entspannter Stillstart

Wochenbettwissen: Ein entspannter Stillbeginn

von Anja

Stillen ist nicht erst nach der Geburt ein Thema. Schon von Beginn der Schwangerschaft an bereitet sich der Körper auf den Stillbeginn und die Stillzeit vor. Hormonell bedingt wächst und differenziert sich das Brustdrüsengewebe. Die Brustwarze selbst wird sensibler, der Vorhof verändert sich in Größe und Farbe. Bereits in der zweiten Schwangerschaftshälfte kann es zur Sekretion von Kolostrum, der ersten Neugeborenenmilch kommen. Auch das Baby im Bauch trainiert fleißig seine Such-, Saug- und Schluckreflexe.

So gut vorbereitet ist rein körperlich alles für das erste Stillen nach der Geburt bereit. Und tatsächlich ist die Stillbereitschaft in den ersten zwei Stunden nach der Geburt am größten. Daher ist es ideal, das Baby in diesem Zeitraum anzulegen. Natürlich bedeutet ein späterer Stillstart nicht, dass das Stillen komplizierter ist oder nicht gelingt. Aber mögliche Schwierigkeiten treten häufiger auf, wenn in den ersten Lebensstunden kein erfolgreiches Anlegen möglich war. Doch auch jenseits der ersten Stillmahlzeit noch in den Geburtsräumen sind die ersten Stunden und Tage entscheidend für einen guten Stillbeginn.

Unmittelbar nach der Plazentageburt fallen die Hormone weg, die die Milchbildung in der Schwangerschaft zurückgehalten haben. Die Stillhormone wirken nun voll, ein häufiges Anlegen regt sie an. Genau dies sollte in den ersten Tagen stattfinden. Am ersten Tag mindestens acht Mal, gerne auch häufiger. In den darauffolgenden Tagen sorgt noch häufigeres Anlegen dafür, dass die Milchbildung sich entsprechend einspielt.

Wie kommt man möglichst entspannt durch diese Phase?

Zehn bis zwölf oder noch mehr Stillmahlzeiten in 24 Stunden sind normal und sinnvoll für ein Neugeborenes. Zum einen zur Anregung der Milchbildung, aber auch, weil ein kleines Baby häufige Mahlzeiten braucht. Der anfangs murmelgroße Magen kann noch keine größeren Milchmengen aufnehmen und verarbeiten. Rund um den dritten Tag spüren viele Mütter die initiale Brustdrüsenschwellung („Milcheinschuss“), die anzeigt, dass es nun in die Phase der reichlichen Milchbildung übergeht.

Wochenbett einhalten
Ungefähr am dritten Tag nach der Geburt findet nicht nur der Milcheinschuss statt. Auch der große, nachgeburtliche hormonelle Umbruch führt in diesen Tagen zu Stimmungsschwankungen, die Symptome des so genannten Babyblues zeigen können. Zudem merken Mütter nun oft den Schlafmangel und die körperliche Erschöpfung nach der Geburt deutlicher. Umso wichtiger ist es, dass sie sich wirklich ausruhen und die Wochenbettruhe einhalten.

Dafür brauchen Mütter Entlastung und Menschen um sich herum, die den Haushalt und die Versorgung der Geschwisterkinder übernehmen. Sie sollte sie zudem mit genügend gesunder und leckerer Nahrung versorgen. Unterstützender Besuch kann in dieser Phase durchaus hilfreich sein. Reiner Besuch zum „Babygucken und Kaffeetrinken“ sollte in diesen ersten Tagen vermieden werden. Stillen ist gerade anfangs ein Vollzeitjob – und die kleine neugeborene Familie braucht Zeit zum Ankommen und sich kennenlernen.

Anlegen, anlegen, anlegen
Häufiges und effektives Anlegen unterstützt schon im Vorhinein einen sanften Übergang zur reichlichen Milchbildung mit abgemildertem „schmerzhaften Milcheinschuss“. Der Beginn der reichlichen Milchbildung geht meist mit einer physiologischen Brustdrüsenschwellung einher. Die Brüste und manchmal auch der Brustwarzenhof sind geschwollen und empfindlich. Auch Rötungen, glänzende Haut und vereinzelte Ödeme können auftreten.

Brustmassage vor dem Anlegen kann Milchfluss anregen

Eventuell fällt dem Baby das Andocken an der nun größeren und festeren Brust schwerer. Hatte es in den ersten Tagen an der zuvor noch weichen Brust viel Gelegenheit, das Stillen zu lernen, kommt es wahrscheinlich auch mit dieser Herausforderung gut zurecht. Häufiges Anlegen sorgt in der Regel dafür, dass die initiale Brustdrüsenschwellung für Mutter und Kind nicht zu belastend in Bezug auf das Stillen ausfällt. Bei Schwierigkeiten ist die fachliche Unterstützung durch eine Hebamme oder Stillberaterin empfehlenswert.

Sanfte Brustmassage und Kühlen
Eine sanfte Brustmassage vor dem Anlegen kann den Milchfluss anregen. Wichtig ist, diese Massage wirklich sehr sanft, also „streichelzart“ auszuführen. Druck ausübende oder quetschende Massagetechniken sind unbedingt zu vermeiden, da sie das sensible Brustdrüsengewebe verletzen können. Hebammen und Stillberaterinnen können eine sanfte Massage zur Lockerung des Brustdrüsengewebes zeigen. Das durch die Brustmassage ausgeschüttete Hormon Oxytocin fördert den Milchfluss.

Nach dem Anlegen kann das Kühlen etwas Linderung bringen, wenn durch die Brustdrüsenschwellung Schmerzen bestehen. Wichtig ist aber, dass nicht zu viel Kälte zum Einsatz kommt und die Durchblutung des Gewebes nicht zu stören. Eiskompressen also nicht direkt auf die Haut legen, sondern zum Beispiel in ein kleines Gästehandtuch wickeln. Auch im Kühlschrank gelagerte Weißkohlblätter lassen sich unter Aussparung der Brustwarze auf das Brustdrüsengewebe legen. Diese sorgen auch für eine schmerzlindernde Kühlung.

Stillbustier statt Still-BH
Am besten lässt man in den ersten Stilltagen viel Luft an die Brust. Auch für die Brustwarzen, die zu Beginn der Stillzeit etwas empfindlich sein können, ist das Antrocken von Muttermilch nach dem Stillen an der Luft die beste Pflege. Bei wirklichen Schmerzen oder gar verletzten Mamillen sollte aber schnell Hilfe durch die Hebamme oder eine Stillberaterin eingeholt werden, damit die Ursache gefunden und behoben werden kann. Vielen Frauen ist es aber angenehm, die deutlich schwerer gewordene Brust mit entsprechender Wäsche etwas zu stützen.

Gesamte Stillzeit kann Fragen produzieren

In den ersten Tagen rate ich aber eher von einem Still-BH ab, weil es durch die sich verändernde Form und Größe auch schnell mal zu einem Milchstau kommen kann, wenn zum Beispiel ein zu enger Träger oder ein Bügel auf die Milchgänge drückt. Wesentlich anpassungsfähiger sind da Still-Bustiers. Diese lassen sich bereits gut in der Schwangerschaft tragen. Den Kauf eines wirklich gut sitzenden BHs für die Stillzeit empfehle ich erst nach dem Abklingen des Milcheinschusses, weil sich die Brust in Form und Größe doch noch einmal verändert. Gerade bei Bügel-BHs ist es wichtig, dass diese wirklich passen und nicht das empfindliche Brustdrüsengewebe quetschen. Als Hebamme habe ich schon den einen oder anderen Unterwäsche-bedingten Milchstau gesehen. 

Stillunterstützung
Nicht nur in den ersten Tagen, sondern in der ganzen Stillzeit ist es gut, wenn man bei Fragen oder Schwierigkeiten schnell Antworten und Unterstützung bekommt. Hebammen begleiten Mütter in den ersten zwölf Wochen nach der Geburt und bleiben auch darüber hinaus Ansprechpartnerinnen bei Stillschwierigkeiten – und zwar bis zum Ende der Abstillzeit. Darüber hinaus gibt es Stillberaterinnen, die angestellt in einer Klinik oder aber freiberuflich arbeiten. Auch Stillgruppen sind eine wichtige Unterstützung.

Allerdings ist ein Besuch erst nach dem Wochenbett sinnvoll und ersetzt auch nicht die individuelle Einzelberatung bei akuten Problemen. Doch gerade der Austausch von Müttern untereinander unter fachlicher Begleitung ist sehr wertvoll in der Stillzeit. Manche Kliniken haben auch eine Stillambulanz eingerichtet, in der zu bestimmten Zeiten eine qualifizierte Stillberaterin Ansprechpartner bei Problemen ist. Doch gerade in der ersten Wochenbettzeit sollte eine Mutter möglichst in Form von Hausbesuchen unterstützt werden, da Wege und Wartezeiten zusätzlichen Stress verursachen können.

Passend zum Thema

1 Kommentar

Francine 12. Januar 2021 - 21:17

Das ist wirklich sooo wichtig, sich da kompetente Hilfe zu holen. Auch die Bezeichnung „stillfreundliches Krankenhaus“ lässt leider nicht den Schluss zu, dass auch die Nachtschwester weiß, wie man am Besten vorgeht.
Mein Baby lag auf der Neugeborenenintensiv, so dass ich abpumpen musste. Das Krankenhaus riet dazu, dies nach einem per Handout festgelegten „Massage – Pumpen – Massage – Pumpen…“ – Rhythmus zu tun, mit festen Minutenangaben.
Mein Milcheinschuss kam sehr bald (schon seit Woche 23 hatten meine Brüste eifrig geleckt), beide Brüste prall und voll, so fragte ich, ob ich auch länger pumpen dürfe, damit der Druck abgebaut würde.

Mir wurde abgeraten, stattdessen solle ich doch einen gut stützenden BH anziehen…
Als ich einwandte, ich hätte nur recht weiche Bustiers dabei, hieß es, dann solle ich doch zwei übereinander tragen. Das habe ich dann gemacht.
Die Massagen machte ich demgemäß auch treulich weiter, wenn auch dabei die Milch schon bächeweise an mir herunterrann.
Zum Glück ohne schlimmere weitere Folgen, außer zusätzlichen Schmerzen und Stress in einer eh schon aufregenden Zeit.

Hätte das stillfreundliche Krankenhaus tatsächlich eine Stillberaterin gehabt, wäre das sicher anders gelaufen.

Antworten

Kommentieren