Ein Kaiserschnitt ist auch eine Geburt

von Anja

Via Instagram postete ich vor einiger ein Bild von mir und meiner Kollegin aus dem OP-Bereich des Kreißsaales, in dem ich kurze Zeit hospitierte. Verdeckt mit Mundschutz und Haube ist nicht ganz ersichtlich, ob wir lächeln, aber wir sehen auch nicht gerade unglücklich aus. Eine Kommentatorin stellte in Frage, ob es passend sei, von dieser Situation überhaupt ein halbwegs fröhliches Bild zu machen. Ich finde, das darf man machen.

Natürlich entstand das Bild nicht im Setting eines Notkaiserschnittes, bei dem keiner Zeit hätte, irgendetwas anderes zu tun, als dafür zu sorgen, dass Mutter und Kind aus ihrer Not gerettet werden. Es war ein geplanter Kaiserschnitt mit einer Indikation, die eine Spontangeburt ausschloss. Dieser Geburtsweg war nicht die erste Wahl der werdenden Eltern. Doch gestern war der Geburtstag ihres Kindes. Ein freudiger Tag, an den sie sich ein Leben lang erinnern werden.

Und jede Familie verdient einen bestmöglichen Start. Es ist sicherlich nicht möglich, einen Operationsaal mit freundlichen Bildern, Vorhängen in warmen Farben und Kerzen auszustatten. Es ist auch nicht möglich, dass das Team im OP auf Mundschutz und Haube verzichtet, die einen Großteil des Gesichtes verdecken und alles automatisch ein bisschen unpersönlich machen. Doch es ist oft möglich, das Kind in freudiger und gelassener Stimmung zu empfangen.

Auch im Operationssaal guter Dinge sein

Man kann sich mit den Eltern freuen. Etwa wenn der operierende Arzt, nachdem der Kopf geboren ist, das OP-Tuch runternimmt. So können die Eltern sehen, wie ihr Kind aus dem Bauch „aussteigt“. Ihnen ermöglichen zu sehen, wie es seine Händchen noch vor den Schultern herausstreckt, fast als ob es dort hinaus klettern möchte. Dass es seine ersten zarten Schreie macht, schon bevor es ganz aus dem Bauch seiner Mutter geschlüpft ist. Dass der Vater die Nabelschnur selbst durchtrennen kann.

Es ist möglich, während des Kaiserschnitts liebevoll mit dem Kind zu sprechen. Und mit den Eltern. Es ist möglich, dass die Hebamme das Kind sofort den Eltern gibt. Damit es Hautkontakt mit ihnen bekommt und ein erstes Verlieben stattfinden kann. All das und vieles mehr ist möglich, wenn ein Kind im OP geboren wird. Und das ist ein Grund zu lächeln, natürlich auch unter dem Mundschutz.

Ein Kaiserschnitt ist für viele Mütter sicherlich nicht das ideale Szenario, wie sie sich die Geburt ihres Kindes erhofft haben. Und es gibt auch manchmal höchst dramatische Situationen im Kreißsaal-OP, die keine Zeit und keinen Raum für die eben genanten Dinge lassen. Doch viele Kaiserschnitte finden in Ruhe oder eben gar komplett geplant statt, so dass die Mutter in Spinalanästhesie die Geburt miterleben kann. Und auch die Väter haben dann ihren Platz direkt an der Seite ihrer Frauen.

Die Geburt im OP gibt also oft genug einen Grund, auch im Operationssaal guter Dinge zu sein. Denn schließlich ist es nicht einfach nur ein Operationssaal, sondern dann der Geburtsort eines kleinen Menschen, an dem er von seinen Eltern empfangen wird – wenn auch unter etwas erschwerten Bedingungen. Eine von mir im Wochenbett begleitete Frau erzählte mir neulich, dass der Arzt im OP „Happy Birthday“ für ihr damals soeben geborenes Kind gesungen habe. Eine schöne Geste, denn auch ein Kaiserschnitt ist eine Geburt. Und tatsächlich ein Grund zum Lächeln oder Singen.

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27 Kommentare

Anne 22. August 2017 - 12:35

Wenn es Umstände gibt, die einen Kaiserschnitt notwendig machen, dann gibt es viele Möglichkeiten diesen genauso zu würdigen wie eine normale Geburt! Vielen Dank für den tollen Artikel!

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Lena Busch 20. August 2017 - 09:54

Liebe Anja,
danke hierfür; seltsam, was für Fragen gestellt werden!
Meine Große kam per Kaiserschnitt zur Welt, letztlich sogar per geplantem wegen BEL in einem KH, das auch eine BEL-Geburt spontan versucht hätte bei Anwesenheit von Oberärztin und Chefarzt. Ich spürte, dass es einen Grund hat, dass sie sich so gar nicht senkt und bewegt. So war es auch, und der KS war die richtige Entscheidung. Er war sehr selbstbestimmt, vorbereitet und alle gut gelaunt und -den OP-Umständen entsprechend- sehr babyfreundlich. Das „ohne Wehen“ bzw der KS insgesamt machte eine gewisse Herausgerissenheit für mein Baby, sie war jahrelang eher „auf der Hut“, das wirklich ein großer Unterschied zu meinen beiden anderen Kindern, die Zuhause geboren wurden – ganz in ihrem Tempo und zu ihren Bedingungen.
Auch hatten wir Stillschwierigkeiten, das hat jedoch meine tolle Hebamme, die uns in allem begleitet und dann auch die Hausgeburten meiner beiden weiteren Kinder betreut hat, mit uns auflösen können (meine Große ist jetzt 10 und ich stille nun seit 10 Jahren durchgehend – jetzt halt das dritte Kind ;)).
Ich habe nie gehadert mit dem KS und auch nie das Gefühl gehabt, das andere das als Geburt 2. Klasse sehen. Und ich habe ja auch den „Vergleich“.
Herzlichen Gruß
Lena

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Simona 19. August 2017 - 15:05

Danke für den tollen Text. Ich kommentiere sonst nie, aber das war einfach schön zu lesen. Ich hatte einen Notkaiserschnitt 7 Wochen zu früh und trotz brenzliger Situationen haben die Ärzte in Kiel das wohl auch so gesehen wie Sie. Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt und zum Glück erst viel später erfahren, dass es auch anders laufen kann.

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Annabel 18. August 2017 - 22:00

Ich bin noch gar nicht schwanger, aber ganz genauso wünsche ich mir meinen dritten und ersten geplanten Kaiserschnitt. Ich hoffe ich finde eine Hebamme bzw. ein OP-Team, das dies ermöglicht. Denn wenn ich merke wie es mich berührt, wenn ich deine Zeilen lese, weiß ich, dass ich noch immer keinen Frieden damit geschlossen habe, dass es mir nicht möglich ist, meine Kinder spontan zu gebären.

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Kristin 18. August 2017 - 20:12

Die Worte tun sehr gut! Ich hatte 7 Stu den volle Wehen und dann doch einen Kaiserschnitt. In dem Moment war es mir egal, ich wollte nur dass mein Kind zur Welt kommt. Die heftigeren Schmerzen kamen danach. Ich konnte fast eine Woche kaum laufen, während andere Frauen direkt nach der Geburt spazieren gingen und dich selbst um ihr Kind kümmern konnten. Ich verstehe nicht, wie man ohne Indikation freiwillig einen Kaiserschnitt haben will. Da soll nochmal einer sagen, das wäre der leichtere Weg…

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Caroline 18. August 2017 - 19:37

Danke für diesen wunderschönen Text ❤
Er hilft mir sehr.

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Lena 18. August 2017 - 19:35

Liebe Anja, auch ich möchte dir ‚Danke‘ sagen. Ich kommentiere nichts sonst und halte mich bei diesem großen individuellen Thema „Kind/Geburt“ immer zurück, aber hier ist es anders. Denn genau so ein motiviertes und fröhliches Team (wie deines) hat mich auf ganz professionelle Weise auf dem Weg zum Mutterglück begleitet. Ich hatte keinen geplanten und keinen Notkaiserschnitt. Als meine Tochter auf die Welt kommen wollte, hatte schlicht und einfach der Arzt, der meine Geburt aus der BEL spontan begleiten sollte, keinen Dienst. Punkt. Und dann traf ich auf ein Op Team, die uns ganz herzlich und wundervoll aufgenommen haben ohne an Kompetenz und der Situation angemessener Ernsthaftigkeit zu verlieren. Dank dieses tollen Teams kann ich nun meine gesunde Tochter in den Armen halten. Ich war aktiv bei der Geburt dabei, habe sie sofort zu mir bekommen und nach der Erstuntersuchung nicht wieder hergeben müssen. Ich hadere nicht mit dem Schicksal. Dieser Weg sollte für uns Beide der Richtige sein. Mein OP Team made my day, mit Freude und Spaß und ganz viel Empathie, dafür bin ich sehr dankbar. Also sage ich dir stellvertretend ‚Danke‘, dass du Freude bei der Arbeit hast und diese teilst.

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Sylvie 9. Juni 2016 - 14:37

Vielen, vielen Dank für diesen Text. Ich habe leider gleich zweimal zu den 10%(?) gehört, deren Kaiserschnitt aus medizinischen Gründen notwendig war (HELLP beim ersten Kind, Plazenta prävia totalis beim zweiten). Und zunmindest beim zweiten Kind konnte ich „dabei“ sein. Es war zwar nicht ganz so, wie beschrieben, mein Sohn wurde mir kurz gezeigt und dann kurze Zeit danach in einem Handtuch gewickelt gereicht (er wurde gleich untersucht – das war aber aus gegebenen Gründen auch ganz ok so). Aber für mich war es trotzdem eine Möglichkeit, sein Ankommen aktiv mit zu erleben, was mir beim ersten Mal wegen Vollnarkose nicht möglich war. Von daher: ja, auch ein Kaiserschnitt ist ein Geburtstag und es ist schön, wenn dies im Rahmen der Möglichkeiten von allen so gestaltet wird.

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Jeannine 10. Mai 2016 - 21:53

Liebe Anja, vielen Dank für deine Worte und diesen wunderbaren Artikel. Als jemand, der den Kaiserschnitt nicht wollte, aber haben musste, bedeuten mir deine positiven Zeilen sehr viel. Danke!

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BirdyBirth 9. Mai 2016 - 23:48

Liebe Anja, erst jetzt über diesen wunderbaren Text gestolpert. Danke dafür, das tut gut.

„Und jetzt noch eine RICHTIGE Geburt. Yes!“ Sagte meine Klinikhebamme, als sie den Kreisssaal für die Frau nach mir herrichtete. Sie sagte das zu meinem Mann als wir aus dem OP kamen. Kurz nach der Geburt unserer Tochter. Einer Geburt, die für sie offenbar nicht „richtig“ genug war.

Dieser Satz. Diese unbedachten Worte. Das hat mir sehr weh getan.

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Friederike 11. Dezember 2015 - 21:00

Danke für diesen Artikel! Er zeigt, wie wichtig es ist, dass Eltern und Kind als fühlende Menschen wahrgenommen werden (wie auch natürlich genauso bei einer vaginalen Geburt). Ich hätte mir bei meinem (ungeplanten) Kaiserschnitt gewünscht, dass das geschehen und ich nicht nur wie ein „Fall“ behandelt worden wäre. Ich glaube, das hätte dieses Erlebnis ein wenig von seinem Schrecken genommen.
Zur Zeit überlege ich, ob ich tatsächlich, wie ich es immer wollte, ein weiteres Kind bekommen möchte, auf die Gefahr hin, dass ich noch einmal einen Kaiserschnitt erleben muss. Da tut es gut, zu lesen, dass es auch anders laufen und u. U. sogar ein schönes Erlebnis sein kann.

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Mimi 10. November 2015 - 22:59

Danke für den tollen Text.
Ich könnte jetzt 3 verschiedene Szenarien beschreiben welche ich als Mutter erlebt habe: von der geplanten vaginalen Geburt die zum nicht so ganz Not – Kaiserschnitt wurde, von der geplanten vaginalen Geburt welche ein richtiger dringender Notkaiserschnitt wurde und vom geplanten Kaiserschnitt, welcher durch eine gedeckte Uterusruptur zum Notkaiserschnitt wurde. Jedes Mal wurde uns von den Ärzten, Pflegern und Hebammen eine schöne Geburt ermöglicht. Sie waren konzentriert bei ihrer Arbeit, hatten aber immer ein offenes Ohr für unsere Vorfreude und Ängste. Wenn auch das OP-Tuch nicht entfernt wurde, so wurden unsere Kinder jedesmal sofort nach dem ersten Schrei zu mir gebracht, wir konnten kuscheln und uns erste 10 Minuten im OP kennen lernen. Danach konnte der Papa jeweils ausgiebig mit unsern Kindern Haut auf Haut kuscheln bis ich zugenäht und im Aufwachraum war. Ich gönne von ganzem Herzen dem Papa dieses erste ausgiebige Kuscheln und Kennenlernen, dies ist ein so wunderschönes Erlebnis für ihn gewesen. Kurz nach Eintreffen im Aufwachraum konnte ich dann auch schon stillen.
Ich werde immer ein ganz klein wenig traurig bleiben keine normale Geburt erlebt zu haben, trotzdem überwiegt bei weitem die Freude, dass wir 3 gesunde Kinder haben. Ohne Kaiserschnitt wäre keines (gesund) zur Welt gekommen.
Ich bin aber auch den Gynäkologen, den Anästhesisten, den Pflegern und auch den Hebammen sehr dankbar, dass sie trotz Notfall, immer für uns da waren, alles erklärt haben, nach unseren Wünschen und Vorstellungen gefragt haben und bei Bedarf erklärt haben wieso es evt nicht ging wie wir es und vorstellten.
Auch ein Kaiserschnitt ist eine Geburt und ein fröhliches Ereignis und man darf sich dabei freuen und sogar als Geburtshelfer im OP darf man dies!

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Nanne 29. Oktober 2015 - 09:20

Liebe Anja,

danke für den schönen Text. Auch bei einem Notkaiserschnitt ist es möglich die kurze wache Zeit für die Mutter im OP gut zu gestalten (Vollnarkose). Als ich mit Schmerzen auf dem OP Tisch lag und nur dachte: Jetzt macht doch bitte endlich die Narkose. Da hat das OP Team ganz toll mit mir gesprochen, mich gefragt, wie das Kind heißen soll und mich einfach gut „unterhalten“. Ich hatte Schmerzen, es musste alles auch schnell gehen und trotzdem funktionierte das so gut. UNd als ich die Stimme der Ärztin hörte, diese nicht zuordnen konnte und fragte, wer sie denn sei. Da hat sie einmal hinter Vorhang hervorgeguckt und ich wusste, wer mich operiert und habe mich total aufgehoben gefühlt. Ich kannte sie schon von anderen Untersuchungen.
Selbst ein Notkaiserschnitt kann also noch so angenehm und gut wie möglich gestaltet werden.
Liebe Grüße Nanne

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DeTracy 28. Oktober 2015 - 16:52

Sehr schöne und gelungende Worte die du da gefunden hast.
und ein Happy Birthday würde ich mir, wenn uns noch einweiteres Kind geschenkt wird, acuh wünschen!

Ganz toll!

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Veronika 28. Oktober 2015 - 12:00

Ich habe auch einen Termin für einen Kaiserschnitt. Leider macht die Klinik bei all meinen Wünschen nicht mit (Tuch runter beim Rausheben, Papa schneidet Nabelschnur durch, Kind sofort zu mir), obwohl sie von UNICEF als „kinderfreundlich“ zertifiziert ist. Sie haben aus hygienischen Gründen rigoros abgelehnt! Ich bin sehr enttäuscht. Weiß jemand von einer Klinik in Berlin, in der das möglich ist?

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Anja 28. Oktober 2015 - 12:11

Liebe Veronika,

ach das ist aber schade:( Die Charité bietet das in Berlin an :http://www.t-online.de/eltern/schwangerschaft/id_62676820/kaisergeburt-statt-kaiserschnitt-an-der-charite-in-berlin-.html
Im St.Joseph-Krankenhaus in Tempelhof könnte ich mir das auch gut vorstellen, dass es da die Möglichkeit gibt.

Alles Gute für Dich und liebe Grüße, Anja

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Maria 28. Oktober 2015 - 16:06

In Havelhöhe geht das nicht? Für mich käme in Berlin keine andere Klinik in Frage.

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Marie 1. November 2015 - 00:01

Hallo Veronika,
ich habe in der DRK-Klinik Westend gute Erfahrungen mit einem (nicht geplanten) Kaiserschnitt gemacht, kann ich sehr empfehlen!
Alles Gute,
Marie

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Lian 28. Oktober 2015 - 11:40

Auch ich finde den Text sehr gut! Zwischen all den glücklichen überzeugten Hausgeburtsnüttern und den Frauen, denen man einen Wunschkaiserschnitt aus Bequemlichkeit unterstellt (auch wenn ich nicht sehe, was daran bequemer ist), gobt es schließlich auch die Mütter und Kindern, bei denen der rettende Schnitt aus einer (vorhersehbaren oder spontanen) Notsituation entsteht.
Was ich immer wieder lese, dass die Kaiserschnittmütter „auch Mütter“ sind.
Dass es nötig ist, das überhaupt zu sagen, zeigt, wie sehr sich unsere Gesellschaft auf die entspannte vaginale Geburt als ideale „erreichbare“ Leistung stürzt. Denn man wird nicht Mutter allein durch die Geburt! Man wird Mutter in den 10 Monaten und all den Jahren danach! Wir sind Mütter, weil wir 10 Monate lang ein Leben in unseren unglaublich weisen und ganz aus sich heraus leistungsfähigen Körpern haben wachsen lassen. Weil wir einem Kind ein Zuhause geben, es füttern, wickeln., tragen. Sind Väter keine Väter, weil sie kein Kind aus ihrem Körper pressen? Nein, sie sind Väter durch Zeigung und soziales Vatersein. Wie also können uns andere oder wir selbst (denn viele Kaiserschnittmütter tragen diesen Selbstvorwurf, es „nicht geschafft zu haben“, in sich herum) mit dem absurden Vorwurf konfrontieren, wir seien keine echte Mütter? Ein Kind wird nicht im Moment der Geburt „gemacht“. Es wird 10 Monate lang „gemacht“ und der Tag der Geburt ist nur das Türchen, durch das es sichtbar zu uns schlüpft. „Da“ war es schon vorher. Unsere Kinder haben einen Notausgang genommen und wir sind in der glücklichen Situation, dass wir in einer Zeit gebären dürfen, in der man unser Leben und das unseres Kindes durch eine OP retten kann.
Das schreibt eine Kaiserschnittmutter, die nie mit der Indikation ihres Kaiserschnittes gehadert hat, aber dennoch lange über die „verpasste Geburt“ getrauert hat. Übrigens: Auch ich konnte mein Kind sofort sehen, hatte es nach einer Stunde an der Brust und habe sehr lang gestillt. Mutter bin ich weil ich ein Kind gezeugt, ausgetragen, gestillt, getragen, geliebt habe (und es natürlich noch immer tue). Meine Tochter weiß, wie sie geboren wurde, sie kennt die Narbe und streichelt sie. Und sie sagt heute (mit 4) „Und dann bin ich nicht rausgekommen, und dann hat der Arzt geholfen und ich hab Hallo gesagt.“ So ist es 🙂 Lian

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Christine 28. Juli 2017 - 23:47

Das raubt mir den Atem. Sie haben so recht und verdammt wahre Worte gesprochen!!! Ich danke sehr dafür!!!

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Nina 7. Mai 2019 - 10:14

Danke! Der Kommentar spricht mir aus deer Seele – ich habe ihn mit Tränen in den Augen gelesen. Hoffe meine Tochter erzählt auch ganz stolz eines Tages ihre Geburtsgeschichte.
LG, eine Notkaiserschnittmami aufgrund von Schwangerschaftscholestase

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Key 27. Oktober 2015 - 23:42

Danke für den Text! Ich arbeite in einer plastischen Chirurgie gelegentlich mit – das muss nicht immer bitter ernst sein – im op ist oft genug gute Stimmung – es wird doch häufigst etwas Gutes dabei „produziert“….
Ich habe eine Frage:ich habe jüngst gehört, dass man in manchen Ländern den Müttern vor dem Kaiserschnitt eine Art Tampon einführt. Nach dem Kaiserschnitt wird dieser dann entfernt und dem Kind im Gesicht „verrieben“ (hört sich erstmal ekelig an) damit das Kind mit den mütterlichen Keimen, wie bei der spontangeburt, in Kontakt kommt.
Weißt du da was von? Würde mich einmal interessieren!

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Nicole 27. Oktober 2015 - 23:08

Danke für diesen Text, liebe Anja!

Ja, ich hatte einen Kaiserschnitt! Er war weder geplant noch ein Notkaiserschnitt! Es hat sich einfach ergeben!
Bis zum Schluss haben wir gehofft das es auf natürlichem Wege passieren würde. Bei ET+2 hatte ich nochmal eine Kontrolle in der Fachklinik (Vorerkrankungen daher Chefarztbetreuung und engmaschigere Kontrollen). Übertragen war für mich eine Horrorvorstellung da ich selbst als Krankenschwester mal dabei war als eine Pat. bei ET+8 dann eine Totgeburt hatte obwohl vorher alles in bester Ordnung war. Jedenfalls stellte sich dann heraus das mein inneres Becken wahrscheinlich zu eng für unseren Sohn war! Alle die mich sehen schauen dann erstmal skeptisch, da ich nicht gerade schmal bin! Der Arzt meinte noch das man es versuchen kann, Kaiserschnitt könnte man ja immer noch machen. Aber ich fragte ihn ganz direkt was er seiner Frau raten würde (4-fach Vater). Er überlegte kurz und meinte dann :Kaiserschnitt! Ich: OK, wenn es für mein Kind sicherer ist, dann machen wir das! Was bringt mir mein Egotrip auf eine natürliche Geburt wenn ich dafür das Leben meines Kindes riskiere?

Ich hatte einen super Kaiserschnitt, tolle Atmosphäre und tolles Team. Bin nach 5 Tagen zuhause die steilen Treppen schon wieder hoch und runter gerannt. Ich liebe mein Kind abgöttisch und wir haben eine super Bindung. Ja, auch das stillen klappte nicht! Bin ich deshalb eine schlechte Mutter? Ich denke nicht, denn ansonsten setze ich Himmel und Hölle in Bewegung damit es meinem Kind gut geht!

Das schlimmste an meinem Kaiserschnitt? Die abschätzigen Blicke und Bemerkungen danach, wenn manche hören das ich einen KS hatte! Das läßt mich in keinster weise an der Entscheidung an sich zweifeln. Nein, es nervt einfach nur!

Ich kann definitiv sagen, ich habe das beste für mein Kind gemacht! Denn wie sich herausstellte hätte der Kopf durchgepasst aber da unser Sohnemann sehr breite Schultern hatte wäre er mit denen hängen geblieben. Das Folgeszenario lassen wir mal beiseite, da möchte ich garnicht dran denken!

Für uns war es der perfekte Weg!

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Jennifer Schrems 27. Oktober 2015 - 13:46

Liebe Anja, danke dir für diesen schönen Text – er macht mir, die leider einen Notkaiserschnitt hatte – Mut dass, falls ich mal ein zweites Kind bekommen sollte, es ein bisschen besser laufen könnte als beim Ersten. Denn ich kann mir gut vorstellen, dass es aus medizinischen Gründen wieder notwendig sein muss. Es macht mir Mut, dass ich dann evtl. meine Wünsche und die Anregungen, die du im Artikel beschrieben hast, anbringe. Ich hoffe nur, dass diese Wünsche (Baby gleich zur Mama) nicht sofort abgetan werden…

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Mama notes 27. Oktober 2015 - 10:49

Lieben Dank für diesen Text. Ich würde es noch weniger vorsichtig formulieren als Du, liebe Anja. Eine Kaiserschnittgeburt kann ganz wundervoll sein, genauso wie eine Vaginalgeburt unpersönlich und grausam sein kann. Es kommt auf die Hebamme an, auf die Ärzte, auf die Stimmung und wie ein Krankenhaus mit einer Kaiserschnittgeburt umgehen kann. Ich habtte sofort nach der Geburt beide Kinder auf meiner nackten Brust, auch während des Zunähens und im Aufwachraum. Es gibt Wärmedecken und Mützchen!
Ja, eine Kaiserschnittgeburt ist nicht der natürliche Weg und dass sie immer mehr vorgenommen werden ist ein Problem, das aus unserem Gesundheits- und Krankenhaussystem herrührt. Den Eltern und den Kindern aber ein Geburtserlebnis absprechen zu wollen – oder zu fragen ob man von einer Kaiserschnittgeburt fröhliche Fotos machen darf – das ist schlicht eine Unverschämtheit.

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Sebastian 27. Oktober 2015 - 10:32

Hallo, was für ein schöner Text! Wir hatten vor ca. 11 Monaten einen Kaiserschnitt, bei dem unsere Tochter gesund geboren wurde. Vorher gab es einen Geburtsstillstand. Ihr Kopf war mit 37 cm Umfang recht groß, sie passte wohl nicht durch. Die Ärzte sagten, dass sie so, wie sie lag, nicht natürlich hätte geboren werden können.
Die Ärzte, Hebammen und Schwestern waren alle nett und zugewandt, trotzdem war der Vorgang recht medizinisch. Das OP-Tuch hat niemand gelüftet und das Kind wurde sofort in den Nebenraum gebracht zum Absaugen und Apga-Test. Auch auf Nachfrage durfte ich sie nicht sofort sehen. Es dauerte allerdings nur kurz. Sie schrie, dann wurde sie uns gebracht und meiner Frau auf die Brust gebunden zum Kuscheln und Kennenlernen.
Die Situation war in Ordnung, aber ich hätte mich gefreut wenn sie wie von Ihnen beschrieben gestaltet worden wäre.
Herzliche Grüße, Sebastian

Antworten
Inga 27. Oktober 2015 - 10:28

Ich danke Dir für diese Worte, liebe Anja!
Nicht jede Frau sucht sich aus ob sie einen Kaiserschnitt haben möchte oder nicht und aus diesem Hintergrund ist es selbstverständlich so, dass auch Kaiserschnittmütter sich freuen dürfen, es celebrieren dürfen, die Freude in den Gesichtern der anderen sehen dürfen, nicht abgestempelt werden dürfen, einfach trotz der operativen Umstände ihr Kind in die Arme nehmen und auf der Welt willkommen heißen dürfen!
Für die Mütter ist diese Variante der Geburt sicher auch in den allermeisten Fällen nicht ihr Wunschszenario, trotzdem haftet einem sofort ein Makel an…schade! Wir sind auch Mütter, wir wünschen uns wie jede andere Mutter einen optimalen Start und umso leichter dieser gemacht wird, auch durch freundliche, empathische Schwestern und Ärzte, desto besser ist die Grundlage für die ersten Lebenstage als Familie.

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