Stillstart, Anfang, Schlaflos

Müder Stillstart

von Anja

Dies ist der achte Beitrag in unserer Reihe „Stillen ist bunt“ (alle weiteren findet ihr gesammelt hier), in dem Daniela aus Baden-Württemberg ihre Stillgeschichte erzählt. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder, ist selbstständig und momentan aber mit dem zweiten Kind in Elternzeit zu Hause. Ihre Interessen sind breit gestreut: „Fotografieren, Nähen, Kochen, um nur einige meiner Hobbys zu nennen“, schreibt sie.

Daniela erlebte nach einer schwierigen Nachgeburtsphase mit Operation in Vollnarkose einen ebenso schwierigen Stillstart. Die größte Herausforderung war das schläfrige Baby an der Brust wach zu halten. In Bezug auf das Stillen ist nämlich eine zu große Müdigkeit des Babys in den ersten Tagen eher ungünstig. Es braucht dann viel Unterstützung, damit die Milchbildung trotzdem gut in Gang kommt und das Baby ausreichend zunimmt. Daniela erzählt, was ihr geholfen hat und wie die Stillzeit bis zum dritten Geburtstag weiter verlief. Aktuell stillt sie gerade ihr zweites Kind.

Keine großen Wünsche und Vorstellungen

Was hast du vor deiner Schwangerschaft über das Stillen gedacht bzw. welche Erfahrungen mit dem Thema gemacht?
Vor der Schwangerschaft habe ich nicht viel über das Stillen nachgedacht. Ich wusste nur, dass ich stillen möchte – wenn es geht.

Wie hast du dich vor der Geburt über das Thema informiert? Gab es Wünsche und Vorstellungen in Bezug auf die vor euch liegende Stillzeit?
Informiert habe ich mich eigentlich gar nicht vorab. Nur im Geburtsvorbereitungskurs haben wir darüber gesprochen. Ich hatte auch keine großen Wünsche und Vorstellungen. Ich hoffte einfach nur, dass es ohne Probleme klappen würde und ging es recht unbedarft an. Ich vertraute darauf, dass mir nach der Geburt schon jemand zeigen würde, wie das genau funktioniert.

Wie verlief der Stillstart und wie ging es dir und Deinem Baby dabei? Welchen Einfluss hatte die Geburt auf eure ersten Stillmomente?
Der Stillstart verlief sehr holprig. Da sich bei mir die Plazenta nicht ablöste, bekam ich direkt nach der Geburt unter Vollnarkose eine Ausschabung. Ich konnte meine Tochter also erst rund eine Stunde nach der Geburt das erste Mal richtig anlegen, nachdem ich wieder aus der Narkose aufgewacht war. Da blieb sie dann auch eine ganze Weile. Sie war allerdings sehr sehr müde – so wie ich – und schlief daher beim Stillen am Anfang immer ein. Hinzu kam dann noch eine Neugeborenen-Gelbsucht, die sie zusätzlich müde machte. Unser Hauptproblem war daher: Wie bleibt das Kind beim Stillen wach?

Trotzdem nahm sie weiter ab

Wir wickelten also immer zwischen dem Brustwechsel, massierten die Hände, streichelten den Kopf und so weiter… und trotzdem nahm sie immer weiter ab und mein Milcheinschuss ließ auf sich warten. So wurde im Krankenhaus beschlossen, dass ich abpumpen sollte, beidseitig. Irgendwann in der dritten Nacht saß ich dann im Krankenhausbett und weinte vor mich hin, weil ich das Gefühl hatte, mein Kind nicht ernähren zu können. Am Tag darauf kam endlich der Milcheinschuss, ziemlich heftig und schmerzhaft. Mit der abgepumpten Muttermilch wurde per Becher zugefüttert, so dass keine Saugverwirrung entstehen konnte.

Wie lief das Stillen im Wochenbett? Hattest du in dieser Zeit Unterstützung?
Zu Hause angekommen pumpte ich weiter ab, fütterte weiter zu, versuchte das Kind beim Stillen wachzuhalten und alle drei Stunden zu wecken, da sie sonst das Stillen verschlief. Was dazu führte, dass ich völlig übernächtigt war. Praktisch sah das so aus: Wecker klingelt, Kind wecken, stillen, wickeln, andere Seite stillen, zufüttern vom letzten Mal abpumpen, dann nochmal abpumpen, danach etwa eine Stunde schlafen, Programm wieder von vorne. Bis meine Hebamme meinte: Und warum wickelt dein Mann nicht und füttert nicht er zu?

Irgendwie hatte ich das in meinem Automatismus übersehen, dass nicht ich alles machen muss. Dabei war mein Mann extra den ersten Monat zu Hause mit Elternzeit, um mich genau bei so etwas zu entlasten. Als wir das angepasst hatten und die Nächte gemeinsam bestritten, wurde es auch schnell beim Stillen besser. Irgendwann nahm meine Tochter knapp 150 bis 200 Gramm pro Woche zu und wurde ein kleiner Wonneproppen.

„Kinder bestellen am Vortag die Milchmenge für den nächsten Tag.“

Ich pumpte aber immer noch ab: 90ml nach einer vollen Stillmahlzeit. Wieder gab mir meine Hebamme den richtigen Anstoß und sagte mir, dass ich nun mit dem Abpumpen aufhören kann, weil da nun Milch im Überfluss sei. Als ich damit aufhörte, pegelten sich endlich Angebot und Nachfrage richtig gut ein. Ich hatte keine übervollen Brüste mehr und das Kind bekam genug zu trinken.

Wer war bei Fragen oder Problemen in der Stillzeit für Dich da? Wer oder was hat Dir besonders gut bei etwaigen Schwierigkeiten geholfen?
In beiden Fällen: meine Hebamme! Als es zwischendurch schwierig wurde beim Stillen habe ich auch immer wieder das Buch „Oje ich wachse!“ gelesen. Damals hat mir das durch die ersten schwierigen Dauerstill- und Nuckelphasen geholfen (heute würde ich das Buch aber nicht mehr weiter empfehlen, da gibt es sicherlich bessere). Noch mehr hat mir aber meine Hebamme geholfen, die mir immer wieder versicherte, dass die Milch ausreicht. Ihr Standardspruch war: „Kinder bestellen am Vortag die Milchmenge für den nächsten Tag.“

Wie verlief der Beikostbeginn? Welche Erwartungen gab es? Und wie hat sich das Stillen in dieser Zeit verändert?
Wir starteten im 6. Monat mit Brei. Meine Tochter war erst mal nicht sehr begeistert. So nach sechs Wochen fand sie meinen selbst gekochten Zucchini-Kartoffel-Brei aber so lecker, dass sie ein halbes Jahr lang nichts anderes mehr essen wollte als diesen Brei. Was dazu führte, dass ich im Winter Bio-Zucchini aus Mexiko kaufte – würde ich sonst nie tun! Das Stillen blieb die nächsten Monate trotzdem gleich häufig: Meine Tochter wollte ganz ganz lange tagsüber alle ein bis zwei 2 Stunden an die Brust. Wenn sie krank war, sowieso nur noch Muttermilch. Im Laufe der Monate ersetzten aber die Breie immer mehr die Muttermilch.

Einschlafstillen noch sehr lange beibehalten

Wie verlief der Abstillprozess bzw. welche Wünsche oder Vorstellungen hast du in Bezug auf diese Zeit?
Ursprünglich hatte ich geglaubt, dass ich mit neun Monaten abstille, wenn die Brustmahlzeiten durch Beikost ersetzt sind. Meine Tochter hatte aber einen anderen Plan und dem bin ich dann auch gefolgt. Abstillen erfolgte bei uns daher so nach und nach. Tagsüber wurde es knapp drei Monate nach Einführung der Beikost tatsächlich immer weniger. Mit eineinhalb Jahren stillte ich tagsüber nur noch wenig. Nachts stillten wir ab, nachdem die letzten Backenzähne gewachsen waren. Denn immer beim Zahnen war sie nachts fast die ganze Zeit ununterbrochen an der Brust.

Mit circa zwei Jahren waren alle Zähne da und ich stillte dann ziemlich direkt in einigen Nächten ab. Das funktionierte ohne größeren Protest. Das Einschlafstillen behielten wir noch sehr lange bei. An ihrem dritten Geburtstag habe ich dann bestimmt, dass wir auch mit dem letzten Stillen aufhören. Einmal wollte sie noch an die Brust, danach war es für sie in Ordnung, dass wir nicht mehr stillten.

Was war oder ist das Schönste für dich am Stillen?
Das Einschlafstillen ab dem ersten Geburstag war mit das schönste am Stillen. Wenn das Kind nach einem ereignisreichen Tag einfach an der Brust einschlief. Und die normalen Nächte: Brust auspacken, Kind im Liegen stillen, weiterschlafen. So praktisch! Ich hätte alleine aus Bequemlichkeit nie auf die Flasche umsteigen wollen. Dazu bin ich nachts viel zu müde.

Vertraue dir, deinem Körper, deinem Baby und deiner persönlichen Hebamme

Was war am schwersten oder belastendsten für dich in der Stillzeit?
Der Beginn der Stillzeit war sehr anstrengend mit dem Abpumpen und Stillen im Sitzen (Stillen im Liegen klappte bei uns erst mit zwei Monaten). Und die späteren Nächte mit zahnendem Kind bis zwei Jahre, in denen es dauergestillt hat und ich Verspannungen bekam, weil ich immer nur auf einer Seite lag, waren extrem anstrengend.

Was würdest du in einer weiteren Stillzeit anders machen? Was ist deine wichtigste Erkenntnis in Bezug auf das Stillen, die du anderen Müttern weitergeben würdest?
Ich bin gerade in der zweiten Stillzeit und hatte dieses Mal die gleichen Probleme wie bei der ersten Geburt (nicht ablösende Platzenta, verspätet einschießende Milch, Abpumpen im Krankenhaus). Das erste, was ich gemacht habe, als wir zu Hause waren: Die Milchpumpe in die Ecke gestellt und nie wieder benutzt seitdem. Und das war genau die richtige Entscheidung. Meine wichtigste Erkenntnis ist: Vertraue dir, deinem Körper, deinem Baby und deiner persönlichen Hebamme. Aber nicht den vielen anderen Meinungen im Krankenhaus durch Stillberaterin, Krankenschwester und Hebamme dort. Das verunsichert nur und stresst viel zu sehr.

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1 Kommentar

Franzi 15. Oktober 2018 - 19:25

Ich bin Mama von drei Kindern und den letzten Sätzen kann ich zu 100% zustimmen.

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