Breikost, Babybrei

Babys freundlich füttern

von Anja

Auch wenn für uns der breifreie Beikostweg der passende war, entscheiden sich viele Eltern für das Füttern von Brei oder machen von allem ein bisschen. Wobei ich mit dem Begriff „füttern“ so ein wenig meine Schwierigkeiten habe. Das liegt wohl daran, dass ich schon vor über 20 Jahren in meiner Ausbildung zur Krankenschwester gelernt habe, dass man hilfsbedürftigen Menschen das Essen anreicht – und sie eben nicht füttert.

Aber wie auch immer man es nun benennt, wichtig ist, dass das Ganze achtsam und respektvoll passiert – gegenüber großen und ganz kleinen Menschen. Ziel ist es nicht, in möglichst kurzer Zeit dem Kind eine möglichst große Menge Nahrung zu verabreichen. Eltern sollen das Kind beim Essenlernen individuell passend unterstützen. Die Zeiten sind zum Glück vorbei, in denen Kindern die Arme zum Brei füttern „fixiert“ wurden. Und manchmal sogar noch durch Druck im Wangenbereich nachgeholfen wurde, dass das Baby seine vorgegebene Portion auch brav schluckt.

In der Hektik des Babyalltags gehen trotzdem manchmal ein paar sinnvolle Kleinigkeiten bei der Beikosteinführung unter. Darum an dieser Stelle ein paar Tipps, um die Schritte eines Babys auf dem Weg zum Familientisch achtsam zu begleiten.

  • Wichtige Voraussetzung und auch Beikostreifezeichen ist, dass ein Baby stabil mit nur wenig Unterstützung im unteren Rücken sitzen kann. Solange das Kind noch etwas Hilfe beim Sitzen braucht, ist der Schoß der beste Platz, weil man hier am flexibelsten Unterstützen kann. Der Hochstuhl hat den Vorteil, dass man dem Kind wirklich gegenüber sitzt und es so genau verfolgen kann, was man tut. Aber auch auf dem Schoß kann man das Kind etwas seitlich setzen, um Blickkontakt halten zu können und damit das Kind sehen kann, woher der Löffel kommt. Es fühlt sich nämlich ziemlich komisch an, wenn einem ein Löffel über die Schulter „fliegt“ und plötzlich ganz knapp vor dem Mund landet. In diesem Bereich kann das Baby gar nicht mehr scharf erkennen, was da so ankommt. Aber auch als anreichender Elternteil sieht man nicht, welche Bereitschaft das Baby gerade zum Essen anzeigt.
  • Der gefüllte Löffel sollte nämlich nicht zwischen zwei zusammengepresste Lippen gequetscht werden. Statt dessen signalisiert das Baby durch erkennbares Interesse und Öffnen des Mundes seine Bereitschaft zum Essen. Das Baby gibt des Esstempo vor und nicht der nächste anrollende volle Löffel, der es zwangsweise schnell schlucken lässt. Das Abstreifen des Löffels am Gaumen des Kindes gehört auch zu den für das Kind nichts besonders angenehmen Futtermethoden. Die Sättigung oder nachlassendes Interesse wird durch Wegdrehen, den Mund zusammenkneifen oder das Wegschieben von Löffel oder Breiteller mit der Hand angezeigt. Wie auch beim Stillen oder Füttern von Säuglingsnahrung sollte auf die Signale des Kindes geachtet werden, damit es nicht zum Stressthema für Eltern und Kind wird.
  • Wenn ein Baby essen mag, isst es. Darum ist es nicht erforderlich, die Kinder mit allerlei Dingen abzulenken oder gar gleich vor dem Fernseher zu parken, wo man den schnell den Brei in den vor Staunen weit aufgerissenen Mund befördert. Man muss die Kinder auch nicht beim Spielen mit dem Breilöffel verfolgen oder Flugzeug damit spielen. Und die Sonne scheint übrigens auch nicht verlässlich, wenn das Breitellerchen leer gegessen wurde. Auch wenn einem das vielleicht selbst als Kind so erzählt wurde. Die Grundlagen für ein gesundes Essverhalten werden bereits im Säuglingsalter gelegt. Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder auch Hunger und Sättigung bewusst wahrnehmen und Eltern darauf eingehen.
  • Natürlich läuft bei kleinen Essanfängern auch immer wieder Nahrung aus dem Mund oder die Kinder probieren die Fähigkeiten von Mund und Zunge aus, indem sie Nahrung auch mal herausprusten. Auch wenn es schwer fällt, sollte man den Brei-Schnurrbart nicht mit dem Löffel abkratzen und wieder in den Mund stecken. Die Mundregion ist sehr sensibel und viele Kinder sind deshalb davon sehr irritiert oder zeigen ihr Unbehagen dabei. Auch ständiges Wischen mit einem Tuch oder Lappen zwischendurch stört den ganzen Essvorgang.
  • Egal ob Beikost in der Selbstessvariante oder als Brei gefüttert: Kinder wollen mitmachen. Dazu gehört beim Füttern, dass die Hände auch mal in den Brei getaucht und untersucht werden dürfen. Viele Kinder wollen mit einem eigenen Löffel mitmachen. Um einen zeitweise chaotischen Essplatz kommt man nicht herum, egal für welchen Beikostweg man sich entscheidet. Und nein, Obst- und Gemüsepürees aus Quetschtütchen sind keine Alternative, mit der ein Kind richtig essen lernen kann.
  • Am besten lernen Babys durch Vorbilder, weshalb es sinnvoll ist, wenn das fütternde Elternteil parallel auch etwas isst. Einige Kinder haben dann zwar mehr Interesse an dem „richtigen“ Essen auf dem Elternteller, aber wie schon eingangs geschrieben lassen sich auch Brei und Fingerfood prima kombinieren. Ein Löffel Brei und ein Haps Kartoffel aus der Hand im Wechsel funktioniert für viele Babys prima. Auch Brei gefütterte Kinder sollten die Gelegenheit bekommen, mit stückiger Kost umzugehen und das kauen zu lernen. Denn auch klassische Breipläne empfehlen ab dem neunten Monat den schrittweisen Übergang zur Familienkost.

Wem das jetzt alles zu kompliziert und theoretisch erscheint, dem gebe ich noch einen ganz einfachen praktischen Tipp: Sich einfach mal selbst füttern lassen und dabei ruhig auch mal die als im Text nicht so förderlich beschriebenen Dinge ausprobieren. So wird einem recht schnell klar, was sich gut anfühlt und was unangenehm ist. Und das gilt dann auch fürs Baby. Mir sind jedenfalls die praktischen Übungen zum „Essen anreichen“ aus der Krankenpflegeausbildung bis heute eindrucksvoll im Gedächtnis geblieben…

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11 Kommentare

Nina 9. Juli 2020 - 19:09

Das klingt ja alles ganz toll und einfach. Doch was lässt sich gegen das Würgen unternehmen? Gibt es Brei will meine sechs Monate alte Tochter den Löffel selbst führen. Doch jedes Mal löst sie damit den Würgereflex aus. Sie erschrickt sich, weint und lässt sich zunächst kaum beruhigen. Ähnlich ist es mit weichem Fingerfood (gedünstetes Gemüse). Sie isst nicht fröhlich weiter. Das Essen ist dann gelaufen. Und nach längerer Beruhigungszeit lässt sie zunächst erstmal nur die Brust zu… Wie können wir ihr das Essen mit Löffeln, aber auch das blw beibringen? Ich wäre sehr dankbar für hilfreiche Tipps, damit es nicht ganz so dramatisch für sie, aber auch uns ist.

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Gisa 12. Oktober 2019 - 18:49

Hallo Anja,
vielen Dank für Deinen Artikel! Allerdings habe ich noch eine Frage an Dich:
Mein fast 8 Minate altes Baby lässt sich nämlich nur ausnahmsweise Füttern. Er möchte grundsätzlich alles selbst machen, weshalb das Fütten eher gelingt, wenn ich einen vollen gegen den leeren Löffel in seinem Mund tausche . Trotzdem sind wir nach 6 Wochen immer noch bei winzigen Eiswürfelportionen und mein Kleiner findet das Mit-am-Tisch-sitzen beim Essen und mit dem Löffel spielen spannender als den Brei.
Heute habe ich mal getestet, ob es ihm nicht so schnell frustriert, wenn er etwas aus einem Quetschie mit Löffelaufsatz isst. Das fand er viel besser als den Löffeltausch. Er hat mich Drücken lassen, den Brei mit dem Finger berührt und sich den Löffelaufsatz gezielt und mit Freude in den Mund geschoben. Anfassen beim Löffel darf ich sonst nicht. Natürlich kann es auch ein Zufall sein oder am Obst. Außerdem hat er auch nicht alles gegessen, sondern gst nach ca. einem Drittel durch Unruhigwerden und Rumspielen angezeigt, dass es nun auch reicht. Das ist aber beim klassischen Füttern viel schneller der Fall.
Nun überlege ich gerade, ob das Füttern des sekbstgekochten Breis in wiederverwendbaren Quetschbeuteln mit Löffelaufsatz eine Alternative fürs klassische Breiessen sein könnte.
Ach ja: es geht erstmal nur um den Mittagsbrei. Eine Schweinerei ist es auch mit Löffelaufsatz; auch wenn nicht ganz so viel daneben geht. Zu anderen Mahlzeiten knabbert er gerne (aber sehr wenig) Gurke, Banane etc.
Meinst Du diese Kombination sei eine Alternative oder lehnst Du generell Quetschbeutel ab und meinst, ich solle es geduldig weiter mit dem Brei versuchen, bis er irgendwann entdeckt, das man mit Essen nicht nur Spielen kann, sondern es genauso wie das Stillen auch Sättigen kann? Ich möchte ihm nämlich auch auf gar keinen Fall ein ungutes Essverhalten anerziehen.
Zum Baby-led-Weaning gehe ich nicht sofort vollständig über, da er zwar gut Sitzen kann, sich aber noch nicht selbst Hinsetzen kann. Außerdem finde ich es schön, wenn er möglichst Unterschiedliches kennenlernt.
Viele Grüße
Gisa

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Anja 14. Oktober 2019 - 12:31

Liebe Gisa,

das beschriebene Verhalten klingt sehr normal und es gilt auszuprobieren, was für Dein Baby passt. Für BLW muss sich das Kind nicht selbständig hinsetzen können- das ist ja oft erst mit neun oder zehn Monaten der Fall und kommt meist als nächster Schritt nach dem Krabbeln.
Wenn Dein Kind (mit maximal etwas Unterstützung im unteren Rücken) stabil auf deinem Schoß sitzt, darf es auch entsprechend babygerechtes Fingerfood probieren.

Das Problem bei den Quetschielöffeln ist, dass das proaktive „Essen mit den Lippen vom Löffel nehmen“ eher in ein Saugen übergeht. Beim Füttern sollte das Baby ja die Bereitschaft zeigen, dass der Löffel mit dem Brei von ihm selbst in den Mund genommen wird und nicht, dass das Essen dazu kommt, wenn der Löffel schon im Mund ist. So kann das Baby ja auch gar nicht sehen, was das genau kommt. Deshalb bin ich kein großer Fan von diesen „Fütterhilfen“ (mit Ausnahme von Kindern, die besondere Bedürfnisse auch bei der Essensaufnahme haben).
Gebt euch einfach noch ein bisschen mehr Zeit, die Beikost mit allen Sinnen- sehen, riechen, fühlen, schmecken- kennenzulernen. Milch ist nach wie vor Hauptnahrungsmittel für Dein Baby und deckt seinen Bedarf, so dass die Beikost im individuellen Tempo Deines Kindes dazu kommen kann.
Natürlich kann diese Antwort hier keine Beratung ersetzen, weil ich ja weder Dich, Dein Kind noch eure Situation konkret kenne;)
Ich empfehle Dir deshalb auf jeden Fall noch mal eine Kollegin zu kontaktieren. Die Beratung durch Hebammen zu Ernährungsfragen wird auch von den Krankenkassen übernommen.

Alles Gute für euch und liebe Grüße,

Anja

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Franzi 15. Januar 2016 - 17:32

Liebe Anja,
bin heute durch Zufall auf deinen Blog gestoßen und bin begeistert!
Mein Söhnchen ist nun 5 1/2 Monate und total gierig auf Essen. Dein Artikel deckt sich mit meiner Überzeugung, ein Baby niemals zum Essen zu zwingen. Auch das Buch von Dr. Gonzalez „Mein Kind will nicht essen“ vertritt diese Ansicht. Nun, da ich mich bei dir ein bissl quer durchgelesen habe, bin ich auf das Buch gespannt und freue mich schon, mit meinem Kleinen so manches fingerfood auszuprobieren!!
Danke nochmals für den klasse Blog!
Liebe Grüße

Antworten
Stephanie 9. Januar 2016 - 13:49

Das ist ein toller Artikel. Obwohl ich mit 4 Kindern eigentlich ein Profi auf dem Gebiet sein sollte, lehrt mich Kind Nummer 4, dass jedes Kind sein eigenes Tempo und seinen eigenen Kopf beim Thema essen hat. Währen die Beikosteinführung beim ersten und zweiten Kind problemlos „nach Plan“ lief, lässt sich unser jüngstes Familienmitglied partout nicht füttern sondern möchte selbstbestimmt essen. Und ich finde es ist toll zu sehen, dass so ein kleiner Mensch schon so gut zeigen kann was er mag!

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Na 3. September 2015 - 14:09

Hallo!

Ich hatte letztens bei FB schonmal kommentiert…

Unser Sohn wird nächste Woche 7 Monate alt und wir haben mit Baby led weaning angefangen vor ca 3 Wochen (bislang aber eher noch unregelmäßig, es gibt Tage, da stille ich ausschliesslich)
Ich habe auch alle möglichen Bücher darüber gelesen (auch eure ;o) ). Was mir nur echt zu schaffen macht ist, dass ich jedes Mal mit klopfendem Herzen daneben sitze weil ich Angst habe, dass er an etwas ersticken könnte…!
Oskar ist unser 3. Sohn. Die anderen beiden habe ich mit (selbstgekochtem) Brei gefüttert. Es ist mir heute noch schlecht in Erinnerung, wie ich die beiden „befüttert“ habe und wie oft ich
mit Überzeugungsarbeit die Kinder zum Essen bewegt habe (schrecklich!). Deshalb wollte ich es dieses Mal anders machen. Es macht Spaß zu sehen, mit wieviel Lust der Kleine isst bzw alles probiert und es sichtlich
genießt mit uns am Tisch zu sitzen. Aber bei jedem Würgeanfall bekomme ich Herzrasen und denke „jetzt ist Schluss, jetzt gibts doch wieder Brei…der erstickt uns hier noch am Tisch“

Kannst du mich hinsichtlich des Verschluckens/Erstickens noch etwas beruhigen?
Wie ist deine Erfahrung damit? Wie war das bei deinen Kindern genau?

LG
Nadine

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Anja 3. September 2015 - 14:34

Liebe Nadine,

was oft „verwechselt“ wird ist wirkliches Verschlucken und Würgen. Kleine Essanfänger bringen Nahrungsstücke, die sie so im Mund noch nicht handeln können oft mit für uns recht dramatisch klingenden Würgreflexen wieder raus. Um dann fröhlich weiterzuessen;)
Der Würgreflexpunkt liegt in dem Alter noch relativ weit vorne, so dass er auch schnell ausgelöst wird als bei uns.
Viele Eltern machen unabhängig von der Beikostmethode auch noch mal einen 1.Hilfe-Kurs für Kinder, da richtiges Verschlucken ja sonst auch Thema ist, weil z.B. kleinteiliges Spielzeug der Geschwister in den Mund genommen wird. Man fühlt sich sicherer, wenn mn das richtige Handeln im Notfall mal geübt hat.
Wenn Du Dich trotzdem noch unwohl fühlst, ist es auch okay Brei zu geben und erst mal nur die Dinge als Fingerfood, mit denen Ihr bereits gute Erfahrungen gemacht habt. Stress Dich also nicht:) Liebe Grüße, Anja

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Janusch 25. August 2015 - 14:59

Das ist wirklich ein guter Artikel! Und bei 99,9 % der Kinder auch zutreffend.
Was macht man aber mit einem Baby (14 Monate), das erst lernen muss, Hunger zu fühlen und darauf entsprechend zu reagieren? Und leider möchte es bisher ausschließlich flüssige Nahrung. Es steckt sich zwar viel in den Mund, schluckt aber letztendlich nichts herunter. Wahrscheinlich ist es seeehr sensibel im hinteren Mundbereich. Es sitzt bei jeder Familiemahlzeit auf meinem Schoß, kann sich nehmen, was es möchte, alles probieren, kann sich und mich von oben bis unten bekleckern, ohne dass gleich weg- oder abgewischt wird.
Wie könnte man da unserer kleinen Maus das Essen schmackhaft machen?

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Weib Yvonne 25. August 2015 - 17:07

Solch Kindlein hatte ich auch 2(von 5), da blieb mir nur:
abwarten und genau so weitermachen, wie Du es beschreibst.

Früher oder später klappts.

Inzwischen sind die Kindlein größer und essen ganz normal, ohne Ausnahmen.

Alles Gute Euch, Geduld und Vertrauen. 🙂

Antworten
Ulrike 25. August 2015 - 14:40

Sehr guter Text! Ich bin ja auch ausgebildete Krankenschwester und leider findet sich auch in der Erwachsenenpflege allerlei respektloser Unfug im Zusammenhang mit dem Anreichen von Essen (da dieses ja Zeit und Personal erfordert an dem es ja leider immer fehlt).

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Nikola 25. August 2015 - 12:42

Danke für den Artikel! Wir fangen gerade an mit Beikost und die vielen Gespräche und Tipps verunsichern einen doch immer sehr… Werde nun aber doch nach meinem Bauchgefühl gegen und der Kleinen nicht nur Brei anbieten. Danke und liebe Grüße!

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