was wir oft vergessen ist, dass die Kleinen uns so stark spüren. Das erste Saugen geschah in einem Moment grösster Entspannung, da ich gerade MuMi von einer Freundin bekam, weil ich zu wenig hatte. Übrigens hat mir beim Abpumpen geholfen mir vorzustellen wie ich sie streichle und diese Liebe liess die Milch fliessen, auch wenn ich mal ganz emotional wurde. Dann hat sie leider zu wenig zugenommen mit der Brust und die Kinderärztin meinte ich müsse Zufüttern.

Antworten
Channah 15. August 2016 - 22:21

Ein Sohn kam am 24.5. Diesen Jahres zur Welt. Dank Gestationsdiabetes durfte ich nicht in meiner Wunschklinik entbinden, sondern musste zur Einleitung am 24.5. im städtischen Klinikum unserer Landeshauptstadt antreten. Muttermund öffnete sich nicht, bei der PDA wurde ich Bradykard, der Kleine hatte keine Herztöne mehr. Der Kaiserschnitt war ein Schock, da ich erst beim zunähen komplett weg war (Schnitt, Rausziehen, seine Schreie, alles mitbekommen). Die Stillsituation war der Horror! Ich habe am 3. Tag aufgegeben, ihm KEIN Maltrodextrin nehr zugefüttert und gesagt „In dieses Kind kommt Muttermilch, egal wie!“. Ich habe geschlagene 6 Wochen abgepumpt. 6 Wochen in denen der Längste Schlaf 1 Stunde dauerte. Ich wäre fast zerbrochen. Nein, den Stress mit „mal nebenbei ab und zu „einfach“ anlegen“ wollte ich nicht auch noch machen. Ich habe alle 4 std gepumpt, tag und Nacht. Flaschen gespült, sterilisiert. Dann hab ich einfach mal Pre gemacht. Dann ab 0 Uhr bis 6 Uhr nicht mehr gepumpt (ich hatte super Mengen, pro Brust bis zu 300ml!). Ich habs einfach irgendwann auslaufen lassen. Es tat mir so leid, wie er bei mir gesucht hat mit dem Mündchen, und doch nur die Flasche bekam. Von allen Seiten Vorwürfe. Ich habe es durchgezogen. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Immernoch. Wegen meiner Allergien, wegen meiner Gestationsdiabetes, meiner erblichen Vorbelastung und dem Diabetes Typ 1 vom Vater des Kleinen. Aber was soll man machen? Er schläft von 21 bis 7 Uhr nachts durch, wächst, gedeiht, ist mega Stressanfällig, abwr das wird auch noch irgendwie. Ich gebe zu, ich habe kaum noch reserven, aber ich denke mot Grauen an die Tage zurück, an denen ich nur abgepumpt und gefüttert habe und ihn immer zwischen 6 und 8 Stunden auf dem Schoß hatte, weil er nur bei mir schlief. Wenn ich DA hätte auch noch weiter pumpen müssen, ich hätte ihn vermutlich abgegeben. Gsd hat der Papa mir seh sehr viel geholfen und ist ein ganz wunderbarer Daddy. Aber das Schlechte Gewissen, DAS bleibt. Bei jedem Blich auf die Zutatenliste der HA Pre. Bei jedem Blick uf die Dosierung der Milch: „Muttermilch ist das Beste für ihr Baby!“ Das weiß ich auch, OHNE es täglich 12 x lesen zu müssen!

Antworten
Caroline 16. Juni 2016 - 18:56

Ein wichtiger Artikel!

Einen ähnlichen habe ich vor kurzem auch in einem anderen Blog gelesen. Es ist an der Zeit den immensen Druck aus dem Thema Stillen herauszunehmen, für all die Frauen, denen es nicht von Anfang an gelingt,eine gute Stillbeziehung aufzubauen, für all die Babies, die doch unbedingt eine entspannte Mama brauchen und auch für alle PartnerInnen, die auch sehr darunter leiden können.

Mir ging es sehr ähnlich wie den Frauen vor mir. Nach etwa 8 Wochen Zufüttern, Brusternährungsset, anlegen anlegen anlegen, Mittelchen zum einnehmen, haben wir es gemeinsam geschafft. Ich möchte aber auch hier sagen, dass ich die Option Flasche damals für richtig angenommen hätte, ohne schlechtes Gewissen. Es darf auch nicht gestillt werden, es darf weh tun, es darf traurig sein, aber auch erleichternd !!!

Antworten
Kathrin Künast 30. April 2016 - 16:06

Ich habe am 31.03.2016 entbunden und wollte meinen Sohn gerne voll stillen. Im Krankenhaus bekam ich Stillhütchen wegen meiner Flach- und Hohlwarzen. Da mein Kleiner so schnell abgenommen hatte, musste ich zufüttern mit einem Brusternährungsset und zuhause mit der Flasche. Dass das ein massiver Eingriff in die Milchbildung ist, hab ich erst später erfahren. Und Abpumpen ist längst nicht so intensiv wie stillen, weil das Baby viel stärker an der Brust saugt. Man muss mit der Milchpumpe erstmal den Milchspendereflex auslösen und das ist nicht einfach. Und wenn dann immer nur 10-30 ml aus beiden Brüsten rauskommen, ist das echt frustrierend.
Ich hab Malzbier getrunken, Müsliriegel für Stillende gegessen, abgepumpt, häufig angelegt. Es hat nichts gebracht. Hab mich vermutlich selber unter Druck gesetzt. Da ich auch noch eine Tochter von 18 Monaten habe, hab ich nach 20 Tagen abgestillt, weil ich mich nicht weiter diesem Stress aussetzen wollte. Ich leide noch unter Schuldgefühlen meinem Kleinen gegenüber, aber es ist für alle Beteiligten am besten so. Und meine Tochter hat sich auch mit Flaschennahrung super entwickelt. Sie hatte nur ein wenig Vormilch bekommen. Von außen wurde ich aber nicht unter Druck gesetzt. So ganz überwunden hab ich meine Entscheidung noch nicht und habe ab und zu Heulphasen.

Antworten
Stephanie 30. November 2015 - 20:57

„Das gilt natürlich auch umgedreht, wenn eine Mutter merkt, dass es ihr nach dem Abstillen eigentlich viel besser geht und es für sie der passendere Weg ist.“

Danke für diesen Satz, der absolut meiner Realität entsprach, als ich nach 3,5 Monaten mühsamen Stillen und 1 Monat Abpumpen dann doch endgültig abgestillt habe, nachdem mir dies von meiner absolut tollen Hebamme nahe gelegt wurde, die sah, dass ich mit der Situation kräftemäßig am Ende war.
Ich war immer der vollen Überzeugung, dass ich stillen möchte, war in einem stillfreundlichen Krankenhaus, wurde von meiner Hebamme unterstützt – aber mein Kind hat trotz all dieser optimalen still-freundlichen Bedingungen von Anfang an schlecht getrunken, nahm nicht ausreichend zu und alle Tricks und Kniffe der Hebamme, einer weiteren Stillberaterin und unzähliger anderer Frauen, die sich gefragt und ungefragt einmischten, halfen einfach nicht. Am Schluss saß ich nächtelang mit dem Kind an der Brust wach, stillte tagsüber stündlich (Dauer jeweils dank des langsamen Saugens des Kindes zwischen 30 und 40 min) und das Kind nahm dennoch nicht zu. Dann hieß es Zufüttern und aus der Flasche trank das Kind deutlich besser als an der Brust, wenn auch immer noch nicht gerne und schnell. Also abpumpen, aber natürlich regelmäßig, damit der Milchfluss erhalten bleibt, teilweise mit brüllendem Kind neben mir, das in der Zeit schlecht auf dem Arm gehalten werden konnte und dessen Schlafzeiten so gut wie nie mit dem Abpumpen übereinstimmten. Wenn ich nicht gerade das Kind fütterte (denn auch das Trinken aus der Flasche war eine mühsame, zeitraubende Angelegenheit), dann pumpte ich ab… Sozialleben Fehlanzeige, das Einkaufen war Highlight des Tages.
Ich bin sehr dankbar, dass es letztlich meine Hebamme war, die dem ganzen ein Ende setzte und mir vermittelte, dass es für mein Kind besser sei, wenn ich abstille und lieber nur mit Pre-Nahrung füttere und dafür mehr Zeit fürs Kind habe und entspannter bin.
Denn ansonsten wurde nur ständig negativ kommentiert, wenn man das Kind mit der Flasche fütterte, wurde man unter Druck gesetzt und verurteilt („Jetzt leg doch nochmal an“, „Jede Frau kann stillen“, „Du willst doch nur einfach nicht stillen, gib es doch zu“, „wahrscheinlich hast du nur zu wenig/falsch gestillt“, „da sind sicher innerliche Blockaden“, „du hast ja keine Globuli genommen, selber schuld“) und es wurde gedroht, welch schlimme Folgen das alles für mein Kind haben würde, von Autismus über Lernbehinderungen bis hin zum Asthmatiker. Und ich als Mutter wäre ja schuld.
Diese ideologische Verbrämung des Stillens geht mir bis heute nach und umso mehr habe ich mich über diesen Artikel hier im Blog gefreut. Danke!

Antworten
Victoria 30. November 2015 - 14:40

„Das ist wie das „Hauptsache dem Kind geht es gut“-Argument, wenn aus der erträumten Spontangeburt in der Badewanne der Kaiserschnitt auf dem OP-Tisch wird. Diese Argumente können den Schmerz nicht einfach wegwischen, den diese Mutter verspürt. Ganz im Gegenteil. Zusätzlich wird sie ihre Gefühle in Frage stellen und sie deshalb wahrscheinlich für sich behalten. “

Danke für diese Sätze!!! Du schreibst mir aus der Seele. Mir ging es sowohl mit dem Kaiserschnitt als auch mit dem Stillen so. Abgestillt habe ich am Ende doch nicht. Nachdem ich beim dritten und letzten Abstillversuch, zu dem ich mich schließlich von Seiten der ratlosen Ärztin und der ebenso ratlosen Hebamme überredet fühlte, zwei Tage und Nächte geweint habe, habe ich gemerkt, dass es so für mich auch keine Lösung war und habe doch noch weiter die Zähne zusammengebissen. Zum „Glück“ landete ich kurz darauf mit einer Brustentzündung im Krankenhaus, wo man nach einigem Herumtesten endlich ein Antibiotikum fand, das mir half. Es ist mir im Nachhinein unerklärlich, wie ich solche Schmerzen neun Wochen lang aushalten konnte. Und ich frage mich, was meine Tochter aus dieser Zeit mitgenommen hat, in der ich sie fast ausschließlich unter Tränen, teilweise tönend und schreiend, gestillt habe und immer nur Angst davon hatte, dass sie wieder aufwacht und Hunger hat.

Aber fast genauso schlimm wie die Schmerzen waren die Kommentare, die veständnislosen Fragen, warum ich nicht stille, wenn ich die Schmerzen nicht mehr ausgehalten und meiner Tochter abgepumpte Milch oder auch Pre mit dem Fläschchen gegeben habe. Oder die Stillberaterin der La Leche Liga, die ich um Rat gefragt hatte und die dann von sich aus immer wieder angerufen und mir „ins Gewissen geredet“ hat, welch gra!vie!ren!de! Folgen es für mein Kind hätte, wenn ich jetzt abstillen würde, das sollte sie mir auch von einer Kollegin ausrichten, mit der sie über mich gesprochen hätte, ich solle lieber Schmerzmittel nehmen, und es sei auch kein Grund zum Abstillen, dass Ibuprofen und Paracetamol die Schmerzen nicht lindern würden, da gebe es schließlich auch noch stärkere Schmerzmittel …

Antworten
Lea 20. November 2015 - 09:32

Ein sehr guter Artikel und auch bei den Kommentaren find ich mich teilweise wieder.
Mein Sohn ist sehr unerwartet 6 Wochen zu früh auf die Welt gekommen und wir hatten von Anfang an sehr große Probleme mit dem Stillen. Heute (2 Jahre später) denke ich, dass es viele Gründe dafür gab. Im Kreissaal hatte niemand so recht Zeit mir richtig zu zeigen, wie ich ihn anlegen soll und am Vormittag (er kam mitten in der Nacht zur Welt) wurde mir plötzlich gesagt, mein Zimmer ist fertig, aber mein Sohn muss leider auf der Intensivstation bleiben. Das war natürlich ein riesen Schock für mich, weil ich ihn die ganze Nacht bei mir hatte und auch davon ausgegangen war, dass alles in Ordnung ist (sonst hätte man sich ja sofort um ihn auf der Intensivstation gekümmert).
Jedenfalls wurde ich zwar jedesmal angerufen, wenn er wach war und ich hab dann auch versucht ihn anzulegen, aber er war einfach recht klein und wollte nicht so recht saugen.
Zum Glück konnte er nach 2 Tagen auf eine Intermediate Station verlegt werden, aber auch da hat das mit dem Stillen nicht so recht geklappt und mir wurden völlig gegensätzliche Dinge von verschiedenen Schwestern gesagt – die eine meinte ich muss auf jedenfall alle 2 Stunden abpumpen, die andere meinte wiederum, es hat keinen Sinn, wenn ich versuche ihn zu stillen und vorher erst abgepumpt habe.
Glücklicherweise durfte ich mit meinem Sohn nach 6 Tagen nach Hause, wo wir dann ziemlich bald auch den Termin beim Kinderarzt für die normalen Kontrollen hatten. Die Ärztin war ganz entsetzt, dass ich nicht voll stille, weil das ja das einzige – vor allem für ein Frühchen – ist. Hat mir die Nummer von einer Stillberaterin gegeben und ich sollte diese kontaktieren, damit das Kind überlebt (so vermittelte sie mir das zumindest). Ich hatte natürlich Angst, dass ich meinem Kind unnötigen Risiken aussetze und habe diese Stillberaterin kontaktiert. 3 endlose Monate voller Tränen und Verzweiflung mit Brusternährungsset, das immer ausgelaufen ist und meine Brüste wund gemacht hat und ein ständiger Kampf beim stillen, später hab ich aufgegeben. Ich konnte einfach nicht mehr. Ich war physisch und psychisch am Ende meiner Kräfte. Von dem Tag, an dem ich beschlossen habe ihm nur mehr die Flasche zu geben, waren wir beide um Welten entspannter und glücklicher.
Im nachhinein finde ich es wirklich FURCHTBAR, dass mich sowohl die Kinderärztin (haben wir gewechselt) als auch die Stillberaterin einfach nur wollten, dass ich stille, ohne dabei darauf zu schauen, wie es mir oder meinem Sohn dabei geht. Jetzt stehe ich kurz vor der Geburt meines zweiten Kindes und muss sagen, ich werde wieder versuchen zu stillen, weil ich es für mich sehr wichtig finde, aber diesmal weiß ich auch, dass ich nicht erst zusammen brechen muss bis ich sage es funktioniert nicht und ich gebe meinem Kind lieber die Flasche.
Ich würde mir wünschen, dass StillberaterInnen auch auf die Psyche der Mutter und die Situation eingehen, denn stillen um jeden Preis durchzuboxen ist für mich unverantwortlich!

Mein Sohn ist übrigens ein aufgewecktes super entwickeltes Kleinkind und ich kann nur allen Raten, wenn es nicht funktioniert, macht euch keine Vorwürfe, davon geht die Welt nicht unter – mein Mann hat es auch immer wieder genossen, dass ER ihn füttern konnte und ich denke, das hat auch die Beziehung zwischen den beiden gestärkt 🙂

Antworten
Sandra 20. November 2015 - 03:08

Wirklich schöner Artikel!
Bei mir kam alles anders als gewünscht, alles so wie es in meinen schlimmsten Vorstellungen von dem Geburtsszenario war. 16 Tage überfällig, Einleitung, 30 Stunden Wehen, um dann doch einen ungewollten und ungeplanten Kaiserschnitt zu bekommen… Zur Geburt sind wir auch zeitgleich umgezogen. Das alles hat meinen Milchfluss doch arg blockiert. Mein Zwerg, der ein sehr großes Baby war und ist, hat erstmal 500 Gramm abgenommen, weil niemand gemerkt hat, wie wenig Milch ich tatsächlich produziere. Nach einem Test nach mehreren Tagen haben die Hebammen entschieden, dass ich abpumpen soll. Da kamen dann von beiden Seiten zusammen grade mal 10 ml zusammen… Irgendwann wurde im Krankenhaus dann doch eingesehen, dass Luft, Liebe und Elektrolyte nicht satt machen und auf echte Milchnahrung umgestellt. Jetzt gebe ich meinem Zwerg eben das Fläschchen. Klar, er wächst und gedeiht hervorragend. Trotzdem bleiben die Schuldgefühle, dass er diese künstliche Nahrung zu sich nehmen muss. Und dieser tolle Satz „Hauptsache das Kind ist gesund“ sticht mir jedes mal ein Messer ins Herz, vor allem im Zusammenhang mit dem Kaiserschnitt. Aber wenn selbst die Frauenärztin solche Allgemeinplätze von sich gibt, hört man irgendwann auf von seinem Schmerz und seiner Frustration zu erzählen, weil es scheinbar nicht mehr wichtig ist…

Antworten
Wenke 19. November 2015 - 23:50

Mein Sohn ist 16 Monate alt und auch wir hatten einen „Stillkampf“. Die Geburt war wunderschön (im Geburtshaus, völlig unkompliziert und superschnell), gleich angelegt, zu Hause so weitergemacht und von Anfang an das Gefühl gehabt, dass da gar nichts kommt. Nach einigen Tagen hat der Kleine so viel an Gewicht verloren, dass wir um das Zufüttern nicht drumrumkamen. Wir versuchten alles Mögliche: abpumpen, Mediatation, kuscheln, Daueranlegen, dann wieder kurze „Mahlzeiten“, bestimmte Nahrungsmittel, Stilltees usw. Es entstand ein Kreislauf aus anlegen mit Brusternährungsset und abpumen. Nach 6 Wochen waren wir alle erledigt und in diesem Zeitraum konnte ich mein neugeborenes Baby kaum genießen. Er kam mit einem geringen Geburtsgewicht auf die Welt, hatte Gelbsucht, magerte ziemlich ab und meldete sich nicht, wenn er Hunger hatte. Der wahre Grund meiner mangelnden Milchproduktion ist aber, dass ich eine Autoimmunerkrankung habe, von der keine wusste. Ich sprach diese Möglichkeit mehrmals an, sowohl gegenüber der Stillberaterin als auch zweier Hebammen. Nichts geschah. Die Gynäkologin wollte mir auch kein Blut abnhemen und mal testen. Das ärgert mich bis heute, denn dann wäre vielleicht noch etwas zu retten gewesen.
Mit der ersten Stillberaterin (La Leche Liga) habe ich schlechte Erfahrungen gemacht: sehr ideologisch, sehr viel Druck und immerzu die Mantras wiederholend, die aber nichts brachten: anlegen,anlegen,anlegen und das Zufüttern ausschleichen. Das ging aber nicht und ich konnte mein Kind ja nicht hungern lassen.
Die zweite Stillberaterin half mir aus meinem Seelentief und vermutete von Beginn an eine „Drüsensache“, da wir wirklich sehr kämpften und ich kaum einen Milcheinschuss hatte.
Ich gab das Brusternährungsset nach 6 Wochen auf und pumpte noch vier Monate ab, zuletzt nur noch 2 mal täglich, aber pro abpumpen kam bis zuletzt immer nur extrem wenig. Ich sammelte die Muttermilch mehrere Tage lang, um eine „Mahlzeit“ zu haben oder gab sie in das Milchpulver.
Ich brauchte sicherlich das komplette erste Lebensjahr, um das Erlebte weitestgehend zu verarbeiten. Belastend war auch die Einstellung meiner Schwiegermutter („Jede Frau kann stillen“ … usw.) und bis heute ist unsere Beziehung nicht wie vorher.
Geholfen hat mir in der Zeit tatsächlich die Aussage, dass die Milchnahrung heutzutage so gut entwickelt ist, vor allem die PRE, dass Kinder damit bestens versorgt sind.

Meine Autoimmunerkrankung (Hashimoto-Syndrom) wird nun behandelt, ich bin so froh, dass ich dem nachging, ein Blutbild machen ließ und immer geglaubt habe, dass es eine körperliche Ursache geben MUSS, bei allem, was wir probiert haben. Und dass ich mich nicht habe abwimmeln lassen, dass sowas ja extrem selten wäre usw.
Der ersten Stillberaterin berichtete ich später von unserem Werdegang, von der Erkrankung. Ich erhielt nie eine Antwort …

Nun bin ich mit unserem 2. Kind schwanger und habe mir vorgenommen, das Stillen lockerer zu sehen. Wenn es mit der Medikamenteneinstellung bei mir schwierig gibt und es wieder nicht klappen sollte, dann haben wir hervorragende Alternativen!

Und von wegen Bequemlichkeit: wenn ein Säugling alle 2 Stunden Hunger hat, ist es sicher nicht bequem, zu jeder Mahlzeit das Fläschchen zuzubereiten, alles zu reinigen, desinfizieren, die nächste Flasche schon mal vorzubereiten und alle Utensilien plus Wasser (warm und kalt) überallhin mitzunehmen.

Wenke

PS: Hier in Berlin-Kreuzberg ist es mir sehr anfangs schwer gefallen, öffentlich Fläschchen zu geben. So geht es vielen Frauen.

Antworten
elli 19. November 2015 - 19:50

Liebe Anja,
ich danke dir für diesen sensibel formulierten Artikel.
Worauf ich aber aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen hinweisen möchte, ist, dass ich durch den Übereifer der stillenden Mütter viel mehr verunsichert wurde, als durch Menschen, die mir Flaschennahrung schön geredet hätten. Ja ich hätte mir manchmal wirklich jemanden gewünscht, der mir gesagt hätte: „Ist doch kein Stress da jetzt mal zuzufüttern.“
Meine Hebamme wollte mich auf sanftem Wege zum Zufüttern bringen, um mich zu schützen, dafür bin ich ihr sehr dankbar. Aber wenn von außen nur ein „Das wird dir nur eingeredet, dass zu wenig Milch da ist.“ und eine Litanei an Flüchen über Säuglingsmilch aus der Packung zu hören ist, wird es für eine Erstlingsmama schwierig, die Ohren offen zu halten.
Von hormonellem Nasenspray, über Globuli und chinesische Kräuter, Ernährungsumstellung bis hin zu Daueranlegen hatte ich alles durch und war dann physisch wie psychisch am Ende.
Ich würde mir wünschen, dass sich langsam wieder eine Balance entwickelt. Meinem Geschmack nach wird dem Zufüttern und der Fertignahrung nämlich ein zu schlechtes Image aufgedrückt. Ich hatte solche Panik, ein übergewichtiges, dummes Allergikerkind großziehen zu müssen – und sind wir ehrlich, das hängt ja von ganz anderen Faktoren ab, die auch das „Drumherum“ zum Stillen bedingen. Nämlich die Fütterung nach Bedarf, welche auch teilweise gestillte Kinder bekommen können.
Ich fühle mich sehr angegriffen von Dingen,die ich diesbezüglich höre, wo von rezeptpflichtiger Säuglingsnahrung und „Bequemlichkeit“ die Rede ist. Die Entscheidung, nicht voll zu stillen, war für mich alles andere als bequem. Sie hat, wie du sehr richtig sagts, ziemlich weh getan und bis ich den Weg der Dinge 100%ig akzeptieren kann, dauert es noch.
Froh war ich, wenigstens ein Brusternährungsset von meiner Hebamme ans Herz gelegt bekommen zu haben (im wahrsten Sinne des Wortes). Vielleicht wäre das für viele Mamas, die nicht stillen können, eine gute Möglichkeit, um den Schmerz ein wenig milder zu gestalten.
Danke für deine Worte – nicht nur bei diesem Artikel, sondern generell.

Antworten
Anja 19. November 2015 - 14:52

Liebe Rosalie,

sind Deine Fragen an mich gestellt oder generell an alle Hebammen und Stillberaterinnen? Ich kann hier natürlich nicht für alle sprechen, aber versuche mal zu antworten. Stillen hat keine Vorteile, aber es ist die von Natur aus vorgesehene Ernährung für Babys, weshalb das Nichtstillen gesundheitliche Nachteile haben kann. Dazu gibt es ausreichend viele Studien. Somit ist Muttermilch sicherlich die bestmögliche Nahrung für ein Baby. Auch der Saugvorgang selbst hat gesundheitliche positive Auswirkungen. Ob das Stillen selbst allerdings das Beste für ein Baby ist, hängt sicherlich auch sehr davon ab, wie es der Mutter damit geht. Mit großem inneren Widerstand zu stillen ist sicher nicht die bessere Wahl gegenüber der liebevollen Flaschenfütterung. Mütter, die unter Beschwerden weiter stillen, erhoffen sich natürlich eine möglichst rasche Besserung der Situation und „halten deshalb durch“. Wenn dies nicht eintritt, muss man neu überlegen, was alltagskompatibel ist.So steht es ja auch in meinem Artikel.
Was genau meinst Du mit „Auseinandersetzung mit der eigenen Zunft“? Bezieht sich das auf die fachliche Ausbildung? Da gibt es durchaus große Unterschiede und ich kann primär nur für die Weiterbildung zur Still-und Lakatationsberaterin IBCLC sprechen. Voraussetzung dafür ist ein medizinischer Grundberuf. Für die Stillberaterinnen-Weiterbildung der La Leche Liga ist das zum Beispiel nicht die Voraussetzung, aber man muss eigene Stillerfahrung mitbringen (als IBCLC nicht).
Die Inhalte für die IBCLC-Ausbildung findest Du hier: http://www.stillen.de/zusatzqualifikation-ibclc/
Die Betreuung nicht stillender Familien ist bereits im ersten Grundlagen-Seminar Thema. Ich habe die Inhalte nicht als dogmatisch vermittelt erlebt und im Fokus stehen immer die individuellen Entscheidungen von Mutter und Kind. Ziel einer Beratung ist also nicht immer das Vollstillen, sondern eine Lösung, mit der es der ganzen Familie gut geht.
Es tut mir leid zu hören, dass Du da leider sehr negative Erfahrungen mit Stillberaterinnen machen musstest.
Zu Deiner letzten Frage: ich kenne recht viele Kolleginnen in allen möglichen Fachbereichen, die sich sehr für die Belange der Mütter interessieren und auch einsetzen. Aber sicherlich gibt es nicht genug, wie ich auch an der zunehmen Anzahl von Anfragen von verunsicherten Frauen merke 🙁
Ich hoffe, ich konnte ein paar Deiner Fragen klären.

Liebe Grüße,

Anja

Antworten
Sera 19. November 2015 - 13:33

Ich habe es bei beiden Kinder nicht geschafft, zu stillen und kämpfe noch immer mit Depressionen deshalb. Das Verständnis dafür ist gelinde gesagt gleich null von außen, wenn ich mal meine Freundin und meinen Mann rausrechne. War auch nicht so bei mir, dass es mit Flasche entspannter oder einfacher gewesen wäre, würde fast meinen das Gegenteil der Fall. Meine Kinder hätten am liebsten nicht getrunken, wenn es nach ihnen gegangen wäre. Beikost war gelinde gesagt Folter. Mittlerweile isst die Große normal, die Kleine ist untergewichtig und isst wenig. Von der Kinderärztin wurde das aber nie als problematisch eingestuft und ich hab jetzt endlich durchgeboxt, dass sie demnächst wenigstens mal den Stoffwechsel genauer anguckt. Entspannung sieht anders aus. Aber trotzdem: Meine Kinder sind wundervoll und intelligent und kreativ und hübsch! Das weiß ich wirklich zu schätzen!

Antworten
Kristina 19. November 2015 - 13:32

Vielen Dank für diesen Artikel!

Das ich stille war für mich gar keine Frage. Aber das Leben hatte einen anderen Plan. Mein Sohn kam mit doppelseitiger Lippen-Kieferspalte zur Welt – stillen nahezu unmöglich.

Ich habe dann abgepumpt, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass Muttermilch gut für den Kleinen ist und das ich vielleicht nach der OP noch stillen kann. Mit 5 Monaten wurde die Lippe verschlossen. Nach der OP habe ich es mit Hilfe meiner Hebamme und Brusternährungsset nochmal versucht. Aber mein Sohn wollte nicht. Ich musste das akzeptieren. Meine Hebamme hat dann gesagt, mein Wille könnte noch so groß sein, wenn das Kind nicht will wird es nichts. Ich habe dann noch 2 Monate abgepumpt.

Einer der besten Tage im letzten Jahr war, als ich die Pumpe abgegeben habe. Ich fühlte mich befreit und vieles wurde wieder leichter.
Ich glaube für meinen Sohn war es das Beste aber für mich war es einfach nur belastend. Bei einem 2. Kind würde ich nochmal versuchen zu stillen aber wenn es nicht klappen würde, würde ich mich schneller von meinem Wunsch verabschieden.

Antworten
Maria 19. November 2015 - 12:12

Vergebliche Stillmühen können dann offenbar auch ins Gegenteil umschlagen.

Was mich da bei einer Freundin geärgert hat, die nach vielen Versuchen das Stillen aufgegeben hat, ist, dass sie dann gleich so demonstrativ die Seiten gewechselt hat.

Irgendwelche Bemerkungen über die „Stillmuttis, die ihre Möpse überall raushängen lassen“ war für sie wahrscheinlich sehr wichtige Seelenhygiene, aber mich als genau solche Stillmutti hat das sehr getroffen.

Antworten
sb 19. November 2015 - 10:55

Bei mir hat das stillen nicht geklappt, warum weiß ich nicht. Ich habe es aber auch nicht lange probiert, trotz Unterstützung der Stillberaterin, sondern dann auf abpumpen und mit Fläschchen füttern umgestellt. Denn der Kampf und Krampf hat mich genervt. Mit Fläschchen war es entspannt, das Kind zufrieden und eben kein Kampf. Wir haben sie knapp 5 Monate nur mit Muttermilch gefüttert, bis sie 10 Monate alt war hat sie noch teilweise Muttermilch bekommen. Da ich früh wieder gearbeitet habe und mein Mann zu Hause war, hätte sie eh lernen müssen, aus der Flasche zu trinken.

Antworten
lisa 19. November 2015 - 09:56

hallo!
welch wahre worte!!!
ich kann so gut verstehen wie man sich in dieser situation fühlt! meine kleine prinzessin und ich hatten wegen ihrer infektion nach der geburt (die eine stationäre Behandlung notwendig machte) auch einen schwierigen Start…. meine flachen brustwarzen und dieser ganze krankenhaustrott in dem sich auch niemand wirklich zeit für uns und unsere bedürfnisse nehmen konnte, waren nicht förderlich.
hatte ich nicht zufällig die nummer von ursula bekommen und nicht so viele aufmunternde worte von meinem mann bekommen,wäre ich echt verzweifelt. dauernd nur abpumpen und mit stillhütchen umständlich herumtun… das frustriert und macht so traurig. genauso wie das unverständnis von anderen, warum man denn deswegen so leidet. von meiner mutter habe ich ständig nur gehört,dass ich dem armen kind doch die flasche geben solll. und ich würde sie mit meinem sturen festhalten am stillen quälen.
auf jeden fall konnte ursula uns helfen. in wien gibt es so ein tolles programm, bei dem vom magistrat hebammen und stillberaterinnen beschäftigt werden. diese frauen (ursula ist eine) machen trotzdem hausbesuche und nach 7 wochen hat es funktioniert! marianne ist jetzt 7 monate alt vor 2 wochen nun mit blw angefangen…. ich bin froh das es geklappt hat. aber hätte ich ursula nicht gehabt hätte ich wohl auch irgendwann das handtuch geworfen. vor allem so kommentare wie oben erwähnt, schmerzen und frustrieren… ich weis nach das ich beim ersten treffen mit ursula ein gfühlte ewigkeit einfach mal nur geheult habe….

aber jetzt ist alles gut!

Antworten
Jenny 22. November 2015 - 09:31

Hallo

Ich stille meine Tochter seit 11 Wochen voll, allerdings immer unter Schmerzen. War schon bei 3 Stillberaterinnen und bei 4 Ärzten. Keiner konnte mir bis jetzt helfen. Da ich auch in Wien wohne, wollte ich fragen ob du mir den Kontakt zu Ursula geben könntest? Ich möchte nur ungern abstillen, glaube aber nicht, dass ich noch lang durchhalten kann 🙁

Wäre die sehr dankbar.
LG Jenny

Antworten
Mama Blume 19. November 2015 - 09:31

Danke <3
Fies sind auch Aussagen wie "Du hast Dir nicht genug Mühe gegeben!" oder auch gut gemeinte Ratschläge wie "..sich den ganzen Tag nackt mit dem Baby ins Bett legen…!" Das klappt im Alltag aber eben auch nicht immer unbedingt, wenn noch ein Geschwisterkind versorgt werden will oder man kaum noch was zum Anziehen hat weil alles vom Baby vollgespuckt vor der Waschmaschine liegt :'(

Ich hab lange mit mir gerungen und immer wieder vorallem Schmerzen beim Anlegen gehabt, der zwar dann schnell nachliess aber eben für einige Sekunden so stark war, dass ich mich immer wieder verkrampft hatte… ich hätt meine Tochter so gern problemlos gestillt aber viele kleine Schwierigkeiten summierten sich zu einer großen und so hab ich nach 4 Monaten abgestillt… bzw. aufgehört mit dem Abpumpen. Denn aufgrund einer Saugschwäche und einer Gelbsucht hatte mein Baby nie "gelernt", richtig an der Brust zu trinken. Ich tröste mich damit, dass sie wenigstens 4 Monate lang Muttermilch bekommen hat, wenn auch sie locker die Hälfte grundsätzlich wieder ausgespuckt hatte. Dann hab ich mich auch mit dem Spruch "Speikinder sind Gedeihkinder" getröstet und zudem versucht zu überhören, was andere Supermamis von sich gaben…

Die kleine Maus ist jetzt fast 11 Monate alt und wächst und gedeiht hervorragend. Zumindest der Speikinderspruch trifft voll und ganz auf sie zu 😉 In stillen Momenten aber schleicht sich trotzdem ein wenig Trauer herein.. es hätt so schön sein können… Und obwohl sie nur selten von der Brust sondern die Muttermilch aus der Flasche getrunken hatte (Durfte ich mir auch schon Vorwürfe zu anhören 🙁 ) hab ich das Gefühl, dass das Verhältnis zwischen meiner Tochter und mir sehr eng ist <3

Antworten

Kommentieren