Hyperemesis, Hausgeburt, Wassergeburt

Elterngespräche: Katharina über Kinderwunschwege, Hyperemesis und Hausgeburten

von Anja

Da es immer wieder spannend ist, von anderen Menschen etwas zum Thema Elternschaft zu hören, haben wir die Interview-Rubrik Elterngespräche auf dem Blog eingerichtet. Hier sprechen wir mit anderen Eltern über alle möglichen Themen zwischen Kinderwunsch und Elternsein. Wir haben schon viele Ideen und Pläne für diese Rubrik, freuen uns aber auch über Inspirationen von unseren Lesern.

Katharina, stell Dich doch kurz vor.
Ich bin 30 Jahre alt, seit 12 Jahren mit meinem Mann zusammen und seit vier Jahren mit ihm verheiratet. Wir leben bindungsorientiert mit unseren beiden wundervollen Mädchen (vier Jahre & 15 Monate) in der Mitte von Deutschland. Bis vor der Geburt unserer zweiten Tochter habe ich als Verwaltungsfachangestellte gearbeitet.

Warum sind dein Mann und du beim Thema Kinderwunschbehandlung gelandet?

Im November 2011 hatten wir uns dafür entschieden, unser Leben mit Kindern bereichern wollen, weshalb ich kurz darauf die Pille abgesetzt habe. Da ich sehr übergewichtig bin und eine Schilddrüsenunterfunktion habe, hatten wir im März 2012 ein Beratungsgespräch bei meiner Frauenärztin. Sie war zunächst optimistisch und gab uns sechs Monate Zeit. Leider stellte sich in dieser Zeit nicht mal ein regelmäßiger Zyklus ein. Im September nahm meine Frauenärztin einen Ultraschall vor und entdeckte an meinen Eierstöcken zahlreiche Zysten. Sie überwies mich an die Endokrinologie. Aufgrund der Zysten und weiterer Symptome vermutete die dortige Frauenärztin bei mir eine Insulinresistenz (durch übermäßigen Verzehr von Zucker und einfachen Kohlehydraten gerät die Insulinproduktion stark aus dem Takt; die Folge ist Diabetes). Daher wurde neben einem großen Blutbild auch ein oraler Glukosetoleranztest vorgenommen.

Ernährungsumstellung für den Kinderwunsch

Dann kam das Ergebnis?

Ihr Verdacht bestätigte sich, meine Bauchspeicheldrüse war kurz vor dem Kollaps. Sie nahm sich viel Zeit für mich und erklärte mir unter anderem, dass ein Übermaß an Zucker und einfachen Kohlehydraten dafür sorgt, dass die Bauchspeicheldrüse mit der Produktion des Insulins nicht mehr hinterher kommt und sich daran verausgabt. Zucker und einfache Kohlehydrate, die dann nicht abgebaut werden konnten, werden in Fett umgewandelt und „eingelagert“, um es zu einem späteren Zeitpunkt abzubauen. Das funktioniert natürlich nicht, wenn am nächsten Tag eine neue Wagenladung geliefert wird. Sie bat mich, meinen Konsum an Zucker und einfachen Kohlehydraten schrittweise zu reduzieren. Letzteres ist wichtig, denn alles andere wäre wie ein kalter Entzug und würde nicht funktionieren. Ziel war es, nur noch eine geringe Menge Zucker zu konsumieren und einfache durch komplexe Kohlehydrate zu ersetzen. Zusätzlich verschrieb sie mir ein Medikament, das bei der Behandlung von Diabetes angewendet wird. Da ich jedoch noch nicht an Diabetes erkrankt war, musste ich es mir im Off-Label Use selbst kaufen. Das war Anfang Oktober 2012. Tatsächlich hat diese Ernährungsumstellung dann für einen Gewichtsverlust von zehn Kilogramm gesorgt.


Wie weit seid ihr beim Thema Kinderwunsch gegangen mit der Intervention? Und wie weit hättest Du gehen wollen? Wie ging es deinem Mann damit? 

Ich möchte jetzt niemandem zu nahe treten und hoffe, es fühlt sich niemand gekränkt. Ich erzähle einfach, wie es aus unserer Sicht war. Es hat sich nie nach Kinderwunschbehandlung „angefühlt“. In meiner „Schublade“ beginnt eine Kinderwunschbehandlung an dem Punkt, an welchem eine gezielte und fremdgesteuerte Befruchtung herbeigeführt werden muss. Ich habe einige Paare kennengelernt, die erst unter diesen „sterilen“ Bedingungen Eltern werden konnten. Das ist etwas, für das ich große Bewunderung habe. Gebraucht haben wir das nicht. Aber je länger ich mich mit dem Thema befasst habe, desto klarer wurde mir, dass unser Weg zum Kind die ersten Schritte des Weges sind, die in einer Kinderwunschbehandlung unternommen werden. Um schwanger zu werden, war bei mir die Behandlung der Insulinresistenz ausreichend. Daher kann ich schlecht abschätzen, wie weit wir über die stattgefundene Behandlung hinaus gegangen wären. Wahrscheinlich hätten wir dies vom Geld abhängig gemacht. Vermutlich hätten wir mindestens zwei Befruchtungsversuchen eine Chance gegeben.

Schwangerschaft mit Hyperemesis

Und was war mit deinem Mann?
Außer, dass man bei mir über das Blutbild (z. B. Ausschluss von zu niedrigen Schilddrüsenwerten, Eisenmangel, Gerinnungsstörung, Fehlfunktion von Nebennierenrinde..) und den Zuckertest nach der Ursache für die ausbleibende Befruchtung geforscht hat, durfte mein Mann ein Spermiogramm anfertigen lassen. Nun, es löste keine Begeisterungsstürme aus, beschwert hat er sich jedoch nicht. Wirklich wohl hat er sich dabei nicht gefühlt, aber es war für die Anamnese notwendig. Tatsächlich stellte sich heraus, dass er mit grenzwertig aktiven Spermien die Sache nicht unbedingt erleichtern würde. Schlussendlich hat es aber doch gereicht.

Die Schwangerschaft war dann alles andere als einfach, hattest du erwähnt. Wie verlief sie und wie ging es dir in dieser Zeit?
Puh. Die Schwangerschaft war eigentlich zum Abgewöhnen. Am Abend des 2. Weihnachtsfeiertages wurde mir ziemlich schlecht, weshalb ich mich früh ins Bett legte. Bis Silvester war mir ständig flau. Am Neujahrsmorgen habe ich mich dann das erste Mal übergeben (und das ohne Feier an Silvester). Erst Ende der ersten Januarwoche kam mir die Idee, dass ich schwanger sein könnte. Unzählige negative Schwangerschaftstests hatte ich bis dahin schon durch, von daher ging ich gar nicht von einem positiven aus. Es ging mir jeden Tag schlechter. Seit Silvester hatte ich keinen Appetit mehr, trinken fiel mir schwer und was ich in mich reinzwängte, kam umgehend wieder raus. Ich fühlte mich elend. Ende Januar und vier verlorene Kilogramm später sagte mir meine Frauenärztin, dass sie davon ausgehe, dass ich an Hyperemesis gravidarum Grad 1 leiden würde.

Wie verlief die Schwangerschaft nach dieser Diagnose weiter?
Meinen „Höhepunkt“ hatte ich an einem Morgen Anfang Februar. 20 Mal hatte ich mich innerhalb von vier Stunden übergeben. Es war so schlimm, dass ich meinen Mann von der Arbeit nach Hause flehte. Die komplette Schwangerschaft über ging es mir schlecht, pausenlos war mir übel. Ich habe mich jeden Tag und jede Nacht mehrere Male übergeben. Das ging bis zum Ende der Schwangerschaft so. Neun Kilogramm Gewicht kostete mich mein Zustand. Für Vomex habe ich sehr viel Geld in der Apotheke gelassen. Aber das war alles irgendwie noch auszuhalten. Ich bin sogar Vollzeit arbeiten gegangen. Was aber extrem an mir zerrte, war das schwindende Verständnis im Umfeld. „Na komm, stell dich nicht so an. Nach dem 3. Monat hört die Übelkeit auf“ – und ich war mittlerweile im 6. Monat. Man hielt mich für verweichlicht. Ich würde übertreiben und wolle Aufmerksamkeit. Eine Schwangerschaft sei eine Schwangerschaft, keine Krankheit. Dies hörte ich nicht bloß von Arbeitskollegen oder im Verein, sondern auch von den Eltern und einer Großmutter meines Mannes.

Klinikgeburt und Hausgeburt

Das war im Alltag bestimmt eine echte Herausforderung, körperlich wie mental?
Ich quälte mich morgens aus dem Bett, schaffte es gerade so im Gleitzeitrahmen pünktlich auf der Arbeit zu sein. Dort bekam ich trotzdem Rüffel, da ich, auf die Abteilung gesehen, eine Stunde zu spät dran war. Meine Mitmenschen laugten mich emotional aus, das Baby körperlich. Zudem war ich in großer Sorge, dass das Baby aufgrund meiner Hyperemesis Defizite bekommen könnte. Denn es herrscht ein immenser Druck bezüglich der richtigen Ernährung in einer Schwangerschaft. Doch die Frauenärztin in der Endokrinologie hat mir alle Angst genommen. Der menschliche Körper ist genial: Das Baby nimmt sich alles, was es braucht und zehrt von den Vorräten der Mutter. Sich als Hyperemesis-Patientin nach der Schwangerschaft um eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu kümmern, ist früh genug. Übrigens: Schwangerschaftsübelkeit und vor allem Hyperemesis wurden früher mit Contergan behandelt…

Wie hast du die Geburt erlebt? Wie ging es dir danach?
Das Baby machte es mir nicht einfach, ich war über dem Termin. Samstags war der erratene Termin, doch kein Baby in Sicht. Deshalb musste ich von Montag bis Freitag täglich bei meiner Frauenärztin aufschlagen. Auch wenn es bisher so klang: Besonders zugewandt und freundlich war meine Ärztin nie. Nun aber wurde sie sogar übergriffig. Mittwochs nahm sie ohne mein Einverständnis eine Eipol-Lösung vor und freitags meldete sie mich ohne mein Einverständnis für sonntags zur Einleitung im Krankenhaus an.

Wann und wie ging die Geburt dann los?
Glücklicherweise hat Baby meine Panik als Startschuss genommen und machte sich dann am Samstagmorgen gemächlich auf den Weg. Nach zehn Stunden Wehenarbeit zu Hause machten wir uns auf den Weg ins Krankenhaus. Zehn grauenvolle Minuten. Nach dem Zwischenparken am CTG bestand ich, zur Verwunderung der Hebamme, auf eine PDA- und schmerzmittelfreie Geburt. Nach drei Stunden im Kreissaal, von denen wir zweieinhalb Stunden alleine verbrachten und ich mit heftigen Wehen wieder aus der Gebärwanne aussteigen musste, teilte mir die Hebamme mit, dass sie nun Schichtende habe. Die nächste Kollegin sei sehr nett und in etwa 30 Minuten würde ich mein Baby begrüßen können. Es dauerte allerdings nur drei Minuten bis zur ersten Presswehe. Und das ohne Hebamme im Zimmer. Als mein Mann es endlich geschafft hatte, die neue Hebamme davon zu überzeugen, zu mir zu kommen, hörte ich von ihr ein: „Oh, der Kopf! Jetzt noch einmal pressen!“. Eine Minute später hatte ich dann ein kleines blaues, schmieriges Bündel Mensch auf meiner Brust liegen. ☺ Die Geburt im Krankenhaus war für mich definitiv kein traumatisches Erlebnis. Aber von einer schönen Geburt war es auch weit entfernt. Im Nachhinein wurde mir durch die Hebammenproblematik bewusst, dass die Geburt unserer Großen gar nicht anders ablaufen konnte. Das brachte mich sehr schnell zu dem Entschluss, dass das nächste Kind zu Hause zur Welt kommen soll.

Gallenkolik im Wochenbett

Auch die weitere Babyzeit war ja nicht ganz komplikationslos. Welche gesundheitlichen Probleme hattest du? Wie bekommt man Behandlung, OP und Babyalltag unter einen Hut?
Beim Stillen hatten wir große Startschwierigkeiten. Aber es klappte. Irgendwie. Nur, dass Stillen derart hungrig macht, damit hatte ich nicht gerechnet. Noch dazu war die Kleine extrem unruhig und (noch heute) ein richtig schlechter Schläfer, weshalb ich im Prinzip auch nachts ständig wach war. Und ich hatte Hunger. So schlimm, dass ich durchaus nachts um 2.30 Uhr eine Scheibe Brot gegessen habe. Großer Fehler! Liebe noch schwangere Erstlingsmamas: Bitte macht das nicht! Wenn der Hunger sehr groß ist, trinkt Wasser, gerne auch eine Tasse Brühe. Esst vielleicht einen Naturjogurt. Aber mehr nicht.

Warum die Warnung?
Mein Rund-um-die-Uhr-Essverhalten sorgte dafür, dass ich Gallensteine bekam. Die Gallenflüssigkeit besteht aus mehreren Komponenten, die immer im Gleichgewicht bleiben müssen. Ganz grob gesagt sollte man für die Gesunderhaltung der Gallenblase möglichst Eier, frisches Brot, Fleisch und tierisches Fett in seiner Ernährung vermeiden bzw. auf ein Minimum fahren und täglich eine Essenspause von zwölf Stunden einlegen. Wenn man das zu oft nicht einhält, können Gallensteine entstehen. Es folgte eine schwere, unfassbar schmerzvolle Kolik. Der Hinweis meiner wundervollen Nachsorge-Hebamme auf mögliche Gallensteine. Ein Ultraschall mit Bestätigung bei meinem Hausarzt. Ein grottenschlechtes Konsil der Chirurgie im Krankenhaus. Dann eine zweite Kolik und ein hervorragendes Konsil in einem anderen Krankenhaus mit sofortigem Aufenthalt, da meine Gallenblase hochgradig entzündet und ich bereits gelb angelaufen war. Ich durfte das Krankenhaus nicht mehr verlassen, konnte mich nicht von meinem Baby verabschieden (da war sie fünf Monate alt) und hatte eine Woche Krankenhausaufenthalt vor mir.

Das ließ sich mit dem Stillen noch vereinbaren?
Da das Stillen nicht reibungslos gut lief, kannte das Baby bereits das Fläschchen, welches sie hin und wieder auch vom Papa bekam. Daher hatten wir bezüglich ihrer Versorgung kein Problem. Während dieser Zeit hielt ich die Milchproduktion per Pumpe aufrecht (verordnet über die Frauenärztin). Mein Mann blieb zwei Wochen als „Haushaltshilfe“ über die Krankenkasse zu Hause. Als ich wieder zu Hause war, ging die Kleine auch ohne Probleme wieder an die Brust. Es blieb jedoch bei einer Kombination aus Stillen und Fläschchen. Vier Wochen nach meinem Aufenthalt stand die Entfernung der Gallenblase an. Da ich aufgrund der Schnitte nicht heben durfte, blieb mein Mann noch mal vier Wochen als Haushaltshilfe zu Hause und kümmerte sich während der Zeit um unsere damals sechs Monate alte Tochter. Auch hier war die Pumpe im Einsatz und die Wiederaufnahme des Stillens kein Problem. Nach den vier Wochen war es mir, wenn auch mit Anstrengung, wieder möglich, mich alleine um unser Baby zu kümmern. Als unsere Tochter 13 Monate alt war, bereitete mehreren Ärzten ein auffallend großer Knoten in meiner Schilddrüse Sorge, weshalb ich abermals operiert werden musste. Wieder im Einsatz: Milchpumpe, Papa und Fläschchen. Zurück zu Hause war der Milchfluss mittlerweile so spärlich und mein Nervenkostüm so dünn, dass ich das beständige Nuckeln nicht mehr ertragen konnte. Ein ziemlich blödes Ende für eine Stillbeziehung, doch leider nicht anders machbar.

Der Weg zum zweiten Wunschkind

Ihr habt mehrere Kinder, gab es bei allen Probleme vor der Schwangerschaft?
Ja. Unsere zweite Tochter ließ ebenfalls auf sich warten. In dieser Zeit endeten drei Schwangerschaften spätestens in der 10. Woche. Ein Test auf Insulinresistenz verlief negativ. Zwar waren die Werte noch hoch, aber unter der kritischen Grenze. So wurde zunächst eine Behandlung mit Clomifen angedacht. Doch vorher sollte ich es noch mal mit dem Diabetes-Medikament versuchen. Tatsächlich sorgte dieser kleine Anschubser dafür, dass sich eine Eizelle einnistete und wir im April 2016 unser zweites Wunder begrüßen konnten.

Wie ging es Dir in dieser Schwangerschaft?
Leider nicht besser als in der ersten Schwangerschaft. Erschwerend hinzu kamen ein Kleinkind und der Teilzeit-Job, wieder mit verständnislosen Kollegen, und meine Frauenärztin, die von Hausgeburten rein gar nichts hält. Doch meine Große (damals 26 Monate alt) ist ein unglaublich empathischer Mensch: Sie war zufrieden, wenn ich auf dem Sofa lag und sie dort spielen konnte. Wenn es mir ganz schlecht ging, sagte sie oft: „Mama, leg dich ins Bett und schlaf ein bisschen. Dann geht’s dir besser.“ Ging halt nicht, aber es ließ mein Herz schmelzen. Zum Glück brauchte mein schlechter Schläfer noch lange Zeit einen Mittagsschlaf. Den hielten wir dann zusammen, was mir sehr half. Nach vielen Essens- und Getränkeexperimenten in der ersten Schwangerschaft, fand ich in dieser Schwangerschaft endlich etwas, das mir half. Direkt nach dem Aufstehen einen lauwarmen, sehr stark gesüßten Pfefferminztee zu trinken half. Das hielt zumindest das Erbrechen einigermaßen im Zaum. Ständig übel war mir trotzdem und Vomex wieder mein bester Begleiter, sobald meine Tochter in Betreuung war.

Die Frauenärztin hatte ein Problem mit der geplanten Hausgeburt?
Die Zusammenarbeit mit meiner Frauenärztin war schwierig. Während ich in der ersten Schwangerschaft kam, wann immer sie verlangte (20 Eintragungen im Pass zeugen davon), war ich in dieser Schwangerschaft nicht kooperativ in ihrem Sinne. Ich sagte Termine ab, ließ welche verstreichen (man telefonierte mir hinterher!) und wollte dann auch noch Vorsorgeuntersuchungen durch meine Hausgeburts-Hebamme durchführen lassen. Ich unmöglicher Patient! Und, natürlich, es ging wieder über den Termin. Ihre Untersuchung an ET+7 beendete sie mit: „Normalerweise hätte ich Sie schon längst ins Krankenhaus geschickt. Aber da gehen Sie ja eh nicht hin. Unverantwortlich, aber wenn Sie meinen. Ich kann Ihnen nicht mehr helfen. Daher entlasse ich Sie heute aus meiner Verantwortung. Alles Gute für die Geburt.“

Wassergeburt im Wohnzimmer

Wie verlief die zweite Geburt?
Wundervoll! An ET+10 war es endlich soweit, dass wir den seit drei Tagen im Wohnzimmer, mit Blick auf den Garten, aufgebauten Pool füllen und nach 5,5 Stunden Wehenarbeit unsere Hebamme anrufen konnten. Eine Stunde später war sie da. Eine weitere Stunde später kam unsere zweite Tochter in unserem Wohnzimmer im Geburtspool zur Welt. Meine Hebamme war da, beobachte, ließ mich machen und unterstütze dann die Geburt. Die Nabelschnur habe ich dann durchgeschnitten. Ich hab noch nie verstanden, wieso man es den Vätern zugesteht, die Verbindung von Mama und Baby zu trennen. Nein, das Recht gehört der Mutter. 🙂

Wie ging es Dir nach der Geburt im eigenen Heim?
Etwas seltsam war es schon, als sich die Hebamme zwei Stunden später verabschiedete. Immerhin hatte ich eben ein Baby zur Welt gebracht! Und sie wollte einfach so gehen?
Als die Verwunderung gewichen war, fühlte es sich stimmig und gut an – die eigenen Handtücher, das eigene Sofa, das eigene Bad und Bett, das eigene Essen. Kein nach mehreren Stichen in die Haut gebohrter Zugang. Keine die Geburt störenden fremden Menschen oder unnötigen Untersuchungen oder CTGs. Und keine Zimmernachbarn, keine Besucher der Zimmernachbarn. Nur wir. Alleine deshalb wäre Nr. 3 durchaus denkbar. Aber die Schwangerschaft… Ich kann es jeder Frau nur ans Herz legen: Wenn ihr es euch zutraut, bringt euer Baby zu Hause zur Welt. Es ist gut, dass es das Krankenhaus gibt. Aber für Geburten braucht man es eigentlich nur im Notfall. Und eine Hausgeburt verteilt bei weitem nicht so viele Flüssigkeiten, wie man sich vorstellt. Alles passte auf zwei Einmalunterlagen. Das ganze Malervlies, die Planen und Handtücher, die wir ausgelegt hatten, die konnten wir genau so wieder wegräumen.

Was hat dir eigentlich am meisten geholfen auf dem nicht ganz leichten Weg zu den Wunschkindern?
Mein Mann. Er hat mich bestärkt und unterstützt, egal auf welchem Teil des Weges. Wir haben uns nie mit Außenstehenden über unseren Kinderwunsch unterhalten, da es in unseren Augen eine sehr private Entscheidung ist. Und da wir nie das Gefühl hatten, in einer Kinderwunschbehandlung zu sein, haben wir auch keine entsprechenden Foren gelesen. Von daher hatten wir nur uns zum Austausch. Es hat uns aber vollkommen gereicht.

Passend zum Thema

Kommentieren