Wenn Hebammen Kinder kriegen: Cordula

von Anja

Cordula ist seit 2006 Hebamme und arbeitet seitdem freiberuflich im Kreißsaal einer Level-1-Klinik sowie im Bereich der Schwangerenvorsorge und Wochenbettbetreuung. Außerdem gibt sie Kurse für Schwangere und Mütter. Bei der Geburt ihres ersten Kindes war sie 27 Jahre alt. Ihre Tochter kam bei einer schönen Geburt zu Hause zur Welt, der sich leider eine schwierige Wochenbettzeit mit großen Stillproblemen anschloss.

Mein Mann und ich kamen gerade von unserer Hochzeitsreise auf St. Lucia zurück. Für uns war seit knapp drei Monaten klar: Wir wollen hibbeln – ohne Druck, ohne Zwang. Als wir am letzten Urlaubstag am Auspacken waren, fragte er mich, wann ich denn wieder meine Periode bekommen sollte. Ich schaute nach und meinte: „Eigentlich heute, aber ich denke, das verschiebt sich durch den Urlaub etwas.“ Dann wollte er wissen, ab wann man denn einen Schwangerschaftstest machen könnte – auch diese Frage konnte ich ihm mit einem Blick auf die Anleitung beantworten: ab dem Tag der Fälligkeit. Er drängte förmlich drauf, dass wir testen sollten. Schon halb genervt willigte ich ein und schon nach wenigen Minuten war da ein Streifen zu sehen. Auch beim zweiten und dritten Test. Ich wollte es gar nicht glauben. Wir haben dann aus lauter Freude beschlossen, unsere Wunschhebamme anzurufen, eine Kollegin, die auch eine Hausgeburt betreuen würde, um zu fragen, ob sie denn da überhaupt da wäre. Gesagt, getan – alles gut.

Dann begannen die Blutungen – regelmäßig alle paar Wochen – zum Zeitpunkt der eigentlichen Regelblutung. Die erste empfand ich als relativ stark in diesem Moment und ich war sehr sehr genervt, dass man in der Frauenarztpraxis noch warten musste. Dieser psychische Druck, den man hat, diese Angst, dass alles verkehrt läuft, dass es nicht sein kann. Natürlich wusste ich, dass das oft vorkommt, dass man sich schonen muss und auch, dass man nicht wirklich was in den Wochen machen kann. Doch diese Warterei auf die Hoffnung, dass alles gut ist – das war furchtbar und würde ich niemanden zumuten wollen. Aber das ist oft leider deren Geschäft.

Zum Ultraschall in der 10. SSW ging auch mein Mann mit – wir hatten uns lange schon vor einer Schwangerschaft über die Untersuchungen unterhalten. Für uns war klar: Wir nehmen unser Kind so wie es ist und werden keine weiterführenden Untersuchungen machen lassen. Schon zu Beginn der Schwangerschaft fühlten wir uns in der Praxis nicht sehr gut aufgehoben. Mehrfach wurden wir auf die IGEL-Leistungen angesprochen und das man bei mir wegen meinem Übergewicht stark auf eine Schwangerschaftsvergiftung aufpassen muss. Ok – trotzdem – Vorsorge im Wechsel – ich weiß die Symptome.

Also wieder Panik

Um die 16. SSW hörten dann endlich die Blutungen auf und schon kurze Zeit später durfte ich die Schmetterlinge im Bauch spüren wie kleine Blubberbläschen. Jede Vorsorge zu Hause war eine Wohltat, die bei jedem Besuch beim Frauenarzt wieder zunichte gemacht wurde.

Dann der zweite große Ultraschall: Die Ärztin meinte, dass man unbedingt die Versorgung des Kindes kontrollieren müsste, wegen meines erhöhten Risikos der Schwangerschaftsvergiftung. Es gab keinerlei Symptome und bei der Abrechnung (ich war damals privat versichert), kam im Nachhinein der Verdacht auf, dass es nur um Geldmacherei ging. Auch konnte sie nicht garantieren, dass man durch meine Fettleibigkeit in der Woche alles gut einsehen kann. Dies war jedoch (oh Wunder) bestens möglich, doch ein Doppler-Wert von mir nicht. Also wieder Panik. Da ich relativ wenig mit den Grenzen der Dopplerwerte zu tun habe, habe ich dann unseren Oberarzt im Krankenhaus gefragt. Er erzählte mir, dass dies in der 20. SSW absolut normal wäre und er würde diese Untersuchung in dieser Woche nicht verstehen.

Also war ich wieder etwas beruhigt und es war klar: Wenn in der 30. Woche beim Ultraschall alles gut ist, dann gibt es noch Vorsorge bei der Hebamme meines Vertrauens. Bis dahin „musste“ ich laut Praxis auch den Glukosetoleranztest machen, auf den es mir mehrere Tage sehr schlecht ging mit dem Kreißlauf. Der nächste Ultraschall war absolut in Ordnung und ich stand erhobenen Hauptes da und habe alle Termine abgesagt. Die Ärztin war sprachlos und ich glücklich. Endlich konnte ich die Zeit genießen.

Dachte ich. Denn kurz darauf begannen wahnsinnige Symphysenschmerzen und Kreuzbeinblockaden. Jedes Drehen und jeder Treppenschritt war eine Qual – und doch hielt ich jeden Tag durch. Ich habe oft sehr geflucht und geheult, dass es endlich losgehen möge, doch die Gewissheit trieb mich jeden Tag weiter, dass ich somit eine mögliche Hausgeburt, auf die wir uns auch mit vorbereitet hatten, verspielte. Ebenso schreckte mich eine Einleitung ab.

Eine Stunde keine Wehe mehr – verdammt

13. Dezember 2009: 

In den Abendstunden begann ein leichtes Ziehen im Rücken- und Kreuzbeinbereich. So wie die meisten es vielleicht auch von der Periode her kennen. Das Ziehen war ziemlich unregelmäßig und nicht wirklich schlimm. Ich habe mir dabei auch gar nichts gedacht, weil ich das ja schon immer wieder hatte. 
So gegen 23 Uhr bin ich dann ab ins Bett. Vorher wollte ich aber nochmal die Blase leeren, denn das Aufstehen war ja auch nicht mehr so leicht mittlerweile. Tja – und da war doch etwas Schleim an dem Toilettenpapier. Ich konnte es gar nicht glauben. Also nochmal: Und es war immer noch da. Da dachte ich mir dann: „Naja, muss ja nix heißen!“. Schlafen konnte ich trotzdem erst mal vor lauter Aufregung nicht, nur dösen. Das Ziehen war vorwiegend beim Aufstehen und Drehen da. Gegen zwei Uhr nachts bin ich dann auch endlich eingeschlafen. 



14. Dezember 2009: 

Um sieben Uhr morgens bin ich aufgewacht, weil ich nicht mehr liegen konnte. Wollte ja eh zur Akupunktur, zu meiner Kollegin. Irgendwie war das Ziehen doch wieder oder immer noch da. Auf die Uhr geschaut: alle fünf bis zehn Minuten. Um 7.30 Uhr habe ich dann meinen Schatz aufgeweckt (weil er mich fahren durfte) und das Ziehen wurde immer häufiger – regelmäßig alle fünf Minuten. Ich habe erst mal meine Kollegin Beatrice angerufen und gesagt, dass es mir zu heikel sei, da jetzt noch geburtseinleitend drauf zu akupunktieren. Sie sagte: „Ich rufe dich nochmal nachmittags an, wenn ich vom Geburtstag meines Opas heimfahre. Da könnte ich dann ja noch vorbeikommen!“.

Danach hatte ich erst mal eine Stunde keine Wehe mehr – verdammt. Naja, ich habe trotzdem mal meine Geburtshebamme Marie informiert – und sie baute doch fast vor „Schreck“ noch einen Unfall. Ich habe dann noch restliche Sachen hergerichtet bzw. gebügelt. Das Ziehen war wieder regelmäßig, aber nicht wirklich schmerzhaft. Die Wärmeflasche war mein Freund und alles war gut. Gegen Mittag kam dann noch der Handwerker, um unsere Heizung zu reparieren und später noch meine Kollegin zum Akupunktieren. Es war immer noch total entspannt. Außer dem bißchen Ziehen alle paar Minuten und dem zunehmenden Druck. Ich war da noch total relaxed.


Wehen habe ich keine gespürt, nur den Druck vom Kopf meiner Tochter

Dann ging es Schlag auf Schlag. Um 14 Uhr war die Kollegin gegangen nach der Akupunktur, um 
14.10 Uhr der Handwerker. Um 14.12 Uhr hat Marie angerufen, wollte gern wissen, ob die Akupunktur überhaupt was bringt und ob sie mal zum Untersuchen kommen soll. Während des Telefonats ging irgendwas ab – ob Fruchtwasser oder Schleimpfropf, weiß ich nicht. Ich sagte meinem Freund, dass er ihr das am Telefon sagen soll. Okay, Marie machte sich auf den Weg.

 Um 14.15 Uhr hatte ich auf dem auf dem Weg zur Toilette den Blasensprung – igitt, wie das lief.

Ich rief erstmal nach meinem Mann und wies ihn an, was er mir bringen sollte: frische Klamotten und Binden. Da war er total süß und super nervös – ein Bild für die Götter. 

Marie war dann um 14.30 Uhr da und untersuchte mich vaginal: Der Muttermund war zwei Zentimeter geöffnet und weit hinten gelegen. Der Kopf war schon recht tief. „Oha, da geht noch was“, dachte ich mir. Wehen habe ich keine mehr gespürt nach dem Blasensprung, nur noch Druck.

Ich versuchte, eine Position zu finden, in der es einigermaßen zum Aushalten war. Von der Couch auf den Boden in den Vierfüßler über den Ball wieder hoch auf den Ball. Eine Stunde lang. Der Druck war die Hölle. Um circa 15.30 Uhr hat Marie nochmal untersucht: drei Zentimeter. „Oh je…“, dachte ich mir. Also ab in den Geburtspool. Dort wurde es zwar etwas entspannter, aber der Druck dafür immer heftiger und ich hatte kaum mehr Pausen. Wehen habe ich keine gespürt, nur den Druck vom Kopf meiner Tochter – und der stieg immer so rasant an, dass ich mich gar nicht drauf einstellen konnte. Was habe ich (auch mit ihr – ich hoffe sie wird es mir verzeihen) geschimpft. Irgendwann konnte ich nicht mehr, weil es echt zu heftig war und ich habe gesagt: „Ich will in die Klinik, ich kann nicht mehr, ich will, dass es aufhört!“.

Nochmals eine vaginale Untersuchung gegen 17.30 Uhr, vor der eventuellen Verlegung. Marie untersuchte und untersuchte. Ich war schon halb am Austicken, als sie sagte: „Sorry, dass ich so lang gebraucht habe. Aber ich war mir erst nicht sicher. Du bist bei acht Zentimetern!“ Ich rief: „Verarsch mich net – ich muss drücken!!!“ Im Nachhinein wunderte mich mein Verhalten da nicht mehr, es passte so typisch in diese Geburtsphase.

„Waaas? Du als Profi stillst nicht?“

Ich musste aufs Klo. Ich rappelte mich auf, hatte noch Marie fast auf die Seite geschoben und erst mal auf dem Klo gepresst (so gefühlte 15 Wehen). Dann bin ich wieder zurück, damit wir die Herztöne hören konnten. Unser Bad ist megaklein und für drei Leute echt nicht gebaut. Wir schauten noch mal, wo meine Tochter auf dem Geburtsweg ist. Da war sie schon in der Beckenmitte. Marie wollte noch ins Wohnzimmer zurück, weil da ja alles vorbereitet und aufgeheizt war. Aber ich hab gesagt: „Mich bringt hier jetzt keiner mehr weg.“ Und ab dem Zeitpunkt, wo ich mitgepresst hatte, ging es auch super.

Unsere Maus hat mir dann noch auf dem Rausweg in den Wehenpausen mit starken Bewegungen gezeigt, dass es ihr super geht – das tat vielleicht weh – und hat dann um 18.30 Uhr mit großen Kulleraugen und ohne einen Mucks (also Schreien) das Licht der Welt erblickt. Es ging sofort auf Mamas Brust und wir haben gekuschelt. Der Moment war so unwirklich und umwerfend zugleich. Aber ich kann es bis heute auch noch nicht fassen. Alles was danach gefolgt ist – die Plazenta und die kleine Naht – war total problemlos. Sobald unsere Kleine gestillt, gewogen und gemessen war, haben wir uns alle drei erst mal bei einem kleinen Essen gestärkt.

Die Tage danach verliefen leider alles andere als gut. In der ersten Nacht konnte ich vor Aufregung dann gar nicht schlafen und musste meine Tochter immer anschauen. Da haben wir gestillt und gestillt und auch tagsüber. Die dann folgende Nacht hat sie nur geschrien und geschrien. Sie ging nicht mehr an die Brust – egal was wir versucht haben. Am Tag ging es wieder besser, die Nacht war wieder Horror. Bis wir festgestellt haben, dass sie Fieber hatte und bereits fast zehn Prozent vom Geburtsgewicht abgenommen hat. Als ich dann abgepumpt habe, bekam ich nur sieben Milliliter als gesamte Menge heraus. Ich war so frustriert und nur noch am Heulen. Selbst Stillhütchen und Brusternährungsset haben nicht geholfen. Sie ging nicht mehr an die Brust. Trotz Pumpen steigerte sich die Milchmenge nicht.

Da habe ich aufgegeben. Immer wieder frage ich mich heute, ob ich zu früh kapituliert habe, doch für mich spielte alles verrückt. Die Milch, die Hormone – mein ganzer Körper war nicht mehr ich. Im Nachhinein kann ich es sehr gut reflektieren, aber in der Situation ging das damals nicht. Nach außen hin war ich wohl ganz klar und reflektiert in der Zeit. Auch heute noch – auch während ich das schreibe – hängt mir dies jedoch sehr nach, dass ich ihr das nicht ermöglicht habe, was ich mir so sehr wünschte. Jedes Jahr, sie wird nun sieben Jahre alt, erinnere ich mich heulend an jeden einzelnen Tag zurück. Es sitzt so tief, auch wenn es ihr blendend geht. Auch jetzt beim Schreiben fließen die Tränen. Knapp 2,5 Jahre später klappte es bei meinem Sohn mit dem Stillen und alles, was ich an Muttermilch auffangen konnte, hat sie mit Wonne getrunken. Ich war so froh, ihr dann wenigsten ein wenig davon geben zu können. Das Schlimmste für mich waren immer die Worte der anderen: „Waaas? Du als Profi stillst nicht?“.

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7 Kommentare

Barbara 24. Mai 2016 - 09:34

Und da fließen die Tränen gleich mit!

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Saskia 2. Mai 2016 - 23:03

Erstmal danke für den spannenden Geburtsbericht! Aktuell bin ich in der 32. Woche und bin dankbar für diese Art von berichten – realistisch und ohne dieses Auftrumpfen von „Meine Geburt war die allerschlimmste“ – wie es in so vielen Foren der Fall ist… (Mir ist bewusst, dass diese Geburten wirklich unschöne Erlebnisse waren – aber manchmal geht mir diese Haltung auf den Keks, dass man an Schlimmheit noch überbieten muss…)

Ich kenne diese Problematik, zwischen dem Hebammen- und dem Arzt-Stuhl zu stehen nur zu genüge. Und es geht mir auf den Keks. Ich halte mich persönlich für eine reflektierte Person, ich bin Krankenschwester und studiere nebenberuflich Pflegewissenschaften, weiß also, wo ich aktuelle Studien herbekomme und denke, dass ich einigermaßen mit Fachtermini zurechtkomme. Allerdings weiß ich eben auch um den Hintergrund unseres Gesundheitssystems. iGe-Leistungen, DRGs und OPS, Hebammennotstand, (in meinen Augen) unnötig pathologisierte Schwangerschaften und Geburten.

Wenn man nun also abwechselnd Vorsorge bei der Hebamme und bei der Ärztin macht (die früher zusammen in einer Klinik gearbeitet haben und die Hebamme sogar die Zwillinge der Ärztin mit auf die Welt geholt hat), sollte man allein aus dem Dienstleistungsaspekt, den das Gesundheitswesen ja mittlerweile auch bedienen muss, annehmen, dass sowas funktionieren kann… Man sitzt derart zwischen den Stühlen, muss sich zwischen zwei Wegen entscheiden, die unterschiedlich nicht sein können, immer und immer wieder… uff. Für eine weitere Schwangerschaft steht für mich fest, nur noch die Pflichtultraschalle durch eine (womöglich andere…) Ärztin machen zu lassen und für den Rest in die behagliche und mutmachende, natürliche Vor- und Fürsorge der Hebamme gehen. Danke, dass es Euch gibt.

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Johanna 28. April 2016 - 23:55

Ich lese hier mit Erleichterung dass auch andere Frauen sich mit blöden Frauenärztinnen herumärgern. Ich habe mich bei meiner auch immer unwohl gefühlt, dann die meiste Vorsorge bei der Hebamme gemacht – nicht mal „im Wechsel“, sondern nur die Pflicht-Ultraschälle und besondere Sachen bei der Frauenärtzin. Für die Nachsorgeuntersuchung habe ich dann den Mut gefunden zu einer netteren Frauenärtzin zu gehen, und ja, die gibt es auch.

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Rübenkind 28. April 2016 - 11:01

So spannend ich die ganzen Berichte über Geburten finde – aber mir geht das ganze Ärztebashing furchtbar auf die Nerven. Meine Erfahrungen sind ganz andere: Mein Frauenarzt und seine Praxis sind jederzeit erreichbar, ich habe sehr geringe Wartezeiten und ich bekomme das Rundum-Sorglos-Paket. Gesetzlich versichert. Einfach so. Die Klinik, in der ich entbinden will (im Gegensatz zu offenbar allen Frauen dieser Welt beruhigt mich die Anwesenheit von Ärzten) macht einen sehr netten und kompetenten Eindruck. Hoffen wir für die Geburt mal das Beste 😉

Anders sieht es bei Hebammen aus: Ich habe relativ am Anfang (gefühlt) alle Hebammen durchtelefoniert, die ich online in meiner Stadt gefunden habe – auch, weil ich auf so vielen Webseiten kirre gemacht wurde, dass man ohne Hebamme so völlig aufgeschmissen ist. Gut 70 Prozent dieser wunderbaren Engel haben einen AB, auf dem man aufgefordert wird, sich den Atem für eine Vor- und Nachsorgeanfrage direkt zu schenken und aufzulegen. Zwei von denen, bei denen man noch hoffen konnte, haben ablehnend zurückgerufen. Eine war bereit für den Geburtsvorbereitungskurs, hat mir aber weder die Unterlagen zukommen lassen noch – auf mehrmalige Nachfrage – sich überhaupt noch mal gemeldet. Ich hab dann irgendwann aufgegeben.

Ich weiß: In der Klinik wird eine Hebamme sein und die Nachsorge wird schon irgendwie organisiert werden können. Ich bin mal gespannt. Aber das Hohelied auf Hebammen kann ich so gar nicht mitsingen.

Und trotzdem freut mich jeder Bericht über jede Art von Geburt. (28. Woche, mittlerweile sehr aufgeregt.)

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Anja 28. April 2016 - 11:22

Liebes Rübenkind,

danke für Deinen Kommentar. In diesem Fall hat Cordula tatsächlich nachvollziehbar schlechte Erfahrungen gemacht, aber generell lese ich daraus oder auch aus den anderen Berichten kein Ärzte-Bashing. Im letzten Bericht von Heidi kam der Chefarzt trotz der diversen (notwendigen) Interventionen doch sehr gut weg:)
Die Kolleginnen hier schreiben ja vor allem über das, was sie als MUTTER erlebt haben. Da viele von ihnen ja auch in der Klinik-und dort intensiv mit Ärzten zusammen arbeiten- würde ich bei keiner der bisherigen Schreiberinnen vermuten, dass es eine generell Ablehnung gibt. Dies wäre auch schwierig, weil wir letztlich als Berufsgruppen kooperieren. Eine kritische Haltung gegenüber zu vieler Interventionen ohne nachweisbaren Nutzen (bzw. zu mehr Ängsten führend) haben schon viele Hebammen.
Ich freue mich für Dich, dass Du selbst in guten Händen gelandet bist. Wie schade aber auch, dass Du den Hebammenmangel so deutlich zu spüren bekommst und bisher keine Kollegin finden konntest. Ich habe erst gestern wieder von mehreren Frauen mit Stillproblemen im Wochenbett Anfragen für Stillberatung erhalten. Die meisten hatten keine Wochenbetthebamme und waren nach zwei, drei Kliniktagen letztlich doch sehr auf sich gestellt. Wenn alles gut läuft, sicherlich kein Problem. Aber wenn Probleme da sind, müssen sie dann im Wochenbett aufwendig herumtelefonieren oder finden erst gar keine Hilfe. Ich finde diese Entwicklung wirklich traurig. Vielleicht magst Du ja Deiner Krankenkasse eine Rückmeldung zur erfolglosen Suche geben. Ich glaube, dass diese , obwohl sie Dir ja letztlich als Versicherer diese Leistung anbieten, oft gar nicht mitbekommen, wie die Situation aussieht.
Alles Gute für das letzte Schwangerschaftsdrittel und natürlich eine schöne Geburt für Euch:)

Liebe Grüße, Anja

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Rübenkind 28. April 2016 - 11:34

Liebe Anja,
danke für Dein Feedback! Ich wollte auch niemandem zu nahe treten. Ich bin mir absolut sicher, dass es eine Vielzahl schlechter Erfahrungen mit Ärzten gibt (die einem gefühlt alles mögliche aufschwatzen wollen, um Kasse zu machen.)
Mich frustriert eben einfach, dass es oft hingestellt wird, als seien Frauen, die es nicht geschafft haben, eine Hebamme zu bekommen, zu einer blöden Geburt verdammt. Nach dem Motto: Keine Hebamme? Tjaa, Pech gehabt. Kind bleibt wohl besser drin! 😉

Just in diesem Moment bekomme ich eine SMS von einer Hebamme, die ich vor Wochen mal angeschrieben hatte und die meinte, dass sie bis zu meinem ET im Urlaub ist. Ich hatte fast keine Hoffnung mehr, dass sie sich noch daran erinnert und mich schon fast darauf eingestellt, dass sie nicht antwortet. Aber, olé: Die Nachsorge scheint zu stehen, sie hat sogar einen Ersatz organisiert, falls es früher losgeht. Es gibt noch Licht am Ende des Tunnels!

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A Bullerbü Life 27. April 2016 - 12:22

Ach wenn doch die anderen (bzw. ihre schlauen „gut gemeinten“ Kommentare) nicht wären… Die eine Mutter stillt angeblich zu lang und „verwöhnt“ damit ihr Kind, die andere stillt nicht und ist damit eine „Rabenmutter“. Die eine Mutter bekommt ihr Kind zu Hause und ist damit „verantwortungslos“, die andere braucht einen Kaiserschnitt und das ist dann auch nicht recht. Die eine Familie bekommt schnell nach einem Kind das nächste, die andere Familie lässt sich lange Zeit – im besten Fall werden beide Familien dann für ihre Entscheidungen „bemitleidet“, im schlimmsten Fall heftigst kritisiert.

Ach wenn es doch alles so einfach wäre…

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