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Wochenbettwissen: Eine ambulante Geburt planen

von Anja

Wenn man ein Baby erwartet, stellt sich irgendwann nicht nur die Frage nach dem passenden Geburtsort, sondern auch nach dem Ort, an dem das Wochenbett beginnen soll. Bei einer Hausgeburt wird dieser Ort ganz automatisch das heimische Bett oder Sofa sein. Bei einer Klinikgeburt besteht die Möglichkeit, die ersten Tage und Nächte im Krankenhaus zu verbringen – oder eben nach wenigen Stunden zusammen mit dem Baby nach Hause zu gehen. Auch bei einer Geburtshausgeburt fahren die Eltern kurz nach der Geburt wieder nach Hause. Natürlich muss immer die Voraussetzung gegeben sein, dass es Mutter und Kind entsprechend gut geht.

Eine ambulante Geburt ist eine wunderbare Option, wenn man das Wochenbett entspannt und in vertrauter Atmosphäre verbringen möchte – vorausgesetzt die Wöchnerin ist entsprechend gut um- und versorgt. Zu Hause sind auch beide Eltern von Anfang an zusammen für das Baby verantwortlich. In der Klinik gibt es zwar auch Familienzimmer, in denen die Partner mit übernachten können. Aber diese stark nachgefragten Zimmer sind eben nicht immer verfügbar.

Als unsere erste Tochter doch etwas überraschend für uns statt zu Hause mit dem Kopf voran in der Klinik aus Beckenendlage geboren wurde, war die ambulante Geburt ein guter Kompromiss zwischen dem für diese Situation passenden geburtshilflichen Setting und dem Wunsch, möglichst ungestört und in vertrauter Atmosphäre ins Familienleben und Wochenbett starten zu können.

Tipps für die Planung einer ambulanten Geburt

Wenn du eine ambulante Geburt planst, gibt es ein paar wichtige Punkte, die du vorab beachten solltest:

  • Voraussetzung für eine ambulante Geburt ist, dass es dir und dem Baby gut geht. Dann könnt ihr meist drei bis vier Stunden nach der Geburt nach Hause aufbrechen. Das ist in der Regel ein ganz guter Zeitpunkt, weil getragen durch die Geburtshormone der Kreislauf recht stabil ist und auch die Müdigkeit noch nicht so ganz zugeschlagen hat. Außerdem wirst du inzwischen bestimmt auch das erste Mal Wasser auf der Toilette gelassen haben. Auch wenn unter der Geburt eine PDA zum Einsatz kam, ist eine ambulante Geburt möglich. Der PDA-Katheter wird im Kreißsaal entfernt und ihr könnt nach etwa vier bis sechs Stunden gehen. Erkundige dich bei der Anmeldung in der Klinik nach den jeweiligen genauen Modalitäten für eine geplante ambulante Geburt. Frage auch vorab nach, wie das Procedere bezüglich der Geburtsanmeldung bei ambulanten Geburten läuft.
  • In den ersten 24 bzw. noch besser 48 Stunden muss jemand für dich da sein – und zwar rund um die Uhr. Falls dir doch mal schwindelig wird oder eine verstärkte Nachblutung auftritt, ist unmittelbare Unterstützung unerlässlich. Sorge also dafür, dass du wirklich nicht alleine bist. Ob dir dein Partner, eine Freundin oder Familienmitglieder helfen, sollte vorab verbindlich geregelt sein. Du sollst dich einfach nur mit dem Baby ins Bett kuscheln und verwöhnen lassen. Die Essensversorgung und den Haushalt, aber auch die Betreuung von Geschwisterkindern dürfen andere übernehmen.
  • Wenn es nicht euer erstes Kind ist, sprecht vorab mit dem Geschwisterchen ab, dass sich Mama ausruhen muss nach der Geburt. Die ambulante Geburt ist gerade für kleinere Geschwister ein guter Übergang in das veränderte Familienleben, weil die Trennung von der Mama nur vergleichsweise kurz ist. Mütter mit vielen Kindern sagen aber auch manchmal, dass ihnen ein paar Tage in der Klinik etwas mehr Exklusivzeit mit dem neuen Baby ermöglichen, als es zu Hause der Fall ist. Um die Wochenbettruhe auch mit mehreren Kindern zu Hause einhalten zu können, sind eine entsprechende Vorausplanung und genug Unterstützung unerlässlich.
  • Füllt die Vorräte schon in der Schwangerschaft auf. Das betrifft Lebensmittel und Verbrauchsmaterial (Binden, WC-Papier, Waschmittel, etc.) gleichermaßen. Kocht immer ein paar Portionen mehr und legt im Eisfach einen Vorrat an schnell erwärmbaren leckeren Gerichten an. Vielleicht gibt es Einkaufslieferdienste in eurer Stadt. Legt euch ein Kundenkonto an und testet den Service vorab.
  • Kümmere dich rechtzeitig um eine Hebamme für die Wochenbettbegleitung. Sprich deine Pläne bezüglich der ambulanten Geburt gut mit ihr ab. Die Hebamme muss ja mehr oder weniger rufbereit sein muss, damit sie euch am Tag der Geburt bzw. spätestens am nächsten Tag besuchen kann, um nach Mutter und Kind zu schauen. Bei Bedarf, zum Beispiel um den Rückbildungsverlauf zu überwachen oder bei Stillschwierigkeiten, kann sie auch durchaus mehrmals täglich vorbeikommen. Sprich auch mit ihr ab, ob sie bei deinem Baby Blut für das Screening auf Stoffwechselerkrankungen abnimmt oder ob du dafür zum Kinderarzt bzw. in die Klinik musst. Informiere je nach Absprache die Wochenbetthebamme bereits, wenn absehbar ist, dass die Geburt losgeht. So kann sie den ersten Wochenbettbesuch rechtzeitig einplanen.
  • Die erste Untersuchung direkt nach der Geburt wird von der Hebamme oder einem Arzt durchgeführt. Die zweite Untersuchung nach der Geburt (U2) muss ein Kinderarzt durchführen. Kümmere dich also vorab darum, zu welchem Kinderarzt du dann gehen kannst. Leider können die meisten Kinderärzte aus organisatorischen Gründen heute keine Hausbesuche mehr durchführen. Die U2 ist zwischen dem dritten und zehnten Tag nach der Geburt vorgesehen. Außerdem ist seit 2016 das Pulsoxymetrie-Screening auf kritische angeborene Herzfehler bei Neugeborenen vorgesehen. Der beste Zeitpunkt für diese Früherkennungs-Untersuchung liegt nach der 24. und bis zur 48. Lebensstunde. Bei ambulanten Geburten im Krankenhaus kann die Pulsoxymetrie vorgezogen werden – sollte aber frühestens 4 Stunden nach der Geburt soll diese vorgenommen werden. Bei Hausgeburten kann sie spätestens im Rahmen der U2 erfolgen. Ein Screening von Neugeborenen auf mögliche Hörstörungen wird in den ersten Lebenstagen empfohlen. Frage Deinen Kinderarzt, ob er diese spezielle Untersuchung selbst durchführen kann oder ein Termin bei einem Facharzt (Hals-Nasen-Ohren-Arzt) dafür vereinbar werden muss.
  • Plane den Heimweg mit Baby. Packe entsprechend warme Sachen für das Baby ein. Eine Geburt ist ein bewegendes Ereignis – auch für den Partner. Neben der Aufregung kommen oft noch Müdigkeit und Erschöpfung hinzu. Lasst euch darum vielleicht lieber von jemandem fahren, der etwas „frischer“ ist oder nehmt ein Taxi für den Heimweg. Natürlich braucht ihr für das Baby eine geeignete Autotransportschale. Probiert unbedingt vorab schon mal aus, wie diese funktioniert.
  • Geburten sind nicht wirklich planbar – und so ist das auch mit dem Wochenbett. Wenn du nach der Geburt merkst, dass du doch noch eine Nacht oder ein paar Tage in der Klinik bleiben willst, dann höre auf dein Bauchgefühl. Umgedreht gibt es auch Frauen, die ungeplant dann doch wenige Stunden nach der Geburt nach Hause gehen. Und manchmal gibt es einfach auch medizinische Gründe, weshalb das Klinikpersonal empfiehlt, doch noch etwas länger zu bleiben. Bleib flexibel und packe für den Fall der Fälle ruhig eine kleine Kliniktasche mit Sachen für dich ein.

In jedem Fall gilt: Wochenbett ist Wochenbett – ob zu Hause oder in der Klinik. Es ist eine Zeit des Ankommens. Eine Zeit, in der die Mutter sich erholen und ausruhen soll. Eine Zeit, in der mögliche Geburtsverletzungen heilen und auch die Seele das Erlebte verarbeiten muss. Das braucht Ruhe und Intimität. Genau wie die Klinik kein öffentlicher „Babyschauplatz“ für sämtliche Besucher sein sollte, so solltet ihr auch zu Hause nur Menschen in eure Wochenbetthöhle lassen, die euch gut tun und unterstützen. Und das gilt nicht nur für die ersten Tage, sondern für die ganzen sechs bis acht Wochen, die das Wochenbett regulär dauert.

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4 Kommentare

Carola Schneider 11. März 2020 - 09:51

Hallo Anja,

Zwei nicht unwesentliche Punkte in Sachen Orga fehlen aus meiner Sicht, die sonst im Krankenhsus passieren. Vielleicht wäre es möglich den Artikel zu ergänzen:

Hörtest: ist zwar nicht zeitlich kritisch, aber sollte gemacht werden. Da under Kinderarzt – wie wohl viele – das entsprechende Gerät nicht haben, braucht es dafür einen Termin beim HNO.

Pulsoxymetrietest: Relativ neu, „erst“ seit 2016. bei uns wurde er wohl deshalb von allen vergessen und fiel erst auf meine Nachfrage nach zwei Monaten auf. Soll wohl nach 24 – 48 Stunden gemacht werden, manche Kinderärzte machen ihn dann auch erst bei der U2 (sicherheitshalber darauf hinweisen). Ggf leihen sich auch Hebammen das benötigte Gerät und machen den Test beim Hausbesuch.

Danke und viele Grüße
Carola

Antworten
Anja 11. März 2020 - 10:21

Liebe Carola,

danke für Deine wertvolle Rückmeldung- das habe ich gleich noch mal ergänzt 🙂

Liebe Grüße, Anja

Antworten
Agnes 17. Juli 2019 - 21:18

Das Stoffwechselscreening macht meine Wochenbetthebamme, aber wie ist das eigentlich mit dem Hörscreening – das soll ja auch schon in den ersten Lebenstagen stattfinden? Muss ich dann mit dem Baby doch los?

Antworten
Anja 17. Juli 2019 - 21:37

Liebe Agnes,

es ist zwar zwischen 2. und 5. LT empfohlen, kann aber auch später durchgeführt werden. Bei dem frühen Test geht es ja vor allem darum, mögliche Probleme rechtzeitig zu erkennen und im KH werden möglichst viele Babys erfasst.
„Das Krankenhaus bietet die besten Voraussetzungen, um möglichst viele Kinder direkt nach der Geburt untersuchen zu können.
Zu einem so frühen Zeitpunkt wird zwar noch kein Baby behandelt. Wird eine Hörstörung bei einem Kind aber schon sehr früh erkannt, kann dies helfen, sein Verhalten besser zu verstehen und nicht falsch zu interpretieren – zum Beispiel, wenn es auf Ansprache kaum reagiert.“
https://www.gesundheitsinformation.de/hoertests-bei-neugeborenen.2609.de.html?part=frueherkennung-h6

Wir haben den Termin zum Hörtest hier bei allen Kindern immer erst so mit zwei oder drei Wochen beim externen ausführenden HNO angeboten bekommen. Es ist also kein Problem, wenn Ihr nicht gleich im Frühwochenbett den Test durchführt.

Liebe Grüße,

Anja

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