Was bei Babykleidung wirklich wichtig ist

Das Besorgen von Babykleidung macht es Eltern ein Stück weit realer, dass da bald ein kleiner neuer Mensch auf der Welt sein wird. Die winzigen Mützchen oder Hosen mit so kurzen Beinen machen bewusst, welche Größenverhältnisse so ein Baby hat. Der Kauf der ersten Babykleidung ist deshalb meist auch eine emotionale Angelegenheit – Fehlkäufe inbegriffen.

Auch ich habe mich in meiner ersten Schwangerschaft in so einer wunderhübschen, stylishen Babyboutique vom Kauf eines wirklich niedlichen, aber furchtbar unpraktischen Jäckchens überzeugen lassen. Es waren nicht nur die Ärmel viel zu schmal, so dass man das Ding ohne Verrenkungen der zarten Babyarme kaum anbekommen hat. Nein, die Jacke hatte auch noch einen Stehkragen. Als Hebamme habe ich etliche Babys in den Händen gehabt. Und doch vergaß ich im eigenen Hormonrausch, dass Babys eigentlich gar keinen wirklichen Hals haben. Ein Stehkragen drückt sich also eher unsanft unter Babys Doppelkinn, als den Hals sinnvoll zu bedecken. 

Nahezu alle Eltern werden Sachen im Babykleiderschrank haben, die sich im Nachhinein als ziemlich unpraktisch erweisen. Aber mit ein paar Gedanken dazu vorab, lässt sich deren Anzahl doch klein halten.

Babywäsche aus Babyperspektive

Auch für Babys gibt es Durchschnittswerte in Bezug auf Größe und Gewicht. Aber ob man letztlich ein Kind mit rund 3300 Gramm und 51 Zentimetern bekommt, lässt sich vorab nicht sagen. Weder die Größe des Bauches noch die Voraussagen per Ultraschall lassen konkrete Vorhersagen zu. Die ersten Babykleidungsstücke werden meist in Größe 50 oder 56 besorgt, können aber durchaus zu groß oder zu klein sein. Gerade bei Neukäufen bewährt sich deshalb eher etwas Zurückhaltung. Das 58 cm lange Neugeborene wird nämlich vielleicht nur einmal oder keinmal in den süßen Strampler passen. Generell ist Babykleidung sinnvoll, die zum Beispiel durch Umklappbündchen eine Mitwachsfunktion hat. 

Babybodys mit einer zweiten Knopfreihe im Schritt sind besonders bei der Verwendung von Stoffwindeln praktisch und versprechen zudem, länger nutzbar zu sein und „mitzuwachsen“. An diesen Stücken hat man etwas länger Freude. 

Aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Babygröße sind die gut gemeinten Erstausstattungslisten auch immer etwas mit Vorsicht zu genießen. So bleibt man nicht als Eltern am Ende auf acht Bodys in Größe 50 sitzen. Auch die Mengenangaben berücksichtigen nicht immer die häuslichen Bedingungen. In Familien, in denen die Waschmaschine täglich läuft, reichen weniger Kleidungsstücke.

Babykleidung ist für alle da 

Das Wissen über die Größe des Kindes und die Anschaffung von Babykleidung ist nicht an ein Elternteil oder gar an ein Geschlecht gebunden. Darum ist es gut, wenn beide Eltern von Anfang an gleichermaßen involviert sind. Das Auswählen, Besorgen, Reinigen und Sortieren der passenden Kleidung ist eine Aufgabe, die uns viele Elternjahre lang begleitet. Und nicht immer wird es sich von der Belastung her so anfühlen wie diese beglückenden Erstkäufe in der Schwangerschaft. Wäsche ist für alle da und sobald ein Kind im Haus ist, haben Eltern mehr als genug davon

Die Anschaffung der Kleidung sollte auch von der Babyperspektive her betrachtet werden. In der Gebärmutter war das Baby lediglich in die schützende Käseschmiere gehüllt, die es von dem körperwarmen Fruchtwasser abgrenzte und schützte. Kleidung hinterlässt ein anderes Empfinden auf der Haut, die mit ihrem Tastsinn der am besten ausgebildete Sinn des Neugeborenen ist.

Kleidung für das Baby sollte deswegen mit Bedacht ausgewählt werden: Sie sollte in erster Linie bequem sein, nicht einengen und sich angenehm auf der Haut anfühlen ohne zu kratzen. So niedlich manche Teile in den Regalen der Babyabteilungen auch aussehen mögen, sie sind dennoch oft unbequem. Hosen, die zu eng geschnitten sind oder deren Bündchen den Bauch einengen oder auf den gerade abheilenden Bauchnabel drücken, nerven die Babys. Ebenso kleine Kleider, die sich bei Bewegungen verschieben und dann eine unangenehme Falte am Rücken bilden, auf der das Baby liegen muss. Manchmal drücken auch Nähte, Waschzettel oder Knöpfe, die am Rücken angebracht sind. 

Angenehme Naturmaterialien

Atmungsaktive und zugleich wärmende Stoffe eignen sich besonders für die Anfangszeit. Naturmaterialien wie Baumwolle oder besonders weiche Wolle-Seide-Mischungen sind angenehm. Sie können dem Baby dabei helfen, die Körpertemperatur zu halten und damit Stress vermeiden.

Kleine Pulswärmer für die Hand- und Fußgelenke sind ebenfalls schöne Wärmespender. Am Fuß ermöglichen solche Pulswärmer nach der Wochenbettzeit, wenn das Baby schon besser die Körpertemperatur hält, dass das Baby barfuß sein kann mit trotzdem warmen Füßen. Babys führen ihre Fußsohlen gerne aneinander zur Beruhigung. Barfuß können sie dabei die eigenen Füße spüren und bewegen.

Statt Hose kann auch ein Strampelsäckchen für das Baby angenehm sein, weil es hier auch wieder wie im Bauch seine Beine direkt Haut auf Haut ohne Kleidungsschicht dazwischen spüren kann.

Nachhaltige statt neue Babykleidung

Keine Angst vor gebrauchten Kleidungsstücken: Sie sind oft (gerade in Bio-Qualität) nicht nur preiswerter, sondern auch schon häufig gewaschen und damit von eventuell vorhandenen Schadstoffen eher befreit. Gerade die Kleidung für kleine Kinder wird oft nur eine sehr kurze Zeit getragen und so sehen auch gebrauchte Sachen oft wie neu aus. Auf Flohmärkten, Basaren oder auch online auf Second-Hand-Portalen ist gerade im Bereich der Babykleidung eine riesige Auswahl vorhanden.

Freunde und Familie geben auch gerne gebrauchte Sachen weiter. Es ist aber sinnvoll, vorab zu schauen, was aktuell wirklich gebraucht wird. Sonst stapeln sich schnell die Kisten und Tüten. Und ja, gefallen sollte die Kleidung den Eltern auch. Während dem Baby die Farbe der Kleidung relativ egal ist, werden die Eltern viel Zeit damit verbringen, ihr Baby anzuschauen. Und da muss es ja nicht gerade eine Farbe sein, die man so überhaupt nicht mag. Oder ein nerviges Muster.

Kleidung ist die erste neue Hülle, mit der wir das Baby umgeben. Das tägliche Anziehen, was  uns so selbstverständlich vorkommt, ist für das eine Erfahrung mit vielen Eindrücken, die es vorher nicht kannte. Deshalb geht es hier nicht um Tempo, sondern viel mehr um ein feinfühliges Reagieren auf die Empfindungen, die das Baby dabei zeigt. Dazu gehört auch das Sprechen mit dem Kind von Anfang an. Eltern können hier einfach dem Kind erzählen, was sie gerade tun.

Das Anziehen leicht machen

Auch das Handling beim An- und Ausziehen beeinflusst die Wahrnehmung des Babys. So mögen es viele Babys am Anfang nicht besonders, wenn ihnen etwas über den Kopf gezogen sind. Gerade Kinder, die bei der Geburt hier etwas mehr Belastung zum Beispiel durch eine lange Geburt oder den Einsatz einer Saugglocke (Vakuumextraktion) ausgesetzt waren, sind hier oftmals empfindlicher. 

Wenn sie über die Seite angezogen werden können, ist dies angenehmer und für viele Eltern im Handling einfacher. Wickelbodys oder Wickeljäckchen (auch Schlüttlis genannt), die mit Knöpfen oder Bändern geschlossen werden, haben sich hier als gute Alternative gezeigt. 

Dies kann diese für das Baby wie auch die Eltern noch ungewohnte Pflegesituation beim Anziehen der Babykleidung entspannen. Auch beim Anziehen sollten es sich Eltern und Babys also möglichst leicht machen.

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Kommentare

Eine Antwort zu „Was bei Babykleidung wirklich wichtig ist“

  1. A
    Anna

    Ich kann dem Artikel nur in allen Punkten zustimmen. Ich habe zum ersten Mal Babykleidung bei Räubersachen ausgeliehen. Alles Wolle-Seide und wie neu. Ich will dem Baby gar nichts anderes mehr anziehen. Es fühlt sich so angenehm weich an und ist super dehnbar, viel einfacher anzuziehen als Baumwollkleidung. Trocknet außerdem sehr schnell und kann problemlos in der Waschmaschine im Wollwaschprogramm gewaschen werden. Die Kistenstapel haben wir hier auch, wäre dieses mal nicht nötig gewesen…

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