Familienbett, Babyschlaf, Schlafen

Wochenbettwissen: Sicher schlafen im Familienbett

von Anja

Mit einem Baby verändert sich der Schlaf. Bereits in der Schwangerschaft sorgen häufigere Toilettengänge oder auch das Wälzen der Gedanken für nächtliche Unterbrechungen. Trotzdem ist man auf die Babynächte nicht wirklich vorbereitet. Erst nach der Geburt erfährt man selbst, wie müde Eltern doch sein können. Da es aber bereits eine Vorahnung davon gibt, wenden die meisten Eltern viel Energie auf, sich vorab um den bestmöglichen Schlafplatz fürs Baby zu kümmern. Da werden die Testergebnisse von Babymatratzen verglichen oder es wird nach dem atmungsaktivsten Schlafsack gegoogelt. Feste und bewegliche Schlafplätze zum Beispiel in Form von Federwiegen versprechen ruhige Nächte und entspannte Tage.

Und doch ist es vor allem eins, was Babys geborgen und sicher schlafen lässt: die Nähe zur Mutter, die es ja bereits schon aus der Schwangerschaft kennt. Davon braucht es möglichst viel. Und entsprechend fordern dies die meisten Babys auch ein. In den ersten Tagen lassen sich viele Babys noch etwas unkomplizierter und entfernter von Mama zum Schlafen ablegen. Aber oft wird nach ein paar Tagen oder Wochen der Schlaf „alleine“ unruhiger. Und manchmal ist selbst das am Elternbett befestigte Beistellbettchen zu weit weg. Gerade beim ersten Kind hat man doch noch oft das Bild vom Baby im Kopf, das entspannt in seinem Bettchen liegt und döst. Das liegt auch daran, weil das medial und in der Werbung häufig so dargestellt wird.

Doch dann kommen die realen Nächte. Und die sorgfältig geplanten und hergerichteten Schlafoptionen „funktionieren“ alle nicht. Bei großer Übermüdung der Eltern wird dann alles versucht, um gemeinsam mit dem Kind ein wenig Schlaf abzubekommen. Dies kann dazu führen, dass es dann zu Familienbettsituationen kommt, die nicht sicher genug sind, wenn es darum geht, die Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod (SIDS) möglichst gering zu halten. Noch immer sind die Ursachen hierfür nicht endgültig erforscht. Aber es gibt einige Punkte, die man präventiv beachten sollte.

Flexibilität der Eltern auch beim Babyschlaf gefragt

Zum Beispiel wird das gemeinsame Schlafen von Eltern und Baby in einem Raum im gesamten ersten Lebensjahr empfohlen. In Bezug auf das gemeinsame Schlafen in einem Bett gibt es aber unterschiedliche Aussagen. Immer wieder gibt es Studien, die Eltern verunsichern. Andere Untersuchungen zeigen, dass das gemeinsame Schlafen sich positiv auf den Stillerfolg auswirkt. Und das Stillen ist mit einer der größten präventiv wirksamen Faktoren in Bezug auf SIDS.

Und neben all diesen Ansichten, Untersuchungen und Stellungnahmen gibt es dann einfach noch den Babyalltag bzw. die Babynächte. Wenn da das Schlafen im Babybett nicht klappt, kommt es leicht zu wirklich unsicheren Schlafarrangements, etwa weil die Mutter komplett übermüdet beim Stillen auf dem Sofa einschläft. Es ist also durchaus sinnvoll, sich mit dem sicheren Schlaf im Familienbett auseinanderzusetzen, auch wenn man eigentlich ein liebevoll hergerichtetes Babybettchen als Schlafstätte angedacht hatte. Viele (Erst-)Eltern haben in der Schwangerschaft für das Thema Babyschlaf ganz andere Pläne gehabt.

Wichtig ist aber immer zu schauen, dass die Situation für alle Beteiligten möglichst angenehm und sicher ist. Flexibilität verlangt uns das Leben mit Kindern ohnehin jeden Tag und jede Nacht ab. Es gibt nicht nur den einen Weg, sondern viele Optionen. Und das Familienbett kann ein möglicher Weg sein.

Empfehlungen für sicheres Schlafen im Familienbett:

  • Auch wenn ihr das beste und schönste Babybett angeschafft habt, überlegt bereits in der Schwangerschaft, wie alternativ ein sicherer Familienbettschlafplatz für das Baby aussehen könnte.
  • Das Baby sollte beim Bed-Sharing genug Platz haben und vor dem Rausfallen gesichert sein. In vielen Familien ist der am Elternbett montierte Babybalkon eher Rausfallschutz und Ablage, weil das Baby dann eben doch im Bett schläft. Dabei sollte es im eigenen Schlafsack in Rückenlage neben der Mutter liegen.
  • Die Matratze sollte nicht zu weich sein. Wasserbetten, Sofa und Sessel sind keine geeigneten Schlafplätze.
  • Kissen und Decken der Mutter sollten so platziert sein, dass sie nicht über das Baby rutschen können. Manche Mütter verzichten auch ganz auf ein Kopfkissen. Auch Kuscheltiere und andere Gegenstände, die ein Erstickungs- oder Verletzungsrisiko bergen, gehören nicht an den Babyschlafplatz im Familienbett.
  • Geschwisterkinder sollen nicht neben dem Baby schlafen. Erweitert also euer Familienbett entsprechend bei Bedarf. Anregungen dafür findet man mittlerweile reichlich im Netz.
  • Empfehlungen für die ideale Raumtemperatur sorgen bei Eltern eher für Stress. Denn sie lassen sich zum Beispiel im Sommer in der Dachgeschosswohnung auch gar nicht immer umsetzen. Es sollte deshalb eher darauf geachtet werden, dass der Schlafraum gut durchlüftet ist und dass das Baby der Raumtemperatur entsprechend angezogen ist. Dünne Musselin-Schlafsäcke sind bei warmen Temperaturen angenehm. Zu einer Überwärmung kommt es vor allem durch zu warme Unterlagen wie Felle, zu dicke Schlafsäcke oder Mützen. Im Winter wiederum muss natürlich entsprechend der Umgebungstemperatur die Kleidung angepasst werden. Beim gemeinsamen Schlafen reguliert das Baby seine Temperatur auch über den Hautkontakt mit der Mutter. Das sollte bei der Auswahl von Kleidung und Schlafsack mit berücksichtigt werden.
  • Rauchen erhöht das SIDS-Risiko deutlich. Darum sollte das Bett nicht mit dem Baby geteilt werden, wenn die Mutter in der Schwangerschaft geraucht hat oder ständigem Passivrauchen ausgesetzt war. Das Baby sollte nicht mit einem rauchenden Elternteil gemeinsam in einem Bett schlafen.
  • Ebenso gefährdet der Einfluss von Drogen oder Alkohol das Baby. Die Reaktionsfähigkeit der Eltern kann auch durch manche Medikamente herabgesetzt sein. Nach dem Konsum von Drogen, Alkohol oder bewusstseinsverändernden Medikamenten darf das Baby also nicht im Elternbett schlafen.
  • Gerade für die ersten Nächte ist eine kleine Lichtquelle zur Orientierung sinnvoll. Salzkristalllampen sorgen zum Beispiel für eine dezente Beleuchtung, mit der man auch ganz gut schlafen kann.
  • Die Schlafzyklen vom Baby und seiner stillenden Mutter passen sich einander an, wenn sie nah beieinander schlafen (Breast-Sleeping). Deshalb fühlen sich viele Mütter trotz des häufigen nächtlichen Stillens nicht so übermüdet am nächsten Tag. Trotzdem ist ein Tagschläfchen oder zumindest eine längere Ausruhphase am Tag für alle Mütter im Wochenbett, aber auch im ersten Babyjahr, wichtig.

Das gemeinsame Schlafen kann eine gute Option sein, den Bedürfnissen aller Familienmitglieder gerecht zu werden. Wenn du dir sorgen machst, dass dein Kind nie mehr aus dem Familienbett ausziehen wird, mache dir bewusst, woher es kommt. Die Zeit in deinem Bauch hat es in unmittelbarer Nähe zu dir verbracht: sicher und geborgen. Es braucht einfach Zeit, sich an die veränderte Situation nach der Geburt anzupassen. Das gilt auch für das Schlafen. Das Schlafverhalten von Kindern verändert sich ständig. Und so wird sich auch euer Familienalltag den Bedürfnissen immer wieder neu anpassen. Schau darum einfach, was hier und jetzt für dich und dein Kind gerade das richtige ist.

Passend zum Thema

11 Kommentare

Mareike 13. Juni 2019 - 20:20

Meine Tochter ist jetzt 10 Monate und schläft im Kinderbett mit der Matratze auf unserer Höhe direkt neben mir und einem Gitter an der anderen Seite. Sie rollt viel rum und ich habe Angst, dass sie rausfallen könnte. Hast du Tipps, wie ich das verhindern kann? Lieben Dank!

Antworten
Anja 14. Juni 2019 - 18:56

Liebe Mareike,

ich kenne ein einige Familien, die sich bei sehr „aktiv schlafenden“ Kindern ein große Bettumrandung selbst gebaut haben. Eventuell lässt sich auch erst mal mit Stillkissen eine Barriere bauen. Schläft Deine Tochter in einem Schlafsack? Der reduziert ja auch etwas die Bewegungsmöglichkeiten.
Wir haben hier auch immer mal das Bett für eine bestimmte Zeit lang abgebaut und gegen Lattenrost mit Matratze auf em Fußboden getauscht;)

Liebe Grüße, Anja

Antworten
Sascha 13. April 2019 - 10:23

Habe das ziemlich genau so mitbkind nr.1 gemacht und es hat auch gut funktioniert- klar müde ist man trotzdem hast du such tips für zwillinge? Habe diverse ideen und es hängt natürlich immer vom Charakter/Bedürfnis der Kinder ab, aber vielleicht gibts ja noch tips! Nr.2&3 kommen ca ende mai und ich habe vor mit ihnen das 180er bett zu teilen. Papa word zum gr.3 jährigen ins 140er bett ausquartiert…! Aber wie ich die 2 babys vei mir plaziere (zb am busen) und dann weitwr schöafen kann ist mir derzeit noch etwas schleierhaft…!

Antworten
Doro 1. August 2018 - 20:30

Wir haben hier eine extrem unruhige Schläferin, die morgens manchmal quer und manchmal auch verkehrt herum im Bett liegt. Mit einem Jahr haben wir sie aus unserem Bett ausquartiert, weil sie sich nachts immer auf mich drauf geworfen hat und dabei selbst auch wach wurde. Eine 1,40 mal 2,00 Meter große Matratze vor unserem Bett ist jetzt ihr „kleines Bett“, wie sie es mit ihren drei Jahren inzwischen nennt. Das ist beim einschlafen praktisch, weil sie immer noch jemand von uns bei sich braucht zum Einschlafen. In unruhigen Nächten und bei Krankheit kann auch jemand zu ihr liegen. Ansonsten schlafen wir so aber bedeutend besser.

Antworten
Jenny 29. Juli 2018 - 20:51

Liebe Anja,

Immer wieder lese ich alle Artikel deines Blogs mit großem Interesse! Ich wollte mal loswerden, dass ich es vor allem toll finde, wie du Aussagen mit Hilfe von aktuellen wissenschaftlichen Studien be- oder entkräftigst. Auch die Naturwissenschaft kann durchaus Kritik vertragen, aber durch mein eigenes wissenschaftliches Studium merke ich doch immer, dass es auch viele Vorteile hat auf die aktuelle Studiensituation einzugehen und es Ängste mindern kann.
Danke für deine bzw. eure wunderbaren Beiträge! 🙂

Liebste Grüße,
Jenny

Antworten
Kathi 26. November 2018 - 16:41

Liebe Jenny,

Du sprichst mir aus der Seele.

Viele Grüße und alles Gute

Kathi

Antworten
Yvonne k. 26. Juli 2018 - 14:13

Liebe Anja.
Das Thema beschäftigt mich derzeit stark. Mein kleiner Sohn ist 3 Monate. Er schläft mit im Familienbett, was ich auch sehr genieße.
Mein Störfaktor ist ehrlich gesagt mein Mann 😉
Durch ihn werde ich oder wir wach, wenn er spät ins Bett kommt. Und sein Wecker weckt uns auch. Hast du da vielleicht auch eine Idee? !
Ich muss gestehen, dass ich am besten schlafe mit beiden Kids und ohne Mann. Hihi ist leider so.
Kannst du einen Musselin-Schlafsack empfehlen?
Lieben Dank
Yvonne

Antworten
Anja 26. Juli 2018 - 14:19

Liebe Yvonne,

es spricht nichts dagegen, auch (ab und an) getrennt zu schlafen. In der Babyzeit geht es vor allem darum, so effektiv wie möglich an etwas Schlaf zu kommen- und weniger um Romantik 😉
Christian hatte dazu auch 2013 mal was gebloggt: https://www.vonguteneltern.de/wo-schlaft-der-vater-nach-der-geburt/
Macht es Euch also so einfach wie möglich.
Ich habe diesen Schlafsack hier von einer Freundin geliehen bekommen und finde den super bei diesem Wetter. Ich ziehe darin nur Body oder auch nur eine Windel an: https://amzn.to/2AbDQWV

Liebe Grüße, Anja

Antworten
Marlene 3. März 2019 - 20:18

Liebe Anja, hast du auch noch eine Empfehlung für einen Schlafsack für die kältere Jahreszeit? Die Alvi-Säcke sind mir zu wuchtig nachts beim Stillen… Danke und liebe Grüße, Marlene
P.S.: super informativer und angenehm geschriebenener Blog. Hier schmökere ich gerne!

Antworten
Anja 4. März 2019 - 10:07

Liebe Marlene,

das stimmt- Alvi ist gerade bei den kleineren Babys irgendwie recht wuchtig. Ich fand da armfreie Schlafsäcke letztlich immer besser. Wenn sie aus Wolle oder Wolle-Seide sind, sind sie auch nicht so dick. Von Disana gibt es z.B. recht schöne Schlafsäcke. Wollfrottee (z.B. von Lilano) ist auch schön warm, aber nicht so dick.

Liebe Grüße, Anja

Antworten
Theresa 25. Juli 2018 - 12:34

Auch ich hab in der Schwangerschaft ein Beistellbett gekauft, die schönste Deko dafür und mir ausgemalt wie schön meine Tochter darin schlafen wird. Wie oft hat sie drin geschlafen? Keine einzige Minute. Erst wollte sie nicht ohne Hautkontakt schlafen und nun ist es zum Stillen einfach entspannter wenn sie wirklich direkt neben mir liegt.
Und trotz dass wir nachts zwischen 3-13 Mal stillen, fühle ich mich selten wirklich gerädert, da ich nicht wirklich aufwache sondern im Halbschlaf stillen.
Unser Beistellbett haben wir verkauft, an Ersteltern die gaaaanz sicher sind, dass ihr Kind wunderbar drin schlafen wird.

Antworten

Kommentieren