Emotional überfordert

von Anja

Das wirklich anstrengende am Leben mit Kindern sind meist nicht die hohen Wäscheberge, die unzähligen umgekippten Wassergläser oder die ewige Suche nach dem zweiten Handschuh. Auch die gerade anfangs doch deutlich eingeschränkte Selbstbestimmung oder die fehlende Zeit für alles sind nicht die Hauptstressfaktoren. Es sind die vielen Emotionen, die einen oft an die Grenzen bringen. Wenn unser Baby untröstlich weint, kommen auch bei uns Gefühle auf, die schwer auszuhalten sind. Wir fühlen mit und spüren, dass es unserem Baby gerade nicht gut geht. Meist können wir etwas tun, dass es ihm schnell wieder besser geht. Manchmal können wir auch nichts tun außer da sein. Und es fühlt sich so hilflos an, dieses „nur da sein“. Dabei ist es doch die anstrengendste Elternaufgabe von allen.

Nicht nur das Baby wird von seinen Emotionen überschwemmt, oft auch wir Eltern. Deshalb ist es so schwer, in solchen Situationen in seiner Mitte zu bleiben. Aber auch über die Babyzeit hinaus erleben wir als Eltern die Wutanfälle des Kleinkindes, die Angst des Schulkindes oder die Trauer des Teenagers. Die Emotionen unserer Kinder begleiten uns ein ganzes Elternleben lang. Und es ist unsere Aufgabe, unsere Kinder bestmöglich dabei zu begleiten. Doch genau das ist leichter gesagt als getan.

So kennen wir wohl alle als Eltern Situationen, in denen wir uns einfach emotional völlig überfordert fühlen. Zeiten, in denen ständig die starken Gefühle unseres Kindes auf uns einwirken und wir kaum noch dazu kommen, uns selbst zu fühlen. Das wiederum führt dazu, dass wir eben nicht mehr adäquat und liebevoll reagieren – so wie wir es eigentlich möchten.

Helfende Netzwerke gegen Überforderung

Wir motzen, wir meckern und schon in dem Moment, in dem wir so reagieren, fühlt es sich blöd an. Trotzdem fällt man gerade in Momenten der Überforderung immer wieder in diese Muster zurück. Vielleicht auch deshalb, weil viele von uns als Kind nicht erlebt haben, dass ihre Gefühle jenen Raum bekommen haben, den sie sich eigentlich gewünscht hätten. Vielleicht waren da einfach keine Eltern, die mit Ruhe, Geduld und liebevoller Zuwendung reagierten anstatt nur genervt zu sein.

Jedenfalls wünschen sich die meisten von uns eben jene liebevolle Zuwendung auch für ihre Kinder – und trotzdem haut es einfach auch immer wieder nicht hin. Wir sind selbst emotional überfordert. Und wir wissen in diesen Momenten nicht, wohin mit diesen Emotionen. Das gilt gerade dann, wenn man viel alleine mit seinen Kindern ist. Wenn der Partner nicht da oder nur wenig präsent ist. Wenn keine unterstützenden Großeltern oder andere Familienmitglieder in der Nähe sind und auch akut mal aushelfen können. Oder wenn es keine Freunde gibt, die uns „in guten und in schlechten Zeiten“ annehmen, wie wir sind.

Deshalb sollten eigentlich für alle Eltern solche helfenden Netzwerke zur Babyerstausstattung gehören. Denn nichts ist wichtiger und hilfreicher in stressigen Tagen, als der Austausch und das Angenommen werden durch andere Menschen, die es gut mit einem meinen. Oft reicht es schon, wenn ich mich emotional überfordert fühle, meiner Freundin eine kurze Nachricht zu schreiben, dass es gerade so unglaublich anstrengend ist. Ein paar aufmunternde Worte oder das Angebot, auf einen Kaffee vorbei zu kommen, genügt oft schon, um sich emotional stabiler zu fühlen.

Es tut auch Eltern gut, wenn man die eigenen Emotionen dort lassen kann, wo sie einfach nur angenommen und nicht negiert oder klein geredet werden. Und dann kann man auch den eigenen Kindern mit all ihren starken Gefühlen wieder entspannter begegnen und ihnen die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie selbst gerade brauchen. Selbst ein einfaches „Das kenne ich auch“ kann viele Selbstzweifel zerschlagen und einen wieder daran glauben lassen, dass man es eigentlich doch ganz gut als Eltern hinbekommt. Auch wenn man sich phasenweise immer wieder mal emotional überfordert fühlt.

2 Kommentare

Kathrin 19. April 2018 - 14:56

Das ist ein sehr hilfreicher Kommentar, der mir direkt angesprochen hat. Danke

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LittleBigHeart 26. Februar 2018 - 11:42

Sehr schön geschrieben <3

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