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Beikost 4.0 ohne Plan

von Anja

Unsere Babytochter ist mit ihren sieben Monaten rein statistisch im besten Beikostalter. Und doch ist es ein Thema, das kein Thema mehr ist – wie so vieles beim vierten Kind. Und nein, nicht etwa, weil es uns egal wäre, was das Baby macht. Sondern weil wir längst gelernt haben, dass wir – wie so oft- gar nichts machen müssen außer einfach nur unserem Kind vertrauen.

Vertrauen darauf, dass es genau weiß, was es gerade braucht. Dass es Interesse an der Beikost genauso anzeigt wie Hunger und Sättigung. Das kann die Kleine nämlich ganz ausgezeichnet. Schließlich hat sie das von Geburt an bis jetzt ganz verlässlich getan. Anfangs mit den vielen kleinen frühen Hungerzeichen, mittlerweile längst mit dem direkten Zuwenden zur Nahrungsquelle oder auch gerne mal dadurch, dass es mit den Händchen aufgeregt auf die Brust klopft.

Wenn das Baby satt ist, hört es auf zu stillen – ganz einfach. Und genauso einfach ist das auch mit der Beikost. Nach und nach wurde das Greifen gezielter, die Sitzstabilität höher und auch andere Fähigkeiten verfeinerten sich. Das Baby wurde immer neugieriger am Esstisch und probiert mittlerweile mal hier und mal da etwas. Manchmal landet mehr, manchmal weniger oder auch gar nichts davon im Bäuchlein. Unser Baby zeigt uns, was es möchte und was nicht. Ganz einfach.

Beikost keine Raketenwissenschaft

Beikost war und ist keine Raketenwissenschaft. Aber zumindest beim ersten Kind habe ich genau das doch irgendwie noch ein bisschen geglaubt. Denn auch das erste Kind hat sich nicht an Beikostpläne gehalten, die sich schlaue Menschen am Schreibtisch ausgedacht haben. Es hat auch einfach so gegessen, wie es für seine Entwicklung gerade gepasst hat.

Und so macht das unsere mittlerweile zwölf Jahre alte Tochter immer noch. Und so machen es auch die anderen Geschwister. Immer wieder neu, immer wieder anders. Mal gibt es Wochen mit mehr Appetit, mal mit weniger. Mal wird mit Neugierde viel Neues ausprobiert. In anderen Phasen wird tagelang eher recht monothematisch gegessen. Ganz normal. Auch wir Erwachsenen haben schließlich jeden Tag unterschiedliche Essbedürfnisse.

Es ist schön, mit der Familie gemeinsam am Esstisch zu sitzen. Und es ist toll, dass auch unser viertes Kind nun in dieser Tafelrunde seinen Platz gefunden hat. Alle hier schauen der Kleinen so gerne zu, wenn sie neue Geschmäcker und Konsistenzen entdeckt. Wenn die kleinen Fingerchen eine Kartoffel erforschen oder das Baby stolz ein Stückchen glitschige Banane in den Mund befördert.

Muttermilch ist weiter Hauptnahrungsmittel

Das sieben Monate alte Baby befühlt und probiert ganz vorsichtig das Broccoliröschen und hat im Hotel im Herbsturlaub entdeckt, wie gut Wasser- und Honigmelone schmecken. Die Mahlzeiten mit dem Baby sind von Spaß und nicht von Stress gekennzeichnet. Und so sollte es ja auch sein mit dem Essen.

Die gemeinsamen Mahlzeiten sind wichtige und schöne Rituale im Familienalltag. Sie sind etwas, das alle gemeinsam machen und erleben. Es ist oft laut und trubelig bei uns am Tisch. Aber es ist in der Regel doch entspannt und lustig. Das spürt auch das Baby, wenn es hier seine ersten Beikosterfahrungen macht.

Und während die anderen großen Menschen anschließend den Tisch abräumen, darf ich noch gemütlich mit dem Baby sitzen bleiben, um es zu stillen. Denn noch ist die Beikost hier lediglich in der Kennenlernphase. Die Muttermilch ist ganz klar nach wie vor das Hauptnahrungsmittel des Babymädchens.

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16 Kommentare

Lena 5. Januar 2019 - 22:55

Hallo Anja und Christian! Was habt ihr denn beim Essensstart für Schüsseln/Teller/Tassen benutzt? Alles was ich finde ist aus Plastik und auf euren Fotos sieht das mehr nach Naturmaterialien aus, kann das sein? Sinnvoll ist ja wahrscheinlich (oder in unserem Fall) wenn die Teller nicht rutschen 😉

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Anja 7. Januar 2019 - 13:32

Liebe Lena,

wir hatten am Anfang so eine EzPZ-Silikonessmatte, weil die nicht wegrutscht. Die siehst Du hier auf dem Bild: https://www.vonguteneltern.de/freude-beim-essen-macht-babys-dick/
Sonst haben wir kein extra Geschirr- bis auf etwas kleinere Wassergläser (so groß wie türkische Teegläser) und ein Kinderbesteck aus Metall. Bambus gäbe es auch noch als Material für Kindergeschirr. Es geht bei der kleinsten Tochter aber auch nicht mehr kaputt als bei uns oder den anderen Kindern mal ab und zu 😉

Liebe Grüße, Anja

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The Rese 12. November 2017 - 10:11

Wir nutzen die Elternzeit 3.0 um mal raus zu kommen: 2 Monate Thailand darf es sein, beim Abflug ist der Baby sechseinhalb Monate alt. ich hoffe sehr, dass er ein später Esser wird und sich noch lange voll stillen und mit bissel Banane und Reis abspeisen lässt. Und ich bin froh, um „Pastinake oder Möhre“ und „Avocado oder Brokkoli“ und „na wie läufst?“ herum zu kommen. Wird einfach laufen, zeigt auch dein Beitrag wieder. 🙂

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Jasmin 8. November 2017 - 11:54

Liebe Anja, unser Sohn ist am 21.3. geboren und so glaub ich ein Woche älter als eure Tochter. Ich lese euren blog mit großem Interesse. Mit fünf Monaten hab ich mit Beikost angefangen, mal Brei, mal Brot oder Obst in Stücken, was echt gut lief, doch seit 1Woche verweigert er seine Mahlzeiten fast komplett und trinkt fast nur an der Brust. Meine Sorge ist, dass ich vielleicht nicht mehr genug Milch hab, weil ja zwei Mahlzeiten schon ersetzt waren. Er kommt nachts ziemlich häufig. Ich überlege, ihn mal zu wiegen, aber das war leider beim ersten Sohn der Anfang vom Ende unserer Stillbeziehung…

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Anja 9. November 2017 - 11:05

Liebe Jasmin,

da ich auf diesem Wege leider keine Stillberatung machen kann und darf (das hat auch haftungsrechtliche Gründe), würde ich Dir sehr ans Herz legen, noch mal Deine Hebamme oder eine Stillberaterin zu kontaktieren. Sehr wahrscheinlich ist alles in Ordnung, denn die Milchmenge passt sich recht schnell wieder dem steigenden Bedarf an und produziert rasch mehr, wenn wieder häufiger gestillt wird. Aber da Du Dir ja schon Sorgen machst, wäre sicherlich noch mal eine zweite Meinung ganz sinnvoll. Die Gewichtszunahme verläuft bei Stillkindern im zweiten Lebenshalbjahr langsamer- auch das muss bei einer Beurteilung des Gewichtes mit berücksichtigt werden. Aber wie gesagt, am besten holst Du Dir da noch mal Unterstützung vor Ort.

Alles Gute für Euch und liebe Grüße,

Anja

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Jenny 6. November 2017 - 09:37

Liebe Anja,
mein zweiter Sohn dürfte ungefähr so alt sein wie Deine kleine Tochter. Unsere Stillbeziehung ist mäßig bis kompliziert (Er trinkt nur, wenn er eingeschlafen ist. Ich habe alles, wirklich alles mit einer Stillberaterin versucht, es wird gaaaaaaaaanz langsam besser, bzw. hab ich mich damit abgefunden.), deswegen hab ich schon früh versucht Breikost einzuführen. Hat natürlich nicht funktioniert. Jetzt lasse ich ihn einfach mitessen. Meine Frage: Setzt Du die Kleine schon in den Hochstuhl? Eine befreundete Physiotherapeutin hat direkt Schnappatmung bekommen, als ich sie gefragt hab, ob das schon okay wäre…
Viele Grüße Jenny

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Anja 6. November 2017 - 15:03

Liebe Jenny,

generell sollten Kinder nicht hingesetzt werden, bevor sie sich selbst in die Sitzposition bringen können. In der Regel können sie das, wenn sie auch krabbeln. Manche Kinder sind schon mit sechs oder sieben Monaten soweit, andere machen diesen Entwicklungsschritt auch erst mit neun oder zehn Monaten. Es gilt auch immer, dass Kinder nicht in eine Position gebracht werden, aus der sie alleine nicht mehr rauskommen, was aber der Fall ist, wenn wir als Eltern das Kind hinsetzen.
Also empfiehlt sich deshalb das Essen oder Füttern auf dem Schoss, auch weil sich hier der elterliche Körper besser dem Sitzen des Babys anpass und entsprechend stützt. Sitzen können mit nur wenig Unterstützung ist ja auch ein Beikostreifezeichen, weshalb ein Kind in diesem Alter seine Muskulatur schon soweit trainiert hat, dass es eine gewisse Zeit stabil sitzen kann.
Also- korrekterweise soll das Kind nicht in den Hochstuhl, bevor es sich selbst hinsetzt. Realistischerweise sitzen viele Kinder doch schon eher darin, auch weil es oft die Mahlzeiten erleichtert. Ganz persönlich finde ich es vertretbar, wenn es sich dabei um einen kurzen, begrenzten Zeitraum handelt und das Kind generell genug Gelegenheiten hat, seine Motorik auf der Krabbeldecke zu trainieren.
Aber prinzipiell hat Deine Freundin recht. Doch wie bei so vielen Dingen gilt wohl auch hier, dass die Dosis das Gift macht;)

Liebe Grüße,

Anja

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Bine 11. November 2017 - 20:54

Liebe Jenny,

Als ich deinen Kommentar gelesen hab habe ich nicht schlecht gestaunt, denn auch bei uns ist die Stillbeziehung so wie du sie beschreibst!!!! Falls du nochmal auf dieser Seite vorbei schaust, ich würde mich sehr sehr freuen wenn du vielleicht Lust hättest dich auszutauschen…….

Liebe Grüße

Bine

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Sandra 3. November 2017 - 20:21

Hallo ihr Lieben!
Erstmal Danke für die tollen Texte 🙂
Es macht echt Spaß, von euch abends mal zu lesen!
Unsere 2. Maus wird jetzt im November ein Jahr und mittlerweile isst sie tagsüber fast ausschließlich das, was einer von uns auf dem Teller hat. Sie hat auch erst nach über 6 Monaten angefangen, sich überhaupt für was anderes als die Brut zu interessieren.
Abends und nachts stille ich noch immer.
Auch sie hat, wie ihre 11 Jahre alte Schwester nie wirklich Brei gegessen, was wir auch ganz entspannt so hin genommen haben.
Wir haben uns letztens euer breifrei! Kochbuch runtergeladen, und schon einiges nachgekocht. Sogar die (oft mäkelige) Große mochte es!
Viele Grüße aus dem Harz!!!

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Vera 3. November 2017 - 19:22

Hallo Anja, vielen Dank für diesen Text, den Blog und überhaupt für alles :)! Mein Babysohn II isst jetzt eigentlich schon seit er im Hochstuhl sitzen kann am Familientisch mit uns mit. Brei verweigert er, genau wie sein großer Bruder, komplett, vor allem weil er sich nicht füttern lassen will. Ich weiß, ich sollte entspannt mit dem Thema umgehen, aber morgen wird er ein Jahr und es landet immer noch wenig bis gar nix in seinem Bäuchlein. Ab wann denkst du, sollte ich mir beginnen “Sorgen“ zu machen? Ist es normal, dass er noch so wenig isst? Er steckt auch ja gern alles in den Mund, schluckt aber wenig. Ich stille ihn gern, aber langsam wäre es zumindest tagsüber schön, wenn er nahrungstechnisch nicht mehr so von mir abhängig wäre…was meinst du? Liebe Grüße und alles Gute, Vera

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Anja 5. November 2017 - 10:08

Liebe Vera,

wenn Dein Kind gut gedeiht, sich normal entwickelt, aktiv spielt und keine Anzeichen für Unverträglichkeiten zeigt, besteht kein Grund zur Sorge:) Wenn Du Dir in einem dieser Punkte Gedanken machst, konsultiere Deinen Kinderarzt.
Hier hat Kind 2 erst mit 14 Monaten entdeckt, dass doch noch mehr als Muttermilch schmeckt.

Liebe Grüße,

Anja

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Amanda 3. November 2017 - 18:27

Blw hin oder her, was ich nicht verstehe ist, warum Brei soviel besser als feste Kost sein soll. Das sind doch auch nur Kohlenhydrate und etwas Gemüse vermatscht. Ich habe auch das Gefühl dass unsere Tochter viel mehr isst wenn sie feste Nahrung zu sich nimmt. Vom Brei bleibt immer 3/4 übrig. Und ein ein größeres Gematsche ist es allemal. Beim WZ kramen habe ich ungelogen 5 verschiedene Baby-Kochbücher gefunden,allesamt geschenkt und zwischen 5-20 Jahre alt. Ich habe keine ernährungswissenschaftlichen Hintergrund,aber was da so für ein Stuss drin steht ist echt gruselig. Ab dem 6.Monat muss man Fleisch füttern, da es sonst zu Eisenmangel kommt. Blutarmut und Rachitis ist die Folge. Muttermilch kann das nicht ausgleichen,da die Eisenvorräte aufgebraucht sind. Weiter hinten sind bei den belasteten Lebensmitteln meist tierische aufgeführt. Und man soll ab dem 4.-5.Monat nachts Tee geben um den Hunger zu stillen Ich hoffe für uns alle dass Frau v.C. schon in Rente ist oder ihr Geld mittlerweile mit etwas anderem verdient.

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Julia 3. November 2017 - 14:12

Liebe Anja, mein zweites Babysöhnchen ist so alt wie eure Tochter und seit meinem ersten Sohn, der nie Brei essen wollte, weiß ich auch, dass man hier entspannt sein kann. Aber was dieses fingerfood/blw Thema angeht, bin ich immer so ängstlich, dass er sich verschluckt und ersticken könnte. Er würgt immer so stark und hustet und ich sitze immer nur aufgeregt und ängstlich daneben, wenn ich ihm fingerfood anbiete. Hast Du einen Tipp, wie ich hier entspannter werden kann? Danke vorab und liebste Grüße, Julia

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Anja 3. November 2017 - 16:08

Liebe Julia,

das schnelle Würgen liegt daran, dass bei manchen Kindern der Würgreflexpunkt noch recht weit vorne im Mund ist. Probier einfach mal verschiedene Konsistenzen aus. Wichtig ist ja auch, dass Du Dich wohl fühlst. BLW geht auch mit Kartoffelbrei, den sich das Kind von den Finger schleckt;) Ich empfehle als Hebamme immer generell allen Eltern eine 1. Hilfe-Kurs zu machen- egal ob breigefütterttes oder BLW-Kind. Zu wissen, wie man beim wirklichen Verschlucken reagiert ist ja nicht nur im Kontext Essen sinnvoll.

Liebe Grüße, Anja

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wolldrache 3. November 2017 - 09:44

*hihi* bei Euch stillt also Christian?
Sehr fortschrittlich 😉

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Christian 3. November 2017 - 11:00

Der Text ist natürlich von Anja, unterwegs auf meinem MacBook geschrieben… wir haben das mal verbessert 🙂

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