Stillen, Brustwarzen, wunde

Viel hilft nicht immer viel bei wunden Brustwarzen

von Anja

Dies ist der dritte Beitrag in unserer Reihe „Stillen ist bunt“ (alle weiteren findet ihr gesammelt hier), in dem Tabea aus dem Schwarzwald ihre Stillgeschichte erzählt. Tabea ist 30 Jahre alt und wohnt gemeinsam mit ihrem Freund und ihrer Tochter Ella im Schwarzwald. Beide sind berufstätig. Tabea arbeitet aktuell 20 Stunden pro Woche als Ingenieurin in einem Unternehmen für Medizintechnik. Ella ist gerade zwei Jahre alt geworden. Sie besucht vormittags die Kita in ihrem Wohnort, seitdem sie 15 Monate alt ist. „Dort gefällt es ihr sehr gut, sie freut sich jeden Tag auf die anderen Kinder“, schreibt Tabea.

Ihre Stillgeschichte ist auch eine von wunden oder und verletzten Brustwarzen. Beides tritt häufig am Beginn der Stillzeit auf. Oft bekommen Mütter dann etliche zum Teil auch widersprüchliche Tipps zur Pflege und Heilung der Brustwarzen. Da aber häufig nicht nach der Ursache geschaut wird, helfen diese meist nur bedingt oder die Beschwerden werden sogar schlimmer. Tabea hat das eindrucksvoll erlebt. Wie der erschwerte Start trotzdem zu einer schönen und langen Stillzeit führte, erzählt sie an dieser Stelle.

Die Geburt hätte nicht schöner ablaufen können

Was hast du vor deiner Schwangerschaft über das Stillen gedacht bzw. welche Erfahrungen mit dem Thema gemacht?
Vor meiner Schwangerschaft hatte ich die Vorstellung, dass das Stillen „einfach so“ von ganz alleine funktioniert – und das von Anfang an. Im Grunde funktioniert es wunderbarerweise auch „einfach so“, mit den anfänglichen Schwierigkeiten und Schmerzen hatte ich jedoch nicht gerechnet. Meine beiden Geschwister und ich wurden alle jeweils knapp ein Jahr gestillt. Im engeren Familien- und Freundeskreis hatte ich vor meiner Schwangerschaft kaum direkte Berührungspunkte mit dem Thema Stillen

Wie hast du dich vor der Geburt über das Thema informiert? Gab es Wünsche und Vorstellungen in Bezug auf die vor euch liegende Stillzeit?
Vor der Geburt sprach ich vor allem mit meiner Mutter über das Stillen. Sie stillte sehr gerne und vermittelte mir stets ein positives Beispiel. Die Stilldauer von einem Jahr galt in meiner Kindheit anscheinend als lange. Zur damaligen Zeit bestand meine Mutter im Krankenhaus auf das (ausschließliche) Stillen, damit nicht einfach zugefüttert wurde, speziell nach der Geburt meiner älteren Schwester per Kaiserschnitt. Damals gab es offensichtlich noch nicht so viele stillfreundliche Krankenhäuser wie heute. Ich wünschte mir einfach, dass das Stillen bei uns auch funktionierte. Wenn nicht, wäre es auch nicht schlimm, aber ehrlich gesagt hatte ich keine Vorstellung davon, was „nicht funktionieren“ beim Stillen überhaupt bedeuten sollte.

Wie verlief der Stillstart und wie ging es dir und Deinem Baby dabei? Welchen Einfluss hatte die Geburt auf eure ersten Stillmomente?
Der Stillstart verlief ganz okay, ich konnte unsere Tochter nach der Geburt direkt im Kreißsaal das erste Mal angelegen. Sie trank von Anfang an sehr gut und benötigte kaum Unterstützung. Die Geburt verlief spontan, zügig und ohne Interventionen. Unsere Tochter kam neun Tage nach dem errechneten Entbindungstermin zur Welt, am zehnten Tag wäre eingeleitet worden. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass die Geburt nicht schöner hätte ablaufen können und ich diese Erfahrung sehr wertschätze.

Viel zu viel Milch

Am liebsten hätte unsere Tochter die ganze zweite Nacht durchgestillt. Sie schrie am zweiten Tag viel vor Hunger und wurde schließlich einmal mit dem Becher zugefüttert. Diese Entscheidung traf ich zusammen mit der betreuenden Hebamme, im Nachhinein würde ich diese Entscheidung jedoch anders treffen. Der Milcheinschuss kam am dritten Tag. Bis dahin waren meine Brustwarzen bereits sehr wund und blutig. Ich vermute, dass dies vom anfänglich nicht ganz korrekten Anlegen kam.

Jede Hebamme gab mir andere Tipps und Anweisungen. Das Personal war stets freundlich und bemüht zu helfen. Die Klinik, in der ich entbunden habe, gilt als stillfreundlich und bietet Stillberatung an. Eine Stillberatung nahm ich jedoch nicht in Anspruch, auf die Idee kam ich gar nicht. Schließlich stillte ich mit Stillhütchen und pumpte zwischendurch ab, da die Schmerzen trotz Schmerztabletten und die blutigen Stellen trotz Salben und Kompressen nicht besser wurden. Die abgepumpte Milch bekam unsere Tochter zusätzlich mit dem Becher.

Nach dem Milcheinschuss hatte ich viel zu viel Milch. Beim Stillen lief die Milch auf der anderen Seite immer mit. Später ging ich dazu über, beim Stillen an der anderen Seite eine gefaltete Mullwindel unter das T-Shirt zu stecken, da jede Stilleinlage sofort komplett durchnässt war. Das ging übrigens knapp eineinhalb Jahre so. Nach dreieinhalb Tagen verließ ich das Krankenhaus mit Stillhütchen. Die andere Wöchnerin im Doppelzimmer bekam ständig Besuch, den ganzen Tag lang. Das empfand ich als sehr anstrengend. Ich freute mich auf zu Hause.

Unsere Tochter sah aus wie ein blutverschmierter Vampir

Wie lief das Stillen im Wochenbett? Hattest du in dieser Zeit Unterstützung?
Zu Hause wurde ich im Wochenbett von einer sehr lieben Nachsorgehebamme betreut, die auch Stillberaterin ist. Sie unterstützte mich super. Das Stillen ging holprig und schmerzhaft weiter. Die eine Seite heilte mit Stillhütchen gut ab, die andere Seite wollte einfach nicht heilen. Es blutete immer wieder. Ich hatte einen großen Längsriss in der Brustwarze. Unsere Tochter sah aus wie ein blutverschmierter Vampir, wenn sie Milch getrunken hatte. Nach allen möglichen weiteren Salben und Hilfsmitteln pumpte ich die wunde Seite eine Woche lang ausschließlich ab. Unsere Tochter trank die abgepumpte Milch mit der Flasche problemlos.

Nachdem die blutige Seite etwas zugeheilt war, legte ich unsere Tochter ab und zu wieder an dieser Seite an. Ab einem gewissen Zeitpunkt ließ ich alle Hilfsmittel wie Stillhütchen und Salben weg und stillte „einfach“. Dann wurde es gut. Die Schmerzen verflogen mit der Zeit, die blutigen Stellen waren passé. Am Ende behandelte ich die Wunden mit Heilwolle. Das war das einzige Hilfsmittel, das ich noch eine Zeit lang verwendete. Drei Wochen nach der Geburt stillte ich schmerzfrei und ohne Hilfsmittel, ganz nach Bedarf. In der ganzen Anfangszeit hatte ich nie den Gedanken, damit aufzuhören.

Wer war bei Fragen oder Problemen in der Stillzeit für Dich da? Wer oder was hat Dir besonders gut bei etwaigen Schwierigkeiten geholfen?
In der Stillzeit war stets meine Nachsorgehebamme für mich da. Ich konnte sie immer fragen, wenn ich Probleme hatte. In den ersten drei Monaten wurde ich zwei- oder dreimal von einem Milchstau heimgesucht, später noch einmal nach neun Monaten.

14 Monate war Muttermilch ihre Hauptnahrungsquelle

Wie verlief der Beikostbeginn? Welche Erwartungen gab es? Und wie hat sich das Stillen in dieser Zeit verändert?
Der Beikostbeginn verlief bei unserer Tochter sehr entspannt. Mit knapp 5,5 Monaten bekundete sie das erste Mal Interesse an einer Banane, die ich aß. Daraufhin aß sie bei uns mit, was sie wollte und konnte (ausgenommen stark gesalzene oder gezuckerte Speisen und verschluckgefährliche Speisen wie Nüsse). Anfangs war das natürlich wenig und nicht sättigend. Daher stillte ich sie weiter nach Bedarf. Ich führte die Beikost nicht über Brei ein.

Vielleicht war es „Faulheit“, Extra-Mahlzeiten zuzubereiten. Es war einfach schön zu sehen, wie sich unsere Tochter am sozialen Miteinander am Esstisch beteiligte und mitaß. Wir konnten immer gemeinsam und gleichzeitig essen. Anfangs saß sie häufig auf dem Schoß, mit knapp zehn Monaten, als sie selbstständig sitzen konnte, im Hochstuhl. Wenn sie nach dem Essen noch hungrig war, stillte ich sie. Ich würde sagen, bis etwa zwölf bis 14 Monate war Muttermilch ihre Hauptnahrungsquelle.

Wie verlief der Abstillprozess bzw. welche Wünsche oder Vorstellungen hast du in Bezug auf diese Zeit?
Mehrfach habe ich darüber nachgedacht, wie das Abstillen wohl sein wird. Unsere Tochter wird noch gestillt, aber nur noch ein- oder zweimal pro Tag, morgens direkt nach dem Aufwachen und abends zum Einschlafen. Mittlerweile schläft sie jedoch nicht mehr dabei ein. Die Stillfrequenz ging mit circa 14 Monaten erheblich nach unten. Mit 21 Monaten schlief sie nachts zwölf Stunden durch und benötigt seitdem keine nächtlichen Stillmahlzeiten mehr.

Da der Stillstart etwas holprig war, habe ich mich häufig gefragt, warum ich denn nach der landläufigen Meinung so bald abstillen soll? Jetzt funktioniert es endlich problemlos, warum jetzt Stress damit haben, dass man abstillt? Nein, in dieser Hinsicht werde ich nichts aktiv tun. Man merkt, dass es von selbst immer mehr abnimmt und andere Dinge an Bedeutung gewinnen. Ich lasse es laufen, so lange es uns gut damit geht.

Was war oder ist das Schönste für dich am Stillen?
Das Schönste am Stillen ist, dass es so unglaublich praktisch und entspannend für Mutter und Kind ist. Es sorgt für kleine Auszeiten am Tag und stärkt die Bindung.

Weder Kita noch Arbeiten sind ein Abstillgrund

Was war am schwersten oder belastendsten für dich in der Stillzeit?
Natürlich ist man als Frau häufig diejenige, die das Kind zum Schlafen bringt, wenn man stillt. Da unsere Tochter bereits als Baby die Muttermilch auch aus der Flasche trank, war es bei ausreichendem Vorrat im Kühl- oder Gefrierschrank jedoch nie ein Problem, dass ich einige Stunden nicht da war, auch abends. Seit der Geburt gehe ich einmal pro Woche abends zum Yoga. Währenddessen kümmert sich mein Freund um die Kleine und bringt sie ins Bett. Seitdem unsere Tochter knapp zwölf Monate als ist, trinkt sie auch Kuhmilch, wenn ich nicht da bin. Zu meinem Glück erlebte ich nie negative oder ablehnende Reaktionen beim Stillen. Mir wurde stets Toleranz und Offenheit entgegengebracht. Das ist bestimmt keine Selbstverständlichkeit.

Was würdest du in einer weiteren Stillzeit anders machen? Was ist deine wichtigste Erkenntnis in Bezug auf das Stillen, die du anderen Müttern weitergeben würdest?
In einer weiteren Stillzeit würde ich nichts anders machen. Die wichtigste Erkenntnis, die ich über das Stillen durch meine Erfahrung gewonnen habe, ist, dass weder Kita noch Arbeiten einen definitiven Abstillgrund darstellen. Jede Art von Stress ist nicht zuträglich für das Stillen. Heilwolle hilft. Gute und fachgerechte Begleitung während der Stillzeit ist Gold wert. Nichts muss, alles kann.

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